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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-20 · Heft 2333 (20.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2333 (20.8.1925)
Date
1925-08-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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mm Seite 4 Wi.T.> V g M r.'-rrl-:Z'.*>».* 20. '?J«.-;,:.ft J#>5 /4 *«.. .■■* ■ t'fjl^ujuJLa in'är " «s--. -- *. *, ■ - 2*V* ■ / ••V*,-..** $r. 2333 We Tribüne und die Logen bei der Kongresseröifnung f«(»*'“wv«WA»1. . . f. t . Sie Festsitzung. Vor der Eröffnung. Sechs Uhr nachmittags. Der Abend verglüht. Weiße Gestalten huschen vor dem benachbarten Lawn-Tcnnis Platz, vor den Doppeltüren des KonzerthanseS drängen sich die Menschen. Cs ist ans seiner „toten Saison" sehr gründlich er wacht und in wenigen Tagen Basar, Bureaubetricb, Ausstellungsraum, Pvstexpositur, Restauration- und Büscttbetrieb geworden. Aus den Gängen und Stiegen fluten die Menschen, in Gesellschaftskleidern, schwarz, wie im Winter, und sommerlich Helle; Jünglinge halten musterhaft den Ordnungsdienst, Damen verkaufen Blumen und um die blauen Tische des Rauchsalons wartet ittait auf den Beginn. Die Fenster sind geöffnet und man blickt auf Wien, auf die noch sonnenbestrahlten Dächer, Türme bis zum Riesenrad, aus dieses Wien, das so schön ist, das so schön sein könnte... Die Mündungen der Straßen sind durch einen Zaun von Wachleuten gesperrt. Die Zeit rückt vor. Man besichtigt die Palästina-Ausstellung, die Bücherstände mit altbiblischer Literatur auf dunkelrotem Plüsch, die Kunstausstellung der Maler, die Bilder und Statuen. Die Stehplätze im Saale sind bereits gefüllt. Die Galerie erscheint. Unten, vor dem Tore, hält daS Parkett und die Logen. Endlos rollen die Autos über dieweißen Straßen, stauen sich vor dem Haupteingange. Die Delegierten, die Gesandten fahren vor. Die Zuflüsse münden in den wahrhaftig „großen" KorizrrthauSsaal. Aber ringsum, auf Stiegen und Gängen, bleiben Hunderte zurück, die keinen Eintritt mehr erhalten können, aber die Hoffnung, doch anwesend zu sein, nicht ausgegeben haben. Und wenn sie auch nicht den Kongretzsaal betreten können, sie warten draußen, warten und warten, während hinter den bereits sorgsctltigst geschlossenen Türen Professor Weizmann den Kongreß eröffnet ... Drei Hammerschläge. Die elektrischen Sonnenkugeln des Großen Konzerthaussaales flammen ans und der Präsident betritt den Saal. Jubel, inniger Jubel, nicht der zeremonielle, höfliche Beifall, wie er in diesem Konzertsaale üblich ist, dröhnt Professor Weizmann entgegen. Nun steht er vor seinem Präsidententisch, an seiner Seite Nahum Sokolow, der im Fauteuil einsinkt, während Professor Weizmann die Eröffnungs- und Begrüßungsansprache beginnt. Dieser Saal hat sich — rein äußerlich — wenig verändert. Bloß am Kopf rote Tribünen, unter den Fachern der Palmen, tropisch grün von südlichen Gewächsen umrahmt. Und auf diesen Tribünen die Führer der Bewegung, meist im Frack, Gesellschafts-, Gelehrten- und SalonporträtS, weiße, ehrwürdige Bibelköpfe, Gestalten auallen Ländern, ans allen Erdteilen. In diesem Saale, der technisch kaum umgestallet wurde, noch immer seine Parkett-, Estraden-, Galerie- und Logensitze hat wie bei den Konzerten der Saison, ist nun nichts mehr von Theater, von Musiksest, vom Schauplatz" im örtlichen Sinne zu spüren. Das ist die Stätte eines Parlaments, Zentrum und Versammlung einer weltpolitischen Bewegung, Arbeit und Mission. Und es ist kein Zufall, daß hier, im großen Konzerlhanssaale, keine Operngläser, Instrumente sensationseifriger Neugierde, sich erheben. Das ist kein „begeistertes Publikum", das alle Range füllt und überfüllt, es sind Andächtige, wenn man so sagen darf, erfüllt von feierlicher Größe, intb dieser erhabene, geweihte Eindruck bezwingt auch die Gäste, das diplomatische Korps, das sich vollzählig in den Logen eingefunden hat, die Repräsentanten der Regierung, die offiziellen Vertreter Wiens und Oesterreichs. Dieser Eindruck bezwingt die „Wiener Gesellschaft", die geistig emporragenden Gestalten dieser Stadt, die literarischen Köpfe, die aus Kunst und Wissenschaft aufftrebenben Juden Wien-. Kein Platz ist rmoefetzt, bloß die Saaltemperatur ist sommerlich heiß, tzMMiK wie in der Kitlminatioi» der „Saison" dieser MWkH .***ry\n. n r-. i Konzerthaussaal am 18. August 192->. Keine Theater- und Konzcrtattraktion, kein Regisseur- und Managcrgenie würde dieses Wunder des sommerlich überfüllten KvNzerthaussaales vollbringen können. Dies vermag Uebcrzengnng, freie begeisterte Leidenschaft für die Idee . . . Sic umschlingt die Tribüne, das Parkett und die Stehplätze, wo die Studenten und Studentinnen seit vielen Stunden gepreßt stehen, diese jungen imb jüngsten Ordner und Turner, die ihren Dienst mit einer rührenden Hingabe, Präzision und Höflichkeit versehen, und die alten Herren, die ihren Sommerurlaub, ihre Muse, der Pflicht und der Arbeit opfern. Das ist das werk- und mittätige Publikum, zu dem Professor Weizmann spricht. Hochgcstrcckt steht er auf seinem Präsidentenplah, der längliche Kopf wird von einer Brille umspannt, der Spitzbart streicht die schwarze Kragenbinde. Professor Weizmann liest die Begrüßungsrede. Sie ist sachlich, nicht ausschweifend, berührt zu Beginn mit einer Erinnernng an Herzl Wien, und nennt nun die Gäste des Kongresses. Der englische Gesandte, dem der Jubel voll, schmetternd, lang cntgegenhallt, erhebt sich von dem ersten Platze feinet Loge, der tschechoslowakische Gesandte wird mit Fanfareurufen begrüßt und dem Vertreter Amerikas werden Ovationen bereitet, die nicht enden, so daß Professor Weizmann mit dem Hammer auf den Tisch den Fortgang seiner Ansprache erzwingen muß . . . Professor. Weizmann hat in deutscher Sprache über Wien gesprochen, in deutscher Sprache die Vertreter Wiens begrüßt, das diplomatische Korps englisch willkommen geheißen, und erklärt nun, wieder deutsch, den 14. Zionistenkongreß für eröffnet, lehnt sich in sein Fauteuil zurück, alten, lieben Freunden in den Logen zulächclnd, während Sokolow leidenschaftlicher, kräftiger, pathetischer, mit Elan, Feuer — nicht mehr diplomatisches Expose, sondern Argumentation — den Saal entzündet . . . Für die österreichische Regierung dankt sehr liebenswürdig Minister Resch. Daß Eröffnungsprogramm nimmt seinen Fortgangs. . . Der interessanteste Abend, den Wien vielleicht jemals erlebte. Und doch weit entfernt, ein „Wiener Abend" zu sein. Er kain aus der Fremde und Ferne. D—n. Sie Fudenkolonifatio« der Sowjet« Ein Negierungskomitee für Laubbesehung. (Eigcndicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Moskau, 18. August. Die Sowjetregierung hat ein eigenes R c g i e r n n g s ko m i tc c ernannt, welches beauftragt ist, die Landbesetznng für Kolonisation von Inden itt Rußland durchgusühren. Sie gibt die Ernennnng dieses Komitees bekannt und fugt, offenbar um das geringe Vertrauen zu ihren Kolo,,isätionsma ßnahmen für Inden zu stärken, ein, daß sämtliche Organe dieses Komitees mit den Problemen der jüdischen Kolonisation vertraut seien. In den Richtlinien für die Arbeit dieses Kolonifationskmnitees, welche di« Sowjeircgiernng Hera --?.z?ben hat. wird, um auch.die. zionistischen Kreise zu gewinnen, angeführt, daß da« B e k e n n t u i sz u m Zionismus kein Grund sei, Mitglieder' aus den Kolonisationsgruppeu auszuschließcn oder sic in diese nicht aufznnchmen; eine ettvaige antisoiiosetistlsche Tätigkeit zionistischer Mitglieder der Koloiüsierungsgruppeil wäre nach den allgemeinen Gesetzen zu 'bestrafen. Die Bildung dieses Regierurlgskomitees und die Richtlinien für seine Tätigkeit weisen deutlich auf 'den lediglich demonstrativen' Charakter des ganzen Kolonisati onsplanes hin, für den die wichtigsten Grundlagen, bcc Boden, erst durch Laudbesetzungsakte gewonnen werden soll; die plötzliche, milde Auffassung über die „antisowsetistische Tätigkeit" von Zionisten dient den gleichen demonstrativen Zieleil und wird durch die nach wie' vor herrschenden brutalen Verfolgungen auf die wirkliche Mahrheitsgrnnd» läge zurückgesührt. ■***??* . .jjUn r*<T. ..si'i. A&Fr-.-.,-*.. " . .... v?•* «TS'. «X& Die Delegierten und die Zuschauernienge

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