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Wiener Morgenzeitung · 1925-08-01 · Heft 2315 (1.8.1925) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2315 (1.8.1925)
Date
1925-08-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Polens aOaroizyl Wien: Zum Abholen in der Expedition» HL Taborstr. 1*3, oder ln einer Verschlelsstelle (Trafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Q o 1 d sch mied, L, Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Ts checho-Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon.Din.60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachsahlontfen bei P r et »- erhfihangen Vorbehalten Nr. 2315 Wiener Morgenseitung i>reis io Bi England: Mon. 4 Schilling« Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien :Mon.l00Lewr. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr« 1 Telephone: 44-0*38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Me«. Samstag. 1. August 1925 Oesterrelchlsches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Herbett Samuel ln Me«. Begrüßung durch die Wiener zioniften. Ae Ankunft der SberkommWr». —y. Wien, 1. August. Sir Herbert Samuel, der erste Gouverneur Palästinas, weilt zu kurzem Aufenthalt in Wien und die jüdische Einwohnerschaft dieser Stadt heißt ihn mit Freuden willkommen. Sie begrüßt in ihm den Mann, der den Auftrag zu erfüllen hatte, die ersten Schritte zur Aufrichtung der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk zu tun. Er ist auf einem heißen Posten gestanden. Er war der Vertreter der Mandatsmacht und die Auswahl seiner Person st'rr eine so schwere und verantwortungsvolle Mission dokumentierte den vollen Willen und die Bereitschaft der englischen Regierung, die Erklärung Balsours und den Beschluß des Völkerbundes zur politischen Tatsache zu wandeln. Herbert Samuel hatte eine Pflicht zu ersiillen, wie sie noch nie einem jüdischen Politiker gestellt worden war. Er hatte das große Kompromiß einzuleiten, das dieses jüdische Volk aus dem Boden des zwischen Abendland und Morgenland gelegenen Landes vollstrecken sott. Es soll und will den versöhnenden Ausgleich zwischen der müde gewordenen europäischen Kultur und dem von neuen Impulsen fieberhaft erregten Orient begründen und dies durch feine Arbeit erreichen. Es will selbst mit dem Land seiner Geschichte verwachsen und es zum Land seiner Zukunft machen, in der es, befreit von dem Haß der alten Welt, in seiner Seele gesundet. Die Grundfesten dieses Werkes stehen bereits. Sie sind vom jüdischen Volk selbst errichtet worden, dessen Mühen und Anstrengungen der scheidende Oberkommissär in seinem abschließenden Bericht an seine Regierung in warmen Worten hervorgehoben hat. Diese große Leistung hat auch die Anerkennung der geistigen Führer der europäischen Völker gefunden, die an der Feier der Universitätseröffnung als Gäste des jüdischen Volkes teilnehmen. Diese Nation ist ans Werk gegangen, ohne die Traditionen und die Schulung anderer Völker zu besitzen. Es lebt in ihm die Verpflichtung, sich seine Zukunft zu erarbeiten, zu einer normalen Existenz als gleichberechtigtes und gleichwertiges Mitglied der Völkerfamilie zu gelangen. Das jüdische Volk weiß es sehr wohl, daß es vor dem Völkerbund diese Aufgabe übernommen hat und daß es zu jeder Stunde unter der wachsamen Aufsicht aller Kulturmenschen steht, denen Palästina so viel bedeutet. Die ganze Welt sieht auf dieses kleine Land und sie betrachtet alles, was dort geschieht, mit ganz anderen Augen. Sie ist aber auch Zeuge des großen historischen Wagnisses, das das jüdische Volk unternimmt, das sich sein Eigenleben neu begründet, ein Volk, dessen geistiger Besitz längst Besitz der Menschheit geworden ist, dessen geistige Schaffenskraft und Schaffensfreude aufs stärkste an ider hohen Entwicklung der Kultur, an der Hebung der menschlichen Gesittung mitgearbeitet hat. Zweitausend Jahre war dieses Volk fern dom nährenden Boden seiner alten Heimat. In diesen Jahrhunderten des Exils mit seiner Fülle an Geschehnissen traurigster Art hat es nie das Vertrauen in seine eigene Kraft, nie die Hoffnung auf den Tag verloren, an dem; es zu seiner vollen nationalen Individualität erwachen wird. Dieser Tag ist gekommen und wir stehen heute an der Eingangspforte zu einer Epoche, die wir selbst schmieden. Unser Sehnen ist verstanden worden. Das Volk der stolzen Freiheit, das weltbcherrschende englische Imperium, hat dem Volk der Bibel die Hand gereicht. Das ist eine große moralische Verpflichtung für uns. Um uns zu helfen, sie zu ersiillen, hat England einen seiner besten Männer aus bestem jüdischen Blut gesendet, den Gast, den das jüdische Wien gestern begrüßt hat. Er wird hier sehen, daß auch wir die Größe der Aufgabe erkennen, die uns geworden ist und an der er in so hoher Stellung mitschaffen durfte. Er hat auf dem Posten, auf den ihn England stellte, seine ganze, nicht geringe Kraft eingesetzt. Er ist ein Pionier gewesen, der mitgeholfen hat, die Brücke des Vertrauens zu schlagen, die das Judentum mit der englischen Nation verbindet. Dir Herbert Samuel, der gewesene High Commissioner von Palästina, ist gestern mit dem Budapester Personenschnelldampfer, welcher um 4 Uhr 45 Min. in Men eintraf, in der Station Praterkai gelandet. In seiner Begleitung befinden sich seine Gattin, seine beiden Kinder Gottfried und Nancy und eine Zofe. Bereits auf dem Schiffe war Sir Herbert Samuel von dem Bezirksvorsteherstellvertreter der Leopoldstadt, Herrn Oberinspektor Ludikowski, verständigt worden, daß ihn eine Deputation der österreichischen Z i o «i st e n erwarte. Es hatten sich die in Men anwesenden Mitglieder des Zionistischen Landeskomitees unter Führung der Herren Vizepräsident Direktor S. EPler und Gemeiuderat Dr. P l a s ch k e s, ferner namens des Bureaus des 14. Zionistenkongresses der Leiter Dr. N. M. Gelber und Generalsekretär Fritz U l l m a n n sowie ein Vertreter der „Wiener Morgrnzeitung" zum Empfang eingefunden. Sichtlich erfreut, ging Sir Herbert Samuel auf die ihn begrüßende Gruppe zu und machte die Herren mit den Mitgliedern seiner Familie bekannt: Gemeinderat Dr. Plafchkes hielt an den geschätzten Gast nachstehende Ansprache: Eure Exzellenz! Ich begrüße Sie namens des Zionistischen Landeskomitees und als jüdischer Gemeinderat der Stadt Men auf das herzlichste. Es gereicht uns zur besonderen Freude, den ersten Oberkommissär des jüdischen Palästina in der Stadt begrüßen zu können, in der Theodor Herzl gelebt und gewirkt hat. Wir haben Ihre ausgezeichnete Tätigkeit verfolgt und schätzen die großen Verdienste, welche Sie sich um den Aufbau Palästinas als nationaljüdische Heimstätte erworben haben. Ich gebe namens des Zionistischen Landeskomitees der Hoffnung Ausdruck, daß Sie, Herr Oberkommissär, sowie Ihre Familie sich in dieser schönen alten Kulturstadt, die 200.000 umfaßt, wohlfühlen werden. Was wir, die Zionisten in dieser Stadt, tun können, um Ihnen den Aufenthalt angenehm zu gestalten, wird geschehen. Wir tragen damit einen Teil des Dankes ab, den das ganze jüdische Volk Ihnen für Ihr Wirken im jüdischen Lande schuldet. Mr hoffen, daß Eure Exzellenz aus dieser Stadt, in welcher demnächst der 14. Zionistenkongretz tagen wird, den Eindruck mit sich nehmen werden, daß die Mener Judenschaft ihre Wicht für den Aufbau der jüdischen Nationalheimstätte treu erfüllt. In diesem Sinne erlaube ich mir, Sie und Ihre Familie nochmals auf das herzlichste zu begrüßen. Herbert Samuel dankte für den ehrenden Empfang und erkundigt« sich eingehend über den Stand der Boravbeiten für den bevorstehenden 14. Zionistenkongreß. Er gab dem Wunsche Ausdruck, mit dem Präsidium der österreichischen Zionistischen Landesorganisation eine längere Aussprache zu pflegen. Sir Herbert Samuel wird mit seiner Familie das Grab Theodor Herzls im Döbliinger Friedhof besuchen und sich nach mehrtägigem Aufenthalt in Men znr Sommererholung nach Jgls begeben. Bon dort führt den bisherige» Chef der palästinensischen Regierung, der soeben seine Amtszeit beendet hat, eine Studienreise nach Indien. 'Sir Herbert Samuel wird sodann ständigen Aufenthalt in Erez Israel nehmen. HHUSERVERWALTUNGEN VERWALTUNGSREVISIONEN Übernimmt »oi Berliner Bank für Handel u. Grundbesitz A G. Berlin C 2, Kaiser Wilhelmstr. 56, (Ecke Spandauerstr. 9) Tel.: Mercur 2335/6, 2595 6, 1876/7 Bank des organisierten Berliner Hausbesitzes Immobilienabteilung / Sämtl. Banktransaktionen / Hypothekenabteilung Der 14. zionistenkongreß. Die österreichische Regierung wird keinen Terror dulden. Amtlich wird verlautbart: Die Vertreter verschiedener nationalsozialistischer Organisationen und der Frontkämpfer unter Führung der Herren Gattermayer, Onderka und Zwierzina erschienen gestern beim Bundeskanzler Doktor Ramek, um gegen die Abhaltung des Zionistenkongresses Beschwerde zu führen. Sie hoben hervor, daß die hinter ihnen stehenden Bevölkerungskreife unter Umständen die Verhandlungen des Kongresses nicht ruhig hiünehmen würden. Der Bundeskanzler antwortete, daß die Angelegenheit des Kongresses Gegenstand der Beratungen und der Beschlußfassung des Ministerrates gewesen sei und er daher schon aus diesem Grunde nicht in der Lage wäre, allein «bändernde Verfügungen zu treffen. Auf jeden Fall müsse er betonen, daß weder er, noch die Regierung irgend welchem Druck in dieser Richtung nachgeben und keinen Terror dulden würden. * Die Völkischen, denen sich die Frontkämpfer anige- Mossen haben, lassen durch die Korrespondenz Hevwei über die Vorsprache der Gattevniayer, Ondevka und Zwierzina einen Bericht verbreiten, demzufolge der Bundeskanzler ihre Beschwerde dem Ministerrat vorlegen werde. Wie die amtliche Mitteilung Zeigt, ist dies, wie alles, was von dieser Seite gegen den Zionistenkongreß gesagt wird, erlogen. Die drei waren auch Iber der Polizei. Das Ergebnis ihrer Intervention war dort da? gleiche wie beim Bundeskanzler. Französische Niederlage in Marokko. Ain Bu Mssa verloren, die Garnison gefangen. Paris, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Nach einer aus F e s eingetroffenen Meldung wurde heute morgens das französische B l o ck h a« s v o n A i n B u A i s sa von den Kabhlen eingenommen. Vorher hatte sich ein erbitterter Kampf mit Handgranaten abgespielt. Vor dem Rückzug sprengten die Franzosen das Blockhaus in die Luft. Man rechnet damit, daß ein Teil der ftanzösischen Besatzung in Gefangenschaft geraten ist. Die amtliche Version. Fes, 31. Juli. (Havas.) Durch eine Explosion eineä Munitionslagers wurden die Verteidigungswerke des Postens Ain Bu Aissi vollständig zerstört. Die kleine Besatzung bahnte sich hierauf mit der Waffe in der H a n d den Weg durch die Linien der Angreifer und schloß sich einer größeren Abteilung der fliegenden Gruppe an, die in dieser Gegend operierte. Das Pulvermagazin von L a r a ch e ist zum Teil i n die Luft geflogen. Der angerichtete Schade ist beträchtlich. Man vermutet, daß es sich um einen feindlichen Anschlag handle. Petain in Paris. Paris, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Marschall Petain ist heute mittags in Marseille angekommen. Er weigerte sich, der Presse irgend welche Erklärungen abzugeben. Marschall Petain trifft morgen wieder in Paris ein. _ Wien im Flugpoftverkehr. Innsbruck, 31. Juli. Morgen, /beit 1. August, wird ta Flugpostverkehr auf den Fluglinien W i e n—In nsb ruck— Z ü r i ch—S traßbur g—P a r i s und Innsbruck— München ausgenommen. Sämtliche Badeartikel wegen vorgerückter Saison zu nachweisbar tief reduzierten Preisen im Wtreeheue ttl Schiff mann II. Taborstraße 48 Telenhon 47-1-70 En groi En dataii

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