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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-13 · Heft 2327 (13.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2327 (13.8.1925)
Date
1925-08-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Dien, Donnerstag Wiener Miirnenzeitunst. August 1926 Nr. 2827 Ae Misrachi-WeMonserenz. Geistern vormittags nahm die Debatte chren Fortgang Federbusch (Polen) ist der Ansicht, daß die Misrachiexekutive der misrachistischen Arbeiterschaft kein genügendes Verständnis entgegengedracht habe. In der Franenrechtsfrage bedauert er, daß die Einigkeit in der Assefat Haniwcharim nicht aufrecht erhalten wurde. Retter (Wien) schlägt vor, eine dreigliedrige Kommission zu wählen, die den Rechenschaftsbericht des Rabbi Fisch mann zu prüfen hat. Groß und Mayer (beide Wien) sprechen gegen die Tätigkeit der Exekutive, die hingegen von Rabbi Gold (Boston) in Schultz genommen wird. Dr. B a r d t (Berlin) verteidigt sich gegen die Angriffe, die gegen ihn als dein misrachistischen Vertreter im palästinensischen Finanz- und Wirtschaftsrat gerichtet wurden. Dr. Landau (Jöhannisburg) legt Gewicht auf die Stärkung der finarrziellen Mittel, ohne welche die Organisation nicht aufrecht zu erhalten ist. Sodann bewegt sich die Debatte nur beit abgaspaltonen Teil des .Hapoel Harisisrachi. Es wird bclschlossen, dem im Saale anwesenden Vertreter des linken Hapoel Hanrisrachi, Ben Nun, und Vertretern des rechten Hapoel Hanrisrachi zur Bereinigung dieser Frage das Wort zu erteilen. Ben Nun (Palästina) spricht gegen die Exekutive des Misrachi, die Vevtvirrung in die Beziehungen des Hapoel .Hamisrachi gebracht habe. Die linken Misrachiarbeitcr sind M i s r a ch i st e n, aber auch Arbeiter. Man wolle die Arbeiterschaft zersplittern, um sie cxpLoitieren zu können. (Widerspruch.) Den Misrachi einige nur Religion und Kultur, in sozialen Fragen muß es eine einige Arbeiterscha,st geben. Er protestiert gegen den Ausschluß des linken Hapoel Hamisrachi aus der Misrachiorganisation wegen anderer politischer und sozialer Ansichten Er ist der Ansicht, daß eine misrachistbschc Arbeiterschaft außerhalb der allgemeinen Arbeiterorganisation nicht existieren werde. Weinschänker (Palästina) versteht es nicht, wie nrisrachrstische Arbeiter in die allgemeine Arbeiterorganisation eintreten konnten, die nicht Ziele des ganzen jüdischen Volkes, sondern nur solche der Klasse habe und überdies einen scharfen Kampf gegen das Gesetz führe. Landau (Polen): Der abgespaltene Teil des Hapoel Hamisrachi hat, wissentlich oder nicht, den Kampf der allgemeinen Organisation gegen die Religion unterstützt. Die letztere verliert allmählich auch in Arbeiterfragen ihren jüdischen Charakter. Misrachrstische Arbeiter dürfen sich nicht einer Organisation anschließen, die von außen her dirigiert wird. Es s-olgen dann die Schlußworte für die Exekutive von Rabbi Fi sch mann und Professor Pick. Nachdem eine Resolution von T e i t e l b a u m (Amerika), die ein Vertrauensvotum für die Exekutive zum Inhalt hat, dem Permanenzausschuß überwiesen wurde, wurde mch der Wahl der Revisionskommission die Sitzung geschlossen^ Sonntag wurde die Sitzung um 1 U-Hr eröffnet. Jüngster (Palästina) hält das Referat über die wirtschaftliche Arbeit in Palästina, Er bemängelt, daß die Fachleute nicht gehörig herangezogen werden, woraus sich die Defizite im Olinu-Bonim-Unternchmen ergeben. Dieses «Unternehmen werde sich ein Kapital von 10.000 Pfund sichern müssen, um die Avbeit, die sie zu leisten berufen ist, durchzuführen. Es spricht noch Puschinski (Palästina), worauf sich eine lebhafte Debatte entwickelt. Landau meint, die .Hapoel Hamisrachi dürfe ihre Tätigkeit nicht, wie sie es bis jetzt getan habe, gemäß dem Vorbild anderer, ihr wesensfremder Institutionen einrichten, sondern müsse sie dem inneren Wesen des Misrachi anpassen. Deputierter Federbusch (Polen) begrüßt es, daß die junge Misrachi heute weniger politisiere und mehr praktische wirtschaftliche Arbeiten durchführe. Er warnt davor — da den Misrachiarbeitern Originalität ihrer Arbeit abgebrochen werde —, soziale Formen, die kommen und verschwinden, mit den unvergänglichen religiösen Werten zu verbinden. Er hält originelles Schaffen der misrachistischen Arbeiter für möglich, da die Religion bloß Anwendung von Terrormitteln ablehnt im Kampf der Klassen, aber auf die innere Organisation keine Jngerenz nähme. Das Klassenprogramm darf nicht zur Staatsform gemacht werden. In' der Nachtsitzung wurde die Debatte zu Ende geführt. Die Montagssitzungen wurden vom Referat Ne Ilfeld über die Stellung zum allgemeinen Misrachi, das in der Proposition eines engeren Anschlusses an den allgemeinen Misrachi gipfelte, und von den Debatten, die sich an dieses Referat knüpften und sich in seinem Sinne be- - wogten, ausgefüllt. _"" Sie vierte Welttonferenz der Hitachduth. Im Lause des gestvigeu Tages berichteten die Vertreter der Partei in den verschiedenen zionistischen Instanzen über deren Tätigkeit. Die Referate hielten Dr. Arlosorosf über den Finanz- und Wivtschaftsrat, Kaplan über das Aktionskomitee, Ing. Wilkansky über den Jüdischen Nationalsonds, Sprinzak über die Exekutive. Ihnen folgte ein Referat von Twersty über die Stellung der Partei auf deut 14. Kongreß. Alle Redner betonten die prinzipielle Einstellung der Hitachduth zu den Fragen des tvirischastlichen Aufbaues, denen das Primat gegenüber rein politischen Fragen mchedingt zu/konvmen müsse. Die relativ starke Kongreßfraktion der Hitachduth werde ihren Einfluß irr der gleichen Richtung geltend machen müssen. Die politischen F e h l e r der Vergangenheit, die zweifellos be-, gangen wurden, würden wohl eine Lchre für die Zukunft Mden. Jedenfalls wäre es unverantwortlich und falsch, sie zum Ausgangspunkt einer Kampfopposition zu nehmen, Vielmehr z nrriDL JIAULbmL müsse in sie tiger Weise für alle politischen Möglichkeiten vorgosorgt werden. Bezüglich der Jewish Agency akzeptiere die Partei das Provisorium, weiches die Mitarbeit aller pakästiina>.frennd'lichea, Kreis,e ermöglichen soll. Als Grundlage für den wirtschaftlichen Mfbau müsse der Jüdische Rat ionalsonds gefördert werden. Eine großzügige Anleihe zun, Zwecke des Landankaufes wie auch eine solche zur Förderung der Bauindustrie müßte ernstlich in Erwägung gezogen werde,,. Spät abends begann die Debatte über diese Berichte, die gemeinsam abgeführt wird. Sie Welttonferenz der Poale Kirnt. Gestern wurde die Sitzung um 6 Uhr nachmittags eröffnet. Zunächst Umrde die Debatte über die Referate von Kaplansky und R ubaschow fortgesetzt. Berger (Deutschland) bespricht das Problem der Jewish Agency, zu dem die Poale Zion klar Stellung nehmen müsse. Es wird aus den, Kongreß einen rechts bürgerlichen Block geben, den Wan mit allen Mitteln wird bekämpfen müssen. Es sei notwendig, das linke zionistische Bürgertum zu beeinflussen, znnml bei den komme,wen Kongressen die bürgerliche Rechte dominieren werde. Man müsse aus dem Kongreß jede Position ausnützen, um in Budget- und anderen Fragen Einfluß zu gewinnen. R'Nbaschow tritt für den einheitlichen Schekel und für die Erhaltung der F ö ld e r a t i o >n c n ein. In der Krianfrage sei heute noch keine Stellungnahme nwglich, da sie jetzt parteimäßig ausgeschrotet werde. Isst die Kvintkolonisation möglich, dann nmß sie rückhaltlos bejaht werden, da alles getan werden müsse, >das russische I,ident,m, zu retten. Sodann hält Dr. Sokal (Wien) das Referat über die komme,we Tagung der sozialistischen Internationale in Marseille und über die Stellungnahme der Poale . Zion zu ihr. lieber das Referat entspann sich eine Debatte. Sie Konferenz der Weitorganisation zioniftischer Frone«. DaS Bureau der III. Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen befindet sich in Wien, 9. Be z., ähringerstraße 2, Tür 32. Da» Bureau der Londoner Exekutive der Weltorganisation zionistischer Frauen, hat ab . 16. d. seinen Sitz in Wien, 8. B e z., Lothringer straßc 18, Tür 16. Wahrend der Tagung der Konferenz, welche vom 21. d., 3 Uhr nachmittags, bis 36. d. dauert, befinden sich sämtliche Bureaus im Gebäude des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft, Wien, 1. Bez., Schwarzenberg p l a tz 16. Delegiertenkarten sind auf Grund der Beglaubigung der einzelnen Landesorganisationen, beziehungsweise -.Gruppen, im Gebäude deS XlV. Zionistenkong r e s s e s, W i e n, 3. B e z., L o t h r i » g e r st r a ß e J8, Tür 15, zu beheben. @a ft fasten in beschränkter Zahl ind ebenfalls im Gebäude des XIV. ZionistenkongresseS, Wien, 9. Be z., Lothringer st raße 16, Tür 16, gegen 10 Schilling für die Dauer der Konferenz zu zu haben. Karten nur für die Eröffnungssitzung werden nicht ausgegeben. Auskunft über bestellte Wohnungen erteilt ausschließlich das W o h n u n g S a m t d e s XIV. Z i o n i st e nkongresses in Wien, 1. Bez., Beethovenplatz 1. Vergessen Sie nicht!! Heute Schluß der Inseratcn-Annahmo für die Kongress-Festnummer Sie müssen Im Interesse Ihres Unternehmens dieses einzigartige Propagandamittel nutzen | Konferenz der Keren Kaiemeth. Ein« Rede Ussischkins. Gestern trat um 9 Uhr abends die KoivfereiH de- Keren Kajenveth llJsrael (Jüdischer NationagfondS) zusammen. Außer den Mitgliedern des Direktoriums hatten sich zahlreiche Delegierte ans verschiedenen Ländern viugefunden. Die Konferenz tvurde vom Ing. M. M. Ussischkin (Jerusalem), Präsidertten des Direktoriums des Nationalfonds, mit «ine, längeren Rede eröffnet. Er führte u. a. folgendes aus: Die besondere Wichtigkeit der gegenwärtigen Tagung besteht in der Größe der Aufgaben, die ihrer Lösung durch den Keren Kajemeth harren. Eine erhöhte Intensität umsever Tätigkeit ist driirgend erforderlich, und der Erreichung dieses Zieles dienen die .Hauptaufgaben der Konferenz, als die omerseitS die genaue Information unserer Mitarbeiter im Galuth über die allgemeine Lage und die Tätigkeit des Keren Kaijometh in Erez Israel, aridererseits die auf dem Austausch von Erfahrungen bevicheiÄe Besprechung der Methoden unserer weiteren Sammeltätigkeit erscheinen sollen. Vor einen, Jahre hat das Direktorin,,, beschlossen, den Bodenbesitz des Jüdischen Nationalfoitds innerhalb Jahresfrist zu verdoppeln. Die inzwischen eingesetzte wesentliche Steigen,mg der Immigration stellt« jedoch solche Forderungen, daß wir, öbzstvar das vorgesehene Landerwerbs- Programm längst erreicht und überschritten war, noch bei werten, hinter dem Notwendige» zurückbllekben. Abgesehen von der elementaren Pflicht, dem Einwanderer die landwirtschaftliche Ansiedlung zu ermöglichen, ist zu beachten, daß auch gegen die wilde Bodenspekulation nur in, Wege der Vergrößenung der nationalen Bodenreserve des NationalifondsbesitzeS erfolgreich angekämpft werden kann. Der Keren Kajemeth u>nd der Palastinaanfbanfonds, der Keren Hajessod, ergänzen einander, und es hat sich bisher nie gezeigt, daß die Arbeit beider Fonds sich gegenseitig stören würde. Das jüdische Volk hat den Willen, den Boden Palästttvas zu erlösen. Man muß nur ständig zu ihm kommen und es dazu a-nfzusordern verstehen! Das Volk selber trifft an den nur ungenügenden Erträgen keine Schuld! Schuldig sind die Vermittler Mischen ihm und seinem Lande. Der Boden selber ist stimm,, man muß aber seine Sprache dem Volke verstandvich machen! Der Eröffnungsrede schloß sich eine sachliche Debatte am, in der Herr Ussischkin und andere Mitglieder dos Direktoriums zahlreiche Fragen beanttvorteten. Sie heiligste« Güter der Rattonen. Die Krone Bocslkahs! Zwischen Ungarn uitd Rumänien droht ein nationaler Streit um die Krone des sicbenbüvgischen Fürsten Stephan Boeskay ausMhrechen, die sich im Besitz des Wiener Kunschistorischen Museums befindet. Die rumänische Regierung plant, einer Information des ,Magyarorszag" aus Temesvar zufolge, mit der österreichischen Regierung Verhandlungen wegen dos Ankaufes der Krone Bocskays auszunchmon. Die rumänische Regierung will dieses historische Stück mr Namen der runmniischen Nation dem König Ferdinand zu seinem 60. Geburtstag als Geschenk darbvingen. ,Ma>gYawrHag" bemeM zu dieser Nachricht, daß die ungarische öfsentliche Meinung schon im vorhinein Protest gegen diese Absicht der rumänischen Regierung omlegen müsse. Die Krone DocSkays gchöre Ungarn M,d dürfe an die rumänische Regierung nicht verkauft werden. Falls die rumänische Regierung daraus beharrt, die Krone aus dem Besitz des österreichischen Staates käuflich zu erwerben, uvüßte cs in Ungarn zu einer Empörung (!) kommen, welche Rumänien gefährlich worden könnte. «ataftrophairr Unwetter in Westböhmen. Wolkenbrnch in Prag. — Störungen im Eisenbahnverkehr. Prag, 12. August. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurden Prag und die West Hälfte von Böhmen von einem Unwetter hekmgosucht, das nach den aus West- und Südbvhmen einlangenden Berichten stellenweise katastrophalen Charakter hatte. Die Täler der Moldau und unteren Elbe wurden strichweise von wolkenbruchartigen Niederschlägen mit Hagel überrascht. Die Apparate der meteowlogischen Anstalt rogisttierten um Mttternacht Anzeichen für das Auftreten von ind Hosen in geringer Eniifernung. Am schwersten soll das Flußgebiet der Bevaun betroffen worden sein.' Die stark angeschwollenen Bäche und Flüsse rissen alles mit sich fort, was ihnen in den Weg kam. Unterhalb des Prager Hafens wurde heute früh eine Leiche aus der Moldau gezogen. Mehrere Personen Lvurden verletzt. Der Eisenbahnverkehr erlitt infolge^ des Unwetters Unterbrechungen. Die Staatsbahndirektion Prag-Nord teilt mit, daß unter anderm die Strecke Prag 'Detschen hinter Schreckenstein-Aussig unterbrochen ist und die Schnellzüge mngeleitet werden müssen, während der Pevsonenzugsverkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten werden kann. Nach einer Mitteilung der Staatsbahndirektion Prag-Süd wurde infolge des WoKenbmches auf der Strecke Prag—Pilsen bei Reznitz -er Eisenbayndanlm in einer Länge von 30 Meter abgeschwemmt. * Der Rektor der Prager tschechischen Universität plötzlich gestorben. Wie dem „Prager Taglbilatt" ans Gr äsenberg gemeldet tviod, ist dort Vovgostern abends der Chirurg Prüf. Dr. Ottokar Kukula, Vorstand der chirurgischen KvinÄ und Rektor der tschechischen Un-ibersität in Prag, aus der Kurpromenade von einen, Herzschlag getrossen tot nredergesMzt,

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