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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-19 · Heft 2332 (19.8.1925) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2332 (19.8.1925)
Date
1925-08-19
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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«_Di«,. Mittwoch__gnienei? gttorftcitj>eltuitft 19. August 1996 durch ihre vorzügliche Ausführung und Qualität Steiners Ziemers Paradiesbetten haben ihren Weltruf Nur echt zu beziehen von der Paradkrbettevfabrtt Steiner A. 8. Ratwtarmatnifi« 18 lt, Sekottanrlafi IS riaa UtaiMnteMfoaSa 71 V., Bachie Wiensall« 87 Fabrik i VIM Mollardgas«« 38 H Mcwingbetten, Elsenbetten, Kinderbetten. Matratzen« Daunendecken, Steppdecken, Schlafraöbd etc. Bon den kwigkeitsasfgabe« der Zionismus. Bon Dr« Nahum Goldman». Ter 14. Kongreß wird, welche Formen euch immer der Streit der Meinungen im einzelnen annchmen wird, unter der Signatur einer beherrschenden Tendenz stehen. Der Tendenz zur Neubelebung der Zionistischen Organisation. Alle Differenzen zwischen den verschiedenen Gruppen betreffen nur die Formen und Wege dieser Neubelebung; in dem Willen zur Refornt und zur Stärkung der Organisation, in dem Glauben an die historischen Aufgaben der Bewegung sind sie alle einig. Es mag daher nicht unangebracht erscheinen, am Vorabend des Kongresses einige Bemerkungen über die historische Funktion des Zionismus in der jüdischen Geschichte zu machen, einige Gedanken über das, was man seine Ewigkeitsaufgabe nennen könnte, zu äußern. Sie haben allerdings keine aktuelle Geltung und gehen von Perspektiven aus, die über alle zionistischen Tagesfragen hinaus Jahrhunderte umfassen. Aber noch immer waren für den Zionisnms wie für alle idealistischen Bewegungen diese großen Perspektiven die eigentlichen Quellen ihrer Kraft gewesen. Was eine idealistische Bewegung befähigt, ihre konkreten wirklichkeitsgestaltenden Wirkungen auszuüben, das ist der Glaube an ihre fernsten, letzten, an ihre — wenn man will — utopistischen Ziele. Es tut heute not, diese letzten Z.ele und Aufgaben des Zionismus wieder zu erkennen. Die vielleicht tiefste Ursache der inneren Schwächung des zionistischen Bewußtseins der letzten Jahre war die fast gänzliche Verdrängung dieser Ziele aus den Seelen der Zionisten. Gestellt vor die Verwirklichung der Nächstliegenden konkreten Aufgabe: des Aufbaus der jüdischen Heimstätte, haben wir die ferneren Ziele fast ganz vergessen, und wenn Zionisten zu dem Glauben gelangen konnten, die Lebensdauer der Bewegung sei begrenzt, der Versuch eines Ersatzes durch andere, anscheinend breitere Organisationsformen sei notwendig, so war die Ursache eines solchen Irrglaubens die restlose Beschränkung seiner Aufgaben auf den Aufbau des jüdischen Palästina und der Identifizierung des Zionismus mit diesem Ziele. Nichts ist wichtiger, nichts für die geistige und seelische Erneuerung der Bewegung entscheidender, als die Erkenntnis von der Kurzsichtigkeit dieses Irrglaubens und die Wiederbesinnung auf den Ewigkeitsgchalt des Zionismus. Der Aufbau des jüdischen Palästina, konkreter gesagt, die Schaffung der jüdischen Majorität im Lande, ist die nächste Aufgabe des Zionismus; aber sie ist erschöpft in nichts; sie bildet vielmehr die Voraussetzung für seine entscheidenden historischen Funktionen. Der Zionismus trat nicht mit dem Programm auf, eine halbe Million, eine Million Juden in Palästina zu kolonisieren, vielmehr mit der sehr viel größeren und schwierigeren Aufgabe, das nationale Heim für das jüdische Volk zu schaffen, die Judenfrage in ihrer Gesamtheit zu losen. Wenn eine Million Juden in Palästina sind, werden noch immer fünfzehn oder mehr Millionen im Galuth sein, und cs 1 V: 1 ’inüiW Oberbaurat Robert Stricker. Ä * - >>y Im Kongressbureau. ist Teilte Zeit vorauszuschen, da das ganze jüdische Volk in Palästina leben wird. Die Diaspora war stets ein integrierender Bestandteil unserer Geschichte, eine der spezifischen Lebensformen unserer Existenz als Volk. Tiefste jüdische Wesensanlagen bedingen es, es besteht kein Grund, das Ende der jüdischen Diaspora vorauszuschen; was uns betrifft, so scheue ich mich nicht zu sagen, es besteht auch kein Grund dafür, cs herbeizuwünschen. Die Diaspora ist ein Unglück, wenn sie im Galuth ist; wenn sie nicht Zion zum Zentrum hat. Als Peripherie um das jüdische Palästina ist sie etwas Großartiges und trägt tiefe, schöpferische Möglichkeit in sich. Dadurch allein aber, daß ein jüdisches Palästina aufgebaut wird, wird das Galuthproblem nicht gelöst; es bedarf als der zweiten Etappe auf bem Wege der wirklichen Lösung der Judenfrage, der Herstellung der organisatorischen, nationalen Verbindung zwischen Diaspora und Zion. Dies wird ein Weg voll unsäglicher Mühen sein, voll schärfster Kämpfe gegen große Teile der jüdischen und nichtjüdischen Welt; eine Aufgabe, die noch zu lösen sein wird, auf der Basis einer fortgeschrittenen Menschheit, eines neuen Völkerrechts, einer neuen Konzeption von Nationalidee und Staatsgedanken; nur zu lösen auf der Basis eines innerlich völlig umgestaltetcn, gewandelten Judentums. So unsagbar schwierig die Ausgabe sein wird, sic wird unvermeidlich sein für einen wahren Zionismus; erst in ihr erfährt der Aufbau - des jüdischen Palästina seine Krönung, findet das zionistische Programm seine Erfüllung, wird das Ideal der nationalen Organisierung des jüdischen Volkes in der ganzen Welt Wirklichkeit werden. Wer geneigt ist, aus einer Identifizierung des Zionismus mit dem Palästinaaufbau das Ende der Bewegung vorauszuschen und zu vergessen, was eigentlich noch Zionisten von Nichtzionisten scheidet, braucht bloß diese zweite entscheidende Aufgabe des Zionismus ins Auge zu fassen, um zu begreifen, welche erzieherische Wirkungen es noch für viele Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte, wird üben müssen, welche Kämpfe es wird austragen müssen, um sein Programm wahrhaft zu verwirklichen. Und selbst dieses letzte Ziel als verwirklicht vorweggenommen, den Zustand eines um Palästina als Vaterland organisierten jüdischen Volkes in der vorausschäuenden Phantasie als gegeben betrachtet, behält der Zionismus seine historische Funktion, als eine bleibende, ewig bestehende Notwendigkeit in der Struktur unserer nationalen Existenz. Das jüdische Palästina wird stets gefährdet sein; nicht lediglich durch äußere Faktoren, was natürlich ist, sondern, was spezifisch jüdisch ist, durch innere jüdische Wcsenselcmente. Wir sind kein Volk den anderen gleich; unsere zentrifugalen Tendenzen sind unvergleichlich größer, ja von spezifisch anderer Art als bei anderen Völkern. Die Diaspora ist Beweis hiefür. Sie ist unsere Schöpfung; Ausdruck tiefster Anlagen und Triebkräfte unseres Wesens. Ahasver ist ebenso Symbol unserer Art wie es der Messias ist. Wie es stets im Galuth eine zentripetale Tendenz nach Zion hin gab und geben wird — Voraussetzung des Zionismus —, so gab es in Zion stets zentrifugale Tendenzen nach der Diaspora hin. Man glaube nicht, daß sie sich von selbst in ein dauerndes, harmonisches Gleichgewicht bringen werden. Nur durch bewußte Gestaltung, klare Erkenntnis, fanatischen Willen, nur durch dauernde Leitung des Volkes wird dies möglich sein. Die jüdische Existenz gegen das jüdische Volk zu .sichern, war stets eine der entscheidenden immanenten Aufgaben und Probleme unserer Geschichte. Sie ist die. eigentliche prophetische Aufgabe. Im säkularisierten Judentum ist der Zionismus. Träger dieser Aufgabe; heute noch unvollkommen. verzerrt, oft seiner Funktion unwürdig; er wird sie — wenn anders er Zukunft hat vollkomme u$t| reiner, würdiger erfüllen müssen. Hier wird feine immanente, seine nie vollendbare Funktion liegen; gegen wesentliche, natürliche Elemente jüdischen Wesens die nationale Existenz des Volkes zu sichern und stets neu zu festigen, durch immer neue Formen und Methoden das nationale Ideal — sehr weit gefaßt, unter Einschluß oller kirlturellen, geistig schöpfenden Funktionen dieses Ideals immer neu zur Erfüllung und Verwirklichung zu bringen. Daß es stets neu geschehen muß, daß es für unser Volk keine Form der endgültigen Erfüllung, der Ruhe, der unbedingten inneren Sicherheit geben kann, darin liegt die Wurzel unserer Not, unserer Unruhe, unserer immanenten nationalen Tragik; es liegt darin aber auch eine tiefste Wurzel unserer spezifischen, schöpferischen Befähigung, unserer Berufung, unserer einzigartigen Existenz in der Geschichte unserer Ewigkeit. Indem der ' Zionismus nach Erfüllung seiner primären Nächstliegenden Aufgaben diese Funktion übernehmen wird, wird er teilhaben an der Ewigkeit der jüdischen Existenz, teilhaben an der Würde und dem großartigen Sinn des Daseins des jüdischen Volkes in der Welt. Dies alles hat — ich sagte es — keinerlei aktuelle Geltung: Zukunftsperspektiven auf sehr weite Sicht, utopisch gewiß, phantastisch vielleicht, inaktuell in jedem Fall. Und doch, nichts wäre der zionistischen Bewegung inniger zu wünschen, als daß sie im Drange der täglichen Probleme, unter der Last der täglichen Sorgen, immer wieder einen Augenblick der Besinnung auf diese ihre Ewigkeitsaufgaben finden möge. Nichts wünsche ich diesem Kongreß sehnlicher, als daß er in dem Kampfe der Meinungen, in dem Streit der Gruppen, etwas von dem Atem, von dem Pathos, von der Würde dieser immanenten historischen Aufgaben des Zionismus in sich spüren möge, für deren Erfüllung unser Geschlecht die erster Voraussetzungen schafft. . Ingenieur M. Ussi&chkin. Präsiden! dgs JMsctan Nitto&aHoiidj. vi'$ L» /f $. r. b

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