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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-19 · Heft 2332 (19.8.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2332 (19.8.1925)
Date
1925-08-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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m. rss-, mm, Anrrwoch die jüdische Bevölkerung Palästinas beinahe verdoppelt hat. Wir alle wissen aber, daß dieser erfreuliche Zuwachs für uns doch nur erste Grundlage ist. Wir wissen auch, daß wir ihn einfügen müssen in den organischen Bau des jungen Gemeinwesens, dessen starke und reine GruMagen sind: Nationale Sprache und Kultur, nationaler Boden und nationale Arbeit. In den Städten erwuchsen Hunderte und aber Hunderte neuer. Wohnstätten. Eine erstaunlich kühne und vielfältige industrielle und gewerbliche Regsamkeit entfaltete sich in Groß- und Kleinbetrieb. Schaffenswille und Schaffenskraft haben einen industriellen Arbeiterstand , neben dem landwirtschaftlichen ausgehämmert. In immer gesteigertem Maße muht sich das neue Unternehmertum, einer qualifizierten Produktion Absatz zu erschließen. Gleichzeitig aber ist das Grundwerk des Aufbaus, die landwirtschaftliche Siedlung, die Erlösung des Bodens, die Verwurzelung des jüdischen Bauern mit der Scholle, erfreulich fortgeschritten. Immer stärker wird in Erez Israel und außerhalb der Ruf und die Sehnsucht nach „Land, mehr Land!" Der Erwerb von beträchtlichen Bodenflächen war eine würdige Antwort auf das Verlangen der neuen Menschen der jüdischen Erde. Aber die Eröffnung neuer Siedlungsmöglichkeilen stellt uns zugleich vor die Fülle der verantwortungsvollen Probleme planmäßiger und Erfolg verbürgender Siedlung, die unseren ganzen Ernst und Fleiß beanspruchen werden. Das Land, wie es sich in jungen:, pulsierendem Leben regt, hat begonnen, seinen Geist über das ganze Galuth auszustrahlen. Die Anziehungskraft von Erez Israel ist in den letzten Jahren um ein Vielfaches gestiegen, nicht nur bei den Pionieren und denen, die sich zur Ansiedlung im Lande rüsten. Viele von denen, die früher unfern Hoffnungen kühl gegenüberstanden, sind in den Bannkreis Erez Israels gezogen worden und finden sich in Tat oder Absicht bereit, mitzuhelsen an seinem Aufbau zur Ehre des jüdischen Namens. Mit besonderer Genugtuung erfüllt uns die stetig wachsende Zahl der Jungen in unseren eigenen Reihen, die das Einsetzen immer neuer Kräfte auf den Feldern unserer Arbeit verbürgt. Verstärkt hat sich auch die Bereitschaft materieller Leistung: unsere beiden zentralen nationalen Fonds, der Keren Kajemeth und der Keren Hajessod, für Erlösung des Bodens und für Aufbau der Heimstätte, haben sich in den Herzen von Hunderttausenden von Freunden verwurzelt. Dies ist «ns ein Ansporn für die Zukunft, in der wir noch viel, viel mehr fordern müssen, Maß um Maß, wie unsere Arbeit wächst und wie wir wollen müssen, daß sie wachse. So können wir auf die vergangenen beiden Jahre nicht ohne Genugtuung zurückblicken, wenngleich unser Verlangen nach großer und schneller Leistung, wenngleich Selbstkritik und Kritik der anderen und leicht bewahren werden vor jeder Selbstzufriedenheit. Eines ist sicher: wir fühlen — und es ist ein kostbares Gefühl —, daß Leben in uns und unsere Sache ist und daß wir vorwärts gehen. Das gibt uns heute Schwung und Kraft vor Hindernissen und Schwierigkeiten, die wir morgen werden bewältigen müssen. Was aber geschaffen wurde, die bisherige Leistung ist aus dem Zusammenwirken zweier Faktoren erwachsen: der zionistischen Bewegung, deren stärkster und klarster Ausdruck unsere Zionistische Organisation ist, und des schöpferische:: Jischuw in Erez Israel. Der Kongreß wird der Organisation neue Kraft und neue Impulse zu geben haben, diese Organisation, die Großes geleistet hat und noch zu großen Leistungen berufen ist. Der Kongreß wird auch dem Jischuw zu geben haben, was ihn: gebührt: Rückhaltslose Stütze und Vertrauen, das Vertrauen einer Organisation, die fein Werk liebevoll .miterlebt und seinen Arbeitsanteil zu würdigen weiß. Und so, Freunde, wenn wir jetzt an die Aufgaben des Kongresses Herangehen, lassen Sie uns die Arbeit tun als verantwortliche Bevollmächtigte des zionistischen Willens von Hunderttausenden in aller Welt und in: Geist und Verstehen geeint mit unseren Brüdern und Schwestern in Erez Israel. (Großer Beifall und Händeklatschen.) Ich erkläre den 14. Zionistenkongreß für eröffnet. Sodann ergriff der Präsident der Zionistischen EMku^ve, Herr Nahmn Sokolow, das Wort zu «folgender hebräischer Ansprache: Zum vierzehnten Male versiumtwlt sich der zion'fftische Weltkongreß im Berl-auife von 28 Jahren, und es ist «das zweite Mal, daß er hier tagt. Vor 12 Jahren hatte»: «ivir hier ei»»en ■ Zionisterckongreß, und heute treiffen wir uns hier ir» «dieser Stadt — unter anderen äußeren Bedingungen, aber in demselben schönen Men, das wie euch auch jetzt eine Metropole Verfemerter Kultur und Schönheit ist, iw demselben Men, das die Wiege des! modernen Zionismus war, aus dem de>r erste R»ff zum ziorvWchm Kongveß am Beginn unserer Boir-egmtg erging und _Wiener Morgenzeltunq _ in dem sich das uns teure und bedeutungsvolle Grab Theodor Herzls besiubet. Wir haben uns honte zu einem Arbeitskongreß versammelt. Dieser Kongreß soll mehr nach innen als nach außen gerichtet sei»». Wir wollen über unsere Probleme mit Gewissenhaftigkeit, Ruhe und Konzentration beraten. Bei den früheren Kongressen war das demonstrative Moment von Bedeutung. Allch heute wollen wir uns nicht gegen die Außenwelt absperren; aber schon seit gera»u»»er Zeit wenden sich die Zionisteukougresse mehr den praktischen inneren Dingen zu, u»»d dieser Ko»»gretz sollte i>n dieser Hinsicht noch »netter gehen. Det grrmdlegende Zug der meisten früheren Kongresse war die Tendenz zur Tat. Dem 14. Kongreß soll der Stempel der B e r w i r $ I i ch u r» g anfgedrückt sein. ■ Ist doch dieser Kongveß der erste »»ach dem bedeutenden Aufschwung der Einwanderung nach Erez Israel, der Kongreß der Alijaih. Mr kommen zu diesem Kongreß nicht wie in der Fronde des Erntens; aber vergehen wir uns nicht gegen die Wahrheit, leugnen wir nicht in einem Uebcrmaß schein«barer Anf-richti gleit und Selbstkritik die offensichtliche Tatsache, daß wir diesmal mit vielen bedeutungsvollen Evstlingssrüchteir komnien »»»»d keinesfalls mit leeren Händen nnd mit Enttäuschung. Das jüdische Volk hat mehr als jedes andere Volk historische Erfahrung, und es nmß sich dessen eingedenk sein, daß die Geschichte die Su»r»me von Geschehnissen wiedergibt, die in der Glut geschmiedet und gehämmert wurden. Versprechungen, Vermutungen, klingende, vergängliche Worte verwiegen im Wind; doch Gedanken, die greifbare Gestalt angenlommen haben, sie leben und bestehen, ziehen in die Geschichte ei»» itmb bilden ihr Gerippe siir Generationen. In dieser HilNsicht ist der 14. Kongreß nicht ein Wied in der Kongreßkette, sonder»» ein neues Wied — nicht bloß in der Zahl r»m eir»es m e h r, sondern ein historischer Abschnitt, der alle ihm vorangehenden in seiner Bedeutung iibertriWt — er steht an der Schwelle des Werdenden, des Entstehenden. Wir kommen zu diesem Ko»»igreß mit einer ans das Doppelte vermehrten Judenzahl in Erez Israel gegenüber der Zahl nach dem Kriege — ein Z»»wachs, dessen qualitativer Wert den quantitativen nm vieles übertrisst, Wir treten vor den Kongreß «mit WWW VS neuen landwürtschastl»chen Postti onen, Moschaitvim und Kwuzotih, mit ihrem sortwirkendm und sich weit verzweigenden nach ne»»en Wegen sinchendem Leben; mit Tel- Awiw, das gewachsen ist, mit Hadal Hcckarmol und anderen neueren Vorstädten nnd Anfängen vm» Garte»»städten, die im Aufblühen begriffen si»»d; mit landtvirffchastlichen Versuchsstationen und mit Aujfforstungsarbeit, die ungezählte neue Schößlinge in die magere Erde pflanzt. Wir kornmen mit dem Mittelstand, der einen so breiten Raum in der neuen Mlijah ernninrmt u»»d der sich nicht »mr mit den bisher im Aufbauwerk tätigen Kräften vereinigen n»»d in alle Wirtschaftszweige des Jischuw sich oinsiigen soll, in die Sitten und Gebräuche des Landes, in die wirtschaiftliche Ordnung; solider»» er soll auch neue Arbeitsformen schaffen. Wir kommen mit Neuschöpifnngen, die der jüdische Arbeiter mit Hilfe des Keren Hajessod im Emek und in allen Teilen des Landes hervorgebracht hat, wir kommen Mit der Arbeit erba n«k, welche die Zahl mfforer Finanzinstitute um ei »»es vergrößert; mit der Hypothekenbank, die der Kervl» Hajessod geschaffen hat; mit elektrische»» Zentralen; »iiit der Hadassa h, die über die Gesundheit des Volkes wacht; mit vergrößerten» nationalen landwirtschaftlichen Besitz, mit den» Erziehungswerk, den Bausteinen unseres nationalen Baues, dem Aufschwung unserer S p r a ch e, der einzigen Festu»»g zur Sicherung des nationalen Nachwuchses, die erweitert nr»d ansgebaut werden muß; mit dem Technikum und mit der Universität! Die starke Vertretung unserer palästinensischen Freunde, die wir in noch nie dagewesener Zahl aus diesem Kongveß zu begrüßen das Glück haben, ist ein Spiegel des Fortschrittes i»n Aufbau u»»«seres Landes. Die große Zahl unserer Freunde ans Amerika, die an» Konigreß teilnehmen, ist ein deutliches Zeichen für die Beteiligung unseres gesamten Volkes am Alffban unseres »»ationalen Hein»es. Auf feinen Sch»»ltevrr hat unser ga»»zes Volk diese Last des Schaffens ge- 19. August 1928 Seite 8 Alle« — voran! Kleid erh aus ClhiM-Prch in der D«me«-Abtellnng! Prima-Flausch-Nelours« mintel. ,8 35.— Original engl. Mäntel. . 8 38.- Priina-veIour»mSnt«l, Seide gefüttert .... 8 79.— Prima-Belo»r»mLntel mit Pelz.8 IIO.- Sngk. Spoetkostüme. . S 49.— StoffNeidrr, mod. Fasson, alle Farven.8 24.— Cr&pe de Chine.RItibrr . 8 29,— Schätzen in modernste» Farben . ».8 18.— 3 Stocktwerke HERREN - KLEIDER DAHEM'KLEIDER HERRENWÄSCHE (Gegrüttdet lsos) 25 Schaufenster tragen; mit Hilfe der Zionistischen Organisation und der durch sie geschaffenen zwei Geldquellen, des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth, und anderer bedeutender nnd hilfsbereiter Gesellschaften und Institutionen der Gailuth. Das ist die große Leistung museres Volkes vor der großen Welt. Innerhalb der leidenden Menschheit, die nach Aufbau des Zerstörten nnd nach Erneuerung ihres Lebens strebt, steht das jüdische Volk, das lebt und einen Weg zeigt, den Weg der Gerechtigkeit, des Friedens und der heroischen Arbeit. Erfüllt vom Geist der Bibel, dem Zeugnis seiner Geburt, ausgerüstet mit Pflug und Mauerkelle, gestützt auf sein historisches Recht, steigt es herab in das Jordantal, um Sümpfe trocken zu legen und steigt herauf auf den Skopusberg, um seinem Geiste eine Festung zu erbauen. Alles was es schafft und erneuert »st die Verwirklichung dev Idee der Gerechtigkeit und des Friedens, Form und Inhalt seiner Lebensanschauung. Es ist seit jeher bekannt, daß die Welt dem Juden nicht e»n A b b i l d d e s M o l o ch s ist, der mit glühenden eisernen Armen, mit bewaffneten Massen, mit Kanonen durch die Welt zieht, sondern ein Bild des Zusammenwirkens aller guten kräftigen Menschen, ihrer harmonischen, von Gerechtigkeit »md Liebe erfüllt, zusammenfassen. Das sind schon alte Worte; nun aber gehen sie der Verwirklichung entgegen und — im täglichen Tun unserer palästinensischen Brüder. Dies ist nur deshalb möglich, weil hinter allen Ueberlegungen, hinter allen Geschehen und hinter den Instruktionen und Satzungen, eine mächtige moralische Kraft steht, eine frische tiefe lebendige Seele, die alles praktisch läutert und veredelt, ohne die es ein totes formloses, jeder Tendenz beraubtes Gebilde geworden wäre. Der Kongreß ist eine jener moralischen Kräfte; ohne ihn würden wir uns klein nnd nichtig Vorkommen; mit seiner Hilfe, mit seinem Bestreben nach heroischer Arbeit für die Erlösung —. werden wir alles erfolgreich durchführen. Daher flehen wir zu Gott, er möge mit diesein Kongreß sein. Und noch eines dürfen wir nicht vergessen: Die Erlösung eines Volkes ist kein politischer oder territorialer und kein mechanischer Prozeß, wenn auch das Mechanische und Technische im Prozeß der Durchführung eine große Rolle spielen und mit peinlichster Genauigkeit erwogen werden m»»ß; aber die Erlösung selbst gehört nicht dem Reiche des Meßbaren und Zählbaren an, denn sie ist etwas Erhabenes, Schwerloses, Transzendentes. ©U ist nicht proifanes Werk, sie ist ein Heiligtum. Im gewissen Maße hängt wohl das Tempo der Auferstehurrg in Erez Israel von günstigen oder ungünstigen pol»-- tischen Konstellationen ab, von Plänen mehr oder minder mit uns sympathisierender Parteien — aber eben »»ur in einem gewissen äußerst begrenztem Maße. Sie »st in erster Linie von dev Wiederbelebung und von der Erneuer»»ng des Volkes abhängig. Und diese beginnt mit der sittlichen Erneuerung der Einzelpersönlichkeiten. Diese aber, in kleinen Zirkeln verbu»»de»», werden immer mehr und stärker, bis ein inneres Erwachen und das Wiederauserstehen einer Nation sich in den Gang der Geschichte einfügt. Jeder Mensch in Israel, der die Heimat baut und bauen hilft, muß denselben Prozeß in seiner Seele verwiMchen. De-r Zionismus ist seinem innerste»» Wesen »»ach eine sittliche, geistige Bewegung, für den einzelnen und für das Volk. Wir wollen mit dem Volk zusammen seinen Genius aus der Finsternis, aus der Unterdrückung und der Verzweiflung retten — daß es nicht mehr ein drückendes, »nühseliges Leben führe und nicht mehr seine Seele für ein Stück Brot verka»»fe. Daß es in seinen» Schmerz nicht seine Ideale vergesse, sondern befreit werde aus der Finsternis des Bösen a»»f dieser Welt und daß es genießen möge das Licht der Gnade »rnd des heiligen Geistes unter schwerer Arbeit und der Parole der Wiederkehr nach Zion, dem ihm vom Herrn auserwählten und bestimmten Ort. In diesem Geiste wollen wir vor der ga»»zen Welt Rechenschaft ablegen. Es ist verwunderlich, daß es noch Menschen geben kann, die eine menschlich-nationale Wiedergeburt eines alten Bottes verleumden. Aber trotz dieser sonderbaren Eri mzasmsmmm, 1 * * i;!

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