Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2309 (26.7.1925)
- Date
- 1925-07-26
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tos Schachturnier in Srrrlau. Au» BreSlau wird berichtet r Freitag wurde bloß -ie Hängepartie Blum» ch—Dr. T a r r a f ch zu Ende gespielt; sie wurde von BlÜmtch gewonnen, dessen Stellung schon beim '.'lbbruch der Parte günstiger gewesen war. Die sechste Runde bringt da» Zusammentreffen zwischen RLti und Bogol- , u b o w, dem mit Rücksicht auf den günstigen Turnierstand beider Spieler mit Interesse entgegengesehen wird. Stand «ach der fünften Runder R»ti 4, Bogoljubow, Niemzowitsch, Wagner je 3'/,. Grünfeld 3, Becker, Rubinsteia je 2'/,. Gottschall, Sämisch, Dr. Tarrüsch je 2. Blümich 1'/„ Moritz 0. _ Sie Autos. Don Egon Dieirichstein. Wien hat in den letzten Jahren einen Zuzug von Autos erhalten, Len man beinahe großstädtisch nennen könnte. Während man mit Recht befürchten mußte, daß diesen Autos die dazugehörigen Insassen fehlen würden, ist dos Gegenteil eingetreten. Die Autos, die sich so erheblich verdichten konnten, sind außerdem dicht besetzt. Wien dürste die einzige Stadt der Welt sein, in der das Auto einen so populären, allgemeinen, demokratischen Gebrauch aufzuwersen hat, so daß „Vehikel", die von der Bchörde dazu bestellt wurden, dem „Masscnvevkehr" zu dienen, wie etwa der Omnibus, in Gefahr geraten, von dieser Volkstümlichkeit verdrängt zu werden. Das Auto hat selbstverständlich zunächst — bildlich gesprochen — den Fiaker und Einspänner niedergerannt und, was leider wörtlicher aufgefaßt werden mutz, auch Fußgänger. Das schätzenswerte Vorrecht Wiens, auch Minderbemittelten ein Auto betzustcllen, mutzte leider mit der ständigen Gefahr erlauft werden, unter -die von der Rettungsgefellschaft ausgegebenen Rippenbrüchen nnd Mßquetschwmrden zu geraten, als Fahrender oder Uebersahrener. Und.weit davon entfernt, dom seligen Fiaker ein LMied zu singen, kann man behaupten, datz die Verlustliste nach einer Fiakerfchivavzfahrt weitaus harmloser aussah als nach dem Siegeszug eines rasende»: Chauffeurs, der, wie man kürzlich lesen konnte, das Haltsignal des Wachmannes mit dem Wachmann selbst aus dem Wege räuimte. Die Polizei, die in Wien so mutig und beinahe wissenschaftlich ausgebildet, die Verbrecher und die tollwütigen Hunde, bekämpfte, stand nun etwas Plötzlich vor einem neuen Gegner: dein Verkehr. Die Angelegenheit war dadurch einigermatzcn kompliziert, daß man diesen Feind »licht einsperren, nicht konfiszieren, nicht abschaffen, ja rrichl einmal einengen konnte. Den-n da nun einmal die Großstadt einen „Verkehr" hatte, so »nutzte sich die Polizei ins (bwauerlicherwoife) Unvermeidliche fügen. Schließlich haben ja auch.London, Paris, Berlin einen Verkehr, und Mar, wie Augenzeugen bestätigen, einen weitaus erheblicheren. Man ging also daran, den Verkehr als Problem aufzufassen u»:d auf das gewissenhafteste zu studieren. Inzwischen vermehrten sich die Autos — unter Intervention der freiwilligen Rettungsgesellschaft — weiter. Zur Bekämpfung der Unglücksfälle w»»rden „Maß»:ähn:en" getroffen. Man kann diesural »licht gerade von energischen Maßnahmen, äber vmr durchaus klugen, zweckmäßigen Einrichtungen sprechen. Der Chauffeur wurde bisher in seiner boshaften Absicht, .den Halt signalisierenden Wachmann nicht;u scheu, dadurch unterstützt, daß dieser Wachmann in der für das Schlachtfeld so geeigneten Uniform austrat: Hechtgrau, »vassergrün, jedenfalls außerordentlich diskret. Mau versuchte zuerst, sei,ran: Avmhebel einen weißen Verband umzulegen, die allerneueste Errungenschaft in der Verkchrsregulierrrng ist jedoch die Rückkehr zur blauen Fvisdcnsuniform. Aber die Tatsache, daß auch dies einen besonders tollkühnen Chauffeur nicht hinderte, diese blaue Uniform zu Erde zu stoßen, zeigt, daß das Verkehrsproble,»»: noch immer nicht gelöst wurde. Zweifellos ist das Verhältnis zwischen Antos und SchädÄbrüchen in Paris und London ein weitaus günstigeres und wir können, bescheiden wie wir sind, nur Wfen^ daß bald auch bei uns eine erträglichere Proportion 'gesunden, wird. Es wäre sonst zu befürchte»», daß ein« „Organisation der Fußgänger" eine Deputation zu 'den Behörden e»»t>sendet, um die Einstellung des Autoverkchrs zu erwirken, eine Geste der Gemütlichkeit, eine Demonstratio:: der Menschenliebe >»nd der Schildbürgerei, kurz: eine durchaus wienerisch« Aktion. Wahrscheinlicher allerdings, daß sich die Autos werter und erfolgreich vermehren, diese Wiener Autos sind nämlich in sozial-ökonoinischer Beziehung weit interessanter als in verkchrstechnischer: die Organisation, die Solidarität, der Trust hat sich nämlich unter de»» Autos nicht durchgesetzt — und davon profitieren die Kilometerfresser und die Kilometerkonsumenten. Der Mangel an Disziplin und Organisation ist nun nicht ohne nachteilige Folgen geblieben — erfreulicherweise jedoch für die Autotaxie und nicht für die Kundschaft, ilnd der Existenzkampf, den die Autotaxi führten, dürfte der einzige sein, der nicht mit der Niederlage des Publikums errdete, das diesrnal in dem Streit« Mischen der MX)- und 7000fachen Taxe der lachende' Dritte ist. Diese 7000fache Taxe ist bekanntlich gänzlich auf-gerieben und ausgetrieben Word«»» und von der „5000fachen Taxe" sind nur noch die allerletzten, cdelstotzen Exe»nplar« erhalte»:, die lieber sterben, ehe sie sich ergeben. In einer gerade-»: kriegerisch adjustierten Vevsammlung verschworen sich die Autotaxi, vereint zugrunde zu gehen, nämlich un: die LOOOsacho Taxe zu fahren, was sie als Ruin bezeichnten. Und sie leisteten noch einen zweiten Schwur, nämlich den Erd der Rache und Feindschaft gegen die „4000fuchen", die nur durch ein Mittel umzubringvn wären — durch ldas HerabsiuLen auf 'das 3000fache. DaS Unterbieten, die Konkurreuz der Erbitterung, das innige Bestreben, sich gegenseitig ga,^ aufzureiben, hat zu,rächst das erfreuliche Ergebnis, daß das Autotaxi ein leicht zugängliches Verkehrsmittel geworden ist und die 70l)Ofachen Autos, die mit diesen: Tarif ihr« Cxiste»:z aufzugeben erklärten, erfreuen sich seither einer gesteigerten Frequenz, und wenn sic auch, wie ein cdelsstolzer Taxameter ausries, ein „elendes Gesindel" fahren müssen, so ist es dock) an» Ende »»och besser, eine minder sorgfältig ausgewählte Krrndschaft als gar keine z»: fahren. . . Die »nangechafte Harmonie in» Wage»:lager der Autos hat jedoch ihre Wurzel und Quellen in der Arbeitslosigkeit der intellektuellen Berufe. Kein Zweifel, daß viele, die den Bureausessel -verloren, sich ans eien, »»reist sogar einträglicheren, Chaufscurplatz setzieu. Das Autoinobrlfahren ist 'an sich nobel und vergnüglich und selbst die bernssmäßige Ausübung streift »roch iinmcr das Mondainc; und da schließlich die „geistige" Betätigung ip einer -Aintsregistratur sowohl »vas -den ,/8eist" wie a»»ch »vas die „Betätigung" anbelangi, eine sehr fragwürdig bleibt, haben abge'bant« Beamte. statt in die Fremdenlegion auszuiwandern, lieber auf dem bequeiuercu Chauffeursitz Platz genonrmen. Und es ist kein Geheimnis. daß das Schicksal diesen Sitz mttuitfcr nun auch jene»: zugewicsen hat, die von Gnade»» der glücklichen Spekulatioiren vorher ans den: Eoupcfaubeuil faßen. Schließlich blieben sie bei»:: Handwerk, chauffieren, chauffiert werde»» — am Ende ist die sozial« Differenz geringer als dos verlorene Vermögen.. Andere haben ihr Privatauto verkauft. Dies« Privatauto verwandeln sich nun gleichfalls in Taxameter, die mit Abfindungen erworben werden und «ine neue Existenz gründen sollen . . . So kommt cs, daß Fahrschulen, Taxameterstandplätzc und Straßen mit Automobilen überfüllt sind. Und cs wäre zu wünschen, daß a»tch unsere Behörden das Auto in ihre Praxis einführen, und Mar nicht nur als Objekt einer „Amtshandlung", sondern als Mttel zu deren Durchführung. Zu Erhebungen, Kourmissio-iiei», Exekutionen: kurz überall dort, »vo di« Bei»,« der erhebenden und „koimnissionierenden" Beamten in Verzug bleiben, wären Autos beizustellen, »vodurch der Staat weiteres Personal ablba»»«»: und daher, trotz der amtlichen Taxameterverlvenduug oder, besser gesagt, durch dies« Verwendung Gehalte, Pensionen, Remunerationen, kurz — Menschen ersparte. Bei den heutige»: nieder«»: Autotarifeil kann sich der Staat nämlich »licht der» Luxus erlaube»», auf Autos zu verzichten. Mittellunsen ans dem Publllum. Wladar *u haben t | A Q ’ Bureau: Oflp.lfia».Zlflafaltenpaplef JwP giw.ani.ateHBisitii/a Möbelfabrik J. Spira Feine WitD, III. MiliM»»« 1—2 Wohnungseinrichtungen (Ecke Karl Schweighofergasse ----- Schmerzen rheumatischer, gichtischer «ud nervöser Art >o» Hervorragend bewährt auch bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern Probepackung in allen Apotheke» 1 Ja Restaurant „National“ (Spritzer) WIEN, II., TABORSTRASSE 18 // Vorzügliche Wiener und orientalische Küche // Tolare und Barette für Kultus und Justiz erhalten Sie vorrätig oder nach Mas« io den manlgfaltigsten Formen bei der bekannten Speziälfinna RUDOLF GOLDSTEIN n.^E H Telephon 46*6-29. Gegründet 1868. Viele belobende Anerkennungsschreiben. — Lieferant vieler inand ausländischer Knltnsgemeinden. 186 Reich Jlluntrler te Kataloge. 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Zionistische Landerkomitee teilt mit, daß anläßNch ÜH Kongresses am Sonntag d e n 23. A u g u st, 9 Uhr vormittag», ein Gang zum Grabe Dr. Theodor H e r z l s stattfindet. Sie ältesten Seidenstoffe. Die Sammlungen von djinesischeu Altertümern irnd Dokumenten, dte Sir Aurel Stein, der Erforscher Zeutralasien-s, während seiner dritten ^entrallosvatischen Expedition i-n de», Jahren 1913 bis 1918 gos-aminelt hatte, sind jetzt zum ersten Mal« in de,: Räumen des British Museum «,:»« gestellt. Die Sammlungen bilden das Eigent»»»»: «der n»discki«u Regierung und wurde», nack) England gckbrad)t, um dort photographiert und künstlerisch nachgcbildct >zu werden, zur Illustrierung des großen Werkes Sir Aurels, das demnächst unter den: Mel „Jnnermost Asia" („Das innerste Asien") von ider UniversitätÄdruckcrei iü Oxford vcrösscntlicht -weroen soll. Die Sammlnngen umfassen die ältesten bisher bekannten S «i d c i: st o f f>c, Lackavbeiten, -Kunstwerke aller Art, ein« überaus reiche Samurltr-ng altchiucsischer Keramik -und eine große Zahl von Wandgenrälden, die nach lbeberwiudung großer Schivierigkeitcu aus den ostchiuesischcu Dempelruinen über die Himalayapässe nack) Delhi gobrach» witrden. Dies« Wandgciilälde wie auch die n»e:sten religiösen Altertümer ^bezeugen, wie weit der Einfluß gricckiischer Kunst in das Innere Asiens cingcdrnnaen ist. Bis in die ober«»» Flußtälcr Chinas findet -man Spuren dieser hellenisch-bndldhistilschen Kunst, di« -auch in das rein wvMickie Kunstgcwerbe Eingang fa,:d. Sir Aurel Stein fand nämlich auf dein Gebiete nvMich von Lop-nor Gent« eine trostlos« Sandwüste, dock) int Anfang des zweiten Jahrhunderts di« bedeutendste Heerstraße Ehmas, auf der sicki der chinesische Handel nnt ,de.n: Westen abgowickett hat) iuteressa-,:te Seidenftofsreste, -di« mit ,figural«n Bildern gcschmiickt sind und, deutlich die Spurei: hellen ist i>,s ch e n Ein. f'lusses auf di«.chinesische Textilindustrie verraten. Auch wollene Stoff«, nack) gried)ifd)er Art beatbeitet, fanden sich vor. , Diese Stoffreste sind di'c ältesten, die von Archäologen aus-gefuüden wurden, und bezellgen die hohe Stufe der Vollkommenheit, 'die die chi»rcsi!sche Textilindustrie schon im zweiten Jahrhm^dert erreickst hatte. Sir Aurel Stein verfolgte während seiner Meijährigen Fahrt im Innern Asiens den Gren.zloro-dl», de»: die Chinesen im ersten Jchrhu»:dert -unserer Zeitrechnunig^ zum Schutze ihres westwärts gerichteten Handels gegen die Nomaden errichtet haben, und entdeckte zahlreiche Ruinen der einstigen chi»:-esi>schen Grenzfestungen. Unter den Trümmern der längst verfalle»:«:: Mauer,: far»d mau Gebrauchsgegenstäude/Waffen, Kriegsvorräte aller Art, militüvU sche Dvkumenit« auf Hotz gesck-rieben, die wenigstens 200!) Jahre alt find, auch chinefifche Mann-sknpte, über 500 arr der Zahl. -V.. . tos verschluckte Testament. Die Gefckffchet ereignete sich in Frankreich. Andre- Frahf-s-e war Witwer gelvorden. Er trauerte nicht so sehr über den Tod seiner Frau mit dem schöne,: Rainen Ringele, denn engelgleich war sie me mit chm gÄvosen. Nun, er selbst, «in Pferdehändler, halt« auch nicht gerade zuviel Zärtlid-keit in seinem Koffer, den er mit ein paar Kleidern nnt fick) in die Ehe gebracht Haff«, versorgt gehabt. Das Geld für de»: aufblühenden Handel hatte di« Frau geliefert, hatte es aber and) wohl verwahrt und hatte ihren Gatten altsobald nach einem kaum verflossenen Ehejahr barsch c»:terbt. Denn diese»: Grobian wollte st« nicht auch noch reich machen. .SiCbcr verfügte si« über ihr Vermögen zugunsten einer fernen Cousine, die nichts erwartete. Andre wußte u-m dieses Testameut. Und daß chm sein« Frau auch noch solches zuleide tun mußte, ehe sie starb, das wnvnrt« ihn ebbärml-ich. Immerhin »nnßte es ei,»--»-. Ausweg geben. Er beriet sich lange mit seiner alten, >d)lauen Mutter, ehe sie sich 'beide auf den Weg zun: Dovfnotar »»rächten, um von der Test amen ts e rüff'nu n g Kenntnis zu nehmen. Beim Dovfnotar wartet«»: sic beide geduldig. Errdlick) ivurden sie, vorgevufen und standvn still und verbittert vor den: höhe»» Herrn, der das wertvoll« Testament sorgsam: in Hände»: hielt, und der auch gar nichts davon wissen wollte, daß er es der Mutter des Händlers einmal, zur Eiusick)t aushändige»: sollte; nur für ein paar AugeiMcke. Wahrscheinlich witterte der brave Hüter des Gesetzes Unheil. Er ließ sich einfach uick)t auf das keifende Dvängw der Alten ein, sondern machte sich ruhig mrd würdevoll, wie es seinem Sta»:d als Advokat und Notar geziemt, daran, das Testanrent zu verlesen. Diesen Mo- »nent, da der Notar tiefen Atem schöpfte, ehe er zu lese»: begann, benützte die Alte, :m: dein Uoberraschten das Sd)riftstück geschwiiw aus der Hand zu reißen. Der Notar griff erzürnt dairach, aber schon hatte es der en-tevbte Soh»: evivi-scht, »md ehe sich der Dorfgroße vom: Schreck erholen konnte, Hatto Andre das böse Testainent in den M-und gesteckt, hatte mit den kräftigen Unterkiefern ein paarmal stark gekaut, und hatte dann, ohne mit .den Augen zu Mi-nkern, da? ganze gewichtige Schriftstück versdjluckt. Was war da zu >,»achen? Ein Abführmittel versprach irid)t viel Erfolg. Di« Wut »uw Entrüstung des Advokatei: konnte nicht enunal das zufriedene Lächeln von: Gesicht des effvas hartnäckig verdauenden Andre verwischen. Dkan hat mit Poltzei gedroht und mit einer Klage. Aber das Testamertt ist weg. U»rd auch das Gericht »vird cs kaum n»ehr hervorbriugen köime»:, selbst tvenn es streng über den etzvas ungestümen .Witwer urteilen wird. IRt. 3909 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeiiunft. 26. Juki 1998 7 ---------------d" II Lyoner Seidenhaus f. . 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