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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-19 · Heft 2332 (19.8.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2332 (19.8.1925)
Date
1925-08-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Rr. 2332 Wien, Mittwoch Wrener Morgettzertung Die Welttonferenz de» Misrachi. Die Ergebniffe -er Tagung. Las Urteil im Lemberger Prozeß. Sämtliche Angeklagten ftelgesprochen. nur Mikltin verurteilt. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Nach Beendigung der Arbeite rr der verschiedenen Kom- «tissioiten begannen Montag nachmittags wieder die Plenarsitzungen der Misrachikonfereng. Prof. Fraenkel (Marburg) referierte namens der Erziehungskommission. Es wurden über die Erziehungsfragett folgende Resolutionett gefaßt. Die Wcltkonferenz des Misrachi drückt ihre Ueberzeugung aus, daß der Keren Hajessod für alle religiösen Erfordernisse in de« gesamten Kolonie,! zu sorgen habe, da es sonst dem orthodoxen Jndzntnin unmöglich sein wird, seine Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod zu erfüllen. Das ganze Erziehungsbudget muß in den Händen der Zionistischen Organisation verbleiben. Die Weltkonsereuz protestiert gegen den antireligiösen Geist, der in einigen von der Zionistischen Organisation ansgehaltenen Schulen herrscht. Die Weltkonfereng erblickt in der Gründung der hebräischen Universität ein großes Werk für die Judeuheit und das Judentum, wenn in ihr die jüdische Wissenschaft tut Geiste der Tradition gelehrt und wenn von den Natur- und Geisteswissenschasten jenen Zweigen besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden wird, die den A n fb a u des Landes unmittelbar fördern. Die Konferenz drückt ihre Genugtuung aus, daß das j u d a i st i s ch e I n st i t u t in seiner innereit Organisation und in finanzieller Hinsicht unabhängig gemacht wurde und spricht Baron Rothschild und den anderen Mitgliedern des Kuratoriums den Dank für ihr energisches Eintreten zur Wahrung des traditionellen Geistes des Instituts aus. Die Konferenz begrüßt attch das Projcikt der Gründung einer Weltjeschiwah durch Rabbi Kuck. Heißer die politischen Fragen wurden folgende Resolutionen zum Beschluß erhoben: Der Misrachi ist grundsätzlich für die Erweiterung der Jewish Agency unter Beibehaltung der Forderung nach einem jüdischen Weltkongreß. Er fordert eine V e rtretun g in der erweiterten Jewish Agency, die gemäß ist dem Gewicht und der Stärke des Misrachi. Der Föderationsschekel muß beibehalten werden. Der Bericht der Misrachileitung wird mit Dank zur Kenntnis genommen. Um alle diese Resolutionen entwickelten sich lebhafte Debatten, die sich in der Frage der Univcdsitätsresolution bis zur Erregung steigerten. Gestern vormittags wurden die Resolutionen über die Alijah beraten. Folgende Anträge wurden zum Beschluß erhoben: Die Qualifikation bei den Palästinaämtern muß a ufgehoben werden. In den Palästinaämtern muß die Zusammensetzung paritätisch sein, auch in bezug auf die Besetzung der Beamtenstellen. Bei der Verteilung von Zertifikaten müssen jene Bewerber bevorzugt werden, bei denen die psychologische und fachliche Voraussetzung gegeben ist. Außerdem wurde noch eine Resolution zum Beschluß erhoben, die besagt, daß Angehörige einer von dom Misrachi anerkannten Arbeiterorganisation nicht gleichzeitig Mitglieder einer anderen Arbeiterorganisation sein dürfen. Re Konferenz der Seite Zion. In den Verhandlungen der Zeire-Zion-Konserenz wird, abgesehen von dett internen Fragen dieser zionistisch-sozialistischen Partei und den Fragen der Arbeiterschaft Palästinas, hauptsächlich das Problem der Vereinigung mit dem Poale-Zion-Vvrbaud besprochen. Es bestehen folgende zwei Fragen, die zu beantwortet: sich die Konferenz bemüht: Die Plattform, für eine Vereinigung in der S p r a ch e n f r a g e und der Name des neuen vereinigten Verbandes. Die Zeire Zion besteht darauf, daß die hebräische und jüdische IKult u rtä ti gke i t gleichberechtigt seien und jede Landes- Partei die Freiheit habe, ihre Kulturtätigkeit in der bisher geübten Forin sortzusetzeu. In der Frage des Namens steht die Zeire Zion auf dein Standpunkt, daß der neue Verband auch einen it e u e n N a m e n bekommen müsse. Die Diskussion über diese Vereinigungsfragen hat bisher noch zu keinem greifbaren Ergebnis geführt. Dadurch sind auch bisher die Beratungen der Poale-Zion-Konferenz noch nicht abgeschlossen, da in der Bereinigungsfrage die definitiven Vorschläge der Zeire Zion abgewartet werden, zu denen dann die Poale-Zion-Konferenz Stellung nehntett will. Bisher sind die Aussichten für die Vereinigung der beiden eigentlich nur tot sprachlichen Fragen der Kulturarbeit unterschiedenen zionistisch-sozUalistischeir Fraktionen nicht allzu groß. Ae Konferenz der Weltorganisation zionistischer Fronen. Das Bureau der Hl. Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen befindet sich in Wien, 9. B e z. W ä h r i n g e r st r a ß e 2, Tür 32. Das Bureau der L o n d o n e r E x e k n t i v e der Weltorganisation zionistischer Frauen, hat ab 15. d. seinen Sitz in Wien, 3. Be z., L o t h r i n g e r st r a ß e 18, Tür 15. Während der Tagung der Konferenz, welche vom 21. d., 3 Uhr nachmittags, bis 25. d. dauert, befinden sich sämtliche Bureaus im Gebäude des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Wien, 1. B ez., S ch w a r z ende r g v l a tz 16. Delegierten karten sind auf Grund der Beglaubigung der einzelnen Landesorganisationen, beziehungsweise Gruppen, i m G e b ä u d e d e s XIV. Ziontstenkongresses, W ie u, 8. B e z., L o t h r t n g e r st r a ß e 18, Tür 15, zu beheben. G a st k a r t e n in beschränkter Zahl sind ebeltfalls im Gebäude des XIV. Ziontstenkong r e s s e s, W i e u. 3. B e z., L o t h r i n g e r st r a ß e 18, Tür 16, gegen 10 Schilling für die Dauer der Konferenz zu zu haben. Karten nur für die Eröffnungssitzung werden nicht ansgegebelt. Lemberg, 18. August. Heute, 9 Uhr vormittags, verkündete der Vorsitzende des Gerichtshofes QLGR. Franke in dem Prozeß gegen die Lemberger Bürger Jjgnaz ßontr habe>r, Ing. Jäger, A. Glasermann, Privatdetektiv D w o r n i c k i und den ukrainischen Akademiker Mikitin das Urteil. Sämtliche Angeklagten wurden von der Anklage der Anstiftung zu falscher Zeugenaussage und der Verleumdung fteigesprochen. Der Angeklagte Milkitin wurde wegen Verbrechens der Verleumdung, begangen durch die gegen den Ukrainer Stephan Panczyszyn erhobene Beschuldigung, am 6. September 1924 das Attentat gegen den polnischen Staatspräsidenten Wojeiechowski anläßlich dessen Anwesenheit in Lemberg verübt zu haben, zu sechs Jahren Kerkers verurteilt. Damit hat nach mehr als fünfwöchiger Dauer der große Lemberger Sensations-Prozeß sein Ende erreicht. Der Frei- Ae Palststinawandernng ans Sesterreich. Staliskischer Ausweis des Wiener Palästina-Amtes für die Zeit vom 1. Jänner 192) bis 31. Juli 1923. In dieser Zeit wurden 601 englische Palästina-Visa für insgesamt 564 P e r s o n e n beschafft. Nach dem Familien st ande waren: 441 Einzelpersonen und 50 Familien mit 123 Köpfen. Nach dem Geschlecht waren: Mänttlich 424 Personen, weiblich 140 Personen. Nach dein Alter waren: 31 Personen bis 15 Jahre, 263 Personen bis 25 Jahre, 162 Personen bis 35 Jahre, 71 Personen bis 50 Jahre und 37 Personen über 50 Jahre. Nach den Berufen waren: 46 Landarbeiter und Landwirte, 197 Handwerker (Hilfsarbeiter), 115 Kaufleute und Industrielle, 60 freie akademische Berufe und 166 Hausfrauen, Schüler usw. Nach Staatsangehörigkeit waren: Oesterreich 106 Personen, Polen 327 Personen. Palästina 44 Personen, Tschechoslowakei 29 Personen, Rumänien 20 Personen, Rußland 18 Personen, Ungarn 8 Personen, Amerika 4 Personen, Deutschland 2 Personen, Litauen 2 Personen, Lettland 1 Person. Spanien 1 Person, Holland 1 Person, Frankreich 1 Person. Der Prozentsatz der Hebraischsprechenden betrug 73%. In der angegebenen Zeit sind 1983 Palästinadurch Wanderer über Wien gereist. ' ' Pelzwaren ✓ Fürs / Foiimires Hautes Nouveautäs Moiuz FLEISCHMANN WIEN, I., GRABEN 28 Telephon-Nummer 68-4-79 m zioniftenlongreß trat. Mische Kultur. Eine Bewegung, die die jüdische Vielheit als Totalität von ganz individueller Prägung begreifen will, muß natur» gemäß versuchen, beide charakteristischen Ausgestaltungen vor der Welt sichtbar zu machen. Hierzu bedarf sie der Kunst als der berufensten Mittlerin. 'Kein Wunder deshalb, wenn Zeit itit-b Ort der Zionistenkongresse immer mehr zu Kristallisatiortszentren jüdischer K u n st b e st r e b u n g e n werden. Weltliche und religiöse Musik will sich hören lassen, eine jüdische Bühne bringt eigene Probleme und Kräfte zur Selbstüarstelluug, in der Sezession entfalten Strich und Farbe neue Wunder eigenartigst erlebter jüdischer und menschlicher Welten und eine Feftanfsührung im Carl-Theater sucht durch ein Werk, das den Namen des größten Heldett der Jttdengeschichte trägt, die tiefsten Fragen, Leiden und Siege des jüdischett Volkes dichterisch zum Leben zu bringen. Diese interessanten Versuche in ihrer Gesamtheit dürfet: als Symbol für den hohen Kulturwillen gelten, den die Judenheit aller Zeiten und Länder zeigt. Letzte Kurse. New'Aork, 18. August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80. London Kabel 4.85%,, London Scheck 4.82, Amsterdam 40.28, Paris 4.67%, Brüssel 445, Rom 3.55%, Madrid 14.42. Zürich 19.41, Stockholm 26.89, Oslo 18.12. Kopenhagen 22.95. Wien 0.14. Budapest 0.14, Prag 2.96%, Belgrad 1.79%. Athen 166%, Buenos Aires 40%,, Rio de Janeiro 11.24, Bukarest 51%. Amerikanische Getreidemärkte. New-Dorb» 18. August. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 167/«,, Weizen hart Winter 176»/,. Mais 120%. Hafer 48%, Roggen 113%. Ehikago, 18. August. (Tel.-Komv.) Weizen per September 157«/,. Dezentber 156»/„Mai 160%; Mais per September 104%. Dezember 87. Mai 89'/,: Hafer per September 39»/„ Dezember 42%, Mai 46% Roggen per September 103%. Dezember 107%. SWat 110»/,. spruch der Angeklagten bedeutet, daß die gegen sie erhobene Be. schuldigung, sie hätten, um den wegen des Attentats gegen dev Staatspräsidenten in Hast befindlichen jüdischett Studenten Wladislaw Steiger zu entlasten, für Geld einett Zeugen gedungett, der falsche Angaben machen sollte, vollständig zusammengebroch e n ist. Die von gewissen verschiedenett antisemitischen Blättern und Parteien im Zusammenhang mit der gegen die jüdischen Bürger erhobenen Anklage aus politisch demonstrativen Gründen geführte Hetze, als ob diese jüdischen Bürger die Exponenten einer Art Steiger-Verschwörung wären, ist somit gerichtsordnungsmäßig als böswillige Erfindung entlarvt. Es ist dett Hetzern nicht gelutegen, für den bevorstehenden zweiten Steiger-Prozeß, der im September stattfinden dürfte, die Stimmung zn schaffen, die sie wolltet!. Das unbeeinflußte Urteil des Gerichtes hat viel zur R e i n igungderAtmosphäre beigetragen. Sieben Kongresse. Von Obcrrabbiner Dr. I. Niemirower, Bukarest. Unsere Kongresse sind keine bloßen Wiederholungen» sondern Neugestaltungen. Jeder Ztonistenkongreß hatte seine Eigenart und wirkte aus die Teilnehmer nach ihrer Eigenart. Es ist nicht ohne Interesse, zu erfahren, welche Person und welche Frage auf den Kongressen die Delegierten in ihren Bann gezogen haben. Mir ist es vergönnt, jetzt dem achten Kongresse als Vertreter rumänischer Zionisten beiznwohnen. Im Jahre 1899, beim dritten Kongresse, stand ich unter dem Banne der königlichen Gestalt Herzls und der prophetischen Nordaus, der staatsmännifchen Weisheit des Ersteren und der rednerischen Gewalt des Letzteren. Die Kulturdebatte — Gasters Predigt und Sokolows Referat — einerseits und die von mir provozierte Erklärung Herzls in der Sitzung der KoloniaWank, daß die zionistischen Institutionen den Sabbat respektieren werden, andererseits waren für mich die Höhenpunkte des Synagoge tnagua von Basel. Im Jahre 1906 stand der Kongreß im Schatten des verstorbenen Hertz! und des auf die Führerschaft verzichtenden Nordau, der Opfer einer „Todestragödie" und einer ,/Lobenstmgödie", undder Kampf zwischen der Lebensanschauung Ussischkins und der Weltanschauung Langwills fesselte mich am meisten. Auf dem Kongresse im Haag zeigte Wolfsohn, wie er als Mensch und Jude mit den höheren Zielen wuchs, und die Sinaiversa m m l un g, in der H u r w i tz, Bialik, B e r n s e l d, Brainin, Klausner sprachen, war für mich der geistige Höhepunkt der Kongreßtage. In Hautburg be- 'wunderte ich den Aufstieg des so bescheidenen Marburg und fühlte den Endsieg des synthetischen Zionismus. In Wien machte sich der Exführer Wolfsohn bemerkbar und die Hoffnung auf eine in Jerusalem nahm mich, den Propagandisten für die Jabnetakademie, gefangen. In Karlsbad offenbarte sich von neuem die uns glückverheißende Bereinigung der Willensmacht Weizntanns mit der Geistesgröße Sokolows. Der 14. Kongreß, für mich der siebente, wird trotz aller schwierigeit Probleme, die der Lösung bedürfen, trotz aller Kriegserklärungen der verschiedenen Parteien; für meine Gemütswelt ein Sabbatkongreß sein, auf dem die Engel des Friedens erscheinen. Eine Evklärung der deutschen Landsmannschaft. Wir erhalten die folgende Zuschrift: Die deutsche Landsmannschaft bedaue-rt, daß die „Wiener Morgeuzeitung" einen Artikel der .^Jüdischen Rundschau" zum Auslaß genommen hat, um — ans Grund eines aus dom Zusammenhang gerissenen Zttats — die Zionistische Bereinigung für Deutschland der Abkehr von bcnt Herrschen Staatsgedauken zu bezichtigen. Die in dem ,Fiundschau"-ArtikeI vertretene Anfsassung, daß Palästina tveder jetzt noch jemals in der Zukunft ein die Minorität unterdrückender Nationalstaat sein darf, sondern stets — gleichviel ob die Majorität arabisch oder jüdisch ist — ein beiden Bevölkerungsteilen ihr Eigettkeben garantierender Zweivölkerstaat sein muß, widerspricht dem» Herzlschcn Gedanken in keiner Weise. Daß die Formulierung dieser Aussasfung in dent Artikel der „Jüdischen Rundschau" sowie der Hinweis aus das Curchillsche Weißbuch> tntßverst ä n d l i ch ist, ist dem gegenüber von untergeordneter Bedeutung. Es sei ausdrücklich festgestellt, daß in dem Artikel der „Jüdischett Rundschau" nur ans den Toll des Weißbuches Bezug genommen ist, der die Forderung formuliert, daß Palästina von beidett Teilet: als binationaler Staat ausgefaßt wird. An bi-c-fcr Auffassung hält die deutsche Landsmannschaft fest. llllif+ ftwt A zum Verkauf ausgestellt von der Firma lllUSinime « If a iiBai ft VERLAG UND -"TTST" 5» KAUpMAWNI ant.quariat Handschriften FRANKFURT an main limiMMHMUCH KONZERTHAUS / LOGENFOYER / II. STOCK JJniJ flftQ T*rnt>l fviltTti* — Hanna ist das sensationelle Konser- KJtlU Utlo V UlK, MorUd J ruglc K\n [D vierungsmittel, welches das Brechen und Springen der 428 was ist das...? Lackschuhe verhindert Zu haben in allen Schuhgeschäften u. Warenhäusern!

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