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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sk 9831'a Man, DknS-i-Lg ÜBlcitcr MovyertzertitNtt 18. August IMS Sette» Schon wächst das neue Geschlecht der Ehalnzin heran, bereit, Nicht für Zion zu sterben, nein! Die Ziele des Führers wavon solche der Freiheit und des Friedens, für Zion zu leben und zu arbeiten. Sie durchziehen das Land, \ic trocknen die Sumpfe, bewässern die Oedcn, sic Pflanzen Bäume und bauen Häuser, sic erfüllen den Traum Herzls. Wenn Ihr in ivenigen Tagen auf die Türkenschanze ziehet, dann grüßt den Führer mit einem harten Willen, denn hart wird Eure Arbeit sein! Doch die großen Ziele von Friede und Freiheit, die auch seine Ziele waren, sollen Euch stets auf den: Wege leiten, dann iverdct Ihr seiner würdig sein, der zugleich dem eigenen Volke und der gesamten Menschheit diente." Bei den Klängen der Hatikwah erheben sich alle Anwesenden von den Plätzen. Kurt Off ende rger dankt allen Teilnehmern an der Feier und übergibt die Tafel in die Obhut der Rede- und Lesehalle jüdischer Hochschüler. Dr. I e l l i n e?, Präsident der Redehalle, antwortet: „Wir übernehmen die Obhut über die Tafel und sind Uns unserer Pflicht wohl bewußt. Im Geiste des verstorbenen FÜHrrs werden wir weiter tätig sein. Mit ihm wiederholen wir nochmals von uralten Schwur: Wenn ich Dein vergesse. Jerusalem, verdorre meine Rechte!" zionistischer Antzenten-Welttongreß. Sonntag nachmittags wurde der dritte zionistische Stndemen-Weltkongreß vom Präsidenten des WÄtverbandes zionistischer Hochschüler, Herrn K. Offenberger, in feierlicher Weise eröffnet. Der Vorsitzende gab seinem Bedauern Ausdruck, daß er den Kongreß nicht in hebräischer Sprache eröffnet, und hofft, daß der nächste Kongreß eine Aenderung bringen wird. Nach Begrüßung der 55 Vertreter der Universitäten Wien, Padua, Budapest, Brünn, Warschau, Innsbruck, Krakau, Riga, Berlin, Prag, Cgcrnowitz, Basel, Agram, Bukarest und >der jüngsten Universität Jerusalem wird vom Mterspräsidenten Dr. Vierer die Wahl ins Tagespräsidinm vorgenommen. Gewählt wurden zum Präsidenten Dr. Lasarowitsch (Wien), zu Vorsitzenden Dr. Schur (Jerusalem) und Herr H i m m e l f a r b (Warschau). Nach der Wahl der Sekretäre und der Ausschüsse folgte der Generalbericht des Sekretärs Weltverbandes zionistischer .Hochschüler, Herrn Krämer: »Infolge mangelnder materieller Unterstützung war der Verband gezwungen, seine Tätigkeit einzuschränken. Es sind die Fragen des Studentenheims und der Bibliothek in Jerusalem aufgeworfen worden, doch sind die diesbezüglichen Verhandlungen noch nicht als abgeschlossen zu betrachten. Was die Tätigkeit der Untevverbände anbelangt, so ist aus vielen Ländern viel Günstiges zu berichten. Leider stehen noch aus einzelnen Ländern die Berichte aus, doch hoffen wir, in äbschbarer Zeit auch mit diesen Fühlung zu nehmen. Günstig sind die Berichte ans der Schweiz (Basel). Aus Agram sind keine Berichte eingelaufen. Mit Budapest haben wir leider keine Bevbmdung, da dort die zionistische Tätigkeit vollkommen unterbunden ist. Benwvkenswert günstige Berichte sind aus Danzig, aus Innsbruck, Ivo eine Verbindung Davidia gegründet wurde, ferner aus Warschau, Paris, Riga, Italien, Prag, Brünn, Bukarest cingelaufen. Insbesondere muß die Tätigkeit der neurnmänischen Mischen Stutze nie rwerbindnng heovorgehoben werden." An der Debatte beteiligten sich Delegierte aus Bukarest, Berlin, Agram, Wien, Jerusalem und viele andere. Besonderes Interesse erweckten die AusMrungen des Herrn Livlin «Palästina), der in hebräischer Sprache die Leiden der Zionisten i n Rußland in ergreifenden Worten schildert: „Während wir hier i,n prunkvollen Saale sitzen, schmachten t anscnde jüd 1 schc Studenten in russischen Kerkern. Während alle Nationalitäten in Rußland anerkannt werden, wird die jüdischnationale Bestvegung mit allen Mitteln »ntevdvückt. Jede zionistische Tätigkeit ist unterbunden. Der indische Student in Rußland fühlt sich abgesondert und verfolgt. Diesem Elend und dieser Vergewaltigung darf man nicht länger müßig zuschen." Redner ruft den Kongreß zum Prolest ans und bittet, diesem PrMem die gebührende Ausmevksamkeit znzuwenden. FestkommerS -er jüdischer? Studentenschaft. Samstag abends fand zu Ehren der zahlreich erschienenen Delegierten im Festsaale des Hotels de France ein Festkvmmers unter dem Vorsitz des Herrn cand. ing. Küstl e r (Unitas) statt. Herr K. Offe über gor (Jordania), Präsident des Weltvcrdandes zionistischer Hochschüler, begrüßte die Gäste. Die Festrede hielt Herr Ing. Freundlich (MaWabäa), der un-- ler anderem sagte: „Dieser KonunerS wird vielleicht einen 'Wendepunkt in der Geschichte der Mischen Studentenschaft bedeuten. Die Aufgabe der jüdischen Studentenschaft ist jetzt eine andere als früher. .Heut« müssen wir am Anfba-u Palästinas arbeiten, muffen volle und gange Juden werden und als Eou'leurchalnzim aktive Arbeit leisten." Dr. Vierer (Kadimah), von großem Beifall begrüßr, hielt eine hebräische Ansprache, welche er in deutscher Sprache sortsetzte. „Ueberall", sagte er, „ist es die Intelligenz, die all der Spitze jeder Bolvogung marschiert. Auch wir müssen trachten, unsere geistige Elitv an die Spitze zu bringen." Nach Absingung der „Tikwch" wurde .der offizielle Teil des Kommerses geschlossen. * Basar des Keren Kajemeth. Die zionistischen Bezirksfvttionen, Vereine, akademischen.Verbindungen usw. werden gebeten, während der Kongreßzeit ihren Stammtisch in den Basar des äderen Kajemeth im Kursalon (Marnwrsaal), 1. Bez., Stadtpark, zu verlegen. Durch die große Nähe Mn 5-ongreßgebäuide erscheint dieses Lokal als Znsamntercknnstsvrt während der Kongretzzeit .für die Gesinnungsgenossen prädestiniert. Mitteilungen aus dm Publikum. WMtMrai habm 1 Bureau: Oflg. ff am. zmfemnpapter JWD wen. «iii. sumagasis ,9/z Rosa Friedmann Isidor Lindenbaum Wien Antwerpen Verlobte Marienbad, am 11. August 1925 «7 TAPET EN-WALLIS Wien« I« Wlpplijtgwiirasse 15 T«l*phon 6 S0 . SSS»2 tlvvn tterbst-blsuiisilsn bereits eingelangl! Olga Kadisch «so JSgermayersirasce IS i: Telaphen 99/VIII Ganzjährig geöffnet. Mütterliche Pflege und Aufsicht. Erst* klass gc Verköstigung. Wiihrcnd des Schuljahres auf Wunsch Konversation). Zwei Gören, gedeckte südseitige Liegehalle V3SLAU XIV. Zionistenkongress * Wien Grosser SOPHIENSAAL (Marxerg. 17) Mittwoch, 19. Angnsf, punKt 8 Uhr abends FESTKONZERT Ausfuhrende: Oberkantor Gerson Margulies Konzertmeister Josef Zimbler (Violine). Das Wiener Hakoah-O rohest er Der Wiener Jüdische Gesangverein Maximilian Lampel (Orgel) Dirigent: Professor S. BRASLAVSKY PROGRAMM: 1. Josef Joachim: Ouvertüre G-Motl 2. Dr. Jonas Feuer: „Jesajah“, Konzertphantasie für Violine mit Orchester (Josef Zimbler) 3. Karl Goldmark: Aus der Symphonie „Ländliche Hochzeit“: a) im Garten; b) Tanz PAUSE 4. Jüdische Volkslieder: ERDSTEIN: Im eschkachech (hebräisch), ALMAN: „Chad gadja“ (jüdisch), PÖSNER: a) Wiegenlied (jüdisch); b) Die alte Frage (jüdisch) 5. S. Braslavsky: Psalm 137 für Solo, Chor, Orchester und Orgel mit Verwendung traditioneller Synagogalmelodien vom „9. Ab.“ Hatikwah" 425 Set Sloilkmus in Pole». Aus einem Gespräch mit Leon Levite, Präsidenten des Zionistischen Zentralkomitees in Warschau und des Zionistischen Oberrates in Polen. Die zionistische Bewegung in Polen hat sich im letzten Jahre verdreifacht. In Kongreßpolen allein wurden nur von -den allgenrei.nen Zionisten über 100.000 Schekalim verkauft, so daß die a l l g e m e inen Zionisten Kongreßpolens 36 Delegierte zum Kongresse entsenden. Die Beziehung zum Palästinaaufbau hat sich innerhalb unserer Reihen radikal geändert. Praktische Probleme stehen tm Vordergrund. Dies äußert sich inr Interesse an den Fragen der Emigration nach Erez Israel, an dem Ankauf palästinensischen Bodens, der Schaffung von allerlei Jndustrieit im Lande und in der Erwägung verschiedener Projekte. Das Zionistische Zentralkomitee in Warschau hat demgemäß ferne Tätigkeit eingerichtet. Die Wandevnngsfrage — cs wandern aus Polen 1600 bis 2000 Juden monatlich nach Palästina — steht im Mittelpunkt der Diskussion der jüdischen öffentlichen Meinung Polens. Wie sehr Palästina im Mittelpunkt de? Denkens und Fuhlens bei den Inden Polens steht, ist aus der Beteiligung an den Kougretzwahlm zu ersehen. Zinn ersten Mal haben sich in Polen Orthodoxe nnd Chassidim an Kongreßwahlen beteiligt und als Mitkämpfer der allgemeinen Zionisten nnd nicht, wie es anznnehmen wäre, innerhalb des Misrachi. Ein Delegierter dieser Kreise ist die interessante Erscheinung des Rabbi von Iablona, denin Polen gewählt wurde und auf diesem Kongreß erscheinen'wird. Mit Freuden muß festgestellt werden, daß Palästina bereits eine radikale Umwälzung in der. Psychologie des polnischen Judentums hervorgcsufeu hat. Kleinbürger und Krämer gehen in Palästina zu produktiver landwirtschaftlicher Arbeit über.. Die tatsächlichen Leistungen des polnischen Judentums für Palästina kann -man daran abschätzen, daß in den letzten zwei Jahren 600.000 bis 600.000 Dunam Boden von polnischen Inden erworben wurden, aufdem sie sich allmählich einordnen. Die Frage der Koloiiijalion der obenerwähnten kleinbürgerlichen Lassen Polens steht begreiflicherweise int Vordergrund der Aufmerksamkeit der Majorität der Zio» nisten. Von 36 Delegierten auf dem Kongreß sind «S 27, die im Verein mit anderen ähnlich gesinnten Gruppe» bestimmte Ziele auf dem Kongreß mit Nachdruck vertreten werden. Unsere Postulate sind: 1. Gerechte nnd yMchyestellte Behandlung aller Elemente, die sich an der Produktivieruug von Land und Leid beteiligen, ein Bestreben, das von den zionistischen Institutionen in Form von Krediten und Subventionen berücksichtigt werden muß. 2. Die Durchsetzung dieses Postulats durch eine homogene Exekutive auf Grund eines einheitlichen Programms. Die Zionistische Organisation, die eine staatliche Aufgabe zu erfüllen 'hat, nmß von einer Exekuivc geleitet sein, die, über allen Gruppierungen stehend, ein objektiver nnd zentraler Regulator ist. Erinnerungen und Betrachtungen. (1913 und 1025») Von Wolf Rapaport. Zum zweiten Male seit der Begründung des politischen Zionismus tagt in Wien der Zionistenkongreß. Damals anno 1913 beim ersten Wiener Zionistenkongreß (dem elften) war es anders. Damals erkannte auch die Wiener Bevölkerung die Notwendigkeit der Abhaltung des jüdischen Kongresses in Wien, da doch Wien das Zentrum ist, wo sich Ost und West die Hände reichen und es besonders hier geeignet ist — vom allgemeinen menschlichen Standpunkte betrachtet —, die Beratungen zu pflegen und so dieser menschlich-idealen Sache zu dienen. Freilich, damals fanden sich noch keine .Hetzer, die den hochkultivierten und im Grunde einsichtsvollen Wiener verhetzen sollten. Die Wiener Bevölkerung schaute damals mit Interesse und sichtlich pietätvoller Bewunderung auf den Kongreß. Die Wiener Volksseele hat Interesse für jedes menschlich-edle Bestreben, für jede gerechte Sache. Damals sahen die Wiener inr Kongreß ein Wahrzeichen für die vornehmste Tugend des Menschengeschlechtes — für die Liebe zur Heinrat. Damals war man gastfreundlich nnd hatte Achtung vor einer Külturerscheiiiung, die Zionistenkongreß heißt. Der Kongreß ivar für die Wiener ein Novum. Allein sie suchten das Schöne und Erhabene dieser ihnen zunächst fremden Bewegung zu erfassen und hervorznkehren. Bei der Eröffnung des Kongresses irr der Katharinen- Halle drängt sich das Wiener Volk, Arier nnd Juden aller Schichten, um Einlaß zu finden. Der Andrang war ein nahezu gewaltiger. Und ich hatte als Delegierter große Mühe, um auf meinen Platz zu gelangen. Auch die aristokratischen Kreise hatten volles Verständnis für den Kongreß und ich erinnere mrr daran, wie freundlich und loyal die Antwortdepesche Kaiser Franz Josefs auf das Huldigungstelegramm der Zionisten gehalten ivar. Und wie wundervoll -rückte damals ein arisch-wienerischer Kunstkritiker der „Zeit" sein Erlebnis bei der Aufführung be8 hebräischen Byalistokcr Theaters Habima aus. Der Kritiker schreibt unter anderem: Me „Zeit" bottt September 1913.) „Die N. W. B. war gestern die Stätte eines hochinteressanten und für Wien völlig neuen Experimentes. Zum ersten Mal hörte man hier eine vollkommene Aufführung in neuhebräischer Sprache, machte also die Wiederbelebung einer Art gewesenen Sprache in einem modernen Kunstwerk mit. Der Knnstverein Habima hat diese Aufführung unter großen Opfern veranstaltet um zu Ehren des heut« zu tagen beginnenden Kongresses den Beiveis 51t liefern, .daß die Juden noch inrnrer — oder weit richtiger gesagt, aufs Neue — eine Sprache besitzen, in der sie sich nicht nur verständigen können, sondern in der sie sogar die höhere dramatische Kunst pflegen. Es sei vorweg festgestellt, daß man — so weit dies ohne Kenntnis der Sprache möglich ist — den Eindruck erhielt, die hebräische Sprache sei vollkommen aktionsfähig. Sie klingt im großen und ganzen ziemlich deutlich an das Mtgriechische an, ja sie besitzt sogar noch einen viel ästhetischeren Tonfall. Was die Kraft der Darstellung anbelangt, so war selbe eine überwältigende." Jetzt wo der neue . Kongreß in der Wienerstadt tagt, im vollen Gange ist, wo das Meer der Arbeit wogt, ist vielleicht keine Zeit für Reminiszenzen an den elften Kongreß. Aber hervorheben soll man doch, wie es 1913 war, und wie der wahre Wiener einsichtsvoll und verständig war und wie er einer jeden edlen Menschheitsbestrebung gegenübersteht, um so mehr einer Bestrebung, die dem Wiederfinden einer .Heimat einem Volke gilt. Hervorgehoben niuß werden, wie der wahre Wiener die rohen Attacken gegenüber idealen Bewegungen gegenübersteht. Hervvrgehoben nmß werden, daß die Wiener Psyche eine ganz andere ist als die der Berhetzer. Aber den Rassenvölkischen sei's gesagt, daß wer das Bestreben eines Volkes nach Wiedererlangung seiner Heimat verletzt, der verletzt die Menschenrechte. Die Men schenrechte, die Hugo G r 0 t i u s im 16. Jahrhundert verkündet und als natürliche und göttliche Gesetze erkannte. Der heimatliche Boden ist überall heilig und die idealen Gefühle eines Volkes zu seinem Boden werden überall heilig gehalten und respektiert. Die wahren Wiener werden es niemals zugeben, daß die Stadt auf das Niveau menschlicher Ungerechtigkeit nnd Kulturlvsigkeit herabsinken soll. Der wahre Wiener weiß es, die Nachbarn lauern schon lange auf den Niedergang Wiens als Welt- und Knltnrstadt. Die Verhetzung des Wiener Volkes kann nicht von dauernder Erscheinung sein. Alle Bedenken konservativ sein wollender Politiker in gewissen Ländern

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