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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-01 · Heft 2315 (1.8.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2315 (1.8.1925)
Date
1925-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, SamStag Nr. 2318 Wiener Moeaerizeltuns. 1. August 1925 Seite 3 Der Lemberger Prozeß. MIkutin fürchtet die Rache der renmiften. — «eine Anklage gegen Panun-znu. Lemberg, 31. Juli. Die auf die Ermordung Cech- Irowskis folgende Verhandlung brachte in diesem an sensationellen Wendungen überreichen Prozeß eine neue Sensation, die diesmal vom Staatsantvalt ausging. Die Verteidiger beantragen die Vertagung des Prozesse s, da es unmöglich sei, gctvissermaßen unter terroristischen Einflüssen von außen weiter zu verhandeln. Die Verhandlung sei zu unterbrechen und der Akt an den Untersuchungsrichter behufs Ergänzung der Untersuchung auf Grund der inzstvrschen aufgetauchten Verdachtsmomente zurückzuleiten. Der Gerichtshof beschließt die Ablehnung der Anträge und Fortführung der Verhandlung. Im fortgesetzten Verhör erklärt Mikiti n, daß er ckach dem Mord all Cechnowski nicht mehr die Ueberzcugung loswerden könne, daß man auch a n i h m wegen feiner Artssagen Rache nehmen werde. Er werde daher über Panczyszyn keine Aussagen mehr machen, da er nicht auch als Opfer fallen wolle. Der Vorsitzende ordnet eine kurze Palkse an. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung beantragt Doktor P i e r o c k i namens der Verteidigung, sämtlichen Verteidigern der: Einblick in .den Akt Panczyszyn zu gestatten. Der Staatsanwalt spricht sich dagegen aus. Verteidiger Dr. Landau hält es für ein ungerechtes Vorrecht des Staatsanwaltes gegenüber den Verteidigern, die nicht nur das Recht, sondern im Interesse ihrer Klienten auch die Pflicht haben, dell galten Fall Panczyszyn klar zu sehen. Es scheine, daß die Untersuchnllg gegen Panczyszyn nur aus dem Grunde nicht fortgeführt werde, weil man sich von Steiger nicht losmachen könne. Der Gerichtshof beschließt, den Akt Panczyszyn den Verteidigern nicht vorzulegen. Hierauf ergreift der Staatsantvalt zlk folgender sensationellen Erklärung das Wort: „Auf Grirnd der Mitteilungen der Prokura tur, die die Untersuchung im Prozeß gegerl Steiger bereits abgeschlossen Hat, wurde festgestellt, daß keine Ursache vorliege, gegen Panczyszyn eine Anklage zu erheben. Der hernach als Zeuge vorgerufeue Panczyszyn, 23 Jahre alt, Maschinist, erklärt nach einer Rechtsbeilehrung durch den Vorsitzenden, daß die Beschuldigung, die Mikitin gegen ihn erhebe, unbegründet sei. Er habe an dem Tag des Attentates in seiner Wohnung geschlafen. Er sei aus Rawa Ruska nach Lemberg gekommen. Auf die Frage, was er in Rawa Ruska getrieben habe, verweigert er die Antwort. Er kenne Wohl Mikitin, doch sei er zu ihm niemals in nähere Beziehungen gestanden. Der Vorsitzende vertagt die Verhandlung auf den nächftelt Tag. Die polnische Presse spricht von der Schuldlosigkeit Steigers. Aus Warschau wird uns berichtet: Das Mordattentat des Kommunisten Bottwin gegen den Geheimagenten C e ch n-o ws.ki -hält'die-gesamte öffentliche Meinung in Erregung. Alle Blätter, selbst die extrem antisemitischen, die bisher den Standpunkt vertreten 'hatten, daß der ^Iude Steiger im Austrage der Inden das Attentat gegen den Staatspräsidenten Wojciechowski verübt" habe, sind jetzt gezwungen, ihre Stellungnahme zu ändern und zu,zugeben, daß Steiger unschuldig ist. So stellen „Dwa Grosze" an leitender Stelle fest, daß der neue Mord auf das Dunkel, in das das Attentat, auf den Staatspräsidenten in Lemberg gehüllt war, ein grelles Licht Werse und fährt dann fort: „Es stellt sich heraus, daß die Organisatoren des Attentates Kommunisten waren und das Attentat von Panczyszyn ausgcsührt wurde. Die Lemberger Polizei, die Steiger auf die Anssage irgend eines hysterischen Weibes verhaftet hat, bewegte sich offenbar auf falschen Spuren. Erst die Warschauer Polizei hat den Faden der Wahrheit erfaßt. Cechnowski, dessen Zeugenaussagen Panczyszyn am schwersten belastete und zur Aufdeckung der Wahrheit am meisten beigetragen hat, hat die Erfüllung seiner Pflicht mit seinem Leben gebüßt. Sein Mörder hat, wie es scheint, nicht einmal den Versuch gemacht, zu entfliehen; er gestand mit unerhörten Zynismus, daß er das U r t c i l d e r k o mm u n i st i s ch e n P a r ve i ausgeführt habe." „Rzeczpospolita" schreibt u. a.: „Cechnowski war in dcnr Prozeß gegen Jäger und K o r nhaber der einzige Zeuge, der die Geschichte des Attentats auf den Präsidenten in das richtige Licht gerückt hat. Die Untersuchung war anfangs in die Irre gegangen. Sie beschuldigte den Kommunisten (?) Steiger als Attentäter, aber Cechnowski hatte in seinen Aussagen festgestellt, daß der Hauptattentäter der Kommunist Panczyszyn gewesen ist. Die Partei hat nun in ihrer Angst vor weiteren Enthüllungen Cechnowskis, diesen zun: Tod verurteilt. Botwin ist jedoch mit der Ausführung des Mordes um einige Tage zu spät gekommen, Cechnowski hatte bereits ausgesagt. Im selben Sinne behandeln auch „Przeglad Wieezorni" und andere polische Blätter den Mord an Cechnowski im Zusammenhang mit dem Fall Steiger. Bitt republikanisches Fest in München verboten. Berlin, 31. Juli. (Wolfs.) Nach einer Meldung des „Vorwärts" ans Münch c ,: ist der von den republik a >n i s ch e n Verbände n für den 11. August, al's den Tag der Verfassungsfeier, geplante F a ck e l z u g von .der Münchener Polizeidirektion -unter Berufung aus die bayrische Staats reg: ern ng verboten worden. Die Ueberlassung des Königsplatzes für eine öffentliche Kundgebung sei gleichfalls ab ge lehnt worden. Sie Spinnten. Berlin, 31. Juli. (Wolfs.) Wie die Abendblätter aus Schneide nt iih I melden, treffen dortselbst die aus Polen ausgcwiese n e n deutschen Optanten in großer Zahl ein. Die Verwaltung der Durchgangslager ist aufs eifrigste bemüht, sie nnterznbringen und weiter zu befördern. Durchschnittlich kommen täglich 500 lb>i's 600 Dentfche Optanten an, von denen allerdings nur 200 untergebracht werden können. Die Gesamtzahl der augenblicklich im Durchgangslager Schtwidemühl befindlichen Optanten beträgt 3000. _ Die Konsul-Leute in Semlin. Belgrad, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Die -beiven in Semlin Kd>ai|lde» deutschen Studenten Levigl und Hartung gaben bei ihren: polizeiliche,: Verhör all, daß sie au: 12. Juni von Hamburg nach Oesterreich gereist seien, dort aber verhaftet und, da sie in Wiener völkischen Kreisen verkehrten, nach Dentschland ansge.wiesen wurden. Von Dentschland seien sie dann mt'f einem Donaudampfer nach Ungarn 'iiitiö 'schließlich nach Jugoslawien ge-kormnen. Die beiden Studenten stellten entschieden in Abvede, daß sie in irgend einenl Politische,: Auftrag nach Jugoslawien gereist seien. Zwei Senlliner De-ntische, die den - Studenten Unterkunst gewährt hatten, wurden verhaftet, alslbald aber wieder auf ^eien Fuß gesetzt. Bankbeamtenftre» in Pari«. Paris, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Die Bankangestellten von L y o u haben gestern abends beschlossen, von heute an in derb Aüsftand zu treten, nachden: eine Unterredung ihrer Delegierter: plit den: Polizeipräsidenterl des Rhonedepartements am Nachmittag ergebnislos verlaufen war. Gestern abends ha-ben die Angestellten des Comptoir d'Eskompt, des Credit du Nord und der Bcmque Privee beschlossen, in den Streik zu treten. In Bordeaux haben die Bankangestellter: den Beschluß gefaßt, die streikenden Pariser Kollegen moral: s ch u n d finanziell zu unterstützen und eventuell in einen Solidaritätsstreik einzutreten, sofern ihre Forderungen nicht bewilligt würden. 10.000 Streikende. Paris, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Wie zu erwarte.:: war, .hat der Streik der Ban karlgestellten heute eine weitere A:: s d e h n u n g erfahren. Gegenwärtig befinden sich hier etwa 10.000 Angestellte, im Ausstand. ' Die Bankangeftellten in Nantes haben sich znm größten Teil der Bewegung angeschlossen. Finanzminister Caillaux empfing heute nachrnittags eine Abordnung der Bankdirektoreil, doch wird bestätigt, daß der Minister die Forderungen der Bankangestellten unterstütze. - Anniiherung Amerika» a« den Völkerbund. Genf, 31. Juli. (Schweiz. Dep.-Ag.) Bekanntlich verließ der Delegierte der Vereinigten Staaten von Nvrldamcrika infolge Memun.gIvevschicdenihelben die letzte Opi-umkonferenz. Die amerikanische Geisa,Mschaift irr Bern hat nun dom Generalsekretariat des VöWovbilndes mitgetoilt, daß sie Dr. Tuck als amerikanischen Dolegierte,: für die am 24 Jb. zur Eröffnung konmreude Op iumkonferenz bezeichnet habe. Dr. Duck war jahrelang als Borwalt,lngsbeanrter in: fernen Osten tätig. Weiters wird gemeldet, daß Persien einen ständigen Vertreter beim Völkerbund ernannt hat. Daurit erhöht sich die Zahl der ständige»: Delegierten beim Völkerbund auf'14. Letzte Kurse. New-Borkev Devisen. New-Aork, 91. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 33.80. London Kabel 4.85%, London Scheck 4.81%, Amsterdam 40.16, Paris 4.74%, Brüssel 4.61, Non: 3.67. Madrid 14.46. Zürich 19.43. Stockholm 26.89, Oslo 19.02. Kopenhagen 22.02, Wien 0.14. Budapest 0.14, Prag 2.96%. Belgrad 1.82. Athen 166, Buenos Aires 40%. Rio de Janeiro 11.75, Bukarest 0.61. Amerikanische Getreidemärkte. New-Aork» 31. Juli. lTel.-Komp.) Weizen rot Winter 163%. Weizen hart Winter 167»Mats 119%. Hafer-, Roggen-. Ehikngo, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 166, September 144%, Dezember 150%; Mais per Juli 109, September 109%, Dezember 85%; , Hafer per Juli 41%. September 41%. Dezember 44%; Roggen uer Juli 93%, September 96%, Dezember 99%. OTTO OTTO Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe loh miah in Berlin niedergelassen und behandle in dem ärztlich geleiteten psychoiiierapeiitisclien Hiulaiorii Tel. Blsm. 3030 G. m. b. H. Tel. Biszn. 3035 Berlin, Kurf Urstendamm 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewiesenen Erfolgen selbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wie: tiemüts>Leiden Sprach-Lelden SexualstSrungen Ifdiias / Neuralgie Neurosen Nerrfise Koplfdimerzen Lähmungen usw. Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10—, Uhr Meine Broschüre „Oie Heilung der Seele" 1094 Ist zum Preise von M. 2>— bei obiger Adresse beziehbar Sie Skupschtina. Belgrad, 31. Juli. (U. T. K. B.) Die Skupschtina hat gestern nachts nach stürmischen Szenen mit 172 gegen 51 Stimmen das B u d g e t p r o v i s o r i u m votiert. Das Pressegesetz gelangt wieder an die Parlamcntskommission behufs neuerlicher Beratung. Heute wurde nur die Beratung des ersten Teiles beendet. Tie Regierung will die Vorlage unter allen Umständen unter Dach und Fach bringen, so daß die Session erst an: 6. d. oder noch später enden wird. Flucht vor dem Faszirmus. Basel, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Schweizerische Blätter verzeichnen das Gerücht, daß das größte antifasziftische Blatt Italiens, der „C o r r i e -r e d e l l a Ser a", um den ihm seitens der Fäszisten gemachten Schwierigkeiten zu entgehen, feinen Sitz nach Lugano in Der Schweiz verlegen werde. _ Internationaler Arbeiterschutz. Bern, 31. Juli. (Schweiz. Deip.-Ag.) Vom 23. bis 25. Septenlber 1925 wird die internationale Vereinigung für gesetzlichen A r b e i t e r s ch u tz in Bern ihre 13. Delegilertenvevsanrntlung abhalten und in Verbindung damit ihr 25jähriges Bestehen feiern. Zu der Delegierte,:- Versammlung werden etwa hundert Teilnehmer aus den europäischen und verschiedenen überseeischen Staate,: erwartet. Die Versamnrlnng wird vier K o m m iss: o n e n ernennen, vo>n Denen die erste Die internen Angelegenheiten und den Stand der Rakifiziernngen der i n t c rnationalen Arbeiterschutzverträge von Wafhington behandeln wird, die zweite den Bericht über Den Schutz der Angestellten, die dritte die Aufstellung eines Fragebogens über die Regelung der Ruhepausen und der A r b e i t e r u r >l a u b e in der Arbeitorschntzgesetzgebung, die vierte die Ausstellung eines Fragebogens über die Mi ndestkv hne in unterentlohnten und nnznlängtich organisierten Industrien. Seit einiger Zeit wird eine Verschmelzung der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz mit der internationalen Vereinigung zur Bekämpfung -der Arbeiltslos'igkeit geplant, die ähnliche Ziele verfolgt. Ter Z-usammenfch'luß würde vollzogen durch die Schaffung einer internationalen Vereinigung für sozialen Fortschritt. Diese Frage wird in der Delegiertellversammlung zur Behandlung kommen, und cs ist eventuell eine gemeinsame Tagung mit der internationalen Bereinigung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Aussicht genommen, die ungefühv zu gleicher Zeit in Bern ihre Versammlung abhält. Ter neuen Vereinigung würde sich auch die internationale Vereinigung für S oz ia lv e r siche ru n g anschließen. _ Schutz des geistigen Eigentum». Genf, 31. Juli. In der gestrigen Schlußsitzung der Jntellektuellenkommission des Völkerbundes wurde Senator Ruffini beauftragt, einen neuen Entwurf über den Schutz des wissenschaftlichen Eigentums auszuarbeiten. Da von allen Seiten die Berechtigung der Forderung anerkannt wurde, das; die Industrie einen Teil ihrer Gewinne, die aus der Anwendung wissenschaftlicher Entdeckungen herrühren, für die Gelehrten z u r ü ck st e l l e n soll, denen diese Entdeckungen zu verdanken sind, sprach die Kommission den Wunsch aus, eine Sachverständigenkommission einznbernfen, um diesen Gedanke:: auf seine praktische Durchführbarkeit zu Anfangs Jänner wird eine Vorkonferenz von Vertretern der internationalen Stndentenverbände einberufen werden, um über ein g e n: e i n s a m e s A r b e i t s p r ogramm zu beraten und den Plan der Schaffung eines internationalen S t u d i e n k a r t e l I s zu prüfen. Der. amerikanische Plan zur Einberufung eines großen internationalen Historikerkongresses, für den von amerikanischer Seite Geldmittel in Aussicht gestellt worden sind, wird verwirklicht werden. Am Schlüsse der Tagung sprach das arnerikanische Mitglied Kellogg seine Freude darüber aus, daß er der Tagung habe beiwohnen können, an der Deutschland durch E i n st e i n vertreten ist. Der Direktor des Pariser Instituts für inte rnationale geistige Zusammenarbeit, Luchaire, gab Erläuterungen über die Wirksamkeit des neuen Instituts, das seine Tätigkeit am 1. November d. A, in.Paris ausnehmen wird. »

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