Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2322 (8.8.1925)
- Date
- 1925-08-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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/ Nr. 232Z Wen, G»mßta- Wien, 8. August. * Das Wetter. Gestern begann der Tag trüb. ES heiterte stch jedoch allmählich aus, und der Abend war sommerlich. Die Voraussage. lautet: Vorwiegend heiter, wärmer. * Tod durch grüne Farbe? Am 27. Juli hat der 57jähriste 'Portier Stophan Gsellmann eine Türe seiner Schrekergavteichiüttc inst einer grünen Oelsarbe an.qestrichcn. Es bildete sich an einem Finger der rechten Hand eine Blase, die Gselbmann vorerst mit Hausinitwln behandelte, später aber, als die Wunde immer größer wurde, ließ er sich i-u der Wiener Bezirkskrankenkassc bchandeln. Am 1. d. mußte der Mann, da die Wunde immer schlechter wurde, in die chirurgische Abteilung des Krankenhauses gebracht werden, wo er nach einigen Tagen gestovb-en ist. * Opfer der Berge. Dienstag früh sturste der 32jährige Beamie der Wiener Kreditanstalt Paul Schön e, der mit seiner Braut und drei Begleitern den Grasleitenturn: in den Dolomiten bestieg, in einen ticsen Abgrund und blieb tot liegen. — In der Nähe der Lappenscharte' i-m Stilluptal stürzte der 27-iälhriae Zollbeamte Johann Trauschke aus Innsbruck beim Cdel»veißp>flücken ab u»tü blieb tot liegen. * Basar des Keren Kaiemcth anläßlich des 14. Zionisten» kangresieS. Die KongreßaHion der jüdischen Kansmanuschaf. Wiens geht ihrem Ende «tgegetr. Montag den 10. d. ist der letzte Tag der Basaraknvn. Bis zu diesem Tage sonnen jene ^irrnen, deren Teilnahme noch anssteht, sich an dem Basar durch -Lpenden beteiligen. Spendcnanmcldungen werden cntgegengcnommen: Bureau des Keren Kafemeth, 1. Bez., Karntnerstraste 28, Telephon 77-185, 77-1-80. * Die städtischen Bäder „Alte Donau" und „Krapfen* waldl". Der amt Äführ ende Stadt rat Siegel lnd gestern die Vertreter der Wiener Presse einer Besichtigung der städtischen Bäder „Alte Donau" und „zirapsenwaldl" ein. Das Strandbad „Äbte Donau" liegt in der Nähe des Avbeiterstran'dbades und ist billiger als das Gänse häufol. Eines der am schönsten gelegenen Lust- und Sonnenbäder ist das im Jahre 1923 eröffnet«: Bad ,^iraipfenwaldl". Es bietet dein Be-sucher nicht nur alle Vorteile eines modernen. Ba-debetriobes (Schwimmbassin, Brausen und Turngeräte'), sondern zählt auch infolge seiner hcrvlichcn Lage, die einen Ausblick über ganz Wie,« gestattet, zu einem der reizvollsten Punkte des Wienerwaldes. * Vereinigung der jüdischen Korrespondenten. Die Wiener- Bert roter jüdischer Blätter haben in. einer Mittwoch den (>. d. abgchaltenen Beratimg beschlossen, eine Bereinigung zwecks Vertretung ihrer berufliche«: Interessen zu bilden. Ein provisorisches Komitee, bestehend. aus den Herren 0)1. A. Fuchs, S. Haber, Regierungsrat I. Kreppet und S. Picker, wurde mit der Ausgabe betraut, die vorbereitenden Schritte zu unternehmen. Beitrittserklärungen sind <m den Schriftführer S. -Haber, 2. Bez., Große Mvhrengasse 3B, zu richten. * Aussichten der österreichischen Chemiker. Der Verein österreichischer <A>omiker veröffentlicht in der ,/Ocstcrrcich:schen Ehernilerzeitung" eine Warnung an die Absolventen der allge- «neine«: Ptittelschulen, das Studium der Chemie zu. e-rgreisen, da infolge der trostlosen allgemeinen Lage keine Aarssicht -besteht, daß die fertiger: Ehomi-ter in Oesterreich oder auch tirt ^Auslände eine Stellung erhalten. * Ausfallende Züge. Die General diroktion der Oesterreichischer: BnudesbälMen teilt mit: Wegen dringender Ausbesserungsavbeiten an den Triebwagen -unterbleiben in der: Strecken Zwettl—Schwarzenau—Zlabirrgs bis aus weiteres folgende Züge: T 3918-3921 Zwottl—Schwarzvau und zurück, T 4018-4019 Schwarzenau—Walbkirchen linfo zurück, T 4020* 4021 Schivarzenan—Waidhpfen a. d. Thaya, Zrrg T 3917 Schwarzenau—3U)et'tl Bühne und Kunst. RolandbLhne. Gastspiel Paul Baratoff. Der: JanM Schcpschowitsch in Schalom Asch' ,^D c r Gott Ä c r R a ch e" hat Paul Baratoff in Wien schon gespielt. In der Ursprache. Diesmal war die wuchtige Gestalt des mit Gott hadernden Nutznießers eines Freudenhauses rund herum mit den Bleigewichten einer Sprache behängt, die Baratoff nicht beherrscht und um die er sich auf der Bühne mit rührender, aber seiner Gestättungskunst, ach, gar nicht zuträglicher Behutsamkeit mühte. Dennoch: Sein Jankei -ist im dritten Mt an tragischer Kraft gewachsen, die sich insbesondere in der erschütternden Szene zeigte, da der unglückliche Vater an sein Kind die entscheidende Frage zu richten sich erst nach schtversten Kämpfe«: entschließen kann. Dieses Kind suchte Dolly Markowa zu gestalten. Ihr Mwkele blieb leider blaß, sie war insbesondere in dem letzten großen Austritt nicht zureichend. Es wirkten einige, bedeutende -Künstler mit. Maja S e e r -r n g und Aurel 9! o w o t n Y, 'beide m Haltuirg und Mgske vortrefflich, befleißigten sich eines in diesem Milieu unmöglichen, ans der Effenbach-Zeit der Roland-Bühne ü-bernonnuenen Kaiijargorrs. Alice Lach hingegen, die Feine, künstlerisch Taktvolle, traf, wie immer, den richtigen Tvn. Daß der -den ganzen Meilen Akt hindurch nioderprasselndc Regen den Dialog wegschwenunte und insbesondere mit den zartere«: lyrischen Stelle«: leichtes Spiel hatte, ist weder der Frau Lach, noch ihren Part«:erin>:en anznkreiden. Renata Mord», der verdiente Regisseur des Abends, wird die Störung bei' den Reprisen wohl nicht «nehr dulden. 'Scharf innrissen der Thoraschreibcr (Michael Preiß), -uralt -der Heiratsvevlnittler Max Wittmanns. Paul Baratoff wurde sehr -gefeiert. Auch die Mitwirkenden und der Spielleiter wurderv wiiodecholt gerufen. O. A. Ar Darsteller der MctlKuder Lpernstaglone in Men. Die Mitglieder der in der Vo-liksoper a»n Diens-tag den 11. d. mit Puccinis „Madame Butterfly" beginnenden Opernstagione fnch in Wien emgetrofte-n. Maestro Egilsto Tango hat sofort nach seiner Ankunft mit de«: Prvben begonnen, an de«:e«r gestern bereits Anne Rose-l-lo, die Darstellerin der Butterfly, die in Amerika -als Interpretin der Hauptrollen in Puccinis Opern Triumphe g-sfeiert hat, Eonm:. .Akigi Mo-ntesantv von der Scala in Mailand, der Meister des bd oanto, und Eonun. Giuseppe T a c c a n i, ider de-n 2Ä:jkevtoin spielen wir^^ teihg^wMMeu ^^^en§ - Mrene»» Moraett-elLuna. An Sesltch der hedrNsche» SchrlftftÄ« an den Kongreß. Ans Jerusalem «virö »ns berichtet: Ter Verband der hebräischen Schriftsteller irt Er-ez Israel saikdte an den, Brwgetausschuß des 11. Kongresses eine Denkschrift, die nach ei«:gehe.,ü)er Schilder«n«g der ergeriartig schwierige«: Lage, in der sich die hebräischen Schrift st e l l e r in: Lande be - fi«:den, deren Fordcrnng-e«: in solge>«de«n zusalimiensaßt: Dom hebräischen Schriftstellcr sei die Möglichk-tit za« weiterer«: Schaffe«: durch Gründung eines Berlages zu bieten. Der Verlag hätte die Ausgabe, durch .Herausgabe der ans-ge-ivählten Werke unserer Dichter, ferner von Jahrbüchern, Biertoljah:sschriften u«:d billigen Volksausgäbe«: de«: Berrffs schriststellern ständige literarische Arbeit zu sichern. I«: sozialpolitischer Hiirficht wird gefordert: Die 2chaffn«:g eines Hilssfonds für Schrfftisteller, durch welche«: avbeits-unfähig gewordenen Literate«: eine AlterSpe-ttsion gesichert, ihre Witiven und Waise«: unterstützt. Kranke«nu:te:istütznngen gewährleistet und schließlich in 'Not geratcire«: Schriststellern leicht rückzahlbare Kredite oder Vorschüsse aus ihre z«: ettvartenben Hvlwrare beiwilligt iverden könnlvn. Die Denkschrift schließt mit der Versicherung, daß die hebräischen Schriftsteller in Ere; Israel dem jüdische«: VE den großen literarische«: Fonds schaffen, der das große, geistige und lvirtschafttiche Aufbauwerk fördert, doch feie«: sie hiezu mit leerer: -Händen außerstarrde. Der Bndgetansschnß des Kongresses wolle also im Rahmen des Budgets für Km-l tnrarb c. i t zweita«:so«:d Pfund für den bbcirbczcichireton Zweck answersen, damit di-e Schriftsteller ihre Arbeit bcgi«i«:e:: könn-en. Aus de» Theatern. Burg garten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hvfburgl. Heute. 8 Uhr abends, „T a n n b Luser- Parodie" von Zohan«: N e st r o y, Musik von Karl B i n* der, Dirigent Friedrich G r u b e r. Schönbrunner Schloßtheater. Morgen, zum ersten Male, „Die Glocken von C o r n e v i l l e". Tbeater in der Josef st ad t. Von beute bis Montag die Einakter „A m P o st s ch a l t e t", „D i e S v i el c t" und „E i n H e i r a t s a n t r a g". Dienstag den 11. d. Erstaufführung der dreiaktigen Posse mit Gesang „U n v erhoff t" von Johann N e st r o y. Raimund «Theater. Morgen und täglich „D i e vertagte Nacht". Roland-Bühne. Anläßlich de8 Gastspieles Dr. Paul BaratoffS (Ben-Zwi) gelangt am Freitag den 14. d. „Das Glück" von Karena B r a n f o n zur Erstaufführung. „DerGott der Rache" von Schalom A s ch geht daher nur bis inklusive Donnerstag den 13. d. in Szene. Radioprogiramm. Heute Samstag. 4 bis 6 Uhr: Nachmittagskonzert. Bayer: Schlaraffenwalzer. Strauß: Prinz Methusalem, Ouvertüre. Wagner r Ballade und Spinnerlied. Bizet r Carinen, Phantasie. K. M. Jäger: Da8 Glücksjägerlein. Lied. Obermayer: Der Traum vom alten Weaner. Komzak r Fürs Herz und Gemüt, Potpourri. Stolz r Die gute alte Zeit, Walzer. Strauß : Ich traun:' von dir, Tanzliod auS der Operette „Pusztaliebchen". — 8 Uhr: Operettenauffübrnng: „Ein Dag im Paradies". Musikalische Posse in drei Aufzügen von Leo Stein pnd Bela Jeubach. Musik von Edmund Eysler. —10 Uhr: Heitere Abendmufik (Kapelle Jelinek). Mitteilungen aus dem Publikum. Wieder sn haben! Odg. franz. ZIgareltsnpapler JOB Bureau: Jan David Penner-Bär ' ' Verlobte B'r"nlUtowBk,) Wien, im August 1925 ms neu teioileite _ Caf6 Commerzl II., Hollandstraße 8 ----1 wird Dienstag den 11. August U. eröffne^ ULES-FABRIK 630 I Telephon 69-1-23 Telephon 65-1-29 I H.Knlsbncher& Söhne, Ulfen, l. 1 o'r>'-?w«n"s Tm IXPORT NACH ALLEN STAATEN WOHNUNG mit Wanzen wird erst wohnbar, wenn (U mit einzig radikale Ungezieferveriilaiiiig, deßisibiert ist. Bi»»e» sechs Stunde» auch in mSblirrtr» Wohnung»» ohue SachvesiiMgung 51» . Bollständige Ausrottung samt «tycut!. l. Wiener Reinigungsanstalt „La Generale“ Wien, l.. Hegolgttsso 9 Tel. 7248« u. 72981 8. 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Bavuch Go-Idst<rub itft Hilfsarbeiter, in Wien gcbaren, aber polnrfchcr Staatsbürger. Golüstairb wurde aus Wien aus-g-ewicf-en, ist aber wiederholt immer wieder hicher zurückgekchrt und wurde ertft am 15. Juli d. I. zu drei Wochen st r e n >g e n Arrests wegen uilerlaubter Rückkehr vevurieilt. Vorgestern wurde er albermals in Wien auif-gegriGen und gclstern dem Bezirksrichter Dr. N euöc ck neuerlich wegen Revierfi-on vorgsfühvt. Richter: Sie sind, kaum über die Grenge geischoben, wieder zuvückgekchrt. Sie wissen doch, daß Sie dies nicht tun -dürfen, daß ich Sie jedesiinall strenger strafen mutz. — Anget-l.: Ich bi«: in Wien gelboren, mein ganzes Leben habe ich in Wien zugeb rächt, was soll ich auswärts machen? — Richter: Als Hilfsarbeiter können Sie ja in jedem andere«: Jndnstri-elbezivk in ganz Oesterreich arbeiten, da müsse«: Sie ja nicht nach Wien zuvückkchren. — AngeTll.: In der Provi:H sind btc Arbeitsrnögllichkeite-«: noch viel geringere und ich kann eher hier Arbeit finden. — Rich ter: Sie tverdc«: dadurch von einem Arreft in den anderen kommen. Schaue«: Sic, daß Sie eine AufenthMsbewilligung bekommen, dann könne«: Sie auch hier Arbeit nehmen. Goldstanb, der son-st unbescholten ist und wegen des gleichen Dcli-ktes -bereits drei Bo-rftrafen hat, wurde diesmal zu einem Monat strengen Arrests verurteilt. Das Urteil gegen den Bankier Leinkauf. Gestern nachigs «ourde die Verhandlung gegen den Ban-kgeschälftsbor Richard Leinkauf und dessen Gattin Clisabcch z-n : geführt. Der Erftangeklagte wurde loegeu betrü-gerischer a und Betrages zu 18 Monaten schweren K c rs -verurteilt. Die Untersuchungshaft in der Dauer von Monate«: wurde in die Strafe cin-gerechnet. Elisabeth Leinwllrde -lediglich wegen Mitschuld in einem Faktum be^ gt zu drei Monaten strengen Arrestes mit breiiger BÄv-äjhmwgsifrist verurteilt. Während der Urteilstnng erlitt sie einen Oh n m a ch t s an fall, so daß das il in ihrer Abt^-vrcheit veMiedet tverden umßte. Die a-tbeteiligt-en wurden mit ihren in viele hundert Milv: gehenden Ersatzansprüche«: auf de«: Zivilrechts-; tzerwiesen. Für „gemeines jüdisches Schwein" — fünf Schilling strafe. Der Privatbeamte Stanislaus Manzka war rn vor dem Qberlandesgerichtsrat Dr. W e i ß wegen e nb e-l e i d i g u n g angeKagt, weil cr eine«: ehmna-l-ige«: au-kollegen, Affrod P., zu dein er gekonmwu war, um eine Uigung zur Erlanguna der Ävbeitslofennutevstützung zu lten, welche dioser ihn: a-uszuistelleu nicht in der Lage war, dem Zur-nf „Gemeines jüdisches Schwein" behatt-e. Der Angeklagte gab die beleidigende Aaußernng zu erklärte, 'daß er sich danm-ls in sehr erregtem Zustand been habe. Er sei es gestvefen, der den Klager in die Stel- , gebracht und iihn im Betrieb ein-geführt habe, und als er t dann poftenlos wurde, habe der Kläger sich nicht mir geert, ihm die Bestätigung zu göben, sondern ihn dabei noch -imipft und veöhöhnt, so daß er in seinem Zorn sich zu den impfellde«: Ausdrücke,: hinreißen ließ. Der Richter derilte de«: AngMagten zu fünf Schilling Geldstrafe, tuell zu zwölf Stunden Arrest, für üoelche milde 981064^4