Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2314 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. SSL« Wien, Freitag MLe«er Morgerhzeitir«-. 31. Juli 1925 ©cn w n < tu Soweae Vach. Nne SskstUg des Mische« Kunstgewerves in Palästina. ' Ans Jerusalem schreibt man uns: Der Einband zum , drttten Band beg Goldenen BucheS nach dom pvoiSqolivönte« EnÄvurs von Benor Kalter ist soeben in den Werkstätten von Alfred Solzmann in Jerusalem fertiggkstellt worden. Der in Men Natiurholl^ern mit Einlagen savbigen Hohzes und EHenIberns unter reicher Verwendung von (Md auSgoführte Einband stellt nach dem Urteil von Autoritäten eine hervorragende Leistung pailSftinonsifchen Künstle weribes dar. De« Einband wird jetzt nach Wie« überführt, wo das eigentliche Buch in einer ersMassigen graphischen KunstanftM hergestellt wird. Der Band »viwdbcinr Wiener Kongreß ansgestellt werden. Sine tomualWche NSvenickiade. Das blamierte Biwapester Hafenkommando. Aus Budapest wird berichtet: Ganz Budapest bacht üder eine Riesenblamage, die sich das Budapester .basenKommando gchM hat, da es omom Betrüger aulfgescssen ist, vor überdies — nicht inkompatibel — Journa- I i st ist oder sich als solcher gevievt. Paul Pallos, ein Nichtsnutz aus einer sogenannten guten Familie, der schon mehrfach Betrügereien verübt hat, zu denen er sich auch als Journalist, gewöhnlich als Korvespondent auswärtige« Blätter ausgab, rief am Tage der Durchreise des jugoslawischen Ministerpräsidenten P a s i c das Budapcster Hasekommando telephonisch im Nanreu des Minister- Präsidiums an und verlangte ,Mrr den Korrespondenten auswärtiger^ Blätter Paul Pallos" die Beistellnng einer eigenen Dampfbar-asse und eines Hydroplans. Das Hafenkommando stellte tatsächlich dom Pseudojonrnailisten. ein Motorboot und ein Flugzeug zur Verfügung und Pallos flog mit dem Hydrophan dom Schiffe des Mnisterpräsiibenten zlvei Stunden lang <ruf Kosten des Hasenkommandos nach. Dabei war Pallas kollegial genug, mehrere Budapester Journalisten in das ihnr vom Minffterpräsidium zur Verfügung gestellte Flugzeug einguladen, die auch die Äüflrcise mitmachten. Durch ein DÄephonigchprach des Hasenklmmranldanten nvit denr Mrnlftevpväsidmm kam einige Tage später die Hochstapelei des Pallos auf und er wurde verhaftet. Als er, von einem Wachmann eskortiert, dom StaatsaMvalt vorgesührt werden sollte, ersuchte Pallos den Polizisten, er möge auf dein Korridor auf ihn warten, da er als Gevichtsisaakberichterstatter den Herrn Staatsanwalt persönlich gut kenne. Hieraus trat er allein in das Zimmer des Staatsanwaltes Dr. Peter Kovacs und streckte ihm lächelnd die Hand entgegen, die der Staatsanwalt kräftig schüttelte, .in der Meinung, daß Pallos in seiner Eigenschaft als Gert chtsfaal!ber>l cht,erstatte« ihn aussuche. Pallos sagte jedoch lächelnd: „Ausnahmsweise komme ich diesmal als Häftling zu Ihnen, Herr Staatsanwalt...!" Tableau! Wie«, 31. IM. ' * * Professor Naunyn gestorben. In Baden-Baden ist am Diittwoch Professor Bernhard Naunyn, der große Mniker, im 86. Lebensjahre, gestorben. Er wirkte von 1862 bis 1869 an der Berliner Charite, wurde dann als Professor nach Dorpat berufen. 1871 ging er nach Bern, im nächsten Jahr nach Königsberg und dann 1888 nach Stvaßburg. 1904 trat er in den Ruhestand. Professor Naunyn hat durch feine UntersuäMngen über die Gallenstein, und die ZuckeÄvancheit bahnbrechend getoiÄt. * Breslauer Schachturnier. Aus Breslau wird berichtet: Die Hängepartie Reti—Tarrasch wurde nach einer Gesamlspielzeit von 13 Stunden renns. Dis Partie Wagner - Reti wurde nochmals abgebrochen. Spitzenstand: Bogolj'vlww 6,ä, Niernzowitsch 6^6, Wagner 5 (plus Hängepartie), Reti M (plins Hängepartie). * Der Begründer des Verbandes polnischer Juden in Amerika gestorben. Aus New-Aork wird uns berichtet: Tor Begründer des Verbandes der panischen Juden in Amerika, Abraham Rosenbero, ist, 73 Jahre alt, in New- Aork gestorben. Roseüberg, oe« zn den angesehensten Kaufleuten in New-Aorik gehörte, war ein ausgezeichneter Ovgamfator; ihm war es zu danken, d.iß dis zahlreichen Landsmannschäften u»>d Synagogenveoeine der aus Polen nach Amerika eingewanderten Juden sich zu einem mächtigen Verbände zusammeufchlossen, der seit seiner Gründung auf humanitärem, sozialem und kulturellem Gebiete viele dauernde Einrichtungen geschaffen hat. Besonders in der Nachkriegszeit hat der Verband der polnischen Juden in Amerika für die durch den Krieg in Not geratenen Juden in Polen Hervorragendes geleistet. Abraham No send erg war siebzehn Jahre lang Präsident des von ih,n gegründeten Verbandes. Sein Leichenbegängnis hat unter überaus zahlreicher Teilnahme der jüdischen Bevölkerung von New-Aork stattgeifnnden. * Das rituelle Schächten in Rußland. Das Sowjetexckntlvkonlitee der Kreisstaot Winiza in Podolien evlivß eine Instruktion an die DistrMsexekutivkomitees, i>n welchem diese angewiesen werden, das Monopolrecht gewisser Personen für rituelles Schächten zu annullieren. Die Existenz eines solchen Monopols begünstige eine gewisse „parasitäre Geistlichkeit". Das rituelle Schächten soll von nun an jedem e r l a n b t sein, der die Sanitätsvorschriften beachtet. * Die Bevölkerung Bulgariens. Nach einer amtlichen Statistik aus Sofia betrug die Bevölkerung Bulgariens im Jahre 1926, ßct einer Flache von 144.924 Quadratkilometer, im ganzen 6,093.909 Personen, und zwar 3,497.309 Männer und 2,568.600 Frauen. * Haschisch und Rosen. Aus Sofia schreibt man uns: ^n den letzten zwei Jahren ist m Südbulgarien mit der Aussaat indischen Flachses begonnen lvorden, aus welchem Haschisch gewonnen wird. Nach 'beu letzten Nachrichten übersteigt die N, cif c u b i ättererute in diesem Jahre sechs Millionen Kilogramm. Der Preis bewegt sich zwischen 13 bis 14 Lewa das Kilo. Die Erzeugung von Rosenöl beträgt ungefähr 1000 Kilogramms * Zeire W-rachi. Am 2. August findet in Preßburg hu Lokale der Zeire Misrachi (Kapncmcka 7) die kanstitnieren.de Versammlung der Zeire Misrachi und ihrer Chalu;grnppen Nr die tschechossMMchc WtzuKiik statt. An unsere geehrten Abonnenten! Am!. August beginnt ein neues Abonnement auf dfe „Wiener Morgenzeitung". Wir ersuchen um rechtzeitige Erneuerung der Bezugsgebühren mittels der in den letzten Tagen Zugegangenen Erlagscheine, damit in der Zusendung unseres Blattes keine Unterbrechung eintrete. Die Bezugsgebühren sind am Kopfe unseres Blattes ersichtlich. Diejenigen unserer geehrten Abonnenten, die die Kongress-Zeitung und die am 18. August erscheinende Eröffnungs-Festnummer beziehen, wollen auch die entfallenden Betrage für die Kongress-Zeitung und die Festnummer mitüberweisen. Die Preise für ständige Abonnenten wurden wie folgt •rmiisslgt: S 3.—, bezw. ZI. 2 —, Kc. 15.*-, Gmk. 2.-. Lei 120.-, Dinar 30—, Schw. Frcs. 2.50, Wir erlauben uns dringendst aufmerksam zu machen, dass nur diejenigen Abonnenten mit der regelmässigen Zusendung der Zeitungen rechnen können, die die entfallenden Bezugsgebühren im vorhinein und gleichzeitig alle Rückstände überwiesen haben. Wir bitten unsere Abonnenten, im Kreise Ihrer Bekannten und Freunde für die „Wiener Modenzeitung" und für die Kongress-Ausgaben zu werben und uns die Adressen bekanntzugeben, an die wir Prospekte versenden sollen. Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeiteng“ Wien, ll., Taboratraeee 1—3 Telephone 43-4-10, 44-0-38 * Liga aktivistifcher Zionisten. (Lifte Dr. Novbevt mann.) Treffpunkt und Jnstrmtionserteilung im Cafe de ranee, 1. SBoj., Schottenring, täglich von 8 bis 9 Uhr abends, fordern alle Anhänger des Programmes der Zionistenrevisionisten (Jabotinsky-GruPpe) auf, sich zu einer vevtraulichen Besprechung im Sekretariate der Liga, 8. Bett., Auerspevgstraße 21 (Souterrain), Montag den 3. August, zwischen 6 und 9 Uhr abends, einzufindeu. * Die LebensmittelmLrkte. Der Hauptvevkehr konzentrierte sich während der letzten Tage auf die Gemüsemärktc, während der Flevschabfatz infolge der konstant unerschwinglichen Preise sich in den engsten Grenzen bewegt. In der Großmarkthalle trafen gestern 13 Waggons verschiedener Herkunft ein. Auf dom N a s ch m a r k t e, der über eine reichliche Auswahl in allen Gemüseerzeugnifsen verfügte, haben sich .Kohl, Kohlrüben, Weißkraut, und Gurken im Großhandel verbilligt. Auch Kartoffeln wurden mäßig im Preise herabgesetzt. Auf dem Obst markte langten alle Obstsorten in ausreichenden Mengen ein. Nachfrage >flir Marillen anhaltend lebhaft. Preffe stabil. * Sin Oesterreicher ermordet in Basel ein« Amerikanerin. Die Amerikanerin Miß Mary L e w >i t - B o w c n, die Montag in Basel eingetvoffen war, um an den Veranstaltungen und Kursen der a nthr oposophischen Gesellschaft in Dörnach terlgunohmen, ist in der Nähe des ,-Goetyeanum" mit enuw Schußwunde tot aufgefnnden worden. Die Gegend wurde sofort mit Polizeihunden äbgesucht und heute mittags der Mörder in der Person des 16jährigen Bauernknechtes Johann Hammerschlegel, eines Oesterreich ers, verhaftet. Er hat die Tat mit einem feinem Dienstgober gestohlenen Ordonnanzrevolver ausgesührt. Der Mörder erklärt, er habe die Absicht geyäbt, der Dame das Handtäschchen M rauben, sei jedoch, als diese um Hilfe riof, gefliüchtet und gestern nachts in seinen Bauernhof zurückgekehirt. * Tödlicher Absturz. In Bad Aussee ist der Bundesgärtner im Schlosse Schönbvunn, Gustav Jonak-FreYen- Wald am 24. d. bei einem Ausflug auf die Trifselwa nd tödlich verunglückt. Er war vom Fußweg abgeirrt und ist über den durch Latschengestrüpp verdeckten Rand einer überhängenden Felswand etwa hundert Meter in die Tiefe gestürzt. Ionak war sofin't tot. * Vor den Augen der Mutter ertrunken. Vorgestern nachmittags fuhr die Kaufmannsgatttn Elsa Rosza mit ihrem Sohne, dem 17jährigen Handlungsgehilfen Tibor Rosza, in einem Boot ans der alten Donau. Tibor sprang ans dem Boot in das Wasser, um zu baden, und versank vor den Augen der Mutter, ohne daß es möglich war. ihn zn retten. * Milliardenerbschaft einer Köchin. Aus Kesmavk wird berichtet: Ein unerwartetes Glück wurde der. Jgjlauer Köchin Pauline Gundel zuteil. Die ar-me Köchin, die zeitlebens in kümmerlichen Berihältnissen ldbte, erhielt dieser Tage die freudige Botschaft aus Amerika, daß ihr eine große Erbschaft im Betrage von 85.000 Dollar — ungefähr drei Milliarden Kronen — zugefallen ist seitens einer dort ^dahingeschiedeuen Schwester, von welcher sie schon seit einer Reihe von Jahren kein Lebenszeichen mehr bekam und auch keine Ahnung hatte, daß diese einen solch großen Reichturn besah. Die zu einer Atillionärin avancierte Küchenfee kü-ndigte sofort ihren Dienst und hat bereits die nötigeir Schritte unternommen, nur die große Erbschaft übernchnien zu können. Ihre größte Sorge ist jetzt — nachdem sie den Betrag persönlich zu übernehmen beabsichtigt — sich enren Reisepaß zu verischaffen. * Ein Mann mit sechs Frauen. Uvber Ersuchen der Behörden in Soifia wurde in Kascha», wie der ,/Ostvauer Morgenzeitung" von dort gemeldet wird, ein öSsähriger Mann namens Salomon K r a >u s z verhaftet. Er wohnte erst seit einer Woche in Kaschau, wo er sich als Agent für Gesellschaftsreisen nach Jerusalem betätigte. Er wurde auf die Anzeige seiner Frau in Schia hiit verhaftet, nnv zlvar deshalb, weil?r in i t sechs Frauen verheiratet ist. Kraust; ist teilweise geständig, behauptet aber, daß zwei seiner Frauen gestorben seien, von zwei anderen will er geschieden sein, zwei anerkennt er. Doch stellte die Nutensuchung fest, daß tatsächlich alle sechs als seine Gattinnen leben. Krausg ist sehr pvaEtifch vorgegangen: Zwei Frauen hat er m Jerusalem, eme in Kairo, eine hu weiteren Aegypten, eine in Sofia und ein« in der Tschechoslowakei. Die in Sofia wollte er auch totsagen, doch hatte gerade diese die Anzeige gegen ihn erstattet. Er wurde in dem Moment verhaftet, als er auf der Post einen Poftereftante-Brief von der siebenten Kandidatin übernehmen wollte. . * Aus der Schmetterlinasfarm. Eine der mertivürdigsten Zuchtstätten, die es in der Welt gibt, ist die Schmettevlingsfarni zn Bexley in Kr nt. Hier -werden auf einem Gebiet von loeniger als 40 Ar Ptillionen von Schinetterlingeu und Schwärmern in jedeur Jahr gezogen, die dann die Reife nach allen Teilen der Welt machen. Der Londoner Zoologische Garten zpm Beispiel wird von der Schinetterliiigsfarul tagtäglich -mit neuen Arten versorgt, die in dem Jnsekienhaus An'fnahme finden. Weng man die Farnr besucht, so findet man die Pappelbäuure, die den Hauptvestand des Grundstückes bilden, mrt großen Deuteln ° aus Seidengaze bedeckt, und der gmze Platz machden Eindruck, als fei er mit Ballons verziert. Diese I^uta, Von denen mehr als 800 benutzt werden, halten die Scharen der Raupen ab. sich zu zerstreuen, und schützen die Larven vor den Vögeln und ihre-m grimmigsten Feind, der Ichneumon- 'Fliege. Der Leiter der Schmetterlingsfarm, Dr. New man, ipinmelt beständig neue Arten, um sie in großem Stil m pichten, und hat kümlich von einer einzigen Wpevltton in me limgegend nicht weniger als 16.000 Raupen iMgebracht. * Die älteste Rose. Der älteste Rosenstrauch, den es wohl auf Erden gibt, ist die hochberühmte Pflanze, die jeden Besucher des Hildesheimer Domes an der Wand des wyllrsch gelegenen Hofes gezeigt wird. Der Hildesheimer Rosenstrauch 'läßt sich bis ins 11. Jahrhundert znrückverfolgen. Zn den größten Roscnbänmen, die es gibt, gehört der Strauch am Schlosse von Chillon am Genfer See, und ein nicht nrinder stattliches Exemplar ist der Rosenbaum in den öffentlichen Anlage,: von' Toulon, der sich über einen Raum von 80 Fuß Länge zu 16 Fuß Breite erstreckt und der schon bis zn 5000 Blüten zur selben Zeit getragen hat. Der größte Rosenbaum, den es gibt, soll aber nach emer Ziffammenstellung in einem englischen Fachblatt die Pflanze des Wehrle-Gartens in Friesburg sein; es ist eine wilde Rose, auf die vor 40 Jahren eine Teerose gepfropft wurde. Dieser Riesenrosenstrauch ist 120 Fuß hoch. _ Au, de« Matern. Burggarten (bei ungünstiger Witterung im Festsaal der Hofburg). Heute, 6 Uhr abends, Symphoniekonzsrt (Dirigent r Martin S p S r r). Mitwirkend r Antta A st, Hugo GotteSman«. Schönbrunner Schloßtheater. Sonntag den *. August Erstaufführung yon „Doktor »n d A p »- theker". Nadioprogrirnirrt. Heute Freitag. 4 bis halb 6 Uhr: NachmNatzs-kontzert. -» Lanner r Avendsterne, Walzer. Adam r Die Nürnberger Puppe, Ouvertüre. Saint-Saens: Samson imd Delila, Arie. Laszky: Das verliebte Allegretto. Verdi: Maskenball, Phantasie. Strauß: Sphärentlänge, Walzer. Weraur Ich weiß, du wirst mich lachend einst verlassen. — */»6 bis V,7 Uhr r Von der Schildbürger lustigen Streichen. — 8 Uhr r Volksliederabend. Ich fahr' dahin, von Johannes Brahms. Weiß ich ein schönes Röselein, von Martin PWddemann. Volksspielmusik. Aelplerische Volkslieder zur Gitarre. Kleiner gemischter Chor r Schwabenlirl (schwäbisch), Almlieb aus Steiermark, Innviertler Gsangl. Volksspielmusir. Dreistimmige Jodler und Jodlerlieder. Volksspielmusik. Kleiner gemischter Chor. Ausseer Schnadahüpfln. — */<10 Ufr* Das Apostelspiel, von Max Mell. . Serichtssaal. 2)0, Hakenkrem. Berliner Prozesse. Airs Berlin, 26. d., wird geschrieben: Wegen Beleidigung und versuchter Nötigung stand der Student der Rechte Lutz vor einer Berufungsinstanz. Lutz hatte anfangs des vorigen Jahres, der Zwanzigjjähvige war damals Reichsführer der deutschvöllikifchen Studentenvereinigung, einen Drohbrief an den Ehefredaktenr der ,-Boss. Ztg." Georg Bernhard, gerichtet. ,Jn diesem Briefe hatte er Belleidigungen gehäuft und gedroht, er warne Bernhard, gegen Ludendorff weiter Stellung zu nchmen, da er andernfalls Bernhard den Glauben nehmen müsse, daß sich die deutsche deutschvölkische Studenten Vereinigung künftig mit dieser' Form der Zurechtweisung begnügen werde. In erster Instanz wurde der Angeklagte wegen versuchter Nötigung frergeifprochen, wegen formaler Beleidigung gu 200 Goldmavk Geldstrafe verurteilt. In der heutigen Berhandlung vor der Strafkammer als Berulfungsinstanz war der Angeklagte nicht erschienen. Das Gericht kam zu einer anderen Auffassung «nd verurteilte Lutz wogen Beleidigung und versuchter Nötigung zu drei M on a t e n G e f ä n g n i s. In einem anderen Prozeß vor dom Berliner Strafgerich: handelte es sich um einen in den Jahren 1919 und 1920 geplanten Movdanschlag gegen den soKialifttschen Schriftsteller Dr. Pavvus (der inzwischen verstorben ist), indenl mau seine Billa in die Luft sprengen wollte. Angeklagt waren der antisemitische Schriftsteller Müller v. Hausen, der Herausgeber der ,-Prvkolle von Zion", und der ehoinalige Leutnant K r u l l. der unter anderem auch des Mordes an Rosa Luxemburg beschuldigt wird. Er flüchtete nach Holland und wurde Vau der holländischen Regierung nur wegen einiger krimineller Delikte ausgeliefert, ^während er für seine politische» Verbrechen freies Geleite von der deutschen Regierung erhielt. Krull gab in der heutigen Verhandlung offen zu, die Absicht gehabt zu haben, Dr. Pavvus zu beseitigen. Das Gericht sprach Müller v. Hausen frei und stellte das Verfahren gegen K r u I l eilt, da es der Ansicht war, daß der salvus conductus sich auch auf vorliegende AMage erstreckte. Eine unvollendete Bahn in Tirol. Durch eine Enischeidung des Verwaltungsgerichtshofes wurde erst bekanut, daß cs in Oesterreich eine unvollendete Bahn gibt, die vor den: Verfall gerettet werden muß und kostspielige Grundeinlösungcn nottvendig macht. Die ehemalige k. u. k. Mtilitärverivaltung hatte für die R e sch en s ch e idekb a h n Banherstettungen begonnen. die Bahn jedoch nicht sertiggesteltt., Zum Zwecke der Sicherung dieser Bahn vor dom Verfall mußte der Bund eine Reihe van GruuMcken erwerben. Die Berbüchernng dieser Grundstücke erfolgte zugunsten des ästerreichischen Bundesarars (Bimdeseisenbahnbauleitung Landeck). Voir diesen eingelch'ten Grundstücken wurde die Landesgrundstcuer clngc hobeu. Dagegen erhob das Bundesnrinisterinm für Handel und Verkehr Besaiwerde an das Land Tirol, weil die Liegenschaften nur deshalb erworben wurden, nur die begonnene Bahn vor dem Verfall zu retten. Auö diesem Grnude seien die Grundstücke von der Landessteucr zu befreien. Die Landesregierung ^beharrie aber auf dem Standpunkt, daß die Liegenschaften zur Sichcrinig eines Eisenbahnbetriebes des Bundes bestimmt sind, der inmt die Steuerfreiheit genießt. Gegen diese Entscheidung brachte der Bund die Beschwerde au den Berwaltuugsgerichtshoi nn. Dieser gab der Beschwerde Folge und hob die Eutscheidung der Tiroler Landesregierung als uttgejetzlich auf, da es sich nicht um einen Bundesbetrieb, sondern um eine unproduktive Anlage haydl?, die vor hem Verfall gerettet luerbcu müsst