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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-18 · Heft 2331 (18.8.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2331 (18.8.1925)
Date
1925-08-18
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Skr. 2331a Men, DienSKtg Wiener Morqenzekturrg M August 1G8& «k« behenden Finger wird durch einen Ordner mit einer Hl-auiveißen Binde am Arm dargestellt. Sie geben bereitwilligst Auskünfte und führen die Fremden an die gewünschten Stellen. Die Kongreßdelegicrten „erster Garnitur" sind fast aAe schon anwesend. Sie müssen sich in allen möglichen Stellungen von Zeichnern, die für in- und ausländische Zeitungen arbeiten, abkonterfeien lassen. Ein WchOn gibt cs nicht. Und ivä'hrend sie noch ein recht freundliches Gesicht machen müssen, kommt schon irgend ein Interviewer und quält sie nadjallen Regeln der Reportevkunst. Allen möglichen und unmöglichen Fragen müssen sie willig Rede und Antwort stehen. Daß es im Konzerthaus auch von Neugierigen lvimmelt, ist nicht zu verwundern. Es gibt doch etwas ,51t sehen und zu hören. Mau sieht sie auf allen Gängen in Gruppen stehen und über Kongreßprobleme -debattieren. Leute, die einander seit dem letzten Kongreß oder noch länger nicht gesehen haben, feiern Wiedersehen, und es gilbt manchmal rührende Erkennungsszenen, die oft mit einend Kuß besiegelt werden. Die Leute, die im Kongreßhaüs aus und ein gehen, bieten ein buntes Bild, denn bunt ist auch die Serie der Länder, aus denen sie kommen. Roben der eleganten Dame aus Paris die Ehaluzah ans Palästina mit wettergebränntent Gesicht mit dunklem Rock und Arbcitsblnse; neben dem modern gekleideten Westeuropäer Leute aus dem Osten in jüdischer Tracht, und dann -wieder Chalnzim, deren Aeußeres schon darauf schließen läßt, daß sie nicht gerade auf Rosen gebeitet sind. Airs ihren Augen aber leuchtet Zufriedenheit, denn sie haben schon erreicht, wovon die anderen nur träumen oder 'bestenfalls sprechen dürfen. Das Karienbureau wird fortwährend um Sitzplätze, für den Kongreßsaal bestürmt und muß alle Petenten abweisen, da der Saal bis aus das letzte Plätzchen ansver- Laust ist. Man mußte sogar Berichterstatter großer Zeitungen abweifen, weil es unmöglich ist, für sie Sitzgelegenheiten zu reservieren. Der Fassungsranm wurde ohnehin sehr stark vergrößert, reicht aber doch nicht für alle, aus, die auch gern da'ber sein möchten, wenn über .das Schicksal des jüdischen Volkes beraten wird. Der große Konzerthansfaal ist für die Tagung schon vollständig hevgerichtet. Alls dem Podium wurden Sitzgelegenheiten für das Präsidium und die Mitglieder des Mionskomitees geschaffen und die Plätze der'Delegierten von denen der Journalisten und Gäste durch Holzbarrieren getrennt. Die ersten Logen auf beiden Seiten sind für das diplomatische Korps reserviert, das fein vollzähliges Erscheinen zugesagt hat. Irr den anderen Sälen des Konzerthanses werden schon flsißig Konferenzen abgohaHerr. Beini Eingang sind Tafeln angebracht, auf denen zu ersehen ist, -wann und wo die betrefferrden Kommissionen tagen. Der mittlere Konzevtha-usfaal ist zu einem Restaurant umgetoandelt, das schon stark frequentiert tvird. Im Harlife selbst werden überall Erfrischungen feilgeb stell und vor dem Tore steht ckn „Gefrorenesmann" mit feinem Wägelchen und läutet nett seiner kleinen Glocke, ein Zeicherl, daß schon etwas los ist, denn, wo im Sommer eine größere Menschenanfammlung stattfiindet, dort fohlt auch der Mann mit dom Gkswägolchen nicht. Ein eigenes Illsovmatlons'bltreau, dessen Beamte die verschiedensten Sprachen 'der Welt beherrschen, gibt den Fremden bereitwilligst Auskünfte. Mmt ist . das Sprachengewirr, das im Konzerthaus herrscht. Eine Sprache aber verbindet sie alle, die hieher gekonmien find, um den Gang der Verhandlungen im jüdiischen Parlament zu folgen, die Sprache, die einst das ganze jüdische Volk fät Erez Israel sprechen wird, die Spmche der Thora und der Propheten. Sie schließt ein enges Band um das garrze Judentum, und wenn aUlch viele, noch nicht alle, ihre Wokabeln kennen, in dorrt Geiste dieser Sprache wurden sie alle erzogen und von diesent Geiste sind sie voll und ganz durchdrungen. Er ist es, der das Judentum ausmacht, und er wird, mithelfen, das uvlte Land aufzu bauen. Alls dem Kongreß sollen die Mittel und Wege dazu gefunden werden. ______ R. S. 3u de» Kongreßproblemen. AuÄ einem Gespräch mit Louis LiPsky. Herr Louis Lipsky,' das Mitglied der Zionistischen Exekutive und Präsident der Zivllistischen Organisation Tlrnerikas, hatte die Liebenswürdigkeit, eineil unserer Redakteure gll elllpfaugcll ltnd sich dabei über einige Probleme des ZioutstellikonFresses llnd der zionistischen Arbeit zrl ällßevn. Alls dank Kongreß lverden sich in der Hauptsache zlvei Gru-Ppen gegenüberftchen, die der linken und der rechten Konzentration, die in ihrer äußerlichen Stellungnahme zur palästinensischen Arbeiterschaft gekennzeichnet sind, das heißt in der Bestimmung des Blldgets und der Art der Kolonisation. Die erstere wild hauptsächlich von Polen, der Gruppe der Mis-- rachistell nnd ähnlichell, die zweite von Deutschland, der Hitachdltth, der Tschechoslowakei und anderen vertreten sein. Wir Mrevikanier itei-geu der linken Konzentration zu, fühlen aber trotz alledeln, daß die Zionistische Organisation nicht N'llr auf die landwirtschaftliche Kolonisation allein, sonderu auch ans die Privatinitiative Einfluß nehmen nlllß. Die palästinensische Arbeiterschaft l-at unter den schwierigsten Verhältnissen den Aufban -des Landes begonnen und evolutiomstisch Vas Äolottisatlonswe-rk, das heute besteht, aufgerichtet, dabei Ersahrrmgen gesammelt und ihre Stellung erobert. Die neu Ei-nwandernden kommen zu-m großen Teil mit Erfa-Hvrm-gen in Industrie ltnd Handel, so daß es unsinnig wäre, sie boil oben her in ihrer Arbeit zu bestimmen, das heißt zu hemmen. Ein Lodizer Händler in TelMviw beispielsweise hat es verstanden, sich seinen Markt in Beirut zn schaffen und so einen Erwerb Woei-g in Palästina zu kräftigen, ohne die Kon- Nicht Herzls „gudenftlult", sondem khurchills „Weißbuch". Die Berliner „Jüdische Rundsch-au", das offizielle Organ der Zionistischen Organisation Deutschlands, begrüßt in ihrer letzten Nummer den 14. Zioniftenkongreß an leitender Stelle mit einem großen, programmatischen Artikel, in welchem es n. a. heißt: ,/Wir wollen also keinen I n d e n st a a t, sondern ein bi national es palästinensisches Gemeinw cs e n. Im Rahmen eines solchen Gemeinwesens sehen wir die Möglichkeit, das zu gewinnen, was -uns als Juden fehlt; Die volle rechtliche Basis für ben Aufbau eines eigenen, soz-ial-ökonomisch normal gegliederten, freien nationalen Volkslebens. Dieses Ziel wurde in vorbildlicher Weise formuliert — leider nicht durch den Zionistenkongreß, sondern — durch das unter dem Namen Churchills -bekannt gewordene Weißlbuch vom Jahre 1922, d essen w i r>kl i ch e r Verfasser Herbert Samuel äst. Die Zionistische Exekutive hat r-m Jahre 1922 bereits die Erklärung abgegeben, daß sie ihre Politik im Einklang mit dreisem Weißbuch führen wird. Leider ist aber diese Tatsache nicht genügend in das B e w >n ß t s e i n der zionistischen Welt ei ng e d r n n g e n. Die Bal-faur-Deklaration und das Wilfon- Programm der Befreiung der kleinen Nationen hat die Köpfe verwirrt. Viele Zionisten glaubten vor fünf Jahren, der Judenstaat sei nunmchr Tatsache geworben. Sie vergaßen, daß selbst wenn dem so gewesen wäre, es noch MaWäbe der Gerechtigkeit und der Sittlichkeit im nationalen Leben gibt, die in keinem Fall mißachtet werden dürften; das jüdische Volk, das immer die UnterdrückMig des Schwächeren verabscheut hat, kann auf keinen Fall mit -der Geiste einer Herrcnnatiön austreten. ~ Also: Absage an -den Judensta-crt. An Stelle.Herzls treten EhurchU tmÄ Samuel. Die Ballsour-Eriklärung hat nur die Köpfe verwirrt. Nur vom Weißbuch, welches Hk kurtBMI M» nisten erst nach langem Stväuben und unter schwovem p«^ tischen Zwang unterschrieben haben, kommt alles HeL. Streben nach dem Judenstaate ist verblerbeter EhauViniSmM. „Binaitionales, palästinenif-ischer wef-e n" muß künftig die Parr^e lauten. Au dich«« heNg«, lvenn auch etwas Whlem Feuer, sollen sich fortan die jüdchche» Herzen wärmen. Die unheilige, aus dem chauvinistische« Höllenpfuhl aufschlagende Flamme der Juiderchtaatovei maß erstickt werden. So -will es das Organ der deutschen Zionisten. Und es begnügt sich nicht «nt der. Forderung «ach AuSvottnG der Idee vom Judenstaat, sondern denun-vevt alle Anhänger dieser Idee, und das sind wohl 90 Progent all« Zionistenj ats Unterdrücker der Schwachen und Herren-Nationalisten. Dir antizionistische arabische Presie kann sich keinen besseren Eides- Helfer wünschen als die ,Züdische RundschauBisher gatte» nur Jabotinski und seine kleine Grrchrpe als gewalttätige Störer und Feinde des Friedens in Palästina. Die ^Mische Rundschau" denunziert alle Zionisten, die de« Juder^taat HerKs wollen, als Schädlinge. Die Auslastungen der ^Mischen Rundschau" müssen entsprechend gewertet werden, denn di« Zionistische Organisation Deutschlands ist nicht irgend eine Gruppe im Zionismus, sondern eine dar einflußreichsten. Sie ist Trogerrn der Politik und Stütze «der gegenwärtigen Executive, die wichtigsten Parteipostttt in Europa und in Palästina werden aus ihre« Rechen heraus besetzt, sie bildet em Zentrum des Zionistenkongrestes, um das sich alle regierungstreue Gruppen scharen sollen. Soll die Politik der Belämpfnng des Strebens nach dem Judenstaat fortan die Politik der Leitung und der Gruppen sein, welche auf dem Kongreß solidarisch mit der deutschen Ovganifcrtion Vorgehen Werden? Die Frage ist nicht müßig. Sie «mß beantwortet werden. Reinliche Scheidung tut not, Weil Wst gchchrttche B«- Wirrung eintritt. ' , . Seouls Lipsky, Mitglied der Exekutive, Vorsitzender -der amerikanischzionistischen Organisation. trolle von außen. Sollte man ihn erst einen neuen. Beruf mühselig erlernen lassen? Es ist nicht zu len-gnen, daß in der Privati-nit-iativio manche Gefahren liegen, die aber durch die moralische Kraft nnd Autorität der Zionistischen Organ-isation leicht beseit-i-gt werden können. Was also nottvendig ist und wir verlaivgen ist, daß die Zionistische Organisation sowohl der genossenschast'lichen Kolonisation als auch der Industrie und dem Handel ihre Aüstnevksamkeit gleichmäßig scheivke. Man muß aus der Privatinitiative das Gute hervorzuholen verstehen, eine Sache, die unsere sinallziellen und ökonomischen Expvr-ten genau zu unterisucheu und auszulführen haben. Es muß eine Jlldustrivbank geschaffen werden — sie ist auch vorgeschlageu —, die Menschen, die einiges Kapit-al besitzen, das aber gewöhnlich zu gering ist, um die bis zur Rentabilität führende Zeit durchznhalten, Kredite getvährt. Ohne eine solche Post im Budget ist es n-icht möglich, gedeihliche Arbeit, die jetzt zweifellos geleistet werden könnte, zweckentsprechend auszubauen. Wir in Amerika m-ußten Farmern, die Erfahrung nrid ein Kapital von 4000 bis 6000 Dollar besitzen, di? Uebersiedlung nach Palästina äbraten, weil sie entweder ohne jede or-ganifationelle llnterstützu-n-g Schifsbruch gelitten hätten oder Wucherern, di« 16 bis 20 Prozent Zinsen verlangen, in die Hände gesellen lvären, was noch mchr als Schifsbruch ^bedeutet, nicht nur für sie, sondern auch für das Land. Die bestehendeu Institutionen -hatten entweder kein Geld für solche Kredite oder keine Vollmacht, sie zu gewähren. Es ist n-nsilm-ig und nnrätion-ell, das ganze Budget nur für genossenschaftliche Siedtnugeu zu venvenden, an-stat-t eine Kombination von durch Kredite gestüjste .Landwirtschaft einerseits und Handel und Industrie andererseits -zn vollfiih««. Wir sehen, in -einer solchen Kvmbmatlon den Ausweg. Das Erfreuliche ber dies-om Kongreß wirb vou de» Nm» stand .herbeigeführt; werden, daß d4e Gruppe« fcho« vvr dem Kongreß ihre Stellungnahme mrsschließlich vom- Bvdgetstandpuuikt mit Hmiwsglastung pevsonikcher oder sonstiger «chachttcher Fragelr bestimmt haben. ' : ' ' ' Wir hoffen, daß die obenerwähnte KouMmtüm dor Erfolg dieses Kongrestes fern wird. Die Emigrmg der Gruppen wird im Zeichen dieses praMschen Siünss herbeigeführt werden. U.cher.Beicha!lten wird jebensaüs das der ÄMtL senr, ohne d« sogenannten Opposition das Recht auf die chr zustchende Po»- bamentarifche Demonstratron, dke sich um rsnr' Polrtstche Maßnahmen dreht, nehmen zu wollen. Wir find der Meinung, daß -die Zümistifche Executive auch in politischen Fragen den emglitz richtigen Weg omgeschlogen rmd «nd ihre Pflicht restlos erfüllt hat. Heute stcht die Sache so, daß eim ftaiÜe PokM w»d geführt werden Vönnen, wen« hinter «ms stark«; Positionen des palästmensifchen Judentums stehe«. Die Erweiterung der Jewchh Agench ist im eine Frage der Zeit, sie kann auch nacht anfgohotte« werden durch «ner- Warchet auftretende Evoigmffe, wie etwa das der KpiMprojÄts» vou dem wir überzeugt sind, daß es schließlich den Lhavokter emer im besten Falle halbwegs U»lLngÜche« HkPSoktio« «enehme» kann, was Nichts m?t ement fo historischen Unternehmen, wie der Aufbau des jüdstcherr NotmchmHeimS in PckS^- ftina. eS ist, zu tmv hat. . StuptttQI OtS SIHMt tSI XttffQlML Sonntag vormittags wurde der Bas« des Kajemeth im Kursalou der Stadt Wie« eröffnet »d konnte sich schon eines regen Zuspruchs erfreuen. Die Gegenstände, di« die Kauflente für den wohltätigen Zweck gespendet haben, sind geschmackvoll aufgestellt und werde» vom Pubttkuan lebhaft begchrt. Ans jedem Ausstellungsobjekt ist der Name der spendenden Firma ersichtlich, so daß mit dieser Wohltat gleichzeitig eine wirksame Reklame verbunden ist. Damven der Gesellschaft, die sich fveiwillitz in den Dienst der Sache gestellt haben, verkaufe» Lose za 50 Groschen und manchem ist es gegbückt^ sehr wertvolle Gebrauchsunfe Kunstgegenstände zu gewinnen. Nachmittags versammelten sich in dem anheimelnden Raume zahlreiche Konzertbesucher unfe lauschten den Klängen der KünfLerkapelle Max Geiger. Der Best« im Kuvsalon verspricht der gesellschaftliche Mittetpunkt der Fremden nnd Eircheimifchen während der Kongretzzeit M werden. Das Reinerträgnis wird zu« Anikauf palästinensischen Bodens für österreichische Ehcckuzims vowendet. Re Kongreßfeftnmvmer mm her Wiener Morgenzettmtg" ist erschie»««. Die 60 Seiten starke, mit zahlreiche» Jllvfteatia. ne«, Bildern führender Männer des ZisniRnnr, Re»- aufnahmen ans Erez Israel und künstlerische« Reprodnktionen versehene Nummer enthalt «. «. BeitrSge da« Nahm« Sokolow, Dr. Artur Rappi«, Anitta Müller-Cohen, Felix Salten, R. «. Usfischkin, Dr. Max Brod, Sven Hedin, De. S. Grone, mann, Abel Pann, Dr. I. H. Körner, vanFriest« land, Dr. Berthoü» Feiweh JuVnS Löwtz, JuW Kransz. Preis der Fchnnmmer chl Schills . äUUüiiüiai T- -„ty

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