Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2312 (29.7.1925)
- Date
- 1925-07-29
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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M um Wr«, MsttVoH Merttr Moeftenzeit««-. SS. ftüTf 1925 Trite I Ein Laib ,&t S-uft «hwt anderen! Ja, weitzt du denn nicht, daß er ein schwere- Unglück bedeutet, wenn jemnad seinen Traurintg verliert?" „Nie gehört!" ,-Köstlich — nie gehört! Daw-iß doch ein jeder Säugling." „Gut. Aber ich gehe jetzt nach Haufe." ,/£t geht nach Hause! Begreifft du denn gar nicht, was du zu tun hast?!* „Einen neuen zu lausen?" Frau SpanWow schlug die Hönde Wer dem Kaps zusammen. „Einen neuenl ALso, bitte, zieh dich sofort aus und spring' ins Wasser! Ich kann unmöglich ahne Ring heimyehen. Da- «britnA ein furchtbares Uniglück!" ,Lch mag aber jetzt nicht. . * . „Du mußt!!!" lieber die Verpflichtung des Herrn Äpanditkow, wider feinen Willen in- Master zu springen, entbrannte zwischen den Ch-gatten eme lange, heftige Auseinandersetzung, die damit endete, daß Herr Spandilow sich tatsächlich enttleidetc und ftirnrunzelnd in die Fluten stieg. „Such' mal hier!" Er tauchte, stieß mit dem Ohr cm einen Stein und kam zur Oberfläche. ,^Hier. .. hier . . .! Nun tauch' doch schon eMich!" Herr Sparfdikow tauchte. ,-Sag «ml, hast du denn überhaupt hier gebadet? fragte er Pnrstend, als er wieder zum Vorschein -am. ,Mein... dort! Aber ich denk«, die Strömung wird ihn hierher getrieben haben!" ,Me Strömunjg geht doch nach der anderen Seite!" ' ,-Unmöglich! . . . Warum ging sie denn vorigen Sommer »ach dtefer —?" „Weil wir vorigen Sommer am anderen User wohnten." ,/$«$ tut nichts zur Sache! Such'!" Der Mernde, bläuliche Herr Spantdikow tauchte noch eine Weste und Kettevtie dam» traurig, mit verzerrtem Gesicht die Trxppe hinan... „Ich kann nicht mehr!" stöhnte er. i „No, das fehlte ja gerade!" „Ich habe eben erst zu Mittag gespeist, und du läßt mich eine halbe Stunde in eiskaltem Wasser sitzen. Das kann üble Folgen für meine Gesundheit haben!" „Blödsinn!" sagte Frau Spcmdi'kow. „Bvr allen Dingen muß ich uveincn Ring wieder haben! Bekomnre ich ihn nicht, so gvschicht ein furchtbares Uniglück. Tauch mal hier . . ." Die Sonne versank anr Horizont, Frau Spanbitow aber neigte sich zu dem Gatten hinunter und schrie: „Tauch' mal hier — an dieser Stelle! Als ich badete, wehte Nordosiwind!" In WiMchkcit hatte während des Bades der Frau Spandilow ei» Wind ausder erwähnten Richtung natürlich nicht geweht, und überdies war cs ihr auch selbst nicht Kar, was eigentlich die Windrichtung mit -dem verlorenen Trauring zu tun hatte; des ungeachtet tauchte Herr Spandilkow, grün wie ein Laubfrosch, von neuem auf das Flußbett hmäb, unr nach einer Weile prustend, mir von: Wasser kleidenden Haaren und zulammengeschruinpfient Bärttein, aus der Tiefe aufzusteigen. Erst mit Einbruch der Nacht kehrten die Gatten heim. Herr Spandikow legte sich unverzüAich y\\ Bett und zitterte vor Kälte am ganzen Körper, trotzdem «mm ihn in warnie Decken einhüllte. Schließlich reichte nran ihm Kogrmk, aber es stellte sich Erbrechen ein. Mm halb IS Uhr nachts tat Herr Spandikow den letzten Memzrig. * Die ganze Sommerwohnung der Frau Spandikotv stand .nif dein Idopf. Das Mädchen heullte, die Kinder schrien, Frau Spandikow schluchzte. Um ihren Schmerz mit jemandem zu teilen, sandte sie nach der Nachbarin, die sie nwrgens „chronische Idiotin" und „.rote Hexe" tituliert hafte. - Die „chronische Idiotin" vergaß die zugvfügte Beleidigung, eilte herbei und hörte lange geduldig der Frau Spantdikows Wehklage an. „Siehst du wohl", Isiogte dieselbe Nachbarin am nächsten Morgen zu ihrem Gatten," du bist ja auch so einer von denen, die nicht a» eine Vorbedeutung glauben. Da hast du es nun... Denk' bloß au: also die SpandAows, die nebenan tvohnen... gestern verliert die Frau ihren Trauring ,,. Das hat eine sehr schlimme Borbäeutung.. .!" „Na, und —fragte der Gatte der „chronischen Idiotin". .Ja, und? und am selben Lage noch stirbt ihr der Mann! Sollte ein Wensch so etwas wchl für möglich halten . . .??!* ■■ Aus dem RiWscheu übersetzt von , Werner Heter Larsen. Wien, 29. Juli. * „Oesterreich", ein neues Flugzeug für bk Strecke Wien- Zürich. Gestern wurde auf dem Flugplatz in Aspern im Beisein des BundesministerS Dr. Schür ff ein großes Junkers- Metallflugzeug, das bam auSevschen Sst, den Luiftvevkchr W ie rr—München—Zü rich zu besorgen, feierlich mit dem Namen „Oesterreich" benannt. Nach dam Festakt startete das Flugzeug mit 11 Pastagieren zum ersten Flaig nach Zürich. * Das Schachturnier in Breslau. Die 7. Runde des Internationalen Schachme istcrbii rnrers holte, wie aus Breslau genrelbet wird, folgendes Ergelbnis: Rubinstem schlägt Blümich, Wagner schlägt Grünfeld, BogvHubow schlägt Sämisch, Niemzowiflch schlägt Moritz, Becker schlägt Gottschall, die Partie Reti-Tarrosch wurde in für Tarrasch günstiger Stellung abgebrochen. * Eisenbahnunglück im Pavifer Ostbahnhos. Der um 11 Uhr 40 Min. abends aus Basel im Parffer OsWahnhos einLaufende Expreßzug stieß knapp vor dem Bahnhöfe mit einer durch falsche Weiche nstellung auf das Hauptigeleise geratenen Rangierlokomotive zusammen. Die drei vordersten Waggons des Schnellzuges, davon zwei dritter, einer zweiter und erster Klasse, wurden schwer beschädigt. Bon den Reisenden des ExpreßAUges wurden 21 Personen verletzt, darunter drei schwer; zwei der Schwerverletzten such gestorben. * Das Wetter. Gestern herrschte wieder sommerliches Schönwetter. Die Bochevsage für honte lautet: Veränderlich. * Die Lebensmittelmärtte. In der GvoßNl-arMälle stand gestern der Verkehr im Zeichen des eingeschränkten Bedarfes. Die Importe beliefen sich auf 9 Waggons Kälber, zum Großteile polnischer Herkunft. In der Preislage ist vorläufig keine Veränderung eingetveten. Der Nasch markt wurde gestern bedarsbeckenid versorgt. Guvken itttö Fisolen, «die namentlich von ländlichen Produzenten aus den Markt gebracht wurden, haben sich n-anchast verbilligt. Auch Spinat und Paradeiser haben sich ermäßigt. Aus dem Obstmarkte. sind Marillen gestiegen, wogegen Birnen und Pfirsiche billiger waren. Holländische Butter hat sich verteuert, weshalb auch einheimische Butter im Preise anziehen dürste. * Eine Arbeitslosenversammluug im Rathaus. In der Bolikshalle des Rathauses fand gestern mittags eine von etwa 900 Personen besuchte AribeitslosenversamMurrg statt, . um gegen die geplante Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung zu demmistrieren. Es wurde verlangt, daß in .den Betrieben das Ueberstmndensystem amshöre, und die Entlassungen der Pens ionisten gefordert, uw für die Arbeitslosen Stellen frei zu bekommen. Nach der Versammlung zogen die Teilnehmer in geschlossenen Zügen über die Ringstraße und riefen im Sprechchor: ,Mas haben wir?" ,^Huuger!" ,Mas wollen wir?" „Arbeit!" Bei der Bellaria löste sich der Zug auf. da foie Polizei ein Weitermarschiereu bis zum Schwauzenbevgplah nicht gestattete. Zu Zwischenfällen kanr es nirgends. * Ein Milliardendiebstahl. Ans Bad Ischl wird berichtet: tu der Nacht zum 27. d. wurde die Billa des vormaligen ringen Karl Emil Fürstenberg in Strobl von bisher uUbokannten Tätern erbrochen. Die Dielbe stahlen eine schwarze LedeÄasette, in der sich 258 Perlen, deren Schnur gerissen war, ein Paar herrliche Brillantenohrgehange, ein Medaillon aus Gold und verschiedene andere Wertgegenstände befanden. Der Wert der Perlenschnur allein beträgt ungefähr 10 0.000 Schweizer Franken, der der Brillanchlchvgehänge etwa 30.ÖQ0 Schweizer Franke n. Der Wert der anderen Juwelen steht noch nicht fest. * Das Abenteuer eines japanischen Arztes. Wie seinerzeit berichtet, tmcrde dem im Hotel Zenith in der Pelikangasse wohnhaften japanischen Arzt Dr. Thinge Abel am 11. o. nachts von einem Mädchen, das mit ihm in seinem Zimmer gewent hatte, kostbare Schmucksachen und Wertbriefe entwendet. Die poilizeilichen Erhobungen ergaben, daß den Diebstähl die 2l3jöhrige Karoline Knnesch gemeinsam mit ihrvnc Geliebten, dem Äjjährigen Bauzeichner Johann Kern, begangen hat. Das Paar flüchtete nach Ausdeckling der Tat. Gestern ist hier die Nachricht emgelangt, daß die Kunesch in München aus Grund des gegen sie erlassenen Steckbriefes verhaftet wurde. * Tod durch den explodierenden Spirituskocher. Aus Reichenau wird uns berichtet: Das bei der hier pm Sonvmevausenthalte weileuden Familie Albert Last bediettstete 26jähxige Stuibennrädchen Marie Z i m m e r m a n n goß in den noch brennenden Spirittlskocher Spiritus nach, wodurch der dlpparat explodierte und die Zimermaun Brandwurrden zweiten Grades am Mnzen Körper erlitt. Der herbeigerlisene Arzt Dr. B i t t n e r opduete nach erster Hilfeleistung die sofortige Uelberführung in das Allgemeine Krankenhaus nach Nemchirchen an, woselbst die Bedanerilswerte anr nächsten Nachmittag gastorben ist. * Der Oberkantor von Arad gestorben. Wie uns ans Arad berichtet tvird, ist dort. 91jähr»g, der pensionierte Oberkantor der jüdischen Gemeinde, David K o h n, gestorben. Er war von 1857 bls 1923, also 66 Jahre, Vorbeter in der Araber Gemeinde. Seine Stimme, ein Bariton, behielt noch im Alter ihren metallischen Glanz. Oberkantor Kohn war auch in der weltlichen Musik bewandert und bei den Hauskouzerteu der vornehmsten Magnatcufarnilien brachte er oft Opernarien zu eigdrucksvollem'Vortrag. Enge Freundschaft verband ihn mit vielen Aristokraten, hohen Militärs und sonstigen Würdenträgern; auch Karl Gold mark und David Ney zählten zu seinen Intimen. Kohns Begräbnis fand unter riesiger Teilnahure sämtlicher Gesellschaftsschichten der Slrader Einwohnerschaft statt, aber auch von auswärts tvaren zahlreiche Freunde und Verehrer erschienen, um dem Toten das letzte Geleite zn geben. * Here Josef Grvb ersucht uns. bokauntzttgoben, daß er vou der Leitung der Nüdaktwu i>n- Zeitschrift „Die jüdische Gemeinde" zuvückgetreten ist. und zu diesoni Matte in keinerlei vezichllirgen mchr stcht. * Opfer der Badezeit.?tm 21 d, wurde bei Hainburg die ,Deiche eines 20- bis 25jäl)rigeu Mannes, der denn Baden ertxuÄen ist, aus der Donau gezogen. Bühne md Kunst. StautslawrNs -per komm nach Dirn. StattiÄlawKiS musikailifches Ensemble, welche» man im AiuSlianide überhaupt nicht kennt, unternimmt von Petersburg aus im komnrenden Herbst eine Gastspiel reise durch Europa und Amerika. Dieses nrusikalische Ensemble bsstcht insgesamt aus achtKig Personen. Stanislawski nimmt seine eigenen Dekorationen, Orchester und Chor mit. Als Dirigent wurde der bekannte nlsfische Komponist Bakaleinikow verpflichtet. Das Repertoire des Moskauer Vünstlerischett Theaters besteht aus folgenden fünf Stücken: „Ftarnrencita und der Soldat", eine tragische Vorstellung nach Merime, »oii be arbeitet von Lipskervltv, Musik von Bizet. Das ist die re formierte „Carmen". Ferner „Madame Angot" von Lo.'ocg, „Pericola", Operette von Offenbach, und ein „Puschkin-Abend". Das Gastspiel des Moskauer .Künstlercheaters beginnt am Berliner Deutschen Theater, gibt sodann Vochellungen in Dresden und Leiptzig, bleibt drei Monate in Amerika und kommt im Frühjahr nach Wien. Helene Sdilons 60. Geburtstag. Am 31. d. vollertdet Helene O d i l o «, einstmals eine bet «gefeiertsten Wiener Schauspielerinnen, in drückender Not ihr 60. Lebensjahr. Bor dreißig Jahren ist der Stern der Odilon auifgegangerr; sie wirkte durch etwa ein Jahrzehnt am Deutschen Bolkscheater. Ihre Haubenlerche, ihre Zaza, ihre Madame sans Gene, ihre goldene Eva sind noch unvergessen. Bor ettva ztvei Jahvzchnton wurde Helene Odilon bei einem Gastspiel in Innsbruck plötzlich von deni furchtbaren Geschick betroffen, über Nacht gelähmt zu werden. Ihre Hoffnung, daß sich das Leiden bessern werde, ging nicht in Erfüllung, ihn Gegenteil, das entsetzliche Leiden nahm i-mmer nrehr zu. Verschiedene Versuche der nicht entmutigten Frau, auf der Bühne und sonst Beachtung zu finden, schlugen kläglich fahl; ihre Lage wurde immer trostloser, und schließlich rnußte sie in einem Hospiz in der Nähe ihrer Vaterstadt Dresden um Aufnahme bitten. Dort verbringt sie fast völlig gelähnit ihre trostlosen Tage. Ans Anlaß' des 60. Geburtstages der Künstlerin hat sich nun ein Komitee gebildet, das eine Sammlung veranstalteil will, nm die Not Hres Lebensabends zu lindern. Wer durch eine, auch noch so Keine Spende der Mnstlerin Dank für die vielen Stunden des künstlerischen Gonießens äbstattcn will,, wird gebeten, Gaben an' den -Obmann des Komitees, Herrn Theodor Weiß vom Deutschen Volkstheater. 7. Bez„ Bnrggasse 28, zu senden. __ Aus den Theatern. Burggarten lbet ungünstiger Witterung im Festsaat der Hofburg). Heute, 8 Uhr abends, F e st s p i e I s ij 11 u „Tannhäuser-Parodte". Dirigent r Friedrich Grnber. Theater inderJosefstadt. In Vorbereitmtg steht gegenwärttg „Unverhofft", Posse in drei Akten von N e st r o y. Neues Wiener Stadttheater. Morgen findet eine AuMrung des Schwankes „Einen Jux will e r s i ch m a ch e n" von N e st r o y mit Karl Kneidinger als Gast statt. Uraufführung einer Pueeini-Oper. Anläßlich der ilächsten Stagione der Mäla in Mail arid gelangt Pnccinis unvollendet gMieibene Qper u r a n d o t" zur UvanMhrultg. Neun Schöpfungen Michelangelos aufgefmrden. Wie aus Rorn gemeldet tvird, sind neun Tonmodelle M i ch c lang elos aufgesunderr lvorden. welche von italienischen Gelehrten als Borarlbeiten des Meisters für seine Apostolgestalten gehalten werdeir. Max Liebermanns 78. Geburtstag. Auf seinem Smnmersitz in BevlinqWannfee hat Pros. Max Liebermann feinen 78. Gelburtstag begangen. Bon der schtveren Erlrankiuui des letzten Winters und ihren Folgeerscheinungen hat sich der Küilstler wieder völlig erholt, so daß er seiner künstlerischen Tätigkeit weiter obliegen kann. Kunsterwerbungen des Magistrats von Tel-Awiw. Der Magistrat von Tel-Atviw hat für seinen Sitzungssaal zwei Porträts, Herbert Samuel und Albert Einstein, erworben, die der bedeutemde jildisäie Ätaier L. P.itlcho>vski geschaffen hat. Radioprottrarntn. Heute Mttwoch. 1 bis halb 6 Uhr: Nachnüttagslouzert. Jarno r Das Aiusikantemnädel. Grteg : Hochzeit ans Troldhaugen. Haydn i Serenade. Rubinstem r Romanze. Homau- Wever r Berlioz, Phantasie. Bauminger : Komm' zu mir l Boston. Tosti t Die Ideale, Lied. Strarch r Der lustige Atrien, Potpourri. Fall r Fürstenliebe, Walzer. Walter: Delila, Tanzlnterinezzo. — bis 7 Uhr r Vortrag des technischen Oberinspektors D. Pawlkowskh des karthogravhtschen .Instituts: Kartenlesen. — 8 Uhr: Konzertakademie. Vorttäge des HoruquiutettS Stiegler r K. Stiegler: Haintsch-Jagdfanfare, Latnzer-Ttergarten-Faufare. I. Schantl: Lützotvs wilde Jagd. Fretteniattl: Edelweiß. Gauby : Judenburger G'läut. K. Stiegler: Jagdzug der Diana, Aus den Bergen. Beethoven r Biotiusouate in L-Dur. — 1U10 Uhr r Heitere Vorlesung (3, Teil) Hilde Wegner. — 10 Uhr r Heitere Abendmultt lKapelle Silving).