Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-08-02 · Heft 2316 (2.8.1925) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2316 (2.8.1925)
Date
1925-08-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981401--23516-3011042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Wien, Sonntag \3hL 2316 Wiener Movgenzettung. 'De. Danneberg für den Wiener Gemeinverat und die engeren Klubkollegeu des Verstorbenen, die Gemeinveräte Schorsch und Suchane-k. Zum Schluß inchm Bürgermeister Seitz namens der sozialdemokratischen Partei von dem Dahingegangenen Abschied. In bewegten Worten schilderte er die großen Verdienste, die sich Reumann um die Arbeiterklasse erworben hatte. Nach diesen Reden formierten sich die Teilnehmer zu «Ktem endlosen Trauerzug, der den Sarg über die Ringstraße bis zum Schwarzenbergplatz geleitete. Um 5 Uhr langte die Leiche im Krematorium an, wo abermals eine kurze Trauerfeier abgehalten wurde. Abgeordneter Pölz er nahm als Obmann der sozialdemokratischen Bezivksorgauisation Favoriten, deren Vertreter Reumann durch 26 Jahre im Gemeinderat gewesen war, Abschied. Hierauf saug die „Freie Typograph in" ,Flühe, müder Wanderer" und dann wurde der Sarg unter Orgeltönen den Flammen übergeben. La« Grab König Äavid» gesunden? Aus Jerusalem meldet J..T. T.: Rsv. I. Garroiv Duncan, der die archäologische Arbeit des Palästine Exploration Fund auf dem Berge Ophel in Abwesenheit des Pros. Macalister leitet, teilt soeben mit, daß er ein System unterirdischer Kammern entdeckt hat, die aus der Periode etwa 1200 v. Ehr. stammen und offenbar das Grab König Davids darstellen. Es handelt sich um einen in den Felsen gehauenen Zentralraunr, aus welchem fünf kleinere Kammern abzweigen. Wertgegenstände wurden nicht gefunden. Wie Josaphus Flavins erzählt, hat Jocha-naan Hyrcanus, der Sohn von Simon Macoabeus, das Grab Davids öffnen lassen und hat daraus 3000 Silbertalente entnommen. Später öffnete Herodes nachmals das Grab und entfernte daraus alles, was Wert hatte. Pr-of. Macalister' hat >zu Beginn feiner archäologischen Tätigkeit bei Qphel der Ansicht Ausdruck gegeben, daß, wenn auch das Davids-Grab gefunden sein wird, es ganz leer sein und sich nicht von den übrigen Gräbern der Umgebung unterscheiden wird. 8roße Rot unter den Wischen Textilarbeitern in Polen. Mehrere Tausend Mische Textilarbeiter in Lodz sind durch die Krisis in der Textilbranche in schwerste Not geraten. Abgesehen davon, daß zahlreiche Arbeiter ohne Arbeit sind, erhalten auch die noch jetzt in den Fabriken Beschäftigten seit einigen Monaten keine Löhne, da die Fabrikseigentümer nicht in der Lage sind, die notwendigen Gelder zu beschaffen. Am. 27. Juli hielt der Be re in jüdischer Textilarbeiter in Lodz eine massenhaft besuchte Versammlung ab. Es wurde eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, ein Streik könne unter den heutigen Verhältnissen den Arbeitern «nicht viel nützen, aber die Arbeitgeber müßten alle Anstrengungen machen, um den Arbeitern die rückständigen Löhne auszutzachlen, da lsonst Hunderte von Arbeiterfamilien buchstäblich denr Hnngertode verfallen werden. * Eröffnung des radiotelegraphischen Verkehrs zwischen Oesterreich und Frankreich. Gestern wurde der radiotelegraphische Verkehr zwffchen Oesterreich und Frankreich eröffnet. Aus diesem Anlaß wurden zahlreiche BegrüßungSdoveschen offizieller Stellen zwischen Wien und Paris gewechselt. Mitteilungen aus dem Publikum. Orlfl.lraiK.~ JOB Wien, Ulli. Skodagasse 19/2 Möbelfabrik J. Spira Peine «-> 111611, iII. »M1«WM 1—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse Tdlore und Barette kür Kultus undJästlz erhalten Sie vorrätig oder nach Mas* in den maoigfaltlgsten Formen bei der bekannten SpeeUlflnna RUDOLF GOLDSFEIN .. Telephon 46-8*39; Oe gründet 1808, Viele belobende Anerkennangaaohreiben. ~ Lieferant vieler ln- und amländischer Kaltnegemelnden. 135 Reich lunstrlerte Kataloge 0.50 Groschen Restaurant „National“ (Spritzer) WIEN, II, TABORSTRASSE 18 // Vorzügliche Wiener und orientalische Küche // Jüdische Volkszeitung Erscheint einmal wöchentlich ln Bratislava (Pressburg) Einzige jüdlschnatlonalc Zeitung in der Slowakei in deutscher Sprache War «Ich fUr das Jüdische Leben in der Slowakei interessiert, muss unsere Leitung lesen Abonnementgebühr für Inland, Deutschösterrelch, Polen und Jugoslawien Kö 80.—, für das übrige Ausland KS 10Ö.— jährlich Inserate in dieser Zeitung bringen guten Erfolg Verlangen Sie Prelstarit! w Kongress- . * Besucher * müssen unbedingt das grösste Spezial-Modellhaus für Damenkonfektion ü $ Bruder VI., MMllferstrasse so besuchen. Herbsi~ und Wintermodelle in Mänteln, Kostümen * Aparteste Wiener Mode, wie auch ori- * ginal Pariser Modelle * Riesenauswahl Sehr massige Preise 518 altbewährtes, von über 9000 ärztlichen Gutachten bestens empfohlenes Kräftigungsmittel für Schwächlinge, Blutarme und Rekonvaleszente Zu haben in allen Apotheken SERRAVALLO'* China-Wein mit Eisen FAHRSCHEINE für alle in- und ausländischen Hahn- und Schiffslinien Oes terrelchlsches Verkehrsbureau Wien, I. Frledrldistrasse 1, — Telephon 7500 ' 3172 gegen Schmerzen rheumatischer, gichtischer und nervöser Art. «j?« Togal wird von viele» Aerzten emvsohlen / Probkpackung in allen Äpothelrn Sammlersrende. Mr. Adolf Lewifohn in Ne-w-djork gilt als einer der erfolgreichsten Prioatsammler seltener Druck- -und Handschriften der Welt. Seine große Privatbibliothek -in feinem Palais irr der fashionablen Fifth Avenue , ist der Gegenstand eines ganzen Sagenkreises Mer den unovmeWchen Wert ihrer Schätze und über die abenteuerlichen Wege, auf denen diese Schätze in die Privatbibliothek des Mr. Adolf Lewifohn gelangt sein sollten. Eine goschäftstnchtrge Rad iog esellfchaft hafte nun vor kurzem den guten Einfall, Mr. Lewifohn einzuladen, den tausenden Zuhörern einiges .über feine Büchevsmnmilung zu. erzählen. Irr feinem Vortrag kam Mr. Lewifohn immer wieder darauf zurück, üveljche >mbeschrei'bliche Freunde ihm das Sammeln von Handschriften, seltenen Folioausgabeu, schönen Einbänden und anderen literarischen! Schätzen bereitet habe und auch heute noch bereitet. Bor kurzem erst habe er einen Sachverständigen mit der Katalogisierung feiner Bücher- und Handschviftensanumlung ibetraut. Damit beguüge er >sich jedoch nicht. Er sei eben daran, einen ganzen Stab von Fachgelehrten fik die Ausgabe, zu bestellen, die in seiner Bibliothek befindlichen! Bände durchzustudieren, ihrem Ursprung uachzuspüren und alle erreichbaren Daten von irgend welchem historischen oder .folkloristischen Interesse im Ziufammenhang mit dem betreffenden Buche zu sammeln. „Die Museen und privaten Sam-mler", sagt Mr. Lewifohn, „Leigen zumeist ibloß für alte Bilder, Möbel, Gobelins ll. dgl. besonderes Interesse; mir aber bereitet es mehr Freude, durch Drucke und Handschriften mit den großen Geistern nnd Schöpfern einer Gedankenwelt in, Poesie und Prosa in direkte. Verbindung zu gelangen. Und da ich das große Glück hatte, eine überaus interessante nnd reichhaltige Kollektion von seltenen Frühdrucken, B i b e l a u s g a b e n u nd H a n d s ch r i f t c n zu sammeln, .habe ich, so oft ich mich in ihrer Mitte befinde, immer das beseligende Gefühl, im Kreise guter alter Freunde zu sein, unter deuerr es sich tvohl -weilen läßt." 2. August 1925 -——■ i.iiHin . '■"»'»t.su.my Unterwegs. Westbahnhof. Der Berliner D^Zlug fkeihlk . bereit. Unter den zahlreichen Reifenden und Begleitern schreiten auch tvir den Perron ab. Gerade jetzt, dm ©ar-j abend des Kongresses, muß der Freund Wien verlassen - nnd die großen Hoffnungen, die schweren Sorgen, die der' Kongreß erweckt, beherrschen auch unsere Abschisdsininuten? Was wird er bringen? Was soller denr Lande bringen.... Ans die „brennende" Frage gestoßen: Landwirtschaft oder städtische Jndustvie — bleiben wir unter dem Fenster eines dieser rauniverschlingendeu Wagen stehen. Stichworte und Sinnbilder der KolonisatioUrformen fliegen nur so herum: Tel-Awiw — Merchawja — Moschaw — Kwuzah... „Adonai m'dabrim i-brith?" — klingt zu uns plötzlich eine Stimme herab... Ein freiuder Herr beugt sich zu uns ans dem Fenster hinunter — das Gespräch hat feine Aufmerksamkeit auf nus gelenkt, bekannte Laute, Abklänge liebgewordener Erlebnisse hat er vernommen... Eine kurze, aber herzliche Vorstellung, -das „naini m'od" ersetzt mehr als ebenbürtig die langst unaufrichtig gewordene Formel des „freut mich sehr". Das Gespräch -beginnt: „Mein Äkame ist Josef Roth, Dr. Josef Roth aus N. Dort im Südosten Europas 'hatte ich meine Fabrik pharmaMtischer Artikel. Ich bin Chemiker von Berus. Jetzt aber befindet sich meine Fabrik in Be ne--B c ra f. Sie kennen doch diesen Namen, meine Herren, nicht wahr? Der Ort liegt, von jüdischen Kolonien umringt, unlveit des berühmten Traubenparadieses von Rischon-le-Zion. Bis vor kurzem war er nur mit unserer -Geschichte verknüpft; einmal im Jahre gedachten tvir feiner, als einer ehemaligen Stätte der geistigen Führer -unseres Volk-ev -- am Sederabend des Pessachfostes. Sie erinnern üch gewiß dieser Erzählung von den fünf greisen Lehrern, die da die ganze Nacht hindurch saßen nnd die Bedeutung der Bolkübefreiung -in Aegypten besprachen. Jetzt ist Bene-Berak eine aufstrebende, blühende Siedlung gesetzestvener Juden aus dem Osten. Bewußt haben wir diesen Ort zum Bau einer Zukunft gewählt, der -schon aus der Vergangenheit uns den Wert der Freiheit überliefert hat. Wissen Sie, -wovon wir träumen, die tvir tagsüber Ingenieure, Bauern, Handwerker sind? Von einer Zeit, da silberhäupt-ige Gelehrte wiederum am Tore unserer auferstandenen Siedlung fitzen und denr Volke die Bedeutung der Befreiung durch unsere Jahrtausende umfassende Geschichte hindurch lehren, beginnend mit dem Auszug aus Mizrajim. Ob mich die Pogrome aus meiner .Heimat verjagt haben? Nein, dies nicht! Die ersten Jahre nach denr.Weltkriege haben uns die furchtbaren Ausschreitungen eines verblendeten, verhetzten Pöbels gebracht. Indessen senkte sich bald diese Welle der körperlichen Mißhandlungn. Freilich verblieben die seelischen Mißhandlungen, die ja auch immer, «tvenu auch versteckt, latent waren. Aber wie kann eine Freude am wirtschaftlichen Schaffen, wie kann selbst die elementarste Freude am Leben die Tage erhellen, da man im günstigsten Falle geduldet" wird, daun aber dies täglich und stündlich zu hören bekommt! Wirtschaftliche Aussichten? O ja, die haben wir in weit höherem Maße als in N. Palästina wivd der modernen Kultur erschlossen, und das Leben und die Gesundheit seiner Bevölkerung soll nicht dem Aücklichen Zufall anheimgcstellt, tvevden. Auch im gesamten vorderen Orient greift die moderne Entwicklung schnell um sich. Demgeniäß gestaltet sich unser natürlicher Wsatzmarkt von Tripolis bis Teheran, von Erzerum bis Addis-Abeba. Die Zölle sind meistens bequemer als von irgend einem anderen Pmckte der Erde. Deshalb vergrößere ich auch meinen Betrieb unr das vielsache: nachdem die ganze Einrichtung meiner alten Fabrik an Ort und Stelle untergebracht ist und 96 Arbeiter bereits jetzt au ihr Arbeit finden, hin ich nunmehr 'in das rheinischwestfälische Industriegebiet unterwegs, um neue, kräftigere Maschinenanlagen AN erwerben. Das Kapital? O, die mefften Unternehmer kouunen nach Paläftiua mit einem Anftmgskapital, das nicht einige tausend Pfund übersteigt. Die zionistischen Banken sorgen aber nach Kräften für die Entwicklung der patüftmen-sischen Industrie, und sobald ein Betrieb seine Lebensfähigkeit bewiesen hat, kann er durch Kredite vergrößert werden, -dcrur billiger Zinsfuß und günstige Bedingungen für die Verhältnisse Osteuropas ganz -märchenhaft erscheinen. Uebvi-- gens scheinen auch bei Ihnen in Wien die Banken ihre vornehniste Aufgabe, durch billige Kredite das Wirtschaftsleben des -Landes zu heben, nicht besonders ernst zu nehmen. Es dürfte als Grund für das Fchlen der Bankrottepidcmie in Palästina, tüelche feit einem Jahr-e in ganz Mittel- -und Osteuropa wütet, auch der erivahn-te U-nfttand -mit in Betracht 'kommen, 'daß Handel und Industrie vom Finanzkapital unterstützt, nicht aber durch eine Wucherpolitik ausgebeutet und dauernd geischwächt ivevden. Zuftieden? Das nicht im mindesten! Bor allem ist es das Tempo, welches uns nicht 'befriedigt. Die Einwanderer aus dem Osten konmren mit sehr beschränkten M-ittelü ins Land, und die Banken sind auch nicht i'lnstande, alle vielversprechenden Wirtschaftszweige zu finanzieren, so solid fundiert sie auch erscheinen. Es ist ja bekannt, daß die loich tigste ökonomische Institution der Bewegung, die Jüdische Kolonialbank, noch immer unt unvollständigem Aktienkapital arbeitet. Unter diesen Umständen ist es verständlich, daß sich das Tempo unseres Aufbaues verlangsamen muß, -Iveun man nicht zu denr. anderen Ausweg greifen soll — fremde, kapitalskräftige Banken ins Land zu -rufen. Auch dies birgt natürlich große Gefahren, und so stehen Lyoner Seidenhaus ».!«* VKQHI.MRS$BRQASSE 7 (vis-ä-vi« Hotcl Metropole) «7, QIGSer WOCflGS Bouretto 80 cm breit . « Maroealne } Seide 100 cm breit . . . . Poularde I 95 cm breit . . . . CrApe de Chine« bedruckt, 100 cm breit SpexlalhAus aller Arten Seidenscbalil AS S4.*0 8.SO 0.80 DetaUverkauf zu Orig.-JEastosprelseal 77064499

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.