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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-23 · Heft 2306 (23.7.1925) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2306 (23.7.1925)
Date
1925-07-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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B8Ö6_Men, Donnersta-g <V - ** Wien, 23. ftuli. { ' * ErSfftwiig der Stadtbahnstrecke Heiligenstadt—Hüttel«. 'darf. Gestern um 6 Uhr 10 Mir. früh wurde der Verkchr auf, dem restlichen Teil der elektrischen Stadtbchn von der Vllse r-. straße Vis Heiligenstadt mchfenmmnen. , * Das Wetter. Die sommerliche Hitzeperiode hat achtern leine Unterbrechung erfahren und dürfte auch m den nächsten Tagen a »»dauern, Die Pro-gnche für heute lautet: Heiter, warm. * Beim Baden verunglückt. Au» vergangenen Sonntag ist der 33fähr«ge Karl Kampf beim Baden nächst der Sandbarck bei Kritzertdorjf in den Wellen verschwunden. Er dünste ertrunken sein. * Dia Lebensmüdeu. Der lOsährige Kausmairn Emil Eisner hat sich gestern nachts aus bisher unbekannter Ursache durch Leuchtgas vergiftet. — Am 22. d. wurde bei der Stadlauer Brücke die Leiche einer zirka LOjährigei», mittelgroßen Frau aus der Donau geborgen. Ob es sich um einen Selbstmord oder Unfall handelt, ist noch nicht fostgostellt. * Tödlicher Unfall. Bei Bauarbeiten in der Maschinenhalle der Urttevstatton des Elektrizitätswerkes der Gemeinde Wien in der Hollergasse ist vorgestern der Monteur Josef Weber abgestürzt und erlitt derart schwere innere Verletzungen, daß er bald darauf starb. * Verhaftete Taschendiebe. Am 18. d. wurde im Wartesaal des Nordwestbahuhofes der bereits dreimal wegen Talschendiebstahls vorbestrafte und lanidesvevwiesene Engen Steiner verhaftet, als er eben dem Postbcdiensteteu Franz Ti pH mann eine goldene Uhr samt Kette stehlen wollte. — Im Postamt Weintraubengasse wurde der aus Krakau stammende Damenschneidcrgchilfe Josef Wiener bei ' einem TalschendiebistaHl ertappt und vechastot, Seine Abschaffung wurde veranlaßt. < » Ei» eigenartiger Straßenunfall in Berlin. Aus Berlin :wird nnternr 22. d. berichtet: Heute nachmittags entstand in der FricdrichSstraße ein großer Salpeter säuresee, der stundenlang ein Verkchrshindernis bildete. Gin Privatauto war mit einem Lastwagen zufammongestoßen, der mit Salpetersäurcballons beladen ivar. Durch die Wucht des Anpralles stürzte der Wagen um, die Ballons explodierten und die Säure ergoß sich über die ganze Straßenbreite. Der .Kutscher des Lastwagens erlitt schwere Verbrennungen an den Beinen. Zahlreichen Passanten, die verbucht hatten, durch den Säurcsee ihren Wog fortzusetzen, fielen, nachdem sie die Saure durchwatet hatten, die Schuhe von den Füßen, sodaß ihnen nichts anderes übrig blieb, als auf : Ärümpfen in das nächste Schuhgsschätft zu gehen, und sich neue Schuhe zu kaufen. Die Feuerwehr mußte zur Neutralisierung der Säure -große Mengen A m m o n i a ^k l ö s u n g , herbeifchaffen und erst nach mchreroi» Stunden gelang es, die i Straße wieder freizumachen. « ' * Eine neue Versicherungsabteilung des Jüdischen Irationalfonds für Jugoslawien. Der Begünstigungsvertrag, welchen, wie genroldot, das Hauptburoau des ' Jüdischen .Matronalfonds in Jerusalem mit der Lebensversicherungs- ,'Gesellschaft „Phöättx" in Wien abgeschlossen hat, sicht die Er- 'richtung eigener Versichemngsabteilwigen des Jüdischen iNationälifonds in allen Ländern vor, in denen der „Phönix" bereits heute arbeitet oder in denen er seine Arbeit demnächst ar^nimmt. Neben den Jüdischen Nationalfonlds-Verfiche - jrungsÄbteNungen in der Tschechoslowakei, Oesterreich und iPalÄstina, die sich bereits gut eingeführt haben, stcht nun die. Eröffnung einer solchen Abteilung im Königreich S. H. S. -unmittelbar bevor. Die Delogierten der „Phönix"-Dirciktion Wien und des Jüdischen Natiottaffonds-Hauptbureaus in Jerusalem haben kürglich in Zagreb mit der Landeskommission des Jüdischen Nattonalfonds eine Aussprache gepflogen, welche, eine volle Einigung über die Errichtung und organifatorffche Ausgostaltung dieser ( Vers» chevun gs alb i eilung ergab. Der ^Leiter der Abteilung wird dem Kreise der jugoslawischen Zio- ‘Uiftat entnonmlen werden. * Die Wiener jüdische Handelswelt für den Aufbau Palästinas. Im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Veranstaltungen während des bevorstehenden ZionMeNkongvesses in Wien wird wohl der während der ganzen Kongreßdauer im Kursalon der Stadt Wien stattnndende Kongreßbasar stehen. Das Reinerträgnis dieses Basars fließt dem Keren Kawmeth zu. Die Höhe desselben ist abhängig von dem Erfolg der eben jetzt fou Gange begriffenen Aktion der Wiener jüdischen Firmen für den Kongreß'bafar. Es liegt daher im Interesse eines würdigen Ergebnisses dieser Aktion der Wiener Mischer» Kausfcuie, daß sich sämtliche Firmen ausnahmslos an dieser Aktion durch Spenden aus ihren» Warenlager beteiligen. Spendenanmeldungen werden entgegen genommen: Bureau des Keren Kasenlvth, 1, Bez.. Kärntuerstraße 28, Telephon 77-4-85, 77-4-86. . . ' ' * Kaiserin Elisabeth über den Bubetlkopf. Es wird inter-- -essieren, tvie die Kaiserin Elisabeth von Oüsterveich über den jetzt bei den Damen in Mode gekommenen Bubenkopf dachte. In den Tagebuchblätteru von Konstantin Christomanos heißt es ans Seite 79: „Heute trafen wir eine Dame ans dem Wege zum Gloriett: sie kam herab, während wir hinaufgingen. Sie trug kurz geschorenes Haar und hatte ein rotes Gesicht und einen resoluten Gang. Sie blickte die Kaiserin unverwandt,^ doch ohne zu grüßen, fast heranssordernd an. Die Kaiserin sagte: „Die Dame hat Geist, weil sie ihr Haar kurz trägt; aber ich fürchte, sie hat es nur darum geschoren, damit man von ihr das sagen kann. Wenn ich meine Haare schneiden möchte aus UebcrMnguug, weil ich sie für unnötig halte, würden die Leute wie Wölfe über mich hepfallen." Bezeichnend ist auch der vorher, auf Seite 61, wiedergegebene Ausspruch der Kaiserin: ,^Jch Mo mein Haar," sagte'sie mir, und dabei ließ sie einen Finger unter seine Wellen gleiten, tvie um ihren Kops von der Last zu erleichtern: „Es ist wie ein fremder Körper auf meinem Kopfe." — „Majestät tragen daS Haar wie eine Krone anstatt der Krone." -- „Nur daß mau sich jener 'anderen leichter entledigen kann," erwiderte sie mit bekümmertem Lächeln. 1. * Japanisch« Schildkrötenfarmen. Ein Tierbcstand von 60.000 Köpfen ist sicher für einen landwirtschaftlichen Betrieb cm ungewöhnlicher stattlicher, ja riesiger Besitz, den man am allerwenigsten in der japanischen Landwirtschaft suchen würde. Es handelt sich allerdings nur um 60.000 — Schildkröten, die auf einer Farm nahe Tokio leben und gedeihen. Sie produzieren jährlich 100.000 Eier, die ans den» japanischen Markt als Leckerbisserr sehr geschätzt werderr. Darreben sichern aber die Schildkröten mit rhrem Fleisch rrnd ihrer Panzerschale dem klugen Manrr. der sich ihrer Zucht gewidmet hat, einen sehr ansehnlicher» Ertrag, der obendrein ziemlich mühelos gewonnen wird. Eine ähnliche Farm befindet sich in Musara. Hier wird die Schildkrötenzucht jedoch nur als Nebenberuf rreben der Bichzucht betriebe»». Sie beschränkt sich überdies! ausschließlich auf die Züchtung vor» Schildkröten indischer l Herkunft, uitb zwar wird nur eine einzige Art gezüchtet, die MSW ihres, hochweWgen .Schildpatts besondeM geschätzt wird.. Wiener MsrWerkMrm«._ Mitteilungen ans vem Publikum. Wl«derxu f»afe«n f 14^ E£ Bureau: om.(miZiuntmpapi«f ckvS wm.nni.aw«iB«i»/» Letzte Nachrichten. Sagland von der deutschen Note nicht befriedigt. London, 22. Juli. Das Reutersche Bureau ntctöct zur deutschen Sicherheitsnote, in britischen zuständigen Kreiser» bestehe keine Neigu»»g, den Inhalt der deutschen Sichecheitsnote im einzelnen zu erörtern. Bor allen» lhabe »»»an »roch keine Zeit gehabt, den Inhalt eingehe»»d zu erwägen. Außerdem müsse die Note vorläufig noch vom Kabinett behandelt werden. Daher werde Zurückhaltung be-> obachtet, wer»»» auch die d e u t s ch e M i t t e»l u n g infolge gewisser Vorbehalte, die, wie man sich klar sei, vielleicht in manchen Fälle»» nicht ganz außer Zusammenhang mit der inneren Lage Deutschlands ständen, n i ch t a l s völlig befriedigend betrachtet werden, könne sie doch als Grundlage zu weiteren Erörterungen angeschen werden, da sie Deutschlands Bereitschaft zu weiteren Besprechungen und seinen Wunsch, Verhandlungen zu erleichtern, dartue. Der Absatz, der sich auf die Fortschritte der Bewegultg für den Pakt bezicht und eine sofortige Erörterung anrcgt, sei sehr befriedigend. Es. sei unmöglich zu sagen, welches die nächsten Schritte sein werde»». Selbstverständlich tvevde ein Meinungsaustausch zwischen den Regierungen stattfinden und die weitere Entwicklung «lverde möglicherweise durch die Erörterur»ger» der Botschafter, die Arbeit von Sachverständigen, vielleicht sogar schließlich durch eine Konferenz gefördert »vevden, aber die Sache erfordere auch dann cine Erivägung, wenn die Antwort an Deutschland nicht aus jeden Punkt cingeht, der in der Berliner Note aufgeworfen wurde. Die Debatte im Reichstag. - Berlin, 23. Juli. Nach den» Außenminister sprachen m der außenpolitischen Debatte je ein Vertreter der Sozialdernokrater», der Dentschnationalen, des Zentrums und der Komlnunisten, worauf die Debatte »rach Einbringuirg eines ik o m n» u n i st i s ch e n M i ß t r a u e,n s a n t r a g e s ge-, ge»» Strese,»»a»»»» auf morgen vertagt wurde. Bühne und Kunst. Nar jüdische Gastspiel im Sarl-Aeater. Eine Erklänrng des Direktors Adler. Herr Direktor B. Adler, der Leiter des JüdischarnerKairisch^»»lelodramatiscfjcn Kmrsttheaters ersucht uns »m» Arrfnahnre folgender Erklärung: > Die Gründe für die Einstellung der AuMhrunigei» im Carl-Theater liegen nicht auf dem Gebiet des Repertoires. Dies gcht daraus hervor, daß die drei dnrchgeführten Bch» stellnnMn von» Publikum in znfriede»»stelle»rder Weise besucht Uvaren und daß die Darbietungen den eirchelligen Beifall der Zuschauer >und der Kritik gesunden haben. Das Gastspiel mußte lediglich deshalb unterbrochen werden, weil die von mir zu leistende Pachtsu»nme an die Carl-Theater- Gesellschaft, die täglich zu leisten war, trotz des guten Besuches meine Kräfte überstiegen ha-t. Mein einziger Fchler »var, daß ich eine tägliche Garantie von 12 Millionen Kr tonen ans mich genommen habe. Eine solche Verpflichtung zu erfüllen, wäre auch anderer» Theaterunternehmern unter den gegenwärtig in Wien hervsche»»den Verhältnissen mrmöglich. Für den künstlerischen Ernst Uleines Untcrnehinens spricht der Umstand, daß ich in der nächsten Zeit Stücke wie zum Beispiel Strindbergs „Vater", Gutzkows „Uriel Acosta" und Shakespeares „Othello" in Jüdisch angelkündigt habe. Daralls ist 31t entnehmen, daß ich mkf) durchaus nicht ans das New-Aorker Melodrama beschränken wollte, sondern daß ich mrr damit begimren wollte, eine in Wien bisher unbekannte oder »venig gekannte Gattung jüdischer Krrnst und Mischen Volkslelbens vorzuführen. Ich kann und tvill »licht entscheiden, vib dies etwas Wertvolles ist. Aber es hätte .mit tveNiger Tage bedllrst, um erkelmell zu lassell, daß ich auch arrderes, künstleriisch nilbestritten Wertvolles zu bieten beabsichtigte. — Diese Erklärung bin ich nleiner alten Reputation. schufdig. ‘ ■ ‘ I Ueber Koufrrvatorien. In» Nachlaß des vor nicht langer Zeit derstorbenell beruhmten Pianistei» . Ferrucio B nis 0 n i findet sich die nachstehende, im Jahre 1893 in N>ow -?)ork geschriebene treffende Charakteristik der Konservatorien, die ein Wissender geschrieben hat. Ai» Konservatoriell hast bu gelerilt, ich gelehrt. Ob cS sich auch wirklich so verhält, ist die Frage. Vielleicht bist dnctot Betrogener, ich ein Betrüger geweisen. Urrd üuenn ich recht nachdellke, so ist cs auch so getveseir. Ko»»servatorien und Musikschulen nrögell wohl dalln ulld wann »ni't erilsten Slbsichten gegründet werde»» -- sobald sie in Gang gesetzt wer-» der», ülidert sich die Sachlage, äilderr» sich Zweck und Ziel/ devseWen. Zunächst stellt sich die Frage des Evschwingens der L e h r e r g e >h äl t e r jedem rem kü»»stleriischen Streben entgegen, nild sie gewillnt bald die Obechalld; das erllste Trachteil aber, soweit cS noch vorhanden, nimmt stets rille falsche Richtung. In bei» Musikschulen ist man dararrf .bedacht, , _23. Juli 1926 _Sette -6 Geld;,r nlachen lind dalli» die Geister so zu erziehen, das; sie den Lehrern nicht über den Kopf wachsen. Letzteres ist noNoendig, daiilit diese ihre Autorität behalten und somit das 01c schüft nicht in Gefahr kommt. Aber auch der Ehrgeiz spielt eine Rotte; man fürchtet sich vor der »»ächsten Generation und infolgedessen haßt n»an sie. Die Professoren lieben nur solche Schüler, die sic als Lehrer auszcichncn, nicht solche, die sie als Künstler übcrtreffen. Je »re Schüler werden gepflegt, anerkannt und weitergefördert, denn sie nützell den» Ruf ihres Lehrers; diese werden venlachlässigt, cntnmtiot und zurückgesetzt. Doch diese beiderr Gattungel» von Eleven sind die selteneren. Die Tatsachen bezeugen, daß in jedem Ko»lservatorium die »veit größte Zahl der Schüler — Welche den Finanzsonds desselben sichert — total erfolg- und aussichtslos studiert. Man nimmt sie gegei» Barzahlung an mit der Gewißheit, daß ihnen jedes Talent fehlt, daß ihre Studien eine vergebliche Arbeit sein werdell. Aber man nimmt sie doch an. Doch man hütet sich, iljitcu ihre Unfähigkeit von Anfang an vor Augen zu führen: Man unterrichtet sie, man läßt sie Geld zahler», »nan verdirbt ihnen ihre besten Jahre. Dies ist ein offener Betrug. Ein Betrug gegen die Schüler und, ihre Angehörigen, ein Betrug an ihrer Zukunft. Und was ist es für die Lehrer selbst? Eine Chara-kter-. u u d G c' w isse n l 0 sigkeit. Denn selbst die unfähigsten Lehrer können ihre Zeit mit mehr Nutzen verwenden, als sic an die aussichtslose Dressur von Schülern zu verschtvcnden. Ja, es gibt unter den Lehrern gut befähigte Künstler, die um, des Gewinnes »ville»» ihre eigene Begabung erhöhen. Doppelte Betrug ist es gegen andere und gegen sich selbst. . . Aus de« Theatern. Burggarten (bei ungünstiger Wittermig im Festfaat der Hofburgl. Heute, 6 Uhr abends, FestspiekzyklnS. ,35et Barbier von Sevill a", Komische Oper in drei Akten von I. 9t 0 f f l n i. Dirigent: Friedrich G r u b e r. Johann- Strauß-Tbeater. DaS Theater wird am 1. A u g u st mit der Suppeschen Operette „D i - großeU n b e k a n n t e" wieder eröffnet. i Radioprogrwrnm. ■ Heute Donnerstags 11 bis 1 Uhr : Bormittagskonzert. — 4 bis 5 Uhr 10 Mtn. r Märchen. — V*6 bis 6 Ubr: Nachmittagskonzert. Ed. Strauß r Doktrinen, Walter. Wagner: Parsival, Vorspiel. DelibeS: Lakme, Phm»tasie. Fleuron r l,a ebarmsuse. Ortega r Mexikanischer Nattonalmarsch. Krauß: Jaj, Aladar: — v,7 bis 7 Uhr r Kartographischer Kurs. Vortrag Hofrat * Winter: Geländeaufnahme und Kartenherstellung. — 8 Uhr: Wiener Symphonieorchester. W. 3l. Mozart r Ouvertüre zu „Don Juan". I. Brahms: Variationen über ein Thema vor» Josef Haydn. G. Tartini: Trills du diable (Teufelssonate) in 6-M0 llmit Streichorchesterbegleitung. (Violinsolo r Prof. Hugo Gottesmann.) A. Dvorak r Symphonie Nr. 6 (Ans der neuen; Welt.) , _ Vereine. Bortrikge und Versammlungen. Komitee fürdas arbeitende Palä st in a. Heute, V-8 Uhr abends, im Arbeiterheim Boruchow, 2. Bez., Blumauergasse 1, Vortrag über politische und Organisationsfrage»». Referenterr r I. B r e g m a n (Zeire Zion) und Doktor Steinberg (Hitachdnth). '! -i- \ Im Dtrombad Kritzeudorf lonzevtiert votu 23. d. aü, bei günstiger Witterung außer SamStag und Sonntag auch jeden Donnerstag das Johann--Strauß-Orchester unter der Leitung des Dirigenten Musikdirektors A. I. Hei n z. Restaurant, Milchpavillon, Konditorei wie alle Pavillons für sämtliche BedarfSamkel im Betrieb. > •'•**«{« --- i Serichtsfaal 1! Leibrenten müssen valorisiert Nrerden. Das Oberlandes» gevicht urrter Borsitz des Hosrates Dr. Richter hat sich neulich iu einer nichtÄflfenttichen Sitzung für die Va'lo r isierung der Leibrenten ausgeispvochen. Frau Maria Karollme Fr. Tiuti hatte die VevsicherungsgchcUchaft „Anker" auif VÄorisiernng ihres Leöbrentenvertrwges vom 1ö. Atai 1913, mit »velchom die Versichern»rgsgesellschaift sich verpflichtet hatte, gegen eine einmalvge Einlage von 73.300 K. ihr halbjährig '2200 K. als Leibrente zu bezahlen, geiklagt. Sie hatte nicht die volle Anfwertung auif 3168 Schilling, sondern bloß auf 2660 Schilling verlangt. Das Handelsgericht hatte die Balorisierung ab ge lehnt. Das Ob e rla nd esg er ich t änderte das Urteil ab »md erkannte auf die öl der Klage anigösprochene Valorisierung. Es stellte sich aus de»r Stand-' PuM des Obersten Gerichtshofes und erklärte, daß die Ver-- sicherung einer Leibrente keinen reinen Geldanispruch in sich schließt. Wenn inlfblge der Geldentwertung die Rente nur ausreicht, um für sie halbjährig einen viertel Laib Brot zu, , kaufen, uluß das Vevlangen auf Erhöhlmg der Reute als b e». r e ch t i g t angeisehen werden. Verführung oder Erpressu»»g. Der Zähntechlltter Robert B., dessen Kind kranlk im Leopoldstädter KmdepsPitäl lag, lernte dort die Pflegerin Mizzi W. kennell. Zwiischen beiden kan» es zu intimen BezichulMn und die Kraltkellpflcgeriu gab ihre Stet-, lung auf, um mit B. einen geuleinsame»» Haushalt zu führen.' Es ka»n aber zwischell ihnen bald zu AUßhelligkeilen, in deren Verlauf die W. der» ZahlliechnÄer »md dessen Mutter als Sau-, juden, bezw. Sausüdin beschimpfte. Die Krankenpflegerin versetzte auch eine,» wertvolle»» Brillantring des B., der für ihn als Äl»de»»ke»l an feinen Vater unersetzlich war. Der Zahl»- -technilker sah sich »regen all dieser Vovkomnrülsse Vera,»laßt, den ge»l»ei»llsame»» Haushalt mit der W. aufzulösen. Er mietete ihr ein Zmm»er. Die W. klagte nu»» den Zahntechniker auf Verführung unter Zusage der Ehe. I»» der gchern vor dem Landesgcrichtsrat Dr. Arie durchgeführten Verhaudt>mg bestritt der 'Angelklagte ontschiedell, der Klägerin die Ehe versprochen zu halbe»». Ebellso eEärte er es für unwahr, daß sie aus feine Veranlassung ihre Stellung auisgegebeu habe. In» Verlauf der VechauÄung produzierte der Verteidiger des ' Angeklagten cwvcn Brief von der Hand der Klägeriir, ii» dsm sie davoil sprach, daß sie einen Herrn N., zu den» sie früher in Vozichungen staild, auch aus dem Titel der Verführung unter Zusage der Ehe 100 Millioruu» erpressen wollte. Die als Zonvgin ver»»ommone Anzeigerin vertvlckolte sich bei chren» Verhör »n solche Widersprüche,' daß sie der Richter »oegen falscher Zeugenaussage sofort in Haft ilchmen lassen tvome. Wogen der Ulltflaübwürdigjkeit der Zongiu lchnte der Richter alle weiteren .Beiweisanträge ab und sprach der» AugMagten frei.

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