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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-05 · Heft 2319 (5.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2319 (5.8.1925)
Date
1925-08-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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August. (Havas.) Außenminister Briand verständigte Len englischen Außenminister Chamberrain, daß er am 5. d. nach London zu kommen fc&> absichtige, um mit chm den Wortlaut der Antwort aus die deutsche Sicherheitsnote zu erörtern. Der Tag der Zusammenkunft Briands und Chamberlai ns zur Erörterung der Frage des Sicherheitspaktes ist noch n i ch t b e stimm t. Die Begegnung der beiden Staatsmänner dürfte jedoch kaum vor nach st er Woche stattsrnden. Briand wird nur von der unerläßlichen Zahl von Mitarbeitern begleitet sein. Es ist aber wenig wahrscheinlich, daß Finanzminister C a i I l a u x ihn begleiten werde, da im Verlaufe der Zusammenkunft nur die Sichevheits-- ,frage und nicht das Problem der interalliierten Schulden geregelt werden soll. '_ Luthers Bemühungen um das Zentrum. Berlin, 4. August. (Tel.-Komp.) Wie das berliner Tageblatt" erfährt, ist die Frage der Besetzung des Rei chsministeriums für die besetzten Gebiete noch nicht endgültig geklärt. Die Nachricht von der bevorstehenden Ernennung Guerards habe in den Reihen des Zentrum starken Widerspruch hervorgerufen. Jedenfalls wird aber die Besetzung noch vor den Sommerserien des Reichstages erwartet. Ser griechisch-bulgarische Konflitt. Griechische Truppen an der bulgarischen Grenze. Sofia, 4; August. YUug. Tel.-Korr.-Bur.) In Angelegenheit des grie chisch-bulgarischen Zwischensalles, der soeben aufgetaucht i>st, wird berichtet: Am y. Juni wurde der griechische Staatsbürger Nikolaidis in Stanimaka erwordert. Kurz vorher wurde der stellvertretende Bürgermeister von Stanimaka, Christo K a l in of f, ermordet. Diese beiden Morde lhaben in allen Kreisen Bestürzung kheworgerufen. Nachdem bisherigen Ergebnis der Untersuchung scheint zwischen beiden Morden ein Zusammenhang zu bestehen. Die bulgarische Regierung hat in Beantwortung der von Griechenland unternommenen Demarche die Versicherung abgegeben, daß die V e r s o l g u n g der Mörder ungeordnet worden sei und daß die Militär- und Zivilbchövden sowie die Polizei Instruktionen in diesem Sinne erhalten Hätten. Wie aus Athen berichtet wird, sind griechische Truppenteile an die bulgarische Grenze abgegangen. Der griechische Außenminister hat offiziell erklärt, daß die G r e n z p o st e n verstärkt worden sind und daß die Verstärkung so lange andauern würde, bis Bulgarien hinreichende Maßnahmen getroffen hätte. Die Verhaftung der Mörder würde eine Beilegung des Konfliktes bringen. Der politische Mord in Lemberg. Das Standgericht gegen den Mörder Cechnowskis verschoben. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 4. August. In letzter Minute ist die für Montag den 3. d. angesetzte Verhandlung des Standgerichtes gegen Josef B o t w i n, welcher den Warschauer Geheimagenten Cechuowski, Zeuge in dem gegenwärtig stattfindenden, für die Steiger-AMre sehr bedeutsamen Lemberger Prozeß, erschossen hat, verschoben. Sie wird wahrscheinlich Donnerstag den 6. d. stattfinden. Die Verschiebung der Verhandlung wird damit begründet, daß die Erhebungen noch nicht völlig abgeschlossen sind. Wie verlautet, soll während der standgerichtlichen Verhandlung gegen Botwin, der. gegenwärtig laufende Prozeß Kornhäber, Mikitiu und Genossen unterbrochen werden. Im Aufträge des polnischen Justizministeriums ist der Warschauer Staatsanwalt Kowalewski in Lemberg eingetroffen, um über die Causa Botwin sowie über den Stand des Kornhaber-Prozesses Informationen tirrzuziehen. Ans Srez Israel. 3100 Einwanderer im Juli. London, 30. Juli. Im abgelaufenen Monat sind 3100 jüdische Personen in Palästina eingewandert. Wie Ihr Korrespondent erfährt, 'hat die palästinensische Regierung aus Ersuchen der palästinensischen Zionistischen Exekutive beschlossen, bedeutende Verbesserungen in den Quarantäne st ationen von Jaffa und Haifa einznsühren, um die Lage der Einwanderer, dtz durch diese Häfen gehen, zu erleichtern. 30P0 neue Zertifikate für Ehaluztm. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Die palästinensische Regierung hat mit Rücksicht auf die befriedigende Lage des palästinensischen Arbeitsmarktes dem Gesuche der palästinensischen Zionistischen Exekutive entsprochen und ihr 3000 Zertifikate für Rechnung des halbjährlichen Arbeitsplanes, der für die Monate März bis Oktober genehmigt war, bewilligt. Bon den 3000 Zertifikaten sind 2600 für Männer und 500 für Frauen be- Born Technikum in Haifa. Der Leiter des Technikums in Haifa, Mr. Blök, der fein Amt nur für ein Jahr übernommen hatte, verläßt in diesen Tagen Palästina, um nach London zurückzukehren. Die provisorische Leitung des Technikums übernimmt vorläufig Ing. Hecker. Mr. Blök versprach bei einem ihm zu Ehren veranstalteten Mschiedsbankett, seine Arbeit für das Technikum auch außerhalb Palästinas forJusetzen. Mederlassüug von Beduinen. Beduinen vom Stamme Bne Hassan aus dem. Hauran, die vor einiger Zeit von der palästinensischen Regierung die Erlaubnis zum Eintritt in das - paläftinenstsche Gebiet erbeten hatten, überschritten den Jordan und Rehen sich im Emek bei Ajn Charod nieder. Die Beziehungen zwischen den Beduinen und -den, jüdischen Siedlern sind durchaus freundschaftlich. Steigender Anteil Palästinas an den Keren- Hajess od-Einnahmen. Aus Jerusalem wird uns geschrieben,: Aus eben jetzt veröffentlichten Ziffern gcht die st e i >g e n d e B e t st euer der palästinensischen Judenheit zum Keren Hajessrd hervor. Im April kamen insgesamt 700 Pfund in «bar ein, im Mai 900 Pfund und im Juni 1300 Pfund. Man nimmt zuversichtlich an, daß der jährliche Gesamtbetrag nicht weit unter dem für Ereg Israel festgesetzten Kontingent von 20.000 Pfund bleiben wird. Das jüdische tzrziehungsbudget. London, 4. August. Kolonel Symes, dev gegenwärtig in Vertretung Lord Plumers die Agenden des Oberkommiffärs für Palästina leitet, hielt ber^ den Schlußprüfungen am ^hebräischen Gymnasium in Del-Awiw eine längere Rede, in welcher er bekanntgab, -daß die Regierung eine entsprechende Dotierung des jüdischen Erziehungsbudgets im Lande ins Auge fasse. Huffein ruft das Haager Schiedsgericht an. London, 4. August. Nach einer Meldung aus Jerusalem haben arabische Führer in Palästina mrtgeteilt, daß Exkönig Hussein dom juristischen Institut beim Haager Internationalen Gerichtshof die Beschwerde gegen England wegen seiner Verbannung nach Zypern überreicht >habe. Die Jenaer Universität. Berlin, '4. August. Bon zuständiger Stelle der Universität Jena wird mitgeteilt: Die in der austvärtigen Presse verbreitet gewesene Nachricht, daß die Universität Jena für ausländische Studierende geschloffen sei und ,/verdächtige" Personen dokumentarisch Nachweisen müßten, daß ihre beiden Eltern und alle vier Großeltern Christen sind, beruht aus freier Erfindung. (Sin angeblicher Ueberfall auf 8«za. Bukarest, 4. August. Das Ministerium des Innern hat aus Jassy die Nachricht erhalten, daß der Antisemitenführer Cu za von einem Juden namens Lerman auf offener Straße blutig geschlagen worden sei. Lerman wurde verhaftet, er leugnet die Tat. Weitere Ähebungen sind eiugeleitet. Die Informierten. —y. Wien, 5. August. Der Zionismus erfreut sich des hochmütigen- Abscheues der „Arbeiter-Zeitung". Wo und wann immer sich die Gelegenheit bietet, wendet sie sich von ihm ab. Das ist kein Wunder. Der Zionismus ist die stärkste Verkörperung des Judentums und die deutschösterreichische Sozialdemokratie bemerkt nun einmal nicht, daß es ein Judentum gibt. Wird es ihr zur Kenntnis gebracht, dann sagt sie ein paar giftige Worte. Die englische, französische, die deutsche, die italienische Sozialdemokratie ist in diesem Punkte noch nicht so aufgeklärt 'wie die deutschösterreichische. Ramsay Mac Donald, Hendevson, Wedgwood, Leon Blum, Oskar Cohn — um nur einige wenige zu nennen, finden, daß ein Problem durchaus nicht verschwindet, wenn man es negiert. Im Gegenteil, es kommt immer wieder — die „Arbeiter- Zeitung" würde sagen, mit echt Mischer Zudringlichkeit — an die Oberfläche. Das Judentum besteht, der Zionismus besteht, er arbeitet organisatorisch, kulturell, wirtschaftlich, sozial. Er erzwingt sich die Beachtung des Völkerbundes, der Regierungen, der geistigen Führer; er wird hier mit Sympathie, dort mit Haß behandelt. Er ist eine Bewegung, zu der man sich irgendwie stellen muß. Die deutschösterreichischr „Arbeiter-Zeitung" will das nicht wahr haben. Für sie ist der Zionismus eine bourgeoise Bewegung. Es gehört dort förmlich zum guten Ton, die Unkenntnis als Schmuck herauszuhängen. "So lesen "wir gestern vom Ziomstenkongreß, daß er „offenbar unter der Patronanz jener jüdischen Geldmagnaten steht, die im Finanzkomitee des Völkerbundes und bei allen österreichischen Anleihen in Amerika und England ein gewichtiges Wort mitzureden haben". Dieses „offenbar" macht sich immer sehr schön. Es dient dazu, die Geste des Nichtswissenwollens in die Druckerschwärze zu setzen. Würde der Zionismus unter dieser Patronanz stehen, so hätte er allerdings nicht nötig, immer wieder an die'Opserbereitschaft des Judentums zu appellieren. Er muß das sehr oft tun und er bestreitet alle Kosten der Arbeit in Palästina aus den Geldern, die ihm weiß Gott nicht die jüdischen Geldmagnaten zur Verfügung stellen, sondern die jüdischen Massen. Unter ihnen auch die jüdischen Arbeiter, jene Arbeiter, die sich als Angehörige der jüdischen Nation fühlen und die in Palästina einen sehr ansehnlichen Teil der Aufbauarbeit leisten. Sie sind in vielen Ländern bereits als nationaler Zweig der neuen Internationale anerkannt und sie haben vor einer Woche erst ihre Forderungen als jüdische Arbeiter Palästinas ider Konferenz der Lgbour Party vorgelegt. Sie haben ihre jüdische und sozialistische Ueberzeugung sehr bewährt und die bolschewikischen Kerker, die sibirischen Konzentrationslager wissen sehr viel von diesen zionistischen Sozialisten zu erzählen. Für die „Arbeiter-Zeitung" ist dies alles nicht vorhanden. Sie bemerkt den Zionismus entweider gar nicht oder sie hängt ihm ein Klampfel an. Manchmal freilich reicht ihre Unkenntnis nicht aus. So gestern. Auf der zweiten Seite macht sie die erwähnten Bemerkungen über die Patronanz der jüdischen Geldmagnaten; auf der dritten Seite findet sich ein sogar richtiger Artikel über die jüdische sozialistische Arbeiterbewegung und im Anschluß daran eine Mitteilung über die Konferenz der Poale Zion. Die „Arbeiter-Zeitung" kennt ihre eigene Organisation so tvenig, daß sie nicht weiß, daß diese Poale Zion eine Fraktion des Zionistenkongresses sind, der offenbar unter der Patronanz usw. siehe oben. Das ist für die beiden Beteiligten eine unangenehme Sache. Sie erhärtet, daß das sozialdemokratische Zentralorgan über Georgien und Grusinen Bescheid weiß, nicht aber über eine auch in ihrer Nähe bemerkbare politische Bewegung, und sie zeigt lveiter, daß es der Fraktion Poale Zion nicht möglich ist, an einem so wichtigen politischen Zentrum wie es Wien ist. die so notwendige Auftlärung zu schaffen. Peking und Moskau. Peking, 3. August. (Wolff.) Sunpaotschi ist $mtv Botschafter Chinas in Moskau ernannt worden.

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