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Wiener Morgenzeitung · 1925-07-23 · Heft 2306 (23.7.1925) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2306 (23.7.1925)
Date
1925-07-23
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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T*1 ©eite 4 Wien, Donnerstag Hotel einer bestimmten Stadt zngestellt wurden und statt Rcrseeffekten Spirituosen enthielten. Die Kofferschlüssel wurden den Interessenten brieflich zugcschickt, so daß der Käufer bloß in das Hotel fahren und den Reisekoffer mit seinem feuchten Inhalt avholen mußte. Den Blättern zufolge hat diese Bertriebstzesellschaft für geschmuggelten Alkohol im Verlauf einer einjährigen Tätigkeit geradezu phantastische Gewinne and einen R ctor dum salz in allen Teilen der Union erzielt. Die Affenkomiivie van Daylon. Reprise im September in Washington. Rew-?1ork, 22. Juli. (Tel.-Komp.) Der Verteidiger 5cS Professors Scopcs im Daptor,Prozeß hat -beschlossen, gegen die Verurteilung seines Klienten Berufung eingllcgen. Man. nimmt an, bcrß der Affenprozeß im Monat S c p t e m b e r vor bem Oi) c r ft c it Gerichtshof in W a s h ingron zur Verha-ndluna kommen wird. Das SAachturiUer in Breslau. Aus Breslau wird bc-ricl-tet: Die kürzeste Partie der dritten Runde war die zwischen Sä misch und N i e m z 0 w i t s ch; ohne daß gespielt worden wäre, erhielt Nieinzowitsch einen Zähler zngesprochen, da sein Gegner Sämisch mit in ehr als e in ftü n d i g e r Verspätung erschien. Es gewannen' Wagner eine sizilianifchc Partie gegen Bog o, ljnbo io, Rubi nsl e i n ein Damen-txmerspiel geg.on. Maurice, R e t i eine englische Partie gegen Gou-tfchall. Das Damengambit Grünfeld gegen Becker endete mit remis, das Damenbauerspiel Dr. T.a r r a ■)• ch—B l ü m i ch wurde in günstigerer Stellung n:iu; Schwarz abgebrochen. Stand nach der dritten Runde: Becker, Bogoljubc-w, Grünfeld, Reri je 2, ^ciemzo.rnll'ch, Rubinstein, Sämisch, Wagner je 1,5, Dr. Tarrafch 1 (1 .Hängepartie), Gottschall 1, Blümich 0,5 <1 .Hängepartie), Maurice 0 Punkte. Kongreß des MeltschaaHburrdes in Zürich. Zürich, 22. Juli. (Schweiz. Dep.-Agent.) Unter deni Vorsitz des Dr. A. R ri e b vcon Niederländischen Schachbuud trat heute hier der Kongreß des Weltschachb u n d e s zusammen. Vertreten sind folgende Mitglieder des Bundes: Argentinien, /Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien, Ruinänien und die Schweiz. Aus der Tschechoslowakei und aus Ungarn werden noch Delegierte erwartet. Entschuldigt sind Holland und Jugoslawien. Der Sitzung wcihnten auch gwei Vertreter des Deutschen Schachbundes bei. Der Kongreß wird voraussichtlich Samstag geschlossen verden. ---- :■/ Zum 14. Nouistenkongretz. Die PaLästimaauSstellung. Am 14. d. ist mit dem Dampfer „Campidoglia" der Transport der Ausstellungcwbjekte und Waren aus Tel- Awiw nach Wien äbgegangen, -welcher für die von der Gesellschaft Mis'char w'Tacrssiah im Anschluß an den 14. Zionfftenkongreß zu veranstaltende Palästinaausstellung bestimmt ist. Es werden Prolben von sämtlichen Erzeugnissen -des Landes ausgestellt sowie Diagramme, Kartogramme und Bilder, die das Leben Palästinas illustrieren. Viele »Firmen haben auch Waren für größere Beträge zum -Verkauf geschickt, so die Weinkeller von -Rvschon-le-Zion, die Oel- und Seifenfabrik Sh e me n, die Str i ck e re i H aff or c g. die K uustgc werb eschuke Bez ale l, die Teppichwirkerei Mar badiah Chadaschah, der Verband jüdischer F r a u e n für Kulturarbeit i n P a l ä ft i n a, die Werkstätte »für Hol za r b c 11 e n von Salzmann, das Atelier für Photographien n n d Gravüren von Bendow «uftv. Sehr viele Firmen senden Proben ihrer Erzeugnisse, um ans der Ausstellung Llufträge cntgegenzunehmen. Tie Ausstellung wird auch die Arbeiten verschiedener palästinensischer Organisationen veranfchautichen. So werden besondere Abteilungen eingerichtet für den Keren Kajemech, den Keren Hajessod, für die Arbeiterorganisation, die Pica, die Misrachi ufw. Die Patästinaausstellung wird gegen.Mitte August, ungefähr eine.Woche vor Kongreßbcginn, eröffnet werden. 8. Tag der Wischen Jugend Jugoslawien». Vom 10. bis 12. August d. I. findet in Qsijek (Esseg) der 6. Kongreß der jüdischen Jugend Jngsflawiens statt. Auf dem Programm stehen verschiedene Sport-, Gymnastik- und Mufikveranftaltungen. I hi Rahmen dieser Tagung ist auch eine Ausstellung von Handarbeitell und Kinderarbeiten vorgesehen. Der Verband jüdischer Jugendvereine in Jugosialvien lvird -bei dieser Gelegenheit auch seinen Jahresiougreß abhalten. _ * Das Ehrengeschenk des Solel-Boneh an Sir Herbert Samuel. Aus Jaffa wirb uns berichtet: Unter den vielen, Elin-nacschenken, die Sir Herbert Samuel anläßlich seines Scheidens von seinem testen von vepschiedenm Körperschafleii erhalten hat, ist das Album, welches chm die Direkiioit der jüdischen Baugefellschaft Solel-Boneh überreichte, üas sinnigste zu uemleil. Das prachtvoll gebundene Mbum euthält die Photographien aller ästfentlichen und privaten Bauarbeiten — soivvhl Straßen-, als auch Bahn- und Häuferbauten -, die während der fünsjährigeu Amtstätigkeit Sir Herbert Samuels durch die jüdischen Arbeiter* g r u p p c u des SolvlBoueh aus geführt wurderl. ... - I ' "•-"L ' Wiener Morgenzeitung. 2.°,. Juli 1025 ■*•*■*■ N r. 2308 -iiarftf 6to phonograyhifches ProtokÄ. .... Sine interessante Reuerung beim 14. zrouistenkonMch. Es ist eine wichtige Tradition' der Zionisteukongresse. die bon Theodor He r;l feit dem erstell Kongreß besonders feftgchalten wurde, daß die Verhandlungen der Kongresse in einem stenographischen Protokoll nach Art der pa r tarn enta rischen Protokolle niedergelegt werden. Die Ursachen, die Herzl zur Einführung und die seitherigen zionistischen Leitungen zum Festhatten an biefcm Brauche veranlaß len, sind offenkundig.. Bildet doch der Zionistenkongreß die große Tribüne, auf tvelchcr das jüdische Volk pach Jahrtausenden^ wieder seine politischen Forderungen vor der ^erferrt!l-rchkeit »^er ganzen Welt entwickelt. Es ist von besoM'kl'k TSWty*.*"' daß die Verhandl-mlge» für den Politiker ititb auch für den Historiker . mit möglichster Treue festgehalten tverdeit. Jmmer wieder tauchen Legenden auf, die, von antisemitischer Seite in Umlauf gesetzt, «behaupten wollen, die Zionistenkongresse hätten außer dem öffentlichen auch noch einen heimlichen In ha l t und dienten Beratungen über die Gewinnung der jüdischen Weltherrschaft. So töricht diese Legenden sind, finden sie dock) immer wieder Gläubige, und nichts kann derartige Legenden sicherer widerlegen als die Tatsache, daß seit dem ersten Zionistenkongreß ein lückenloses Protokoll über die Verhandlungelt aller Kongresse versaßt und veröffentlicht wurde. In den ersten Jahren seit dem Kriege, als die Zionistische Organisation eine außerordentliche Erweiterrung sowohl in bezug ans ihren Wirkungskreis als auch in bezug auf ihre Anhängerschaft erfuhr, ergaben sich ober gegenüber der früheren Epoche besondere Schwierigkeiten für die Herstellung des Protokolls. Die Kongresse, die vor de-nr Kriege -in der Regel drei bis vier Tage dauerten, können heute die Fülle des Stesses nur ntit Mühe in Sessionen von 14 Tagen -bewältigen; jeder Tag bringt eine Vormittags-, eine Nachmittags- und eilte Nachtsitzung und der Stoff -schwillt schert rein quarrt itativ ins Weite. Durch den feit dem Kriege stärkeren Einschlag des englisch sprechenden Elements, durch die Erweiterung der Zionistischen Organisation auf früher von ihr nicht erfaßte Gebiete u-nd durch-die steigende Anwendung des Hebräischen .sind b.ie. Kongresse in den letzten Jahren in. höherem Maße vielsprachig geworden, als dies früher der Fall war. Um ein stenographisches Protokoll herzustellen, 'bedarf es heute eines vielköpfigen Apparats von Stenographen einer ganzen Reihe von Sprachen, und da das Protokoll aus technischen Gründen zweifellos einheitlich und emsprachig gcdrnckt werden muß, entz'tbht nach den: Kongreß noch eine sehr langwierige Arbeit des -Uebevsetzens. Die stenographische Mdcrgabc der jüdischen und auch der hebräischen Sprache ist bisher noch nicht fo vervollkommnet worden, a-ls dies wünschenswert «erscheint. Diese -Mornente «haben bei den letztcrr Kongressen die Aufnahme -des Protokolls zu einer ätlßerst kostshibligen Angelegenheit gebracht und allßcrdem Verzögevu'ngen «rm- Erscheinen «des stenographischen Protokolls verursacht. Da's Bureorr des 14. Ziomstenkongresses (Wien 1925) versucht nun die Verwendung einer technischen Einrichtung, die fo recht ans den Erfordernissen des Zion-istcllkongresses heraus geboren ist, die bisher noch nirgends in der Welt verwirklicht wurde und doch aller Voraussicht nach bald zum Gemeingut aller Kongresse und parlamentarischen Körperschaften werden dürfte. Ilm es mit einem Worte zu sagen: Das Protokoll des 14. Zioniftenkongresses wird nicht stenographisch, sondern phonographisch aufgenomnlen. Am Rednerpult und am Prä-sidinnistisch werden M i k r o p H >o n e in i t h o ch c nr p s i -n d l -i ch e n Membranen fo eingebaut, daß sic ganz nnaufsällig bleiben und weder für den Redner noch für den Kongreß K>ongretzzeitungs- )\ Abonnement! Ermäßigung der Bezugsgebühr für Jugoslawien Wir haben uns entschlossen, den Wünschen zahlreicher Freunde aus 8. H. 8. entsprechend, die Bezugsgebfihren für die Kongressausgaben (das ist kombiniertes Kongressabonnement samt Festnummer) von Dinar 110 — auf Dinar 80.- zu ermässigen. Ständige Abonnenten der „Wiener Morgenzeilung“ zahlen für das Abonnement der offiz. Kongresszeitung u. Festnummer (statt Dinar 50) Dinar 40.— Die'Verwaltung der lfWI«it«r MDrgonzeltuns“ bemerkbar sind. Die Redner sprechen unbehindert und frd*\ das Mikrophon aber verzeichnet mit äußerster Treue jede) Silbe, die über ihre Lippeil kommt, und,die et-ektris«cheni Drähte leiten den Torr nach der „p h o n e t i f che n K a m* utcr", die abseits vom KongresMtriebc in einem stillen Winkel des Konz-erthaus-es eingerichtet wird. Hier bedient! der — wenn wir ihn so nennen dürfen — „phonetische! Kontrollor" einen völlig neuartigen L a u t v e r st ä r k c r> der mit Hilfe einer sin-nrcichen lind durch unzählige- Experimente vervollkominneten Anordnung den vow Ta.UMikrophon eilltangendcu Ton unter völliger Beibehaltung seiner, klaren Rciicheit und Klangfarbe zu besonderer Starke und Deutlichkeit erhöht. Das weitere ist cinfach und alltäglich^ Der Lautsprecher ty. »ZI,,, Trichter eines Dikkierapparatcs, dessen Wachst. gleich wieder mit Hilfe gleichartiger Appa^e abgehvrt^ und i n M a s ch l n c n s ch r i f t ü b c rtrage# « Mit der Einrichtung der „phonetischen Kamnke-». noch einige Wirlnngsziveige verbunden, die ebenfalls .Zwecke des Kongresses dienen. Da-zn gehört vor allenk die! Lant'sprccherünlage für den Kongreßsaal selbst unb feilte Nvbcnsäle. Durch entsprechend verteilte Lantverstärkcr UNelektrifchr Leitnngen wird auch die leiseste Siede im letzten Winkel des Kongreßfaales laut und verständlich^ gewacht. Ter „phonetische Kontvollor", der deu RcÄettj mit umgelcgtett Kopfhörern lauscht, reguliert^ au clnerz Stellschmnbe je nach der eigenen Tonstärke des Redners das Maß -der Verstärkung. Er hat cs auch in der Hand etwa bei stärkerer Unruhe die Stimme des Präsidenten, ohne daß dieser sich im geringsten auzu-strengen braucht, -soweit zu steigern, daß er sich mühelos verständlich machen kann. Durch analoge Lautsprecher Wunen -die Reden in solchen Sitzungen, zu denen ein über die Fassungskraft deÄ Kongreßsaalcs hinansgeheuder Andrang herrW^ { auch in den Nebcnsälen ' \ hörbar gemacht lverden, so daß eine weitere Anzahl vom Gästen an diesen Sitzungen, zwar nicht sehend, aber dechj hörend, t-ei-lnehmen kann. Eine weitere Einrichtung ermöglicht es, befonders, interessante oder wichtige Reden sogleich ... , durch Grammophonplaiten zu vervielfältigen. \ Dem Publikum wird so die Ntöglichkeit geboten, eine: denkwürdige Kongreßrede zu Hause beliebig oft in voller' Treue der Wiedergabe hören zu können. ■ *]>• \ Von entscheidender Bedeutung ist aber vor allem di^ hier dargelcgte Einrichtung zur Ausnahme des Protokolls.! Sie ermöglicht es, alle Reden, ohne Rücksicht auf die, Sprache, in tvolcher -sic gehalten! sind, mit absoluter! Treue und V o 1 l st ä nd i g k c i t festzuhalten. >2:e ermöglicht es ferner, das tvortgetrene Protokoll einer jeden- Sitzung 24 Stunden später in Maschinenschrift übertragen^ Vorlagen zu können. Es wird Borsorge getroffen sein, daß'! jeder Delegierte die Möglichkeithak, iu die W iederg.ibe! seiner Rede n-o ch -w ähr-e-nd des K o ng r e ssc s Ein-- sicht zu nehmen und etwaige Sprach- und Hörfehler Zü berichtigen. Sv lvird das stenographische Protokoll, zurs dessen Ausarbeitung «früher Monate erforderlich waren, /' einen Tag nach Schluß des Kongresses . abgeschlossen vorliegen und -nur die llcbcrsetznng und Drucklegung eine kurze Verzögerung verursachen. Die gesamte Einrichtung ist erst möglich gemacht' worden durch die enormen Fortschritte der Radiotechnik in den letzten Jahren. Dieser so moderne Zweig angelvandter Wisseiischaft ,hat ja nicht nur die Funkein vicht u-ng-en in engerem Sinne zu hoher Entwicklung gebracht, sondern auch alle E-inricht-ungen für phonetische Aufnahme, Weiterleitung und Lautverstärkung. Als vor ztvei Jahren beim 13. Kongreß das Kongrcßbnrcan bereits eiuen ü'hllli.chcn Gedanken gefaßt hatte, scheiterte die Durchführung daran, daß -nicht genügend empfindilich e Membraue-n vochauden -waren «und die Redner -in einen Schalltrichter hätten hineinsprechen müssen, um eine braubare Wiedergabe der Reden zu ermöglichen. .Heute sind diese Schwierigkeiten überwunden und cs ist anzunehmell, daß alle Körperschaften, die auf die Herstellung steilographischer Protokolle ihrer Verhandlungen:- Wert legen, insbesondere . parlamentarische Körperschaften und Kongresse, die beim 14. Zionistenkongreß geschissene Einrichtung übernehmen -lverdell. Es -ist kein Zufall, daß gerade der Zionistenongreß mit seiner tveitge-henden Vielsprachigkeit als erster -das Bedürfnis nach einer solchen Emr-ichtung empfnndelt und die hier allftauchende Frage einer Lösung zug-cführt hat. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß außer den hierzu berufenen ^Abteilungen des Kongreßbureaus -insbesondere zwei Wiener P e r f ö ll l i ch k e i t e n durch -ihren hinge'bimgsvollen Eifer die praktische Durchführung der gegebenen Idee ermöglichten, nämlich der Phonetiker Professor Eugen Fischer, Erfinder eines vervollkonunnvten Lautder-stärters, und der -Hause-, .Herr Hans Koch. Inspektor des Wiener Konzert-

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