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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-02 · Heft 2316 (2.8.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2316 (2.8.1925)
Date
1925-08-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Sonntag Wiener MokaenzeUuna 2. August 1825 Nr. 231fr Basar des Keren Kajemeth anläßlich des XIV. Zionistenkongresses ... ... I mmsmmmmmmmammmmmtmmmmmmm JUUIUIIIIV llHHllVHtwi Dl« P. T. firmen, deren Teilnahme noch aussteht, werden gebeten, aus Ihrem Warenlager Mir den Basar zu spenden Telephon 77-4-85, 77-4-86 Anmeldungen werden entgegengenotnmen :■ Bureau des Keren Kajemeth, /., Kärntnerstraße 28 Telephon 77-4-85, 77-4-86 werden, als zu Hause zu bleiben und zu verhungern." Sie kommen sich anscheinend sehr edel vor, weil sie den Juden überhaupt eine Chance geben, sei sie auch noch so gefährlich und kurzfristig. Die Sache Paßt eben in ihren Plan, darum ist sie gut. Jüdisches Leben in Gefahr bringen und die Juden für alle Zukunft mit fürchterlicher Verantwortung belasten, das sind Kleinigkeiten, vor denen Moskau nicht zurückschreckt, besonders dann nicht, wenn billige politische Erfolge winken. Fallen doch zwei und drei Fliegen auf einen Schlag. Erstens wird man Wohltäter der russischen Judenschaft und erlangt hiedurch den Anspruch auf moralische Unterstützung der nicht ganz einflußlosen Juden aller Herren Länder. Zweitens kostet die Geschichte nichts, die Tataren und die amerikanischen Juden bezahlen die ganze Zeche, und ein hübsches Restchen Geld wird sich überdies noch auf die Seite bringen lassen. Drittens treibt man einen Keil in die antibolschewikisch gesinnten Bauernmassen des Kolonisationsgebietes, durchsetzt es mit intelligerrten, den Moskauer Herren durchaus ergebenen Agitatoren. Das werden die füdischen Kolonisten doch sicher sein. Die großherzige Regierung kann doch zumiltdest von ihnen verlangen, daß sie von ihren neuen Wohnsitzen aus bolschewikische Propaganda betreiben, den Ruhm ihrer Wohltäter verkünden und die Segnungen des herrschenden Systems preisen. Auch wird man mit Recht von ihnen fordern dürfen, daß sie fleißig und unentgeltlich der Moskauer Regierung „Situationsberichte" erstatten, gerade herausgesagt: Spionage und Denunziation betreiben. Wenn, wider alle Erwartungen, die Juden sich halsstarrig und undankbar erweisen und diese Dienste verweigern sollten, wird man sie rasch eines Besseren belehren. Denn Moskaus Arm ist lang und schwer und bei ihren bäuerlichen Zbachbarn wird ihnen das nichts nützen. Für diese Nachbarschaft sind und bleiben sie Spione und Angeber. Dem Gewinn im Lande, dem iunerpolitischen 'Nutzen, reiht sich ein ebenso großer außenpolitischer Profit au. Auf Befragen haben Moskauer Vertrauensmänner offen eingestanden, daß der Krimplan nidjt mefo und nicht tveniger als die Einleitung der politischen Offensive gegen England und gegen den Zionismus zum Zwecke hat. England und der Zionismus werden als höchst unangenehme Gegner gotvertet. In England erblicken die Moskauer den Hauptfeind. 'Alle anderen. Gegner, wiegen nicht schwer. England ist stark und die einzige Macht, welche dem bolschewikischen Siegeszuge über Asien Einhalt gebieten und somit den Endsieg verhindern kann. So darf denn'keine Gelegenheit ungenützt bleiben, wenn es gilt, England zu schaden. England ist das Zentrum, unr tvelches die russische Außenpolitik heute kreist. Durch die Förderung des Zionismus und als wohlwollender Verwalter Palä- Itinas hat England — die Moskauer Politiker sind dessen sicher — das ganze Judentum für sich gewonnen und mit den Juden überall wertvolle Sympathien und moralische Stützpunkte erworben. Das Krimprojekt, der Welt als großzügigste und großherzigste Judenhilfe dargestellt, soll England seinen Nimbus als einzigen Inden- Protektor rauben und Rußland als vollwertigen Rivalen an seine Seite stellen. Aber auch der Zionismus als solcher soll getroffen werden. Im Zionismus erblicken die russischen Machthaber etwas ihnen Feindliches. Er raubt ihnen die Herzen und die Köpfe der jungen, jüdischen Intelligenz, und dre Bolschewiken glauben auf diese nicht verzichten zu können. Sie halten sie für den Aufbau und die Festigung ihres Systems unentbehrlich. Im Lande bekämpfen sie die Gefahr in der Weise, daß sie .die zionistrsche Propaganda rücksichtslos unterdrücken und die Zionisten als antirevolutionäre Hochverräter zu Tausenden einkerkern und deportieren. Nun soll die Aktion gegen den russischen Zionismus durch eine Aktion gegen den alltoeltlichen Zionismus ergänzt werden. Die Krim für Palästina. Wozu jüdische Menschen und ludlsches Geld nach Palästina schicken, nach diesem verkarsteten, spröden Lande, das ungeheure Opfer und unsäglich schwere Arbeit verschlingt. Der fette Boden der Ukraina liegt offen da und die üppigen Gefilde der Kriin lachen der leidenden Judenschaft entgegen. Da gibt es keine politischen und nationalen Schwierigkeiten für die Geldgeber, kein Problem des Judenstaates, kein jüdischnationales Problem, keine nationale Mitverantwortung, kurz, nichts von alldem, was den Assimilationsjuden die Mitarbeit beim Palästinaaufbau so schwer macht. Wozu in die Ferne schweifen, die Krim liegt so nahe. Ganz nahe liegt allerdings sic nur für den, der den Moskauern blind vertraut. Nachrechnen darf man nicht, sonst verfliegt der jaule Zauber, und die Segensfülle, welche denr jüdischen Volke und der leidenden russischen Jndenschaft vorgegaukelt wird, schrumpft jänunerlich zusaunnen. Fünfzehn Millionen Dollar Spendengelder siir einen einzigen Zweck sind eine gewaltige Summe, auch unter amerikanischen Verhältnissen. (Vergleichsweise sei erwähnt, daß.das ganze Palästinabudget der Zionistischen Organisation heute wenig mehr als drei Millionen ausmacht, den Nationalfonds mit inbegriffen. Amerika trägt an die anderthalb Millionelt dazu bei.) Und welche Leistung für das leidende jüdische Rußland wird in Aussicht gestellt? Die Moskauer Herren habelt für den Kolonistenkopf zweitausend Dollar in Rechnung gestellt. Jedermann weiß, was von solchen Voranschlägen zu halten ist. Die leiseste Vorsicht gebietet, sie zu verdoppeln. Aber bleiben wir bei zweitauserid Dollar. Wenn keine Zwischenfälle eintreten, unb sonst keilt Cent für die Hungerndelt Milliotten ausgegebelt wird, können, sage uttb schreibe, 7500 Siedler nach.der Krim gebracht werden. Das soll die Rettrulg, das soll die Lösung der russischen Judenfrage sein? Dabei darf inan nicht so naiv sein und voraussetzen, daß selbst diese 7500 eine Allswahl von Juden bilden werden, .die vor afteit anderen der Unterstützung tvürdig unb wirklich bedürftig sind. Ja, wenn bei der Auswahl nllr das jüdische Interesse beit Ausschlag geben würde! 'Aber in dev Kriitt soll ja eilt bolschcwikisches KräftezentrllUl geschaffen, Moskauer Stoßtruppen sollen dort eingesetzt werdeu. Verarmte, vom Unglück zermürbte jüdische Familieltvätcr können den cijcnten Keil nicht bilden. Da muß tiichtig untermischt werden. Unter denr Titel hilfsbedürftiger jüdischer Emigranten Werder: Massen sorgfältig präparierter und ausgesuchter Agitatorerr in die Krinr wandern. Auch bei der Auswahl der Beaiilten dürfte fachliche Eignung weniger ins Gelvicht fallen als politische Zuverlässigkeit. All das aitf Kosten der aittcrikauischcrt Geldgeber und der jüdischeit Httugerleider, bereu Elend auf amerikanischen Sammelbüchsen mib Sämmelbögen grell auflcuchten wird. Boit welcher Seite malt die Sache auch betrachtet: Philanthropisch gefärbter Humbug, teuflisches Intrigenspiel auf Kosten der Juden. Wie fommt es, daß die Führer der jüdisch-amerikanischen Finanzaristokratie so schnell und gebefreudig das Projekt akzeptiert habelt? Die Angelegenheit scheint auch von dieser Seite her verdächtig, auch .da geht es wohl iticht ganz mit rechten Dingen zll. Auch da Gegensätze, bereu Nebeneinander in der reinen jüdischen Hilfsbereitschaft keilte altsreichende Erklärung findet. Wie anders haben 'ich doch die Herren Marshall und Marburg benomuteit, als es der Mitarbeit nur Aufbau Palästinas galt; wie zögernd und wie vorsichtig. Unter dem Druck der öffeutticljcn Meinung und dem Zwange der Wirkung der herrlichen Erfolge des zionistischen 'Aufbauwerkes haben sie ihrer» Widerstand aufgegebelt und die Verpflichtung jedes Jlldelt, beim Aufball des nationalen Heimes behilflich zu sein, feierlich anerkannt. Rach langen, laitgen Verhandlungen sind sie so weit gegangen, einen Teil der Verantwortung für bcu Aufbau übernehmen und in die Leitnug der' Jewish Agency, der Vertreterschaft des jüdischen Volkes, eintrerten zu wollen. Am 14. Zionistenkoilgreß sollte der Pakt beschlossen und besiegelt werdeu. Aber nie warell sie .dazu zu bewegen, den fteinften Beitrag zu garantieren. Sie haben diese Zumntimg brüsk zurückgewiesen, ja, ihre Haltung war eine derartig ablehitende, daß die zionistischen Vermittler es eigentlich nie so recht wagten, ihnen mit dieser ZuillutlNtg direkt an bcu Leib zn rücken. Eine bindende Verpflichtltltg für das Befreinngswerk, für den Aufbau des nationalen Zentrums? Ausgeschlossen! Aber 15 Millionen für die Kriui sofort! Die Herren Bolschewiken ftreeften kaum die Hand entgegen und schon liegt die Garaittie auf dem Tisch! Marshall, Warburg und die Bolschewikeit, welch sonderbare Koutpagltie! Der Widerwillen der amerikanischen Gesellschaft gegen jede Art wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umsturzes, gegett jebeu Versuch, die Besitzunb Produktionsverhältnisse zuungunsten der herrschenden Klassen zu änbent, ist riesengroß und allbekannt. In ben Vereinigten Staaten ist schon das Wort Sozialreform eilt gefährliches unb in guter Gesellschaft nicht gern gehörtes Wort. In den Geruch des zahmsten Sozialismus kommen, heißt im üffeutlicljeu Leben unmöglich werden. Bolschewismus aber ist die Sintflut. Wir Zionisteil wisset! auch ein Lied davon zu sittgen. Wie hemmend erwies sich doch für unsere Agitatiorl der Unlstand, daß manche unserer Siedlnugelt in Erez Israel Brutstätte des Bolschewisntus ist. Wie viele Worte mußten geredet und wieviel Tinte verschrieben lverdett. Jetzt aber sehen wir Marshall und Warburg und Trotzki Arm in Arnl. Tie jüdisch-amerikanische Finauzaristokratie vertraut den Moskauer Konlmunisten große Kapitalien an, um ihnen z»r helfen, ein Kolonisatiouswerk, auf bolschewikischem Prinzip basierend, zu schaffeil. Und die antibolschewikisch eingestellte amerikaltische Regierultg gibt ihren Segen, muß ihren Segen gegeben haben, denn cs scheint völlig attsgeschlossetr, daß das Werk eingeleitet worden ist, ohne daß Washiitgton Ja und Amen gesagt hat. All das um der siebentausend jüdischen Hungerleider willen? Daran zn glauben wäre frevelhafter Leichtsinn, den wir Juden uns nicht gestatten dürfen. Auch hier geht es iticht mit rechten Dmgen zu, auch hier scheint ein Spiel im Gange,' i» welchem die Inden nicht Zweck, sondern Mittel sind.' Alle Begleitumstände sprecheil dafür, daß aits jüdischenr Elend Fäden gesponnen werden, die von Washingtoit bis Moskau reichen. Unter dem Vorwände reiner Hilfsbereitschaft sollet: Verbindungen geschaffen werden, deren Bestand inan aus bicfcit und jenen Gründer: verheimlichen will. Und barunt müssen die Juden ins Feuer geschickt, darum muß Palästina der Krim de*- Vvrtritt lassen. * Der Zionistischen Organisation steht eilte schwere Zeit bevor. Die Beseitigung des Krinlgespenstes wird viel Kräfte erfordert: und dern Aufbauwerk viel kostbare Zeit rauben. Aber geführt muß der Kantpf werden, beim es ist der Kantpf für Palästina und die Sicherheit des jüdischen Volkes. SPIELBKLLE Gummimäntel, Gummischuhe und Gummiwaren aller Art zu Fabrikspreisen! SPIRMANN & HOROWITZ Wien; II.-Bez., Taborstrasse Nr. 11 b — Telephon Nr. 47-0-86 gemeinwirtschaftlichen Charakter tragen. Wie mußten wir uns bemühen, nachzuweisen, daß Erez Israel keine Um den Marottofrieden. Diplomatische Gernclstemacherei. Paris, 1. 'August. (Havas.) Der Korrespondent der „Times" in Tanger behauptet, Spanien hätte Abd el Krirn ein F r i c d c n s a n g e b ot gernacht, das insbesondere die Gewährung einer örtlichetl Rifregierung unter der Souveränität des Sultans, einer kleinen von Spanien bezahlten Armee und finanziellen Weistandes beinhalte, wogegen Abd et Krim die Artillerie und die Gcsangertelt abznliesern hätte. „Petit Parrsicn" bemerkt, diese Meldung inüsse mit ausdrücklichem Vorbehalt ausgenommen werden, da Spanien und Frankreich übereiNgekommcn seien, keinen Sonderfrieden 511' schließen und die Friedensbedingungen von den französischen iutb spanischen Delegierten in gemeinsamem Einvernehmen nusgearbeitet worden seien. Wie der „Matin" bleichtet, erklärt die französische Regierung offiziell, von Abd el Krim keine Erklärung cmpsangen zn haben. Das Blatt glaubt Zit wissen, daß der Quai d'Orsay gestern alt ben Residenten Lyau t e y in Rabat ein Telegramm gerichtet habe, nm genaue A n s s ch l ü s s e zn erlangeti. Rach einer Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Pa in lebe erklärte 'Marschall Petain, die militärische Lage ilt Marokko sei gegentvärtig überaus günstig. Paiuleve hat seinerseits geäußert, Petaiu habe mit Marschtill Lyautey iutb General Nanlin die Pläne für die denmächst, falls Abd el Krim die Be diu gungen Frankreichs u n d S p a u i c n s ablehnen sollte, rasch durchzuführenden O p e r a t i 0 ». c n gründlich erörtert. Verstärkte Angriffe der Marokkaner. Paris, 1. August. (HavaS.) Der „Matin" meldet ans Fes: Die O f s e n s i v e der R i f l e n t c gegen U e z z a n scheint verschoben worden zu sein. Abd el Krim bereitet sich, in Pesnrchtnng einer französischen Vorrückung, zur Defensive vor. Mail muß noch mit ungefähr drei Woche u bis zn der e n d g ü l t i g e u Aktion rechln'n, die das Gebiet der fraitzösischeu Zone vollständig befreiet: wird. Der Feindfährt fort, sich an getvissen Punkten zn verstärken unb an anderen die Stämme zn bennrnhigen. Der Posten voll Ain Bu Aissa setzt seine heldenm ü t i g e V e r t e i d i g n tl g fort. Der Feind, der infolge der Kämpfe bei Ain Aicha und Ain Maatnf gegett Norden zurückflutete, kehrt gegen S n d e n zurück. An der Front ist die Lage im affgemeincu ruhig, doch setzte), in der Gegend von ttezzan die Rifkabylen ihre Vorbereitnngelt für einen All griff auf die Stadl fort. Einigen Abteilungen soll es gelilngen sein, bi) s ü d w e st l L ch der Stadt v v.r z u d r i » g e n.

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