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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-28 · Heft 2311 (28.7.1925) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2311 (28.7.1925)
Date
1925-07-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. SM Men, Dienstctz ^--- stzionistischen Bewegung als entscheidenden Träger des Auf- Laues. Palästinas und der nationalen Renaissance des . jüdischen Volkes, um die Sicherung der Souveränität des Kongresses, um eine zielbewußte und entschlossene Führung der zionistischen Politik und eine planvolle, von den Prinzipien der Renaissance bestimmte Kolonisationspolitik in Palästina fortgesetzt werden muß. Für die Durchführung dieser Prinzipien wird die iKonferenzgemeinschast sowohl im Wahlkampf, wie auch auf 'dem Kongreß energisch eintreten. Koloirel Symes an die Pressevertreter. Jerusalem, 27. Juli. (I. T. A.) Der Stellvertreter des lOberkommissärs von Palästina, Colonel Symes, emp- 'fing am 22. d. den Verein der auswärtigen Pressevertreter aus Anlaß des ersten Jahrestages der Gründung dieses Vereins. Colonel Symes versicherte, ldaß die Regierung die Vertreter der ausländischen Presse in ihrer Arbeit stets unterstützen wird. Die Europareife Sir Herbert Samuels. Ans seiner Rückreise von Jerusalem nach London besucht der frühere Oberkommissär Sir Herbert Samuel eine Anzahl Länder, unr die Lage der Juden zu studieren. Nach Aegypten und der Türkei besuchte er, wie berichtet, R u m ä n i e tt, wo er mit dem Außenminister Duca eine Unterredung lhatte, die die Lage der Juden in Rumänien betraf. Am gleichen Tage (22. d.) empfing Sir Herbert Samuel Vertreter der jüdischen Bevölkerung in Rumänien, die ihm über die Lage berichteten. Auch empfing er das Präsidium der Zionistischen Organisation. Von Bukarest und Sinaia begab sich Sir Herbert nach B n d a p e st. Die französischen Rabbiner für den Palästinaaufbau. Die.Generalversammlung des Verbandes französischer Rabbiner nahm eine Palästinaresolution an, aus der wir folgende Sätze veröffentlichen: „Das französische Rabbinat begrüßt, nachdem es den Bericht des Gvoßrabbiners zur Kenntnis genommen hat, mit Freude die beträchtlichen Fortschritte, die in Palästina erzielt worden sind, und drückt allen jenen, die durch ihre Arbeit oder ihrem Opfevsinn zu der Entwicklung dieses jedem jiddischen Herzen teuren Landes beigetragen haben, seinen Dank aus . . Eine von der Generalversammlung eingesetzte Kommission hat bereits ein Programm für eine unter dem Namen ,France-Palestlne Terhijath Eretz 'Israel" zu gründende Institution ausgearbeitet. Katholttenhetze auf Borkum. Wenn keine Juden vorhanden sind. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: „In einem seiner Bergeret-Romane berichtet Anatole France von einer antisemitischen Vereinigung, die an einem kleinen französischen Orte gegründet wurde und sich, da es an diesem Orte keine Juden.gab, zunächst der Bekämpfung der Protestanten widmete. Entsprechendes begibt sich jetzt auf Borkum. An die Stelle der Judenhetze tritt dort jetzt eine Art Katholikenh etze. Der bekannte Pfarrer Münch m eh er hielt kürzlich wieder einen Vortrag. Einleitend behauptete er, es sei unzutreffend, daß er nach Vertreibung der Juden von der Insel jetzt die Katholiken forthaben wolle und deshalb eine Hetze gegen sie betreibe. Tatsächlich war aber sein Vortrag nichts als eine fortgesetzte Schmähung der katholisch e n K i r ch e und des Papstes. Münchmeher führte aus, Frankreich arbeite im Bunde mit Rom au der Zerstückelung Deutschlands. Bei der Besetzung Oberschlosiens itnb im Abstimmungskampf habe die Kirche bewußt polnische Propaganda getrieben. Der Kardinal Rat Li fei als der größte Polenfreund und Deutschenhasser in ganz Qberschlesien bekannt. Zum Dank dafür sei er jetzt P a p st geworden." Dazu ist zu bemerken, daß verschiedene katholische Bereinigungen auf der Insel Borkum eigene Erholungs- Häuser haben und auch ein Erholungsheim für katholische Pfarrer dort besteht.! '1 Aus aller Wett. Wen, 26. Juli. Der lettländische Außenminister Siegfried Meierowicg, der aus seiner dluslandsreise die Städte Berlin., Brüssel, Paris, London und Rom besucht hat, ist hmte in Wien augekommen und abends nach Prag toeitergereist, von wo er über Warschau nach Riga zurückkehrt. Berlin, 27. Juli. (Wolfs.) Der kommunistische ReichstagIabgeorduete Eichhorn ist gestorben. '(Eichhorn war eine Zeit lang Polizeipräsident von Berlin. D. Red.) Schneidemiihl, 26. Juli. Seit gestern, 10 Uhr, brennt längs der polnischen Grenze ein ungeheures Waldgeb i e t von etwa 4 0 o 0 M arge n. Der Schaden beträgt Millionen. Die Rettungsarboiten sind dadurch äußerst erschwert, daß keine Chaussee und auch keine besseren Nebenwege durch die weiten Ländergeibiete führen. Danzig, 27. Juli. (Wolfs.) Wie ans Thora gemeldet wird, ist Samstag fi'iiifi ans den: Polygon, tvo die Offiziersartillerieschnle eilt Geschütz s chars s ch i e ß e n albhielt, ein Geschoß im Geschützrohre krepiert. Hiebei wurde ein Oberleutnant getötet und vier Fähnriche so schwer v e r l e tz t, daß an ihrem Slttlfkomllnen gezweiseilt wird. Bagdad, 27. Juli. (Wollff.). Bierhundert A r a b e r griffen die in P e r s i e n gelegene Stadt Di u h a m ui a r a h an und p l ü nd.e r t e n den Basar/ Schließlich wurden sie von persischen Truppen vertrieben. Kanton, 27. Juli. (Reuter.) Wie verlautet, soll der bolschewistische General Bo rodln zmn Berater der K a n t o n r e g i e r u n g ernannt worden fein. Das Oberkommando über Heer, Marine und Flugwesen soll Russen anpertrant tvorden sein. Mlener MvEMettuWs." _ 98 Söff 1925 Sint i Steiger oder PamzysM? Reue sensationelle «««sagen im Lemberger Prozeß. — Iepnttettrr Dr. Rosmarin ad Zeuse. — PaucMztzns Alibi durch feine eigene warschauer Anssage nibniest. (Tigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemberg, 27. Juli. Zu Beginn des fünfzehnten BevhaMuilgstages teilte der Verteidiger Dr. Grek mit, daß er aus Warschau eine anonyme Karte erhalten habe, welche dieselbe Schrift zeigt wie die Karte, welche Dr. Grek während des Steiger-Prozesses erhalten hatte, und abermals die Unterschrift der ukrainischen terroristischen Militärorganisation trägt. Dr. Grek beantragt die Einholung des Gutachtens eines Schriftsachverständigen, foa hie während des Steiger-Prozesses an mehrere Persönlichkeiten versendeten anonymen Briefe von den Schriftsachverständigen, da die während des Steiger- Prozesses an mchreren Persönlichkeiten versendeten anonymen Briefe von den Schriftsachverständigen in ihrem früheren Gutachten dem Angeklagten Mikitin zngeschrieben wurden; die jetzt eingelangte Karte, welche die gleiche Schrift zeigt wie die früheren anonymen Zuschriften, kann n i ch t v o n M i k i t i n hervühren, da er in Halft und es daher unmöglich ist, daß er eine Karte aus Warschau abgesendet hüben kann. Der Staatsanwalt spricht sich gegen die Anträge Dr. Greks aus, die auch von den übrigen Verteidigern unterstützt wurden und beantragt die Ladung eines in Haft befindlichen Mörders namens Filasiewicz, dem Mkitin während der Untersuchungshaft gestanden hüben soll, daß er die anonymen Briefe geschrieben habe und von den Juden zur falschen Zeugenaussage angestiftet wurde. Nachdem der Vorsitzende entschieden hat, daß der Gerichtshof über die Anträge später Beschluß fassen wird, wird in Fortsetzung des Zeugenvevhörs der Sejmdeputierte Dr. Rosmarin als Zeuge vernommen. Er gibt unter anderem an, daß er bei dem Rout, welcher an dem Tage, da das Attentat versucht wurde, zu Ehren des Staatspräsidenten stattfand, von einigen polnischen Parlamentskollegen mit der Frage begrüßt wurde: „Seit wann Wersen die Zionisten Bomben?" Ueber das Attentat waren unter den beim Rout anwesenden Persönlichkeiten die Ansichten geteilt. Dagegen wurde von hochgestellter Seite betont, und den Zeugen auch versichert, daß gewisse hohe Polizeifunktionäre von Lemberg wegen des Attentats suspendiert werden sollen. Die Erkundigungen, welche Dr. Rosmarin über den des Attentats verdächtigen Steiger einzog, lauteten derartig, daß nach der lleberzeugung Dr. Rosmarins Steiger als Attentäter nicht in Betracht fommeit konnte. Auf telephonische Anfragen bei der Polizei, wo laut dem Zeugen zugekommenen Informationen Steiger schlecht behände! t wurde (beim ersten Verhör wurde Steiger v on dem P oliz e ikom m iss ä r Kajda n ge ohrfeigt), fei dem Zeugen versichert worden, es seien unbestreitbare Beweise.dafür vorhanden, daß Steiger der Attentäter sei, auch der in Begleitung des Staatspräsidenten befindliche Vizeminister habe in Steiger den Attentäter erkannt. - Als in mehreren Gemeinden Communiqnes des Inhaltes erschienen, daß e i n Z i o n ist, der ei n er t error i st i s ch e n Organisation a n g e h ö r e, das Attentat verübt habe, habe Dr. Rosmarin die Sache als allgemein jüdische angesehen, da er aus seiner mehr, als zwanzigjährigen zionistischen Tätigkeit die Gewißheit gewonnen habe, daß es ausgeschlossen sei, daß diese Tat von einem Zionisten verübt wurde. Am zweiten Tage des Steiger-Prozesses seien der Redaktion d e r „C h w i l a", deren Leiter Dr. Rosmarin ist, die z w e i a n o n h m e n S ch r e i b e n zugekommen, die dem Gericht vorliegen. Einige Zeit später habe Dr. Rosmarin von den Herren Glasermann und Jäger über die Angaben Mikitins erfahren. ^Dieser habe in einer Unteredung im Haufe Kornhabers, bei welcher Bo« der Wischen Wanderung. Rettungsmatznahmen für die Gestrandeten. Die I. T. A. meldet: Die eben in Paris unter Beteiligung von Louis Mars ha kl, Dr. Stephen S. Wise, Repräsentanten der Jewish Colonisation Association (Jea), Vertretern des Bereinigten jüdischen Emigrationskomitees in Berlin und der Hias in New-Aorik abgehaltene H ilfskonfe reuz hat bekanntlich ein „Bereinigtes Evakuationskomitee für Emigranten" gegründet. Dieses Komitee begann bereits am 23. d. seine Arbeit. Es wurde ihm eine hinreichende Summe zur Verfügung gestellt, nur alle j ü d i 'f ch c n E m igrante n, die infolge des plötzlichen Einwaudernngseinschränkungsgesetzes in den Vereinigten Staaten in den verschiedenen europäischen Häfen sitzen geblieben sind, aus ihrer gegenwärtigen verzweifelten Lage herauszubringen und sie in anderen Ländern anzufiede I n. (?) Diese Rettungsarbeit wird von den folgenden drei Direktoren des Evakuationskomitees geleitet: Louis Cnngre von der Jca, Dr. Bernhard Kahn vom amerikanisch->jüdischen Emigrantonrettungskomitee (Emevgency) und I. Efroikin vom Emigrationsdirektorinm und den ihm angeschlossenen Gruppen. Dr. Rosmarin anwesend war, mit Bestimmtheit Pvn» ezyszyn und Fydik als Attentäter bezeichnet und Doktor Rosmarins Frage, ob er Beweise dafür habe, bejaht. ich wußte," — fährt Zeuge Dr. Rosmarin fort — „daß es der Lemberger Polizei nicht angenehm sei, von einem anderen Attentäter zu erfahren, und auch gehört hatte, wie sich die Lemberger Polizei zu den Meldungen über die Angaben Mikitins verhalten hatte, beschloß ich, die Angelegeheit der Zentralbehörde in Warschau zu übergeben. Dort wurden mir in hochgestellten Regie» rungskreisen mehrfache Zweifel an Steigers Schuld zum Ausdruck gebracht; es wurde hinzugefügt, daß die Lemberger Polizei die Untersuchung zu einseitig führe. Die Frage des Vorsitzenden, ob bei den Besprechungen mit Mikitin, welche in Dr. Rosmarins Gegenwart stattfauden, von einer Geldentlohnung die Rede war, verneint der Zeuge. Er gibt weiter an, daß der aus Warschau zur Untersuchung der Angelegenheit entsendete Polizeinspektor P i a t k i e w i c z ebenfalls von Mikitins Aussagen den Eindruck hatte, daß sie der Wahrheit voll entsprächen. Als nächster Zeuge wird der 'Warschauer Geheimagent der politischen Defensive, Ciechnotvski, einvernommen. Sensationelle Wirkung übt seine Erklärung, das Panezyszynbeim Verhör vor dem Warschauer Polizeikommissär Chwat zu Protokoll gab, er, Panezyszyn, sei am 5. September, dem Tage des Attentats auf den Präsidenten der Republik in Lemberg gewesen. Durch diese Aussage ist das vom Angeklagten Mkitin angezweiftlte Alibi Pan ezyszyns, wonach er" am Tag des Attentats in einem Sanatorium in Mikuliczyn krank lag, widerlegt. Der sechzehnte Vevhandlungstag begann mit einer Reihe von Anträgen der Verteidigung, unter denen 'besonders der Antrag 'hervorzuheben ist, es sei der Stanislaner Magistratsbeamke Dr. Wladislaw Henk^xhchowski als Zeuge zu vernehmen, der im Jahre lt)24 Chef der politischen Polizei in Stanislau war und bekunden kann, daß er bereits am 4. S e p t e m b er 19 2 4 der Lemberger Polizei von den bekannt gewordenen Vorbereitungen zu einem Attentat auf den Staatspräsidenten Meldung erstattet' habe. Auch über diese Anträge wird der Gerichtshof erst später Beschluß fassen. In fortgeführtem Zeugenverhör wird der Advokat Dr. Hankiewiez vernommen, der sich als Vertreter für die Schadensersatzansprüche des Panezyszyn gemeldet hatte. Seine Aussage bringt nichts Wesentliches, nach ihrer Beendigung nimmt er als Vertreter eines Schadenersatzanspruches für die Angeklagten an der Seite des Staatsanwaltes Platz. Hierauf wird Panezyszyn in den Saal gerufen, um als Zeuge vernommen und mit Mikitin konfrontiert zu werden. Auf Antrag der Verteidigung beschließt der Gerichtshof jedoch, die Konfrontation erst später, nach der Vernehmung der vo« der Verteidigung geführten Zeugen, durch,zusühren. Von diesen sagt zunächst der '; Warschauer Polizeiinspektor Piatkiewicz, der zu der Untersuchung der Angelegenheit nach Lemberg gekommen war, aus. In seiner zweistündigen Aussage ist die Angabe interessant, daß ihm bei seiner Tätigkeit in Lemberg von der Unterstaatsanwaltschaft dortselbst S ch w i e r i g k e i te n gemacht wurden, während die politischen Behörden und auch die politische Polizei in jeder Weise Entgegenkommen zeigten. Die Verhandlung wird sodann vertagt. Joint und Weltyilfskonferonz. Arn 12. Mgust wird in Berlin der Zentralrat der Jüdischen Welthilfskonferenz tagen. Die Beratung wird verschiedenen Hilfsftagen gewidmet sein. Insbesondere wird die Konferenz zu der neuen Lage Stellung nehmen, die durch den Beschluß 'des Joint, eine Kampagne zur Aufbringung von 15 Millionen Dollar in drei Jahren für Aufbau und Hil.fszwecke in Osteuropa zu beginnen, geschaffen worden ist. Weltverband zionistischer Hochschüler. Programm und Tagesordnung des dritten zionistischen Studenten-Weltkongresses. Ort: Wien, Festsaal der Mnlsikakadomie. Zeit: Bom 16. bis 18. August 1926. Samstag den 16. August: 8 Uhr aibends Festkommers zu Ehren der Delegierten und Gäste, veranstaltet vom Seniorenkonvent der Wiener zionistisch-akademischen Verbindungen, im Feistsaal des Hotel de France. Sonntag den 16. August:. 10 Uhr vormittags Enthüllungsfeier der Erinnerungsplakette im Hanse 9. Baz., Tuvkenfttaße Nr. 9 (laut Progrcmrm). — Bon 1 bis HM 3 Uhr nachnrittag's Sitzung des Legitimationsansschufses. — 3 Uhr nachmittags Eröffnung des Kongresses durch den Prä-

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