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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-01 · Heft 2315 (1.8.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2315 (1.8.1925)
Date
1925-08-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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! '.W 'fiwnmm Seite 4 ' Wien, SamStatz Sie AnNagr gegen SenitiQ. tzeleidigung Horchys und Verletzung de« Umtsgeyetm« uifle«. Budapest, 31. Juli. (Ung. Tel.-Korr.-Gur.) Die Staatsanwaltschaft hat heute dem Budapester Staatsgerichtshof die Anklageschrift gegen den früheren Minister des Innern Beniczky überreicht. Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen Beniczky die Anklage wegen des im Wege der Presse begangenen Vergehens der Beleidigung des Reichsverwesers und des Vergehens der Verletzung des Amtsgeheimnisses. Die Staatsanivaltschaft betont, daß das wegen Beleidigung des Reichsverlvesers eingeleitete Verfahren sich durchaus nicht auf die Aussage beziehe, die Beniczky vor dem Militärgericht abgegeben hatte, sondern ausschließlich auf einzelne Stellen des im ,Kz Ujsag" veröffentlichten Artikels vom 31. Mai. Wogen Verletzung des Amtstzeheimnifles wird gegen Beniczky die Anklage erhoben, weil er amtliche Verfügungen, Verhandlungen und Berichte in dem erwähnten Artikel veröffentlichte, obwohl er von der Wahrung des Amtsgeheimnisses nur bei der E i «vernahm eals Zeuge enthoben wurde. Ueberdics erhebt die Staatsanwaltschaft gegen Beniczky und den Redakteur des ,/A; Uzsag", Thomas Kobor, als Mittäter die Anklage wegen verbotener Veröffentlichung. Die Staatsanwaltschaft beantragt die A n fr c ch te rha l t u ng der Untersuchungshaft gegen Beniczky, da es nicht erwiesen sei, daß Beniczky in Ungarn ein Vermögen oder sonstige Einkünfte -hätte, die ihn an das Land fesseln, so daß bei dem gelvesenen Innenminister Fluchtgefahr vorlicge. Las Sedenburger Splelkasino. Budapest, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Der heutige Ministerrat beschäftigte sich, „Magyarorszag" zufolge, in erster Reihe mit der Frage der Errichtung einer Spielbank. Wie der stellvertretende Ministerpräsident Baß nach Schluß des Ministerrates einem Vertreter des Blattes mitteilte, werden im Finanzministerium täglich neue Gesuche wegen der Errichtung eines Spielkasinos eingereicht. Der Ministerrat traf jedoch heute keine Entscheidung, da mehrere Kabinetts-, Mitglieder von Budapest abwesend sind. Baß erklärte, daß die Regierung das Recht der Stadt O e d c n b u r g, im Interesse ihrer wirtschaftlichen Zukunft ein Lpielkasino zu bekommen, würdige. Die Regierung könne aber k c i n e r l e i Z n s a g e machen, daß Oedenburg die Konzession erhallen wird. Bürgerkrieg in Met. London, 31. August. (Tel.-Komp.) Der Berichterstatter des „Daily Telegraph" in Kalkutta meldet, daß die dauernder! Feindseligkeiten zwischen der militärischen Fortschrittspartei in Tibet und der konservativen Lama Part ei die Gestalt eines Bürgerkrieges angenommen haben. Gerüchtweise verlaufet, daß 10.000 Mann unter Führung eines chinesischen Generals über Khaul nach Tibet einmarschieren. Perser und Araber. Bagdad, 30. August. (Reuter.) Persische Regierungskruppen -haben gestern den in Failiyadh gelegenen Palast des Scheichs von Mohammerah angegriffen. Der Palast, der von Arabern Freitag gestürzt worden ivar und besetzt gehalten wurde, wurde nach einem scharfen Kampf eingenommen. Der chinesische Staatsrat. Peking, 30. Juli. (Wolfs.) Die feierliche Eröffnung des vorläufigen Staatsrates fand gestern im Winterpalast statt. Tnan tschijui hielt die Begrüßungsrede, in der er u. a. ausführte, daß die Einberufung des Rates die Einleitung für die Einberufung einer nationalen Delegiertenversa rn m lung bedeute, die eine neue Berfa ss u n g schaffen solle. Der Vorsitzende des Staatsrates erklärte, die wesentlichsten zur Beratung stehenden Angelegenheiten seien die Trennung der zivilen und mi l i tä r i s che n V e r-!.v a l t u n g, die Neuordnung des Finanzwesens, die Verminderung d e r W e h r m a ch t und die Aufvechterhältung freundschaftlicher Beziehungen zu den fremden Mächten. _ Las Schachturnier in Brerlan. Breslau, 90. Juli. (Wolfs.) Internationales Schachmeisterui liier. Rennte Ronde: Gvünföld schlägt Blümich, Rulbinstein schlägt R-ti, Damisch schlägt Wagner, Niemzowitzsch schlägt Tarrasch, Bogoljubow schlägt Gotschall. Die Partie Becker- Moritz wurde albgsbrochen. Stand nach der neunten Runde: Bogoljmbow 7,5, Nismzowitsch 6,5, Rubinstein 5,5, Wagner 5 fl), Becker, Reti 4,5 (1), Grüirfeld 5, Sämisch 4fr Tarrasch 3,5, Gotschall 3, Blümich 2fr Rnildeil-Hauptt'urnier A. Elfte und letzte Runde: Gilg schlägt Bergmann, Schönmann schlägt Fuchs, Orbach schlägt Kühn, Husong schlägt Kaltheuner. Die Partien Hollzhauscn—Schlnitt und Urbach—Müller waren remis. Schliußstand: Holzhausen (Magdeibnvg) gewann mit nenn Punkten den ersten Preis. Gilg (Mährisch-Ostrau) mi: 8 Punkten zweiter, Orbach (Frankfurt a. M.) und Schmitt «München) nri-t je 7 Punkten dritter und vierter Preis (geteilt), Schönmann (.Hamburg) mit 6/, Punkten fünfter, Husong (Ludwigshasen) und Kiiihn (Chemnitz) mit je 6 Punkten Wiener Mor-enzeUrrns. 1. August 19S8 Ne «tt» sechster Preis (geteilt). Es folgen Müller mit 5fr Nvbach mit '5fr Bergnranu mit 3, Fuchs mit 2fr Kaltheuner mit 2 Punkten. Zehnte Runde: Moritz schlägt Blümich, Bogoljubow schlägt Becker, Gottschall schlägt Tarrasch, Rubrnstein schlägt Sämisch, Grünseld gegen Reti und Wagner gegen Niemzowitisch remis. Stand nach der vorletzten Runde: Bogcljubow 8,5, Nieinzoimtsch 7, Rubinstein 6,5, Wagner 5,5 <1), Grünfclö 5fr ReÜ 6 (l), Becker 4,5 (1), Sänrisch 4fr Gotsiholl 4, Tarrasch 3fr Blümich 2fr Moritz 1 (1). Siegergruppe des Hauptturniers B. Sechste Runde: Weeg schlug Höhnlicher, Machatc schlug Boigt, Woehl gegen Probst abgebrochen, Berg schlug Lutz, Woehl gegen Berg remis. 'Stand: Machate 4 (l), Berg und Voigt je 3fr Ler Kamps gegen Dos Visum. Der österreichische Gesandte in Berlin Dr. Frank erklärte in einem Gespräch mit einem Vertreter der „Wiener Allgenteinen Zeitung", daß die österreichische Regierung mit Italien, der Tschechoslowakei und der Schweiz in Verhandlungen Über die A n fh«bn.ng des Visumzwanges eingetreten sei. Herabsetzung der Brotpreises. Wie wir erfahren, haben einige Brotfabriken den Brotpreis vom 1. d. angefangen, auf 82 Groschen herabgesetzt, während von anderer Seite wieder teilweise noch niedrigere Preise bekanntgegeben werden. In der kommenden Woche wird der Preis für einen Normallaib zu 126 Dekagramm sich zwischen 6 0 und 82 Groschen bewegen. Brotvervilligung in Budapest. Budapest, 31. Juli (Ung. Tel.-Korr.-Vur.) Die Bäcker Haben heute eine Versammlung abgehalten und eine 18- bis 22prvzentige Preisermäßigung für Backwaren beschlossen, die morgen in Kraft tritt. Steigen des Brotpveises in Paris. Paris, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Der Brotpreis ist in Paris heute von 1,60 Franken auf 1,65 Franken pro Kilogramm gestiegen. Lu» »Reue Pesier Sourual" erscheint nicht «ehr. Aus Budapest, 31. Juli, wird uns berichtet: Das seit 54 Jahren erscheinende politische Tagblatt „Neues Pest er Jo u r n a I" gibt heute im Leitartikel bekannt, baß es fein Weitererscheinen mit dem heutigen Tage a u if unbe st immte Zeit einstellt. Bezüglich des Beweggrundes der Einstellung — heißt eS int Leitartikel — haben wir nichts zu bemänteln. Zwei Worte genügen und man wird alles verstehen: Trian o n und die Wirtschaftslage. Der Begründer des ,Meuen Pefter Journals" war Hofrat Siegmund Brodh und der jetzige Eigentümer Hoftat Ludwig B r o d y. Sie Hakenkreuztolpottage. Auch gestern war wieder der P r a t e r st e r n der Schauplatz von kleinen Plänkeleien, die durch die Stänkereien der HatenkreuKkolpovteure hervorgerufen wurden. Die Polizei hatte strengen Auftrag, je-de Ansammlung zu -verhindern und ging bei jeder Nichtf0lgoloistuug rücksichtslos mit Verhaftungen dar. So wurden insgesamt 16 Personen verhaftet. Es hatten sich nelbft den .Hakenkreuzkolporteuren wieder Verkäufer der „Raten Fahne" eingefnnden, so daß die Situation immer bedrohlicher wurde. Die Wache machte aber allen Zusammenstößen bald ein Ende. Eine Person wurde wegen öffentlicher Gewalttätigkeit in Haft genommen. Gegen 8 Uhr abends machte der Reigen detl Szenen ein Ende. Eine krMrnng Lnbnowr. Der Historiker protestiert gegen den Mißbrauch seiner „Welt, geschichte". Professor Simon D u b n ow ersucht den Jüdischen Verlag, Berlin, wie dieser uns mitteilt, um die Veröffentlichung der folgenden Erklärung: „Meine im Jüdischen Verlag, Berlin, in zehn Bänden erscheinende „Weltgeschichte des jüdischen B y like s" steht mit dem bei Diax Ma isel in New- B o r k 1826 erschienenen Buch ,-An Outline of Jewifh History" in gar keinen! Zusammenhang. Bei dem genannten in New- Aovk erschienenen Werke handelt es sich um eine Uebersetzung meines Lehrbuches der jüdischen Geschichte" aus dem Russischen. Dieses ist in Rußland vor langer Zeit für Schulki nder herausgegeben worden. Die jetzt erschienene englische Ausgabe in New-Aork ist unter Nichtberücksichtigung meiner pädagogischen Absichten sowie auch unter anderem Titel herausgegeben worden, so daß es den Anschein hat, als wäre es ein Buch für Erwachsene. Ich habe bereits in einem Schreiben an den New-Aorker Verlag wie auch in der New- Vorker Tageszeitung „Der Tag" gegen diese Veröffentlichung protestiert. Durch diese Mitteilungen dürften wohl die Besprechungen der erlvähnten englischen Uebersetzung ihre Erklärung finden, in denen der Verwunderung über eine „Geschichte" Ausdruck gegeben wird, die zu Erwachsenen wie zu Kindern spricht. S. Dubnow." Ler Mar beim Sioaistenkoagreß. Die Spenden dev Wiener jüdischen Kauf. Mannschaft. — Der Kursalon im Stadtpark, Die Wiener jüdische Kaufmannschaft hat nicht nur den ideellen Wert des Zionistenkongresses erkannt, sondern sie weiß auch, daß er eine ungeahnte Möglichkeit bieten wird, neue Handesbezichungen mit dein gesamten Ausland«; anzuknüpfen und alte durch den Krieg abgerissene Verbindungen wiederherznstellcn. Der Keren «Kajemeth hat zu diesem Zweck« eine großzügige Aktion unter der Leitung des Herrn 2* Sendrovi cz unternommen und sieht sich dabei von der jüdischen Kaufmannschaft in wirksamer Weise unterstützt. Während des «.Kongresses wird im Kursalon der Stadt Wien eine großangelegte Ausstellung tarn Gebrauchs- und Kunstgegenständen aller Art veranstaltet. Die Waren tverden dem AusstellungÄomitee zum Geschenk gemacht. Aus jedem Stück wird die Firma des Schenkers ersichtlich sein, so daß mit dieser Wohltat gleichzeitig eine wirksame Reklame für den Spender verbunden ist. BiS jetzt sind schon 1600 Ausstellnngsstücke der mannigfachsten Art eingelaufen. Gegenstände des täglichen Bedarfes und der Bekleidung, Pavfümerien, Wäsche, Stoffe, Rauchlvaren, Beleuchtungskörper, Lederwaren, Radioapparate, Glaswareii. Gennßmittel, Schmuck, wertvolle Gegenstände, Handarbeiten und Antiquitäten werden in bunter Reihenfolge anfgestellt sein. Der Schlußtermin! für die Anmeldung wurde ursprünglich mit dem 5. d. festgesetzte, mußte aber, da der Andrang der Wiener und Provinzkaufleute schr groß ist, bis zum 10. d. verlängert werden. Die meisten Waren werden nicht iw Wege des Verkaufes, sondern im Wege der Verlosung an den Mann gebracht werden. Ein Los wird 50 Groschen kosten, so daß es möglich fein wird, unr diesen lächerlich geringfügigen Betrag sehr wertvolle Gegenstände zu erstehen, die für jedermann eine schöne Erinnerung an den Zionistenkongreß sein werden. Das Bewußtsein aber, daß mit dem erlösten Gelde der Keren Kajemeth Land für österreichische Chaluzim kaufen will, witd sicher dazu beitragen, daß sich an dieser Lotterie zahlreiches Publikum beteiligen wird. Unter den gespendeten Gegenständen befindet sich auch eiu Bild Theodor Herzls von der Hand des Malers Hennanv Struck, das eine Widmung Max Rordaus trägt. Sie lautet: „Unser Volk hatte einen Herzl, aber urrset Herzl hatten kein Volk. Möge diese bittere Aeußerung bald gegenstandslos sein. Dr. Rlax Älovdau, Basel, Kongreßsaal, 1. August 1905." Der 14. Zionistenkongreß wird den Böwers dafür erbringen, daß sie bereits gegenstandslos geworden ist. Der große Marmorsaal des Kursalons wird »her nicht imr diesen.Basar beherbergen, sondern ct wird auch lder gesellige ZusammenkunstSort aller Kongreßteilnehmer sein, die dort in einem prächtigen Saale bei erstklassiger Musik, für die Konzertmeister Max Geiger sorgen wird, ihre freie Zeit zubringon können. Bei schönen: Wetter steht natürlich die große Terrasse des Kursalons im Dtadtpavk de>nr Publikum zur Verfügung, die bei manchem Kongreßterluchmer die Vermutung erwecken wird, in einem sashionäblen Kurort sein. Im Kursalon toerfcßn ständig die neuesten Nachrichten aus dem Kongreß veröffentlicht werden, so daß die Besucher dieses Geselligkeitsortes über alle Vorkommnisse im Konzerthaus. aus das genaueste unterrichtet sein werden. Der Kursalon eignet sich für einen Echolungsort besonders gut, weil er in allernächster Nähe vom Kongveßgebäude liegt, Ueberdics planen die Führerinnen der Zionistischen Frauenorganisation, im Marmorsaal des Kursalons repräsentative Empfänge zu veranstalten. Der Kuvsalon im Stadtpark verspricht also der gosellschastliche Mittelpunkt des jüdischen Lebens während des Kongresses zu wevden. Ae Palsistinaanssielllmg ln Men. Eröffnung Mitte August. Der Palästittapavrllon wird,!vic schon mchvfach berichtet, in den Räumen des Konzerthauses eingerichtet. Die Ausftellltng aller antiken und neuen Sehenswürdigkeiten Palästinas wird Mitte August seievlich eröffnet werden und durch droi Wochen den: Publikunr zugänglich bleiben. Der Palästina- Pavillon in Wien wird an Reichhaltigkeit nnd Vielfältigkeit der ausgestellten Gegenstände bei tvclitem den Palästinapavillon in der Britischen ReichsauÄstellnng in Wembley übertreten. Die Tlusstellung bietet ein anschauliches Bild des aUneuen Landes ans allen Gebieten der Entwicklung und rechnet nrit einem Zuspruch von mindestens 8O.O0O Besuchern. Der Chefredakteur des Bla-ttes „Mischar W'taasia" in Tell-Awiw, Herr Ewsoross, ist bereits in Wien eingetroiffen, Itm die zweckentsprechende Einrichtung des Pavillons zu organisiereo Sin nach 11 Fahren aufgellsirter Mord. Das entlockte Geständnis. Anr Io. August 1914 verschwand auS SteinatircheN bei Scheibbs ein junges Mädchen namens Jvsefine >F a lt i n e k. Droi Monate später fand im Dickicht ein Gondarm ihre Leiche an einem Ban-rn ausgohängt. Da «kein« An-? haUsPunkte für ein Verbrechen vsulagen, nahm man Selbstmord an. Die Bevölkerung aber glaubte an keinen Selbstinord. Sie brachte den Geliebten 'der Faltinek, den Leopold O b e r l e i t n e r, mit dem Tode des Mädchens in Zusammenhang. Obevleitner war aber inzwischen .«1 94

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