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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-19 · Heft 2332 (19.8.1925) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2332 (19.8.1925)
Date
1925-08-19
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2332 Men, Mittwoch Wiener Morften^eituna «K!t€ B lf* *. ^n.qnst Sie Revolte gegen den Ammlamsmus. Ein Brief aus London. Bon Z. Williams. Es ist c inc allgemein bekannte Tatsache, daß Europa rapid dem Amerikanismus verfällt, lvenn es nicht schon halb amerikanisiert ist. Seit dem .Kriege Hot Europa sich nicht allein in finanzieller und politischer Hinsicht, sondern auch geistig von Amerika beherrschen lassen. In der Einbildungskraft de!s verarnkten und. erschöpften Europa gestaltete sich das junge, reiche, mächtige und siegreiche Amerika zu einem Lait-e phantastischen Interesses und geradezu sagenhaften Wohlstandes. Es ist eine Tatsache, daß Europa in Amerika den einzigen Sieger im Weltkriege anerkennt. Gin jeder katzbuckelt vor Amerika und trachtet dienstbeflissen all seinen Launen gerecht zu werden und ihm in jeder Weise entgegen zu kommen. Alles, was von drüben kommt, wird nachgeäfft, denn das ist M-ode. Es erweckt beinahe den Anschein, als würde in dem Amerikaner der Abkömmling einer höheren Menschenrasse erblickt. Ein jeder Amerikaner, der in Europa gewesen ist, kann davon erzählen, daß der Borweis eines anierikaurschen Reisepasses allein schon genügte, ihm Mr und Tor zu öffnen, ihn ermächtigte, all der Borrechte und Ehrungen teilhaftig zu werden, die sonst mtr für die Größten unter uns erreichbar sind. Der fast UnterwürfWeit gleichende, unverhohlene Respekt, den man dem Amerikaner selbst in den höchsten gesellschaftlichen Kreisen in allen Plätzen Europas entgegenbringt, beweist nur zu sehr, daß Europa es für gut erachtet, in Amerika den alleinigen Sieger tm großen Bütkerringen zu sehen, denn nur großen Eroberern wird solch großartiger HeldeMrlt zuteil. Der scharf Beobachtende wird diese, den Amerikanern entbotenen Ehrungen in allen Ländern Europas finden; in Deutschland und in Oesterreich sowie in Frankreich und in England, in den alten sowie in den neu gegründeten Staaten. Selbst in Rußland, wo die Revolution angeblich das gange Geistesleben des Volkes umgekrompelt hat, begegnet man dem stetig um sich greifenden Amerikanismus aus Schritt und Tritt. Man braucht nur einen Tag in Moskau zu verbringen, um festzustellen, wie der amerikanische Geist das gange große Rußland durchdringt. Dasselbe gilt Mr alle großen Städte in Europa; ob sie nun Berlin oder Wien, Paris oder Warschau, Bukarest oder Brüssel heißen. Doch mehr als sonst wo tritt diese Erscheinung in England zutage. Die Ursache liegt auf der Hand: England ist Amerika nicht nur geographisch, sondern auch geistig viel naher. In erster Linie ist die Gemeinsamkeit der Sprache zu erwähnen; drefer Umstand ist von größter Wichtigkeit. Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Fülme, Drama und Literatur im allgemeinen, Vortragende, Schauspieler und Künstler aller Art kommen von New-Aork nach London mit ebenso wenig Umständlichkeit, als ginge es nur von Naw- Nork nach San Francisco. Di« Notwendigkeit einer, Uebersttzung, .einer Anpassung oder dergleichen fällt ganz «weg. Der Amerikaner kommt über das groß« Wasser nach England und fühlt sich dort zu Hause. Als besonders ausschlaggebend Mr das Eindringen des Amerlkamsmus in England mag auch die nahe GtammeSverwandtschaft der Bevölkerung sein. Angelsachsen hier wie dort. Die Kultur, die Sitten und Gebräuche und teilweise auch das Blut sind in beiden Staaten gleich und eine Folge davon ist, daß der amerikanische Geist sich hier mehr als anderswo breit gemacht hat. Tatsache ist» daß all jene Kräfte, die vor Jahren daran arbeiteten, Amerika als eine englische Kolonie aufrecht zu erhalten, jetzt in die entgegengesetzte Richtung streben, das 'heißt also, England in eine geistig« Kolonie Amerikas umzuwaudeln. Der Ainerikauismus ist hier tiefer eingedvungen als, aus dom Kontinent. Wahrend die Amerika gezollte Verehrung auf dem Kontinent lediglich dein amerikanischen Dollar gilt, wird England von Amerikas Kultur geradezu überschwemmt. Amerikanische Fülme behaupten den englischen Markt; Charlie Chaplin, Mary Pickford und Norm« Talrnadge sind in England ebenso populär wie in Amerika. Amerikanische Jazzkapellen . bilden die letzten Modeneuheiten der Londoner Hotels und Kabaretts. Mit gleicher Begeisterung ivevden in den Londoner Vergnügungslokalen amerikanische Schlager gesungen wie am Broadway. Jeder nach England kommende amerikanische Filmstern, Preiskämpfcr oder sonstige amerikanische „Held" wird von der Menge buchstäblich auf den Händen gertvagen und wird hier mit größeren Ehrungen Überschüttet als in den Staaten. Ms Tour Mix, ein verhältnismäßig dunkler Stern des amerikanischen FAmhorizonts, nach London kam, wurde ihm die Ehre zuteil, vom Bürgermeister begrüßt zu werden, Berkc.hrsstockungen traten ein infolge oer ungeheuren Menge, die sich zum Empfang eingefnnden hatte. Amerikanische Bars, die in den Bereinigten Staaten verschwinden mußten, nmchsen mit einem Male in England wie Pilze aus dom Boden. |9Hd)t weniger als vierzehn amerikanische Theaterstücke gehen zur Zeit über die Londoner Bretter. Die Geschäfte der amerikanischen Theaterverwaltungen in England gehen so glänzend, daß sie für ihre eigenen Vorführungen sechs der ältesten und führenden Londoner Theater erwerben konnten. Wolkenkratzer und andere Gebäude amerikanischen Stils tauchen allenthalben auf. Regent Street zeigt bereits das Gepräge einer echt amerikanischen Straße und andere gehen der gleichen Zukunft entgegen. Das ganze englische Wesen wird immer mehr vonr ruhelosen amerikanischen Geist durchdrungen. Das einstmals ruhig vornehme Leben der englischen Landsitze weicht immer dem Ansturm des Amerikanismus. Materieller Luxus und Bequemlichkeit der amMWischtzn LeheMvt tivisftn sich die besten Plätze Mitteilungen an» dem Publikum. Wtedor *u haben1 |/\ D Bureau: Orio.fram.Ziiaftltcnpsjiier iVD uub.vtu.(ktftiasst ii/z IRI-ARTIKEL für die feine Schuhpflege Wr.*Neuii(<Sler ehern» Industrie A.-G., Wien, t., Parkring 4 Vertreter Ita Auslände gesuchi I 102a JÜWELEfTuifD PERLEN* OKKASION LUKACS & ARANY h, Kärnfnerafrasse IS -- Kultus- und Justis-Talara in den mutinigftUfgitati Ausführungen erhalten Sie vorrätig oder auch nach Mais nun bei der ■ItbawShrtun Spailalfirma Rudolf üoldiiein, Uniforauerungsanstali Oegründet 1866 WEN, II. TABORSTRASSE 84 Telephon 45-6-20 Lieferant vieler in- und ausländischer Kultusgemeinden. Zahlreiche belobende Anerkennungsschreiben. 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Briefe per Adresse; Dr. Eduard Wöllstein, Haifa, (Palästina), P. Ö. P. 137. Auskunft während des Kongresses bei dem Beauftragten Dr, Bonne, Musikakademie, III. Stock, Tür 17, von 10 bis */,12 Uhr vofm... zu sichern, hier so wie drüben; Kunst, Kultur und geistige Schätze werden immer iveiter in den Hintergrund gedrängt. Das Jdoal des Amerikaners: Erfolg, hat sich bereits tief in die englische Lebensart oingeprägt. Das Mittelmäßige der amerikanischen „Main Sreet" -hat England sowie Amerika erfaßt. Bavbit (der Verkäufe Held in Sinclair Lewis berühmten Buche dieses Titels) wird zum Lebensgrundsatz hier wie in Amerika. * Es ist liiut aber eine merkliche Berändemng in der Lage eingetveten. Anzeichen einer Revolte gegen Amerikas Vorherrschaft werden häufiger und immer mehr Proteste gegen -den überhand nehmenden Amerikanismus werden laut. Bis vor kurzem hat die Revolte sich in einer stillen, versteckten Gegnerschaft ausgedrückt, welche nur in der großen Gesellschaft und deren Organen offen he wortrat; doch heute ist sie so angvivachsen, daß es scheint, als würden die Flammen auch auf die breiten Massen übergreifen. Es ist nur natürlich, daß der erste Protest gegen Amerika -dem Gebiete entstammen sollte, welches am stärksten dem Amerikanismus ergeben war: der Filmindustrie. Wie bereits erwähnt, haben die amerikanischen Filme in England größeren Absatz gefunden als am Kontinent. Es nrar nicht einmal Nötig, die Titel zu ändern; die Filme können hier genau so -wie in einer amerikanischen Stadt gezeigt werden. Eine Folge -davon ist, daß in England kaum mehr als Mus Prozent englischer Filme abgerollt werden. Der Rest ist ausschließlich amerikanisches Erzeugnis. Ungefähr 30 Millionen Leute besuchen wöchentlich die englischen Kmotheater, d. h. wöchentlich werden 30 Millionen Engländer mit amerikanischen Filmen gefüttert. Man zeigt ihnen amerikanische Lebensart, amerikanische .Helden, amerikanische Städte, Ideale und amerikaulsches Streben. Kann es da iwun-der nehmen, wenn sie unter diesem Einfluß amerikaniiert werden? Wenn der Durchschnitt der jungen Leute in England bereits beginnt, so -wie der Durchschnittsamerikauer zu denken und zu fühlen? Es ist zu bedenken, daß Filme nicht nur etil«« Industriezweig vertreten, sondern einen nicht zu unterschätzenden Faktor in der Erziehung darstellen. Ganz plötzlich l)at die englische Prelle dies erkannt und ist zur Einsicht gelangt, daß die Lichtspieltheater in England einen viel größeren Einfluß auf die Enttmcklung des DurchschnittScngländers ausüben als das gesamte englische Schulsystem und die Presse znsammengenommen, und diese wichtige Waffe befindet sich in der Hand Amerikas. Es ist daher lern Wunder, daß die offene Revolte zuerst auf diesem Gebiet zum Ausdruck kam. Nicht nur die Presse ist widerspenstig geworden, nein, die Frage ist sogar im Parlament zur Sprache gebracht worden und -Herr Baldwin hat di« Einschränkung amerikanischer Filmprodukte in England in Aussicht gestellt. Es ist dies nur eines der Anzeichen des Widevstrebens. Die Stimmung gegen Amerika nimmt auch auf anderen Gebieten bedrohliche Formen an. Es ist ein offenes Geheimnis, -daß die in England rege Bewegung für Schutzzölle für englische Wahren einzig und allein als ein Resultat der Ueberflutung des englischen Marktes mit amerikanischen Waren zu betrachten ist. Große Empfindlichkeit, wenn auch nicht offene Mißgunst erregt die Besetzung der englischen Bühne durch die Amerikaner und ebenso erheben sich immer mehr Stimmen gegen die amerikanische Finanz- und Außenpolitik. Scharfe Artikel erscheinen in der englischen Presse und bezeichnen Amerika als den ,/Onkel" und den ,/Shylock Europas", der durch den Krieg reich gctworden und nun von Europa sein Pfund Fleisch verlangt. In dieser Tonart geht e§ Iveiter. Diese gesamte Bewegung hat trotz der dabei zum Ausdruck gebrachten Engherzigkeit auch ihr Gutes, denn sie ist eine natürliche Reaktion nach der vorhergegangenen übertriebenen Bewunderung und Verehrung Amerikas. Zweifellos wurde der amerikanische Einfluß in Europa durch die NachkriegSvevhältnisse und die Inflation der Währungen übertrieben. Doch schon beginnt Europa sich zu besinnen und sich frei zu machen von der Bevormundung von jenseits des Ozeans. Für den Amerikaner mag diese Erkenntnis schmerzhaft fein, doch bedeutet sie keinen Flecken auf fernem Schild, denn es zeigt nur, daß Europa sich selbst wiederzufinden beginnt. Es ist ein Zeichen dafür, daß Europas Völker den Krieg zu vergessen beginnen und erstarken, nur bald wieder auf eigenen Füßen zu stehen wie ehedem. England ist lediglich in -der Vochut dieser Bewegung und viele Anzeichen sprechen dafür, daß sie sich von hier aus über den ganzen Kontinent ausbreiten wird. Ser Keren Hajefsod in Pole«. Ein Gespräch mit Herr« Moses Feldstein, Direktor des Keren Hajrssod in Polen. Der Keren Hajessod hat in der letzten Zeit in Polen geraden wunderbare Fortschritte gemacht. Dies ist zum großen TM einer rationellen und tatkvÄftigon Propaganda zu danken. Mehr als dreißig Jnstruktoren/bi-e allen Schichten der Mischen Bevölkerung angshören, unter denen man Akademiker, Kauslente, Handwerker, Wirtschaftler usw. findet, bereisen unausgesetzt das ganze Land, kommen auch in das kleinste Städtchen und den kleinsten Ort, wo sich nur ein Jude findat und verbreiten Überall dort die Idee des PalästiuaauifbaueS. Der größte Teil der pölnischm Judenhett ist zionistisch gesinnt und in der einen oder anderen Partei auch organPert. Aber auch mindestens 60 Prchwt der Nichtziomsten steuern Mr den Keren Hajefsod und den Keren Kajemvth bei. Im Lause des letzten JahveS Häven wir 60.000 Pfund au die Zentrale nach London abgaführt. Was den Keren Kajemeth betrifft, so haben sich seit dem Beisuche UssischkinS in Polen die Einnahmen vevfünfnnd versechsfacht. Keven-Hajessod- und Keren-Kajemeth-Propaganda geht in Polen einträchtig vor sich, so daß die Arbeit für den einen Fonds gleichzeitig die Mr den anderen ist. Ein Beweis Mr die Intensität des Palästinagedcmkcns in Polen, die sich ja auch in der gigantischen Emigvatwns- 'bewögung auswirrt, ist die Tatsache, daß man in Palen «in jüdisches Haus ohne Nationallsondsbüchse lange suchen, muß. Pom Kongreß erwarten wir, daß er, dex sich sicherlich zu einem der Aanzpollsten Ereignisse des Zionismus gestalten wird, ein gewaltiges Echo im Judentum auA-öse nnd unsere Masten zu noch größeren Anstrengungen Mr unsere Foßchs und AlijaH anMovne. _ Eie Ssterrelchlsche Strlckwareuinduftrie. Unter den Industrien, die nach dem Kriege.den größten ufschwmbg genommen Haben, steht an erster Stelle dre Strrck- -arenin-dustrie, deren Erzeugnisse dank dem guten Geschmack ir Metropole besondere Bollendung erlarrgt halben. , DiÄse s-Ävohl. für Straße als auch für Reise. Hemt und Port so unge-m-ein praktische und da>boi sehr schicke Bellewung {reut sich einer immer größeren Beliebtheit in allen Landern ad ist die Nachfrage nach diesen Waren ganz enorm. IN dieser Branche dvfrout sich besonders die Firma SSnla", Wien. 7. Bez.. Seide,tgasse 35, des besten Rufes tb D als führend in Diode- und Sportstrickwaren aller Art revkannt. Besonders der im Auslände so beliebte Wiener eure findet in diesem Betviebe seine Vollendung nnd wird selbst von allen Interessenten gesucht. Die Modelle der Firma „Enva" zeichnen sich durch bcj ndereu Geschmack hinsichtlich Dessiuiwimg, Farbvnkombiation und Fasion aus und sind auch insoLge der besten Qual,- U der verwendeten Materialien und der soliden, sorfffättmen usarbeitung in allen einschlägigen Geschäften sehr geschätzt, auptsächlich Kostüme, Jumper, Mäntel, Westen, Pullovers ich Sportstruinpftvaren aller Art erfreuen sich besonderer Deebtheit »md werden in zahllosen Modellen, die den einzelnen andeswünschen angepaßt sind, erzeugt. Der Kunde, der die Vorzüge der „Enka"-Strick,varen mgst erkannt hat, verlangt immer wieder diese Marke, die ch bereits Weltrus erworben hat und in alle Lander esportiert -ird. Der Kaufmann, der seinen Kunden mit wiMch verläßlich Mr Ware in stets moderner AusMhvug bedielten will, sei auf eie Mtutfarfi aui-mevllam aemackt. iElrtgMiL.)

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