Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2329 (15.8.1925)
- Date
- 1925-08-15
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Kien, SämSkag Wiener Morgen-ettung 15. August I960 Seik« S sich in der Mtellnng „Bildende Kunst", die außer Gemälden und Graphiken illustrierte Werke, Druckschriften und Kunstmappen enthält. Vorläufig ist all dieS reiche Material sozusagen noch in einem rohen Rahmen zu sehen. Die Kosen sind rein architektonisch zwar fertig und bcherbergen schon die angeführten Obsekte, der letzte Firnis fehlt noch. Uederall wird gearbeitet, arrangiert, dekoriert, um auch das äußere Bild dem inneren Wert der Ausstellung ebenbürtig zu machen. Stagione ln der volkroper. Im „Maskenball" und im „Troubadour" wurde der engere iKontaikt zwischen der Bühne und dem Dirigenten Egist-o Tango, anscheinend der Seele des Ensembles, allmählich hergestellt. Von den italienischen Sängern ist jeder einzelne rn seiner Art ein echter Star; das flüssige Parlando, der leicht schwebende Gesangston, das Schwelgen in Wohlklang, das MeMnoce und die durchglühte, strahlende Höhe, lauter KunstfertiMten, lweilche von den deutschen Saugern mit unendlicher Mühe ovarboitet werden müssen, sind ja den Italienern von einer gütigen Fee gleichsam in die Wege gelegt. Eva Turner, übrigens eine Engländerin, sang die Aurelra im „Maskenfo-all* nnt hochdvamatischem Ausdruck und schlechthin volleiideter Gelsangstechnik. Strahlte ihre Stimme in hellstem Glanze, so war der Heldenbariton von Luigi Montesanto zunächst nm'lort, erst tu der großen Rachearie, die er wiederholen mußte, sang er sich frei. Er besitzt die Träne in der Stimme, doch zugleich die Vehemenz deS Vortrages, mit welcher der vortreffliche Schauspieler gleich Baklanoff wie ein Wirbelwind Über die Bühne fegt. Auch Oreste de Bernardi, der begeisterte Tenorist, hat unverfälschte italienische Gesängsmanieren; er ist eine Art Donoi, ebenso Kein an Wuchs, Keiner im Gesangsfovmat und ohne dessen musikalische Delikateste. Im .Troubadour" sang wieder die bereits vom ersten Stagioneabend her bekannte Garnitur. Giulio F r e g o s i konnte diesmal in der Partie des Grafen Luna mit dem reichen Wohlklang seines weichen Baritons prunken, Anne Roselle als Leonore war wiederum ganz prachtvoll und Giuseppe Taccani als Troubadour ein siegreicher Ritter vom hohen C, das er mit einer bei uns ganz ungewohnten Leichtigkeit und Bravour herausschmetterte. Dreimal mußte er infolge der Ovationen der Zuhörer die Flamme der „Stretta" lodern lasten, auch Bariton und Primadonna mußten ihre Schlager wiederholen und die „Bis"- und „Da-caPo"-Rnfe wollten kern Ende nehmen. Die Stagione ist in Wien bereits populär geworden, nur sollte Direktor Gruder-Guntram den italienischen Künstlerin noch eine gleichwertige Altistin zugesellen und der mit Temperament geladene Maestro Tango sollte den Mchmütig dreinblickenden, schlaftrunkenen Chor zu regerer Beteiligung an den Vorgängen .auf der Bühne au'frütteln. flb. Aus deu Theatern. Burggarien. (Bei ungünstiger Witterung im Festsaale der Höfburg.) Heute, 8 Uhr abends: FesGieltzyklus „Rigaletto". Oper irr vier Akten von G. Verdi. Dirrgent: Friedrich Gvuber. Morgen, 8 Uhr abends: Chorkonzert der Freien Typographm. Dirigent: Reitmayer München.) Montag: Festkonzert des Wiener Symphonieorchesters. Gastdirigent: Pietro Mascagni. Volks »per. Heute „Aida". Morgen „Cavalleria rusticana". — ,L)er Bajazzo". Deutsches Volkstheater. Die Spielzeit beginnt Donnerstag den 20. d. mit „Antr. ni a" mit Sari Fed-ak. Dieses Stück bleibt bis Mir Eröffnung der Winterspielzeit, die am 4. September mit Schnitzlers Komödie „D a s w e i1 c Land" erfolgt, auf dem Spielplan. I o h a n n - S t r a u ß -Th e a t e r. Der Qperettentcnor Peter Hoenselaers vom Theater am Gärtnerpl-atz in München wurde von Direktor Erich Müller für das Jvh an n- Strauß-Theater verpflichtet. Carl-Theater. Heute wird das Theater mit der Operette „Die Fledermaus" eröffnet. Roland - B -ühn e. Dienstag den 18. d. Erstaufführung von „S ch m a t e s" von H. Leilotk. Dr. Paul B a r a t o f f (Ben-Zwi) führt die Regie und spielt die Hauptrolle. Das ApPoll o 1heater wurde von Direktor Rudolf Klemens W e i ß für neun Jahre gepachtet und wird als internationale Opernbühne geführt werden. Die >oue Saison wird am 1. Oktober eröffnet. Johann Strauß-Theater. Cdwnnd Eyslers Operette „Der Fr a u enfre sser" wurde mit großem Erfolge Wieder in den Spiolplan ausgenommen. Die Aufführung ist trefflich, fast alle Mitwirkenlden, insbesondere Viktoria Poh l- Meiser, die Herren Fritz Im off und Ma* Brod nahmen an den Ehren des Abends teil. Der anwesende Komponist wurde stürmisch gefeiert. Kunstausstellung. Montag den 17. d., halb 18 Uhr vormittags, findet in den Räumen der Kunsthandlung Würthle, 1. Bez., Weihburggasse 9, die Eröffnung der Ausstellung folgender jüdischer Künstler statt: Hermann Struck, Palästina: Joses B n d k o, Berlin; Jakob Steinhardt (Graphik)'; Alexander Iaray (Plastiken), die Monnmental-> grnppe „Stach Zion", ferner Skulpturen von Paul Königsb erg er, Berlin. Zur ägyptischen Kunstgeschichte. Bei der Ausführung von Kanalisatio u §a rbeite11 rn K a r n ak fanden,, Arbeiter wie aus Kairo berichtet wird, eine Statue des Königs E ch n a t o n, dir als neues Beweisstück für die naturalistische und antikouventionelle 5tnn>stricht>ung zur Zeit der Regi-ernng dieses Königs, des Nachfolgers des Tutankhamen, betrachtet wird. Dar neue deutsche Auswertungsgesetz. Bon I. U. Dr. Siegfried Lateiner, Teutschösterreichischer Rechtsanwalt in Berlin. Was die Einzelheiten des neuen Gesetzes betrifft, so bestehen dieselben, soweit sie das Interesse des Hausbesitzers als Träger dinglicher Lasten, insbesondere von Hypotheken nnd Grundschnlen, in Anspruch nehmen, in folgendem: Das Gesetz hat die Aufwertung aller Ansprüche znm Gegenstand, die bis längstens 13. Februar 1924 inklusive begründet wurden und die Zahlung einer bestimmten in Mark ausgedrückten Geldsumme betreffen. Nachdem den Hausbesitzer hauptsächlich die H y p o t he k e n a n f w e rtung interessiert, so wird im nachfolgenden der Einfachheit halber immer nur von H y P o t h e k e n und H y P othekenforderu-ngen die Rede fein, obgleich nach dem Gesetz auch andere Ansprüche aufgewertet werden. Die Aufwertung der Hypotheken beträgt grundsätzlich 26, Prozent des Goldmarkbetrages. Ms Goldmarkbetvag gilt bei Forderungen, die vor dem 1. Jänner 1918 e rworben wurden, beziehungsweise entstanden sind, der Nennbetrag. Ist die Forderung später entstanden, so wird der Goldmarkbetrag dadurch festgestellt, daß der Nennbetrag derselben nach >dem Dollarkurs am Tage >des Entstehens umgerechnet wird und hievon 26 Prozent als Aufivertnngs'betrag angenommen werden. Wurde eine Hypothek entgeltlich erworben, so wird der Goldmarkbetrag auf Grund des Wertverhältnisses am Tage des Erwerbes berechnet, sofern der Erwerb spätestens bis 16. Juni 1922 erfolgte. Eine Aufwertung findet nur dann statt, tvenn der Gläubiger einen darauf gerichteten Antrag bis längstens 1. Jänner 1926 stellt. Mit Rücksicht auf seine wirtschaftliche Lage kann -der Eigentümer eine Herabsetzung des normalen Anfwertnngssatzes beantragen. Eine Herabsetzung um mehr als 19 Prozent ist unzulässig. Soweit die Hypothek eine persönliche Forderung zur Grundlage >hat, wird sie in der Regel nicht über den normalen Höchstsatz (25 Prozent) aufgewertet. Eine Ausnahme machen nur Forderungen aus gesellschaftlichen Verhältnissen, aus familien rechtlichen Beziehungen, Sicherungs'hypotheken nnd die Kanfgeldforderungeu. Hievon sind die wichtigsten, die für den ausländischen Hausbesitzer in Betracht kommen, die Kausgeldforderungen, insbesondere soweit sie Restkaufgelder betreffen. Diese können über den normalen Satz von 25 Prozent, und zwar bis aus 100 Prozent ihres Gol-dmarkwertes am Tage der Entstehung (nicht Fälligkeit) der fraglichen Forderung aufgewertet werdeu. Eine Nebevschreitung des- Aufwertungsfatz-es von 100 Prozent ist bei den. Restkaiifgeldern nunmehr im Gegensatz zu vielen Urteilen der jüngsten Zeit, vor allem des Reichsgerichtes, von nun an ausgeschlossen. In vielen Fällen hatten diese Aufwertungen von Restkausgeldern zugebilligt, die weit iiber 190 Prozent des Goldmarkivertes hknausgingen und oft das Bier- bis Fünffache, in Einzelsüllen sogar noch ein weitergehenderes Mehrfaches des Goldwertes ausmachten. Sie' hatten dabei die Wcrtberechnung nicht mehr wie bisher auf Dollarbasis dorgenommen, sondern einen willkürlich angenommenen inneren Wert, den sie als „Kaufkraft" bezeichueteu und bald aus Grund eines Lebenshaltungs-, 'bald des Großhandels-, bald irgend eines anderen Iudex berechneten, ihren Erkenntnissen zugrunde gelegt. Die ouf Grund des neuen Gesetzes anfzuwevtende Hypothek behält grundsätzlich -ihren bisherigen Rang, doch darf der Eigentümer hinter der an erster Stelle eingetragenen aufgewerteten Hypothek und vor den an zweiter oder weiterer Stelle eingetragenen Hypotheken eine Hypothek oder Grundschnld in der Höhe des ausgewerteten Betrages der ersten Hypothek -mit dem „üblichen" Zinsfuß für r:Hf> eintragen lassen, jedoch mit der Maßgabe, daß in diese Rangstelle, die man als „Rarrostelle des Eigentümers" bezeichnet, etwa an dem Grundstück bestehende Rechte, die auf Reichsmark, eine ausländische Währung oder einen sonstigen wertbeständigen Maßstab (Roggenrenten-, Kohlenanlelhen usw.) lauten, einrücken. Diese Bestimmnng soll unverzüglich den guten Glauben jener Gläubiger schützen, die in oder nach der Inflationszeit mit Rücksicht aus die für wertlos gehaltene erststellige und nun gewissermaßen erst zum Leben neu erweckte Hypothek sich hinter diese für ihre Darlehen, die sie auf wertbeständiger Grundlage Hingaben. Hypotheken eintragen ließen. Durch die rückwirkende Aufwertung werden diese Gläubiger nun, insbesondere soweit ihr Grundbnchsraug in Frage kommt, empfindlich beeinträchtigt. Statt einer fast wertlosen PapiermvrkHypothek, mit der sie im Vertrauen auf die -bestechenden Gesetze und die Erklärungen angesehener verantwortlicher Regiernngsmönner, wie zum Beispiel de8 jetzigen Reichskanzlers Luther in seiner seinerzeitigen Eigenschaft als Rerchsfinanzruinister gar nicht rechnen konnten, müssen sie sich nun oft eine auf 15 bis 25 Prozent des Nennbetrages lautende Goldmarkhypothek im Range Vorgehen lassen. Ta dieser Vorrang der anfgewerteten ersten Hypothek für diese Kategorie von Gläubigern schwere Beeinträchtigung bedeutet, wurde ihnen durch die angeführte Bestimmung das sRecht gewährt, wenigstens den Rang zwischen bet anfgewerteten ersten und den hinter diese eingetragenennun gleichfalls ausgewerteten Hypotheken zu erhalten. Da die dritte Steuernotverordnung, die Aufwertung auf 15 Prozent beschränkte, wird bestinnnt, daß Rechte, die in der Zeit vom 14. Februar 1924, das heißt vom Erlaß der dritten Steuernotverordnung, die eine nur Ibprozentige Aufwertung normierte, bis zum 1. Oktober 1924 von einem anlderen Gläubiger als dem Aufwertllugsgläubiger erworben wurden, sich nur die ISprozentige Aufwertung der dritten Steuernotvewvdnung vorangehen zu lassen brauchen. Sie erhalten also einen Vorrang vor der lOprozentigen Erhöhung der ihnen son st Vorgehen den älteren Hypotheken, die das neue Aufwertungsgesetz bringt. Wurde das Grundstück also in der Zeit zwischen dem 14. Februar und 1. Oktober 1924 veräußert, so kommt für dieselbe die lOprozeutige Aufwertung, die der neue Entwurf bringt, in Wegfall, und es bleibt für den nemn Eigentümer bei der ISPvozen-tigen Aufwertung, die durch die dritte Stenernotverordnung normiert "war. Der Gläubiger kann sich also wegen seines verringerten Aufwertungsanspruches (10 Prozent) nur au den Berkäustv halten. Wenn aber zum Beispiel in der Zeit vom 14. Februar bis 1. Oktober 1924 der Besitzer nicht gewechselt hat und eine Goldmarkhypothek von zum Beispiel 10.000 Mark hinter einer Papiermarkhypothek von 100.000 Mark eingetmgen wurde, so kommen an erster Stelle 16.000 Reichsmark, die von der angeführten Papiermarkhypothek schon auf Grund -der dritten Steuernotverordnung aufgewertet wurden. Hinter diese 15.000 Reichsmark kommt daun -die neu eingetragene Goldmarkhypothek und nach dieser -haben erst die 10.000 Reichsmark zu stehen, um welche die evstsiellige Frie-denshypothek durch die neue Auswertungsvorlage eine Art Zusatzaufwertung erfahren hat. Wurden aber Rechte an dem Grundstück nach dem 1. Oktober -1924 erworben, so -müssen sich die Erwerber die auf die ganzen 26 Prozent des neuen Entwurfes aufgewerteten Hypotheken im Range Vorgehen laffen, weil man nach Ansicht des Gesetzgebers am 1. Oktober 1924 bereits -mit Hypo- Hekenaufw-ertungen rechnen mußte. Der 26prozentigen Aufwertung unterliegen auch alle Leistungen, deren Valuta der Mäubiger in der Zeit vom 15. Juni 1922 bis zum 14. Februar 1924 angenommen hat. Dos Datum der Löschung ist irrelevant.. Es spielt auch keine Rolle, -ob der Gläubiger die Zahlung mit oder ohne Vorbehalt angenommen hat, ebensowenig, ob die Hypothek (Grundschuld) im Grundbuch gelöscht wurde oder nicht. Hat der Gläubiger die Leistung (Zahlung) n a ch dem 13. Februar 1924 (bis zum 14. Februar) freiwillig oder aus Grund einer gerichtlichen Entsch-eidumg angenommen, so kann er gleichfalls 10 Prozent nachfovdern. Hat ein Gläubiger seine Hypothek abgetreten, so hat er gleichfalls einen Aufwertungsa-nspruch gegen den Eigentümer, dein so-mi-t zwei, unter Umständen noch mehr Arrfwertttngsgläu'b-iger nnt ihren Ansprüchen gegenüberstehen können. Hiebei kommt das Recht des Abtretenden-hinter da's des jeweiligen Nebernehmers zu stehen. Der - Abtretende muß sich den Goldmarkbetrag in Abzug bringen lassen, den er vom Erwerber der Hypothek erhalten hat. Letzterer daof nur den Goldniarkbetrag seiner Zahlung beanspruchen. (Schluß folgt.) Die Srientmesse in Tel-Awkw. Teilnahme Syriens und des Libanon. Wir berichteten miedecholt über die Vorbereitungen M die im Ott-ober dieses Jahres in Tel-Awiw zu eröffnende Warenm-esse des nahen Orients. Wie nun de-nr ,Haare-z" a-us Beirut genkeldet 'wird, hat der Oberkommissär von Syrien, Sarrail, auf Vorschlag des Gouverneurs von Libanon, dem Wirtschastsininister uahegelegi, die Kaufleute eiuzuladen, an der Warenmesse in Tel-Awiw in möglichst ausgiebigem Maße teilzuuebmen. Der Wirts-chastsminister richtete hierauf Rundjchreiben an die iu Betracht kommeirden Wirffchastskreise, in welchem er ans die Wichtigke-it der Messe für den wirtschaftlichen Aufschwung des ganzen nahen Orients hinwies. Die antizionistische Presse be-mnht sich wohl durch systematisch betriebene Hetze, die Kanfleute und Industriellen von der Teilnahme abzuhalteu, doch zeigt das große Interesse der Produzenten aller Kategorien in Syrien und Libanon für die Ausstelliung, daß dies,' auch aus diese:« Gebiete sehr gut beschickt sein wird. Zionistische AMpartel Hltächduth 111 u 111111 Heute Samstag, halb 8 Uhr abends, Hotel Continental: Themas Die Hitachduth und der Kongress DArfnri«« J" Sprinzak (Mltgl. der zion. Exekutive), KBUlwl t Pr. Ch. Arlesoroffff (Mitgl. d. Finanzu, Wiitschahsrates) Ada Flachmann (Mltgl. des Zentralkomitees der Arbeiterorganisation), Agr. I. Wll« kansky (Mitgl. des Direktoriums des l(. K. L.), Abr. Uewlnsohn (Abg. des potn. Sejm). 0101010100123101