Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2325 (11.8.1925)
- Date
- 1925-08-11
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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i!! t | j I i i I v l ' Seite 3 Wien, Dienstag JUWELIER MORIZ OESTERREICHER { I. WiMlIngenlrafic 29 gang Besonders preiswerter Juwelen unc Steter Eip Grosses Unreal« plager und Silberwaren Eigenes Atelier Petains Marovobettcht. Paris, 9. August. (Havas.) Ministerpräsident P a i n- Ittc fy<A der Presse die Schluhfolgemugeni Heß Berichtes des Marschalls P s t a i n übermittelt. Der Bericht legt dar, daß die französischen Truppen in Marokko, die im Anfang wenig zahlreich tvaren, die schwierige und undankbare Aufgabe hatten, die unvorhergesehenen Angriffe des mächtigen Feindes auszuhalten. Die feindlichen Stveiffräfte umfaßten Rifleut« und Dissidenten, im ganzen 3 0.0 0 0 biZ 4 0.0 0 0 Krieger, die kräftige Gebirgsbewohner sind, das zerMftete Gelände gut kennen und Kanonen, Maschinengewehre und reichliche Munition besitzen. Dve Wachtposten vor dem Uerghafluß brachten die ersten Angriffe zum Stehen. Die manövrierenden Truppen mußten vor allem die Kosten unterstützen, sie varpflegen oder sie zurücknc hme n und die Dissidenten, die Fes und die Straße, nach Algerien bedrohten, im Zaume halten. Das Entreffen »euer Berstark«ngen gestattet es, die seit drei Monaten im Kampfe stehenden Einheiten Lnszulosen und die Vorbereitungen zu vollenden, um demnächst den Feind zurückzud rängen und eine feste Organisation zu schaffen, die eine Gawähr gegen neue Einbrüche gibt. Fes und Ta za seien gegen alle feindlichen Versuche gesichert. Ein frnnrSftschep Erfolg. Fes, 8. August. (Havas.) Die Franzosen haben kampflos die wichtige Stellung Amergu. die de-r Feind angesichts einer starken KrkunduugsMternchmung geräumt Me, besetzt. Die Einnahme von Amergu sowie die Säuberuugsoperationen in den Gebieten von Kaid Medbah, Bab Meruj und westlich von Tissa, di« unter den besten Bedingungen vor sich gehen, haben auf die Stämme starken Eindruck gemacht. Die Unterwerfungsbewegung nimmt trotz der Drohungen und Repressalien der Risteute zu. ser Druseuaufftand. Französische Kolonialregenten. Paris, 10. August. Die gestern vom --Echo de Paris" dexöfftfltlichte Darstellung derUrsachendesDrusen- Aufstande s wird heute von der „Times" bestätigt. Das Blatt meldet, die Proteste der Drusen gegen die Regiemngsmechoden des französischen Gouverneurs Carbille t, die eine Abordnung von 36 Nptabeln dem General Sa rra il überbrachte, seien nichtangehört worden. Einige Mitglieder der Abordnung seien daun im Damaskus zurückgehatten worden. Die Revolte sei gelegentlich eines Z w i f che n s a l l e s beim B e i r a m fest zum Ausdruck gekommen. Carbillet, der diese religiöse Kundgebung als eine p o l i t i s ch e betrachtete, habe sie durch seine Truppe n cotfCöfen lassen. Die Drusen hätten Widerstand geleistet, wobei auf beiden Seiten einige Perfonen getötet wurden. Der Gouverneur habe hierauf den Vorsitzenden des einheimischen Gerichtshofes und dessen Mitglieder sowie einige andere Notabeln verhaften lassen, die sodann in Palmyra verurteilt wurden. Der Sulltan-Pascha des Dvufengebietes, El Attrasch, der gleichfalls verhaftet werden sollte, habe Widerstand geleistet, worauf fein Dorf von F l ugz e u g enmi t B o mb e n b elegt wurde. Darauf sei eine größere Anzahl seiner Anhänger in Sue ida oingedrungen, habe -den franz ö s i s ch e n Go uv e r n e.u r ge fa n g e n genommen und belagere derzeit die Garnison, die sich in die Zitadelle geflüchtet habe. Paknlever Mehrheit. Tadelsvotum für de» sozialistischen Gouverneur. Paris, 9. August, (.havas.) Heute haben die Departementskongresse dersozialistischen Verbände getagt. Die meisten, unter ihnen jene des Departements Seine, haben Tagesordnungen gegen die Unterstützung, des M i n i st e r i u m s P a i n l e v e angenommen, ohne sich jedoch für eine systematische Opposition auszusprechen und gegen die Teilnahme an einem Ministerium. Der Kongreß des Departements Puh-de-Dome «hat nach Anhörung des sozialistischen Deputierten B a r e n >n e, der die Gründe für seine Annahme des Postens des Generalgouverueurs von Jndochina darlegte, einen Antrag angenommen, worin Baren ne derTadelausgesprachen wird, daß er mit seiner Eigenschaft als Parteimitglied unvereinbare Funktionen übernommen habe. »ettitato wird nicht srelgelafsen? Budapest, 10. August. (Tel.-Komp.) ,M Reggel" will wissen, daß die Staatsanwaltschaft beu Antrag des Verteidigers Edmund v, B e n i c z k h s auf F r e i >l a s f n n g seines Klienten gegen Kaution abschlägig beschjepen und dem Anklagesenat in diesem Sinn berichtet habe. Das Blatt behauptet, daß Bensizky in der Gefangenschaft schwer erkrankt sei. /_Wiener Moraenzettitirg. Reue Slandalszenen im Reichstag. Tätliches Ernqrorfen vor Polizei. Berlin, 10. August.. Bei. dn Eröffnung der heutigen Sitzung des Reichstages beantragte der ko in m u n i st ifchc Abgeordnete Stöcker Vertagung der Sitzung und bezweifelte die BeschMMHrgkeit des Hauses. Daraufhin verließen di« Sozialdemokraten und die KommunWn, mit Ausnahme des Abgeordneten Stöcker de» Saal. Vizepräsident Gxaefß erMrtc nach ettM jünf Minuten, es müsse ausgezählt werden. Als der Vizepräsident mit dem Schluß der Abstimmung mehr als 10 Minuten wart c t, ruft der Abgeordnete Stöcker: Herr Präsident, wollen Sic endlich schließen'? Unter, den Abgeordneten, die verspätet gckoinmen sind, wird die Zentrumsabgeordnete Frau R cnhaus mit großer .Heiterkeit begrüßt, weil sie, um schnell ihren Zettel äbgeben zu könne«, mit Hut und Mantel im Saal erscheint. Dor konmiunistische Abgeordnete Schütz ruft dem Vizepräftdenten Graefe „O b e r s ch i e b e r" zu. Die Auszählung ergibt tatsächlich, daß das Haus n i ch t bes chlußf ä h i g ist. Der Vizepräsident beruft die neue Sitzung für 11 lihr ein. Mch Eröffmulg dieser neuen Sitzung schließt Vizepräsident Graefe den Abgeordneten Schütz, der sich nicht im Saale befindet, wegen seines Zurufes, für den Rest der Sitzung aus. Als dann Schütz im Saale erscheint, fordert ihn der Vizepräsident auf, den Saal zu verlassen. Schütz tveigert sich und wird nach einer nochmaligen Aufforderung für zwanzig Sihnngstagc ausgeschlossen. Die Tribünen werden g e r ä u m t, da Graefe die ge-tvaltsame Hinaussührung Schütz' angeordnet hat. Bald darauf erschien Kriminalpolizei im Sitzungssaal, die von Schütz aufgefordert wird, ihre L cg i t i m a t i o n e n zu zeigen, was sie verweigert. Als Schütz ans seiner Forderung beharrte, ergriffen ihn die Polizisten und schafften ihn mit Gewalt hinaus. Der im Saal anwesenden Kommunisten benüichtigte sich ungeheure Erregung, die einige Zeit andauerte. Nach Wiedereröffnung der Sitzung wurde ein zweiter Kommun: st von der Sitzung ausgeschlossen. Auch er weigerte sich den Saal zu verlassen. Der Vorsitzende unterbricht die Sitzung neuerdings. Als Vizepräsident Graefe wieder im Saale erscheint, ruf endie Kommunisten: Sie verletzen andauernd hie Geschäftsordnung! Der Vizepräsident erklärt darauf, er werde nicht davor zurückschrecken, unter Umständen die ganze kommunistische Fraktion auszuweise«, falls die Kommunisten sich nicht ruhig verhalten. Die Kommunisten antworten mit lauten Protestrnfen. Nun weist der Vizepräsident die kommunistischen Abgeordneten Münchenberg, Geschke, Neddermeyer und Creutzbuxg aus dem Saale. Die Kommunisten rufen: Creutzburg ist ja in Hamburg! Da die Ausgewiesenen der mehrmaligen Aufforderung, den Saal zu verlassen, nicht Nachkommen, wenden die Abgeordneten Torgler, Neddermeyer, Geschke und Münchenberg nach Räumung der Galerien von 17 Polizeibeamten aus den Saal geschleppt. Nachdem die Beratungen des Reichstages ini Laufe des Nachmittags ziemlich ruhig verlaufen tvaven, kam es in späte»: Mendstunde noch zu einem demonstrativ e n Au s z u g der S o z i a l d e m o k r a t e u und der Kommunisten aus dem Sitzungssaal. Als der Präsident L o e b e einen Antrag der Mehrhcitsparteien verlas, in einer einzigen A b st i m m u n g die gesamte Zollvorlage anzunehmim, setzte bei der Linken ein Entrüstung s stur m ein. Der sozialdemokratische Abgeordnete Wels erklärte, seine Partei lvevde sich nicht länger an den Verhandlungen beteiligen. Darauf verließen die Sozialdemokraten, unter lebhaften Zurufen der Rechten, geschlossen den Sitzungssaal. Das gleiche taten die Kommunisten. Auch der demokratische Abgeordnete Schücki ng schloß sich dem Auszüge an. Darauf wurde der Antrag der Mehriheitsparteien, den ersten Zolltarif en bloe anzunehmen, in einfacher Abstimmung angenommen. D'.e dritte Lesung der Zollvovlage 'findet Mittwoch statt. -erzl und Rorda« nach 8rez gsrael. Ein Antrag der Stadtgenreinde Tel-Awiw. London, 10. August. Laut eiuer Meldung aus Tel- Awiw hat die dortige Stadtvertretung beschlossen, an den Kongreß die Bitte zrt richten, die sterblichen Ueberreste von Herzl und Nordau nach Erez Israel zu überführen. Letzte Kutte. New-Yorker Devisen. New»Bork, 10. August. (Tel.-Komp.) Berlin 88.80, London Kabel London Scheck 4.81%, Amsterdam 40 sl, Paris. 4.68, Brüssel VA. Rom 3.58'/,. Madrid 14.44, Zürich 19.48. Stockholm 28.88, Oslo 18.38, Kopenhagen 33.77, Wien 0.14, Budapest 0.14, Prag 3.68%, Belgrad 179%, Athen 188, Buenos Aires 40%, Rio de Janeiro 13'/», Bukarest — Amerikanische Getretdemärkle. R»tv-Ao»K, 10. August. lTel.-Komv.) Weizen rot Winter 176%, Weizen hart Winter 184-,„ Mats 131%, Hafer 63/ Roggen 113. Whikogo, 10. August. (Tel.-Komp.) Weizen per September 168'/.. Dezember 163%. Mat 166'Mats per September 108%, Dezember 88%. Mai 9 t'/,; Hafer per September 43, Dezember 44%, Mai 48; Roggen per September 101'/,, Dezember Mai 199%. 11. August 1025 N». 3W5«. ---------«' —Jryrf Ausländer ERpprt«ura kaufen <im vorteilhaftesten älf) Gummimäntel erstklassiger Gummierung und Ausführung bei orniljm OummimSiitQlfalirlk HtUlnAN Wl«,,,,.He„=kl75B«trU,.M Nach Wiener BorbUd. Die Folgen der völkischen Hetze. Berlin, 9. August. (Wolfs.) Heute nachmittags ist eS um Kurfüvstcud<rmm zwischen Völkische» und Personen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen zu einem Zusammenstoß gekommen. Der von de» Völkischen umringte Rudolf Schnapp flüchtete in ein vor- Merfahrondes Automobil. Er soll von den Insassen geschlagen worden sein. In seiner Bedrängnis gab Schnapp zuerst einen Schreckschuß und hierauf einen scharfen Schuß ab, der einen jungen Mann namens Werner D ö ll so unglücklich traf, daß er bald darauf in der Rettungsstelle starb. Schrapp, der einen Waffenpaß bei sich hatte, stellte sich sofort der Polizei, die ihn einstweilen in -Hast behielt. g« schimmernder Wehr. Geprügelte Mandat- und Kappenträger. Karlsbad, 10. August. Die „Deutsche Landpost" mel. det: Als hie Abgeordneten K a l l i n a und Josef Mäher, die K a p p e n und B ä n d e r trugen, von Fischern ge^ern nachmittags nach Karlsbad gingen, wurden sie aus der Fischen er Brücke von der Staatspolizei angohaltem Sie legitimierten sich als Abgeordnete und verweigerten die Ablegung der Frvben, die man von ihnen verlangt hatte. Es hatte sich eine große Menschenmenge augesammelt und cs kanl zu T ä t l i ch k e i t e n. Als Kallina den Weg durch eine Nebenstraße nehmen wollte, wurde er aufs Pblizeikomnnssaviat geführt. Abg. Kallina klärte den Vorfall auf Nach ihrer Freilassung erschienen Kallina und Mäher nach kurzer Zeit wieder auf denr Polizetkommissariat, wo sie eine Beschwerde gegen das Vorgehen der Staats Polizei einlegten. _- Ritualmordhetze in zenta. Ms Subotica (Jugosialwien) wich m$ berichtet«. Die Inden der benachbarten Stadt Zenta wucheir in den letzten Tagen durch eine Plötzlich aufgetanchte Ritualnwrdhetze in große Unruhe versetzt. Die dortige Kultusgomeinde errichtete cht neues Gebäude für die Talmud- Thora-Schulc und traf die Vorbereitu-ngen für die feierliche Eröffnung der Anstalt. Einige Tage vor der geplanten Eröffnungsfeier wurde von einer bisher npch nicht festgestellten Seite das Gerücht verbreitet, daß die Juden beim Bau der Talmud-Schule auch Christeublut verwenden und solches ganz besonders bei der Schlußstcinlegnng benötigen. Dieses Märchen fand überdies noch durch den Zufall Nahrung, daß in de« letzten Tageir in kurzen Zeitabschnitten christliche Kinder aus der Stadt verschwanden. Die Polizei forderte mit öffentlichem Trommelschlag die Bevölkerung auf, ihre Kinder besser zu betrachten, und da die magyarische Bevölkerung, unter der die Ritmlmordgeschichte besonders verbreitet wurde, die serbische Knridmachung nicht verstanden hatte, glaubte sie erst recht au die Wahrheit des Blutmarchens. . Das erste verschwundene Mädchen, die neulffährige Marcella Kovacs, wurde dank der energischen Nachforschung der Polizei, die von Haus aus der Ritualuwrdfabel keinen Glauben geschenkt hatte, schon a m a n d e r e n T a g e st e l l i g g e m a ch l. Das Kind hatte sich außerhalb der Stadt verirrt und war von Passanten in eine nahcgelegene Wirtschaft gebracht worden. Kaum war dieser Fall aufgeklärt, verschwand am anderen Tage die fürstjährige Tochter des Maschinisten Johann M o l n a r. Auch in diesem Falle wurde die verzweifelte Mutter durch die Verhetzung in Aufregung versetzt, daß das Kind sicherlich durch die Juden «in die Talmud-Schule eingemauert wovden sei". Mich hier gelang es der Polizei, noch am selben Tag, das Kind in einem Kükuvuzseld auszuforschen, in welches es von dem Zeutaer Bäckermeister Georg K ovaesi.es verschleppt wurde, um dort mißbraucht zu werden. Kovaasics, der in flagranti ertappt wurde, befindet sich in Hast. Auch der dritte Fall, der sich am selben Tag ereignete, und gleichfalls zu Verhetzungen gegen die .Juden ausgonützt wurde, fand binnen weniger Stunden die natürliche Aufklärung. Der elfjährige Sohn des Bahnhostrafikanten verließ nach einem Streit mit der Mutter das Elternhaus und kam auch bis spät in die Nacht nicht nach Hause. Natürlich hieß es wieder, die Juden hätten den Jungen verschwinden lassen. Aber auch der trotzige Trafttanteu« söhn kam noch i m Laufe der Nacht zu den Elter« zurück. Der Stadthauptmanu von Zenta, Slaw k o M atics, versicherte die bei ihnr evschierrene Abordnung dir Kultusgemeinde, daß die Polizei die Untersuchung zur Ausforschung der Urheber der Ritttalmordhetze in dieser Stadt, in welcher die verschiedenen Natioinalitäten und Konfessionen m ungestörtem Frieden nebeneinander gelebt habeik, mit aller Strenge und Rücksichtslosigkeit durchführen iverde. > _ Sie Mnbahn Ammon-Meon. London, ly. Augtstt. Die palästiueistische Bahnver« ivaltung hat die Bahnstrecke Amman-Meon dein eigenen Vahnnetz ■WVPlfift-m.Vrftf ••-V-rlrry--*fr',?,‘V:‘Y-i‘r*- ,-111i^nlr arf-fftir '■ t «innnTr i enair'ir n«-n r m- «b. < ...