Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2309 (26.7.1925)
- Date
- 1925-07-26
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Sonntag Wiener Morstenzeiinna. Das Kongreßprogramm der zionisten in der Achechoslowatei. Sonntag den 19. d. fand ln Prag eine Plenarsitzung des Zionistischen Landesverbände-? der Tschechestewate: statt, in tvelcher folgende Resolutionen den 14. Ziouistctt- *ongreß betreffend gefaßt wurden: 1. Politik. a) Aeutzere: Ter Zwnistisckx' Landesverband hat volle- P c x> treuen 5 '\i r P oIitik d e r Executive, welche es verstanden hat angesichts der schwierigen Verbältn-isse im nahen Orient unseren Willen zur friedlichen Zusaininenarbeit mit allen dort tvohnenden Böllern unter Festlialtuug an den durch das Mandat uns verbrieften Rechten auf unsere nationale .Heimstätte in Palästina zur Geltung;n bringen. Er gibt der Erwartung Ausdruck, daß fortschreiten.de Erfolge des fchöpferi.scheit Lebenswillens unseres Volkes auf wirtschaftlichem und kulittvcUcm Gebiete der Exekutive ermöglichen werden, unseren auf das Mandat gegründeten Forderungen den entsprechenden Nachdruck zu verleihen. o Der Zionistiscbc Landesverband für die tschechoslowakischen Republik konstatiert mit Bedauern die Tatsache, daß eine ganze Reihe berechtigter F o r d e r u n g e n n n d B c s 6) w erden der i ü d is ch c n B e v ö l k e r u n g seitens der palästinenfischen Regierung noch nicht volle B e rückst ch t ig u ug g e fun d c n ha de n. b) Jewish Agency: Der Zionistische Landesverband für die tschechoslowakische Republik hält an der bereits vor den: 12. Kongresse zum Abdrucke gebrachten Anschauung fest, daß auch schon vor Einberufung eines allgemeinen jüdischen Weltkongress es geeignete Schritte unternommen werden sollen, um alle Juden, die bei dom Aufbau der jüdischen nationalen -Heimstätte in Palästina mithelfen »vollen zur M i t a r b e i t und Mitverantwortung heranzuzicheu. Wir haben volles Vertrauen, daß die von der Exekutive und insbesondere dem Präsidenten der Organisation Dr. Werzmann im Sinne -der Beschlüsse des 13. Kongresses und des A. C. in dieser Richtung geführten Verhandlungen die U n Verse h r l i chkeit der Zionistischen Organisation und derer: Einfluß sowie die nationale Bestimmung -unseres Siedluingswerkes i-n keiner Weise gefährdet haben un>d finden keimen Anlaß die Durchführbarkeit der bereits beschlossenen Richtlinien für eine Erweiterung der I. A. in Kweifel zu ziehen. 2. Ovganisalron und Propatzunda. Gleichwertig mit der Heranziehung weiterer jüdischer Kreise zur Mitarbeit am Aufbau un-seves nationalen Heimes sollen systematische Schritte unternommen werden, um die Zionistische O r g a n i s abei dieser Lebenshaltung! Nur die Arbeitsfreude einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern ist solcher Opfer fähig. Ein Araber ist ständiger Tischgenosse. Man erkannte, daß für den Anbau und die Behandlung bestimmter und bezog einen arabischen Lehrmeister. Wiederlholt sah Pflanzen die Erfahrung bodenständiger Bauern nötig ist und bezog einen arabischen Lehrmeister. Wiederholt sah ich um die heiße Mittagszeit Beduinen in die Gesellschastsibarackc eintreten und hier ruhen. Die Schachtel mit Zigarettentabak und der Wasserkrug stehen bereit. Sie bleiben, bis die Schüsseln auf die Tische gestellt tverden und nehmen nach der Mahlzeit mit Friedensgruß Abschied. Ein großer Teil der jüdischen Pioniere konnte mit den arabischen Gästen in ihrer Sprache sprechen. Auch eine Deputation des nächsten arabischen Dorfes kam während -meines Aufenthaltes mit Eseln und Säcken an. Die Araber liehen ein Ausmaß Getreide, das man ihnen bereitwilligst ausfotgte. Nach ihrer Ernte, die später erfolgt als die der jüdischen Siedlungen, werden sie das gleiche Maß an Brotsrucht zurückstellen. So bringt das Leben die -neuen jüdischen Bauern und die arabischen Landbewohner einander nahe und unsere Pioniere, denen die friedliche Verständigung mit den Arabern sehr am .Herzen liegt, sind bemüht, die guten Beziehungen zu verstärken. * Am Sabbat ivanderten wir von Kolonie zu Kolonie. In das prächtige Ejn Charod, zur frischen Gidern-Quelle, um welche die Jugend lagert; in die „Sommerfrische" der Kinder auf dem jenseitigen Hügelzug; nach Tel-Josef, das sich bereits elektrischer Beleuchtung rühmt. Aus den Bänken vor den .Hauptgebäuden ein neues Bild. Steinalte Ehepaare oder einschichtige Mütter und Bäter. Die Pioniere ließen, wenn es tunlich war,- -ihre Eltern Nachkommen. Sie betätigen sich, soweit es ihnen möglich ist, oder sitzen -hier auf Altenteil, -wenn sie arbeitsunfähig sind. Triumph des Piouiertums: Man hat daheim geseufzt, gejammert, vielleicht auch den Stäb über sie gebrochen, als sie mit bloßen «-Händen hinauszogen, die Jünglinge und Mädchen. Und sie haben die Scholle nicht nür für sich erarbeitet. Auch für die Eltern, denen jetzt im Osten der Boden unter den Füßen brennt und die in Grez Israel bei den Kindern eine Heimat finden. Enkelkinder umspielen sie, so schön -*”*> stark gewachsen, wie man sie nie im Städtl sah, und -»/das Leben auch karg, man sitzt in einem freien Bauernhöfe. .Au der Ebene Iesreel. tion zu stärken, die Erziebnng jüdischer Menschen für die nationale jüdische Gemeinschaft zu. sichern -und größere Mittel fiir Prvpagandazwccke aufzubringen. Zur Erreichung dieses Zieles -werden empfohlen: <i) Vereinheitlichung und Konzentration der Propaganda für Keren Hastssod, Keren Kaj-emeth, Organisationen und andere Zwecke unter Zurückdrängung unsystematischer Separataktionen; b) Schaffung einer mit einem Organisotionsfonds ansgestatteten zentralen P r o pa g a n da st e l l c; dieser obliegen vornehmlich folgende Aufgabeir: 1. wsssenschaftliche Begründung des Zionismus nrld Verbreitung der Idee. 2. Einwirkung auf Literatur und Presst in Ercz Israel und in den Goluthländern im zionistischen Sinne, 3. Beschaffung von Materialien und Referaten für Propagandisten: 4. systeinatische Tätigkeit für die Ausbreitung des Hebräischen in den Ga-l-uthländern; 5. .Heranbildung eines Stabes zionistischer Beamter, deren Dienstverhältnis zur Zionistischen Organisation geregelt iverden soll. c) Tic Organisierung der Zionisten soll eine plan« lnäßigc auf dauernder Mitgliedschaft beruhende sein und nicht von der zufälligen Erfassung ans Anlaß einer mehr oder minder unsystematischen Schekelaktion abhängen. Sie soll daher auf persönliche Werbung und Erziehung dauernder Mitglieder der Organisation besonders Gewicht legen. d) Der -F ö de ra t i o n s s ch e k e l i st a b z -u s ch a fs c n. Den einzelnen Richtungen ist im Rahmen der Landesverbände proportionale Vertretung zu sichern. c) Die Tagesordnung des Kongresses und die Geschästsordnung seiner Kommissionen soll nicht nur dem denwnstrativen Charakter, sondern auch dem Arbeitszwecke der Tagrrng Rechnung tragen. s) Der Präsident der Organisation wird von: Kongreß gewählt. Er präsidiert dam Kongreß (bezw. im Falle notwendiger Aenderungen während der kongreßlosen Zeit 'den: A. C.), einer auf Grund eines einheitlichen Programms zusammengesetzten Exekutive und bestellt in: Einvernehmen mit dieser und unter deren Verantwortung Fachleute für die einzelnen Ressorts der Exekutive als R c s s o r 11 c -t t c r. Die höchste Entscheidung in allen die einzelnen Ressorts betreffenden Angelegenheiten bleibt der Exekutive Vorbehalten, welche dem Kongreß, bezw. dem A. C.- verantwortlich ist. g) Die Entscheidung über den S i tzde r Exeku tiv e ist -derzeit eine taktische. Frage und wird daher den: Ernvernehmen der neu zu wählenden Exekutive und des A. E. überlassen. 3. Kultunuvbvil. Zur Sicherung der Kultur- und Erziehungsarbeit in Ereg Israel erscheint die. Schaffung eines arbeitsfähigen E r z i e h u n g s d c p a r t e m e n t s der Exekutive notwendig, das unter Verantwortung der Exekutive für die einheitliche Leitung des -jüdischer: Erziehungswevkes sorgen und auch Maßnahmen ergreifen soll, um eine ausgiebigere Beteiligung des Mischen Jischuw an den Lasten des Erziehnngswesens zu sichern, Äs den Gemeinden durch Verleihung der Steuevgöwalt eine angemessene Beitragsleistung möglich sein wird. Wir erwarten aber, daß es der Exekutive ehestens gelingen ioivd, die Palästinensische Regierung zu veranlassen, die Lasten der Kultur- und Erziehungsarbeit zu übernehmen. 4. Kolonisations- und Wirtschaftsfrngen. Der tschechofloivakische Landesverband unterstützt die Forderung nach einem von Initiative diktierten Plan, wie in möglichst kurzer Zeit unter ökonomischer Verwendung der rationalen Mittel und durch Anleitung und Organisierung der privaten Initiative nach den Prinzipien der Nationalisierung und Selbstavbeit eine arbeitende jüdische Mehrheit im Lande geschaffen »md Ausbeutung verhindert tverden kann. Einen solchen Plan soll -das von: 18. Kongreß beschlossene K o l o n i s a t i o n s a m t ausarbe iten, das nunmehr zu aktivieren ist. Dieses Kolontsationsantt -soll zunächst insbesondere die sachlichen und ziffernmäßigen Grundlagen -der Kolonisationstätigkeit prüfen und veröffentlichen und den gesamten Komplex organisatorischer, finanztechnischer und sozialpolitischer Fragen bearbeiten, -welche die GvundlaK eines solcher: Planes bilden. Solche Grundlagen sind: 1. Förderung der Ausbildung der Ehatnzim (tunlichst in landwirtschaftlicheir Großbetrieben); 2. Anregung für die fachlich« Ausbildungin der Galuth, insbeisondeve von Instruktoren für die einzelnen intensiven laMvirtschaftlichen Zweige; 3. pvecknüißige Borbereiliu-Nkj von Grund und Boden und Ausbildung der anzusiedelnden Menschen; 4. Versuch« mit billigen KolonssationSformen; 5. Registrierung der Fortschritte der Technik Und. deren tunlichste Ginfühvurdg; . - 6. Organisation des Bodenkanfs. Führung einer energischen Bodenpolitik; : 7. Schaffung eines Systems von Firiarrzinftitttten :md-U-eberwachnng der Arbeit derselben nach einheitlichsn Gesichtspunkten; ' 26. Juli 1925 ' _ Rr. 8309 3. Sickstrung des Absatzgebietes und Organisation des Absatzes für die Erzeugnisse des Landes im In- und Auslände; 9. fachmännische Ausknnftserdcilung in Fragen der gewerblichen, industriellen und kommerziellen Entwicklung; in. Förderung und Organisierung von .Handwerk, Kleinindnstrie und.Handel; 11. Organisation des Transportivestns, insbesondere auch für die Alijah; 12. finanzielle Förderung der Arbeiterinnüut-ionen (Ma-schbir, Solel-boneh usiv.); 13. soziales Versichevungsivesen; 14. Aufrechte rhaltung des Kontaktes mit den Palästinaämtern in den Galuthländern, durch welche konkrete Detailpläne zur Kenntnis interessierter Kreise ge. bracht werden sollen; 15. planinäßige Finanzpolitik durch Stärkung der Kreditiustitutionen -und der Bodenlaufsorgauisationen; 16. Erörterung der Grundlagen für e-iue großzügige Anleiheoperation. Dem Verantwortlichen Leiter des Kolonisationsamtcs soll ein Beirat zur Verfügung stehe»:, in ivelchem die wichtigsten Ressorts: Landwirtschaft, .Ha-ndel und J:idustrie, Kleingewerbe, Verkehrswesen, Einwanderung und Arbeitsvermitt-lung. Sanitätsivesen, das technische Zeutralaint (Fachschulweseu), nationales Hilfstver-k u-nd Kredite (Keren-Hajessod- und KereuMrjemelh-BanIcust Ehaluzim und der Waad Leümi vertreten sind. Das K o l o n i s a t i o n s a m t hat nebst den: Plane siir die nächste Arbeit dem Aktionskmnitcc und den: Kongreß einen B u dg e t eu t w:: r f vorzntegen und konkret -zu belegen, der eine gec-gnete Grundlage für eine gründliche Behandlung der Budgetsrage,: bilden kann. Bei der Verwendung nationaler Mittel zur U-nterstützung der Ansikdlung sind niüer Ausschluß einseitiger Stellttttgllahlne alle lebendigen :md lebenstvilligcu Kräfte des jüdischen Volkes produktiv zu verwerten, nationale Mittel können nur für solche Siedlnngsztoecke bercitgcstellt werden, die nicht gegen die Priuzipien der Nationalisierung und Selbstarbeit verstoßen und die eine Ausbeutung a-usschließen. Bei der planinäßige:: Sicdlungstäti-gkeit ist i-n gleicher Wesse auf die Bedürfnisse des Landes lvie auf die des jüdischen Volkes Rücksicht zu nchnien. 5. Besontwre- Wünsche der tschechoslownlischen Lnndsmnnnschnft. 1. Die sschechoslowakssche Landsmannschaft bedauert -die -mangelhafte Berücksichtigung der tschechoslolva-ksschen Alijah bei der Znwessnng von Zertifikaten und fordert eine angemessene Erhöhung diaser Zuweisung siir die -nächste Zeit. 2. Die tschechoslowakssche Landsmannschaft wünscht rnr Mionskomitee durch ein Mitglied und einen Erl.itz^ man-n vertreten zu sein. Konferenzgemeinschast radikaler zionisten. Aus Köln a. Rh. wird uns geschrieben: An: Dienstag den 21. d. fand im Elisabethsaal eine Aussprache über die Probleme -de's 14. Zioniftenkongressts, em-bevufe»: -von der Konferenzgemeinschast radikaler Zionisten, statt. Das Hinleitende Referat in der s«hr gut -besuchten Veysamnrl-u-ng hielt Redakteur I. Kl in off (Berlin), in dem er auf die ve-rschiedenen politischen Niederlagen des Zionisin-us in den letzten Jahren hinwies. Er betonte -den Beigeschmack der letzten Deklaration des Koloniallin-inisters A m e r h in Palästina, die Jgnorievu-:^ der Zionistischen Exekutive seitens der englischen Regierung frei Ernenn-uug Lord P l u m e rs, und resümierte die Tätigkeit Sir Herbert Samuels. Er unterstrich den unerträglichen Zustand in Palästina in: Zusammenhang mit dem Uoberg-ehen der jüdischen Interessen, die Ausschaltung der Juden aus der palästinen-ssschen,Polizeiverwaltung und die letzten Vorkommnisse auf den:' Grabe de's Schimon Hazadik nsw. Herr Klinojff wies alsdann auf die Vorgänge in der letzter: Konferenz der amerikarrsschen Zionisten hirr und erbrachte den Beweis, daß die geplante Evweitemng der Jewish Agency von einem großen Teil der aktiven amerikanischen Zionisten als ein gefAhvli-cher Unsstand anerkannt wird. Das ökonomssche Progra-mn: der KonfererMerncinschaft brachte der Referent in engeren Zusammenhang «mit der Politik. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Doktor Kramer, Dr. Kaufmann und Dr. Taubes. Sie suchten klarzrtlegen, daß die gaM Aktion der Kon-ferenzgemeinschaft nur einen persönlichen Kampf gegen Weizmann bedeutet. Im übrigen bestehe die zionistische Pflicht in der .Hauptsache in der Beschafsimg der Geldnüttel für Palästina. Herr Dr. Jakob K l a tz k i n nahm Stellung gegen die Hinei nzerrung der Persönlichkeit Weiz- -m a n n S i n d i e D e b a t t e n. Der Hauptkanlpf der Konferenzge-meinschaft ist darauf gerichtet, die Wßftände, die sich besonders in der letzten Zeit im Zionismus eingenistet haben, zu «beseitigen. Er schilderte den «JndifferentiSnrüs und den uilhaltbaren Zustand in -der Organisation, die Ignorierung und Vernachlässigung der Jugend, die sich notwendigerweise wieder ergeben niuß, indem die Hauptarbeit cher Zionistischen Organisation nach außen hin eingestellt ist, ohne den inneren Zusammenhang aufrecht zu erhalten. Gr wies noch mtf die Notwendigkeit der Garantien hin, die zun: Aufbau einer nationalen jüdischen Hoin:- stätte erforderlich sind; diese Garantien bestehen ausschließlich in einer innerlich gestärkten und gefestigten Organisation. Nachdem noch Herr Dr. Nathan in die Di'sknssion eingviff und auf die Notwendigkeit der Chaluzinraktion hinwies, hielt Herr Redakteur Ki-uiii das Sibln.b.wort