Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-08-13 · Heft 2327 (13.8.1925) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2327 (13.8.1925)
Date
1925-08-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981412--23614-3011151
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Wien, Donnerstag Wiener Movaenzettirna. 13'. August 1925 Nr. 2607 JUWELIER MORIZ OESTERREICHER I. Wlppllngerstrafi« LS Steter Eingang besonders preiswerter Juwelen und Silberwaren Greeses UhrtnUger 5112 Eigenes Atelier gegeben, doch wird gehofft, daß er cs in naher Ankunft tun werde. Im allgemeinen prophezeit Herr Lipsky einen „g Uten Kongreß" in Wien. Er erwartet eine friedfertige, Praktisch organisierte Versammlung, die in der richtigen Stimmung ist, historische Beschlüsse von großer Wichtigkeit für die Bewegung.zu fassen. Ae Sephardim. Ae Süden des Srients und die Afchkenastm. Von Dcküd Harm Asriel, Belgrad. Die fephardvfche Weltkonferenz erweckt nicht nur bei den Zionisten, sondern auch in allen anderen jüdischen Kreisen das lebhafteste Interesse. Das ist nicht zu verwundern, da die Sephardim 13 Jahrhunderte lang die Träger der jüdischen Kultur waren. Was wird die Zukunft bringen? Wie stellen sich die Sephardim zum nationalen Aufbauwerk, dem Zionismus und zu den altehvwürdrgen Traditionen — Zion, Thora und Erez Israel? Werden die Nachkommen einer glorreichen Vergangenheit sich würdig ihrer Vorfahren zeigen? Die sephardische Weltkonserenz oder wie der offizielle Titel lautet: „Dvuxicme Conference' interre. gionale des Sopharades et des Juifs orientaux" soll darauf die Antwort geben. Es werden neue Begriffe zu formen sein, cs ist der Zusammenhang der Vergangenheit mit der Gegenwart zu finden, um aus ihrer Kenntnis die Zukunft zu gestalten. Dies ist eine schwierige Aufgabe, welche nicht heute und auch nicht morgen gelöst werden kann, deren Lösung sich erst aus der Zusammenfassung der Kräfte ergeben wird. Das ist der Zweck der fephardischen Weltkonferenz. Sie ist das Werk LOjähriger Bemühungen der Pioniere der neuen nationalen fephardischen Bewegung; sic ist die Fortsetzung -der ersten Konferenz, welche während der Tagung des 13. zionistischen Kongreffes in Karlsbad im August 1923 stattfand. Die erste Frage, die sich jeder stellen wird, ist folgende: Was sind Sephardim, Aschkenasiin und die Juden des Orients? Heute ist es noch nicht möglich eine vollständig befriedigende Antwort daraus zu geben, well dazu die vollständige Kenntnis der Wanderungen der Juden seit ihrem Bestehen notwendig ist. Die folgenden Zeilen sollen versuchen, einige Klarheit in dieses Problem zu bringen. Es muß vorausgesagt werden, daß Sephardini und Afchkenastm eine zweifache Bedeutung haben. Das hebräische Wort „S ephara d" bedeutet auf deutsch ,fi p an i e n", daher ,-Sephardim" oder spanische Juden. Das hebräische Wort,>A schkenasa s" bedeutet auf deutsch „Deutschland", daher Aschkenasim oder deutsche Juden. Diese Ausdrücke wurden von spanisch-jüdischen Schriftstellern des Altertums und Mittelalters inihren historischen Werken eingeführt. Scpharad und Aschkenas haben ihre zweite Bedeutung mit bezug auf den Ritus. Mit Sephardim werden auch die Juden des fephardischen, mit Afchkenastm auch die Juden des aschkenasischen Ritus bezeichet. Den fephavdrischen Ritus haben außer den wirklichen Abkömmlingen der spanischen Juden auch die Juden des Orients (Asiens) und eine größere Anzahl von Orthodoxen, aschkenasischen Juden (Chasiidim) angenommen. Die Anzahl der Juden des fephardischen Ritus beträgt zirka 12 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung der Erde. Die wirklichen Sepharden sind zirka ein Drittel «der Juden des fephardischen Ritus. Den aschkenasischen Ritus befolgen alle anderen Juden, so daß außer den wirklichen Abkömmlingen der deutschen Juden auch die meisten russischen, polnischen, amerikanischen und englischen Juden zu diesem Ritus gehören. Ihre Anzahl ist zirka 88 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkerung. Im Glauben sind alle Juden gleich, die Riten weisen unbedmtende Unterschiede auf, nur in der Aussprache des Hebräischen sind große Unterschiede. Das moderne Hebräisch hat die sephardische Aussprache angenommen. In der fephardischen Weltkonserenz, der Konferenz der Juden fephardischen RituseS, werden die Kongreßteilnehmer die Gelegenheit haben, die melodiöse Aussprache des Hebräischen zu hören. Kehren wir nach dieser Einleitung zrtr Frage der jüdifcheu Wanderung zurück. Unr ein Problem zu lösen, muß nutn ein System aufstetlen, welches auf einheitlichen Prinzipien ausgebaut ist. Wanderungen sind Bewegungen, welche von einem festen Punkt ausgshen, nach bestimmte n R i ch t u n g e n erfolgen, ein Z i e l haben; zu deren Ausführung eine b e st i m nt t c Zeit (Däne r) notwendig ist, und die zu verschiedenen Zeitperioden ausgeführt wurden. Nehmen wir alS Ausgangspunkt dev Wanderung dos natürliche Zentrum der Juden — Jerusalem —, als Richtungen die vier W o l tgegenden — Westen, Norden, Osten, Süden —, als Ziel die verschiedenen Reiche vom Alt/ttunt 614 zur Gegenwart an. Zur Einteilung in Zeit- Perioden verwenden wir die mar kante st enZei tpunkte der Geschichte der Kinder Israels. Die Wanderungen der Juden beginnen schon seit ihrem ersten Eintreten in die Weltgeschichte. Der Erzvater Wra'ham, der erste Mische Prophet, wand erte aus dem Laude der Chaldäer nach Kanaan um sich in Haran auzusiedehr. Nehmen, wir daher als Anfang der Schriftführer Piotrmsli als zeuge. schärft Sntammenftöße zwischen der Lerteldianng und de« Sorfitzeade« tat Lemderge» (StgenAßNst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, iS. August. Am 28. Verhandlung Stage des Lembergcr Prozesses wurde zunächst das Zeugenvcrhör mit dem Untersuchungsrichter Rutka beendet. Die Fragen, die der Angeklagte K o r n h a b e r an den Zeugen stellte, wurden vom Vorsitzenden abgc lehnt, darunter auch die Frage, warum dem Angeklagten Kornhaber, der doch beschuldigt wird, die anonyme« Briefe verfaßt und geschrieben zu haben, diese vom Untersuchungsrichter nicht vorgelegt wurden. UeLer Ersuchen des Verteidigers Dr. Greik stellt der Vorsitzende aus den Akten fest, daß während der ganzen Untersuchung dem Angeklagten Kornlhaber die anonynren Briefe nicht gezeigt wurden. Die Fragen, welche der Verteidiger Dr. D w e r n i e k i dem Zeugen vorlegt, werden ebenfalls äbgelehnt, und als der Verteidiger an den Gerichtshof appelliert, diktiert ihm dieser eine Ordnungsstrafe von 200 Zloty zu, weil er sich an den Boschluß des Gerichtes, daß an den Zeugen keine Fragen Über den Gang der Untersuchung gestellt werden dürfen, nicht gehalten habe. Nach der Panse beginnt die Zeugeneinvernahme de- Schriftführers PiotrowSki, der während der Untersuchung, die dem gegenwärtig stattfindenden Prozeß voranging, die Protokolle geführt und auSgcftrttgt hat und von einer Reihe von Angeklagten und Zeugen beschuldigt wird, die Protokolle nicht entsprechend ihren Aussagen verfaßt, selbst Fragen gestellt und den Gang der Untevsuchung in unerlaubter Weise beeinflußt zu haben. Der Zeuge bezeichnet alle diese Anschuldigungen als unlvahr; er habe nur solche Fragen gestellt, welche die Aussagen vor dem Untersuchungsrichter vervollständigen sollten, wenn ihm etwas bei der Umschrift der Aussage nicht klar war. Diese Fragestellungen seien stets in Anwesenheit des Untersuchungsrichters erfolgt; nur manchntal, trenn der Untersuchungsrichter für k«rze Zeit adberustn wurde (der sehr vorsichtig und mit einer an Tücke gemahnenden Langsamkeit aussagende Zeuge beruft sich dabei ans Kahlreiche Interventionen, unter anderen auf die des Dr. Reich), habe er, Zeuge, O r i e n t i e r u n g s f r ag e.n in der oben eckvähttten Art gestellt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Protokoll» vernichtet oder verbrannt wurden, erklärt Pro. trowski, nur einmal habe Mikitin die Abänderung eines bereits protokollierten Satzes verlangt, da habe Zeuge, da es technisch nicht anders möglich war, den betreffenden Protokollbogen zerknüllt unk in den Ofen geworfen. Der Vorsitzende stellt sodann an den Zeugen eine Reihe von Fragen, di« sich aus den Gang der Untersuchung beziehen. Dagegen erhebt Verteidiger Dr. Landau Protest, indem er darauf hiuweist, daß alle derartige Fragen bei der Vernehmung des Zeugen Rutkä vom Vorsitzenden und vom Gerichtshof abgelchnt wurden; der Vorsitzende stelle ober jetzt an den Zeugen PiotrowSki auf den Gang dei Untersuchung bezügliche Fragen und nehme so der Verteidigung die Möglichkeit, solche Fragen an den Zeugen zu stellen, da er sic dann als bereits beantwortet a-lchnen werde. So werde fiir die Verteidigung eine unmögliche Situation geschaffen, denn cö werde dadurch der Dertei. digung für eine eventuelle Berufung das wichtigste Argument nicht gestellter Fragen vorweg» genommen. Die Verteidigung stellt daher nochmalden Antrag auf Revision des Gerichtsbeschlüsse« über die Nichtzulassung von Fragen von seiten der Verteidigung, welche den Gang der Untevsuchung betreffen. Der Gerichtshof gibt in der Nachmittagssitzung seiner Standpunkt zu dem Protest Dr. Landaus kund. Ex geht dahin, daß die Ansicht der Verteidigung irrig sei; wen» der Vorsitzende an einen Zeugen Fragen stelle, so habe die Verteidigung noch immer das Recht, ErgäuzunigSftagsn zu stellen. Sodann wird das Verhör mit dem Zeugen Pio« trowski fortgesetzt. Die Verteidiger stellen eine Reihe von Fragen; darunter auch die, warum dem Angeklagten Mikitin die Niemojewskische Schmähschrift „Die jüdische Seele im Lichte de- Talmud" zur Leiktüre gegeben wurde. — Zeuge: „Das war ein Zufall; Mikitin bat um ein Buch und ich hatte kein andere-!" 'Für einen graduierten RtchteramtSanwärter; ein ehrendes Geständnis! . -GUMMIMANTEL- S p i c 1 b ä 11 c, Gummischuhe und Gummiwaren aller Art zu F&brikspreisenl SPIRMANN 4 HOROWITZ Wien, II. Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 Wanderungen die Zeit Abrahams an. (17. Jahrhundert der hebräischen — 21. Ja/hrhuüdert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung.) Ihre Geschichte teilen wir in drei Perioden ein: Die erste Periodc, , bis zur Zeit des letzten Propheten der Juden Malachi (32. Jahrhundert der hebräischen — 6. Jahrhundert vor der gewöhnlichen Zeitrechnung). Die zweite bis zur Zerstörung des Tempels durch die Römer (39. Jahrhundert der hebräische — 1. Jahrhundert der gewöhnlichen Zeitrechnung). Die dritte bis zur Mandatertetlung Palästinas an Großbritannien durch den Völkerbund tm Jahre 5662 1922 (67. Jahrhundert der hebräischen — 20. Jahchundert der gewöhnlichen Zeitrechnung). Die Wanderungen der ersten Periode sind jederniann bekannt, der nur einmal die Bibel gelesen hat; die ziveite ist in den antiken und modernen GeschiehtSwerkeu der Juden enthalten; die Kenntnis der dritten Periode muß man sich mühsam aus den historischen Abhandlungen der Weltliteratur zusammenstellen. Die Wanderungen dieser letzten Periode sind am schwersten zu verstehen und deshalb untersuchen wir die Wanderungsströme nach den vier Weltgegendeu. In dieser Periode entwickelten sich die Begriffe Sephardim und Aschekenasim. ' 1. Wa n de r u N*ge n nach dem W e st e n. Cs ist bekannt, daß die Römer nach der Zerstörung des Tempels die dezimierte jüdische Bevölkerung Erez Israels, die legendären, heldenhaften Verteidiger des Bot Amikdasch (Tempel in Jerusalem) nach Spanien (hebräisch Sopharad), Italien und anderen Mittelmeergebieten verpflanzt haben. 2. W a n d e r u n g e n nach d e m N o r d e n. CS ist weiters bekannt, daß jüdische WanderungSströme Über de« Bosporus und Kaubasus nach dem nördlichen Europa und Rußland sich ergossen. Von dort aus verbreiteten sie sich in das nördliche kontinentale Mitteleuropa und zum Teils auch in darömisch.deutfcho Kaiserreich. (Deutschland hebräisch Aschkenas.) S. Wanderungen nach hem Osten. Dikst Wanderungen fingen in größerem Maßstabe schon tn der ersten Zeitperiode au, setzten sich^ über die ganze zivekke fort und erstreckten sich bis. zur Mitte der dritten Wriovd. Die Juden bildeten in den letzten $000 Jahren in den Mtchen Asiens verschiedene größere Gemeinden, deren jede den Charakter de- Reiches'annahnl, in welchem sich Inden ansiedelten, wie zum Beispiel die mefopotamtfchen, die bnchanschen und persischen Juden — die Juden desOrients (Hebr. jehude amiSrach). Sie sind zum großen Teile Zlbkömmlinge jener Stämme des jüdischen Volkes, welche von Jerusalem nach dem Osten auSwander« ten. Sie vermischten sich später in den Gebieten des türkischen Reiches vor 1914 mit den Sepharden aus Spanien. In letzter Zeit erwecken kleine chinesische Stanrme, mit Resten jüdischer Tradition das lebhafteste Interesse der Gelehrtenwelt. 4. Wanderungen nach dem Süden. Diese sind am wenigsten bekannt. Wie alle anderen Wauderungs. ström« setzten auch diese schon in der ersten Periode ein. Am besten bekannt ist das Geschick der arabischen Juden. Cin Wiener Gelehrter hat sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der abessinischen Juden in Afrika zu erforschen. Weitere Strome wandten sich nach dom Innern Bovder-Jndiens, wo ähnlich wie in China noch sehr wenig bekannte jüdische Siämine wohnen, welche den Sabbat heiligen. Ans ihr Verlangen sendet ihnen in den letzten Jahren die sephardische Gemeinde von Kalkutta Lchrer, um die Kinder im Judentum zu unterweisen. Das sind in großen Zügen die Wanderungen der Juden bis zur Maudaterteilung. Aus diesen Betrachtungen ist zu ersehen, daß die sephardische Weltkonserenz ein Weltkongreß der Juden im Kleinen sein wird, weil alle Juden, Afchkenastm fephardischen Ritus inbegriffen, in ihr vertreten sein werden. Sie unterscheidet sich hauptsächlich vom zionistischen Weltkongreß dadurch, daß an diesem mw Zionisten teilnohnien, während auf der sephardtschen Weltkonferenz außer den fephardischen Zionisten auch die offiziellen Vertreter der fephardischen Kultusgemeinden, der großen fephardischen Humanitären und kulturellen Vereine — also die Gesamtheit der Juden deS fephardischen Ritus — vertreten sein werden. DaS vorbereitende Komitee des fephardischen Weltkongresses in Jerusalem 'hat unter anderen wichtigen Referaten ein umfassendes Elaborat — gestützt auf die neuesten Daten — über die Geschichte der Sephardim und der Juden des Orients vorbereitet. Das Referat wird der Vizepräsident des Komitees, Herr Abraham e l Mble h, Redakteur der Tageszeitung „Dor Hajom", halten. Er ist bekannt durch seinen großen Anteil au vielen Zweigen der zionistischen Tätigkeit in Palästina. AuS dem Referat wird man ersehen, von welcher großer Bedeutung die sephardische Weltkonferenz für daS nationale Aufbau - wrek und daS gesamt« Judentum ist. Diese Zeilen kurz zusammengofaßt ergeben: Ms J«§ vufalem ist daß einheitliche Volk der Kinder Israels, welche durch alle Wandel der Zeiten an thvom einheitlichen Glauben feftgehalten haben, ausgezogen. Sie verrichten ihren Kultur nach zwei verschiede, nen Riten —7 dem fephardischen und askenasischem. In "drei Perioden der Vergangenheit ivurden sie tn Ae vier HiuttnelSrichiunaen zerstreut. Ms den vier Himmelsrichtungen werden sich dw Ausevwählten der Kinder Israels m drei Mrioden *-*' J,e ' AÖ*1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.