Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-07-30 · Heft 2313 (30.7.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2313 (30.7.1925)
Date
1925-07-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981398--23483-3011006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

iPolens 20 flroszyj Wien: Zum Abholen in der Expedition, ILTaborstr. 1-3, oder ln einer Verschleisstelle rTrafik) monatl. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, I„ Wollzelle 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling Tschecho« Slowakei: Mon. K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Gto. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bei P r el — erhOhnngen Vorbehalten — Wiener Morgen;eitunS tPral» 16 i England: Mon. 4 Schilling. Italien: Monatl. 18 Lire: Rumänien: Mon. 170 Lei. Bulgarien:Mon.lOOLew£. Schweiz und das übrige Ausland monatlich Frcs. 5 Redaktion, Administration: Wien,II.Tabontr.1 Telephone: 44-0-38,43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Druckerei lg. Steinmann) Oesterteichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 Rk. 2313 Me«. Sonnentag. 80.8«Ü 1925 7. ZaHrgang I Bor Der Ankunst Lord Pioniers. Sie Forderungen der Znden PMftinar. London, 28. Juli. Aus Jerusalem wird gemeldet: Der Waad Leumi bereitet eine Denkschrift vor, die durch eine Abordnung anläßlich der Begrüßung des neuen Oberkommisfärs Lord P l u m e r überreicht werden wird. Das Memorandum enthält die dringlichsten Forderungen der Juden von Erez Israel: Unverzügliche Herausgabe des Gemeindegesetzes, Erhöhung des Beitrages für das jüdische Erziehungswesen, ferner Zuweisung von staatlichem Boden an jüdische Kolonisten und schließlich größere Erleichterungen für die Einwanderung. Es verlautet, daß die Gemeindewahlen in Erez Israel bereits kurze Zeit nach der Ankunft Lord Plumers ausgeschrieben werden sollen. Semiffion des Generalselretörs des arabischen AMomtomitees. Jerusalem, 28. Juli. Die seit langem bestehenden Zwistigkeiten unter den Mitgliedern des arabischen Aktionskomitees haben sich in der letzten Zeit derart zugespitzt, daß der Generalsekretär des Aktionskomitees, D je mal al Hussein! seine Demission gegeben hat. Die Barmat-Cnthüller. —y. Wien, 30. Juli. Der ekelhafte 'KorrichtionSflandal, der aus Berlin iverichtet wird, war fällig. Man hätte sich wundern Müssen, wenn diese Affäre noch lange auf sich hätte warten lassen. Zu auffällig war das Schweigen, mit dem die nationalistischen Parteien und ihre Presse die letzten Phasen der Affären Barmat und Kutisker be- ’gfoüetett.. Die verfemten jüdischen Finanzleute, die ^Monatelang vor der Oeffeutlichkert bespuckt worden waren, deren privatestes Leben von Spitzeln und Gebavdenspähern ausgeschnüsfelt worden war, sind in aller Ruhe aus der Haft entlassen worden. Sie sind wirtschaftlich zugrunde gerichtet, haben die Gesundheit Mvgebüßt und bet Pranger, den ihnen eine geschäftige, Mt angelegte Agitation bereitet hatte, wurde noch nicht Mtferut. Es sind ja Juden, die in diesem Falle auch Mch als Beweisstücke zur Verfemung der jüdischen Ge- ^arncheit ihre besondere Funktion zu erfüllen hatten. Mm großer Apparat war aufgeboten, um diese gefährliche, die arisch-germanische Wirtschaftsmoral ver- WLngercke Tätigkeit der Juden in allen gewünschten Mnzelheiten festzustellen. Sie hatten, wie ihnen nach- Wsagt wurde, hohe Amtswalter des Deutschen Reiches gestochen. Bon denen, die bestochen wurden, war weiter nicht die Rede. Sie verschwanden still und lautlos. Die Angeklagten sind entlassen und nun kommt die Rache des sZAcksals. Wan spielt nicht ungestraft mit Affären. Die unantastbare, unabhängige deutsche Justiz ist enthüllt worden. Es war eine politische Geschichte. In dem Sinne nämlich, den man sich gewöhnt Hai, der Bezeichnung Politik beizulegen. Unter Kulturmenschen tzocrsteht man unter Politik die Ordnung des Verhältnisses zwischen dem die Gesamtheit repräsentierenden Dtaat und den einzelnen Einwohnern. In Deutschland, dem Staat der absoluten politischen Sterilität, ist Politik fast schon zur Gänze identisch mit Antisemitismus. Me öffentliche Tätigkeit ist aus den Judenpunkt eingelstellt, alles Interesse steht unter dem Einfluß der Angst vor den „Weisen von Zion". Ganze Armeekorps von 'Literaten schreiben sich die Finger wund, um die semitische Weltverschwörung aufzudecken, durchstöbern die von protestantischen Theologen mit Unkenntnis des Hebräischen angefertigten „Uebersetzungen", studieren eifrig die jüdische Presse und verdienen dick an dieser Pamphletistik. Was die einen schreiben, trom-peten die anderen hinaus, während wieder andere das ganze in politische Form gießen. Was über und gegen die Juden zusammengelogen wird, hat einen guten Markt. In dem Lärm des antisemitischen Geschreies können gute Geschäfte gemacht werden. Die Stimtes-Presse tat das ihre, erstens aus Liebe zur Sache, zweitens, weil sie ja davon lebt und für ihre Propaganda bezahlt wird. Sie hat beträchtlichen Lärm geschlagen, solange das Haus Stinnes das Licht noch sah. Als diese Riesenmaffe ins Gleiten kam und der Konkursmasse näher rückte, da verschwanden die schönen fetten Titel über Barmat und Genossen. Statt dessen erfährt die Welt die schon längst vermuteten Mitteiluitgeit über Bestecher und Bestochene. Es gibt Sensationen, die giftig wirken. Aus dieser Fehde wider das ganze Judentum ist eine dreckige Bloßstellung des preußischen Beamtentums geworden, das in seinen heikelsten Positionen angegriffen erscheint. Die Dentschnationalen — das ist die Partei der Staatsnnd Moralretter, der Kriegshelden und Getreideschieber — halten ein eigenes Bureau eirtgerichtet, das?.ur Vorbereitung der Rechtswahlen nach jüdischen Unfitteu fahndete. Dieses Bureau stand in innigem Kontakt mit der vielberühmten.preußischen Staatsanwalischaft, deren Lehrlinge sich mit Eifer für die nazjonale Sache einsetzten. Ungleich verteilt sind die Gaben des Geistes. Einer mordet mit der Handgranate oder mit Zyankali, der andere schützt das Recht und verhökert Akten an die, die sie gut verwerten und bezahlen. Die Lente ließen sich nicht lumpen. Es gab Auslandsreisen im Luxuszug, sogar das Flugzeug wurde in den Dienst gestellt. Es lebe der technische Fortschritt! Da wirkte ein Oderregierungsrat Gödel, ein Herr Knoll, den man Ser Marokko-Krieg. Ankündigung einer französischen Offensive im September. Paris, 29. Juli. (Hava's.) Der „Temps" meldet aus Fes: Die erste Phase der Operationen, nämlich die der Defensive, ist abgeschlossen. Das Oberkommando wartet ruhig den A n g r i s f A b d e l K r i m s aus Uezzan ab, um den Stoß zu parieren und dem Angreifer schwere Verluste -beizudringen. Unmittelbar darauf wird der G egenst o ß erfolgen, der dann die Phase der Offensive einlciten soll. Der Feldzugsplan ist tm Einvernehmen zwischen den Marschällen L h a u t e y und Petain und des Generals Na ul in entworfen worden und wird vor seiner Durchsnhvung durch Marschall Petain dem Mnisterpräsidenten Painleve unterbreitet werden. Für den Beginn.der Offensive muß den klimatischen Verhältnissen Rechnung getragen werden, da die Südwinde Wirbel st ü r m e Hervorrusen, die die Truppen ermüden. Die fast unerträgliche Hitze wird im August den Höhepunkt erreichen und wahrscheinlich wird das Oberkommando den September abwarten, bevor eine endgültige Operation unternommen wird. Eine eingeschlossene Stellung. Paris, 29. Juli. (Tel.-Komp.) Nach einer Meldung aus Fes haben die Marokkaner den Posten- Ain Bon A i s s a e i n g e s ch l o s s e n. Im Norden von Fes haben die Marokko.ne r einen kühnen Vor st o ß n a ch S ü dosten unternommen und dabei einige Häuser der Frankreich ergebenen Stämme niederge-brannt. sowie das Bich mitgeführt. Die Angreifer mußten sich aber angesichts der von den Franzosen herbeigeführten großen Trnppemnassen «bald zurückziehon. Sas Linkslartell in Frankreich. Paris, 29. Juli. (Havas.) Abgeordneter Alexander Baren ne ist Mn .Generalgouvernenr von Jndochina ernannt ivordcn. (Ba-renne ist Sozialist. Seirre Ernennung beweist, daß die Sozialisten im R eg r,eru ngsla rteil bleiben. — Die Red.) eine Verschwörung gegen dar Angora-Regime Angora, 29. Juli. (Havas.) Hier ist man neuerlich einer ausgedehnten Verschwörung aus die Spur gekommen. Das Zentrum derselben befindet sich in K o nst a n ti n opel. Unter den Verschwörern befinden sich auch gewesene Abgeordnete. auch noch Kluge oddr Klansing nennt, ein Abjeordneter Leopold (Aufsichtsrat bei Stinnes und Informator der Schriftleiter); unter den Anwesenden bemerkte man weiters den Jungdo-Führer Mahraun, den.Abjeordneten Lawerenz, die Staatsanwaltschafts-Assessoren Kußmann und Caspari sowie — weshalb auch nicht? — den Ehrhardtschen Kapitänleutnant Kautter. Gut deutsche Männer mit Monokel itnb vorschriftsmäßigem Kommandoton. Die Staatsanwälte liehen Akten und es gab auch noch im Wonnemonat Mai eine Besprechung zwischen den Beamten- und den schntissigen Herren, in der die Verlautbarung eines für Barmat Aufhebung der deutscheu Visums. I Vom 12. August an. Berlin, 29. Juli. Heute nachmittags wurde in Berlin zwischen der österreichis che n Bundesregierung und der Reichsregierung das Abkomnteit über die Aushebung des Sichtvermerkzwanges für die b e id e rs ei t ig e n S taa tsa ng eh ö r i g e n von dem österreichischen Bevollmächtigten, außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Dr. Felix FranL und dem Bevollmächtigten der deutschen Reichsregierung, Außenminister Dr. Gnstav S t r e s ema nn, unterzeichnet. Nach dem Uebereinkommen können die Angehörigen des einen Staates das Gebiet des Bertragsstaates lediglich auf Grund eines gültigen H e i m a t s P a s s e s ohne Sichtvermerk über jede amtlich zugelassene llebergangsstelle betretert und verlassen. Für Kinder unter 15 Jahren genügt an Stelle eines -Passes ein amtlicher Ausweis über Namen, Alter,- Staatsangehörigkeit und Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt des Kindes. Der Kinderausweis muß bei Kindern über 10 Jahren mit einem von -der ausstellenden Behörde abgestcmpelten Lichtbild versehen sein. Für den gemeinschaftlichen Grenzübertritt von Personengruppen, die aus deutschen Reichs-- angehörigen oder aus österreichischen Bundesangehörigen oder ans Angehörigen beider Staaten bestehen, gilt eine von der zuständigen Behörde ausgestellte Sammelliste als Paßersatz. Das Abkommen wird am 12. August 1925 io Kraft treten. _ Sit Olifteü Mond. War haben bereits mitgeteilt, daß der ehemalige eng» lische Handelsminister Sir Alfred Mond unmittelbar nach seiner Rückkehr ans Erez Israel sich in ärztliche Behandlung begeben mußte. Sein Befinden ist derart, daß er sich für die nächste Zeit aus dem politischen Leben zurückziehen muß. Sir Mond, der inzwischen in Frankfurt am Main eingetroffen ist, wird am Wiener .Zionistenkongreß nicht teilnehmen und hat das ihnr von der amerikanischen Zionistischen Organisation angebotene Dell e g i e r t e n m a n d a t unter Hinweis auf seinen leidenden Zustand a b g e l e h n t. Voraussichtlich wird Sir Mond zu Ende S e p t e mb e r soweit hergestellt sein, daß er seine öffentliche Tätigkeit wieder .ausnchmen können wird. ungünstigen Kammergerichtsbeschlusses beschlossen wurde. Ein preußisches Kammergericht! Wenn man früher dieses Wort hörte, stand man schon stramm. Diese ganze schöne Geschichte wurde eingefädelt, um den Sieg des völkischen Gedankens mit Gott für Kaiser und Vataland zu sichern. Er wurde errungen, aber es komnit doch immer anders. Der Rechtskurs kann nicht so wie er will. Er muß sich damit absinden, daß für Detttschland Paris und London zuständig sind. Aber er hat doch erzielt, daß man tief in die Kulissen hineinschaut und erfährt, wie es gemacht wird. Und das ist der Humor davon. Sämtliche Badeartikel wegen vorgerückter Saison zu nachweisbar tief reduzierten Preisen im Warenhaus Eft! Schiff mann II. Taborstraße 48 Telephon 47"1»7Ö En gros En detail

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.