Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2326 (12.8.1925)
- Date
- 1925-08-12
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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*£. SW Men, Mittwoch . .... III - ■11 III „ , ■ -.. | Beantwortung durch Rutka erweist, daß Rutkas Aussagen ' widerspruchsvoll sind. Verteidiger Dr. G r e k fragt: Wieso - konnte der Angeklagte Dwornicki erfahren, was der An-! geklagte Mikitin vor Ihnen, Herr Untersuchungsrichter, während der Untersuchung ausgesagt hat? Zeuge Rutka: Bevor ich Dwornicki verhörte, las ich die Aussagen des Mikitin dNkch. Verteidiger Dr. G r e k: Warum haben Sie das s olange geleugnet? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Den Schluß des Zeugenverhörs mit dem Untersuchungsrichter Rutka bilden die Fragen der Angeklagten. Auf sie hat Rutka wieder eine stereotype Antwort; sie kantet: „Ausgeschloffen!' .Er weiß nichts anderes vorzubringen, als ihn der Angeklagte Mikitin fragt, ob er sich erinnere, wie er, der Untersuchungsrichter, in Mikitins Gegenwart der Karoline Stein, eine beschlagnahmte Nummer der „Gazeta Codzienna" vorgelesen habe; er weiß nichts anderes vorzuvringen, als ihn Mikitin fragt, ov er sich erinnere, daß er, Rutka, der Karoline Stein zugeredet habe, sie möge unter anderem aussagen, Kornhaber habe den Mikitin zu einer falschen Aussage noch vor der Ankunft des Staatspräsidenten in Lemberg dingen wollen. Untersuchungsrichter Rutka antwortet -nichts anderes als „Ausgeschlossen!", wie Mikitin ihn fragt, ob er sich erinnere, daß er, der Untersuchungsrichter, dem Angeklagten Mikitin erzählt habe, der Warschauer Polizeikommissär S a w i e k i habe während seiner Erhebungen weinend erklärt, er sei von den Juden in eine Intrige verstrickt worden, und habe am nächsten Tage den Untersuchungsrichter Rutka gebeten, das Protokoll abznandern, da er, Sawicki, durch das erste Protokoll zu stark kompromittiert sei. Dieses bisher unbekannte Detail ruft im .Gerichtssaal das größte Aufsehen hervor. Hierauf beantragt der Verteidiger Dr. Landau mit dem Hinweis auf die Wichtigkeit der letzten Frage Mikitins an den Zeugen Rutka, der Gerichtshof möge die Mten über Sawiekis Erhebungen anfordern. Der Staasanwalt spricht sich gegen diesen Antrag aus. In einer scharfen Replik weist Dr. Landauer daraus hin, daß die Staatsanwaltschaft in den bisherigen drei Phasen des Prozesses, in denen die Verteidigung bemüht war, erst aufzuklären, wer das Attentat aus den Staatspräsidenten verübt habe, dann, ob P a nezhszyn der Attentäter sei, und schließlich, welche Konzeption fiir die Voruntersuchung dieses Prozesses maßgebend gewesen sei, allen Versuchen zur Erforschung der Wahrheit eine kaltes Veto entgegengestellt habe. Der Vorsitzende erklärt, daß der Gerichtshof über den Antrag Dr. Landaus später beraten werde. Das Bevhör Rutkas dürfte am nächsten BerhandlunHstage beendet tverden; daran wird sich -das Zeugenverhör mit dem Schriftführer Piotrowsiki schließen. Da sonst -nur wenige Zeugen zu vernehmen sind, wird angenommen, daß der gvotze Prozeß, wenn die Plai-doyers des Staatsanwaltes und der Verteidiger nicht -mehr als zwei 'Tage in Anspruch nehmen, -noch iw Lause dieser Woche beendet werden wird. Der Mette Steiger-Prozeß tut September. Der Delegierte des I u sti z m i ni st e r iu m 's, Staatsanwalt Kowalewsiki, welcher, wie berichtet, gegenwärtig in Lemberg weilt, erklärte einem Berichterstatter der „Gazeta Po ramm", es liege im Interesse der Justiz, daß der Steiger-Prozeh möglichst schnell stattfrnde; die Lembevger Staatsanwaltschaft müsse alles daransetzen, damit der Prozeß bevetts in der nächsten Schwnvgerichtssession, die am 7. September beginnt, verhandelt werde. Das Interesse der jüdischen Bevölkerung am Steiger-Prozeß — erklärte Kowale-wM weiters — ist durchaus begreiflich. Das Gericht wird das letzte Wort in dieser Sache zu sprechen haben. Auf die Frage des Interviewers, ob' MvälewM eine jüdische Or g a -n i s a t i o n Senne, welche beabsichtigte, einen Umsturz in Polen herberzuführen, antwortete der Staatsanwalt, er habe von einer solchen Organisation nie gehört. Nie Wanderer. Mitteilungen von offizieller Seite. Die Politische Korrespondenz veröffentlicht die folgenden Mitteilungen über die Wanderung: / f Ruurönieu. Offizielle staWWe Daten geben die Einwanderung nach Rumänien im Jahre 1924 mit 10.861, die Ans- Lvandemng mit 10.366 an; in dieser Zahl erscheinen 538, beziehungsweise 421 Oesterreicher. Auiffallend für einen Agrarstaat ist die Erscheinung, daß nahezu die Hälfte der Einwanderer landwirtschaftliche Arbeiter sind. : Die jiddische Pglästirrawan-erirng. Nach einer Statistik wunderten im vergangenen Jahr ans Polen um 100 Prozent mchr Juden nach Palästina aus als in den verflossenen drei Jahren zusammen. Die Auswanderung dieser Kategorie umfaßte im Jahre 1924 rund 10.000 Personen gegen 3000 im Jahre 1928. Die Einwanderung nach Palästina im Juni d. I. hat die RcikochzWv m MM WtMS MK ‘ Wiener Mvraenzettnna. OTTO OTTO Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe ich mich in Berlin niedergelassen und behandle in dem ärztlich geleiteten Tel. Bism. MM G. m. b. H. Tel. Bism. 3635 Berlin, Kurf ürstendamm 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewiesenen Erfolgen selbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wie: GemQts>Leiden Spracb-Leiden Sexualsiörmigen lfdilas / Neuralgie Neurosen Nervöse Kopffchmerzen Lähmungen usw. Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10—1 Uhr Meine Brosdtflre HDie Heilung der Seele" 1094 ist zum Preise von M. 2.— bei obiger Adresse beziehbar Vereinigte Staaten. Nach den amtlichen Ausweisen der Vereinigten Staaten sind im heurigen Rechnungsjahr in den ersten neun Monaten 621 Oesterreicher und 32.000 Deutsche, im ganzen 38.000 Deutschstämmige zur Einwanderung zugelassen worden. Die Gesamtzahl der Einwanderer betrug bis zu dem obgenannten Zeitpunkt 216.000. 87 Prozent aller Einwanderer stammten aus dem Norden und Westen Europas, während in der Vorkriegszeit diese Prozentzahl fast zur Gänze vom Süden und Osten Europas in Anspruch genommen wurde. Der Einwanderungskommissär erklärte gelegentlich einer Versammlung, daß das Einwandevungsgesetz derart modifiziert werden müßte, daß jeder Bundesstaat in einer Eingabe an die Bundesregierung das Recht haben sollte, die Notwendigkeit nachzuwoisen, eine gewisse Anzahl von Landwirten außer der Quote einwandern zu lassen. Der Vorsitzende des Einwanderungsausschusses berichtete dagegen anderen Ortes, daß das erste Jahr des Einwanderungs-gesetzes einen außerordentlichen Erfolg darstelle und er sich einer jeden Abänderung dieses Gesetzes widersetzen werde. Der Vermehr zwischen Rußland und Erez Israel. Einem Wirtschaftlichen Bericht aus Jerusalem entnehmen wir die Mitteilung, daß seit der Einführung eines regulären Schiffsverkehrs zwischen Sowjetvußkand und Eveg Israel im Jaffaer Hafen 26 russische Dampfer mit' 6000 Einwanderern eingelaufen sind. Die wichtigsten Artikel, die in dieser Zeit aus Rußland eingeführt wurden, waren Hotz, Naphtha, Zement und andere. Zur geplanten. Schiffslinie Saloniki—Erez ■ Israel. I Äeber die Eröffnung dieser neuen Linie, über die verschiedene Widersprechelche Berichte im Umlauf sind, erhalten wir die folgenden Informationen: Die Verhandlungen, die zwischen den Vertretern des Einwanderungsamtes der Zionistischen Exekutive in Erez Israel und den kompetenten Behörden in Saloniki in dieser Angelegenheit schon feit längerer Zeit geführt werden, konnten bisher noch nicht mit Erfolg abgeschlossen werden. Die Durchführung des Projekts stößt vorläufig noch auf verschiedene, mit der Konzesswnserteilung zusammenhängende Schwierigkeiten, deren Beseitigung .kaum vor einigen Monaten erwartet werden kann. Re Hitachduth und die Kongreßprobleme. Wus einem ^Gefpräch mit dem, Sefmdeputierten Dr. Z w i' Heller.) Es ist zu konstatieren, daß in der Hauptsache durch den letzten Mtionskomiteebefchiluß die Absicht, die Frage der Er-. Weiterung der Jewifh Agency gum Zentralproblem des -Kongresses zu machen, -fallen gelassen wurde, eine Absicht, gegen die sich die 35 Delegierte zählende Gruppe der Hitachduth aufs schärfste wenden würde. Die Stellung der Hitachdnth zu diesem Problem ist als die zur Erreichung eines ^stimmten Zweckes -Mannt. Der Zweck ist ein arbeitendes Erez Israel. Die Hi- -bachduch ist für die provisorische Erweiterung der Jewifh Agency aus der Einsicht, daß aus bosttmmten Gründen vorläufig eine andere Form zur Bildung dieser Körperschaft nicht möglich ist. Sie wird aber darauf bestehen müssen, daß dieses schlechte Mittel die Garantien für den guten Zweck schaffe, die itt den von der Hitachduth gestellten und von der Exekutive akzeptierten Bedingungen der Selbstarbeit als Grundlage der Kolonisationspolitik l-iogen, der Nationalfonds als Grundlage der Bodenpolitik und das Hchvä-ische als Grundlage der Kulturpolitik. Das Hauptgewicht wird der Kongreß aus die Mrtschaftssvagen legen müssen. Daß 60 bis 00 Prozent aller Mittel für den landwivtschaftlichen Aufbau zu vevivendeu sind, ist «ine Hauptforderung der Hi-tachduth. Sie ist nicht gegen die Verwendung gewisser Betrage für die Industrien, doch dürfe das keinesfalls die landwirtschaftliche Entwicklung bchindern. Die Hitachduth ist ebensowenig gegen die Privatinitiative, doch müssen die nationalen Kapitalien für die nationale Kolonisation verwendet werden. Es ist falsch, 'daß die Hitachdnth jemals Gegner der Mittelstandsalijah gewesen sei, sie hat volles Verständnis für die Bedingungen, die dies« MasseneiMvanderung hervorgevnsen hat. Sie ist aber gegen die sogenannte Mittelstaudsideologie. Bei diesen Elementen müsse die Erkenntnis der allmählichen, aber m den Rahmen eines a r b e i t e _12. August 1925 BeAe 3 den Palästina Platz greifen. Sie dürfen sine NotstaNdsoLttlo« nicht mit nationalem Aufbau verwechseln. Außer der letzten Kampagne, die letztens von gewisser Seite losgeschlagen hat gegen die bis nun so sehr gelobt» Mch politisch eskomptierte chalnzische Arb-eiterkvwmfation, kommt der wirtschaftliche Fachmann der Zionistischen Organisation, Herr Georg Holpern, mit einer sehr gefährlichen Prvposrkion an die Palästinensische Arbeitcrschaft, sie möge ihre bisherige national-konstruktive Anfbanmission aufgeben und sich als Trade-Union auf -den Schutz ihrer wirtschaftlichen und sozialen Interessen beschränken. Dieser Gesichtspunkt wird von der klassenkämpferischen Linken aller Wahrscheinlichkeit nach begrüßt werden. Bon der Hitachduth und den anderen konstruktiven Teilen der palästinensischen Arbeiterschaft wird er aufs schärfste bekämpft werden, weil sie darin eine große nattonale Gefahr und eine volfftändige Bedrohung des Palästinensischen Aufbauwerkes sehen. Bezüglich der Zusammenarbeit der linke« Gruppierungen auf dem .Kongreß ist eine tatsächliche oder formell organisatorische Kooperation möglich. Da sämtliche linken Gruppierungen der Hitachduth haklatt-t angehören, so ist selbstverständlich, daß in den wirtschaftlichen und budgetären Fragen ein Zusammengehen notwendig ist. Ein organisationeller allgemeiner Znsammenschlnß der linken Kräfte auf dem Kongreß ist nur in diesem Fall notwendig und zweckmäßig, wenn sie ihre prinzipielle Ablehnung des Koalitionsgedankens aufgeiben. Ae 4. WeMonferenz der Hitachduth. In der gestrigen Vormittagssitzung wurde die Generaldebatte beendet. Del. Fischer überbringt die Forderung der russischen Parteigenossen nach einmütiger Stellungnahme der Partei gegen die absolut unbegründeten Verfolgungen, denen die Bewegung in Rußland ausgesetzt ist. Die Parteileitung hat sich bisher in dieser Beziehung allzu passiv verhalten. Auch die Stellungnahme der Partei zur gegenwärtigen Politik des Zionismus wird vom Redner bemängelt. Es gebe große Kreise innerhalb der Hitachduth, die mit der Politik der Exekutive unzufrieden sind. Die unbedingte Gefolgschaft der Hitachduth-Führer der Exekutive gegenüber, sei unter diesen Umständen recht bedenklich. In seinem Schlußwort bespricht der Referent des Zentralkomitees, Herr Friedland, die ungenügenden Erfolge der Partei, die, wenn sie auch den Vergleich mit anderen Gruppen nicht zu scheuen braucht, ihren Aktionsradius unbedingt vergrößern muß. Sodann erfolgen einige Ergänzungsreferate. Del. Schkolnik, der über den Hechaluz referiert, führt aus: die technische Vorbereitung der Chaluzim genüge nicht; sie bedürfe vielmehr einer Ergänzung durch geistige Erziehung zur wahren Idee der Chaluziuth. Frau Ada Fisch hält das Referat über die arbeitende Frau; sie hält die Erziehung der Frau mit der nationalen Ideologie und zum Willen zur befreienden Arbeit für dringend' notwendig, da die einer solchen Erziehung entbehrende Frau aufs tiefste die Bildung von Familien auf Grundlage produktiver Arbeit gefährden. Nach dem Referate des Del. Cha noch über die Jugendbew egung wird die Debatte über die drei Ergänzungsreferate abgeführt, in der Del. Ester die Notwendigkeit betont, daß in der jetzigen Zeit der massenhaften städtischen Kolonisation, der Hoch a l u z sich ganz besonders dem Dorfe zuwenden muß. Der Hechaluz müsse völlig unparteiisch sein. Del. M a n oa ch konstatiert die Schuld der Parteien, die in höchst ungenügendem Maße die Tätigkeit der Chaluzim unterstützen. Del. Friedland wendet sich gegen die Flucht der Chaluzim in die Städte. Sejmdeputterter Löw i n s o n protestiert gegen die ü b e r m ä ß i g e Politisierung, die im Hechaluz um sich greift. Viel wichtiger sei die systematische Kulturarbeit, zu der die Lehrer heranzuziehen sind. Del. Werlinskh: Die im Hechaluz keimende Tendenz zu einer e t n f e 111 fl e n Klassenorganisation soll unterdrückt werden. An der Debatte beteiligen sich ferner die Delegierten Chajuta Bussel, Leviatow, Tatza, Moskowitz, Dr. Rebelsky, Heller, Blumberg, Gordon. Hervorzuheben ist die Rede des Del. Sprinzak, der unter anderem bemängelt, daß es den Führern der Hitachduth an der nötigen B e z i eh u n g zur I u g e n d f e h l t. Sie sind zu sehr von der Politik absorbiert. Programme werden in der Jugendbewegung nicht viel helfen — es ist vielmehr die persönliche Hingabe an sie erforderlich. Die mühevolle Arbeit, welche durch Heranbildung der ersten Chaluzoth geleistet wurde, drohe bei dem Ansturm von tausenden unvorbereitet einwandernder Frauen und Mädchen verloren zu gehen. Hier sei dringend intensive Hilfe nötig. Nach dem Schlußwort des Referenten wird die gestrige Sitzung geschlossen. Nächste Sitzung heute um 10 Uhr vormittags. _ Sie Mirrachl-Welttonferenr. In der gestrigen Beratungssitzung wurde das Präs?» dium gewählt, das aus den Herren Deputierter Färbst ein (Polen), Rabbi Berlin (Amerika), Deputierter B r o d (Polen), Rabbi Beermann (Polen), Prof. Frankel (Breslau), Grand-Rabbi Landau (Südafrika), De Bries (Haarlem) besteht. Rabbi Fischmann erstattete den Rechenschaftsbericht,- in dem er betont: Der Misrachi hat sich an der Aufbringung der Mittel für die zionistischen Finanzinstitute stark beteiligt. Seine selbständigen Arbeiten verteilen sich auf die Erziehung und auf die Akrjah. Es wurden eigene Wanderungsämter geschaffen, die 6000 Personen registriert und befördert haben. Die Arbeitsvermittlung hat die einwandernden misrachistischen Arbeiter mit Arbeit versorgt. Bei Jerusalem und Jaffa sind einige neue Kolonisationspunkte geschaffen worhm. Die WKmrg «WWWWW»»«»