Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2319 (5.8.1925)
- Date
- 1925-08-05
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Sekte S Sic», Mittwoch Wiener MoraenGeltung. 5. August 1925 Nr. M9 »nILKIIeK dt XIV. Ztonistankon Jüdische Kaufleute! Jüdische Firmen! Schluß der Aktion Montag, 10. August Spendenanmeldungen werden entgegengenommen: Bureau des &*ren Kajemeth, 1., Kämtnersiraße 28 Telephon 77*4-85, 77*4*86 Um den Marokko-Frieden. Tas diplomatische Getue. Pari-, 4. August. (Havas.) Die Blätter stelle» fest, daß Primo de Ri Vera den Rifemissäre» die französischspanischen Friedensbedingungen nicht offiziell mitgeteilt habe, sondern ihnen den Inhalt derselben mündlich angedeutet hat. Die Emissäre begaben sich dann nach Gibraltar, wo sich der spanische Unterhändler Echevarrieta befand. Die Presse stellt fest, daß also Abd ol Krim jetzt die Bedingungen dem Wesen nach kenne, aber offiziell von ihnen nicht Kenntnis nehmen wolle. Er wolle auf diese Weise die Verantwortung für einen eventuellen Bruch der Verhandlungen vermeiden. Abd el Stntttä Verhandlungstaktik. Paris, 4. August. (Tel.-Komp.) lieber die Besprechung, die in Te te ua n Mischen freu Emissären Abd el K r i m s und Primo fre Rive ra stattfand, verlautet am Quai d'Orsay, -Abfr el Krims habe durch seine Emissäre versucht, Spanien von Frankreich zu trennen und habe Spanien für diesen Fall günstigere Bedingungen angeboten. Primo de Rivera sei jedoch darauf nicht eingegangen und Spanien loerdc auch weiterhin im Einvernehmen mit Frankreich 'handeln. Wie weiter verlautet, ist damit zu rechnen, daß F r a n freich seinen Standpunkt gegenüber Abfr el Krim der Öffentlichkeit auf geeignetem Wege bckanntgeben wird, falls Abd el Krim nicht binnen kurzem bestimmte Vorschläge macht. Ein französischer Erfolg gegen Abd el Krim. Rabat, 3. August. (Havas.) Mobile Abteilungen unternahmen eine großzügige Entlastungsoperation in den nördlichen und nordwestlichen Gebieten. Der im Gebirgsmassiv von Azjen stark verschanzte Feind wurde angegriffen und durch ein kombiniertes Manöver von Infanterie und SturmtanlLs überrascht. Er g a L die Stellung von Azjen preis und floh in Unordnung unter Zurücklassung von mehr als sechzig Toten. Diese Operation gegen Azjen hat in der ganzen Gegend eine merkliche Entspannung bewirkt. Die Tätigkeit des Feindes im Sarsargebirge ist geringer geworden. Vom mittleren Abschnitt der marokkanischen Front meldet der amtliche Situationsbericht einzelne nächtliche ll c b e r f ä l l e in der Gegend von M j a r a. Spaniens marokkanischer /,Kalif". Paris, 4. August. Aus Madrid wird gemeldet, daß der neue Kalif der spanischen Zone am 9. d. sein Amt antreten wird. Das Kalifat war seit Oktober 1923 unbesetzt. Der neue Kalif heißt Muleh Ben Hassan und ist 15 Jahre alt. Erhöhung der deutschen Rer- und Tabaksteuern. Berlin, 4. August. (Wölfs.) In der heutigen Sitzung des Reichstages wurde ein Antrag der Völkischen auf Ablehnung der Biersteuererhöhung in namentlicher Abstimmung mit 227 gegen 161 Stimmen bei einer Stnnmenenthaltung verworfen. Hierauf wurden die Anträge der Regierungsparteien auf Erhöhung der Bier st euer und der Tabaksteuer angenommen; alle übrigen Abändcrungsanträge wurden abgelehnt. \ t Ter Reichstag hat ferner den Gesetzentwurf betreffend die Aendernng der Verbrauchssteuer, der sich auf Weinst euer, die Z ü n d w a r e n st e u e r, die Salzsteuer, die Zuckerstcucr und die Spielkartensteuer besteh!, angenommen. Bei der Zuckersteuer werden erhebe,l pro 100 Kilogramm vom Stärkezucker 8.10 Mark, von anderem Zucke r 21 Mark. Ein Blutsiurz Dr. Davids. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Doktor David hat heute vormittags in einer Fraktiottssitzung »inen B l u t st u r z erlitten. ■flu« jugoslawische Vrebgesetz. Belgrad, 4. August. (Tel.-Komp.) In der heutigen Sitzung der Skupschtina, der letzten vor den Sommerferien, -vurde das P r e ß g e s e tz erledigt. Das Gesetz wu.rde mit 160 Stimmen gegen eine Stimme angenommen. Dafür stimmten die Radikalen und die Radic- Partei, dagegen der radikale Abgeordnete Kobosica, der Journalist ist. Etwa 40 radikale Abgeordh e t e hatten sich der Abstimmung enthalten. Vor der Abstimmung verließ die gesamte Opposition den Saal. Die Skupschtina vertagte sich sodann auf den 15. Oktober. Der Mord an ... Re Mlbeilidk Untersuchung. — Sin Nomplire Seidl«? Das SichevheitSbureau der Wiener Polizei hat gestern bei der Staatsanwaltschaft 1 in Wien um Verhängung der ordentlichen Untersuchungshaft über den Kellner und Malergehilfen Franz Seidl, zu Wien am 3. April 1906 geboren, Sterneckplatz 20 wohnhaft, über den .Handelsangestellten Josef Barer, am 7.' September 1901 zu Grodek geboren, 2. Bez., Stulverstraße 32 wohnhaft, über den Lokomotivheizer Franz S o k o l o m, am 14. Jänner 1900 zu Wien geboren, Withelminenstraße 74 wohnhaft, und über den Kontoristen Paul Löbl, am 13. Juli 1907 zu Wien geboren, 2. Bez., Ferdinandsstraße 14, wohnhaft, angesucht. Die polizeiliche Untersuchung ist »och nicht abgeschlossen. In den, Bemühen, anfällige Begleiter des Nivrders Franz Seidl bei seiner Verfolgung des flüchtenden Mo'hapl auszuforschen, hat die Polizeibehörde gestern den 20jährigen Hilfsarbeiter Leopold Butschedl, der im Viassenquartier in der Novaragasse 45 gewohnt hat, einen Freund des Seidl, stellig geinacht. Die Kriminalbeamten Feldkirchner und Zank l hielten ihn an und brachten ihn ins Sicherheitsbureau, wo ihn Polizeirat Maurer einvernahm. Er gab an, er habe den Seidl am Samstag nachmittags auf dem Pratevstern getroffen und wahrgenommen, daß er verletzt sei. Seidl war in Gesellschaft eines zweiten Burfchen und ein kleiner Junge habe alle drei in das kommunistische Parteilokal in der Blurnauergasfe geführt; dort fei dem Seidl ein Verband angelegt worden. Darauf Hube Seidl das Lokal verlassen. Auch der zweite Bursche, der den Seidl zum kommunistischen Parteisokretariat begleitet "hat, ist gestern stellig gen,acht wordeni Er ist der 18jährige Posten- und unterstandslos gewesene Komniis Alexander Ruppert. Er behauptet, rein zufällig mit Seidl auf dem Praterstern z usam menge troffen zu sein und ihn in die Blumauergasse begleitet zu haben. Er will angeblich gar nicht gewußt haben, woher die Verletzungen des Seidl, frfe er Wohl sah, stammen. Da er aber vor dem Blut der Wunde Scheu empfand, will er der Verbandanlegung gar nicht beigewohnt haben, sondern gleich weggegangen sein. Saß Butschedl schon vor der Tat mit Sei dl beisammen ivar, ist bisher n i ch t e r w i e s e n. Kunschrrk und der Mord. Die Christlich sozia le Nachrichtenzentrale meldet: Der Obmann der Wiener chrMichfozialen Parteileitung,. Abgeordneter Kunschak, hat seinen Urlaub abgebrochen und ist Montag früh in Wien eingelangt. Im Laufe des Vormittags hielt er eine längere Aussprache mit den, Minister für Aeußeres, Dr. Mataja, um über den Sachverhalt volle Klarheit zu erlange,In einer Aussprache mit dem Reichsobmann der christlich-deutschen Turnerschaft, Ministerialrat Pultar, vereinbarte er mit diesem die korporative Teilnahme des Gaues Wien an dem Begräbnis der ermordeten Mohapl. Von einer Aufrufung der ch r istl i chf o z ia l e u Partei zur Teilnahme an den, Begräbnis nah», der Parteiobmaun Abstand, weil es ihm richtiger erscheint, die Leichenfeier nicht zu e i n e r pa r t c i p o l i t i s ch e n Demonstration zu gestalten. An die Eltern des ermordeten Mohapl hat der Parteiobmann im eigenen wie im Namen der Wiener christlichsozialen Parteileitung folgendes Schreiben abgeseudct: Wien, mn 4. Anaiisi Euer Wohlgeboren! Sehr geehrter Herr! Li^f erschüttert von dom furchtbarenUnglück, dos über Sie und Ihre Frau Gemahlin gekommen ist, trete ich teil; uahmsvollst an Ihre Seite. T Nach einer monate 1 a n g e n Hetz e, die alle Leiden^ schäften aufgevüttelt, ja, aufgepeüscht hat. wurde Ihr Sohn von einer Bestie in Menschengestalt aus tierischer Lust am Morden hingeschlachdet. Ihr Stoh;, Ihre Hoffnung, Ihre Zuversicht liegt auf der Bahre als ein Opfer der Verwilderung des politischen Lebens, der Verlotterung eines Teiles der Presse, wie nichl minder auch der schweren Erschütterungen des Rechtslebens namentlich auf Wiener Boden. So weit es noch gesittete Menschen gibt, nehmen diese innchgsten Anteil an denr Jammer, in den Sie und Ihre Frau Gemahlin versetzt worden sind. Möge Ihnen diese Tatsache helfen, den entsetzlichen Schicksalsschlag zu überwinden. Möchte es Ihnen und uns allen gegönnt sein, in späteren Tagen zu erkennen, daß aus dem vernichteten Leben, der Blüte Ihres Hauses, unserem Volke und unserer Stabt ein Leben erblühe, getragen von edler Gesittung, geschützt von klarem Rechtsbewußtsein, wandelnd aus den Bahnen wirklicher Ordnung. Gott tröste und stärkeSie und Ihre Frau Gemahlin in diesen Tagen bittersten Leides, Gott schenke Ihren, armen Kinde Friede und ewige Seligkeit, darum will ich innig 'bitte,' Kommunistische Treibereien in Graz. Aus Graz wird berichtet: Schon feit längerer Zeit hat das unter kommunistischer Führung stehende G r a z c r Arbeitslose nkomitee eine lebhafte Propaganda für eine Versammlung >der Arbeitslosen entfaltet, die gestern vormittags auf denr Frei'heitsplatze hätte stet!- finden sollen. Die Versammlung wurde jedoch von der Polizeidirektion verbaten. Ein Rekurs bei,,: Landeshauptmann Dr. Rintelen wurde abschlägig beschiedeu. Mit Rücksicht auf die Erklärung der Kommunisten, die Versammlung trotzdem ab halten zu wollen, waren gestern von der Grazer Polizei weitgehende Vorkehrungen getroffen worden, wodurch die an -Mehreren Stellen vorgenommenen B e r s u ch e k v m m u n i st i s ch e r Gruppen, zum Freiheitsplatz zu gelangen, verhindert tvurden. Wogen Widersetzlichkeit gegen die Wache ikam es zur Verhaftung mehrerer Personen. - Der barbarische Numerus claulu«. Sin kommunistischer Anschlag auf. Masarvk. Aus Budapest wird uns berichtet: Seit einigen Dagen weilen hier zlvei angesehene Amerikaner zu Besuch. Der eine ist Mr. Stuart Levuss ov e, der Begründer mw ehemalige Chefredakteur des Fordschen Glattes „The Dearborn Independent", der seine Stelle verließ, als Henri F o r d das Blatt in antisemitisches Fa'hvlvasser führte. Mit ihm kam Mr. P h e l p s - P h e l p s, ein bekannter Miw- Vorker Advokat und Mitglied der gesetzgebenden Körperschaft des Staates New-Jork. Beide wurden von Budapester Journalisten über ihre Eindrücke befragt. Budapest gefällt den Amerikanern nicht schlecht, wenn sie es auch zu lener finden. Auch mit Ihrem Politischen Urteil über Horthy- Ungarn hielten diese ^distinguished foreigners" durchaus nicht zurück. Mr. Phelps fand es einfach urbverantwortlich, daß ein Staat, der als sein höchstes Ziel die Verteidigung und Rettung der unter Fremdherrschaft gelangten ungarischen Minoritäten angibt, eilt drakonisches Gesetz gegen eine Gruppe der eigenen Untertanen schafft und aufrechtechält. „Wie ist dieses barbarische Gesetz," schloß Mr. Phelps sein Urteil, „mit der sprichwörtlichen Fre ihettsl i e b e zu vereinigen, die Ungarn in Amerika berühmt machte? Von meiner Schulzeit erinnere ich mich nur eineungarischen Namens, jenes Kossnths, doch müßte Ungarn sehr schlecht fahren, ivenn in den amerikanischen Schutbücherrt nach dem Absätze über Ludwig Kossuth. der Inhalt des Numerus-clausus-Gesetzes ahgodruckt werden würde." tz Werbet Abonnenten sürdie ß ...Wiener Morgenzeitung" I Nach drei Jahren entdeckt. Prag, 4. August. Wie die Polizeikorrespondenz meldet', wurde zugleich mit dem kommunistischen Führer Dottor Houser auch der Journalist B. Stastny wegen Teilnahme und Verleitung zum Mord verhaftet. Wie ,/Narodni Lisch" und ,/Leske Slovo" erfahren/ 'handelt es sich um die Vorbereitungen zu einein Anschlag gegen den Präsidenten Masaryl. Vor d r e i Jahren habe die Moskauer Internationale einen Sonderkurier an die bolschewikische Partei in der Tschechoslowakei geschickt und ihm den Auftrag erteilt, u m jeden Preis ein Attentat auf den Präsidenten Masarhk zu begehen. Eingeweiht seien Dr. Honser und der Generalsekretär der Partei Jilek gewesen. Mit der Ausführung des Attentats habe mau Stastny betraut, der jedoch die Tat nicht ausgesührt habe. Ter Brotvreir. Vorläufig keilte weitere Ermäßigung. Zur Gestaltung des Brotpreises teilt die Christlichsoziale Nachrichtenzentrale mit, daß seit Beginn dieser v -.Woche in fast allen Bäckereibetrieben allgemein der Brotpreis auf 8 0 Groschen herabgesetzt jmrrde. Die verschiedentlich au,ftretenden Gerüchte von einer in der nächsten Zeit bevorstehenden neuerlichen Herabsetzung des Brotpveises sind nicht zutreffend, da mit dem gegenivsirtigen Preis schon der fallenden Entwicklung des Mehlpreises vorausgegriffen -wurde und außerdem bereits ein Anziehen der Getreide- und Mehlpreise infolge der außerordentlich ungünstigen CinbringungsmögliWeiten eingetreten * 8