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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-07 · Heft 2321 (7.8.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2321 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Geile S Wien, Freitag Wiener Mornenreitunq. 7. August 1925 ,i r' ■ j‘, i'f >. ■ : Das ist nicht plötzlich qeschcyen, sondern war die Anerkennung einer dreißigjährigen Vorarbeit, die zunächst imd zuerst in England gewürdigt wurde. England war der erste Staat, der die große Bedeutung des Zionisutud erkannte. England berief >>er;l als den Schöpfer des politischen Zionismus 31t der Parlaiueutserpertisc über die Frenldeugesetzgebuug, England bot dem Ziouisruus als deni offenkundigen Vertreter des Judentums die*Au1onomie in Uganda an, England öffnete dem Zionismus den Weg zum Völkerbund. Dieser Macht schlossen sich dauit Frankreich, Amerika und Japan an. Italien und die Schweiz erklärten ihre Zustimmung zum Mandat und in letzter Zeit ist dies, wie bekannt, von Frankreich in besonders solenner Form wiederholt und von Rumänien und Polen in offiziellsten Deklarationen ausgesprochen worden. Der Zionismus, in dem sich der politische Wille des Judentums verkörpert, hat eine sehr schwere und verantwortungsvolle Aufgabe zu erfüllen. Sein Wesen ist der Frieden; er will die Basis schaffen, von der aus das jüdische Volk als eigenberechtigte nationale Individualität ihre volle Versöhnung mH den anderen Nationen anstrobt. Er umfaßt das ganze Volk und kann sich nickst in den Dienst irgend einer Partei stellen. Er hat alle geistigen und materiellen Kräfte zur Lösung seines Problems aufzubieten und er hat deshalb gar nicht die Zeit oder die Lust, mit beit Interessen irgend einer Nation in Konflikt zu geraten. Er will ein Werk des Friedens schaffen und wendet sich deshalb au die besten und reinsten Empfindungen der Kulturvölker. Wir hoffen, daß die Bevölkerung auch der mitteleuropäischen Staaten, insbesondere aber Wien, unser Streben verstehen wird. Der kommende Zionistenkongreß wird ihr klar vor Augen führen, daß wir nichts gegen irgend ein Volk planen, daß wir nur die Erlösung unserer Nation im Auge haben. Aus Srez Israel. Die jüdischen Jndustmeinvestitionen. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Aus dom vom Handels- und Jnduftriedepartement «der Zionistischen Palästinaexekutive ausgearbeiteten Bericht geht hervor, daß im -Juli 1925 ungefähr 2 Millionen Pfund von -den Juden in palästinensischen Industrien investiert waren. Der gleiche Bericht besagt, daß das investierte Kapital im November 1923 nicht ganz eine Million Pfund ausmachtc. In _ den verschiedenen Industrien sind insgesamt 1,641.715 Pfund investiert und 4794 Personen beschäftigt. Die R u thenbe rg-Gesellschaf t mitgerechnet, kann man die Gesamtzahl der Arbeiter auf 5000 schätzen und das Kapital auf 2 Millionen Pfund. In dem Bericht ist eine Reihe erst in Gründ-U'ng begriffener Unternehmen nicht eingeschloffen. Nach Industrien geordnet, gibt das Departement folgende Zahlen an. Es sind beschäftigt: In Textilfabriken (investiertes Kapital 138.000 Pfund) 579 Personen, Lederindustrie (44.630 Pfund) 380, Holz- und Möbelindustrie (54.000 Pfund) 612, Bau- 'Materialien (482.960 Pfund) 963, Chemische Industrie (337.440 Pfund) 263, Druckerei- und Papiergewerbe (91.485 Pfund) 676, Metallarbeiten (73.155 Pfund) 484, Nahrungsmittelfabrikati on (383.706 Pfund) 971 und in verschiedenen Gewerben (investiertes Kapital 36.150 Pfund) 156 Personen. .50 Prozent des zionistischen Budgets für landwirtschaftliche Kolonisation. Bei der Ausarbeitung des landwirtschaftlichen Budgets für das nächste Jahr wurde in der letzten Sitzung der landwirtschaftlichen Kommission der Exekutive eine Resolution angenommen, die 'besagt, daß 50 Prozent des Keven- Hajessod-Bndgets für die landwirtschaftliche Kolonisationsavbeit der Zionistischen Organisation gebraucht werden. In einer 'Sitzung der Konimission mit Vertretern der landwirtschaftlichen ArbeitSzenträle legte Herr Kaplan s k h die von 'der Exekutive gutgeheißenen Vorschläge seines Departements vor. Das Programm beschäftigt sich mit der Konsolidierung -der ''bestehenden Siedlungen. Man denkt, neun oder zehn landwirtschaftliche Siedlungen im Jahre 5686, die übrigen im Laufe des Jahres 5667 auf eine gesunde Basis bringen zu können. Ferner ist für 5686 in Aussicht genommen, Arbeiter, welche auf Ansiedlung warten, und Landwirte des Mittel st a n des zu kolonisieren, sich an der ersten Siedlung nach S 0 s k i n s ch e m System, an der Bewässerung nn Emek und im Jordantal, an der Stabilisierung der Jemenitensiedlungen usw. zu beteiligen. Das dieser Sitzung von Herrn. .Kaplansky vorgelegte Gesamtbudget beläuft sich auf 325.000 Pfund. Mavromatis' Konzessionen. Jerusalem, 6. August. (I. T. A.) Der griechische Ingenieur Mavromatis, dessen von der türkischen Regierung im Jahre 1913 erhaltene Konzessionen für Elektrizititäts-, Straßenbahn- und Wasserversorgung Jerusalems seitens des .Haager (Gerichtshofes anerkannt worden waren, teilt der Pät. Tel.-Ag. mit, daß er nunmehr an die Realisierung der Konzessionen schreiten will. Er gedenkt, Jerusalem mit Wasser aus dem Flusse Anja zu versorgen. Die Arbeiten werden im Herbst beginnen. Mavromatis' Plan, eine S t r a ß e n b a h n in Jerusalem zu «bauen, wurde von der Regierung n i ch t ge nehmigt. vawickis Aussage. Ser Lemberg« Prozeß. (Eigendicnst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 6. August. In der gestrigen Verhandlung wurde, nachdem Karolinc Stenn das Protokoll über ihre Zeugenaussage vom voraugegangenen Tage als ihrer Aussage entsprechend anerkannt und unterfertigt hatte, bekanntgegebcn, daß gegen diese Zeugin wegen der 'Widersprüche, die sich in ihrer Aussage befinden, die Strafuntersuchung eingeleitet werde. Bon den Zeugen, die nunmehr zur Einvernahme gelangen, erweckte Inspektor Sawicki das größte Jntcreffe. Er erzählt bezüglich Mikitins und des Attentats, daß im Oktober 1924 Piatkiewiez mit einer Vollmacht des Ministeriums des Innern erschienen sei und Unterstützung in der Ausforschung des Attentats verlangt habe. Nachdem Kornhaber, der telephonisch aufgerufen wurde, bekanntgegcbcn hatte, daß seine .Hausgehilfin einen Bräutigam habe, der den Attentäter wisse, gingen wir zu Kornhaber, wo wir Mikitin antrafen. Anfangs wollte Mikitin aus Augst, daß ihn die Kommunisten erschlagen würden, nicht aussageu. Am anderen Tag trafen wir wieder mH Mikitin bei Kornhaber zusammen. Wir legitimierten uns und schließlich stellte Piatkiewiez ein Protokoll mH Mikitin zusammen. Mikitin erhielt 300 Zloty, damit er aus seiner damaligen Umgebung heraus und in ein Hotel übevsiedeln könne. Mikitin wurde unter polizeiliche U e b c r w a ch u n g gestellt. wobei Piatkiewiez den Plan hatte, die Braut Mikitins, Karoline Stein, durch Inszenierung einerEifersuchtss z e n e gegen Mikitin zu stimmen und ihn von dem Einfluß, den die Stein auf ihn zu haben schien, zu befielen. Dieser Plan mißlang jedoch. Auf Grund der Aussagen Mikitins wurde Panczyszyn verhaftet, der sich wohl dazu bekannte, das Attentat auf das Warschauer Gefängnis zur Befreiung Baginskis ousgeführt zu haben, aber weiteres nicht zugeben wollte. Mikitin habe wiederholt größere und kleinere Beträge erhalten, da er unausgesetzt Briefe schrieb, daß er sich in einer verzweifelten Lage befinde. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Zeuge mit Inspektor Piatkiewiez darüber gesprochen 'habe, daß die Aussagen des Mikitin mit Vorsicht auszunehmen seien, antwortete Sawicki, daß dies der Fall gewesen sei, daß für beide jedoch mit Rücksicht darauf, daß die Angaben MrkitinS bezüglich des Attentats auf das Militärgcfängnis sich als wahr erwiesen haben, auch die Angabe Mikitins, daß derselbe Panczyszyn auch das Attentat auf den Staatspräsidenten verübt habe, alle Wahrscheinlichkeit für sich hatte. Piatkiewiez habe den Angaben Mikitins stets Glauben geschenkt. Die Frage des Vorsitzenden, ob er im Laufe der Untersuchung nicht gehört habe, daß Mikitin von gewisier Seite für seine 'Aussagen Geldsummen als Belohnung zugesagt worden seien, verneint der Zeuge. Diese Behauptung habe er erst auS her Anklageschrift erfahren. Im Kreuzverhör gibt Sawicki noch folgendes an: Am 4. Septernber brachte man mir ein versiegeltes Kuvert aus Przemysl, in welchenr sich die Abschrift einer Karte befand, welche das Polizeikomniando von Przcnchsl erhalten hatte. In dieser Karte stand: „Der Verein Nasz Prapor beschloß, gegen den Staätspräsidenten in Przemysl oder in Lemberg ein Attentat auszuführen. Achtung! Damit kein Unglück geschehe!" Diese Karte kam einen Tag vor dem Attentat in Przemysl an. Auch vom Inspektor der politischen Polizei in Stanislan erhielt ich eine Warnung, daß die ukrainische Militärorganisation ein Attentat plane. Verteidiger Dr. G r c k: Sie besitzen doch in Ihren Akten die Namen aller politisch verdächtigen Personen? Befindet sich unter diesen auch der Name Kornhabers? — Zeuge: Nein. Wäre das der Fall gewesen, hätten wir ihn, als er seine Meldung über den ganzen Fall erstattete, ganz anders behandelt. — Dr. Grck: Ist Ihnen bekannt, daß die Zionistische Partei einen Umsturz anstrebe? -- Z enge: Nein. Eine zionistische Partei, die in ihrem Programm den Umsturz hat, existiert nicht. In der Nachmittagsverhandlung richtet Verteidiger Dr. Landau verschiedene Fragen an den Zeugen Sawicki, welche jedoch vom Vorsitzenden nicht zugelassen werden. Dr. Landau liest aus den Protokollen des Untersuchungsrichters die Stellen vor, in welchen angegeben wird, daß Sawicki dem Mikitin eine Belohnung für seine falschen Aussagen zugesagt 'habe. Sawicki weist diese Behauptung des Protokolls zurück und ist auch über mehrere Stellen des UnterfuchungKProtokolls verwundert und erklärt sie als unzutreffend. Es beginnt sodann das Verhör des Pokizeiinfpektor-' L u k 0 m s k i. Er wird nicht beerdigt. Ner 14. zionistenkongretz. Dir vierte Wcltkonfercnz der Hitachduth. Wie nun endgültig feststeht, findet die Konferenz der zionistischen Arbeit-Partei Hitachduth im Holländersaal (Konzerthaus) statt. Eröffnungssitzung Samstag den S. d. um 8 Uhr abends. Die Fürsorgeanfialten -er Wiener Kultusgemeinde. Anläßlich deS 14. ZionistenkongreffeS wird vom Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien eine Führung durch sämtliche Fürsorge-und WohlfahrtSinstit u t i 0 n e n der Gemeinde veranstaltet. Ae Weltkonferenj der Poale giou. Bei der gestern ht einem Saal der Musvkakadeame stattgesunde neu ersten Berha-ndlungssitzung fonntc das Präsidium noch.nicht gewählt werden. Die palästinensischen Delegierten opponierten dem Vorschlag des Verbandsbureaus, nach dem ein Präsidium von v i c r Personen gewählt toevden soll, darunter ein Palästinenser (Ben Zwi). Sie verlangen noch die Wahl des Palästinensers Ben G u r i 0 n. Es entwickelte sich eine ziemlich erregte Geschäftsordnungsdebatte, die damit endete, daß die Wahl des Präsidiums für die nächste Sitzung vertagt würbe. Der Sekretär des BerbandSbureaus, das seinen Sitz zuerst in Berlin, dann in Wien hatte, gab sodann seinen R e ch e nschast s ber i ch t. Er beklagte sich darüber, daß die letzte Weltkonserenz kein arbeitsfähiges Verbandsbureau geschaffen habe. Die fianziellen Mittel, die dom Bureau zur Verfügung gestanden seien, seien beschämend geringfügig gewesen. Ein Berbandssokretär habe die Geschäfte sichren müssen. Die führenden Mitglieder seien immer aus Reifen gewesen, um die Konsolidierung der Bewegung zu bewirken, die seit der Spaltung im Jahre 1920 arg hergenommen worden sei. Das Berbandsbureau habe nicht nur technische Agenden erledigt, sondern sei an der Arbeit gewesen, die Partei zu vereinheitlichen, Palästina in daS Zentrum des Denkerrs der poälezionistischen Landesorganisationen zu rücken. Wenn dies 'alles auch nicht ganz gelungen fei, so seien die Erfolge, die das Veribandsburoau zu verzeichnen habe, doch nicht zu unterschätzen. Das BerlbandSburoau habe, allerdings verschiedentlich erfolglos, versucht, ein zentrales Presseorgan zu schaffen, das den tieferen Zusammenhang der poalvzionistischen Probleme zum Ansdruck bringen und die Unwissenheit über palästinensische Bedingungen ans der Welt schaffen sollte. Vor allem sollte cs zur Klärung der Meinungsverschiedenheiten der Bewegung dienen, Es habe Kaplanskys Puch über die Probleme J der Erez-Jsrael-Kolonffation herausgebracht, das sehr viel dazu beigetragen habe, der jüdischen Kolonisation bei den Dozialisten Sympathien zu schaffen. Auch B 0 r 0 ch 0 w s, des poa l e - zionistischen Theoretikers, Buch „Die jüdische Arbeiterbewegung in Ziffern" sei neu herausgegeben worden. Das poalgzionistische Organ in deutscher Sprache, „Der neue Weg", dessen Entstehen dem erfreulichen Anwachsen der poalezionistifcheu Bewegung in Deutschland, der sich besonders ein ansehnlicher Teill der deutsch-jüdischen Jugend anschließe, zu verdanken sei. trage diel dazu bei, die Poalezionistischen Lesungen bei der Internationale bekanntzumachen. Die deutsche poalezionistischc Landcsorganisation sei die einzige, die innerlich konsolidiert sei. Zwecks Propaganda seien Berk Locker nach Amerika, Rubaschon nach Polen, Juris nach Argentinien ge fahren. Das Resultat sei eine teilweise Klärung in der Bewegung. Der Poalezionismus in Amerika, wie auch alte anderen Mischen Bewegungen dort, feien nicht mit europäischem Maß st ab zu meflon. Es finde dort ein sonderbarer ökonomischer ,MandermrgSprozeß" statt. Es bestche die Tendenz der fortwährenden wirtschaftlichen Umschichtung, vom Arbeiter zum Kaulsinann u,fw. Es bestehe die Gefahr der allmählichen Entnationalisierung der jüdischen Massen Amerikas, zumindest im kulturellen Sinn. Das einzige Evfreu'liche sei, daß Palästina und der Keren Hajessöü zu den wenigen Dingen gehören, die bei den Juden Amerikas wirkliche Begeisterung Hervorrufen. Die-konkrete Tätigkeit für Palästina sei vorwärts geschritten. Die poalezionistischen Einwanderer haben an Zahl beträchtlich zugenammen. Ein Teil der Chaluzbewegung habe sich der Poale Zion genähert. Redner bespricht dann die Ar beit, die das Verbandsbureau geleistet habe hinsichtlich der Zusammenarbert mtt anderen Arbeiterparteien aus dem Boden der Arbeitevbank und des Palästina-Arbeitevsonds und die Schlvievigkeiten, die sich bei dieser Arbeit ergeben haben. Jur Komitee des ./Arbeitenden Erez Israel", das Ms Mitgliedern aller an Palästina interessierten Arbeitsparteien^bestehe, hoben sich unüberwindliche Reibungen ergeben, die zur Unsrucht barkeit führten. Die Arbeit für den Pailästina-Arbeiterfonds wurde nahezu unmöglich gemacht. Auf dem 13. Zionistenkongreß habe die Poale Zion versucht, eine starke Linke zu scha'ffen, aber nicht mit völligem Erfolg. Die Haltung, die die Poale Zion der Jewtsh-Agench-Frage gegeirüber aus diesem Kongreß angenommen habe, werde auch für den 14. Kongreß maßgebend sein müssen. In dem Mtionskomitee habe die Poale Zion für ihre Prinzipien gekämpft. Die Frage der Bereinigung mit der linken Zeire Zion fei an der Sprache ns rage ge,scheitert, zu der die einzelnen poalezionistischen ÄandeSorganisationen keine einheitliche SreNung HM»,

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