Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2321 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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>SK. WM ©feit, ’gtOUff__ ... ii "I ■ ..1 *" ' .* ES wurden dann noch verschiedene Begrüßungen sqzia- Lfftisther Parteien verlesen. Kaplausky erstattete dann den Bericht über die politische Tätigkeit, über die Unterstützung der Läbour Pavty bei den Parlatnentswahlen, über die ökonomischen Forderungen, die der Arbeiterregierung bezüglich Palästinas vorgelegt wurden, über die Informationen, die der britischen Arbeiterparlamentsfraktion gegeben wurden, lind konstatiert, daß diese wichtigen Arbeiten erschwert wurden durch den Mangel an finanziellen Mitteln. Schlich der Sitzung 7 Uhr. Allgemeine französische Nationalsondrkonferenz. Paris, 5. August. Vertreter des Nationalfonds in Frankreich und anderere französisch sprechenden Ländern (einschließlich Novdafvikas) versannnelten sich dieser Tage in einer besonderen Konferenz in Angelegenheiten dieses Fonds. Herr B l n m - B r i s s a c leitete die Versammlung, die in einem Telegramm an Herrn Us'sischkin versicherte, daß die Delegierten entschlossen seien, in Zukunft mit verdoppelter Energie für die Erlösung des Bodens zu arbeiten. _ Sie marokkanischen Juden für krez Israel. In T ein an (Spa nisch-Marokko) wurde ein großes Fest zugunsten des Keren Kajemeth veranstaltet, an dem die gesamte Bevölkerung teilnahm. lieber 95 Pfund wurden 'für diese „erhabene.Institution" gesammelt, wie es in dem Briese Hecht, mit den: das Ergebnis nach Jerusalem überwiesen wurde. Ae Wahlen in der Tschechoslowakei. Prag, 6. August. Wie die „Bohemia" von gut unterlichte ter Seite erfährt, werden die Neuwahlen für das Abgeordnetenhaus S o n n t a g d c n 13. November stattfinden. Von derselben Seite erfährt. das Blatt, daß auch S e n a t s n e u w a h l e n stattfinden sollen, die eine Woche nach den AbgeordnetonhauAwahlen, also am 22. November, vor sich geherd ivürden. An Stelle Stribrrry 's, der int Fünserausschuß die tschechischen Sozialisten vertrat, aber nach seiner Demission auch aus dem FünserauAschuß austrat, soll, wie die tschechischen Blätter melden, A u ß e n m i n i st erDr. Bene s ch in den Fünferausschuß eintreten. Jüdischer Protest gegen den Wnhlreforrnentwnrs. Preßburg, 6. August. Das Zentralwah'lkoimitee der jüdischen Partei in der Slowakei hat am 2. d. in Trenczin-Teplitz eine Sitzung albgeihalten. Es wurde beschlossen, gegen den geplanten Entwurf der Wahlrechtsreform aus das schärfste zu protestieren, weil er die elementarsten Rechte des Individuums, sich einer seiner Ueberzeugung entsprechenden politischen Gemeinschaft anzuschließen, unmöglich nmcht und die Vertretung von weit über hunderttausend das Wahlrecht besitzenden Bürger verhindert. Die «jüdische Partei in der Slowakei «wendet: sich an die SchwesterorgaNlsationen in den historischen Ländern und KarPathorußlaNd, sich diesem Protest anzuschließen. Die jüdische Partei erwartet von dem Gerechtigkeitssinn des Präsidenten T. G. M a s a r y k sowie ijptt der Volksvertretung, daß die geplante Wahlgesetznovelle in dem Sinne modifiziert werde, daß die Freiheit des Meinungsansdruckes einer so großen Partei wie der jüdischen Partei Nicht beeinträchtigt werde. Das Zentralkomitee beschloß ferner, bei den bevorstehenden Wahlen als jüdische Partei auf Basis des bekannten Programms in den Wahlkampf einzutreten, und betraute die aus fünf Mitgliedern 'beste'hende Exekutive, im Einvernehmen mit den Exekutiven der jüdischen Partei irr den historischen Ländern und in Kavpathorußtand alle Schritte zu tun, ivelche der jüdischen Partei die Durchsetzung ihrer Vertretung sichert:. Ein neues Lefterreich-Ungarn. Radie-Programm. Bellgrad, 6. August. (Tel.-Komp.) Der kroatische Bauerführer Stephan R a d i e hat gegenüber einem Mitarbeiter der „Politika" ittteressante Erklärungen abgegeben, in denen er unter anderem über sein Oesterreich e r t u m folgendes sagte: Das kroatische Volk und auch ich waretr zur Zeit der Habsburger Monarchie für Wien, beim wir sähet: ein, daß die Magyaren gew a l t ä t t fl e r sind und daß das kroatische Volk im Rahmen Ungarns nur Sklave sein kann. Wären die kroatische:: Abgeordneten statt nach Budapest nach Wien gegangen, so hättet: die Slaven im Reichsrate die Mehrheit gehabt und Äattn hätte nicht Oesterreich den Balktn germanisiert, sondern wir hätten Oe st er reich s l a w i f i e r t. U e b r i g e n s i st Wien eine slawische Stadt. Man muß nur das Wiener A d r e ßbuch in die Hand nehmen, nm zu sehen, wie viele Bewohner Wiens slawisch oder den Namen slawischer Abstammung sind. Früher dachte ich, die Hauptstadt Kroatiens muffe nicht Agram, sondern Fiume sein, eine Hauptstadt.am Meeresufer. Jetzt bin ich der Meinung, Jugoslawiens .Hauptstadt sollte Spalato sein und nicht Belgrad. Weiter sagte Radio: Wir werden auf dem Balkan eine gemvinsanw lvirtschaftliche Basis gründen, die der Welt imponieren wird. Wir Werder: ein neues Oesterr e i ch - N tr g a r rt schaffet«, eirt besseres und gesünderes als die alte Monarchie ivar. " Wk«Wr MmmMkWj-I lAdtrliid« er«<ltt«t et eis Pflicht« sein Leben zugunsten der Seinen zu versichern. Schiebet die Erfüllung dieser Pflicht nicht auf! Wendet Euch an die Lehensgerslcherangsgesellschaft »Pim n ix“ in Wien 11049 Versicherungsabteilung des Jüdischen Nationalfonds Wien, I., Kärntnerstrasse 28 — Telephon 77-4-86, 77-4*86 oder an eine andere Filialdirektion des „Phönix" Sie Kohlenervortprümie in England. London, 6. August. (Tel.-Komp.) In der heutigen Unterhaussitzung teilte der Parlamentarische Sekretär des Schatzamtes mit, daß die englische Steuerbehörde infolge des Grube narbeiter st reiks tu den Jahren 1919, 1920 und 1921 infolge des Produktionsausfalles folgende Summen verloren habe: 800.000 Pfund, 2,25 Millionen und 3,1 Millionen Pfund Sterling. Als sich B a l d w i n erhob, nm dem Parlament mitzuteilen, daß die Regierung vom Unterhaus die Gewährung eines Kredites von 10 Millionen Pfund Sterling für die Grubenindustrie forderte, erhoben sich die Labour- Abgeordneten und riefen einstimmig: „Angenommen!" Nachdem Baldwin die Gründe auseinandevgesetzt hatte, die die Regierung zur Gewährung eines Kredites an die GrUbenindustrie bewogen 'haben, drückte er die Hoffnung aus, daß man auf diesem Wege zum sozialen Frieden gelangen werde. Die Wirtschaft, so erklärte Baldwin, werde sich immer gegen die Manöver der Anarchie zu schützen wissen. Mae Donald bestritt im Namen der Arbeiterpartei der Regierung das Recht, im Namen der überwiegenden Mehrheit des Volkes zu sprechen. Die Anarchie, erklärte Mao Donald, wäre erst durch die reaktionären Regierungen hervorgebrochen. Der Premierminister behaupte, daß die Unterstützung an die Grubenbesitzer zur Erhöhung der Löhne der Arbeiter verwendet würde. Das sei aber vollständig falsch. Die Untersiütznnget: seien auf Verlangen der Arbeiter gewährt worden und werden größtenteils dazu verwendet werden, die Gewinne der Unternehmungen auf dem gleichen Niveau zu halten wie vorher. Die Debatte wird fortgesetzt. Ei« Schlichtungsausschub beim Haager Gerichtshof. Genf, 6. August. (Schweiz. Dep.-Agent.) Die dänische Regierung hat das Generalsekretariat des Völkerbundes ersucht, die Schaffung eines Schlichtungsausschusses beim Internationalen Stä n d igen Ger ich Ls-, h - f auf die Tagesordnung der nächsten Völkerbund- Vers a m m l« n g zu setzen. < vnmbel nach Moskau berufen. Berlin, 6. August. (Tel.-Komp.) Der Pazifist Dr. G u mb e l, Privatdozent an der Universität Heidelbergs der infolge seiner Weltanschauung in schweren Konflikt mit der dortigen Studentenschaft kam, ist auf ein halbes Jahr an das Marx-Engel s- Jnstitut »ach Moskau berufen worden. Er soll dort Vorlesungen über sein Spezialfach, nämlich mathematische Statistik, halten und die mathematischen Notizen, die sich im Nachlasse von Karl Marx befinden, herausgeben. Ser Bauibeamteuftrelk in Frankreich. Paris, 6. August. In Paris hat sich, das Personal der Banque Parisienne uud der Compagnie Algerienne der Bewegung angeschloffen. Die Angestellten der Banque de France beschlossen in einer Versammlung, der Bankleitung die Forderung auf monatliche Gehalt 8erhöhungv 0 nlOO, % % an k e n zu überreichen. Eine Beteiligung am Stteik wurde vorläufig nicht ins Auge gefaßt. Im Laufe des Nachmittags veranstalteten die streikenden Bankangestellten neuerdings eine Straßenkundgebnng und versuchten insbesondere die Beamten der Filialen der Soctete Generale zur Teilnahme an dem Streik zu bewegen. Der Polizei gelang es in kurzer Zeit die Ansamutlung zu zerstreuen. Hierbei kam es auf den großen Boulevards stellenweise zu unbedeutenden Zusammenstößen. Im ArbeitSministerinm werden die V e r h a n dlungenmitdenBankdirektoren'fortgesetzt. .Sie dürsten mehrere Tage in Anspruch nehmen. Der Mord am Praterstern. Der Bucklige. Die „Rote Fahne" bringt in auffallender Ausmachung die höchst unglaubwürdige Nachricht, daß der sogenannte „B u cklig e", der am Praterstern dem Holfmann die Ohrfeige versetzte, iidentisch fei mit einem Emst Löwy, einen: Polizeikonfidenten, der am 1. Angnst von dem Kriminalbeamten I a klitsch augeftiftet worden fei, ans den Pvaterstern zu gehen ttnd dort z n provozieren, bezichnngsiveife zu randalieren. Die Polizeidirektion versendet abends die folgende Erklärung: Die P 0 lize: direkti 0 n hat in: Zuge der Erhebungen in der Angelegenheit Mohapl bereits am 3. 4>. unter anderen: auch dem Jnstallateurgehilfen Ernst Löwy, 1903 zn Wien geboren urtb zuständig, mosaisch, ledig, in Wien, 2. Bez., Novaragasse 38 wohnhaft, einvernommen, weil der Verdacht bestand, daß er mit dem auszuforchenden „Man::e" mit den: Hocker" identisch sei. Löwy wurde jedoch vor: den Zeugen n i ch t agnosziert und deshalb .noch am selben Tage wieder auf fr eien F n ß gesetzt. r: 7. ASM SM r Im kommunistischen Parteiorgane „Die Rote Fahne" wurden nun gestern zwei ,-Protokolle" abgedruckt, in denen unter anderem behauptet wird, daß er am kritischen Tage v 0 n einen: K r i m i n a l b e a m t e n gewissermaßen a n fg e fordert worden sei, auf den Praterstern zu kommen, daß weiter der Mann „mit dem Höcker" er gewesen sei, der den Schlag gegen Hoffmann geführt habe und daß er auch mit mehreren anderen Personen den Mohapl bis in das Hotel verfolgt habe. Alle diese Angaben Löwys stellen sich als dreiste Lügen dar. Löwy wurde der Pölizeidirektion neuerlich vorgeführt und erklärte hier, daß er die in beit „Protokollen" abgegebenen Erklärungen, die den Tatsachen in keiner Weise entsprechen, in der Nacht zum 5. d. im V e re i n sl 0i aIe des Verbandes der k 0 m m n n i st i s ch e n Proletarierjngend Oesterreichs, 9. Bez., Pnlverturmgasse 7, abgegeben habe, weil er dortselbst die g a n z c N a ch t g e tv a l P sam zurückgehalten und durch Drohungen und Mißhandlungen zur Abgabe dieser Erklärungen gezwungen worden sei. Nach dem bisherigen Ergebnisse der polizeilichen Er» Hebungen hat Löwy tatsächlich die Nacht zum 5. d. in dem vorgenannten Berbandslokale Angebracht. Die weiteren Erhebungen zur Ueberprüfung der nunmehrigen Mgaben Löwys, insbesondere hinsichtlich der Einschränkung der persönlichen Freiheit, und seiner Nötigung zu Aussagen im Lokale des Verband-es der kommunistischen Proletarievjugend sind im Zuge. Bei einem positiven Ergelbnis wird mit der strafgerichtl i ch en An4eige vorgegaf' gen werden. Daß Löwy, der bis aus weiteres im polizeilichen Gewahrsam bleilbt, mit dem vor: der Polizei gefuchten angMichen Mau ns mit dem Höcker nicht identisch ist, wurde durch eine Konfrontation mit mchrerön Zangen neuerlich in einwandfreier Weise feftgastellt. Die Erhebungen nach diesem Manne werden fortgeisetzt. Das Leichenbegängnis Mohapls. Das Leichenbegängnis des >am Samstag von 'dem Zuhälter Seidl erstochenen Turners Mohapl ist nunmehr endgültig auf morgen, hailb 4 Uhr nachmittags, cmgefetzt worden. Die Leiche wird um 3 UIHr nachmittags vom Allgemeinen Krankenhaus in die DavwitMffe überführt, von wo aus die Beisetzung stattsindet. Der Zug wird sich von der Darwingasse durch die Pereinsgasse, Heinagasse, Pratevstvaße (zur Kirche), von dort über die Aslperübrücke, Sbnbenrmg bis zum Schwarzenbargpllatz bewegen. An der Feier sollen all^ christlichsozialen und völkischen Verbände teilnehmen. Ser Mörder Stto Rothftock zurechnungsfiihig. Anklage auf Meuchelmord. Wie wir erfahren, hat die Staatsauwalb schaft gegen den Mörder Hugo Bettauers, Otto Rothftock, die Anklage wegen Verbrechens des vollbrachten Meuchelmordes erhoben. Die Verhandlung vor dem Schwurgerichte dürfte bereits im Monat September statffinden. Aus dieser Tatsache ist zu schließen, daß die medizinische Fakultät den Geisteszustand des Mörders überprüft und ihn für zurechnungsfähig erkannt hat. Fünf Monate Untersuchnasshast, zwei Minute« Berhaudümg. Zu ber gestern veröffentlichten Mitteilung über die Ver« 'Handlung gegen den Kaufmann Isidor Kling er, der nach einer iUntarsuchungshaft von fünf Monaten freigesprochen werden mußte, versendet die Pol. Korr. Avnßerungen des Vizekanzlers DL. Waber, der erklärt: Die Justizverwaltung hat festgastellt, daß die Haupt- Verhandlung am 5. Mai durchgeführt wurde und daß die erwähnte Straffache einen aus Oesterreich abgeschafften Ausländer betrUt, dem eine ganze Reihe von Bernntrenungen zur Last gelegt wurden. Da sein Aufenthalt unbekannt war, wurde feine Slusforschung veranlaßt. Aitn 17. Dezember 1934 wurde er an der österretchischen Grenze verhaftet, als er sieben ausweislosen Ausländern bei dem Verstlche der unbefugten Einreise nach Oesterreich Vorschub leistete. Die wegen Fluchtverdachtes im Stande der Haft eingeleitete Voruntersuchung hat wegen der zahlreichen Anschnldigungspunkte eingehende und zeitraubende Erhebungen notwendig gemacht. Die Staatsanwaltschaft hat gegen chn am 7. April 1934 die Anklage wegen eines Falles von Ver- 'N'Ntreimng von KommUionsware und wegetr Uebertretung der unbefugten Rücklkchr erhoben, während in allen übrigen BezichutMn die Einstellungserklärung abgegeben wurde. Gei der HatlptverhaMung hat die Staatsanwaltschaft die Anklage ivegen Veruntreuung zurückgezogen, weil die Beranttvortuug des Angeklagten, der sich auf seinen nach AmsvÄa geflüchteten Bruder berusetl Hatto, schwer zu widerlegen war. Das Ergebnis der Hariptverhandlung war, daß der Angeklagte der Uebertretung der nübefngten Rückkehr schuldig erkannt wurde. So lebhaft eine lange Dauer der -U>lters:lchunashaft zu 'bedauern ist, so hat sie sich in diesem Falle zwangsläufig dadurch ergeben, daß 'der Beschuldigte sich widerrechtlich in Oesterreich aushielt. Die Justizverwaltung wird übrigens detr Fall auf Grund der Mtenlage noch üloevprüfen. Aus dieser Erklärung ergibt sich der nackte Tatbestand des Jnstizmordes. Der Verhaftete ist versch iedeiier Dinge beschuldigt worden, die aber n \ ch t erw i e!>' en wurden. Deshalb ist eben in der: meisten Anklageri die Einstellung des Verfahrens erfolgt und der einzig übrig gebliebene Punkt kam zur Bechandlnng. Er endigte mit Freis p r u ch. Wenn der Mann anders geheißen hätte als Isidor Kl in ge r, so wäre man doch ganz anders 'mit ihm umgegangen.