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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-08 · Heft 2322 (8.8.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2322 (8.8.1925)
Date
1925-08-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Men, SamMg Kr. ASS Wiener MoEnzertuna. Lukomski als zeuge. Ser Lemberg« Prozeß. (Vgendienst der „Wiener Morgenzeitung-.) Lemberg, 6. August. Das Verhör des nächsten Zellgen, des Polizeiinspektors Broirislaw Lukomski, gestaltete sich infolge der Hinterhältigkeit -und des Zynismus des Zeugen für die Aufklärung des Prozeßfalles nicht sehr ergiebig. Die Verteidigung bemüht sich, durch die Fragestellung an den Zeugen diesen zu einer offenen Aussage zu zwingen, doch tverden die Fragen vom Vorsitzenden zum größten Teilt nicht zugelassen. Als der Verteidiger Dr. Landau auf Grund der Akten auf die entscheidenden Widersprüche zwischen den Aussagen des Zeugen vor dem Untersuchungsrichter und seinen jetzigen Angaben htniweiist, antwortet Lukomski, daß es sich offenbar um einen „Lapsus linguae" f ndle. Auf den Vorwurf, warum er die Mitteilungen dcs Münz, die geeignet gewesen wären, den Nachforschllllgen zur Feststellung des Attentäters eine Wendung zu geben, die zum Zielte hätte führen können, erst nach vier Wochen weitergegeben habe, erwidert der Zeuge lächelnd, daß er die Mitteilung des Miinz für einen „jüdischen Trick" angesehen habe und daß übrigens in jedem Amt Schla mpereien und Unregelmäßigkeiten Vorkommen können/ Interessant ist auch die Erklärung Lukomskis, daß er die ganze Angelegenheit ^deshalb so behandelt habe, weil er sich dagegen gesträubt habe, daß ihm die Untersuchung über das Attentat gegen den Staatspräsidenten übertragen Vierde, sie wurde ihm jedoch gegen seinenWillen aufgehalst. ,/Die Geschichte mit Mikitin habe ich immer für einen Trick gehalten." Hierauf unterbricht der Vorsitzende die Verhandlung, die vertagt wurde. Botwl« verurtM und hiugerichtet. Lemberg, 6. August. Heute vormittags wurde in dem standgerichtlichen Prozeß gegen den Mörder des Polizeikonfidenten Cechnowski, den Kommunisten Botwin, -das Urteil gefällt. Der Angeklagte wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Da der Präsident der Republik das von der Verteidigung eingebrachte Gnadettgesuch abgelehnt hat, wurde das Urteil heute mittags vollstreck t. tzrmorduns ein« russischen Kommandanten. Moskau, 7. August. (Rufs. Tel.-Ag.) Der Befehlshaber des moldauischen Kavalleriekorps Kattowsk y ist heute nachts 30 Kilometer von Odessa ermordet worden. Bundesrates, der unnütz sei und nur viel Geld koste. Die Einsprüche, fiir die sich nur die Antragsteller erhoben, wurden schließlich mit Hilfe der Sozialdemokraten, die sich gestern gründlich ausschwiegen, abgelehnt und die Berfassun-gs- und Finanzreform genehmigt. Ile SdrkawerAchernng der Privatangeftevteu. j Der Unterausschuß des Nationalrates, der nult schon eineinhalb Jahre über das Angestelltenvevsicherungsgosetz berät, hat seine Arbeiten beendet und versendet seinen Bericht, der auf den ersten Blick zeigt, daß der ursprüngliche Regierungsentwurf durchwegs u nt gearbeitet wurde. Die wichtigsten Aenderungen sind die folgenden: die Penstonsanstalt übernimmt nunmehr auch die Versicherung gegen Unfall. Die Krankenversicherung wird im Verhältnis zum heutigen Zustande sehr erweitert. Während nach dem Negierungsentwurf während der ersten sechs Wochen kein Krankengeld gezahlt werden sollte, soll in Hinkunft während der ersten zwei Krankheitswochen kein Krankengeld, in den folgenden vier Wochen die Hälfte bezahlt werden und dann nach sechs Wochen der Vollbezug des Krankengeldes eintreten. Me Stellen losen Unterstützung wird in .Hinkunft für Familienerhalter höchstens vier, für andere Stellenlose höchstens drei Schilling täglich betragen. In der Pensionsvevsicherung wurde die Bemossungsgrundlage von 150 auf 300 Schilling erhöht. Die Bereitstellung der Mittel für die Angestelltenvevsicherung soll in der Weife erfolgen, daß der Dienstgeber und der Versicherte zusammen 12 Prozent der Gehaltssumme für die gesamte Versicherung abliefern. zimmermam 31. Bericht. Die Monatsberichte des Generalkommissärs werden kinmer wortkarger. Der diesmalige, der die Zeit vom 15. Juni bis 16. Juli umfaßt, führt unter anderem aus, daß die Zahl der abgebauten Buudesangesteilten nunmehr 76.28 7 beträgt. Einem von der Regierung vorgebrachten Wunsche gemäß fügt der Generavkommissär hinzu, daß die Pevsonallasten auch auf andere Weife als durch Verringerung der Zahl der im gewöhnlichen Dienst befindlichen Angestellten vermindert werden können. Auf diese Weise scheine die Herabsetzung der Arbeitsstunden der im Stundenlohn angestellten Personen gewisse Ersparungen hevbeigeführt zu haben. In der letzten Zeit hat Dr. Zimmermatt 13 M i l l i o n e n S ch i I l i n g für produktive Investitionen freigegeben, und die Freigabe weiterer 4,5 Millionen Schilling in Aussicht genommen. Der Aule iherest betrug am 30. Juni 40,896.000 DoIlar. Werden die Jnvestitionsauslagen von der Ausgabenwirtschaft in Abzug gebracht, so würde die Staatswirtschaft in den ersten sieben Monaten des Jahres mit einem Ueber schuß von 8,41 Mill i o n Sch illing buchmäßig schließen. Der Index der Großhandelspreise hat sich im Berichts-Monat auf 19.685 gegen 20.364 gesenkt, der Bövsenindex von 1019 auf 1125 erhöht. Letzte Kurse. New-Aorker Devisen. New-Nork, 7. August. (Tel.-Korgp.) Berlin 33.60. London Kabel 4.85'a/<<„ London Scheck 4.61V», Amsterdam 40.19, Paris 4.68»/., Brüssel 4.51, Nom 3.58V., Madrid 14.41, Zürich 19.43. Stockholm 26.88, Oslo 18.40, Kopenhagen 22.78, Wien 0.14, Budapest 0.14, Prag 2.96, Belgrad 1.79»/„ Athen 166, Buenos Aires 40Vi«, Rio de Janeiro 12.—, Bukarest 0.51'/,. Amerikanische Getreidemiirkte. New-Vorü» 7. August. (Tel.-Komv.) Weizen rot Winter 175V,. Weizen hart Winter 184V„ Mais 131, Hafer 61»/». Roggen 118', 4. Ehikago, 7. August. (Tel.-Komp.) Weizen per September 166V», Dezember 164'/,. Mai 164'/,; Mais per September 105, Dezember 87'/«, Mai 89V.; Hafer per September 42*/«, Dezember 45V». Mai 48'/,; Roggen per September 106»/.. Dezember 110'/«. Mai 115. Ae jüdische Position in 8rez Israel. Aus einem Gespräch mit Ben Zwi. Herr Ben Zwi, einer der Führer der palästinensischen Arbeiter und Präsidialmitglied des Waab-L-eumi /Jüdischer Nationalrat) äußerte sich in einer Unterredung mit einem unserer Mitarbeiter: Unbeschadet der parteipolitischen Differenzierung der jüdischen Arbeiter in Palästina vereinigen sie sich zu gemeinsamer Interessenvertretung in der H-ista-druth haklalith, ibcr allgemeinen Arbeiterorganisation. Außerhalb dieser steht nur noch ein kleiner Flügel der orthodoxen Arbeiter, deren größerer Teil unter Wahrung der religiösen und kulturellen Eigenart uns -bereits angeschlossen ist, sowie ein Häuflein Kommunisten, die wir aus der Organisation ausgeschlossen haben, nachdem sie ganz offenkundig das gesamte jüdische Ausbau- Werk int Lande, -das rein genossenschaftliche mit inbegriffen, systentatisch zu untergraben suchten. Sehr bedeutsam in politischer Beziehung ist die allmähliche U e b e r b r ü ck u ar g der G -e g e n s ä tz e z w ischen Juden und Arabern durch die beiderseitige Förderung realer Gem-eininteressen, wie sie von den jüdischen Arbeitern systematisch und keineswegs orfolgl-os angebahnt wird. Besonders weit ist dieser Prozeß bei den Eisenbahnern gediehen, deren Gewerkschaft — ein Teil unserer allgemeinen Arbeiterorganisation — derzeit zirka 300 jüdische und 200 arabische Arbeiter umfaßt. Wir suchen aber auch den arabischen Arbeitern in kulturelle r P e z i e h u n g Neues zu bieten, ebenso wie wir es bei jüdischen Arbeitern tun. Deshalb unterstützen wir auch die arabische Arbeiterzeitung „Jttihad-Gl-Umal", die zweiwöchentlich erscheint und im erfreulichen Wachstum begriffen ist. Als selbstverständlich gilt e's den jüdischen Arbeitern Palästinas, daß die a-llg emeine Stärku ng der jüdischen Positionen i m L a n d e eine -von ihrer sonstigen Tätigkeit nicht loszttWsendc Aufgabe ist. Die Nolle der Arbeiterschaft als eigentlichen Trägers der Hebräisierung ist allgemein bekannt. In den Arbeitorsiedlungen und -«Genossenschaften tverden ja die Einwanderer am -besten in die auf erhöhter Produktivität und vertiefter Nationalgesinnung «beruhende Atmosphäre des netten Jischuw eingelfügt, derett äußeres Symbol der Ueb-ergang zum lebenden Hebräisch bildet. Ich kenne auch mehrere Fälle, 'da sogar Arbeiter, die aus der Galuth mit einer positiv-ideologischen Einstellung zum Jiddisch gekommen sind, nach einigem Aufenthalt unter den Arbeitern Palästinas zu überzeugten Hebraisten tvttrdett. U-ebrigens betreiben wir die Hebräisievung der Einwanderer keinesweg's im Wege von WeltanschanungSkämpfen. Das Leben gestaltet die Umwandlung viel einfacher und schmerzloser: der eingowanderte Arbeiter kann sich nicht isolieren, gewinnt Anschluß an die Gesamtheit, -muß also Hebräisch erlernen und sprechen — und ist -das Problem des Hebräischen schon gelöst. -Was davon übrig bleibt, ist eine rein akademische Frage, deren Erörterung gegenstandslos wird, wenn man die Argumente gegen hebräisch -im lebenden, fließenden Hebräisch vorbringt. Iluch die vollständige Vereinheitlichung d e r gesamten jüdischen Bevölkerung Palästinas ist eine Aufgabe, der sich die Arbeiterparteien rrnablässig widmen. In diesem Sinne wirkten wir stets als Vorkämpfer für die Bildung einheitlicher Gemeinden und des Waad Lenmi. Gegenwärtig mußte diese Arbeit, die schon bis zur Ausschreibung von Wahlert für die Na ti ona'lversa miniu ng gediehen Ivar, ins Stocken geraten. Alle technischen Vorbereitungen 'waren bereits getroffen, ein Wählerverzeichnis -von 55.000 Personen angelegt, als der orthodoxe Flüge l aus dem Nationalrat infolge des Beschlusses der Verleihung des Wahlrechtes a tt Frauen anszo-g. Indessen erhellt aus einer bei jener Gelegenheit abgegebenen Erklärung de's Misrachi- Führers, Rabbiner Ostrowskh, daß „diese Angelegenheit für den Misrachi e i n e pol i t i sch e. keine religiöse" , p. August 1925 Seite F 0770 0770 Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe ich mieh in Berlin niedergelassen und behandle In dem ärztlich geleiteten Tel. Bi«m. 3030 G. m. b. H. Tel. Bism. 3635 Berlin, Kurf (Intendant tn 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewiesenen Erfolgen selbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wie: Gemüts-Leiden Spracb-Lelden Sexu&lstflrungen Mehlas / Neuralgie Neurosen Nervöse Kopffdimerzen Lähmungen usw. Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10—1 Uhr Meine Broschüre »Die Heilung der Seele" 1094 ist zum Preise von M. 2— bei obiger Adresse beziehbar sei. Die Gruppen des Zentrums (bürgerliche Zionisten, Bauern usw.) halben sich unter diesen Umständen für eine Verschiebung der Wahlen um drei Monate eingesetzt.'Die größte Arbeiterpartei int Lande, die AchduH-iHaawodah, hat auch im Zusammenhänge dam-it ihren Vertreter aus dem Präsidium des Waad Lenmi abberufen. Jedenfalls wird sich der Gedanke der einheitlichen Repräsentanz der Palästinenser Juden durchsetzen müssen, und ein willkürliches Austreten einer Minovitätsgrnppe ist als höchst unzulässig zu rückz-u weisen. Der Misrachi ist übrigens bereits mit dem Vorschläge hervorgetreten, den Konfliktstoff — das Frauenwahlrecht — d urch ein Refere nd u nt entscheiden zu lassett, was als günstiges Omen für zukünftige Verhandlungen aufgeisaßt werden kann. Die Politische Situation im Lande kann uns nach wie vor nicht vollständig befriedigett. Es kann der Exekutive der Vorwurf nicht erspart bleiben, daß sie nur in ungenügendem Maße den Wünschen und Bedürfnissen des Jischuw Rechnung getragen -hat. Vor einigen Jahren war die jüdische Bevölkerung in strikte O p P o s i t i o n zur Regierung getreten, doch wurde diese Stimmung von der Exekutive nicht unterstützt. Schließlich mußte die Kraft des Jischuw, der ja immer wieder vor ökonomische Fragen gestellt wurde, erlahmen, eine dauernde Opposition konnte in Anbetracht der realen, ihrer Lösung harrenden Tage'sfragen nicht ausrechterhalten bleiben, und jetzt orientiert sich die überwiegende Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung nach der Richtung w i r t s ch a fll i ch e r E r w ä g un g e n. Selbstr-edend sucht die nationale Ve-rtretung, der Waad Lenmi, die berechtigten nationalen Forderungen durchgusetzett. Seit Jahren tritt sie für die Ue'bergabe unbebauter R e g i e r u n tz s l ä n d e r e i e n an die jüdi-- schen Einwanderer, für ein gerechtes Staatsbürgerschaistsgefeß, für die Regelung der Gemeinden ein, jedoch mit keinem nennenswerten Erfolge. Der Kongreß dürfte eine stärkere Betonumig der Interessen des Jischuw in der zionistischen -Bewegung mit sich bringen, was vor allem durch Hinzuziehung von Vertretern des Waad Leu-mi zur Jerusale-mE Exekutive erreicht wevden könnte. Die sephardische Wclttonferenz. Das vorbereitende Komitee des Weltkongresses der sephardisch-en Juden in Jerusalem hat seinen Sekretär, Herrn M-oreno Levy, nach Wien vorausgeschickt, um die Vorarbeiten s-ür die Weltkonferenz zu beschleunigen und -zu vervollkommnet!. Er ist i-m Hotel Eontinental, 2. Gez., Praterstraße, abgestiegen. Mitte nächster Woche werden in Wien die Delegierten >des Komitees, die Delegierten der Organisation llhalnze Amisrach wwie eine Anzchl a-ngeschener Scphavden aus -Palästim' ein treffen. Das Wiener vorbereitende Komitee, -welches bis zur Ankunft -der Herren aus Jernsalsm -diese vertritt, hält täglich im Klub Union Espanola, Hotel Kontinental, Sitzungen ab, um di-r Delegierten der Weltkonserenz würdig zu empfangen und u-m die Organlsa-tionsarbeiten der Weltkonserenz durchzusühren. Die Vorbereitungen sind schon dem Abschlüsse nahe. Es werden am Sonntag den 9. d. zwei Kanzleien im Hotel Koittinemal eröffnet werden, und zwar: Nr. 1 ftir das Sekretariat der Kon», serentz und Nr. 2 für den Parteienverkehr (Empfangsstunden von 9 bis 12 -Uhr und von 2 bis 5 Uhr). Die feierliche Eröffnung der Weltkonferenz findet m der Synagoge der hiesigen sephar-dischen Gemeinde, 2. Bez., Zirkusgasse 32, ant Samstag den 16. d. um 8 Uhr abends statt. Die Weltkonserertz toird vorn 16. bis 18. d. im Akadvntischett Gymnasium, 1. Bez., Beechovetrplatz 1, 2. Stock (Saal Ar Naturgeschichte), abgchälten werden. Das Wiener iKontitee hat für -die Bequemlichkeit der Delogierten -bestens -gesorgt. Es steht in stärldiger äußerst freundschaftlicher Verbindung -mit -dem Brtreau des Zionisteukongresses, welches -sich bentüht, das Komitee nach Krästett zu tmterst-ützen. Es -liegt daher int Interesse aller Delegierten der Weltkonferenz, sich sofort bei ihrer Anku-n-ft in Wien in der Kanzler Nr. 2 zu melden, wo man -ihnen in jeder Hinsicht entgegenkommen wird. Re Iugenbverbände des Misrachi. Weltkonferenz der Zelre-, Hechnluz- und Hapoel-Hmnisrachr. Vorgestern abends tvnrde im Festfaal des „Reichshof" die Weltkonserenz der I tt n g - At i s r a ch i eröffnet. Es sind bis jetzt 35 Delegierte aus Palästina (14), Deutschland. Tschechoslowakei, Rumänien, Polen, Oesterreich und Saloniki angekommen. Zur Begrüßung dieser Konferenz der inisrachMMir Jugendbewequqg sind einige markante Fäh--.

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