Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2316 (2.8.1925)
- Date
- 1925-08-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 2316 Wien, Sonntag Wiener Moraenzeilitng 2. August 1925 Seite 3 Der 14. zionistenkongretz in Wien. Konznlhaus 18. bis 28 August. Was man anch immer spricht und schreibt, Zigaretten.pKP,kK „OLLESCHAU“ bleibt Tagesordnung: 1. Dienstag den 18. August: Eröffnungssitzung um f Uhr abends^ fl) Eröffnungsansprache des Präsidenten der Zionistischen Organisation Herrn Dr. Chaim Weizmann und des Präsidenten der Exekutive der Zionistischen Organisation Herrn Nahum S o k o l o w. b) Begrüßung. e) Ansprache des Herrn Oberrabbiners Dr. Z. P. C h a j e s,. Vorsitzenden des Zionistischen Aktionskomitees über Zionismus als Weltproblem. 2. Mittwoch den 19. August: Vormittagssitzung um halb 10 Uhr. a) Wahl des Präsidiums. b) Nachruf für die Zionisten, die in der letzten Kongreßperiode verschieden sind. e) Entgegennahme des Berichtes des Kongreßgerichtes über die Kongreßwahlen. d) Einleitende Berichte zur Generaldebatte. 1. Die politische Lage und die politischen Probleme des Zionismus (Referenten die Herren Dr. Chaim Weizmann und Nahum S o k o l o w). 2. Die politische Lage und wirtschaftlichen Probleme des Palästinaanfbauwerkes Meferent Dr. Georg H a l p e r n). e) Eröffnung der Generaldebatte. R a ch m i t t a g s s i tz u n g um 3 Uhr. a) Fortsetzung der Generaldebatte. b) Bericht des Permanenzausschusses. e) Wahl des Resolutionsausschusses.. 3. Donnerstag den 20. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. a) Bericht über die Tätigkeit der Zionistischen Organisation in Palästina auf dem Gebiete 1. der Kolonisation (Referenten die Herren Dr. Artur R » p p i n und S. Kaplanski); 2. des Erzichungswesens (Referent Nahum S o k o l o w). b) Die Einwanderung und Arbeit (Referenten die Herren Dr. A. Pick und I. Sprinzak). c) Fortsetzung der Generaldebatte. Nachmittags sitzung um 3 Uhr. a) Die Tätigkeit des Keren Kajemeth (Referent Herr M. N. Ussischkin). b) Ergebnis und Aufgaben des Keren Hajessod (Referent Herr Dr. Bertold F e i w e l). e) Fortsetzung der Generaldebatte. d) Wahlen von Ausschüssen. 4. Freitag den 21. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte. 5. Sonntag den 23. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. a) Die hebräische Universität (Referent Herr Doktor Chain: Weizmann). b) Debatte. 6. Montag den 24. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. a) Referat zionistische Organisation und Propaganda, gegenwärtiger Stand und Vorschlag zur Reform (Referent Herr Lonis Lipski). b) Debatte. 7. Dienstag den 25. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. Kommissionsberichte und Mstimmungen. 8. Mittwoch den 26. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. Kommissionsberichte und Abstimmungen. Nachmittags um 3 Uhr: Kommissionsberichte und Mstimmungen. 9. Donnerstag den 27. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. Kommissionsberichte und Abstimmungen. Nachmittags um 3 Uhr: Kommissionsberichte und Abstimmungen. 10. Freitag den 28. August: Bormittagssitzung um halb 10 Uhr. a) Kommissionsberichte und. Abstimmungen. b) Wahlen. e) Schluß des Kongresses. Verlegung der Bureau« der rionlftischen Exekutive nach Wien. London, 1. August. Das Bureau der Exekutive der Zionistischen Organisation teilt mit: Es wird bekanntgegeben, daß die Bureaus der Exekutive mit dem 4. d. für die Zeit der Kongreßdanev nach Wiien verlegt werden. Alle Briese und sonstigen Sendungen, die die Exekutive noch'vor denr 4. d. erreichen werden, sind an die gewöhnliche Adresse: 77, Great Russell Street, London W. C. 1 (Telegrammadresse: „Zioniburo" London) zu schicken/ dagegen sind alle späteren Sendungen an die Exekutive der Zionistischen Organisation, Konzert- Haus, Wien, 3. Bez., Lothriugerstraße 20, zu senden. Die Telegrammadresse für Wien lautet: „Kougreziou" Wien. Die L a n ü e su n d S o nd e rv e rb ä n d e werden hierdurch aufgefordort, das Ergebnis der Kongreßwaihllen unter gleichzeitiger Einsendung der Protokolle und sonstiger Dokumente der Exekutive itt London m'itizutoilen. Meldungen über Wahlrefultate, die die Exekutive bis zum 4. d. iht -London nicht mehr erreichen, sind au die obige Adresse nach Wien zu senden, jedoch so, daß sie nicht später als bis zum 11. d. dort Eintreffen. Re Kongreßwahlen in Wien. Die H a u p t w a h l k o m m i s s i o n des Zionistischen Landesverbandes für Oesterreich teilt mit: Die Delegiertenwahlen für den 14 Zionistenkongreß finden am Donnerstag den 6. d. in der Zeit zwischen 5 und 9 Uhr nachmittags statt. Wahllokale für Wien. 1. und 2. B e 3 i t f: Taborstraße 1 („Wiener Morgen« zeitung"). Prater: Sektiouslokal, 2. Bez., Jungstraße. 3. und 11. Bezirk: Cafs Lovrana, 8. Bez., Löwen» gaffe. 4., 6. und 10. Bezirk: Favoriteutempel. 6. b i s 8. B e z i r k: Sektionsheim Beunoplatz. 9. Bezirk: Cafö Metropole, Berggasse. 12. b i s 15. B e z i r k: BereinShetm Herklotzgaffe. 16. u n d 17. B e z i r k: Cafe Tubinsky, Brunnengasst 18. u n d 19. B e z i r k: Sektionslokal. 20. Bezirk: Sektionsheim, Karl-Meißl-Straße. Z w i s ch e n b r ü ck e n und 21. Bezirk: Cafs Park, 20. Bez., Allerheiligenplatz. Die Wahllokale für die Provinz und Wahlleiter werden noch in der „Wiener Morgenzeitung" bekanntgegeben werden. Wahlinstruktion. § 1. Die Wählen finden in den von der Hauptwahl« kommission festgesetzten Wahllokalen und zu den von ihr angegebenen Stunden statt. In jedem Wahlort wird ein von -der Hauptwahlkommission bestellter Wahlleiter die Durchführung der Wahlen überwachen. Ihm steht eine Wahlkommission zur Seite, in welche jede Liste je eine Vertrauens^ Person entsenden kann. 8 2. Die Schekelzahler müssen Persönlich ihr Wahlrecht ausüben; Vertretung sind unzulässig; auf schriftlichem Wege kann das Wahlrecht nicht ausgeübt werden. 8 3. Jeder Schekelzahler darf nur in den: Wahlkreis seines Wohlvsitzes, undzwar in dem für seinen Rayon bestimmten Wahllokal seine Stimme abgeben. Die Mitglieder der Wahlkommissionen dürfen dort ihre Stimme abgeben, wo sie ihre Funktion ausüben. Zur Legitimierung hat der Wähler dem Wcchlleiter nebst der Schekelquittung, die äbzunehmen ist, auch ein Persönliches Ausweispapier vorzulegen, aus dem genau der Name und der Wohnort des Wählers hervorgeht. Bei Zweifel über das Alter des Wählers (vollendetes 18. Le'bensjahr) ist die Kommission berechtigt, die Vorlegung eines Dokumentes zu verlangen, aus dem das Alter, des Wählers hervorgeht. Die Agnoszierung eines Wählers kann auch durch einstimmigen Beschluß der Wahlkommissivn. erfolge::, doch muß dieser Vorgang Protokolliert werden. ■ Sommerräumungsverkauf -ssi(f Schi f f mann II. Taborstraße 48 Telephon 47-1-79 En gros En detail Tragödien des Führers. Von Sigma. 1. Jeder Führer hat ferne stille Tragödie, auch der erfolgkeichste und glücklichste. Keiner ahnt, wie oft er einen inneren Zusammenbruch erlebt, wenn er mit dem Fortgang seines Werkes nnzrifrieden ist, wenn er es von Plötzlich autanchenden äußeren Feinden bedroht sieht, wenn er im eigenen Lager Mißtrauen, Neid und Scheelsucht zu bekämpfen hat, wenn Kleinlichkeit, Verständnislosigkeit und Trägheit sich vor ihm ansrichten und ihm den Weg versperren, daß ihm die Arme herabsinken in Verzweiflung, ob er stark genug sein wird, diese Hindernisse hinwegzuränmen, und im Kummer darüber, daß so viel Kraft vergeudet werden muß, die doch lieber der Erkämpfnng des großen Zieles gewidinet werden könnte. Und wenn er dies Ziel erreicht hat, entspricht es immer dem Bild seiner Träume? Ist nicht die Wirklichkeit dann nur eine Karikatur -des Ideales? Und erst wenn der Führer vor den: Eintritt in das Land der Verheißung das Zepter niederlegen und es von einer anderen Hand ergriffen sehen muß? . . . Alle Seelenqualen, durch die der Führer durchgehen kann, sind Moses, dem größten oller Führer, nicht erspart geblieben, und sein Buch schildert sie mit unvergleichlicher Anschaulichkeit und feinster Psychologie. Alle späteren Führer unseres Volkes haben, jeder in seiner Stellung, wenigstens einen Teil des Schicksals ihres großen Ahnen durchznkosten gehabt . . . Kann man sich einen größeren Gegensatz denken als den zwischen Don Isaak Abarbanell und Israel Baal Schein? Und beide waren Führer ihres Volkes. Der eine ein spanischer Grande aus der Blütezeit dieser Kaste, der andere ein jüdischer Doofproletarier aus den: Polen des 18. Jahrhunderts. Der eine Sproß der Tavidischcn Dynastie — der Stammbaum der Abarbanells war vielleicht der einzige authentische —, der andere Sohn eines armen Schankwirtes. Der eine gesättigt init den feinsten Säften der Antike und der beginnenden roinanischen Renaissance sowie der jüdischen Denker und Dichter des Mittelalters, der andere kärglich gefüttert mit Abfällen vom Tische polnischer Tälmndschüler und den Gespinsten jüdischen und nichtjüdischen Volksglaubens. Der eine Verfasier einer großen Anzahl von Werken, die von hoher sprachlicher und gedanklicher Kultur Zeugnis oblegen; der andere — nicht eine authentische Zeile aus seiner Feder ist uns erhalten, mrr seine Jünger haben uns seine Gedanken und Geschichten überliefert, in einem Gewände, das nichts weniger als annultig und reizvoll ist. Die Umgebung des einen eine kulturell und wirtschaftlich hochstehende Schicht, des anderen eine verarntte. unwissende, hilflose Masse. An den beiden entgegengesetzten Polen der Geschichte und des Lebens stehend, waren beide Führer ihres Volkes, der niederere von beiden der bei weitem erfolgreichere. Beide erlebten innerlich ein tragisches Schicksal, welches die Geschichte nicht verzeichnet, welches zu gestalten einem Dichter gegeben ward. Jehuda L. L a n d a u hat zwei neue Schauspiele in hebräischer Sprache gedichtet, welche die eine wie die andere der genannten Persönlichkeiten zun: Helden hat.*) Nach seiner Gewohnheit setzt Landau auch in diesen beiden Dichtungen eine Fülle von Gestalten in Bewegung, die den Hauptfiguren als Staffage dienen und zugleich die verschiedensten Menschentypen ihrer Zeit sehen und verstehen lassen. Dann kommen 'die großen Massen, der stumme Held, der Gegenspieler des dramatischen Heros, aber der eigentliche Träger des Schicksals. Don Isaak Abarbanell steht an der Spitze seines Volkes beim Auszug ans den: gelobten Lande Spanien — nicht in eine gesicherte Heimat, sondern in eine andere Herberge. Diesmal ist es Neapel, dessen kluger und vornehm denkender König Ferdinand die vertriebenen Inden eingeladen hat, sich in seinem Lande niederzulassen. Auf einem weiten Platz vor dem Hafen von Neapel haben die soeben gelandeten Juden ihr Lager aufgeschlagen. In den Szenen, die sich hier abspielen, wird mit vollendeter dramatischer Kunst der ganze historische Hintergrund des Schauspieles gezeigt. Einige der auftretenden Hauptpersonen charakterisieren sich in anmutiger Rede und Gegenrede so trefflich, daß sie lebendig vor uns dastehen und wir gespannt erwarten, wie sie im Verlaufe der lebhaft einsetzenden Handlung sich entwickeln werden. Die Intrige des *) „Ton Isaak Abarbanell" erschien in New-Aork, Verlag der Hebräischen Enzyklopädie: „Israel Baal Schem" bei I. Belf. Wien. 1. Bez., Nabensteig 3. Dramas ist geschickt ersonnen und zeigt im Erlebnis der einzelnen handelnden Personen wie durch ein riesiges Vergrößerungsglas, das Schicksal des ganzen Volkes und der ganzen Generation. Dem Sohne Don Isaaks, Don Jehuda und seiner Frau Lea, wurde ihr einziges Kind entrissen und der Taufe überantwortet. Jsabella und Ferdinand von Spanien gedachten nämlich aus diese Weise den jüngeren Abarbanell, dessen Dienste als Arzt sie nicht entbehren mochten, zu veranlassen, sich von seinem Volke zu trennen und als Christ in Spanien weiter zu leben. Zum Werkzeug dieses Kindesraubes hat sich einer der Familiären der Inquisition, Don Gomeg, hergegeben, der an Lea wegen verschmähter Liebe Rache nehmen will. Mit einem eisernen Brief T o r q u e m a d o s ausgerüstet, ist er nun den jüdischen Flüchtlingen nach Neapel vorausgeeikt, fährt fort, hier Lea mit seiner Zudringlichkeit zu verfolgen, und da er immer von Lea abgewiesen wird, will er alle Juden seine Rache fühlen lassen, wühlt das Volk von Neapel gegen sie auf, indem er verbreitet, daß die jüdische Hexe Lea hergekommen sei, um durch ihre Zauberkünste Verderben über die Stadt Hera ns - zubeschwören. Und als im Lager der schwergeprüften Flüchtlinge Krankheiten ausbrechen, hat Don Gomez es leicht, die Wut des Volkes so weit aufzustacheln, daß der schauerlichste Pogrom in der Lust schwebt. Allein Don Gomez hat sich infolge seiner unbändigen Geilheit hier bereits in eine unsaubere Wäre verstrickt, die ihm beinahe den Kopf kostet. Der König wendet seinen Schutz voll.den Juden nicht üb. König Ferdinand weiß nämlich nicht nur die ökonomische Bedeutung der jüdischen Einwanderer für die Hebung des Handels und der Wohlfahrt seines Landes zu würdigen, er legt auch hohes Gewicht darauf, daß Don Isaak Abarbanell in seine Dienste trete als Diplonlat und Finanzmann. Don Isaak, der in: sünfundfünfzigsten Jahre seines Lebens steht, hat hinter sich eine ruhmreiche Laufbahn als Finanzmiinster Portugals und Spaniens, er ist in den Staatsgeschäften sehr erfahren und sein bewährter Rat hat schon manch verwickeltes Diplomatenspiel meisterhaft gelenkt. Der König von Neapel behandelt ihn mit wahr, st fürstlicher Zuvorkommenheit und bietet alles auf, ::::: ihn an sein Land und seinen Hof zu fesseln. Don Isaak Abarbanell ist eine tiefe und komplizierte Natur, ein Mensch mit seinem Widerspruch. Zwei Seelen