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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-08 · Heft 2322 (8.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2322 (8.8.1925)
Date
1925-08-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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. Seite 4 <to.—...- Dien, SanrStag Miene« Meinen leltuna S. August 1925 Heute 8 Uhr: Dr.Paul Baratoff (Ben-Zwi): ” Gott der Rache Rolandbülme II rer des allgemeinen Misrachi anwesend. Der Zaal ist von Gästen überfüllt. Eröffnet wird die Konferenz durch den jüdischen Deputierten im polnischen Sejm, Dr. Simon F c d e r b u s ch. Er begrüßt die Vertreter des Iung-Misrachi, d«e sich in einer Zeit der ärgsten Not des jüdischen Volkes hier versammelt hätten. Tic Vage des jüdischen Volkes in Osteuropa sei niemals so schwer gewesen wie heute. Zn Polen, Rumänien und R u ß l a n d bestehe die Gefahr des ö k o n o m i f ch e n und g e i st i g e n Zusammenbruches des jüdischen Volkes. Die Emigration aus diesen Ländern sei ein Zeugnis dafür. Die misrachistische Jugend habe sich hier versammelt, um über eine bessere Zukunft des Judentums zu beraten. Das Anwachsen der misrachistischen Jugendbewegung sei nicht mehr zu übersehen. Die Z e i r c - H a m i s r a ch i, Hechaluz- Hamisrachi und H a p o e l H a m i s r a ch i sind in allen Ländern stark verbreitet und zählen 20.000 Mitglieder. Es haben für den H e ch a l u z - H a m i s r a ch i (er zählt 10.000 Ehaluzim, die zur Einwanderung bereitstchen) in Palästina schwere Momente gegeben, die glücklicherweise bereits übcrtvundcn seien. Wir werden uns mit der Lage unserer misrachistischen Arbeiter in Palästina zu beschäftigen haben nnd mit der Vorbereitung unserer Jugend für Palästina. Es sei eine doppelte Vorbereitung nötig, die fachmännische und die g e i st i g e. Die geistige müsse sein die Konstituierung des historischen Judentums auf religiöser Gruudlagc. Air sind ein Teil der z i o n i st i s ch c n Bewegung, haben aber bestimmte Forderungen und zumindest Gleichberechtigung müsse uns gewährt werden. Die allgemeinen ziottistischen Probleme sind ein Teil u it f c v c r P r ob l e m e. Wir haben unsere Klagen, die wir klar Vorbringen tverden. Wir müssen neue Wege finden für das Weiterbleiben im Rahmen der zionistischen Organisation. Die Pflichten des Zionismus lasten auch auf uns. Das Ziel des Misrachi in Erez Israel sei die Fortsetzung des religiösen Judentums. Das religiöse Judentum habe aufgehört, passiv zu sein. Die Orthodoxie verlange ihr Recht. Das religiöse Judentum stehe vor schweren Aufgaben. Es folgen persönliche Begrüßungen von Rabbi Gold (Misrachi, Tel-Awiw), B. Iah r (Misrachi, Wien), R a bb i ii c t Kaminka (Wien, Maimonides-Jnstitut), Dr. I. K l a b e r (Jugendreferent des Zionistischen Landeskomitees). Prof. P i ck (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien) hat ein Begrüßungsschreiben geschickt. F e d e r b u s ch spricht Worte des Gedenkens für den verstorbenen polnisch-jüdischen Senator Kowalski. Die gestern stattgefundene Vormittagssitzung eröffnet F e d c r b u s ch und verliest verschiedene eingetroffene Begrüßungen. Es begrüßen noch persönlich Rabbi Fi schul amt für die Misrachi-Weltzentrale, Rabbi Beerm a n im Namen der Misrachi von Palästina und L i p s ch i tz im Namen des Aufsichtsrates des misrachistischen Schulwesens in Palästina. Nach der Wahl des Präsidiums wird beraten, ob der Vertreter jener Gruppe des Hapoel-Hamisrachi, die sich der Allgemeinen Arbeiterorganisation Palästinas angeschlossen habe, in der Konferenz stimmberechtigt sei. Es wird nach längerer Debatte beschlossen, ihm Beratungsrecht zu gewähren. Nach den Berichten über die Tätigkeit der einzelnen Landesorganisationen wird die Sitzung geschlossen. Der 14. Ziomflenkongreß. Die Delegiertenwahlen. Am Donnerstag haben in Wien und in den Ländern die Delegiertenwahlen zum 14. Zioilvstenkongreß stattgefuudeu. Wie bvkannt, standen vier Listen zur Wahl. Das Skrutinium wird Montag um 6 Uhr nachmittags vorgenommen werden, .da die Teilrejultate aus den Provinzstädten noch nicht vorliegeil. Die Gekanutgabr des Endergebnisses wird am Dieuslag in der „Wiener Morgenzeitung" erfolgen. Das Skrutinium findet inr zionistischen Bureau, 1. Be;., Kärntnevstraße 28, statt. Die Mitglieder der H a u p t w a h l k o m m i s,s i o n werden ersucht, pünktlich und zuverlässig zu erscheinen. Die 4. Weltkonferrnz der Hitachduth. Aus Ersuchen eines großen Teiles der Delegierten, die llichr rechtzeitig eiutreffen tonnten, wird die Well'konsereuz der Arbeitsparteir Hitachduth um einen Tag verschoben. Die Eröffnungssitzung fittbet daher am Sonntag den 9. d. um 8 Uhr abends Holländersaal (Koirzevthaus) statt. Hellte um 8 Uhr abends findet eine Sitzung des Waad Pocl der Hidachdnlh statt, zu der nur die Delegierten Zutritt haben. MchsenausstellungsaMon der Keren Kajemeth Wie bereits berichtet, stellt die Aktion den ersten Schr tt zur Erweiterung ullseres Büchsennetzes dar. Wir wolle,: tu jedem jüdischen Haufe eine Büchse aubriugen, sie soll das Symbol der Zugehörigkeit zom Lebendigen Judentum tmb des Verbündensems mit Erez Israel tverden. Diese Mion erstreckt sich diesmal auf die Bezirke 1, 2 und 20. Sie wird in der Zeit vonr 26. bis 80. Augltst durchgeführt werden. Es häben sich für diese Aktion sowohl ErNvachseu« als auch bic Jugend zur Verfügung gestellt, die Erivachsenen nicht nur zur LoitmttZ der Spreilgelbilreaus, sondern auch zur Aufstellung der Büchsen. Als Borarboit «für diese Aktion wurde durch unser Bu> Wau und unsere sroiwilligen MstaMiter uMne AdpEvlkartothek neu angelegt, wobei die Leistungen der anderen >;tonisttschell Institutionen (Keren Hajessod. „Morgenzeitung", Sektion) voll berücksichtigt wurden. Als Steuerung statuieren wir den Grundsatz, daß für jede ,l«u ausgestellte Büchse un'eren Mitarbeitern der Betrag voil drei Schillm-g auf ihr Kon tiitgent (Selbstkoiltingent) gutgeschrieben wird. Hierdurch wollen wir dc,l hohen Wert (sowohl ben materiellen als auch den moralischen) dieser Arbeit besonders hcrvorheben. Herbert Samuel abgerelft. Rach JglS in Tirol. Der gewesene Ober komm issär von Palästina, Sir Herbert Samuel, der am 81. Juli zu Schiff in Wien eintraf,;st Mittwoch abends ilach fünftägigem Aufenthalt von hier abgereist. Der Oberkonrulissär hat sich mit seiner Famiilie nach I g l s hi Tirol begeben. Ser Mord am Praterstern. Das Leichenbegängnis Mohapls heute um halb 4 Uhr nachmittags. Wie bereits angcküudigt, fmbet heute um halb 4 Uhr das Leichenbegängnis des am vorigen Samstag von dem' Zuhälter Seidl erstochenen Turners Josef Mohapl statt. Der Zug wird sich, wie gemeldet, von der Davwiugasse bis zum 'S ch w a r ze n d e r g p l a tz delvegcn. Au der Feier werden die christlichsozialen und völkischen Verbände teilnähmen. Die Veranstalter häben die Zusicherung für den ruhigen Verlauf der Leichenfeier gegeben. Die Polizei T>at die umfassendsten V o r bereit u n g e n getroffen. Eine Anfrage im Bundesrat. Der christlichsoziale Bnndesrat Dr. H e m a l a brachte gestern im Bundcsrat eitle Anfrage an den Bundeskanzler ein, die sich mit den ji'mgsten Vorfällen a u f d e m Praterstern besaßt. In der Anfrage heißt es u. a.: Nur die Einkehr und Selbstbesinnung auf allen Seiten kann da Wandel schaffen. Nur dann, wenn bei allen politischen Richtungen das ehrliche Bestreben vorhanden ist, die Gesiummg des Nächsten nicht anzutasten und ihn in der Ausübuttg seiner staatsbürgerlichen Rechte in keiner Weise zu behindern, kann eine Wiederholung der traurigen Vorfälle der letzten Tage verhindert werden. Der Regierung fällt dabei eine führende und vermittelnde Aufgabe zu. Der Kanzler wird gefragt, ob er gewillt sei, Berhandln ngen mit allen politischen Parteien dahingehend einzuleiten, daß alle Selb st schütz formationen gleichzeitig aufg «löst werden und der Schutz der verfassnirgsmäßigen Rechte nur jenen Faktoren überlasten bleibt, die durch die Verfassung dazu beistimmt sind? Hakenkreuz-Schwindel. Gefälschte jüdische Erklärungen. Atc vieleil Straßenecken, Straßenbahninasten und Laternenpfählen in der ganzen Stadt wurden gestern Zettel mit dem folgenden Wortlaut angebracht: Sokoln! Der Ziomstentongretz mutz uns der, einigt sehen! Auf MM Kampf der unterdrückten Minderheiten! Jüdischer Nationalrat,. Bureau Wien * Ihr blöden Christen, dreckige Arier. Seid gut als Arbeiter, als Proletarier! Kerem K'-ajvmeth. Diese Zattel sind natürlich falsch. Das WochetMatt der Hakenkrvnzlcr tvnrde gostern wogen eines Leitartikels, „Der Christenpogram", konfiszierte Auf dom MaricrhÄfergürtel kam cs zu einer Kratvallszctte, Äs ein Kotporteur die befchlagnahmten Blätter dem intervenierenden Wachntantl nicht ansfolgen tvollte. Der Kolporteur wurde verhaftet. Grober Sinbrnch in einer Villa in Sriazing. Gefiertl nachts wurde in der Villa der Frau Emma Lemberger in der Grinzinger Allee ein frecher Einbruch wahrscheinlich von Personen verübt, die mit den örtlichen Verhältnissen genau vertraut gewesen sind. Die Billa ist gegenwätig vpn Frau Lemberger, ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn bewohnt, die heute in die Sommerfrische abzureisen gedachten. Die Täter drangen durch beu Garten ins Haus und gelangtet! in das Speisezimmer. Dort nahmen sie viel Silberzeug, uamenilich solches von AilterwinAverl. Sie suchten auch ein Zimmer auf, neben welchem Frau Lemberger schlief. Die offene Berbiudungstür schlossen die Diebe, um ungestört Weiterarbeiten zu können. Frau Lemberger hörte weder das Schließen noch die Arbeit der Täter, die mit ihrer Beute auf dom gleichen Wege zurückkehrtet,. Die gestohlenen Gegenstände dürften einen Wert von mehr als 2 0.000 Schilling haben.. Ein.. Pol: re ihund wurde an den Tatort gebracht und nahm die Witter Wna auj. Ae Wische Smigratiaarkonfenaz I« verlin. Berlin, 7. August. (I. T. A.) Die Eröffnung der zweiten jüdischen EmigrationSkonferenz findet am Sonntag, 11 Uhr vormittags, int Sitzungssaal der Repräseutantenvcrsainmlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oramenburgerstraßc 30, statt. Mehrere Delegierte sind bereits zur Teilnahme in Berlin eingetroffen. Set Freund des ßmir Fahfal. Thomas Lawrence, der ungekrönte König von Arabien. Ais im Jahre 1914 der Weltkrieg artsbrach, saß in Oxford ein jungerDoktorder orientalischen Sprachen, der den Ehrgeiz hatte, Dozent zu werden, tief vergraben in sciueu Büchern utld Ddanuskripten. Bor kürzet» erst war er aus Arabien zuvückgekehrt, tvo er an Ort und Stelle die Dialekte der Eingeborenen studiert hatte, ,und ivar jetzt drauf und dran, ein mächtig gelehrtes Werk über die Ergebnisse seiner Studienreise zu verfassen. Dem Beispiel seiner Freunde folgend, meldete er sich zlvar freiwillig zum Eintritt in die Kitchener-Armee, war aber nicht weiter böse darüber, daß er als untauglich zum Kriegsdienst zurückgewiesen wurde. So setzte er sich denn wieder an seinen Schreibtisch und blieb die nächstett vier Jahre, fleißig seine Manuskripte wälzend, an ihm sitzet!, genauer gesagt: drei «Jahre -und sieben Monate. Denn als vier Jahre nm >waren, zog er an der Spitze einer siegreichen Arm« in Damaskus ein. Als nämlich der orientalische Kriegsschauplatz immer wichtiger geworden tvar und das britische Hauptquartier in Kairo dringend landeskundige Mitarbeiter benötigte, berief es den jungen Gelehrten znr Leitung der in Kairo eingerichteten Dölme t s ch e r s ch u l e. Doch Thomas Edward Lawrence, so hieß er, hatte keine Lust, lange in Kairo zu sitzen. Eines Tages verschwattd er spurlos und wachte sich auf den Weg i n 's H e r z d e r W ü st e, wo er seinen .Freund, den Emir Faysal, aufsuchte und in Gemeinschaft mit ihm eine irreguläre Be-duinentruppe auifstellte, um dann auf eigene Faust Krieg gegen die Türket! zu führen. Heute ist Thomas Wtward Lawrence eitler der ein-. flußreichsten Mäitner des britischen Weltreiches, und nicht mit Unrecht wird er der ungekrönte.König von A r a b i e n genannt, .denn seine Stimme hat entscheidendes Gewicht in allen Fragen, die die britische Politik im nahen Osten betreffen. Obzwar er nur von mittelgroßer Gestalt ist, ist ihm, namentlich wenn er die orientalische Tracht anlegt, tatsächlich etwas Majestätisches eigen. Einer seiner Biographen — denn der zu Begintl des großen Bölkervingetts knapp Fünfundzwanzigjährige hat bereits eine ganze Reihe von lbiographischen Veröffentlichungen veranlaßt — schreibt über ihn: „Als ich Lawrence zun: erstenmal 'sah, erschien er mir wie ein j u n g e r A P o st e l, der durch ein Wunder Gottes wieder zum Lebert auferweckt worden ist. Sein Ausdruck war ernst, fast heilig, und atmete die denkbar größte Selbstlosigkeit.und Ruhe. In den St r a ß en von Jerusalem fällt nicht so leicht jemand auf. Aber tvenn dieser seltsame Mensch, gekleidet in die königlichen Gewänder der biblischen Zeitläufte, sich gelgentlich in der Heiligen Stadt zeigt, so. bleibt alles stehen und blickt ihm ehrfürchtig nach. Lawrence ist der Sohn eines irischen Landwirt e s, der sich, nachdem er um Haus und Hof gekomuren war, in Wales ansiedelte. Hier, unweit von dem Geburtsorte Lloyd Georges, erblickte Lawrence das Dicht der Welt. Ausgewachsen ist er jedoch teils in Jersex, teils in Schottland, denn den Vater verfolgte überall das Unglück und zwang ihn ftefe wieder zu neuen Experimenten in neuen Umgeibungien. Um wenigstens für den Sohn stetigere Verhältnisse zu ermöglichen, erwirkte, er seine Aufnahme in ei» französisches Jesuitenkloster. Hier blieb Lawrence bis zur Absolvierung der Gymnasialjahre, um dann die Universität Oxford zu besuchen. Die kriegerischen Operationen, die er gegen die Türken durchführte, beruhten in der ersten Zeit gänzlich auf den Grundsätzen des Guerillakrieges. Mt Vorliebe störte er durch plötzliche Handstreiche, die er >bald da, ba,Id dort unternahm, den türkischen EisenbahMenst. «In der: wenigen Monaten, die er aus dem Kriogspfade verbrachte, sprengte er 57 Eisenbahnbrücken in die Lust, abgesehen von zahlreichen ■ Lokomotiven und Waggons. Daneben betätigte sich Latvrence mit dem denkbar größten Erfolg als Spion. Hierbei verstand er es, die P a l ä st r n aarmee von Lord Allenby und die Streitkräfte Faysals so gut zu informieren, daß der entscheidende Stoß an den schwächsten Punkten der türkischen Front angesetzt tverden konnte. Geradezu unschätzbare Dienste leistete Lawrence, der es ittzwischen zum Obersten gebracht hatte, seinem Lande, als es später galt, die Ergebnisse des Waffensieges politisch und diplomatisch auszuwerten. In eingeweihten Kreisen gilt «L als sicher, daß ihm, so erfo^- reich auch sein Leben bisher war, noch eine nnvergleichlich größere Zukunft bevovstcht. * Der Ritualmordprozeß von Tisza-Eszlar, der vor mehr aD vierzig Jahren gattz Europa in Spannung hielt, wird in einer in der Wochetrschrist „Das Tribunal" erscheinenden hochittteressautet! Artikelserie wiodergege'betl. Der Degm» dieser satzveihe gelaugte bereits M tzer 5. d. evschlmettrn mx 08 m BtesüiffUiMm», ■>' ' .'

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