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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-31 · Heft 2314 (31.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2314 (31.7.1925)
Date
1925-07-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wiener Mortgenzettung. 31. Juli 1925 SK. «14 Bor dem Wiener Kongreß. Sie zionistischen Der August wird üu Zeichen einer unübersehbaren -Reihe von jüdischen Tagungen stehen, die alle, wie Nebenflüsse dem .Hauptflusse zustvömen, den: Kongreß zulaiifen und in ihn münden iverdcn. In diesen Tagen wird Wien der Schauplatz eines von dieser Stadt wohl noch nie gesehenen Bildes fein: das Bi ld des lebe nd i g c n jüdischen Volkes. Aus aller Weit iverden die Zeugen der Lebenskraft und -des Lebenswillens eines totgesagten und totgeglaübten Volkes kommen, aus Nordafrika so gut wie aus Sibirien, aus beut Balkan, aus ganz Europa, aus Argentinien, aus Amerika usw. Das Weh und die Freude einer in der Welt zerstreuten, von dieser brutal niedergchalteuen Volksgemeinschaft, die 'dennoch da's unzerreißbare Band ihrer Einheit empsindet, wird in diesen Tagen von dieser Stadt ans sich der Welt offenbaren. Nicht durch Proklamationen und Demonstrationen, die nach außcnhin gerichtet sind, wird sie wirken wollen, sondern durch enisigc, konstruktive innere Arbeit, durch die furchtlose Konfrontierung mit all den schier unüberwindlichen Problemen, die am Wege sind zur Aufrichtung eines geknechteten Volkes und zur Sammlung in feinem Lande. Die Wichtigkeit dieses 14. Zionistenkongrcsses wird schon aus der Tatsache offenbar, daß £u diesem Kongreß von allen Gruppen, die ihn beschicken, wie zu keinen: der vorhergelhendcn mit Fiebereifer gerüstet wird und jede dieser Gruppen in eigenen Konferenzen alle Probleme, die an: Kongreß sebst aus der Tagesordnung stehen, von ihren: spezifischen Standpunkt aus durcharbeitet, uni, völlig gerüstet, das jüdische Wektparlament in ihren: 'Sinne beeinflussen zu können. Für die Lebendigkeit des zionistischen Gedankens, wie sehr er Blut und Fleisch des jüdischen Volksgedankens geworden ist, spricht die Fülle dieser Tagungen, Weltkonferenzen und ad hoc improvisierten Zusammenkünfte und Besprechungen. Hier sollen zunächst nur einige der wichtigsten W e l t ko n f e r e n z e n -beispielsweise hervorgehoben werden. Eine ganz neuartige Erscheinung im jüdischen und zionistischen Leben wird die Welttagung der sephardischen Juden bilden. Dieses wertvolle -Clement des jüdischen Bottes, das vor wenigen Jahvhunderten noch fast die gesamte geistige Potenz des Judentums in sich bereinigte und dem jüdischen Volke bedeutende Dichter und Philosophen schenkte, hat es bis jetzt nicht vermocht, sich jenes Maß von Anteil an der .jüdischen Wiederauflebrengsbeivegung zu sichern, -das seiner Zahl und seinem Vermögen entsprechen würde. Die sephavdische Weltkonserenz, die am 15. A»Mst hier a-bgehcrlten und eine Dauer von drei Tagen haben wird, soll dem ein Ende bereiten. Sie will das gesäurte sephardische Judentum organisieren und aktivieren, seine spezifischen Interessen in -der Ga-luth und in Erez Israel zur Geltung Ringern z Die feierliche Eröffnungssitzung soll im Wiener sephar-- difchen Tempel fbattftnden. >Zu dieser Tagung kommen ungesäihr 100 Delegierte aus allen Teilen der Welt, wo sep^rdrsche Juden wohnen. Aus Belgrad (Oberrabb'mer und Präsident der Mnai Berich, Alkalai), aus Griechenland, Brrlgarierr, Nordasvika, New-Aork, Buenos Aires -usw. Die Konferenz wird von allen sephardischen Kehrloth und Vereinen beschickt, -die drei Biertelimillionen sephardischer Juden repräsentiere:: und soll sich zu einer permanenten sephardischen Institution konstituieren. Die Tendenz 'dieser sephardischen Organisationsbewegung ist zion» st i s ch. Das sephardische Iudentun: soll in zionistischom Sinne mobil gemacht werden. Sie will mit -der Zioniistifchen Organisation Hand in Hand gehen und. durchaus nicht separatistisch, ein Teil von ihr werden. Ihre Forderung ist, daß das sephardische Judentum nicht übergangen -werde, nicht in Palästina, wohin zu übersiedeln 'bei einem großen Teil ein starker Drang besteht, und nicht in der Galuth. Sie will ein starkes Presseorgan schaffen, das in diesem Sinne propagandistisch zu wirken hat. Sie schafft in der zionistischen Bewegung keine neue Theorie, sondern reiht sich individuell ein. Die Konferenz wird Resolutionen für den Zionistenkongreß annehmen, die -das sephardische Judentum betreffen. In allgemeinen zionistischen Fragen gehen die sephardischen Delegierten je :rach ihwv Uciberzengnng mit den einzelnen Gruppen. Die Vorarbeiten für Welkonferenzen. die Konferenz, die von einen: Konti tee, an dessen Spitze Rabbi Owad ja sicht, der auf der Konferenz selbst eine bedeutende Rolle spielen wird, durchgeführt -werden, sichen vor der Beendigung. Eine zweite interessante Tagung ist die der Hitachduth. Die vierte Konferenz der zionistischen Arbeitchartei Hitach» duth wird von 17 Ländern Europas und von Palästina beschickt sein. Die Hitachduth hat einen festen Stand von 23.000 organisierten Mitgliedern. Ihre Führer (Arlosoroff, Sprinzak usw.) gehören zu den bedeutendsten -Führern der palästinensische»»! Arbeiterschaft, die auch eine bedeutende Rolle aus dem 14. Zionisteukougreß spielen werden. AuS der Richtung dieser Gruppe — sie ist kon.stvuktiv-,sozialistisch, lohnt aber den Klassenkampf ab, ans welchem Grunde sie sich der Internationale nicht anschl-icßt — ergibt sich von selbst, daß aus ihrer Konferenz wirtschaftliche Fragen Palästinas im Vordergründe stehen. Sie verladt plan mäßigen wirtschaftlichen Aufbau Palästinas. Einen großen Raum werden die Beratungen über die Fragen der Chainzbewegung und Jugendbewegung überhaupt einnehmcn. Daneben werden Referate gehalten werden über -den Ausbau der Zionistischen Organisation von He ll m a n n und K atzenc l s o n, über zionistische Politik von W i U kan s ky. Ebenso wird die Frage der palästinensischen Einwanderung debattiert werden, wobei über die in der letzten .Zeit stark eingesetzte kleinbürgerliche Einwanderung eine zionistische Kontrolle int Sinne der Nebcrjiührung zur Landwirtschaft verlangt werden wird; kurz, alle jene Probleme, die den Zionistenkongreß selbst stark beschäftigen iverden. Die Konferenz dauert von: 8. bis 15. August. 70 bis 80 Delegierte werden an ihr teilnehinen, von denen ungefähr 35 als Delegierte bei-n: Zionistenkoilgreß fungieren werden. Eine weitere sehr wichtige Tagung ist die Misrachi-Weltkonserenz. Sie findet vom 10. bis 18. August statt. Die Misrachi ist eine ge-setze'streue Gruppe im Zionismus, die aus dem Zionistenkongreß etwas 'weniger als ein Drittel aller Mandate mnehabcn wird. Auf dieser Konferenz kominen ihau-ptsächlich innere -Frage»: -der Misrachi'bewegung zur Sprache. Die Refolnti-onen, die 'beschlossen tverden, tvcrden für die Haltung der Misrachidelegierten auf den: Kongreß maßgebend sein. Zur Konferenz sind bis jetzt 300 Delegierte angemeldet, die aus Aegypten, Amerika, Belgien, Bessarabien, Bukowina, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Holland, Jugoslawien, Kanada, Lettland, Litauen, Oesterreich, Palästina, Polen, Rumänien, Schweiz, Siebenbürgen, Südafrika, Tschechoslowakei und Ungarn kommen. Ebenso bindende Beschlüsse für ihre Delegierten a>^ dem Zionistenkongreß wird die 7. Weltkonsereuz der Poale Zion fasset». Diese Konferenz der rechten Poale Zion fiitbct Drift 5. August bis voraussichtlich 13. August statt. Die rechte Poale Zion hat aus der ganzen Welt 16.000 Mitglieder. Es gehören ihr die bekannten palästinensischen Arbeiterführer Kaplansky, Rubaschow, Ben Gurion und andere an. Die Tagung wird von ihrem Standpunkt aus über die gegenwärtige Lage in Palästina verhandeln, worüber Ben Gurion und Ben Zwi (beide Palästina) referieren «werden; Wer -ihre Stellung zum 14. Zionisten - kor»greß referiert KapitanÄki. Diese Guppe wird auf der Konferenz zum erstenmal ihre Stellung zur allgemeinen j-üdischen Jugendbewegung und zum Hechaluz präzisieren. Einen breiten Raum wird die Behandlung 'der Frage über die Minderheitsrechte -der iJu-den in der Diaspora einnehincn, die sic auf den: Internationalen sozialistischen Kongreß zur Sprache bringen will. Referiert wird darüber von Rubaschow und Singer. Von ihren inneren Problonren wird die größte Aufmerksamkeit der Frage der Vereinigung mit einer anderen sozialistisch-zionistischen Gruppe, -der Xiufett Zeire iZion, zugelvert-det werden. Diese Konferenz wird unter Beteiligung von 30 bis 40 Delegierten stattfilrden, von de-n 10 bis 1<2 ihre Gruppe auf den» Kongreß vertreten werden. Me diese Konferenzen 'Werder: eine stattliche Anzahl von Güster: aus dem In- und Ausland zu verzeichnen Haber», die dann ebenso Gäste des Kongresses fein -werden. Seite 2 Dien, Freitag G >..« > —- — - - - . ——--- II ,, Verkehr eingetreten. Alle Natwnalökonomcn müssen zu dieser Erscheinung Stellung nclnnci», die die wirtschaftliche und finanzielle Entwicklung Pordcrasiens revolutioltierend beeinflussen muß. Eine neue Eiscubahl» soll Palästina mit Persien verbinden. Es ist klar, daß sich hier für die Beurteilung der Sachlage »reue Moinentc ergebe»», denen alle auf die Zukunft bedachten Regierungen Rechnung trage»' müssen. Das Judentum ist unter der zionistischeil Führung in die Wcltpolitik eingetretcn und der Pariser A»rfruf, der auch den besten Traditionel» Frankreichs entspricht, »st ein zwingender Beiveis für die Tatkraft, die der Zionismus im Iudentun» erweckt hat. Lord Plumer. . L o n d o jt, 30. Juli. Wie der I. T. A. mttgeteilt tvkrd, wird sich Feldmarschall Lord Plumer am 25. August auf die Reise nach Palästina begeben, um dort seine Amtstätigkeit als Oberkommissär aufzunehmen. Re ungarischen Zionisten bei Herbert Samuel. Dtr Samuel über den Palästlnemu^au. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitimg") Budapest, 30. Juli. Der gewesene britische Obcrkom- Missär von Palästina, Sir Herbert Samuel, der, wie bereits gemeldet, gestern auf seiner Reise nach Tirol in Budapest eingetroffen ist, hat heute eine Delegation der z i o n i st»st i s ch e n O r g a n i f a t i o n e n Ungar-ns empfangen. Der Führer der Abordnung, Professor Adolf Strauß, begrüßte Sir Herbert Samuel in englischer Sprache. Herbert Samuel anttvortete in längerer Rede, in der er unter anderem ausführte: „Es ist eine schwere Aufgabe, ein Land aufzubauen. In Palästina stehen wir cun Anfang unseres Werkes. In dieser schönen und großen Arbeit rechnen wir auf die Mitwirkung des ungarischen Judentums. Die Fahne, die ich aus der Hand gebe, wird von meinem Nachfolger Lord Plumer, dem jetzigen Oberkommissär, zum Triumph geführt werden. In gewissen zionistischen Kreisen erregt der Umstand, daß mein Nachfolger kein Jude ist, eine gewisse Beunruhigung. Das ist aber eine vollständig falsche Beurteilung der Sachlage, da nie davon die Rede war, daß der Oberkommissär von Palästina stets ein Jude sein rnusse. Man darf nicht vergessen, daß das Judentum nur eine Minorität der Gesamtbevölkerung Palästinas bildet und man rnuß mit dem englischen Parlament und der englischen öffentlichen Meinung ebenso rechnen wie mit der Empfindlichkeit der Araber. Ich selbst war stets bestrebt, ein harmonisches Zusammenwirken mit den Araber»;ustandc zu bringen. In gewisser wirtschaftlicher Einsicht haben wir dieses schon erreicht, wenn auch in politischer Hinsicht noch nicht. Tie Verwaltung war stets bestrebt, ohne jede Parteilichkeit, allen Interessen gerecht zu werden. Meine Politik ist nicht jene Iosuas, der nach der Verdrängung der kanaanitischen Stän»»ne das Land besetzte. Wir wollen das Nationalhcim des Judentums in friedlicher Harmonie mit der palästinensischen Gesamtbevölkcrung aufbauen. Aus diesem Gesichtspunkte heraus ist es sehr heilsam, daß an der Sp'ktze der Zionistischen Organisation fähige, gemäßigte und nüchterne Führer wirken, deren Politik am sichersten zur Verwirklichung des jüdischen nationalen Ideals führen wird. Am Schlüsse seiner Rede dankte Sir Herbert Samuel für den freundlichen Empfang, den »hm die ungarischen Juden bereitet hatten. Labour und 8rez Israel: (5'inc Debatte «ruf dem englischen Artbeiterkongretz. (Elqendtenst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 29. Juli. Der hier tagende Kongreß der englischen Arbeiterpartei, zu dessen Verhandlungen Delegierte der Arbeiterverbände des gesamten britischen Reiches erschienen sind, »vidmete den gestrigen Tag den Besprechungen über Palästina. Die palästinensischen Delegierten Ben G u r» o n, Ben Z w i und Arlozor o f j referierten über die Lage der Arbeiter in Palästina und erläuterten deren Forderungen. Zu den wichtigstci» Forderllngen gehören: NationaleAutonomie für Juden und Araber, uneingeschränkte Einwanderung, Uebcrlassuug freien Bodens an jüdische unb arabische landwirtschaftliche Arbeiter und Schaffung entsprechender A v b c i t s g i’ | c t: e. Ter Kongreß beschloß im Sinne der vorgebrachten Forderungen und beauftragte das leitende Komitee »nit der Vorbereitung einer diesen Fordcrtttlgcn entsprechendn» Resolution. Irr englische Bergarbeiterftreik unvermeidlich? London, 30. Juli. Heute abends »vurdc eiligst eine Sonders itzung des b r i t i s ch e n Kabinetts eittbcrnscn, um den augenblicklichen Stand der Verhandln ugen in dem B e r g w e r k s k o u f l i 11 zu erörtern. Von den Mitgliedern des Unterhauses wurde die Ansicht vertreten, daß der Streik unvermeidlich sei. Abd el Krim» Friedensbedingung. Urmbhä?rgigkert des Rifgebietes. Londo»», 30. Juli. (Havas.) Der Korrcslponvent der ,^Times" in Tanger 'berichtet, Ab el Krinr ha-be nicht den Wunsch ausge-drückt, die französisch-spanisch e u F r i e d e n s b c d i n g u n g e n könne»» z»» lerne»». An feine Agerrten in Tanger habe er zwei Schreiben gerichtet, die die e n d g ü l t i g e A r» t »v v r t bilden und in de»»en er verlangt, daß Tanger der Ort der Verhandlungen fei und die vorherige Zilsichernng der Garantie für die Unabhängigkeit des R ifgebiet c s fordert. Der Korrespondent der „Tin»es" »»»eldet weiter, Abd el Krim habe in feinem für die französisch e Regieru»»g be>sti»»»»»»te»» S ch r e i b e >», das er an seinen A g e n t c»» ln T a n g e r richtete, das Verlangen gestellt, daß ein fta»»zösifcher Offizier, der . Marokko geua»» kenne und der Landessprache vollkoni-nien niächtig sei, in das Rifgebiet eulfendet werde, um mit ihn» zu v e r'ha n d e 1 n. Lyautey geht — nach Bichy? Paris. 30. Juli, Ml.Mmtz.), «Mis Soir" Lufolge wird Marschall Ly aut eh -denulächst in Vichy zum Kurauifencha'lt ointreff-eu. An Stelle Lhautehs soll de»' gegenivartigc Bodschäster Frankreichs in Angora, F ra nkl in --B o u i lIo n, zum G o u v e r n e»»- r van Marokko ernannt werden. Sngland soll Moffnl räumen? London, 30. Juli.. (Tel.-Konlp.) Der Bericht de» B ö l k e r b u»»d s k o n» n» i s s i o n über die Mossulgrenze ist im Forergne Office ei»»getrosfen. Der Völker - blind wird den Bericht wahrscheilllich während der September tagung Prüfen. In Politische»» Kreisen wird erklärt, daß der Bericht die R ä »r n» u n g M o s s u l s d u r ch E n g l a n d Vorschläge. Ellgland ist aber durch seinen Vertrag mit dem Staate Irak verpflichtet, Mossul nicht vor dem Jahre 1928 zu räun»en. Engla»»d »näßte also diesen Vertrag, um seinen Verpflichtungen gegenüber dem Völkerbund zu geirügen, kündigen. Um dieser Eventualität auszuweiche«, wird bereits davor» gesprocher», daß das Mandat über Irak vorn Völkerbund einer aridere»» Macht abgetreten werden könnte.

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