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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-15 · Heft 2329 (15.8.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2329 (15.8.1925)
Date
1925-08-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ftt. «SS SBtett, Gamstag Wiener Morgenzeltunft 15. August 16S6 -Sette ö n enormerÄufwahl eingelrüffm. Ca gl.Übergangs« Genre,flotte Flassons Reine Schafwolle unis velourlert, sehr schick .ab : Elegante, matlassierte Kerbst* Nen helfen, reihe Schafwolle . . ab 8 Herrliehe Noureautls ln Ottoman brokat .ab Aparte Neuheiten, reine Schafwolle Reich peltverbramte NoureauW* ab S 145s"*' Trotteurkleider 25.— Eleganter englischer Oenre . . ab 8 Neuheiten für Tiotteur und Gesellschaft Seidenkleider Sakko aus Seal-Elektrik . Gediegene Seal-Elektrlk-Mftntel ab 8 260,— Nersmunuel-Mfifltel.ab S 670, Ganz hervorragende hübsche Crepe de Chlneklelder ... ab S PBr Gesellschaft u. Theater aus QK Maroquain, Crepe, Satin etc. ab S Reichhaltigste Auswahl edel verbrämter Complets, Kostüme, Mäntel, Umhüllen und Abendtoiletten etc.. AVIS 1 Durch unseren riesigen Konsum sind wir allein In der Lage, gewaltig grosso Abschlüsse in Rohmaterialien zu tätigen und genlessea daher bei unseren Fabrikanten dis htiohsten Rabatte. Wir bieten deshalb unseren P. T. Künden, jetzt, bevor der allgemeine Andrang beginnt, kolossale Gelegenhettskfiufe »n nie dagewesendn billigen Preisen. VII-K A 11t 115 Sic »ernlunitn der SSvischen Wstthllf«. konfttenr. Am gestrigen zweiten Tage -er Beratungen des Zeniwlraies der Jüdischen WelthilfSkonferenz, der unter Vorisitz des Obe-rrabbmers Dr. Niein irower (Bukarest) stand, de-- richtete LDr. L io m M it Über «den -Plan einer jüdischen Volksbanüs, welche <m Handwerker imd Kleingewe rb e! reibende langftistige Kredite mit mäßiger Verzinsung geben soll. Dr. K lnnt e I (Warschau) wünscht, daß den Verhältnissen in Polen größere Aufmerksamkeit geschenkt werde. In Polen M es 150.000 jüdische Hairdweuker, deren Existenz durch den Krieg zumeist zerstört wurde. Ein großer Teil hat sich Handelsberufcn zugswendet und begann erst zum Handwerk zurückzukehren, als der Handel für sie Seine Lebensmöglichkeit bot. Das Problem der Maschinen ist das PrMein der Kredite. Die Kreditgenossenschaften sind allein nicht imstande, Hausindustrie und Handwerker mit genügend Geld zu versorgen. Dazu sei eine Dank nötig, welche keine Geschenke, sondern Produktivkredite gibt. Mein nach Posen lkommen monatlich 300.000 Dollar von Verwandten in Amerika, zum Teil durch antisemitische Banken überwiesen. Die jüdische Volksbank könnte diese Arbeit übernehmen. In der Diskussion sprach unter anderem Herr Jes r o h-! i n (Paris), der vorschlägt, eine Komm Won zu bilden, die die Nvündimg der Bank vornmimt. Sämtliche Diskussionsredner tetoran, daß die Boliksbank in Osteuropa eine nationale Rotvendigkoit geworden ist. Vor der Tagung des Zentralrates hielt die Kommission ,'nr Kinderschuh und Jugendfürsorge unter Vorsitz -Frau Amtta Küller-Cohen Mien) tim Beratung ab. Sie Konteren» der Weltorganisation zioniftischer Frone». Das Buttiiu der HI. Konferenz der, Weltorganisation tionistischer Frauen befindet sich in Wien, 9. Be z., Vähringerstraße 2, Tür 32. Das Bureau der eondonerExekutiveder Weltorganisation zionistischer Krauen, hat ab 15. d. seinen Sitz in Wien, 3. Be z., Lothringer st raße 18, Tür 1b. Während der Tagung der Konferenz, welche vom 21. d., l Uhr nachmittags, bis 26. d. dauert, befinden sich sämtliche SureauS im Gebäude des Gremiums der Wiener kaufmannlchaft, Wien, 1.Bez.,Schwarzen- > e r g p l a tz 16. Delegiertenkarten sind auf Grund der Be- ,laubigung der einzelnen Landesorganisationen, beziehungsweise Gruppen, im GebäudedeS XIV. Zionistenkon- , resseS, W i e n, 3. B e z.,, Lothringer st ratze 18, C il x 15, zu beheben. Ga st karten in beschränkter Zahl ind ebenfalls im Gebäude d e S XIV. Zionistenkoni r c f f e 8, Wien, 3. B e z., L o t h r i n g e r st r a ß e 18, t fl r 15, gegen 10 Schilling für die Dauer der Konferenz zu >u haben. Karten nur für die Eröffnungssitzung werden nicht msgegeben. Auskunft über bestellte Wohnungen erteilt auschließlich das W o h n u n g S a m t d e 8 XIV. ZionisteniongreffeS in Wie», 1. Bez., Beethoveni l a tz 1. Denn wo gibt es Leben, Handlung, Spannung ohne Böses? Wo Erkenntnis, Philosophie ohne Sünde? 2. Die Sünde der Liebe zu einem frischen, naturhaften, christlichen Mädchen genügte zum Durchbrechen der Ghettomauern, zum Ausrichten des äußeren Menschen, zur gemeinsamen Flucht aus Prag, um die großen Humanisten Deutschlands kennen zu lernen. Das Paar wandert nach Erfurt, wo die berühmten Männer der neuen Zeit lehren. Wo die Stadt liegt, wissen sie beide zwar nicht — Jugend und Zuversicht führen sie aber den richtigen Weg. In einer deutschen Kleinstadt werden sie von einer ileberschwernmung überrascht. Alles rettet sich auf Leitern, nur das junge Liebespaar wartet unschlüssig auf ein Wunder. Das Herz zittert David zu sehr im Leib und rr fürchtet, die Leiter herunter zu steigen. Schwindel und Feigheit setzen ihn dem Spott der Zuschauer aus. Der. innere Mensch ist doch noch nicht erneuert. Feigheit und Ghettoschwäche hat die Liebe noch nicht ganz geheilt. Schließlich kommt ein beherzter Landsknecht, den sie schon von früher her kennen, dem bedrängten Paar zu Hilfe und rettet die Beiden in einem Kahn. Monika ist als echtes Weib zuerst voll Mitleid und Güte für David, dann entläuft sie doch dem Schwächling — mit dem Starken. Für die Dauer ist dem Weib Sünde und Liebe zu wenig. Der schwer enttäuschte Jüngling eilt statt nach Erfurt ans weite Südmeer und wandert in ferne Länder, die verlorenen Stämme Israels zu besuchen. Hinter der Steinwüste Arabiens findet er sie wirklich; ein freies Königreich wafsentragender Juden. Dort im Königreich Chabor wird er zwar verstoßen und gequält, faßt aber den gigantischen Plan, das jüdische Volk in sein altes Land Palästina zu führen und es mit Hilfe europäischer Mächte zu erlösen. Um dieses großen Zweckes willen braucht er Macht, Waffen, Beziehungen. „Wir müssen sündigen, das ist uns auferlegt", sagt er einmal am Schluß seines mühevollen Lebens. Und er bant seinen Plan auf Lüge und List auf. Als David Reubeni, Fürst der Juden, Bruder des Königs Joseph von Chabor und königlicher Ambassadeur, kommt er nach Europa, erreicht des Papstes Hilfe und gewinnt den König von Portugal Ein jüdisches Heer soll, gestützt von Portugals Geschützen und Ingenieuren, gegen die Türken ziehen und Palästina den Juden erobern. Der Kampf mit den großen und kleinen Mächten der Welt, die Beziehungen zu den verschiedensten Männern der Renaissance, so zu Michelangiolo Buonarotti, der einige Gesichtszüge Reubenis für das Moses-Denkmal verwertet, zu Pietro Arentino, dem lasziven Gourmandphilosophen und scharfsinnigen Vorläufer der Psychoanalytiker, zum Theoretiker der Lüge mit ehrlichen Absichten, Macchiavelli, zeigen uns Reubeni, den unnachsichtlichen Tyrannen, gegen sich selbst und andere streng, nüchtern in der Wahl der Mittel, in der Arbeit, begeistert für den Endzweck, für die Aufgabe. Es ist erschütternd und — man muß das banale Wort benützen, lehrreich in die Tiefen der Seele dieses Propheten der Gegenwartspolitik, dieses Messias der Sünde, zu sehen. Erhaben die große Zucht, die Reubeni sich auferlegt, die ihn mürrisch und abweisend gegen die Marrannen, diese ganz Unglücklichen, die er in Wirklichkeit liebt, werden läßt, die ihn zwingt, Krankheit als einen Feind zu betrachten, den man bekämpfen muß, den man aber verachtet, die ihn zu Selbstkasteiung und Verschlossenheit führt. Selbst dem Weib, das er liebt und dem er vertraut» verwehrt er sich und kann sich nicht eröffnen, nur ein klein wenig lüftet der Harte den Schleier der Geheimnisse. Und wie furchtbar das Ende einer peripathetischen Nacht, die er mit Macchiavelli durchphilosophiert. Schön scheinen sich die Dämme zu lockern, die Bande des Herzens zu lösen — doch im entscheidenden Augenblick weiß Reubeni den Riegel vorzuschieben: das eiserne Tor der Vorsicht und Zucht ist geschlossen. Und dies alles macht kein Asket, kein Lebensverneiner, nein, einer, der Leben und Genuß bejaht, dessen heiligstes Ziel ist — Leben, Kraft und Genuß einem halbtoten, verknöcherten, schwachen Volke zu erobern. Um der Wahrheit willen lebt er in Liebe, um der Tugend in Sünde. Sein Leben ist eine Wage. Er wägt immer: bös und gut, Kraft und Schwäche, Ziel und Mittel, Wert und Unwert, sich und andere. Sein Gegenpol — ein Schilfrohr. Stehend in sich, durch sich, aus sich. Einfach in die Höhe, zur Sonne wachsend. Empor« halb unbewußt, aus Gottes Gnaden. Ja, Salomon Molcho, Schüler und Jünger Reubenis, fühlt seine Berufung von Gott gegeben, sie wächst in ihm, rein und wahr, rücksichtslos. Beherrscht ihn ganz, macht ihn demütig und treu, verwegen und ketzerisch, jugendlich und feurig. Die Verbundenheit im Ziel, in der Idee, den Appell der zwei grundverschiedenen Persönlichkeiten, ihr Anderssein im Weg, in der ausführenden Tat, das allmähliche Weichen des Melieren vor dem Jüngeren 'hat Brod zu einer Tragödie gestaltet, deren ganze Kraft und Eigenart gerade darin liegt, daß ihre höchsten Spannungen im Schicksal haften der beiden Helden zur Auswirkung getlangen. Die Dynamik ihrer uripersönlichsten Schicksale zeichnet, kreuzt und vernichtet ihre Wege, bewegt ihre Welt und bestimmt ihr Leben. Das mit betonter Bewußtheit gestaltet zu haben, zeugt von Brods künstlerischer Kraft und Reife. Dieses wellenhafte Fließen von Freundschaft und Ab- Iwehr, Siegen und Getstegtwerden der beiden, der Meffiasse» die die Welt in Atem und sich außer Atem halten, ist ein Kabinettstück psychologischer Romaniliteratur, angesichts dessen Diese und Scharffinmgkeit man auf die Erwägung des prächtig schillernden Renaissancekolorits wohl verzichten kann, weil das herrliche Doppelporträt auch des glänzendsten -Rahmens entbehren könnte. Es hebt nur den Wert des Romains, wenn man sagen kann, weil das herrliche Doppelporträt auch des glänzendfügen und ein Ganzes bilden, das den nachhaltigen Eindruck harmonischer Werke macht. Auch hier hat die Sünde, die Lüge nicht zur Erlösung, zur Rettung geführt. Molcho und Reubeni gehen erfolglos zu Grunde; der eine am Scheiterhaufen, der andere, Roubem, stirbt in den grausamen Kerkern der Inquisition.^ Den Erfolg, wie Reubeni glaubte, verbürgt die Sünde nicht; mit Mut, Kraft und Schönheit hat sie schon etwas gemein. Vorausgesetzt, daß man au das Leben moralischen Maßstab legt. Zur Beivertung jüdischen Lebens und zur Erkenntnis seines ureigenen Wesens wird es 'wohl kann» anders möglich sein. 8. Dieses Erfassen des jüdischen Lebens unter dem Ge« sichtspunkt moralischer Begriffe verleiht dem Roman Brods noch einen weiteren Wert, den der Aktualität. In unserer Zeit der Krise für unser Volk bedarf der historische Roman keiner langen Begründung. Die Ber-

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