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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-13 · Heft 2327 (13.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2327 (13.8.1925)
Date
1925-08-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen: 20 ttroszy | (Wien: Zum Abholen ln der j Expedition, Il„ Taborstr.' . .oderin einerVetschleisste^v. IfTraJfik) monatl. 5 Schilling , iStrassenverkauf in Wien7' [durch die Kolporteure der Fi#ma Q o I d s ch m i e d, ' I., Wotteelle 11 ■ Mit Postversand für Wien und-Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch^cho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon.Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 .N«thfMangen hei Prei*. erhöhanleii vorbehillen Rr. 2387 iwffmra England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien Mon.lOOLewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterrelchisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 SBien, SoMSWMs. 13. August ISLs 7. gahrgang Sie Kongreßprobleme. Aeubemngen Sololows und Lipstyr. (Vgendienst der „Wiener Morgenzeitung".) . Welthilse. Bon Anitta Miller-Cohen. Am 13. und 14. August tagt in Wien der Zentralrat der jüdischen Welthll'fSkoNferenz. Es muß begrüßt werden, daß diese Tagung diesmal innerhalb der Mauern Wiens stattfindet. Wien ist so richtig die Stadt, wo die Bedeutung der Wellhilfe und insbesondere der jüdischen Welthilse gewürdigt werden ikann. Nicht nur sind es die ersten Nachkriegsjahre, welche Wien gelehrt Habens den Wert der internationalen Solidarität der Völker zu erkennen, sondern noch mehr ist es das jüdische Wien, welches bis zum heutigen Tage das jüdische Elend aus allen Ländern bei sich zu Gaste sieht und sür es Hilfe bei den Juden aller Länder zu verlangen gezwungen ist. Welthilse ist ein typisch jüdischer Begriff. Sonst sind es nur große Katastrophen, welche die Aufmerksamkeit der ganzen Welt und ihr Mitleid erregen. Das Erdbeben, das Messina zerstörte, die Metzeleien, die Armenien heimsuchten,. und schließlich die Katastrophen des Weltkrieges hatten Wellen der Humanität über das große Leid geschwemmt und mit wohltuender Einmütigkeit der Völker die Wunden zu heilen versucht. Diese Einmütigkeit ist bei den anderen Völkern nur bei seltenen katastrophalen Ereignissen zn beobachten. Bei den Juden muß sie eine Erscheinung des Alltags sein. Bei den Juden ist der Alltag selbst eine Katastrophe. Ganze Siedlungen sind ständig in Bewegung, die furchtbare Not der Wanderung, des Flüchtens dezimiert das Volk. Keinen Augenblick hört, die Notlvtzndigke.it auf, an irgend einem besonders gefährdeten Punkt, beizusipringen. Es gibt Orte, wo die.BhWilfe eine, dauernde Einrichtung wird.. In den DmchzügMudern' und Transemigrationszentren, wie Wien eines ist, kann die JudeNschast eines Landes oder einer Stadt die Last der Wanderungsnot unmöglich allein tragen. Die jüdische Welthilfe wird zur Institution. Die jüdische Welkhilfszentrale, deren Zentralrat in den nächsten Tagen in Wien Zusammentritt, >hat die jüdische Welthilfe mobilisiert für die Not in der pogromierten Ukraine. Was sie in der Ukraine siir Pogromwaisen, für die, hungernde jüdische Bevölkerung tat, fand verdiente Anerkennung. Die Kräfte müssen nun umgruppiert werden. Die eruptiven Ereignisse der letzten Jahre >hatten einen gewissen Stillstand irr der Not zur Folge. Die krassen Fälle der Not hörten aus. Man hat keine grausamen Katastrophen mehr, welche das Herz der Spender bewegen würden. Der Stillstand in der Not bedeutet trotzdem bei weitem nicht das Aufhören oder auch nur das Vermindern der Erscheinungen des sozialen Niederganges. Das Elend nahm geregelte Bahnen ein. Sein Bett ist tivf unfein Strom breit. Ruhig fließt es dahin, und die Leute kümmern sich nicht mehr darum. Die großen Organisationen der sozialen Hilfe kennen diesen Zustand der Unbekümmertheit von seiten der Allgemeinheit und der harten gleichmäßigen Not in den breiten Massen der verelendeten Menschen. Die Kräfte müssen mngruppiert werden. Die sozialen Arbeiter müssen trachten, gleichmäßige Hilfe in den großen Zentren der Not zu schaffen. Es handelt sich nicht mehr um augenblickliche, sondern um Dauereinrichtungen. Die Konferenz des Zentralratos in Wien steht nicht unter dem Eindruck irgend einer besonderen Katastrophe, sondern hat sich mit /dem Studium einer voraussichtlich längere Zeit ändernden Periode der Hilfsbedürftigkeit zu befassen. Die schwerste Frage ist die Aufbringung der Mittel. Die Welthilsszentrale hatte im Mai dieses Jahres eine Delegation nach Amerika entsendet, .um die regelmäßige Ausbringung der zur Hilfe nötigen Mittel zu organisieren. Die Delegation, welche aus Leo Motzkin, Dr. Eisenstadt, Oberrabbiner von Petrograd, und Dr. Oskar Echn bestand, hatte in ‘ Kanada und in den Vereinigten Staaten einen Zusammenschluß der jüdischen Hilfsorganisationen im Interesse der Wiederaufnahme der Hilsstätigkeit erreicht. Eine vom amerikanisch-jüdischen Kongreß einbevusene Tagung hatte die Vertreter der jüdischen'Organisationen der Vereinigten Staaten vereinigt und eine große Hilfskam- -pagne eingeleitet. Aus allen Teilen Europas langten Telegramme in New-Iork ein, welche die Wünsche und Hoffnungen der sozialen.Arbeiter in . den verschiedenen Ländern zum Ausdruck brachten. Es handelt sich immer nur um die Notleidenden Juden, jedoch möchte jeder Staat und jede Unser Londoner Korrespondent hat sich an den Präsidenten der Zionistischen Exekutive, »Herrn Nahum Sokol o w, und den Vorsitzenden der Zionistischen Organisation der Vereinigten Staaten, Herrn Louis Lipsky, mit dem Ersuchen gewendet, ihre Ansichten über die Probleme des 14. Zionistenkongreffes der ,Wiener Morgenzeitung" zu äußern. Herr Sokolow leitete seine lAeußerungen mit der Feststellung ein, daß die Zionistische Organisation jetzt ungeheure Möglichkeiten habe, dem Aufbauwerk in Erez Israel ein beschleunigteres Tempo zn geben. Die Regierung zeigt sich geneigt, den Juden die Steig e rung der Einwanderung nach Erez Israel zu erleichtern. Die Zionistische Organisation wird auch neue Begünstigungen hinsichtlich der Zuweisung von Einwanderungszertifikaten erhalten. Die Schwierigkeiten wegen Erlangung einer erhöhten Subvention für j ü d i s ch e E r z i e h u n g s z w e ck e sind geringe, wobei bemerkt sei, daß die Juden mit dieser ihrer Forderung vorsichtig fein sollten. Ein namhafter, wesentlich erhöhter Megierungsbeitrag für die jüdische Erziehung kann z u einerEinsluß n a h m e d e r R egierung aus die Organisation, des..Erziehungswesens Mven. ’ .V Däs-wichtigste Problem des Kongresses wird die Frage sein, wie dw Kosten für die erhöhten Auslagen gedeckt werden sollen. Das Budget sür Erez Israel wird angeisichts der ansteigenden Einwanderung in bedeutendem Maße größer sein. Es >wird notwendig sein, auch den Mittelstandssiedlern, die einen großen Prozentsatz der'neuen Einwanderer bilden, Unterstützungen zuzuwenden. Der Kongreß verwendet seine Zeit in der Regel ans.D i s k u s s i o n e n darüber, welche Verwendung ldas Geld finden soll, vergißt jedoch die Q u e ll e n anzug-eben, aus denen das Geld beschafft werden soll. Herr Sokolow wies die Auffassung, als ob die Zionistische Exekutive hinsichtlich der Jewish Ageney den Rückzug angetreten habe, mit Nachdruck zurück. Die neue Bestimmung, welche eine Revision des Statuts der Jewish Agency nach A b l a u f v o n d r e i I a h r e n Vorsicht, wurde im Einklang mit den Wünschen sowohl der , zionistischen Führer als auch der Marschal-Gruppe fortgesetzt. Es hat nichts zu tun mit der Fünszehnmillionensammlung in Amerika für Kolonisationszwecke in Rußland und bedeutet durchaus fein Abschwenken der Zionistischen Exekutive. Die zionistischen Führer hegen die Hoffnung, daß viele neue Elentente sich der Jewish Agency anschließen und an dem Aufbauwerk irr Erez Israeli mithelfett werden. Die Gegner des Jewish-Agency-Plaues übertrieben ursprünglich die angebliche Absicht der Zionistischen Exekutive, die Macht an die Neuankömmlinge abzugeben und überschätzt jetzt die Bedeutung der Bestimmung, daß das Statut der Jewish Agency am Ende des dritten Jahres ihres Bestandes revidiert werden soll. Was das Krimkolonisationsprojekt Organisation seine -eigenen. Schützlinge am ehesten versorgen, schon deswegen, weil ihre Not ihnen an: bekanntesten ist und daher als die härteste erscheint. Nun ist die Hilfe aussichtslos, wenn sie unsystematisch ist. Eine unükonomische Verwendung der Mittel ist eine Sünde gegen die Hilfsbedürftigen, ökonomisch arbeiten kann man jedoch nur, wenn man eine Warte einnimmt, von wo sich eine weite Perspektive eröffnet. Man muß" alles sehen, um den richtigen Mittelweg zu finden. Dies vermag nur eine Weltorganisation, wie es die jüdische Wolthiffszentrale und ihr von Herrn Jesrohkin ausgezeichnet geleitetes Pariser Bureau ist. Ein weitverzweigtes Netz von Organisationen und einzelnen Mitarbeitern in allen Ländern der Welt vermittelt der Pariser Welchilfszenttale die betrifft, erfordert es ein sorgfältiges Studium durch Sachverständige an Ort und Stelle, ebenso wie die Wünsche der t u ff is ch e n Jude it geprüft werden müssen, che an die Ausführung des Planes geschritten wird. Die Zionisten haben stets jede Hilfsmaßnahme für die notleidenden Juden mit Sympathie begrüßt, doch können Projekte nicht über die Kopfe der zunächst interessierten russischen Juden hinweg angelegt werden. Was die Verlegung verschiedener zionistischer Aemter von London uach Erez Israeli anlangt, so stintmen im Prinzip alle darin überein, daß dies wünschenswert sei. Es'handelt sich hierbei bloß darum, daß g e e igne t e Pe r sö nlr chkei te n gefunden werden, die zur Kontrolle dieser Aemter sich in Erez Israel niederlassen sollen. 'Herr Sokolow selbst ist bereit, zumindest s e ch s Monat e in Erez Israel zu verbringen. * Neben dem Problem der Jewish Agency wird die Frage der Reorganisierung der Zionistischen Exekutiv e und der mit ihr in Verbindung stehenden Anstalten und Aemter den wichtigsten Dell der Beratungen am Zionistenkongreß bilden. Herr Louis Lipsky wird die Reorganisationsfrage am 24. d., dom sechsten Kongreßtag, unterbreiten. . ' Herr Lipsky erklärte 'unserem Berichterstatter, daß die wichtigsten Reorganisiernugsvorschläge sich um den künftiges Sitz der Zentrale der Ziontstischen Exekutive, des Keren Hajessod und des zionistischen Finanz- und Wrrtschaftsrates drehen werden. Gegenwärtig sind alle diese Institutionen in London konzentriert. In führenden zionistischen Kreisen ist gegenwärtig der Wunsch vorherrschend, daß bloß das Politische Departement ' und möglicherweise auch die Abteilung für Organisation der Zionistischen Exekutive in London verbleiben sollen. E s w u r d e b e r e i t s e n t s ch i eden, daß Dr. Georg Halpern als Chef des Finanz- und Wirtschaftsrates sich -dauernd in E r e z I s r a e l n i e d e r!l a s s e n werde. Es wird auch als notwendig empfuttden, daß der Keren Hajessod na ch E r ez Is rae >l verlegt werde. Mit diesem zusammen muß auch das hebräische Organ der Zionistischen Organisation, der „Haolam", nach Erez Israel übersiedeln. In London wird hauptsächlich ein autonomes Politisches Departement der Zionistische« Organisation mit Dr. Weizmann an der Spitze zurückbleibett. Kolonel Kt sh wird sicherlich auch weiterhin ander Spitze des politischen Departements in Erez Israel bleiben. Es wird auch bereits die Zeit als gekommen angesehen, daß Sokolow als Leiter der ziontstischen Arbeit sich dauernd in Erez Israel niederlasse. In Sokolow würde die Zionistische Exekutive in Erez Israel eine Persönlichkeit getotmiett, die fähig wäre, das palästinensische Judentum in jeder Beziehung zu repräsetttieren. Er wäre auch der ideale Chef!des Erzichungswerkes und der geistige Führer der hebräischen Presse im Laude. Sokolow hat zu seiner Uebersiedlung nach Erez Israel die Zustimmung nicht Kenntnis der' jeweiligen sozialen 'Lage im Judentum. Die Spezialisierung der Arbeit ht sich auch aus dem Gebiete der Sozialfürsorge bestens bewährt. Es wäre Aufgabe der Allgemeinheit, die Bestrebungen der großen Organisationen der jüdischen Welthilse mit größerer Aufmerksamkeit als bisher zu verfolgen. Es wird hier wirklich Bedeutendes geleistet. Die Organisation der Welthilfe ist ein Stück Politikum und darf aus ebenso viel Interesse rechnett wie andere das Leben des Volkes einschneidend beeinflussende Einrichtungen. Es ist Aufgabe der Wiener Tagung, die Aufmerffanckeit der jüdischen OeffeMlichkeit ans diesen Umstand zu lenken. Es soll verstanden werden, daß es bei der sozialen Arbeit um das Loben des Volkes geht. m Sommerräumunasvarkauf an tief reduslerten p« eisen im Werenlieus Schiffmann II. TaborstraSe 48 Telephon 47-1 *70 ln im« In tfMll 31

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