Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2331 (18.8.1925)
- Date
- 1925-08-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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•OMfli, tit€1T5irt<i rvtekker MovaenzeMknst 1R August tf^o ectn *... ähnlich tivofyv indischer Zentren, Wien ist vielleicht, wie in keineranderen Stadt, der Zionismus in so hohem Matze erstarkt. Vir dürfen deute aufrichtig sagen: loir sind der Tradition, die als Erbschaft Herzls auf uns ruht, würdig. Wenn in Wien noch vor wenigen 'fahren wichtige Ereignisse des Zionismus, wie die B a l s o n r- D e.k l a r,a t i o n oder die Ratifizier n n g des Man dates unterschlagen, wurden, so ist in dieser Stadt seht Ernst und Respekt, ja nahezu Ehrfurcht in der Beziehung Zinn zionistischen Gedanken zu merken. Dies ist unserer steten Arbeit für den zionistischen (^wdankeu zu danken. Das jüdisch.' Wien ist für ,dcn Zionismus erobert. Wien ist eine Stadt, die das Recht hat, den Kongreß, zu beherbergen und Zeuge einer Arbeit zu sein, die nicht nur dein Wühle des jiddischen Botkes. sondern dem der gesamten Menschheit gewidmet ist. Präsident Weizmann ergriff, mit Jubel begrüßt, das Wort und legte dar: Im Nayien der..Exekutive danke, ich für den schönen Empfang. Seit^.dem Letzten.Kongreß, der. in Wien stattgefunden hat, sind-12. Jahre dahingegangen. Sehr viel Blut ist seitdem in die.D o.n a n geflossen. Auch die Lage der Julden hat sich .nicht gDessert. Dereinzige lichte Punkt im Leben des jüdischen Volkes ist Er e z Israel. Wir bauen dos Land unter-sehr-schweren Umständen. Es ist ein schweres Land, ein schweres Volk und eine schwere Zeit. «pp Aber e s geht v o r w ä r 1f. Das kleine Palästma hat uns an seinem'- Ablsortionsvennögen überrascht. An diesem festlichen Abend gilt unser Gruß und unser Gedenken denen,- die in unserem Lande mit Hammer und Spaterr den -Weg zu unserer Zukunft bahnen. Wir sind die Straßenfeger, die ihnen die Hindernisse aus dem Woge räumen. Wir werden noch lange Straßenfeger bleiben müssen. Es sreut mich, über die Wandlung Wiens in der Beziehung zum Zionismus -zu hören. Wir sind Realpolitiker.und unsere Anstrengungen müssen sich mit aller Kraft ans die Schaffung von Realitäten richten. Wir verstehen auch die I m p om derabil.ien einer Bewegung, 'wie es die unsere ist. Eine starke zionistische Bewegung -hat nicht-nur Bedeutung für dieses Land, sondern auch bei der Bedeutung Wiens als Kreuzpunkt von West und Ost in starkem. Bkaße für die Nachbarländer. Wien belastet eine schioere Tradition. Bon hier aus hat der Zionismus seinen 'Siegeszug angetreten. Heute.gibt es in Palästina Probleme, von denen man vor zwei Jahren noch nicht geträumt hätte. Noch vor zjwei -Jahren wäre eine Einwanderung, von 3000 Personen monatlich eine" Utopie gel.veseu. .Heute ist das eine Tatsache. Es.entstehen neue Probleme fiir das Land, die sogaH.bei der jüdischen Anpassuugsfähjgke.it nur schwer zu lösen sind. Die Industrie, von der vor einem Jahre noch, .nichts zu. merken war, beginnt sich zu eniiwiMn. Sie ist erst am Beginn, wird, , aber tveiterschreiten. Wir brauchen neue M e n s ch e u u n d neue Kraft e. Wir sind "m ein' staatsbauendes Stadium eillgetretett. Wir dürfen vor Zkrisen nicht zurückschrecteu. .Krisen sind' bei uns ein Normalzustand, weil -wir eine d y n a M i s ch e B e w e g u u g sind. Wir müssen ettvas Großes schaffen und Großes wird nur durch heroische 'Anstrengung geschaffen. BERUHER HAUSBESITZER! MMM! lutlslische nn»! sachverständige Beratung, Bearbeitung aller Anfwertnngsangelegenheiten „MKLANlA" Immobilien- und Hausverwaltnngt-Alctiengesellscliafi Bsflüt W. to, AnRebat-geretrasse 43 Kostenlose und unverbindliche Auskünfte durch unseren vom 17. bis 22. August in Wien wellenden Bevollmächtigten Aiohltefct Erwla tftoatB, WUd, VlII. Wlcitenburggassc 12, 11/12. von 8 bis lü Uhr —VOfm und 4 bla 6 Uhr nachmittags U5 Der nächste Redner war der Präsident der Zionistischen Exekutive Ra hum Sokolow. Auch er wurde von den Bersammelteu mit nicht endcmvollcnder Begeisterung aufgenommeu. Seine Rede besagte u. a.: An Wien knüpfen sich, so osi ich hier bin, bei mir alte Erinneriingeii. Zch kenne Wien, als es den Zionismus gebar. Ich kenne aber auch dos ante- und wenn Sie wollen, das antiziouiftische Wien. Ich kann sagen: Wien hat uns mehr als den M a a j fe r gegeben, es liat uns Th e o d o r H e r; l geschenkt. Früher war der Zionismus ein P r o j e k t, jetzt ist er eine Realität. Sin Rundgang durchs Konzerihau». Im K-onzerthaus macht ein Bonmot die Runde: „Die früheren Kongresse waren mit Plakaten verpickt, der heurige Kongreß ist mit DretteM^ vernagelt." Wenn -man die Vorhalle des Prachtgebäudes in der Loihringerstratze betritt, mutz man dem Mttzwvrt beipflichten. Es sieht so aus, als wäre -man in eine Tischlerwerkstätte und nicht in ein Kougreßgebäude geraten. Weiße Bretter werden gesägt, gohämmert, geleimt, gestrichen und dann zu Kojen gezimmert. Das Tohulväbohu wird vollständig durch das fortwährende Gehen und Kommen von Leuten, die wie -in einen Bienenstock ein- und ausschwärmcn. Und doch sieht Es gibt .streife, die mit dem PalästiniStnns einvevstsnLW sind, sogar mit einem hebräischen Palästina, aber man fragt: Wozu .'Zionismus, wozu zionistische Organisation? B o idieser Stell u it g n h m e muß ich die i.ü d i s ch e O c f f e n t l i ch k e i t warne n. Wir sind noch nicht so weit, um auf den Enthusiasmus und Idealismus verzichten zu könueu. Es ist eine schlechte Ausrede, den Palästittismns zu bejahen und nicht zugleich auch die zioni-- ftfifdK Organisation. Ohne Instrumente schafft man keine Werke. Die zionistische Stimmung in Wien mutz sich in der Form einer starken zionistischen Organisation kristallisieren. Nachdem Professor Wolfsohu am Flügel eine Paraphrase über ein jüdisches Volkslied zum Dortrag gebracht fattc, hielten noch Mofsinfohn (Palästina), Rabbi S i l v e r (Cleveland) und Sejmdeputierter Osias T h o n (Polen) heimliche Ansprachen. Die würdige Feier schloß mit der Absingung der „Tikwah". man ganz deutlich, wie sich dieses schier unentwirrbar scheinende Chaos lichtet und einem geordneten Kosmos Platz macht. Aus der Dischlevwerkstätte in der Einfahrt kristaWert sich die Ausstellung der Kausleutc heraus. Oben int Stock ist aus dem Brette vge/wirr inzwischen die imposante Palästinaa usstellung entstanden. Die Leute, die in hastigen AutoNtobilen kommen, welche sich vor dem KonzevthLÜs schon zu langen Kolonnen reihen, scheinen nur dem Uneingeweihten plan- und ziellos umherzulausen. Sie alle dirigiert eine unsichtbare, aber starke .Hand mit unzähligen Fingern. Jeder dieser unglaublich I j:Wj| iVilJWh I '■ifiÄ'WÜsii mm mm WNU