Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2308 (25.7.1925)
- Date
- 1925-07-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 2308 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitunft. 26. Juli 1928 Sette 8 Wl«, II. Hollandstrasse 14 Set BergarbeiterkonM in knglanv. London, 24. Juli. (Tel.-Komp.) Im Grubenarbeiterkonflikt versuchte heute vormittags der mit der Vermittlung zwischen den beiden ^Parteien betraute Erste Lord der Admiralität, Bridegeman, eine gemeinsame Sitzung von Delegierten beider Parteien zustande zu bringen. Tatsächlich haben sich heute Vertreter der Grubenbesitzer und der Grubenarbeiter bei Bridgeman versammelt und beschlossen, am nächsten Mittwoch eine Neue gemeinsame Sitzung abzuhalten. Sachliche Beschlüsse wurden heute nicht gefaßt, doch schöpft man jetzt wieder mehr Hoffnung auf eine Lösung des Konfliktes. Morgen finden Versammlungen der Eisenbahner und der Lokomotivführer statt, auf welchen über die Haltung dieser Gewerkschaften im Falle eines Grubenarbeiterstreikes beschlossen werden soll. Der Bund der Seeleute wurde ersucht, seine Haltung für den Fall mitzuteilen, das; während eines Kohlenarbeiterstreikes versucht werden sollte, deutsche Kohle einzuführen. Ob die Eisenbahn und die Matrosen in einem solchen Falle den Solidaritätsstreik proklamieren werden, steht noch nicht fest. Ministerpräsident Baldwrn wird Montag eine Abordnung der Trade Unions empfangen, um mit iihr die Lage zu besprechen. TeMarbeiterstreik in Englands London, 24. Juli. (Tel.-Komp.) Seit gestern abends sind 136.000 Textilarbeiter im Ausftande. Obwohl der Avbeit'sminister im Laufe des Tages die größten Anstrengungen gemacht hatte, um eine letzte Konferenz der Delegierten der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zustande zn bringen, kam der Streik dennoch zum Ausbruch. In Bretfort werden 66.000, in Halifax 10.000, in Leeds 8000, in Huddersfield 24.000 und in D^ewsbury 900Ö vom Streik betroffen. Eine tschechische Monatchiftenpartek. Budapest, 24. Juli. Der rassenschützlerftche „Nemzeti Nftag" meldet, daß sich irr der Tschechoslowakei Me Monarchisteripartei gebildet habe, die den Sohn des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Frau, geborenen Gräfin CHotel, den 23jährigen Prinzen Max, auf den böhmischen Thron fetzen will. , _ Der keine Herrgott von Wochen. Budapest, 24. Juli. (Tel.-Komp.) Das Militärgericht hat heute in dem Prozeß gegen den Leutnant Janos Deak und Komplicen, die nach dem Sturz der Proiletarierdiktatur in der Stadt Waitzen ein wahres Schreckensregiment geführt und zahlreiche Personen, namentlich Stellungspfli chtige, auf unmenschliche Weise geprügelt und gefoltert Hatten, das Urteil gefällt. Das Militärgericht sprach alle drei Angeklagten des Verbrechens der schweren Körperverletzung, begangen an Personen, mit denen sie in amtlicher Eigenschaft zn tun hatten, schuldig, und verurteilte den Hauptangeklagten Leutnant Janos Deak zu 7 Monaten strengen Arrests, verschärft durch zwei Fasttage im Monat, den Offiziersstellvertreter K i n e tz zu 6 Monaten strengen Arrests mit 1 Fasttag monatlich und den Stabsfeldwebel Georg K o s a zu 2 Monaten strengen Arrests mit zwar Faisttagen monatlich. Ein anderer Hnuptangoklagter, der Offiziersstellvertreter Jambor, ist vor einigen Tagen aus Budapest spurlos verschwunden, sv daß die Verhandlung gegen diesen Helfershelfer des „kleinen Herrgotts von Waitzen", wie Leutnant Deak sich selbst mit Stolz zu nennen Pflegte, heute ausgsschieden werden mußte. . In der Begründung des Urteils sprach das Militärgericht aus, daß das Verhalten der Angeklagten in der kritischen Zeit nach dem Sturz der Nätediktatur in Ungarn geeignet war, das Vertrauen der Bevölkerung in die Methoden der militärischen Untersuchungsbehörden auf das schwerste zu erschüttern. ’ Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an, tvährend die Verurteilten gegen das Strafausmaß appellierten, __ Eine Sammlung für Scopes. New-Aork, 24. Juli. (Tel.-Komp.) Zugunsten des im Assen Prozeß zu 100 Dollar Geldstrafe verurteilten Professors Seopes wurde in ganz Amerika eine Sammlung eingeleitet, um dem entlassenen Professor die Fortsetzung seiner biologischen Studien zu ermöglichen. Gis jetzt find 10.000 Dollar gezeichnet tvorden. Leiter Nagt alle Aeitnngen. Budapest, 24. Jul-. Der Private Lorenz Le i rer, der Vater der Halbweltdame Amalie Leirer, deren Ermordung vor einigen Monaten riesiges Aufsehen erregte, übermittelte heute der Oberstadthauptmaunschast eine Anklage gegen 21 Bndapester Tagesblätter wegen Verleumdung und Ehrenbeleidignug. Leirer beabsichtigt, Genugtuung von allen Blättern zu fordern, die ihn seinerzeit als Mörder seiner Tochter bezeichnet haben, 14. glonlftenkongreb. Wien. Abteilung Wohnungsamt. Wohmmgsinhaber, welche während der Kongreßzeit Zimmer an Kongreßteilnehmer verm ieten wollen, werden ersucht ihre Anschristen obigem Amte inner der Adresse, 1. Bez., Franz-Josefs-iKai 5, Tel. 76-2-61, oder 76-2-62, ehestens bekamt tzugeben. Die Lüneburger Heide in Stand. Berlin, 24. Juli. (Wolfs.) Wie die „B. Z. am Mittag" meldet, ist am Lichte n m o o r nördlich von Nienburg a. d. Weser ein bedeutendes Heideseuer ausgebrochen. Auch im Norden von Osnabrück stehen Heide und Moor in Flammen. Eine Fläche von mindestens 20 Quadratkilometern ist dem Feuer bereits zum Opfer gefallen. Von Osnabrück ist die gesamte Reichswehr, die Schupo und die Technische Nothilfe nach der Brandstelle abgegangen. Man versucht, durch Ausheben breiter Gräben ein weiteres Umsichgreifen des Brandes zn verhindern. Der Brand hat sich inzwischen weiter ausgebreitet. Aim westlichen Rand des H o l st e r s e r und O t t e r n h a g e n t r Moores dringt der Brand weiter nach Neustadt vor. Am südwestlichen Rande des Bissendorfer Moores loderte heute früh das Feuer wieder aus und beidrohte staatliche und Private Forste. Die dort den Dienst versehende Reichswehr konnte jedoch das Feuer rechtzeitig eindämmen, bevor noch an den Waldungen größerer Schaden angerichtet wurde. Bisher ist eine Fläche von 20 Quadratkilometern den Flammen zum Opfer gefallen. Die F e u e r f r o n t ist sechs bis acht Kilometer breit. Der abgebrannte Abschnitt umfaßt die südliche Hälfte des großen Moores. Von Osnabrück wurden Reichswehr, Schutzpolizei und die Technisch Nothilse in großem Umfange eingesetzt. Neuerdings ist das Moovgut Ballenbruch m Gefahr. Auch andere Siedlungen sollen von den Flammen bedroht sein. Ser Krebs. Eine Erläuterung -er FachauAdrücke. Die 'englische Meldung von der Entdeckung des Krebserregers dürste, gleichviel, ob sie sich bestätigt oder nicht, aus längere Zeit die Aufmerksamkeit der ganzen Welt in Anspruch nehmen. Da bei der Erörterung der Angelegenheit die Anwendung von Fachausdrücken vielfach unvermeidlich ist, gibt die „Berliner Morgenpost" des besseren Verständnisses halber folgende instruktive Erklärung dieser Ausdrücke: 1. Was ist Krebs (lateinisch: Careinom)? Es ist ein Gewächs, das aus Epitheitzellen besteht. ,/Lpithel" nennt man >das feine Gewebe, >dvs die gesamte Oberfläche des 'Körpers und aller Schleimhäute im Mund, Darm, Lunge, Leber, Drü-senschläuchen usw, überzieht. Auf dev äußeren Haut nennt man dieses Gewebe auch Epidermis oder Oberhaut. Die Epidermis oder das Epithel ist nervenlos. Sie schuppt sich schmerzlos ab. Man kann sich sogar kleinere Teile der Oberhaut vom Körper abziehen, was zumal an den Fingern «oft absichtslos geschieht. Die Epithelzellen im Innern des Körpers lösen.sich gleichfalls regelmäßig los; im Speichel finden sich zahlreiche Epithelzellen aus der Mundschleimhaut. Die Epithelzellen haben nicht ganz gleiche -Formen, sind aber unter dem Bergrößerungsglafe deutlich von allen übrigen Zellarten des Körpers, zumal von «den 'Bindegewebszellen, zu unterscheiden. Wenn diese Epithelzellen sich innerhalb des Körpers in einer Drüse, in der Niere, im Magen, im Darin, in der Blase, in der Leber oder sonstwo ungeheuer, vermehren, entsteht ein Gewächs, eine ,-Geschwulst", die man vollstümlich Krebs nennt. Der Name rührt daher, daß der fressende und schmerzhaste Charakter des Gewächses mit dem Kneifen eines Krebses verglichen wurde. Das Krebsgewächs zerfällt sehr schnell, wie alle Epithelgebilde. Man beobachtet das am deutlichsten auf den Körpevflächen, auf der äußeren .Haut, der Magenschleimhaut, der Davmschleimhaut ufw. Während aber die älteren Teile zerfallen und eine faulige Masse bilden, entwickeln sich an dem Rande des Gewächses stets neue Zellen,"so daß das Gewächs immer größer wird, bis allmählich die ganze Unterlage zerstört ist. Nur »das Messer kann in frühzeitig erkannten Fällen durch Ausschneidung de's Gewächses in großem Umkreis Hilfe bringen. Alle anderen Heilmethoden haben sich bisher als weniger zuverlässig erwiesen. Freilich gibt es erkrankte Stellen oder weit vorgerückte Krankheitsfälle, wo man nicht operieren kann. Alsdann sind die übrigen Heilmethoden Letzte Kurse. New°3)orker Devisen. New-Aork, 24. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 33.80, London Kabel 4.86V», London Scheck 4.82, Amsterdam 40.16, Pari 4.7lVa, Brüssel 4.63»/,. Nom 3.67, Madrid 14.45, Zürich 19.42, Stockholm 26.88, Oslo 18.15, Kopenhagen 22.08, Wien 0.14, Budapest 0.14, Prag 2.96»/», Belgrad 1.75ya, Athen 160, Buenos Aires 40T/1#, Rio de Janeiro 11.90, Bukarest 0.53. Amerikanische Getreidemärkte. New-Borü» 24. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen rot Winter 163»/», Weizen hart Winter 173'/,. Mais 130'/«. Hafer 53»/., Roggen 107»/z. Ehikago, 24. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 152»/,. September 150»/,, Dezember 161V»; Mais per Juli 103'/», September 104'/., Dezember 87»/,; Hafer per Juli 44, September 47'/., Dezember 47»/,; Roggen per Jnli 94, September 97, Dezember 100»/.. OTTO OTTO Zur Ausübung meiner Tätigkeit habe Ich mieh in Berlin niedergelassen und behandle in dem ärztlich geleiteten Tel. Bism. 3636 G. m. b. H. Tel. BUm. 3635 Berlin, Kurf ürttendamm 62 Behandelt werden mit ärztlich nachgewiesenen Erfolgen selbst angeblich hoffnungslose Erkrankungen psychogener Art, wie: GemQU'Leiden Sprsdt'Lelden SexualsiOrun^en Plateangs^ Ifdhlas / Neuralgie Neurosen Nervöse Kopffehmerzen JLähmunj^mjisw. Voruntersuchung durch ärtzl. Autorität täglich von 10—1 Uhr Meine Broschüre „Die Heilung der Seele" 1094 Ist zum Preise von M. 2.— bei obiger Adresse beziehbar (Radium, Röntgenbestrahlung usw.) wenigstens des Hilfs- Versuches wert. 2. Was ist „Sarkom"? Sarkom ist eine abnorme Vermehrung der B indes gewebszellen, das sind die Zellen, aus denen das sogenannte Stützgewebe des Körpers gebildet ist. Sarkom und Krebs sind dather zwei im Entstehen ganz verschiedene Dinge. Aus Sarkom kann nicht Krebs und aus Krebs nicht Sarkom werden. Zur Zeit Virchows, der der klassische Erforscher der Geschwülste «itxtx, hätte es sich kein Gelehrter erlaubt, Krebs und Sarkom durcheinander zu bringen. Neuerdings geschieht das häufiger, teils ein Beweis mangelhafter Sprachkorrektheit, teils Wohl auch ein Zeichen mangelhafter sachlicher Unterscheidung. An Gefährlichkeit stehen die Sarko-mges-chwülste hinter den Krebsgeschwülsten nicht zurück. Ihre besondere gemeinsame Bösartigkeit beruht auf der Fähigkeit, „Metastasen" zu bilden. 3. Was ist Metastase? , Metastase ist eine Aussaat der bösartigen Gewebs» zellen nach verschiedenen, oft ganz entfernten Körperstellen. Die Aussaat geschieht meist durch die Lymphgefäße. Mau kann am reDrn Oberschenkelknochen ein Sarkom haben, und es können sich von da he>r Sarkomzellen zu riesigem Vtzachstum am linken Oberarm festsetzen. Ebenso geht es manchmal mit dem Krebs, der sich vom Magen her nach der Leber, nach dem Darm, auch nach dem Gehirn aussät oder auch den umgekehrten Weg geht. Wo schon Metastasen bestehen, kann man bisher Von, * keiner Heilmethode Hilfe erwarten. Daher die Notwendigkeit, diese „bösartigen" Geschwülste früh zu erkennen und zu entfernen. Wegen der Neigung, Metastasen zu machen, nennt man Krebs und Sarkom „bösartige" Geschwülste, im Gegensatz zu allen anderen Geschwülsten, die keine Metaiftasen machen und' daher als gutartig" bezeichnet «werden, selbst wenn sie sonst, noch isoecheMche Beschwerden verursachen. ' - 4. Was ist ,Mvius"? y Minus heißt zu deutsch Gift und ist eigentlich ein chemischer Begriff. Man gebraucht das Wort in der Experimentalmedizin, aber auch um schädliche tierische Säfte aller Art zu bezeichnen, auch schädliche Keime. Man spricht daher von Krebsvirius, SarkoMvirius, aber auch von Typhusvirius, Choleravirius usw., obgleich mau ja in den beiden letzten Fällen weiß, daß das Wirius ein genau zu bestimmender Bazillus ist. Wie neuerdings aus allen anderen «Gebieten, ist auch auf medizinischem Gebiete die Sprache etwais inkorrekt geworden. 5. Der ,/spezifische Faktor" muß stets herhialten, wenn «man bei ' irgend einer ,Forschung dev Wahrheit ualhegekomrnen zu sein glaubt, aber sie doch noch nicht ganz erreicht hat. Man sagt dann, es müsse noch ein „spezifischer Faktor" Mitwirken, den man noch nicht kennt.' Ob das nun ein Bakterium besonderer Ärt ist oder ein GcwÄ>s-- saft von besonderer Beschaffenheit, bleibt «dahingestellt. Manchmal glaubt «man annehmen zu dürfen, daß« der „spezifische Faktor" im tierischen Gewebe steckt. Alsdann' macht man 6. ein „Gewöbeftltrat", d. h. man zerreibt ein Stückchen Mrpevgewebe in einer, indifferenten Flüssigkeit und filtriert sie ab, «in der Hoffnung, «daß der spezifische. Faktor «in dem Filtrat enthalten «sein «wird. Das ist ein Laboratoriums-' experiment, aber «die Erfahrung hat gelehrt, daß durch Experimente dieser Art manche wertvolle Erkenntnis gewonnen wird. Mn Vorirag NoungÄ. Dr. Aoung hat vor den: Königlich englischen Sanitätskongretz, der kürzlich in London stattfand, einen Vortrag gehalten, in dem er, wie uns telegraphiert wird, auf Grund seiner Untersuchungen foststellte, daß der Krebs eine heilbare Krankheit geworden ist. «Im Jahve 1001’ habe er zum erstenmal bei «der Behandlung eines Kvebsfalles den Mikroben, der diese Krankheit ventvsachi, festgeistellt. Seit dieser Zeit ist es ihm ge- >lungen, den Mikroben einwandfrei festzustellen. Doktor Nouilg ist überzeugt, daß der Krebsmikrobe ein ähnlicher Parasit ist «wie viele andere ^Krankheitserreger. Andere Aerzte seien vollständig unabhä«ngig von seiner Unterfuchung zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. Es bestehe kein Zweifel, daß der Kvebsparasit zu den gewöhnlichen Mikroben gehöre nnd einer der Typen der Bakterien fei. Es •fei notwendig, daß der Kvebsmikrobe «mit einem anderen Mikro'ben auftrete, um die Krebskrankheit herborzurufen. Die Ansicht, daß «der Krebs eine unheilbare Krankheit sei, müsse, erlärt Dr. Aoung, ans dem Volke verschwinden. Nach seiner Ansicht seien unter zehn Fällen neun