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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-07 · Heft 2321 (7.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2321 (7.8.1925)
Date
1925-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polen! aOflro-^T ■ ftreis 20 g Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder in einerVerschleisstelle rTrafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kdlporteure der Firma Goldschmied, Wollzeilc 11 Mit Poslversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tsch echo-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4 Zloty. Deutschland: Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 iener orgenseitung Nachzahlungen bei F r e i *> erhdhnngen Vorbehalten -tx* Nr. 2321 Men. Freitag, 7. August 1925 England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien :Mon.lOOI.ewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. I Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Fahrgans Bor der Ankunft des Lord Plumer. Sie jüdische Lenkschrift an den neuen SberkommissSr. — Kolonel Kisch nach Palöftina abgereist. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Jerusalem, 4. August. Nach den hier vorliegenden Mitteilungen wird der Neue Oberkommissär Lord P l u m e r, der am 25. d. von London avreist, Ende des Monats an Bord eines englischen Kriegsschiffes in Erez Israel eintrcffen. Er wird in Jaffa an Land gehen. Eine in Tel-Awiw stattgehabte Plenarsitzung des W a a d L e u m i, an welcher die Mitglieder aus Jerusalem, Tel-Awiw, Rechoboth und Chederah teiluahmen, beriet über den Empfang und die erste Vorsprache Sei dem neuen Oberkommissär. Das Exekutivkomitee wurde beauftragt, dem Oberkommissär eine Denkschrift zu überreichen, welche all die Forderungen enthalten soll, welche die offiziellen Vertreter des Judentums wiederholt und zuletzt bei der Besprechung mit dem Kolonienmini st er Amery vorgebracht hatten. Da die Mitglieder und die leitenden Beamten der Exekutive zum größten Teil bereits zum Wiener Zio ui ft enkongreß abgereist sind, wird zur Zeit der Ankunft des Obcrlommissärs KolonelKisch im Lande anwesend sein. Er reist von London, wo er gegenwärtig weilt, über Marseille nach Erez Israel zurück. Für die Dauer des Wiener Kongresses wurden die folgenden Mitglieder des Waad Leumi in das Exekutivkomitee berufen: Bezalel I a f f e, S. S ch i l l e r, I. H a f t, Bürgermeister Diesengoff, Eisenberg und Kalw a r i s k i, welche die Arbeiten des Exekutivkomitees zu führen haben. Zu Leitern des Bureaus des Waad Leumi Me Svtantendebatte im Deutsche» Reichstag. Berlin, 6. August. (Tel.-Kmup.) Die Jnterpellations- Hebatte im Reichstag über die deutsche n O p taute na u s w eis u n gen aus Pole u wurde durch die Ausführungen des dcutschnatioualen Abgeordneten Doktor v. Keuder eingeleitet, der nach den Vorkehrungen fragte, die die Regierung zu treffen gedenke, und wer dafür verantwortlich sei, daß bei den Vorbereitungen deutscherseits zur Aufnahme der Optanten nicht alles geklappt hat. Von kommunistischer Seite wurde vor allem verlangt, unbeyzüglich Maßnahmen zur Linderung der, Fluch t l i n g s n o t zu treffen. ' Als der kommunistische Abgeordnete Raedel den Rechtsparteien das Recht ab sprach, gegen die polnische Willkür ztt protestieren, weil Angehörige der Rechts-,. Parteien im Kriege Willkür gegenüber wehrlosen Bürgern geübt hätten, entstand g r o ß e U n r n h e und L ä r m auf der Rechten und man verlangte, daß der Redner am Sprechen verhindert werde. Präsident Loebe mußte den Redner ermahnen, sich in seinen Ausführtlngen zu mäßigetr. Die Mehrzahl der Deutsch nationalen und der Deutschen Bolkspartei hatte schott vor den Ausführungen >der Kommunisten den Sa a l verlasse n. Hierauf ^gab Reichsnußenminifter Dr. S t r e s emann die Erklärung a>b, dein Auswärtigen Amte sei hetlte vom G e n e r a l k o n s n l a t i it Posett mitgeteilt worden, daß die polnischen Behörden Maßnahmen zur z w a n g s w e i s e >t A b s ch i e b u n g der noch znrückgebliebenett Optanten innerhalb von 48 Stunden eiugeleitet hätten. Die zuständigen deutschen Stellen hätten daraufhin auf Beraulassung des deutschen Auswärtigen Amtes Maßnahmen ergriffen, nur die noch in Deutschland verbliebenen polnischen Optanten in der gleichen Welse z n m B e r las s e n d e 's Re i ch e s zu z w i n g e ». Wenn wir, sagte der Außenminister, gezwungen sind, Repressalien zu ergreifen und Befehle zu erlassen, daß die noch nicht äbgewanderten Polen innerhalb 48 Stun- .-$gn feö AMy. veMsen müssen, so latzn wir wurden bestellt Dr. L u r i e und Haft. Das Präsidium wird während dieser Zeit aus den Herren Eisenberg, Diesengoff und Bezalel Jaffe bestehen. In derselben Sitzung wurde beschlossen, am 22. Oktober, der dritten Jahreswende der letzten amtlichen Volkszählung, eine Zählung der Juden in Erez Israel vorzunehmen und den Vorständen der Städte und Kolonien entsprechende Fragebogen zuzusenden. Zu diesem Zwecke wurden verschiedene Koumrissionen eingesetzt. Hierauf kam ein Bericht des Herrn Josef M e j u ch a s über die in Wien zwischen den Vertretern des Waad Leumi, der zionistischen Leitung und der Agndah stattgefundenen Verhandlung wegen eines Kompromisses in der Frage des Gemeindegesetzes zur Verlesung. An den Bericht knüpfte sich eine längere Debatte und es wurde beschlossen, den Vertretern des Waad Leumi am Kongreß die V o l l m a ch t zu erteilen, die Verhandlungen auf Basis der in dem Bericht des Herrn M e j u ch a s bekanntgegebenen Grundsätze fortzuführen. Der Fr«. Bagdad, 6. August. (Reuter). König Faisal verließ in der Nacht ans Mittwoch unter Benützung der Straße, die durch b i c, W ü st e fuhrt, Bagdad, um sich zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Europa. zu begeben. Sein Bruder Emir Said, der während der Abwesenheit des Königs die Regentschaft führen soll, wird hier aus London frühestens nächste Woche erwartet. In oer Abschiedsrede sprach der König von der Möglichkeit der Verlängerung des Vertrages zwischen Großbritannien und dem Irak. es nicht im Gefühl der Befriedigung, sondern i >m G cfühl der Beschämung darüber, solche Maßnahmen ergreifen zu müssen. Nach der Rede des ReichsaußeniMtnisters Dr. Strafem a n n begründete der d e u t s ch v ö l k i s ch e Abgeordnete - K u b e einen Antrag seiner Partei, der schleunige Zwangsmaßnahmen gegen Polen verlangte. Er erging sich dabei in außerordentlich scharfen Ansdrücken gegen Polen, von dem er sagte, daß dieser Raubstaat gezwungen werden müsse, die Manieren eines z i v i l i s i e r t e n Staates anzunehmen. Seine Ausführungen riefen auf der Linken des 'Hauses Unruhe hervor. \ Der Redner meinte zum Schluß, Rußland und Deutschland vereint, würde it den polnischen R a uH st a a t b a l d wieder i n d i e verdiente Vergessenheit stoßen. Der Sozialist N o w a ck wollte die Vorgänge im Schneidemühter Optanten! a g e r aufgeklärt wissen und gab im Gegensatz zu dein Redner der Rechten, nicht der Preußischen Regierung, sondern der Reichsregierung die Schuld an den dortigen Zuständen, weil sie nicht rechtzeitig das nötige Geld bereitgeistellt habe. .— —■ - -.- »- ..- — Letzte Kurse. New-Borker Devisen. New-Aork, 6. August. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80. London Kobel 4M3Z. London Scheck 4.81 «/„ Amsterdam 40.23, Paris 4.65, Brüssel 4.4»»/,, Rom 8.69V., Madrid 14.47. Zürich 19.42. Stockholm 26.88, Oslo 18.44, Kopenhagen 22.72, Wien 0.14. Budapest 0.14, Prag 2.96'/,. Belgrad.1.79»/,. Athen 156, Buenos Aires 407««, Rio de Janeiro 11.80, Bukarest 0.52. Amerikanische Getreidemärkte. New-Nvkk» 6. Attgnst. lTrl.-Komv.) Weizen rot Winter 170, Weizen hart Winter 179, Mais 120»/,. Hafer 537«, Roggen 1X51«. Ehikagv, 6. August. (Tel.-Komv.) Weizen per September 160, Dezember 1607«. Mai 1647,; Alais per September 1047s. Dezeinber 87V«, Mat 89V« r Hafer per September 427«. Dezember 457». Mat 487»: Roggen per September 1037*, Dezember 1067«, Hat 1|374. ... BerstSudnis für den3ionismus —y. Bien. 7. August. Seit dem ersten Lebenstag des politischen Zionismus, also seit fast dreißig Jahren, vollzieht sich seine Tätigkeit in der breitesten Oeffentlichkeit. Die jüdische Presse bespricht jede Einzelheit der Arbeit, die zionistischen Verbände geben über ihr Wirken jederzeit Rechenschaft; eine riesenhafte Literatur fast in allen Kultursprachen belehrt den Interessenten über alle Details der politischen und sozialen Probleme, mit denen sich die jüdische Gesamtheit zu beschäftigen hat. Der Aufbau der Organisation, ihr Programm und die Konstruktionen ihrer alle Zweige nationalen und kulturellen Lebens erfassenden Institutionen sind von jedem, der nur den Willen hiezu aufbringt, zu jeder Stunde einzusehen. Es gibt gar nichts, was der Allgemeinheit vorenthalten bliebe, was auch darum unmöglich wäre, weil sich ja diese Bewegung auf alle Länder der Welt erstreckt und ein Geheimnis nicht zu wahren wäre. Es ist von seiten der Zionistischen Weltorganisation alles getan, um ihre Ziele und Methoden in das hellste Licht der kritischen Kontrolle zu stellen. Trotzdem aber ist bei jeder Gelegenheit zu konstatieren, daß die führenden Schichten der mitteleuropäischen Menschheit dem Zionismus vollkommen verständnislos gegenüberstehen. Während in den angelsächsischen und romanischen Ländern die zionistischen Bestrebungen in ihren markantesten Punkten allgemein bekannt sind, so daß dort die antisemitische Lügenpropaganda m dieser Angelegenheit auf den schroffsten Widerspruch stößt, sind in diesem Teile Europas Märchen bösester Art entstanden und finden williges Gehör. Unsere Umwelt, die mit uns Tür an Tür lebt, weiß nichts vom jüdischen Wesen, obzwar es klar zutage liegt. Sie glaubt die dümmsten Erfindungen. Das ist für beide Teile von Nebel. Da der Antisemitisnuts die in der europäischen Wirtschaft aufgetretenen Schäden dem Judentum zuschiebt' und damit auf die Massen wirkt, verhindert er jeden Ansatz zur Heilung und er verhindert zur gleichen Zeit eine. Verständigung von Volk zu Volk, die nur bei gegenseitigem vollen Vertrauen gelingen kann. Er verhindert, daß die sicher gutwilligen Völker das zionistische Werk verstehen lernen. Würden sie dazu gelangen, wozu doch die Mittel vorhanden sind, würden sie den Willen hiezu aufbringen, so würde die zionistische Sache auch in Mitteleuropa die Sympathie finden, die eine Freiheitsbewegung zu fordern ein Anrecht hat. Der Zionismus ist der politische und kulturelle Ausdruck einer im jüdischen Volk bestehenden Strömung, die das politische Leben in einer von jeder Feindschaft freien Umgebung um gestalten will. Sie will das Judentum zur eigenpolitischen Existenz führen und es mit dem Boden seines Landes aufs neue verbinden. Sie zielt nach diesem Land, das dem Judentum immer nahe gestanden ist, knüpft demnach an Traditionen an, die trotz ihrer langen Dauer sich niemals abgeschwächt haben. Dieses Land war bis zum Krieg türkisch; es stand unter. der türkischen Verwaltung, die auch in diesem Land keine ausbauende und schöpferische Tätigkeit entwickelte. In der politischen Vorstellungswelt Europas stand dieses Land bis zum Krieg immer als türkisches, niemals etwa als arabisches Gebiet. In der kulturellen Betrachtung stand es stets als jüdisch. Selbst die christlichen Nationen dachten, wenn sie den Namen Palästinas hörten und lasen, stets an die jüdische Geschichte. Die Araber Palästinas, für die sich die antijüdische Agitation heute so stark einsetzt, die sie aber zur türkischen Zeit verleuguete, haben das Land nicht entwickelt. Sie/haben es nur dünn besetzt. Es ist steinig, verwahrlost, verkarstet gewesen, weite Streckett versumpft und menschettleer. Die Araber haben in Palästina genau so wenig wie in ihren ureigensten Gebieten, in Mesopotamien, in Arabien, in den Küstenländern des Mittelmeeres, eine geschlossene Wirtschaft entwickelt. Erst die vorn Zionismus, von der Idee der Freiheit und der Selbstbestimmung befruchtete Arbeit hat das Laitd ausgeschlossen und es als festen politischen Begriff in die europäische Borstellungswelt eingeführt. Diese zionistische Tätigkeit hat die Unterstützung der Großmächte gefunden und sie haben die völkerrechtliche Inkorporation der jüdischen Ansprüche vorgenommen.

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