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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-01 · Heft 2315 (1.8.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2315 (1.8.1925)
Date
1925-08-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sette S Dien, SamStag Wiener MornenHeitung. 1. August 1925 Nr. 2318 litt fiu! Basar des Keren Kajemeth anläß- Oi« P. T. Nrmu, daran Teilnahme noch aussteht, wardan gebeten, aus Ihram Waranlager fUr den Basar su spenden Telephon 77-4-85, 77-4-86 Anmeldungen werden entgegengenommen: Bureau des Keren Kajemeth, /., Kämtnerstraße 28 Telephon 77-4*85, 77-4-86 kharles Gide über den Zionismus. Bon Dr. Oskar Karbach, Vorstandsmitglied der Jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich. Der bekannte Nallonalökonom der Sorbonne ThürleS r^ide befaßt sich im Juliheft der Revue „Vo Paix par l€ Droit" an leitender Stelle unter dein Titel „Ziö^ismus und Völkerwind" mit dem Palästina Problem. „La Paix par le Droit" ist das offizielle -Organ der französischen Völkevbundfrcundc und der Bereinigung gleichen- Namens, deren Präsidium Prof. ^Theodore Ruysfcn inne l>it, der gleichzeitig als Generalsekretär der Internationalen Union der Völkerbundligcn fungiert. Prof. Gide ist soeben (isiehe ,Miener Morgenzeitung" vom 29. Juli) der Francv- Palestinc-Gesellschaft beigetretcn, deren hervorragende Mitglieder ('Pa-inleve, »Harrivt, Appel, Bussen u-sw.) identisch sind mit den Borkäinpftrn des Bölikerbundgedankens in Frankreich. Anscheinend präludiert Gidcs Artikel der Tätigkeit dieses Komitees vor .der öffentlichen Meinung. Gide erlvähw: einleitend die Tatsache, -daß die katholische und insbesondere die französische katholische Welt.mit einigem Befremden den Einzug der Engländer in das gelobte Land beobachtet hätten. Aber 'die Engländer, die „Nation der Bibel", hätten immerhin ein Recht, 'sich im -ande der Bibel einzurichten: sic hätten aber gefühlt, daß ihr Vorgehen ein weit legitimeres werde, wenn sie sich mit den Inden stl-bst vereinigen würden und sie hätten sich deshalb „der Unterstützung der mächtigen zionistischen Vcroegung versichert, die in der ganzen Welt -begeisterte 'Apostel - und Jünger zähle". Gide streift kurz die Balfour-Deklaration, die Verknüpfung Palästinas mit denl Völkerbund (ein Thema, das nach dem Titel des Aufsatzes eingehendere Behandlung verdient hätte) und das Scheitern des Versuches, .dem Lande eine, Repräsentation der Einwohnerschaft zu geben: Die Araber 'hätten wenig politisches Verständnis bewiesen, als sie diese geplanten Körperschaften boykottierten, ^hingegen hätten die Juden, zumindest die Zionisten, eine offizielle Regierung konstituiert ('?), deren Präsident Doktor W e i z m a n n in London sei und die ein ganzes Kabinett von Pftudoministern umfasse, ein Stück der Regierung .des künftigen zionistischen Staates". Im weiteren wird der Passus des Mandatstextes über die Jewish Agency zitiert und — Wohl ein wenig uuorienliert über die gegenwärtige zionistische Mentalität — die Frage aufgeworfen, ob wirklich der zionistische Staat Aussichten der Verwirklichung besitze. Allerdings hebt der Autor sogleich hervor, daß gegenwärtig die Zionisten selbst eine Beendigung der britischen Okkupation nicht her'bciwünschen. Er unterstreicht sodann die Rassengleichlheit der Juden und Araber und sieht kein nationales Hindernis, daß Palästina ein im Innern friedliches, zweisprachiges" Land werde. Als Nationalökonom glaubt Gide, auf die geringe wirtschaftliche Kapazität Palästinas hinlveisen zu müssen und auf die Tatsache, daß es selbst schon in den biblischen Zeiten ökonomisch vonl Ausland durch Zwang zum Import (Bauholz uftv.) abhängig war. Er betont in diesem Zusammenhang die Wasser- -und Kohlenarmut des Landes, ohne auf die mächtig einsetzende Elektrifizierung überhaupt hinzulveiscn. Nun ist Gide wohl der Ansicht, daß 'bei entsprechender Nceliorieru.ng Palästinas dort zwei bis drei Millionen Einwohner ihre Existenz finden können und vergleicht es hier mit den vier südöstlichen Departements von Frankreich, deren große Aehnlichckeit in -wirtschaftlicher Beziehung -mit Erez Israel er feststellt. Infolge der aus sozialen und politischen Gründen auf 12.000 bis 15.000 Personen pro Jahr gedrosselten Einwanderung könnte also noch auf unabsehbare Zeit hinaus eine Uebervölkerung Palästinas, die zu denschwersten inneren Erschütterungen führen müßte, hintangehalten werden — wenn sich nicht seit der neuen Ordnung der Dinge die arabische Bevölkerung in geradezu rapider Weise vermehren würde, wie Gide ausdrücklich -betont, lediglich in-' folge der ungeahnten Verbesserung des Lebensstandards ldurch die Bodenankäufe usw.) und der kulturellen Situation der Araber infolge -der englischen Administration und der zionistischen Einwanderung. Nachdem sich Gide kurz gegen die Bestrebungen der, Aktivisten unter den Zionisten gewendet hat, gibt er der .Hoffnung 'Ausdruck, daß gegenseitiges Verständnis die Harmonie im Lande herzustellen vermögen wird. Wohl.'haben die Araber durch ihre jahrhundertelange Anwesenheit im Lande ein „droit occupation" erworben, das ihnen niemand schmälern soll. Doch auch sic müssen ihrerseits einsehen, daß die Juden ebenfalls an diesen Boden unverjährbare Rechte besitzen. Tie Geschichte ihres Volkes hat es bewirkt, daß der Name jedes Dvrfes und jedes .Hügels von Palästina hunderte Millionen Herzen in der ganzen Welt höher schlagen 'lasse. Die Art der zionistischen Kolonisation, die daran sei, dir Worte der Propheten zu verwirklichrn, schließe die Befürchtungen ans, die sonst die einheimische Bevölkerung gegeuüber ausländischen. Kolonisatoren hegen müsse» Die .Kolonisationsgschichte der Welt durch die europäischen Nationen sei zwar eine bewnttdcrnngswi'rrdige Epopöe. — Aber sie ist nicht vom christlichen Geist -durchdrungen. — Zu oft müsse man an die neuen Herren des Landes die biblische Frage richten: „Kain, tvas hast du mit deinem Bruder gemacht?" — „Wenn es daher den Zionisten Vorbehaltenwäre, eine neue brüderliche Kolonisationsform zu inaugurieren, so wäre.das eine der wichtigsten Lehren ans dein sozialen Experiment, tvelches isich soeben ans diesem heiligen Boden, vollzieht, der schon so viele Wunder hervorgebracht 'hat." Aus Sm Israel. Vas Attentat auf den Souverneur von Sktaza. Jerusalem, 31. Juli. Der Araber H u s s c i n A m r o, der in der "Nacht des 14. Juni d. I. ein Mordattentat gegen den Gouverneur von Ghaza, Mr. A b r a m s o n, in H eb r o n versucht hat, wurde am 20. Juli vom Gericht zu sieben Ja h r e n Z u ch t h a u S verurteilt. Hussein Amro hatte gegen Gouverneur Abrams v n aus einer Pistole einen Schuß abgegeben, als der Gouverneur an einem Fenster seiner Amtswohnung stand. Der Schuß ging fehl. Bodcnkauf des Keren Kajemeth in der Akkorde ne. Jerusalem, 29. 3u(i. Ter Keren Kajemeth hat beschlossen, einen b c d e u t c » b c n Landkauf in der Gegend Haifa-Akko vorzunehmen, wo im Hinblick auf die Entscheidung der palästinensischen Regierung, einen Hafen in Haifa zn bauen, wichtige Entwicklungs- Möglichkeiten für die Zukunft bestehen. Der Fonds hat mit der.Haifa Bay Development Eom-pany ein Abkommen, getroffen, nach dem er 15.000 Tunam in verschiedenen Stücken des von der Gesellschaft erworbenen Djidrukomplexes erhalten wird. Dieser Ankauf am Eingang zum Emot Jesreel stimmt mit der Politik des Fonds überein, seinen Besitz in diesem Abschnitt zu konzentrieren und zu konsolidieren. In der gesamten hebräischen Presse wurde seitens des Keren Kajemeth in der letzten Woche eine Warnung veröffentlicht, welche besagt, daß er Unterhandlungen wegen Landkäufen in verschiedenen Distrikten angebahnt habe und daß jedes Tazwischentreten von -dritter Seite in bezug aus solche Böden die Tätigkeit dieser mit öffentlichen Mitteln arbeitenden Institution nachteilig beeinflussen würde. Etwaige Käufer und andere wurden ersucht, die Rechte der nationalen Bodenkaufsgesellschast nicht zu durchkreuzen. Der Bodenkauf am Meromsee. Wie schori berichtet, ist während der Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees in London die Meldung von den: Ankauf des Hule-Gebietes durch den Keren Kajemeth eingetroffen. Aus Jerusalem wird uns hierzu geschrieben, daß die Verhandlungen über den Ankauf dieses Terrains noch nicht endgültig abgeschlossen worden sind. Es sind noch einzelne Schwierigkeiten zu beseitigen. Erst nach deren Beseitigung wird der Nativnalsonds den definitiven Ankauf abschließen können. Gin- und Auswanderung. Jerusalem, 29. Juli. Laut amtlicher Meldung betrllg die Zahl der Einwanderer im Mai 2819. Darunter waren 1437 von Kategorie B (bemittelte Personen), 729 von den Kategorien E und E2 (Personen mit bestimmter Aussicht aus Arbeit, unter Garantie der Palästinaexekutive, samt ihren Frauen, Kindern und sonstigen Begleitpersonen). Es kanwn also doppelt soviel bemittelte Immigranten ins Land wie andere. Der Rest besteht hauptsächlich aus solchen Personen, die von in Palästina ansässigen Angehörigen abhängig sind. Die gesamte Auswanderung in der gleichen Zeit betrug 250, davon 49 Inden; 39 Juden kehrten in ihre alten Heimatländer zurück. Die Universität. Jerusalem, 29. Juli. Dr. Mag ne s teilte bei seiner Rückkehr mit, daß als Anfang Zur Aufbringung deZ 5-Millionen-Dollar-Fonds für die Hebräische Universität insgesamt mehr als 1,270.000 Dollar von einer Anzahl prominenter Persönlichkeiten der amerikanischen Juden-heit zugesagt worden sind. Zu dieser Summe konnnt noch eine Reihe jährlicher Zuwendungen in der Höhe von 14.500 Dollar und andere Spenden. Die Zionistische Organisation Amerikas hat es .sich^ zum Ziel gesetzt, von dem 5 - Millionen - Dollar - Fonds eine Million aufzubringen. Dins jüdische Haus I as jüdische Blatt Dr. Magnes berichtete ferner über die Jahreskonferenz des Instituts für jüdische Wissensck-aften, die Ende Juni in London stattfand und in der ersten Septem derwoche in einer europäischen Stadt ihre Fortsetzung finden soll. Der Arbeitsmartt. Der befriedigende Stand des Arbeitsmarktes für jüdische Arbeiter -hat die Regierung in den Stand gesetzt, dem Ersuchen der palästinensischen Exekutive entsprechend die Ausgabe von 3000 Zertifikaten für Rechnung des se ch s m o n a t i ge n A r bc i t s p l a n c s, der für die Zeit März bis Oktober bewilligt lvar, zn genehmigen. Es nmrden 2600 Zertifikate für Männer und 500 für Frauen ausgestellt. Laut telegraphischer Nachricht aus Warschau sind die für Polen zugeteilten Zertifikate konsumiert und weitere vorgemerkte 1000 Emigranten erwarten neue Erlaubnisse. Die Zahl der Bewerber macht sicherlich ein Mehrfaches der zur Zulassung vorgemerkten Personen aus. Besonders günstig ist der Arbcitsmarkt in Tel- A w i w, dank der Bautätigkeit, ivelche sowohl gelernte wie ungelernte Arbeiter braucht. 1000 Mann sind allein als Zimmerleute in Te'l-Awiw bes-ck-äftigt; von diesen, gehören 600 der Bereinigung der Zimmerlcute an, die ihre Mitgliederzahl in den letzten sechs Monaten verdoppelt hat. Die deutsche Kolonie Wilhelm«. Wie die „Warte des Tempels" (protestantisch) mittcilt, besuchte anr 12. Mai Sir Herbert Santucl mit großem Gefolge die Kolonie Wilhelma. Auf die deutsche Ansprache erwiderte Sir Samuel in englischer Sprache, daß es sein Bestreben sei, das Land in jeder Weise wirtschaftlich zu heben. Auf die Frage des Oberkommissärs an die Kolonisten, ob sie sich unter der neuen Regierung besser fühlten als unter der früheren türkischen, erwiderten die Kolonisten mit „gutem Gewissen und ohne zu schmeicheln", daß sie sich jetzt wohler fühlten als ftüher. vaftkarten sür den 14. zioniftenkongreß. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich teilt mit: Die bis Freitag den 31. Juli nicht bezahlten Gastkarten können n i ch t m e h r a l s reserviert betrachtet tverden. Bon sämtlichen Preiskategorien sind noch eine geringe Anzahl von Karten erhältlich, für die der entsprechende Betrag bis Dienstag den 4. d. an der Kasse des Zionistischen Bureaus, 1. Bez., Kärntnerstraße 28, erlegt werden muß. _ Der englische Kohlenarbeiterftreil verschoben. London, 31. Juli. (Reuter.) Im Untevhause teilte Premierlninister Ba-ldw in mit, daß die Bergwerksbesitzer sich bereit erklärt haben, die Hinausgabe der Kündigungen auf 14 Tage zu verschieben und daß die Exekutive der Bergarbeiter die Weisung erteilt habe, die Arbeit fortzusetzen. Der Streik der Grubenarbeiter sei somit ein stw ei le-n ve r m icden. Weiters erklärte der Premierminister, daß ein'v o r- 'tänfiges Abkommen zwischen den Grubenbesitzern und den Grubenarbeitern abgeschlossen wurde. Der Vollzugsausschuß der Grubenarbeiter habe heute nachmittags an alle Bezirksverbände ein Telegramm gesandt, wonach der Streik 'heute um Mitternacht nicht a ll s b r e ch c n solle. Clyues begrüßte immens der Arbeiterpartei diese Wendung im Bergarberterkonflikt. Auch Lloyd George -drückte sich im Nanwn der liberalen ^Partei ähnlich aus und ersuchte Baldwm, e i n ige Ein zelhei ten über die finanzielle Unterstützung der Regierung mitzuteilen. Baldwin erklärte es für wünschenslvert, daß die Angelegenheit in. der nächsten Woche in einer bc so.»- deren Sitzn u g gründlich besprochen werde. Deutscher Reichstag. Berlin, 31. Juli?(Wolff.) Der Reichstag >mhm heute in zweiter Lesulig die B e r m ö g e u s st e u e r, den N o t e t a t und das E r b s ch a f 1 s st e u e r g e s e tz an. La« Ruhrlaud geräumt. Berlin, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Heute morgens um 8 Uhr haben die letzten französischen Truppen Mühlh e i m verlassell, womit das ganze Ruhrbecken geräumt ist. Polizeipräsident Melchers wird Sonntag morgens lnit einer Abteilung deutscher Schutzpolizei in Essen eintreffen. Die Stadtverwaltuilg voll Essen macht die Bevölkerung aufnterksam, daß die Besatzung in den schon vor dem 16. August geräumten Plätzen des Ruhrgebietes Ge nd a r m e n oder andere Koutrollorgane zurücklassen körulte, und mahnt, für diesen Fall eine ruhige und würdige Zurückhaltung zn bely-hren« »

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