Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2329 (15.8.1925)
- Date
- 1925-08-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Selk W Wen SamZkdst Wiener Morgenzeitung 16. Auffust 1988 Me Sowkstuse der LefterreWschen Rationalbank. EsfeNide Golddeckung. — Ermäßigung der Diskontrate in Sicht. Aus dem gestern veröffentlichten Ausweis der Na- . lionerlbank ist ersichtlich, daß der Barschatz der Bank um zirka 4 Millionen Schilling an Gold zugcnornmen hat. Diese Zunahme beruht darauf, daß die Oesterreichrsche Natioualbank zum erstenmal seit ihrern Bestände effektives Gold in London angekanft und in ihre Kassen überführt hat. Mit diesem Schritte kehrt die, Oesterreichische Natioualbank zu den beiden übrigen Goldländern normaler Deckung zurück. Bekanntlich hat die Oesterreichischc Natioualbank vor einiger Zeit die Erklärung abgegeben, das; die Kursfestsetzung des Schillings ' nicht mehr in einer starren Relation zum Dollar vorgenommen werden würde, sondern daß nunmehr der Kurs des Dollar sich nach den Verhältnissen zwischen ' Angebot und Nachfrage regeln würde, wobei als oberste und unterste Grenze der jeweilige Goldpunkt zu fungieren hat. Als Goldpunkt wird diejenige Grenze angesehen, bis - zn welcher die auswärtige Goldwährung als Dollar oder ' Pfund steigen oder sinken darf, damit noch die Gefahr vermieden werde, daß eventuell zu viel Gold aus dem ' Auslände einfließe oder dahin abfließe. Das heißt, wenn -z. B. in Oesterreich der Dollar allzu tief im Kurse gegenüber dem Schilling sinken würde, so würde es dann für den betreffenden Dollarinhaber vorteilhafter sein, effektives ' Gold nach Oesterreich zu bringen. Es darf also der Dollar nicht tiefer sinken, als die Transportkosten des Goldes plus dem effektiven Goldbetrage kosten würde. Umgekehrt würde, wenn der Dollar allzu hoch notieren wurde, die . Gefahr des Goldabflusses vorhanden sein. Um nun für '.den zweiten Fall gerüstet zu sein, aber auch die Kosten . des Goldtransportcs festzustellen, ist ein effektiver Goldkauf in London vorgenommcn worden. Die Goldtrans- . portkosten haben sich auf zirka 2,806 Proniille gestellt, ■; wobei die Versendung von London nach Basel per Luftschiff und von dort nach Wien per Eisenbahn erfolgte. 7 Außerdem wurde auch dabei die Prägegebühr von effekt- ,1iven Goldmünzen mit 1,736 Promille berechnet. Auf diese Art ist auch die Grenze des Goldpunktes für die Bewertung der Goldwährungen festgestellt worden. Hervor- , Hebung verdient der Umstand, daß in Deutschland in den .letzten Monaten versucht wird, die Devisen des Bar- .schatzes der dortigen Reichsbank ebenfalls in Gold umzuwandeln. Dies geschieht ebenfalls mit Rücksicht auf .die Deckung und auf die leichtere Regelung der Kursverhältnisse zu den ausländischen Goldwährungen. . .Der Status der Nationalbank entwickelt sich weiterhin äußerst günstig. Der Barschatz beträgt 480 Millionen Schilling, der Wechseleskompt hat sich weiter um 4 Millionen vermindert und beträgt 81 Millionen Schilling. /Auch der Notenumlauf hat eine Verminderung um;39 Millionen Schilling erfahren und beläuft sich auf '789 Millionen Schilling. Die österreichischen Noten sind über 60 Prozent bar gedeckt. Diese günstige Entwicklung des Notenbankstatus läßt es erklärlich erscheinen, daß in nicht allzu ferner Zeit eine 'weitere Ermäßigung des Zinsfußes vorgenommen werden dürfte. Es wird die Ermäßigung für die erste Septemberwoche erwartet. Die Nationalbank trägt sich mit der Absicht, die Diskontrate auf 9 Prozent herab- . zusetzen. _ Prämien« und Stellagegeschäft an der Wiener Börse. In , einer gestern veröffentlichten Kundmachung der Börsenkammer wird das somerzeitige Verbot des Termin- und Prämierrhandsls aufgehoben. Außerdem wird angekündigt, daß äb nächster Woche .Stellagekrvse für den Ultimotermin und für die zwei darauffolgenden Monate in österreichischen Kreditaktien, Staatsbahn, Alpine, Rima und Salgo notiert werden. Damit wird das Stellagegeschäft offiziell auf dem Kursblatt wieder angeführt. Das Termingeschäft ist wohl gestattet, doch wird vorläufig eine Notierung für Medio und Ultimo nicht vorgenommen, weil in dieser Hinsicht noch Besprechungen in der Börsenkammer notwendig find. Eine über dieses Thema abgehaltene Sitzung deruoi-oineum - Bankabteilung Wien, I. Dorotheergasse 17 schob die Erledigung dieser Frage. Die Hanptursachc dieser Verschiebung des Termingeschäftes liegt darin, daß das gegenseitige Vertrauen in einem solchen Maße noch nicht vorhanden ist. Infolgedessen wurde davon abgesehen, das Termingeschäft all ge rn ei n du rchzufü hren. Insolvenzen. Um Eröffnung d>:s AuHMchsverfahrens haben luute angesucht die im Jahre 1880 gegründete Firma Michaelis u. Eichstädt, Bedarfsartikel für sanitäre Einrichtungen, 1. Be;., Walfischgasse 14, und 10. Be>;., Löblgasse Nr. 8. Passiven 127.666 S., Aktiven 94.696 S., Ausgleichsanbot 40 Prozent in sechs Quartalsraten, und die Firma Gebrüder K e s s e l d o r f e r u. Bergmann. 10. Bez., JnzerSdorfcrstraße 28, Passiven 40.000 S., Ansgleichsanbot 96 Prozent in zwei Raten. — Gestern wurde die Ansgleichstags-ahnng der Tnchfirma F. Kopps Nachfolger, 1. Be,;., Fleischmarkt 14, abgchalten. Passiven 700.000 S., Aktiven 300.000 S. Das Anbot von 45 Prozent in sechs Zwoimonatsraten dürfte angenommen werden. Große Unregelmäßigkeiten bei einer ungarischen Bank. Aus Budapest wird gemeldete Gegen dre Allgemeine Industrie-, Handels- und Landwirffchafts-A.-G. sind bei der Oberstadthauptmannschaft heute acht Strafanzeigen wegen Betruges und großzügiger Kreditschwmdeleien der beiden Direktoren des Unternehmens eingelaufen. Die Gesellschaft hatte sich zur Zeit der Jnflationskonsiunktur gebildet und befaßte sich mit ziemlich tvaghalsigen I ndustr ie griindungeu und Kreditgeschäften. Die beiden Direktoren, Eugen Wolf und Rechtsanwalt Doktor Engen Levai, bemühten sich, das Unternehmen, das feit Monaten mit materiellen Schwierigkeiten kämpfte, flott zu machen. Das Unternehmen konnte jedoch nirgends Kredite auftreioen und die Fabriksgründungen der Gesellschaft mußten nacheinander ihre Zahlttngen einstellen. Wolf und Leva-i wurden aus Grund der Strafanzeige in Gewahrsam genommen und auch schon einem ersten Verhör unterzogen. Morgen wird es sich entscheiden, ob die Direktion der verkrachten Aktiengesellschaft in Haft behalten oder auf freien Fuß gesetzt werden. Der amerikanische Kredit für die Bank Polski. Die polnische Gesandtschaft in Wien teilt mit: Einige Wiener Zeitungen brachten auf Grund von Nachrichten aus Berlin eine' Meldung, der gemäß der amerikanische Bankerckonzern den Kredit von 6 Millionen Dollar der Bank Polski. nur unter der Bedingung gewährt hat, daß erstens dieser Kredit durch das Gold der Bank Polski sichevgestellt und zweitens ein Kontrollrecht über dieses Gold den ameriLanischen Banken eingeräumt würde. Auf Grund authentischer Nachrichten ans Warschau kann festgestellt werden, daß die Nachricht über die an die Anleihe geknüpften Bedingungen nicht ernst zu nehmen und vollständig aus der Luft gegriffen ist. Mrtschaftsnachrichten aus Polen. Die Abkühlung der Schulden Polens im ersten Halbjahr 1935 betrug 37,7 Millionen Zlow, von welchen 30,3 Millionen auf die Abzahlung des Kapitals und 17,4 Millionen Zloty auf die Zinseuäb-' zahlunig entfiel. — Für den Monat September bereitet die Kattowiher Handelskammer einen Ausflug von 400 oberschlesischen Industriellen nach Oesterreich vor. Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, durch eine persönliche Aussprache und Besichtigung der österreichischen Industrie den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Oberfchlesten und Oesterreich Vovzunehmen. Die Ernte in Polen. Aus Warschau wrvd gemeldet: Nach einer Schätzung des Statistischen Hauptamtes wird die diesjährige Ernte folgende Ziffern aufweffen: Weizen 14 Millionen, Roggen 61 Millionen, Gerste 14 Millionen, Hafer 309 Millionen Quintccke. Die Kartoffelernte dürfte etwas schwächer ausfallen. Bestraf,mg der Balutaspelnkation in England. Aus London. wird gemeldet: Die britische Regierung hat eine Verordnung veröffentlicht, wonach jede Valutaspekulation bestraft wird. Es ist nur bpit. Handelshäusern gestattet, Devisen zu handeln, wenn eine abscllnte Notwendigkeit vorliegt. Wiener Produkrtenbvrse. Die Preise notierten gestern wie folgt, Weizen, Inländischer neu 40.50 bis 41.50, Ungarischer Theiß 79/80 Kilogramm 48.50 bis 45.—, Ungarischer Theiß neu 42.— bis 42.60, Jugoslawischer. 76 Kilogramm —bis —. Jugoslawischer 77/78 Kilogramm — bis —Roggen, Inländischer neu 31.26 bis 91.75, Pester Boden neu 32.— bis 32.50. Gerste: Inländische 34.— bis 44.- böhmische mährische bis —Mats, Ungarischer —bis —. Cinquantin 43.— bis 44.— Hafer, Inländischer 32.— bis 33.-. R e t Sr Italienischer 92.- bis 84.—. Burma 64.- bis 64.60. M a h l p r o d u k t e: Grieß inländischer 85.— bis 87.—, Weizenmehl 0 inländisches 81.-r bis 84.-, Kochmehl 2 inländisches 76.- bis 78.-. Brot- ‘ meßr inländisches vrima 65.— vis 67.—. — Tendenz, Bei lebhaftem Verkehre die Preise behauptet. Wiener Warenbörse.' Es notierten am 14. August: Kolonialwaren: Kaffee: New-Aorker 19.— Dollar, Santos Prime 680.—. T e er Peeco Java, Orange 1100.—, Gewürze: Paprika, edelsüß 640.—, Pfeffer Singapore schwarz 560.—, Kümmel, neu, holl. 145.—. R e i 8r Burma 64.50, Italienischer 84.-. Zucker: Raffinade-Kristall 232.50 tschech. K., Würfel. (in Kisten) 247.50 tschech. K. Lequar 1924 110.—, Pflaumen, bosn., in Kisten, 95/100 140.—. Kranzfeigen, Calamata —, Varimandeln. snperior —. Chemikalien: Aetzkatt, 88/92 79.— Schweizer Franken, Aetznatron. 128/130, Solvay 64.50, Alaun, in Stücken 34.—, Ameisensäure, 85-/, 146.-. Borax, krift. 100.-. Chlorkalk, 110/115 91.-. Chromuatron 130.»-. Eisenvitriol 14.50, Essigsäure, 60°/,. für Genußzwecke 230.—. Tie Preise verstehen sich, wo nichts anderes bestimmt wird, in österreichischen Schillingen pro 100 Kilogramm. Wiener Börse. Geschäfts!»-. Die nahende zweitägige Unterbrechung veranlagte Pu« blik-um und Spekulation zu' weitgehender Zurückhaltung. Verstimmend wirkten auch die schwachen Berichte aus Berlin und Budapest. Bei geringen Umsätzen genügten auch schon vereinzelte Angaben, um die Kurse zu drücken. Bei einen, großen Teil der Knlissewerte wurden überhaupt keine Anfangsuotierunaen festgestellt. Auf Deckungskäufe der Kontermine herrschte Vovubergchend Nachfrage nach Samens, Krupp und Po-ldihütte. Gegen Schluß des Verkehrs wurden in vieilen Papieren Rückkäufe getätigt, wobei /emzel^ ihre - AnlfangsveGvstr Wiedcw einbrachten, andere wieder mit unbedeutendem Gewinn schlossen. In der Kulisse erhöhten sich u. a. Zivnostenska urtd Brunner Maschinen wm je 10.000 K., Krupp um 7600 K>, Poldihütte um 12.500 K., Waamler um 6000 K., Siemens un, 2700 K. und Alpine um 1000 K. Schwächer waren Ungarische - Kredit um 3000 K., Lombarden um 2300 K., Trifailer um 3000 K. und Semperit um 1100 K. Im Schranken zeigte sich einiges Interesse nach Zucker crktien. Brauereiwerte blieben vernachlässigt. Es verloren Gösser Bräu 60.000 K., Grazer Brauerei und Holzverkohlung je 16.000 K., Dampfschiff 10.000 Kronen, Oberungarische Hütten 6000 K. Dagegen erhöhten sich Böhmisches Glas mn 10.000 K., Stölzle un: 40.000 K., Schoeller Zucker um 170.000 K. und Neusiedler Papier um Ä).000 K. Auf dem A nlag«markt waren polnische Prioritäten angeboten. New-Yorker Devisen. New-Aork, 14. August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.83%, London Scheck 4.81V8, Amsterdam 40.25, Paris 4.67, ‘ Brüssel 4.50, Nom 9.61'/„ Madrid 14.41, Zürich 19.41. Stockholm 26.68, Oslo 18.45, Kopenhagen 22.91, Wien 0.14, Budapest 0.14, Prag 2.96»/.. Belgrad 179%, Athen 156%, Buenos Aires 40'/,,, Nio de Janeiro 12.05, Bukarest 51'/,. Amerikanische Getreidemcirkle. N-W-Bork, 14. August. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 170'/,. Wetzen hart Winter 178',„ Mais 120'/., Hafer 50'/. Roggen 117. Ehikago, 14. August. (Tel.-Komp.) Weizen per September 160'/,, Dezember 158°/.. Mat 162'/.; Mais vor September 104°/., Dezember 87, Mai 89°/,; Hafer per September 41°/,, Dezember 43%. Mai 47; Roggen per September 106, Dezember 109%, Mat 114%. Devisen Ge1d Amsterdam.8. 285.26 Belgrad ......... 12 8976 Berlin. 188 74 Brüssel. 31.84 Budapest. 99.6960 Bukarest. 3.6426 London ........ 34.46SO Mailand. 26.56 NewYorit. 708.80 Paris. 33.08 Prap. 21.02 Jettifen- und Balutenkurfe vom 14. August 1925. 99^980 34^6650 Stockholm ...... Warschau . Valuten Amerika! Ische Noten Belgische Noten . . > Bulgar. Not. Deutsche Noten . . . Englische Noten . . ■ Französische Noteti Holländische Noten . . Italienische Noten . . . ingoslawische Noten . . Polnische Noten .... Rumilnlacite Noten . . . Russische Noten (Roman.) Schweizer. Noten . . . Tschecho-slow. Noten . Türkische Pfund-Noten . Ungarische Noten . . . . . a . 126.60 120.60 erwartete Mische Heldenepos Als Festgabe zum Jivnisten-Kongreß ist soeben erschienen Fürst Mubem Kongreßvrets Rm ch