Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2307 (24.7.1925)
- Date
- 1925-07-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Üc. SSW _ fe, _ „Ach habe bereits de« Schnldigen." %tt MSlfte Drg des Lembergee Prozesses. — JKaeo und Glaserrmmn über die Unter« suchung. (Eigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) Lemverg, 23. Juli. Zu Beginn, -es -wSlfteu Der-. handlungAtOHes wurde zunächst eine Reche von Fragen von seiten der Verteidigung au den Angeklagten Korn-» ha Her geichtet. Aus diesem Kreuzvechör ist heworzuheben, daß nach der Aussage Kornhckber's der Untersuchungsrichter Rudka ihm die vou chm verlange Vorlesung des Protokolls mit dem Bewegen verketzerte: ..Jetzt sehe ich, welches Vertrauen die Juden zu >cu polnischen Gerichten Wen." Hierauf beginnt die Vernehmung des AngeDagteu Ignaz Jöger. Auch dieser bekennt sich nichtschuldig. Seiner WhilÜerung dev Vorgänge ist zu entnehmen, daß Jäger, welcher der Verhandlung gegen den des Attentats auf!en Staatspräsidenten beschuldigten Wladislaw Steiger beiwohnte, bei der Verhandlung den Eindruck gewann, dag Steiger vollkommen unschuldig sei. Dies veranlaßte chn auch, als Kornhaber chm von Mikitin. erzählt«, sich mit der Angelegenheit $tt befassen. Bei einer der Unterredungen habe sich Mikitin beklagt, daß er Ln Not s«i, weshallb er üJäger) chm 60 Zloty gab; dies tat er dn Form eines Darlehens, weil er den Mikitin, von dem er gehört hatte, daß er Mkademcker sei, nicht beleidigen wollte. Eine Vollmacht, dem Mikitm eine Belohnung auszusetzen, habe er niemandem, auch nicht dem Privatdetektiv Dwornieki, gegeben. Von Dworiuekihabe er erfahren, daß Mikitin 5000 Dollar verlange; diese Forderung habe ihn (Jager) geradezu in Erregung versetzt und er habe DworniÄ gesagt: ,/Werfen Sie ihn doch heraus; wir wissen nicht einmal, was für ein Mensch das ist!" Es sei nie daran gedacht worden, Mikitin eine solche Summe anzuv wer Angeklagte Olasermaim, töÄchev sodann einvernommen wird, erklärt auf die Frage des Vorsitzenden, ob er sich schuldig suhle: ,/Jch bekenne tmich zu keiner Schuld und drücke nur mein Bedauern 'aus, daß ich jetzt nach 30jähriger, ehrenvoller bürgerlicher Tätigkeit a-uf der Anklagebank sitzen mutz." Glasermamr hat, wie er angibt, einige Tage nach Dem Steiger-Prozeß in einem Gespräch mit dem^ Photographen Mintz von diesem erfahren, daß der Bräutigam eines bei Aovnhaber bediensteten Mädchens (Mikitin) wissen ßoll, »wer das Attentat Ms den Staatspräsidenten ausgeführt habe. Auf seine (Glasermanns) Bemerkung, daß!mM dies der Polizei jnelfynt muffe, erklärte Mintz, daß xp Keim . ,' - Poltzeirnstiertor LukomM vorgsspwcheu habe, der Hn sehr unfreundlich aufnahm und jsagte: Mische-n Sie sich da nicht hinein, das ist nicht Ihre Sache, ich habe bereits den Schuldigen!" Glasermann teilt weiters mit, daß er auf Ersuchen Jagers ein einzigesmal bei einer Unterredung urit Mikitin in der Wohnung des Privatdetektivs Dworniekr anwesend war. Von einer Belohnung an Mikitin, insbesondere von einer Sunrme von 3 000 D o llar, sei ui« die Rede gewesen Lieber die Motive seiner Teilnahme an der Angelegenheit befragt, gibt Glasevmann an, daß er seine Bürgerpflicht, zur Aufklarmig einer Untat beizutragen, evMen wollte. Er sei um so mehr überrascht gewesen, als er am 22. Jänner 1925 verhaftet wurde. Der Untersuchungsrichter Rudka habe ihm gar nicht mitgeteilt, tveffen er beschuldigt werde, sondern ihm bloß gesagt, es dMten ihm ' '■ ' >j \<t: "‘f > ] ,! Ms Jahre GefiinMis. - Bei der Konfrontation mit Mikitin im GefäitWrs habe dieser nlit gesenkten Augen in der Anwesenheit des Untersuchungsrichters erklärt, er (Glasermann) habe ihn zu falscher Zeugenaussage und zum Schreiben von Drohbriefen angchiftct. ,L«ch verlairgte" —^ sagt Glasevmann weiter — „der Untersuchungsrichter möge Mikitin befehlen, mir in die Augen zu schauen; denn wer die Wahrheit.spricht, kann jedermann in die Augen sehen. W>' Der Untersuchungsrichter Rudka attivortete, Mikitin solle mir nicht in die Augen sehen, dam ich könnte ihm mit meinen Augen sngge^eren« Auf die Frage des Staatsanwalts, ob er etwas von den anonymen Briefen wisse, erAäryGlasevmann kategorisch, davon fei ih»n gar nichts begannt. In der nächsten Berhandlurrg wir) der angeklagte Privatdetektiv DwvrnLeki vernommeh werden Gine JntLvPerlation wegm te'S Untersuchungsrichters Nudka. Warschau, 23. Juli, In der letzt » Sitzung des polnischen Sejm hat der Deputierte Wilueki «ine Juterpellaiion an den Iustizmintstev gerietet, Ln welcher er anfragt, was der Justlznchnister Ln Scheu des Lsntbrrger Mtersuchungsrichters Rudka zrj tun gedenke, über dessen Art, eins Üntevjuchu'ng zu fißren, der Artgesagte Mikitin bei dem jetzt stattfindenhen Prozeß fa überrafchMde MnSjagtzU gemacht lut;" ' /fr., : •'•- i-;' r -— ”r!1,1 j j * Los Weittt. Der «estrige Lag brachte uoch gegen Abend die ersehnte AMHlung in Fornr eines Gewitterregens. Die Voraussage für heut« lautet: Zeitweise b e w ö l kt, GeWitter. Rege«, und.MbkühlUAg. : > ' MiEv M^«renzeWirM. 24. Juli 1925 Seite 8 Mitteilungea aus dm Publikum. haben! Bureau: Ofi|. ff an?. Zfflareitenpapief JVP Ii/r Seit toftrnt leben SnDen In Snglanv? Die Zeitschrift „Jetvish Guardian" beschäftigt sich Ln ihrer Nummer vom 16. Juli mit der Geschichte der Juden in England. Ueber den Ursprung der Juden in England herrschte bisher die folgende allgemeine Ansicht: 1. Wilhelm der Eroberer hat im Jahre 1066 sine Anzahl Juden mit seinem Zuge aus der Normandie mitgeb rocht, die sich in London niedevlietzen; S. Eduard der Erste vertrieb die Juden im Jahre 1200 aus England; 3. mr Jahre 16S6 ließ Cromwell auf den Rat von Manasseh Ban Israel die Juden wieder Ln Eiland «in; 4. im Jahre 1868 wurde die bü r gerli ch e Rechtlostigkeit der Juden aufgehoben. .J'ewW Guardian" hält diese Ansichten für Lrrtz und stellt u. a. fest: Die Juden kamen mit Wilhelm dem Eroberer nach England, nicht um sich dort niederzulassen, sondern «in Diensten des normannischen Königs. 224 Jahre oblagen sie dieser Ausgabe. Sic hatten keinerlei Gleichberechtigung und waren unpopulär. Eduard der Erste vertrieb sie aus England unter den grausamsten Begleiterscheinungen. Eine allgemeine Austreibung war aber Nicht möglich; man kann nicht die Geschichte von 234 Jahren an einem Dag auslöschen. DLe Juden hatten bereits Wurzeln geschlagen, feste Siedlungen geschaffen. Diese Juden, die im 14. Jahchundert in England verblichen, die Juden-Marannen, die jüdischen Durchwanderer, setzten ein Misches Leben fort und befestigten allanählich die Position der Juden derart, daß es möglich wurde, die Vertriebenen allmählich wieder Ln das Land zu bringen. Inzwischen hatten sich die. Juden Lu' England so einige lebt und dein Lande Dienste erwiesen, daß Cromwell, als er im Interesse Englands die Verbannung für die Juden aushob, nicht etwa cht fremdes Volk in ein ihm fremdes Land brachte, sondern eine bereits vorhandene Lage sanktionierte. „Jewislh Guardian" belygt diese Pchauptungen mit Tatsachen und Daten, Austritte aus dem 8«dent«m. Wien, 3. Bez., 1. Mai 1880, Rosenberg Baden, 9. Bez., 37. April 1874, A b i n e r i Stephan, geb. 3. Mai 1894, Budapest, Schriftsetzer, 17. Bez., Pezzlgasse 96. W o l f Robert, geb. 1. November 1897, Wien, 2. Bez., Novaragasse 17. L a s n e r Marie, geb. 28. September 1868, Brünn, 3. Bez., Czerningasse 7. L a S n e r Rudolf, geb. 27. Jänner 1903, Wien, 2. Bez.. Czerningasse 7. Eisler Friedrich, geb. 10. November 1901, Wien, 3. Bez., Abamsgasse 3. S ch w o « e t Armin, geb. 24. Oktober 1907, Wien, 3. Bez., Ditscheinergasse 3. Schick Margarete, geb. 16. Oktober 1888, Erdbergersttaße 20. F e n st e r Jakob, geb. Poluchovmäly, 4. Bez., Favoritenstraße 20. Marianne geb. Rott, geh. 29, Mai 1876, Liechtensteinstraße 59. T a u s s i g Moritz, geb. . Wien, 16. Bez., Wichtelgasse 3. Dr. R e i S Pauline, geS. 6. Jänner 1899, Wien, Aerztin, 17. Nskenauerftraße 7. A l l i n a Hae Babels geb. Mann fals. w , geb.. 1. Dezember 1893, Bukarest, StückmeistKSgatttn, 6. Bez., Vfrornergaffe 9. A l l i « a Otto, geb. 1. fhfit 1888, Rosenberg. Bezirk Kaplltz, Tschechoslowakei, GÄckmeist^', 6. Bez., Gftornergasse 9, Allina Rudolfine, gch. 21. Juli 1918, Men, 6. Bez., Gfrornergasie 9. A l l i « » Ernst, geb. 13. Jänner 1920, Wien, 6. Bez., Gfrornergaffe 9. B r ü g e l Ludwig, geb. 6. Februar 1866, Gvmtz-Meseritsch. Bundesbeamter, 6. Bez., Köstler'- gafse 14. S a ch s e l Lola geb. Munk, geb. 14. September 1900, Wien, Privat, 6. Bez., Mariahilferstryße 11. Glück Irene, geb. 23. November 1887, Bersecz, Beamtin, 6. Bez., Kollergerngasse OSeidler Maria geb. Brand, geb. 19. Februar 1899, Heufnrth, Niederösterreich, Comptoiristin, 6. Bez., Stiegengaffe 7. S e i d l e r Leopold, geb. 14. Jänner 1896 Göding, Schuhnrachermeister, 6. Bez., Stiegengasse 7. Schwarz Karl, geb, 14. Dezember 1900, Wien, Zahntechniker, 16. Bez., Zöchbauergasse 4. Allina Sophie Alice, gev. 11. Dezember 1901- Hermannstadt, 6. Bez., Kleine Neuaasse 6. M a tz Stephanie geb. Duschak, geb. 22. September 1890, Neu-Strakonitz, 9. Bez., Liechtensteinstraßo 66. R e t i Regina Rosa, geb. 1. September 1887, Balassa Gyarmat, 9. Bez., Lazarettgasse 29. ’!iWien, 24. Juli.! * Polnische Militärflugzeuge ln Wien. Gestern -mittags sind sechs polnische Ml l ^tärflua^e u ge unter persönlicher Führung >ves iKommandanten oer^ polnischen Lnsttruppen, Generals Zagorski, aus dem Flugplätze Asp ern eingetroffen. Die Flugzeuge stacteten gestern vormittags vom Flugplätze Campoformido bei Udine und legten die Strecke vis Wien in'direkter Lusklinie, über die Alpen fahrend, in zwei Stunden zurück. Die Flieger wurden'-in Aspern von Vertretern! der polnischen, tschechischen und französischen Gesandtschaft, der hiesigen Bchöcden und der Luftverkchrs-- geiselljschaften festlich empfangen. * Das Schicksal der Billa des Erzherzogs Eugen. Aus Baden bei Wien wir!) uns berichtet: Bekanntlich wurde die prächtige Villa des ehemaligen Erzherzogs Eugen im Helenental von dem gewesenen Bezirkshauptmann Lenchtag käuflich erworben. Leuchtag ist derzeit spurlos v e r sch w u nd e n. Er hatte damals das Gestüt St. Helena angelegt und ließ sich gleichzeitig als G. m b. H. protokollieren. Dabei war er selbst mit neun Zehntel und seine Frau mit einen: Zehntel der Einlage beteiligt. Es gelang ihm, von einer Anisterdamer Bank ein Darleym in der Höhe von ungefähr 400.000 Dollar zu erhalten. Dir Bank suchte nun um Erekutron an, um durch den Verlars der noch im Gestüt befindlichen zehn Pferde wenigstens cinen Teil ihres Guthabens in Sicherheit zu bringen. Das Gericht hat einen Kurator bestellt. Der verschwundene Bezirkshauptmann hat alles, was nur möglich war, zu Geld gemocht und die Bank dürfte wahrscheinlich nicht zu ihrem Geld: kommen. Der Bezirkshauvtmann dürfte auch noch andere Gläubiger haben, welche tvayrscheinlich alle das Nachsehen für ihre Forderung haben dürften. * Die Bodenseegesellschast „Schwaben" in Wien. Am 28. d. Annmen zwischen 7 und 8 Uhr abends bei der Reichsbrücke 640 Mitglieder der Bodenseegesellschast „Schwaben" arr. Die Gekellschastsreise verfolgt den Zweck, einige deutsche Städte, inövesondere aber bte Wachau, Wien und Salzburg zu besuchen. Am 30. d., 8 Uhr abends, findet im Hotel „Münchnerhoj" Mariahilferstraße 81, ein Festabend statt. Die Abreise erfolgt am LI. d. über den Sennnering nach Salzburg. * Die Lebeusmittelmärkte. Die Fleischkmporte in der Großillarkthalle waren gestern wesentlich günstiger. Mmgelcingt find 17 Waggons diverser Fleischarten. Hingegen fielen die Jnschübc rnittels Achse erheblich schwächer auß. Entsprechend der Preiserhöhung auf den djeswöchigen Bieh' nuirkten in St. Marx, vcrfolgien die Preise irtt Großhandel die auffteiaenbe Richtung, der Verkehr jedoch gestaltete sich nicht besonders lebhaft. Tie Lieferungen aus dem Naschmarkte entsprachen dem Bedarfs in vollem Ansn'.aße. Häuptelsalat ist mäßig im Preise gestiegen, während Kohl, Kohlrüben, Weißkraut und namentlich Schnittbohnen sich billiger stellten. Für Kartoffeln ist die.Nachfrage andauernd eine lebhafte. Mit Obst aller Art r'uländischer und auswärtiger Herkunft, mit Ausnahme von Kirschen, war der Markt über Bedarf versehen. Preislage stabil. Biltter und Eier langten in ausreichenden Mengen ein. * 13. Oesterreichische Klaksenlotterie. Bei der am 23. d. abgehaltenen Ziehung der 2. Klasse gewannen: 30.000 S. das LoS Nr. 85.498; 15.000 S. düs Los Nr. 65.491; 6000 S. haS LoS Nr. 33.820; je 3000 S. die Lose Nr. 66.068 und 93.991; je 1000 S. die Lose Nr. 22.263, 23.941, 38.177, 47.609 und 74.263; je 600 S. die Lose Nr. 1640,4277,7820,12.837, 36.245, 40.640, 47.673, 51.503, 66.837 und 74.005; je 400 S. die Lose Nr. 3906. 7660, 16.184, 17.693, 29 509, 33.325, 37.837, 45 038, 52.560, 58.277, 61.609, 64.263, 64.733, 67.673, 68.493, 73 598, 79.134, 79.679, 80.725 und 81.363; außerdem wurden 2460 Gewinne -wischen 200 S. und 72 <§- ausgelost. * Todesopfer der Badesakfo«. Gestern Donnerstag inurde Wc Leiche eines etwa 20- bis 26jährigcn, mittelgroß,.u Maiüies mit blondem Haar, bartlosem Gesicht aus dein Tonaukanal gezogen, die etwa acht Tage im Wasser gelegen sein dürfte. — Einige Stunden später wurde bei der Heildgenstädter Brücke die Leiche eines etwa 20jährigen, großen, kräftigen Burschen, die drei Wochen im Wasser gelogen sein dürfte, geborgen. Beide Männer dürften beim Baden ertrunken sein. — Beim Baden »U der Donau, nächst der Reichsbrückc ist am 21. d. der Hotekportier Michael Oberholz er ertrunken. Die Laiche wurde vorgestern geborgerc. * Der „Staat im Staate". In der „Deutschen Allgemeinerr Zeitung" untersucht der Berliner Universität^- Professor Friedrich Knntze den Ursprung mancher deutschen Umgangsworte. Er schreibt unter andercnc: „Für eine Erfindung des modernen Leitartikels halten wohl manche „den Staat nn Staate", nachdem dies Wort in den letzten Jahren sowohl den Linksals den Rechtsparteiell so ausgiebig als Waffe gedient hat. Sein Vater ist aber wieder I o h a n u Gott lieb Fichte, der in seinen „Beiträgen zur Berichtigung der Urteile des Publikums über die französische Revolution" eine äußerst scharfe Charakterisierung des Judetttnms gegeben hat nnt der Spitze, die Juden bilden eilten „Staat im Staate"." * Das letzende Postpaket. Em zweijähriger Junge namens Karl Brumme ist, aus Deutschland kommend, soeben in 9lew- Yovk eingetrosfen. Dgs wäre an sich nichts Bemcr-'i'^ioertt's. das auL.zeichnende Gepräge evlM der Fall aber durch die Tat' sache, daß der jugendliche Einwanderer die Reise als — Postpaket machte. Er trug an: Halse eine Papptafel mit den Worten: „Ich bin amerikanischer Bürger. Ich spreche nicht englisch, ich ging weder verloren noch wurde ich gestohlen oder ausgesetzt.' Ich komme hioher, nur meinen Vater und meine Mutter wiederzufinden." Kurz nach Eintreffen des Schiffes erschienen die Eltern, die ihren Sprößling in Empfang nahmen, für den die braven Postbeamten während der Ueberfahvt bestens gesorgt hatten. Daß das leibende Postpaket zur Beförderung zugelassen wurde, ist das Erstaunlichste an der Geschichte, für ihnen Richtigkeit allerdings dem „New Bork Herald", dem wir sie entnehmen, die. Verantwortung zufällt. Bühne und Kunst. „Re Jungfern vom BIfchossberg" bei Reim Hardt. Premiere im Theater in der Jofefftadt. Es zeugt stets für die Schwäche einer Direktionöiühuulg» wenn es für einen hervorragenden Darsteller immer wieder nur die alten Ge'legescheiten gibt. Max Gülstorfs ist in der Rotte des Oberlehrers Rast in Hanptmanns Jungfern vom Bischofsberg" schon lange wenn ich nicht irre, auch in Wien — bekannt. So prächtig seine Gestaltung dieser.-Figur ist, so besteht doch kein Anlaß, au das totgeborene Hauptmauusche Stück die Zeit und Mühe einer Neuaufsührung zu verschwenden. Einschließlich jenes Oberlehrers Nast sind die Figuren dieses Lustspiels so antiquiert, seine Humore jo ab ge-, standen, seine Erfiirdung so nichtssagend, -daß selbst der üblich» Respekt vor Hauptmann die Aufführung nicht rxchtjertigt. In der JosefftaÄt war sie ganz ans Gülstorff gestellt, der mit allen Hnl zur Bersügnng stchenden Mittel,! köstliche Karikatur schasst. Neben ihm hot, auf rein menschliche Charakteristik gestellt, Herr Lovric als Vagabund eine Meisterleistnug. Das Jungfernquartett ftau'b weit zurück; interessant darin Frau Binders warmer Altton; stamilla Webe r. vorschriftsmäßig neckisch. Der Knabe Thimig sängt an, mir fürchterlich zu werden. Herrn Kunderts Augen- -spiel ist begabte Komik. . - Das PMikmn nah,n die Typen, welche -so unverdächtig altbekannt sind (aus diesen Ton hatte die Regie die Ank si'chrung gestinnnt), mit dankbarem Beifall auf. T. S Aur den Theatern. Vurggarten (bei ungünstiger Witterung im der Hofburgl Heute. 6 Uhr abends, S y m p h o n i e k o n z s r t. (Dirigent: Martin S v ö r r. Mitwirkendr Prof. Adolf G r o iim a n «, Opernsängerin Sophie Braun und Opernsänger Otto K o ch - G a d e n.) Schönbrunner Schloß tbeater. Heute ErstauMrung der komischen Oper „Die Puppe". .Als nächste Novität geht Freitag den 31. d. Dittersdorfs komische Oper „D o! t o r u n b Apotheker" in Szene.' Horthh ist sittlich. Ans Budapest wird berichtet: Der Knnstsalon Fränkcl in Budapest stellt seit einiger Zeit drei Kupferstiche - der ungarischen Künstl-er Baszary, Prihoda und JvanM-Grünwald aus. welche badende Frauen und andere Aktftuoien davstellen. Eine polizeiliche Aufforderung, die Stiche ans der Auslage zu enffcr-ucn, weil sie „das Scha,ngefühl" verletzen, wies -der Kunisthündler zurück, mit der Begründung, daß es sich um graphische Arbeiten namhafter Künstler vmr unbestreitbarem Kunstwert handle. Nunmehr wurden die Bilder von einer pqlrzeilichen Kommission de« schlaguahmt. Auch eine im Schaeefenfter ausgestellte Re-produk» tivn des Gemäldes „Snsanna im Bade" wurde dem den Detektivs ans dem Schaufenster entfernt un^ mit den konfiszierten Radierungen auf die Be^irkshauptmannschaft gebracht.