Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2311 (28.7.1925)
- Date
- 1925-07-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Men, Dienstag Wirner MorgenzettunK SS. Juli 1925 Gelte S ’«*. Ssa W i C11, 28. Juli. * Eine Schießaffäre in Jaffa. Als eine jüdische Schauspielerin, die in einem arabischen Theater zu Jaffa auistrttt, a>m Abend des 21. d. nach der Vorstellung ans dem Wege Hu ihrem Hotel «lvar. folgten ihr fttoet junge Araber, die mit ihr ein Gespräch anzufangen versuchten. Die Schauspielerin ivergevte sich, mit ihnen ftu sprechen, woraufhin die Araber ihre Revolver zogen und Schüsse abgabet:. Die Schauspielerin und drei andere Passanten erhielten schwere Schußverletz ungen. Einer der Araber wurde verhaftet, der andere entkam. * Di« -valenkreitzlerversammlung gegen den Zionistenkongretz. Die .Hakenkreuzler hieltet: gestern in Weigls Restauration ihre erste „Protestversammlung" gegen den Zionisten- Kongreß ab und hatten dort Gelegenheit, sich zu begeistern. Unter den Rednern befand sich ihr Pogromagitator Gattermayer, dessen Treiben demnächst das Gericht beschäftigen soll. Er drohte diesmal wegen des Zionistenkongresses der Regierung mit Pogrom. Auch ein Toter sprach in der Versammlung, der Schönerianer Franko Stein. Nach den vielen schönen Reden zogen die Versammlungsteilnehmer in geschlos- > jenen Reihen ms zum Margavetengürtel, ihre entsprechend geölten Kehlen durch kräftige Mannesrufe, wie „Nieder mit den Juden!" „Nieder mit dem Ziouistenkougveß!" weidlich fchlM- , lend. Am Gürtel löste sich der Zug angesichts starken Wache- > aufgvbotes ans. Zu Zlvrschetifälle.: kam es nicht * Ei» Eisenbahnunglück im Burgenland. Die General- ^direktion der österreichischen Bundesbahnen teilt mit: Sams- /tag den 26. d. fuhr der zwischen Harkan-Kohlenhof und GünS I(Burgenland) geführte Porsonenzug 6636, der st a r k besetzt war. wegen Lokomotivmangels ohne Borspannloko-! motive von Deutschkreutz ab. Er blieb auf der Strecke infolge sll Überlastung stehen. Um weiterfahren zu können, wurde sder Zug geteilt: der vordere Halbteil fuhr nach Neckenimarkt ab. Beim Abholen des zweiten Zugsteiles von der ^Strecke fuhr die Lokomotive derart stark auf den abzuholenden iZugSteil an, daß 22 Personen Verletzungen leichteren Mrades erlitten und eine Person schwer verletzt wurde. ^Der Sachschaden ist gering. v * DaS Wetter. Gestern vormittags herrschte sonnnerliches j,Schönwetter, nachmittags setzte heftiger Gewitterregen ein. pDie Prognose für heute Hautet: Heiter, Ivarm, später We st- ^lecktereinbrnch. * An Wurstvergiftung gestorben. Vorgestern früh ist im Franz-Josef-Spital die 17jährige Therese Köstler, die nach oe« Genuß dürrer Wurst am Samstag erkrankte, gcst-arben. * Ein«! größere Schülerherberge in Men. Die Gemeinde WSkxt wird die Volksschule in der Unteren Augartenstvaße AU ämer Schül er Herberge nmgestalten, rn der die zu Lehr- MSflügen nach Wien kommenden Schüler und Lehrer ans der Provinz UmterEunft finden sollen. Ms jetzt standen gu diesmn Zwecke Keine Herbergen in Verwendung, die nun, mit Ansinahme einer in der Lerchenfelderstraße, ausgelassen zverdcn. In jdiÄem lJahre sind bereits 108 Gruppen mit 3635 Schülern und jjSchMermnen nach Wien gekommen. Bon den Kindern Haben mtän Zehntel Wien noch nie geseihen. Bezeichnend ist, daß es pauch VehrperAonen gibt, die noch niemals in Wien waren. P dke HAffte dieser Schüler war noch nie in einer größeren dt, totette hatten noch me ein dreistöckiges Haus gesehen, ja, lam sogar vor, daß Schüler noch keine Eisenbahn «hen halten. Der Bund und die Gemeinde gewähren >en SchülerauMvgen die größtmöglichen Begünstigungen. * Die Verzweiflungstat einer Mutter. Gestern früh >mn iIHM 4 'Uhr wollte die 26jährige Hilfsarjbeiterin Hevmine!>Küissenger von der IKagraneribrücke in die Donau springen. l«>ie hatte sich ihr sieben Monate altes Kind mit einem Strick nrn den Leib gebunden. Der Gerüster Leopold H u mm erlberg er eilte hinzu und verhinderte die Schreckenstat. Zum PoklitzeÄommissariat Floridsdorf gebracht, gab, die Äüssinger an, daß sie die Tat aus Verzweiflung über die ihr von ihrem Lebensgefährten, dm: 30jährigen Gerüster Johann W e i ß- 'ß rad, zuteil gewordene Mißhandlungen ausfiühven tvollte. Sie .wurde dein: Jnguisitenspital übergeben. Weißgrad, der 'wiederholt vorbestraft ist, wurde dem Landesgericht eingeliefert. * Der Roman des namenlosen Säuglings. Die Private Auguste Schädl hatte im November vorigen Jahres in einem hi eisigen Blatte inseriert, daß sie ein Kind in Pflege übernehmen wolle. Daraufhin erschien anfangs Dezember in 'ihrer Wohnung ein etwa 30- bis 3tjähriger Mann. der mit fremdländischen: An'klang sprach nnd mit Frau Schädl über die iUebcma!f)mc eines Kindes gegen EntgÄt verhandelte. Man wurde einig, und etwa zwei Tage darauf kam der Mann in Begleitung einer etwa 34jährigen, blondhaarigen, eilegant gekleideten Dame, die der Frau Schädl ein ungefähr sechs Tage altes Mädchen übergab. Vor dom Tore wartete ein Automobil. Das Paar erlegte für Kost und Wäsche 80 Schilling. Noch ehe sich die Frau Schädl recht fassen kannst, war das Paar verschwunden und hatte -das "Auto bestiegen. Erst jetzt besann sich die Kostfrau, daß sie vergessen habe, nach den Dobumenten nnd nach dom Namen des Säuglings und seiner Eltern zu fragen;, rasch eilte sie dom Paar nach; ifaim aber bloß dazu, als beide danoi,führen. Sie rief ihnen noch die Frage nach -und hörte nur, daß das Kind Lnzie heißen soll. Seither haben sich weder der IDlatiu noch die Frau Nicken 'lassen. Wohl kam allmonatia mit der Post ein kleinerer Kostbeitrag, aber ümner sehr verspätet, nnd i>m Juli blieb auch diüse Srndung aus. Ms Mender des Geldes zeichnete auf .den Goldbriofen immer ein angeblicher „H. Berger, hauptpostlagernd". In einem der letzten Briefe har sich der angebliche Herr Berger nach dem Befinden des Kindes erkundigt und um eine diesbezügliche Annonce in der Zeitung ersucht. Seither fehlt von den: Paar jede Spur. Die Erhebungen zur Ermittlung der Eltern des Kindes wurden e ingeleit et. * Tod durch elektrischen Strom. Der 14jährige Schüler Ernst Hochmann aus Wien, der in Unter-Kamisch (Genie inde Straßen) zur Echolnng weilte, wurde vergangenen TonuerStag durch den Strom einer elektrischen Notleitung, die an einem Baume montiert war, .getötet. .. * Die Lebensmüden. Gestern früh wude an der Türklinke eines Bretterschupfens beim Hause Wchlistraße 310 der 43jährige Private Ivsüf Messing er erhängt ausgösunden. Die Ursache ist Zwist mit seiner Lebensgefährtin. — Gestern früh hat sich eine' junge Frau aus einem Fenster des vierten StomwerEes des Hanfes Dürkenstraße 0 in den Hof gestürzt und blieb tot liegen. Die Selbstmörderin ist die 23jährige Grete Mayer. Die Ursache der Tat 'dürfte ein Lungenleiden sein. — Bor einigen Tagen wurde am Praterfpih die bloß mit Unteviväfche bekleidete Leiche eines jungen Mädchens aus dem Donaukanal gezogen. Sie wurde als die 21,jährige, in Stein a. d. Donau wohnhafte Zigarrenavbeiterin Rosa D e l l i n g e r agnosziert. — In Linz a. d. D. ist ani 21. d. der 46jährige Koch des DauchfichUeS „Wmas", Ferdinand Po'körn y, von dem fahrenden Schiff in die Donau gesprungen und ertrunken. Die . Leiche torntte nicht geborgen iverden. h * Einstellung deö Strafverfahrens gegen Ernst Vivenot. "Mn. vergangener; Freitag Mrde (Baron) Ernst V r v e n o t, Mitteilungen aur dem Publikum. »„«»»» »»»»»> Bmtic Ong.frioUliirtitenpaplir JwD «ii»ji!i.uiiaiistin/i Das historisch wertvollste Stück aus der Rawiezer -Synagoge ist jedoch der „Stuhl des Elia", welcher ISO Jahre Mt. Auch eine Anzahl alter, sehr bemerkenswerter Dhorarollen haben jetzt in der Synagoge der neugegründeten Kolonie eine Heiniot gesunden. der wegen Kreditbetruges vom Straflandesgericht 1 verhaftet tvorden war. auf freien Fuß gesetzt. Bivenot befand sich seit zehn Tagen in Untersuchungshaft. Es wurde S ihn von der (Gräfin) Thun-Hohenstein eine ge erstattet, weil er sich anläßlich eines Gutskaufes, bei dem er eine Angabe von 900 Millionen geleistet hatte, weigerte, den Restbetrag von 700 Millionen Kronen zu -bezahlen. Vivenot begründete dies damit, daß sich in der Zwischenzeit durch Mverkauf von Wertgegenständen eine Minderbewertung des Besitzes ergeben habe. Nun ist mit einer baldigen Einstellung des Strafverfahrens zu rechnen. Bühne nnd Kunst. Profeffor (tmit Ster« gestorben. Sonntag abends ist in A l t l c n g b a ch der Professor an der Staatsa-kademie für Musik und darstellend« Kun-st Eniil Ster u im 48. Lebensjahre gestorben. Er hatte sich zu Besuch bei einer verwandten Familie be-> fundeit und in -bester Laune au der Unterhaltung teilgenommen. Nach denr Abendessen wurde er plötzlich von einenr Unwohlsein befallen. Alsbald trat Bswußtlosigkeit ein. Der sofort berufene Arzt konnte nur mehr feststellen, daß Professor Stern Mnem Sch'laganfalle erlegen ist. Professor Stern hat seine Ausbildung am alten Wiener Konfervatorinm genossen. Nachdem er die Studien vollendet hatte, 4var er einige Jahre als Kapellmeister an Qpevetteu- und DPernbühne-n tätig, bis er eine Bevufnttg als Lehrer für Klavier an die Anstalt erhielt, der er seine Ausbildung verdankte. Durch mehr a l s zwei Jahrzehnte wirkte Emil Stern in mustergültiger Weise als Professor. Seine ungewöhnliche musikalische und pädagog-ische Befähigung, die liebevolle Sorgfalt, die er der Individualität jedes seiner Schüler widnvete, nnd sein vorbildliches kollegiales Verhalten erwarben ihnr in gleich hohem Maße die Dankbarkeit der Schüler wie die Wertschätzung des Professorenkollegiums. Professor Stern empfand feine Lehrtätigkeit nicht als Beruf, sondern als Lebensaufgabe. Diese Auffassung und der tiefe sittliche Ernst, der ihn erfüllte, gaben seiner Persönlichkeit das Gepräge. In der Theaterwelt hat sich Professor Stern durch seine Operette „Altwien" ^bekannt gemacht, deren Musik er nach L a n n e r s ch e n Motiven geschaffen hatte. Das Werk erlebte seinerzeit am Carl-Theater 3 0 0 Aufführungen und 'behauptet sich seit fast eineinhalb Jahrzehnten auf dem Spiolplane der Operettenbühnen. Professor Stern, der unvermählt war, hinterläßt - drei Brüder, von denen der «ine, Regierungsrat Julius Stern, der Publizistik, die beiden anderen dem Kaufmannsstande angehören. Das Leichenbegängnis des Verstorbenen findet morgen Dtittwoch nur dreiviertel 1.1 Uhr vormittags auf denr Zentralfriedhofc (Israelitische Abteilung, erstes Tor) statt. _ Mische Kostbarkeiten nur Pole» in Srer Israel. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) In der neuen jüdischen Kolonie Birci Brak, welche van einer Warschauer Vereinigllng gesetzestreuer Jivden m der Nähe von Tel-Awiw begründet wurde, ist ci'ne Anzahl künstlerisch wertvoller jüdischer Altertümer ans Polen gu sehen, üvelche in der provisorisch aus Holz erbauten Synagoge >der Kolonie aufbewahrt werden. Die Inden der Stadt Rawicz nämlich haben infolge des Antisomittisndus, der die jüdische' Bevö'AerllNg dort jetzt bedrückt, zum größten Teile abwandern müssen. Die wenigen -in 3iawiez zurückgebliebenen Inden sind nicht in der Lage, die Synagoge zu lechalten und ha'beie sich daher entschlossen, die Kostbarkeiiten dieser Synagoge der Kolorrie Brrei Brak zu vermachen. Diese Gegenstände sind bereits in Erez Israel eingetroffen. Ihr Berichterstatter konnte einen künstlerisch überaus wertvollen Kronleuchter beüvundern, ^ferner eine wunderschöne alte Menorah und einen Dhoravochang, welcher, prachwoll gestickt ist und vor 108 Jahren angefertigt wurde. JUWELIER MORIZ OESTERREICHER I. Wlpptlnflorstraße SS Steter Eiapanj; besondere preiswerter Juwelen und Silberwaren Grosses Uhronlager_ 5U3_ Eigenes Atelier Letzte Kurse. New-Borker Devisen. New-Nork, 37. Juki. (Tel.-Komp.) Berlin 33.80. London Kabel 4.8&SU, London Scheck 4.81*/», Amsterdam 40.14, Paris 4.78, Brüssel 4.64. Rom 3.68, Madrid 14.40. Zürich 19.41. Stockholm 26.86, Oslo 18.68, Kopenhagen 28.8b, Wien 0.14. Budapest .0.14, Prag 2.96'/., Belgrad 1.76'/,, Athen 160, Buenos Aires 40*/», Rio de Janeiro 11.80, Bnkärest 0.53'/.. Amerikanische Getreidemärkte. Ntzw-Aortt» 27. Juli. tTel.-Komv.) Weirteu rot Wtnter 162'/,. Wetzen hart Winter 171'/„ Mais 120*/*. Hafer 52, Roggen 106'/.. Ehikago, 27. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 150*/*. September 148'/,. Dezember 150'/,; Mats per Juli 108%, September 104'/,. Dezember 87'/. : Hafer per Juli 43'/„ September 43'/,. Dezember 46; Roggen per Juli 93'/,. September 96'/., Dezember 99'/.. Ans de« rheatern. Burgaarten (bet ungünstiger Witterung tue Festsaat der Hosturgl Heute 9 Uhr abends, Symvhoniekonzert (Dirigent: Zdenko M t h a l o v i t S). Miiwirkend Leonie D n r- , « ft » i 1t „Die vertagte Nacht." Santstag. ging im Ratmund» Theater „Die vertagte Nacht", Schtvank von Frau; Arnold und Ernst Bach vor zahlreichem Publikum zum 26. Mal in Szene Die komplizierten Verwicklungen, denen ein junger, unbeholfener Ehemann in der Hochzeitsnacht ausgejetzt ist, wurden wieder herzlich belacht. Die flotte Darstellung tat noch ein übriges. .HanS Lackner. OSka-r Sima. Siegfried Breuer, Eduard Loibner und das scharmante Fräulein Wanda Rotter sorgten für sommerlichen Humor. Die schwüle „Vertagte 2iacht wird dem Raimund-Theater noch über manchen .Hmrdsiag hinweohelfen. Berlin soll auch sein arisches Theater bekommen, «u* Berlin wird gemeldet: Etwa drei Dutzend Perfönlichkeiten des RechtslkuvseS. unter ihnen zwei Prinzen von Lippe, der Präsident der Vereinigten vaterländischen Parteien Graf v. d. Goltz, der frühere Staatstninister v. Loebell. Pfarrer Traub, Hofprebdger Doohrüna, einige Generale, «van gelische Pfarrer, Gehomrmte, Büvgevmesster, Professoren, Geueraldirektoretl usw. veröffentlichen soeben einerr ^lnfrus zur Gründung einer „National b ü h n e". Jtt dem Atufruf heißt es u. a.: „Unser Dpiellplan wird die Werke der großen germanischen Dichter der Vergamgetchoit und das Schaffet: der lÄenden deutschen Dichter ninifässen." Aus de-m »vetteren In halt ist zu Veristehen, daß nicht allein Werke von klassiischen und moderner: Dichtern des AuÄattdes, smrdern auch We r k e v a n Juden deutscher Zunge ausgeschlossen bloiben sollen. Es wivd nicht allst,: an eine ern.si.qe Büht:e gedacht, sondern es sollen bestc>he:vde Theater gepachtet und neue Theater gebaut iverden. In: 9/orden Berlins soll dov Anfan,a geumcht werden. Die notwendige,: Smmnen sollen durch „Bausteine", „Patwnatscheine" beschafft werden. Der 400. Geburtstag Palestrinas. In P a l e st r i n a fand vorgestern vor dem DetMrale P i c r l u i g i d a Palestrinas aus Anlaß des vierten.Jahrhnnderttages der Geburt dieses Tondichters die feierliche Niederlegung eines 'Kranzes statt. _ Radioprogramm. Heute Diepstag» 11 bis 1 Uhr: VormillagSmnsik (Programm nach Ansage). — 4 bis 5 Uhrr Nachmittagskonzert. Jos. Strauß r Deutsche Grüße, Walzer. Beethoven r Menuett in 6. Simon: Wiegenlied. Bizet: L’Arlesienne, Suite 1 und 2. Prager: Unter rankendem Wein. SentiS: ebrysuntböins-Lluo«. — '/.6 bis Y*7 Uhr: Märchen. — '/,7 bis 7 Uhr r Vortrag Regierungsrat Josef Mühlberger des kartographischen Instituts: Kartographie und Reproduktion. — 8 Uhr: Orchesterkonzttt Ganglberaer.. Johann Strauß: Ouvertüre zu „Eine Nacht in Venedig . I. W. Ganglberger r Frauenaavotte. C. M. Weber : Große Phantasie aus „Der Freischütz . H. WientawSki r Konzert V-Moll. B. LaSzky: DaS heiße Herz, Eine wird kommen. - O. FetraS: Erinnerung an Franz Schubert. Schubert-Berte: Unter einem Fliederbaun:, arrs „Das Dreimaderlhaus". E. Kalman r Großes Potpourri aus „Gräfin Mariza". Berekne, Borttstge und Bersammlattgen. Grenrium LsterreichischerHandelsvert r e t e r. Morgen. 6 Uhr abends, Besprechung im Cafe Gartenbau. — Z i o n i st i s ch e O r g a n i s a t i o n. Bezirkssektion Brigittenau. Heute, 8 Uhr abends, im Cafe Halpern (20. Bez., Gaußplatz) dringende Ausschußsitzung. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis,. S. Bez.» Taborstraße 59. Tel. 40-3-16. In der Zeit vom 19. bis 25. d. waren angemeldet: Männliche Stelle n f ü chen de: 1011 aus den verschiedensten Branchen. Weibliche Steile n s u ch e n d t .i 670 aus den verschiedensten Branchen. Männlich e offene Stellen: 10 Vertreter, 6 Lehrburschen, 20 Praktikanten. 1 Diener, 1 Schlosser, 1 Friseur. 1 Tischler, 1 Elektromonteur, 1 Buchbinder. Weibliche offene Stellen: 3 Verkäuferinnen, 5 Stenotypistinnett, 5 Hau8gehilfi:men, 3 Lehnnädchen, 3 Praktikantinnen, 1 Lanfmädchen. 1 Wirtschafterin, 2 Näherinnm, 1 Musterkleberin. In derselben Zeit wurden vermittelt: Männliche Stellen: 3 Vertreter, 2 Lehrburschen, 3 Praktikanten, 1 Diener, 1 Elektromonteur. Weibliche Stellen: 2 Stenotypistinnen, 1 Hausgehilfin, 1 Lehrmädchen. 1 Praktikantin, 1 Näherin. Die P. T. Arbeitgeber werden höflichst ersucht, sich im Bedarfsfälle an obige Adresse zu wenden. Gerichtssaal. Eine Siebzehnjährige, Der HandelSayHestellte Anton B. brachte gegen seine 17iährige Gattin Therese B. die Klage auf Ungültigkeit der Ehe ein, weil er erst nachträglich, durch einen Zufall, zur 'Kenntnis der überrascheniden Tatsache gekommen sei, daß seine Gattin, twtz ihrer Jugend, ein außereheliches Kind mit in die Ehe gebracht hatte, das sie in einem entlegenen Dorfe in Kost gab. Er habe keiüen Anlaß gehäbt zu Aiveffeln, daß er ein unschuldiges Mädchen heirate. Sie habe Hre Rolle als Braut, die unschuldig :md uttevfähren in die Ehe tritt, vortrefflich gespielt. Jetzt allerdings begreife er die Eile, mit der die Eltern seiner Braut zur Eheschließung drängten, obzwar doch angesichts der Jugend der Braut zu einer solchen Eile kein Anlaß war. Die Geklagte gab alles zu, evMrle aber, ihr Manu habe, als er die Entdeckung machte, die Ehe mit ihr fortgesetzt. Er habe ihr verziehen, aber jetzt gefalle ihm eine andere und darum mache er nachträglich den We« ungültigjkeltsgruud geltend. Der Kläger bestritt die Fortsetzung der ehelichen Beziehungen nach Entdeckung der vorerwähnten Tatsache. Hätte die Wohnungsnot es nicht verhindert, so hätte er seme Frau «sofort Vevlassen. Der EhtwandSverleidiger beantragte die -Wtveffuny des Ehe« Ungültigkeitsbegehrens, da ein Beweis darüber, daß der Kläger die Ehe nach den: kritischen Zeitpunkte nicht fortgesetzt 'hätte, nicht erbracht sei u-nd die Vermutung immer für d:e Gültigkeit der Ehe spreche. Der Gerichtshof «Märte die Ehe für gültig, weil Aussage gegen Aussage stehe, daher nicht erwiest,: sei, ob der Kläger di« Ghe mit seiner Frau fortgesetzt habe oder nicht. Das Oberlandesgericht gab der gegen dieses Urteil echolbenen Berufung Folge und verwöes die Sache zur nochmaligen Verhandlung a« die erste Instar^,