Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2314 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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|Polen; jO&rosgy| Wien: Zum Abholen in der Expedition, 11., Taborstr, 1-3, oder in einer verschleisstelle i (Trafik) monatl. 5 Schilling |Strassenverkauf in Wien {durch die Kolporteure der Hrma Qol d s ch m i e d, bl., Wollzeile 11 it Postversand für Wien id Oesterreich monatlich 1 5 Schilling;T«checho-Slowakei:; Mott. K 22. Jugosla wien: ’Mon.Din. 60. Polen: Mon. , 4 Zloty. Deutschland: [Mon. Gm. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen be! Prelier hShnngen Vorbehalten Nr. 2314 Wiener orgemettung Me». Frettag. 31.3«H 192S Der russische Kerker. Reue Verfolgungen der Zionisten. Vor kurzem war durch die I. T. A. berichtet worden, Prof. Dr. David Schar gemeinsam mit anderen jüdischen Persönlichkeiten bei führenden Männern der {russischen Regierung wegen Abstellung der Ziouistenverfolgungen interveniert und das Versprechen erhalten hat, man werde der Sache nachgehen und dafür sorgen, daß * das System der Verfolgungen imfhören solle. Die an diese Intervention geknüpften Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Im Gegenteil, es hat eine neue Aera der Zionistenverfolgungen eingesetzt. Nicht allein Anhänger der zionistischen Bewegung, sondern auch solche, die keinerlei Verhältnis zum Zionismus haben, aber persönliche Be- Ziehungen zu Zionisten pflegen, sind die Opfer. Am letzten Donnerstag hatten sich vor dem Moskauer Gerichte mehrere junge Leute zu verantworten, die beschuldigt waren, der einen oder der anderen zionistischen Jugendorganisation anzugehörrn. Von diesen wurde» füpf zu je drei Jahren ■> Konzentrationslager, welches bekanntlich schlimmer ist als Gefängnis, verurteilt. Es sind dies: Der schwertuberkulose Fischet Karzanowski (Hechaluz), der todkranke Perez Lurje, ferner Meier L e w i n, Lew Englin und Lazar L u z i y (Jugendorganisation). Von demselben Gericht wurden zu Verbannung n a ch S i b i r i e n f u r d r e i I a h r e verurteilt: Mosche G o d e s, Lew Z e n z i p e r und Eisik En t i n. Zu dreijähriger Verbannung nach dem fernen Arla wurden verurteilt: Frl. Lisa Leina, Frl. Sina Tschernak, Schalom Wolkowitzki, Josef Dawidow, Nahum Lokschin, Frl. Rosa Schargorodskaja (wegen Verdachtes der Zugehörigkeit zu den zionistisch-sozialen Zerre Zion). Zu dreijähriger Verbannung nach dem fernen Kirgisien wurden verurteilt: Samuel Rothstein, Etkin, Mordechowitsch, Frl. Esther Krassinskaja, Moses Breslawski, Frl. Fania B r e s l a W s k a j a (Jugendorganisation), B r a n s k i (Haschomer Hazair) und G n e s i n (Parteilos, auf Grund persönlicher Beziehungen znZ io nisten). Auch in Minsk fanden dieser Tage zahlreiche Verurteilungen von Personen statt, die im Verdacht prozionistischer Gesinnung standen. Auch hier genügten Indizien oder persönliche Beziehungen zu. Anhängern der zionistischen Bewegung für eine schwere Verurteilung. Verurteilt wurden: Frl. Mania Stark mann (Zeire Zwn Hitachduth) zu dreijähriger Verbannung nach Stranski Kroy, ferner acht Zionisten zur Verbannung nachdemUral. Ihre Bitte, ihnen die Reise nach Palästina zu gestatten, wurde abgeschlagen. In der vorigen Woche wurden in Minsk, in Kiew sowie in Berditschew und Rayon, ebenso in der Krim Bor einem deuM-sranzöfischen Handelskrieg? Berlin, 30. Juli. Das Wolfffche Bureau meldet: Das Pariser „Journal Ofsiciel" veröffentlichte eine Verordnung, wonach die Einfuhr von Kohle deutschen Ursprungs in Frankreich einer besonderen Genehmigung unterliegt, sofern die Lieferungen sich nicht aus den Verpflichtungen des Versailler Vertrages ergeben. Zu dieser Maßnahme, die sich ausschließlich gegen Deutschland richtet, bemerken die Blätter, daß Staatssekretär T r e n d e l e n b u r g und Handelsmimster Chan m e t seinerzeit beim Abbruch der Handelsvertrags- Verhandlungen vereinbart hatten, daß es j e d e Partei unterlassen werde, für die Dauer der Unterbrechung der Handelsvertragsverhandlungen irgend welche Maßnahmen zu treffen, die sich ausschließlich oder hauptsächlich gegen das andere Land richten. Die Blätter verlangen, daß auf das schärfste gegen die eklatante V e rl e tz u n g dieser A b m a ch u n g e n durch die Franzosen Einspruch erhoben wird. zahlreiche Personen verhaftet, die in dem Verdachte stehen, den Zionismus zu fördern. Traurige Nachächten über di« auf Grund früherer Urteile Verbannten treffen ein. In der Regel werden die zur Verbannung Verurteilten an Punkte verschickt, die 1000 bis 1600 Werst' hinter jeder menschlichen Siedlung liegen. Haben sich diese Unglücklichen in ihre Berbannnngsorte eingewöhnt und eine Arbeit angefangen, um ihr Leben fristen zu können, so kommt oft plötzlich der Befehl, daß sie an einen anderen Derbannnngsort zu gehen haben. Ein besonders schweres Kapitel sind Re Repressalien und Provokationen, dir von Beamten der G. P. U. (russisch-politische Polizei) angewendet werden, um Verhaftete dazu zu bewegen, ihre Genossen zu verraten. Bekannt ist der Fall der 17jährigen M alka Le Win, die man durch falsche Vorspiegelungen und durch Terrorismus gezwungen hatte, die Storncn ihrer Genossen von den zionistisch-sozialistischen Zeire Zwn anzngeben. Als man sie aus dem Gefängnis entließ, eilte sie zunächst, ihre Genossen zu warnen, nachher suchte und fand sie den Tod im Fluß, um ihren ,/Verrat" zu sühnen. Nunmehr werden aus» Stara Konstantinow (Wolhynien) ähnliche sehr schwere Fälle von Repressalien und Foltern n g e ngemeldet. Einer der Gefolterten ist psychisch schwer erkrankt. Eine Mitteilung des Roten Areuzesl / Berlin, 30. Juli. (I. T. 21.) Nach den Mitteilungen des Roten Kreuzes wurden in der Zeit vom 20. März 1924 bis 1. Mai 1925 von den G. P. U. (rnssisch-poliiische Polizei) Fälle von 3617 Personen behandelt, die man der Zugehörigkeit zu verModeuen zionistischen Gruppierungen beschuldigt 'hat. Bon ihnen sehen 160 Personen in den Gefängnisse n dem Urteil der G. P. U. entgegen, mehrere hundert wurden ins Ausland geschickt, 157 (darunter 127 Mitglieder der sozialistksch-zionistischen Partei und des zionistischere Jngendverbandes) 'befinden sich bereits in der Verbannung oder in K o n z e n t r at i o n s l a g e r n. Die Lage der Verbannten i!st besonders schwer. Die einzige jüdische Hilfsorganisation in Moskau aufgelöst. Berlin, 30. Juli. (I. T. A.) Eine soeben ans Moskau eingetroffene Nachricht besagt, daß das weithin 'populäre jüdische Hilfskomitee in Moskau, Mewopo, die einzige n i chtkonr mn n istis che j>n di sche H il fsorga nis a t i o n, die als die Nachfolgerin des einstigen jüdischen Garneindekonritees angesehen wurde, in den letzten Tagen behördlich v e r b o t e n worden sei. Mewopo hat auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge eine ausgedehnte. Tätigkeit entfaltet und zuletzt auch das jüdische Kolonisation sw e rk in Rn ßlastd gestützt. Rußland anerkennt die Schulden an Frankreich. , Paris, 30. Juli. (Tel.-Komp.) In der Frage der Anerkennung derrussischen Schulden an Frankr e i ch ist heute eine Wendung eingetreteu. Es wird bekannt, daß der Sowjetbotschafter Krassin in der Unterredung, die er dieser Tage mit dein Präsidenten der Kommission für russische Angelegenheiten, D a l b i e z, hatte, neue Vorschläge unterbreitet habe. Demnach würde die Sowjetregierung die B o r k r i e g s schulde n R u ßl a n d s an Frankreich a n c r k cu n e n und die Verzinsung nicht mehr von der Gewährung einer Anleihe abhängig machen. Sa, Bisam. Verhandlungen zwischen. Deutschland. und der Tschechoslowakei über Aufhebung des Bisumzwanges. Berlin, 30. Juli. (Tel.-Komp.) Blätternteldnngen zufolge sind zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland Verhandlungen wegen Abschaffung des Visu mzwnnge's im Gange. Die Verhandlungen sollen einen günstigen Verlauf nehmen. Die Aufhebung des Paßvisnnls würde unter ähnlichen Bedingungen erfolgen wie zwischen Deutschland und Oesterreich. IPralilff q England: Mon. 4 Schilling Italien: Monatl. 18 Lire Rumänien: Mon. 170 Lei BulgarienrMon.IOOLew? Schweiz und das übrig« Ausland monatlich Frcs. k Redaktion, Administration: Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-38,43-3-tt Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-k (D. uckerei lg. Steinmann] Oesterreichisches Postsparkassen - Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Ser Hwmsmils in rer Well- Politik. -y. W ie n, 91. Juli. Die Wortführer der französischen Demokratie, an ihrer Spitze die Mitglieder des Linkskabinetts, erlassen einen Aufruf, in welchem sie ihre Sympathie für die zionistischen Bestrebungen ausdrücken und die Oeffentlichkeit Frankreichs zum Anschluß an die ckeugegründete französisch-palästinensische Gesellschaft einladen. Der Aufruf geht durchaus von politischen Gesichtspunkten aus. Er betont, daß Frankreich die zionistische Bewegung aus Gründen des Einflusses int nahen Osten mit freundschaftlichem Wohlwollen beobachte und daß der Einfluß und die Bedeutung der zionistischen Arbeit von Tag zu Tag tm Wachsen sei. Dieser Aufruf ist die Fortsetzung der von Frankreich bereits im Februar 1918 eingeschlagcnen Richtung. Das Clemenceausche Kabinett hatte bereits am 9. Februar 1918 zu den zionistischen Bestrebungen Stellung genommen. In einer Unterredung des Außenministers Pichon mit Herrn Soko'tow bestätigte der Minister, „daß zwischen der französischen und der englischen Regierung die vollkommenste Uebereinstimmung über die Frage einer jüdischen Heimstätte in Palästina herrsche." Wenige Tage später wiederholte Pichon diese Erklärung in einem Schreiben, in welchem er die sympathischen Gefühle hervorhob, welche die Bemühungen Sokolows „in den Ländern der Entente und besonders in' Frankreich.Hervorrufen".' Aus der letzten Ait ist die Rede de Monzies in der Keren-Hajessod- Bersammlung in Paris im Mai zu erwähnen, die nach seiner ausdrücklichen Versicherung als Nachhang zur Balfonr-Deklavation aufgesaßt werden soll. Die Beweggründe, die Frankreich auf diese Linie bringen, sind klar und verständlich. Frankreich ist ebenfalls im Orient'engagiert und es hat Ursache, alle Bewegungen auf diesem heiklen Terrain im Auge zu behalten. Frankreich sieht die Tatsache, daß sich im Judentum, ausgehend von der zionistischen Idee der Selbsterlösung,' ein großer politischer Umformungsprozeß vollzieht, der aus die Entwicklung der weltpolitischen Verhältnisse nicht ohne Einfluß bleiben kann. Das Judentum lebt in allen Staaten; es hat sich überall zionistische Verbände als die ersten Zellen seiner politischen Konstruktion geschaffen.' Daraus erhellt, daß jedwedes Volk und jede Regierung sich aus die zionistische Idee emstellen muß. In dieser Hinsicht sind denn auch in diesem Jahre die bekannten Erklärungen der rumänischen und der polnischen Regierung an Herrn Sokolow erfolgt, die erkennen lassen, daß der Zionismus ein wichtiger Bestandteil der weltpolitischen Reflexion geworden ist. Die Aufklärungsarbeit, die die Leitung der Zionistischen Organisation zu leisten hat, findet hier bereits wertvolle Anknüpfungspunkte, von denen sie zu einer mnfassenden Sicherung des zionistischen Zieles, der jüdischen Heimstätte, vielleicht aber auch zu einer tiefgehenden Umformung der Judeufrage überhaupt und ihrer Behandlung gelangen kann. Es ist sicher, daß hier vieles und großes zu leisten ist. Wir haben aber bei Gelegenheit der Universitätsfeier beobachten können, daß alle Gegenagitation an der Macht der Tatsachen zuschanden wird. Das zivilisierte Europa hat durch seine.Vertreter sich überzeugen können, wie jämerlich schwach fundiert die von der internationalen antijüdischen Maffia erhobenen Anklagen und Beschwerden find. Das Land, die jüdische Arbeit selbst hat gesprochen und vor diesen Tatsachen konnte das Gespinst der Verleumdung nicht bestehen. Die europäischen Gesandten waren zugegen und sie konnten erfahren, was in der so kurzen Zeitspanne von kaum fünf Jahren all realen Werten geschaffen worden war und wie das dllrch die jahrtausendelange Vernachlässigung verödete, durch den Weltkrieg verwüstete Land einer neuen Blüte entgegengeführt wird. Die politischen Motive für eine aufmerksame Betrachtung der zionistischen Probleme mußten auf Grund dieser Erfahrungen ihre Unterstützung in dem wirtschaftlichen Moment finden. Das durch jüdischen Fleiß belebte Palästina erscheint als bedeutender Konsument auf den: Weltmarkt. Der europäischen Arbeit ist ein neues Gebiet für ihre Produktion evschlossen, Palästina ist in den Welt--