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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-30 · Heft 2313 (30.7.1925) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2313 (30.7.1925)
Date
1925-07-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Dien, Donnerstag Aus Srez 3M. Der Herzl'Laa in Ben Schemen. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Mehr als 1000 Menschen, Männer und Frauen, jung und alt, aus fallen Teilen Ercz Israels hatten sich am 20. Tamus, dem Todestage Herzls, zu einem Spaziergang zum Herzl-Wald in Ben Schemen vereinigt. Dieser Ausflug ivurde, ebenso wie der int vorigen Jahre, von der St ere n- Kajenlcth - Ko m nt ission organisiert. Fast alle Zentren des Landes, hauptsächlich Tel- A iv i w und Jerusalem, beteiligten sich daran. Die ^lästinensische Eiserrdahnbehörde hatte einen S on Verzug gestellt. Grundsteinlegung zur Kolonie „Herzlin". Aus I a f fa wird uns berichtet: Am Todestag Herzls, dem 20. Tamus, fand die Grundsteinlegung zur neuen 1 landwirtschaftlichen Kolonie „Herzlia" auf der Höhe gegenüber der Churbat Har Suf statt. Die Kolonie wurde von 'der durch Alexander Aronson gegründeten Gesellschaft Bcnci Benjamin ins Leben gcruftn. An der Feier noh-! nwn außer 300 Mitgliedern der Gesellschaft, die sich in : der Kolonie ansicdoln werden, Vertreter der übrigen Kolonien, Delegierte der Städte und der Presse teil. Die Karabischen Scheichs der Umgebung waren persönlich erschienen. Die Feier ivurde auf dam festlich geschmückten Platz durch eine Gedenkfeier für Theodor Hcrzl eröffnet. Die Gedenkrede hielt der Generalsekretär der Gesellschaft Ben Ami. Sodann sprachen Bürgermeister D i s c n g o f f aus Tel-Awiw und Professor Sto u sch t sch, der einen Rückblick aus die Geschichte des ..Platzes ivarf, aus ivelchem die Benei Bertjamin jetzt durch bewährte jüdische Arbeit ein hoffentlich rasch aufblühendes Gemeinwesen schaffen werde. Tiefen Eindruck aus die zahlreichen Versammelten machte es, als zum Schluß die 88jä!hrige Greisin G i s s i n, die Ahnin von sechzig Enkeln und Urenkeln, die alle in Erez Israel geboren wurden, eingeladen wurde, den Grundstein zu legen. Mit Freudentränen in den Angen sprach die zitternde Greisin einige Worte, lvährend die Anwesenden in Jubel ausbrachen. Jabotinski — Kandidat für die Nationalversammlung. * Wie aus IerusaIe nr berichtet wird, hat das Zentralkomitee der Revisionisten in Tcl^Awiiv, gleich nach Empfang der Mittc-ilung, daß Wladimir Jabotinski demnächst zu dauerndem Aufenthalt nach Erez Israel konnnt, in einer Sitzung beschlossen, den Führer der Revisionisten für die kommende Wahl in die AssiPhat Haniwcharim zu kandidieren. Jabotinski ivar seinerzeit auch Mitglied der ersten Nattoltalversamnttung, die nach den blutigen Demonstrationen in der Pessachwoche in Jerusalem zusa-m-mengetreten war. Er hatte -damals unter allen gewählten Mitgliedern die -meisten Stimmen auf sich vereinigt. Konstituierung der grusinisch-jüdischen Gemeinde in Jerusalem. Aus Jerusalem wird uns geschrieben: Die Gemeinde der g r u s inischen Juden -in Jerusalem war bisher völlig unorganisiert und stand allen gesellschaftlichen und kulturellen Bewegungen der Jischuw fast -teilnahmslos gegenüber. Nunmehr gelang es, auch diese ansonsten sehr wertvolle Gruppe zu einer eigenen Gemeinde zu organisieren. Die Konstituierung der Gemeinde hat bereits stattgefunden. Zmn Präsidenten wurde Chain: Jakob Mordechija gewählt und die Regierung lhctt die Gemeindesatzungen genehmigt sowie den Vorstand als den einzigen berechtigten Vertreter der gr usinischen - Juden anerkannt. Die Eisenbahnsovderungen der Güte?- j Kolonien.! Tie starke Entwicklung des Emek und die dauernde! Vermehrung der Siedlungen, abgesehen von dem Wachsj tum der Zukunftsstadt Afuleh, machen die Umwand-! lung -der S ch m a l s p u r ba h n der Linie Haifa-Sernakh j in nächster Zukunft in eine breitspurige nötig.! Bealnte der palästinensischen Eisenlbahnveowaltung, an ihrer Spitze der Direktor der .Haifa—Semabh-Linie, besuchten in Begleitung von Vertretern des Solelbonoh vor kurzer Zeit Nahalal, Merchaviah und Ain Charod. Von seiten dieser Siedlungen tvurde mit Nachdruckdaraus hingewiesen, wie wesentlich eine A c n -d e r u u g der Zugfolge für die beschleunigte Lieferung von Milch und G a r t e n f r ü ch t e n nach Haifa und Tel- Awiw sei. Es wurde eine Herabsetzung der Trans- Po r t s ä tz e für Marktware und Gartenerzeugnisse verlangt: ferner, daß die Frachtbriefe nur hebräisch geschrieben zu sein brauchen, da die Eineksiedler weder englisch noch arabisch können, was zu Verzögerungen un-d Verlusten führt. Neue Wohnviertel in Jerusalem. Ältan beschleunigt jetzt die Wegebauten in den bei-den muestrn jüdischen Vororten an der Peripherie Jerusalems, Schchunath Montesiore und Bait-W'gan (.Haus und Garten). In Schchunath Montesiore (am Wege nach Beth .Hakerem) kann wegen -des Wassermangels noch nicht mit dem Häuserbau begonnen werden. Im Viertel Bait-W'gan, auch in der Nähe von Beth Hakerem gelegen, beschäftigt der Solelboneh 60 Arbeiter beim Wegebau. Zirka 400 Dunam sind parzelliert 'und an zirka 400 Mitglieder zur Ansiedlung in diesem . Viertel vergeben worden, von dem aus man einen herr- Iir' '? icl lil'-’V F.'rnsalem l;-at. Wiener Morftenzeitung. 30. Juli 1925 Nr. 2S1» Herben Samuel in Budapest. Sie Helfe auf der Lonau. Budapest, 29. Juli. Ter gewesene Oberkommissär von Palästina Sir Herbert Samuel ist gestern abends zu Schiff von Giurgin hier anyekom-mcn. Er hat die Reise auf dem Dampfer „Jupiter" zurückgelegt. Für den Oberkommifsär und seine Familie waren die Salonkajüten reserviert worden. Bon Giurgiu nach Belgrad erschienen überall Deputationen der Behörden und der jüdischen K n l t u s g e m c i n d c n und bald glich das Schiff einem Bl unten ha in. Sir Herben empfing die Deputationen aufs freundlichste, gab ihnen aber auf ihre Fragen nur ganz kurze Antworten und ließ sich in politische Erklärungen nicht ein. Das Schiff kam in Rustschur um Mitternacht an. Sir Herbert schlief schon, da aber die Deputation der Stadt ihn unbedingt begrüßen wollte, verlangte sie vom Kapitän, daß er den High Commissioner aus dem Schlaf wecke. Ter Kapitän kam diesem Wunsch jedoch nicht nach und die Deputation mußte unverrichteter Dinge abzichen. Ein Mitarbeiter des „Posti Naplo" fuhr dem Schiffe bis zur ungarischen Grenze entgegen, um Sir Herbert Sanruel zu sprechen. Er teilt in seinem Blatte mit: Der High Commissioner ist von hoher Statur, breitschultrig, eine jede Bewegung die Geste des geborenen Soldaten. Er hat dichte, schwarze Augenbrauen, «in dichter, englisch gestutzter Schnurrbart beschattet die Oberlippe und verleiht seinem Gesicht einen besonders energischen Ausdruck. Ohne weiteres empfing er den ungarischen Journalisten, erklärte aber sofort: „Es tut mir leid, ich kann keine Ausnahme machen, es ist ein Prinzip meines politischen Lebens, daß ich der Presse gegenüber keine politischen Erklärungen abgebe. Solche Erklärungen können ja schließlich die Geschehnisse nicht aufhalten und ich will mich in keine Prophezeiungen cinlassen über Fragen, deren endliche Gestattung heute noch nicht abzusehen ist. Bolle fünf Jahre war ich High Commissioner in Jerusalem und habe selbst in diesen: Lande weder über politische noch wirtschaftliche' Fragen mich geäußert. Ich muß auch betonen, daß keiner meiner Besuche einen politischen Charakter trägt. Meine Reise ist ganz privater N a t u r, was auch daraus zu ersehen ist, daß ich mit meiner Familie reise. Ich möchte 'Sie auch bitten, sestzustellen. daß alle 'Nachrichten, die meine Reise oder meine Besuche während meiner Reise mit ^politischen Dingen in Zusamntenhang zu Ebringen versuchen, der Wahrheit nicht entsprechen. Ich gedenke einige Tage in Ungarn zu verbringen, auf das ich wirklich neugierig bin, und begebe mich dann nach Tirol, nach Jgls, wo ich den Sommer 511 verbringen gedenke. Ich bin müdk. will mich ausruhcn, was mich aber nicht hindern wird, während meines Tiroler Aufenthaltes ein Buch zu schreiben. Um Sie zn beruhigen, will ich Ihnen verraten, -daß das Thema meines Buches nicht Palästina zum Gegenstand hat." Inzwischen erscheint auf dem Verdeck der diplomatische Geschäftsführer der Insel Zypern und di«' Audienz des Redakteurs war zu Ende. Auf dem Schiff befindet sich, wie schon erwähnt, auch tc Familie, darunter die neunzehn Jahre alte, hübsche Tochter Sir Herbert Samuels. Die Deputationen, die aus dem Schiff erschienen sind, ließen es sich nicht nehmen, auch -die Familie des ersten jüdischen Generalkommissärs von Palästina in -ihre Huldigungen einzubeziehen. In Vidin trennte sich aus den Reihen einer Deputation ein bulgarischer Greis, der in der Hand zwei Aepfel hielt. Bevor er noch daran gehindert werden konnte, war er schon bei der Frau und -bei der Tochter des High CommissionerS und drückte einer jeden einen Riesenapfcl in die .Hand. Sir Herbert Samuel bleibt einige Tage noch in der ungarischen -Hauptstadt und fährt donauansivärts über Wien nach Jgls. Der englische Gesandte gibt heute abends ein Din?' zu Ehren des Gastes. * Während der Fahrt hat sich ein eigenartiger Zwischenfall abgespielt. In -der zweiten Klasse des Schiffes reiste ein bulgarischer Student, der in der glühenden Hitze einen Sonnenstich erlitten hatte. Er rannte auf das Verdeck der ersten Klasse, wo die Reisenden behaglich auf ihren Deckftühlen lagen-, eilte von einem Reisenden zum anderen un-d stellte sich eitlem jeden schreiend vor: „Ich bin Sir H e r b e r t Sä m n e l, d er K ö n i g -von P a -l ä st-i na. Bitte, -be-suchen Sie mich sofort in meinen Appartements." Der Kranke konnte nur -schwer «beruhigt werden. Er lief dann auf die Kommandobrücke Hinauf un-d schrie dort aus Leibeskräften: ,^Jch bitt der High Commissioner, -der König von Palästina!" Der Kapitän sagte ihm: „Aber machen Sie doch keinen Skandal, Sie sind doch nicht der König van Palästina. Dort können Sie ihn jetzt persönlich sehen." Die Aufregung des Kranken wurde aber nur noch -mehr gesteigert. Er wollte sich aus Sir Herbert Samuel stürzen und schrie: „A l l e s e r l 0 g e n. Ich 'b i n d e r K ö n i g!" Endlich mußten Matrosen -hevbeigeholL werden, die den Studenten in seine Kabine brachten -und ihn: E i s - komp ressen auslegten. Nach einiger Zeit legte sich seine Aufregung, und bald erklärte er dem Kapitän des Schiffes, gar nichts von seiner momentanen Sinnesverwirrung zu wissen. Der politische Barmat-Schwindel. Die Wiener Mttnle. Berlin, 29. Juli. (Tel.-Komp.) Der ,^8orwärts" fährt heute mit der Veröffentlichung von Schriftstücken fort, die beweisen sollen, daß zwischen den die Untersuchung gegen Barmat --K u t i s ker führenden Staa t sa n wälte.n Caspar! und Kußmann, bei -denen Hausdurchsuchungen vorgen-ommen wurden, und deutschnatio-na >len Kreisen ein Zusammenhang bestand. Unter den von: ,/Borivärts" veröffentlichten Schriftstücken -befindet sich ein Brief an Oberfinauzrat Dr. Bang, worin die-sem mitgeieitt wird, daß an die T e l e g raph c n - U n i 0 n und an den Deutschen P r cffe d ie n st Artikel gegeben wurden. Ein in Wien tätiger Kriminalassisient R 0 w a l s k i -hat. dem „Vorwärts" zufolge, an den Herausgeber der rechtsstehenden Korrespondenzen einen Bvicf folgenden Wortlauts gerichtet: „Wien, 26. Jänner 1026. . 'Sehr geehrter Herr! Im Auftrag des .Herrn Assessors Tr. unßnrann teilte ich Ihnen mit, daß Stlarz eine Reihe von Torpedobooten fü-r 500 Mark pro Stück er- . worben haben soll. Falls Sie in -der Lage sind, durch Beziehungen -beim Marineministcrium feststellen zu können, daß dies zutrisft,, erbittet Dr. Kußmann Drahtnachricht -bis spätestens Donnerstag abcn-ds nach . hier, Hotel Erzherzog Rainer. . Mit vorzüglicher Hochachtung dankt ergebenst Rowalski, Krimi nalassistent." Der „Borlvävts" fordert die schnellste Aufklärung des ganzen Falles. Gin lächerliches Dementi. Berlin, 20. Juli. (Wolfs.) Zu den Zeitungsmeldun-- gen, daß die vom preußischen Justizministerium eingelciteto Untersuchung über das Vorgehen der Sonderdezernenten der Staatsanwaltschaft in Sachen Barmat und Kutisker zu einer Reihe von Hausdurchsuchungen geführt habe, erklärt der amtliche preußische Pressedienst, daß diese Mitteilungen in dieser Form nicht zutreffen. Ferner teilt das Polizeipräsidium mit, daß die Nachrichten über den Inhalt der polizeilichen Vernehmung der beiden Beamten, die gestern bei der Berliner Kriminalpolizei stattgesunden hat, lediglich auf Angaben der Vernommenen beruhen, da die Berliner Kriminalpolizei es aus erklärlichen Gründen st r e n g a bgelehnt hat, in diesem Stadium der Angelegenheit der Presse irgend welche Mitteilungen über die Ergebnisse der Untersuchung und Vernehmung zu machen. Nach Blättermeldungen sind die Vernehmungen abgeschlossen. Die Angelegenheit ist zur weiteren Behandlung der Staatsanwaltschaft zugeteilt worden. Re Mecklenburger Mörderzentrale. Berlin, 29. IM. (Tol.-Komp-) Wi-e das „Berliner Tage» ib-fo-i-t" aus Mecklenburg erfährt, ist eine Entführ-ung der beiden nn Femie-m-oridprvzeß znm Tode Verurteilten, S ch ü l» lc-r und N 0 tz 0 n, aus dem Schweriner Gchän-gnis geplant. Der En-tf-ühvultgsplan soll bereits germu seststchen und der Tennin der Bofteiung für a-nifan-gs, spätestens Brille August svstgchetzt sein. Me für die Aussiihrntvg des Planes bestimmten Pevsomn halten sich teils in der Gegend vori Schwerin, teils in R 0 st 0 ck auf. Es ist, dem Blatte ztvs-olge, einw-altdisrei seistgestellt, daß sich gegenwärtig in Rostock mährere ehemalige bayrische Offiziere basinden, unter ihnen der aus dom Münchner Putsch vom Jahre 1928 bckailnte Leutnant Daß. _ »Auilanbrpropaganda" der Srganlsation „Konsul". Belgrad, 29. Juli. (Tel.-Komp.) In Semlin wurden gestern zwei jllnge Reichsdeutsche verhaftet, die angaden, aus Hamburg zu fein und Hans Levigil und Ernst Hartung zu heißet!. Die beiden Hattert keine Pässe bei sich. Bei der polizeilichen Untersuchung wurden, wie ein Conmtunigtle der Polizei mitteilt, bei den zwei jungen Leuten Schriftstücke gefunden, aus denen heovorgeht, daß sie anscheinend Mitglieder der Organisation Consul sind und auf einer Propagandafahrt durch die deutscher: Ortschaftelt Jugoslawiens begriffert lvaren. Levigl und Hartung Hattert sich von einigen Tagen itzei der Belgrader detttschert Gesandtschaft gemeldet und um Ausstellung dort Reisedokumertten ersucht, doch hatten sie die Dokumente noch nicht erhalten, da die Gesandtschaft zunächst telegraphisch Informationen aus Hamburg einholert wollte.

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