Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2306 (23.7.1925)
- Date
- 1925-07-23
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981391--23420-3010936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sk. 8806 Wien, Donnerstag Wiener MovaenHettung. 23. Juli 1926 Seite 3 Aunranat^ THEEBUTTp. puLbEarJ lÜtraMtw itm wwTTnrwS > Las neue Bürgerrecht. Im Zusammenhang mit den im Parlament vorliegenden Gesetzen über den Erwerb und Vevlust der Landesi und Bundesbürgerschast und der Heimatsrechtsnovelle Iwaren Gerüchte im Umlauf, daß die Regierung die Vorlag eines Naturalisationsgesetzes plane. Die Korrespondenz Herwei echält von den zuständigen Sieben über die nunmehr zu erfolgende Regelung des Staatsbürgerrechtes in Oesterreich die folgenden A-uMrungen: 1. Me erwerben A l t a u s l ä n d e r die österreichische Landes-, bezw. Bundesbürgerschast nach den neuen Gesetzen? 2. Wie erwerben Neuausländer die österreichische Landes--, bezjw. Bundesbürgerschast und die Zuständigkeit in einer österreichischen .Heimatsg-orneinde?, Antwort: Das Gesetz kennt kein Unterschied zwischen Alt- und Neuausländern. Ein Ausländer erwirbt die Landes- oder Bundesbüvgerschaift dadurch, daß chm von der zuständigen Landesregierung die Landes- oder BuNdesbürgcvschaft verliehen wird. Zu diesem Zwecke hat er folgendes beizubringen: Die Zusicherung der Ausnahme in den Heimatsverband einer Gemeinde dieses Landes, ferner den Nachweis, daß er für den Fall des Erwerbes der österreichischen Landes- und Bundesbürgerschast aus dem bisherigen Staa tsverband ausscheidet, daß er nach den Gesetzen des bisherigen Hermatsstaates handlungsfähig ist und schlieWich daß er mindestens v ier Jahre im Bund esg eb ie te seinen ordentlichen Wohnsitz hat. Bon diesem letzten Erfordernis kann jedoch Umgang genommen werden, wenn die Bundesregierung die Verleihung als im Interesse des Bundes gelegen bezeichnet. Die Landesregierung hat bei Verleihung der Laudesbürgerschaft allerdings die Beziehungen des Beiwerbers z u seinem bisherigen Heimat st aat sowie die sonstigen Personal- und Familienverhältnisse zu prüfen. Bor Verleihung der Landes- und Bundesbürgerschaft hat die Landesregierung, soferne der Bewerber nicht schon zehn Jahre ununterbrochen in einer Gemeinde des Landes seinen Wohnsitz hat, die Zustimmung des Bundeskangleramtes einzuholen. 3. Wie erwerben Personen, die seinerzeit die Staats- MrgerrechtserMrnngen abgegeben haben, die Landes- und Bnudesbürgerschast? Antwort: Soferne die Staatsbürgerschastserklärungen aus Grund des Gesetzes vom Dezember 1916 nach den Bestimmungen des Be r t r a g e s v o n S a i n t-iG ermain ihre Wirksamkeit verloren haben, werden diese Personen als Ausländer angesehen und sind demgemäß bei der Verleihung der der Landes- und Bnndesbürgevschaft so zu behandeln wie akle anderen Ausländer. Was den Erwerb des Heimatsrechtes derjenigen betrifft, die Bericht über eine PaiWnareife.*) Bon Otto Abeles. 10. Gespräch mit Tischbr. Jerusalem, Ende Juni. Ein mäßig großer Raum, übevftopst mit Warenproben, Präparaten, Büchern, Mappen, halb Musterlager, halb Archiv. Ein Schreibtisch, von den angehäuften Gegenständen irr die Ecke gedrückt. Das ist das Bureau des Herrn Tischbr, der in der Zionistischen Exekutive ldas Ressort,Handel und Industrie" verwaltet. Er hat sozusagen alle wichtigen Materialien um sich versammelt, steht während des Gespräches wiederholt auf, bringt von diesem Regal oder jenem Tisch zu Demonstvationszwecken einen geschliffenen Stein, ein Gewebe, eine Büchse Sand, eine statistische Tabelle. Ich bin ungefähr ider zehnte, nrit dem er an diesem Vormittag zu sprechen hat. Dazwischen amtliche Konferenzen, Telephongespräche mit Haifa, Tel-Awiw, Athlit, Vorbereitung des Materials für den Ztonistenkongreß. Dieser Arbeit'sriese zeigt keine Spur von Ermüdung. Er ve« tilgt massenhaft Zigaretten und spricht eine Stunde formvollendet und sehr Prägnant über industrielle Fragen. Tischbis Programm ist, wie er es nennt, „das große Trio": ,>Textili'ndustrie, Fischerei, Steinindustrie. Er schickt einige allgemeine kritische Bemerkungen voraus: „Unsere Industrie entwickelt sich zu rasch! Sie werden diese Feststellung aus denr Munde eines Mannes, der die industrielle Entwicklung von Erez Israel «mit aller: Kräften zu fördern hat, vielleicht merkwürdig finden. Aber auch ich gehöre zu denjenigen, ivelche davor: überzeugt sind, daß bei uns die Industrie nur aus Basis einer entsprechend *) Siche „Wiener Morgenzeitnng" vorn 17. »rrrd 24. Juni, 2., 3„ 4., 9„ 16. Md 17, Mi. - durch ß 2, d. h. die durch die abgegebenen Erklärungen Staatsbürger geworden und geblieben sind, so erhalten diese das Heimatsrecht nach den Bestimmungen der Heimats rechts Novelle vom Juli 1925, die vorgestern im Berfassungsausschuß beschlossen und voraussichtlich auch Gesetz werden wird. 4.- Wie erwerben Optanten die Landes-, bezw. Brrrrdesbürgevschast? Antwort: Optanten sind bereits österreichische Bundesbürger llnd erwerben die Landesbürgerschast durch Erlangung des .Heimatsrechtes in den Gemeinden eines Landes. Den gesetzlichen Erwerb des Heimatsrechtcs erhalten sie mit der bereits zitierten Heimatsrechtsnovelle: 1. Falls die Optanten, welche bereits die Staatsbürgerschastsevklärrrng abgegeben haben, in einer Gemeinde des österreichischen Bundesgebietes das Heimatsrecht besitzen, n c n e rl i ch i n der G e m e i n d e, i n der sie zuletzt he i ma ts b^re ch t igt waren; 2. falls sie in Oesterreich ^7matsberechtigt waren in jener Gemeinde, in der sie am 16. Juli 1920 ihren ordentlichen Wohnsitz hatten; 3. falls sie nach 1. und 2. ein Heimatsrecht nicht erwerben, können sie innerhalb dreier Monate vom Jnlraftreten des Gesetzes bei der Landesregierung eines Bundeslandes erklären, daß sie in diesem Bundeslande heimatsberechtigt sein wollen. Hierüber hat die Landesregierung innerhalb sechs Monaten ei n e Gemeinde des B n n d c s l a n d e s zu bestimmen, in welcher dem Erklärenden das Heimatsrecht znzugestehen ist. Wenn innerhalb sechs Monaten von der Landesregierung keine zustirnmende Entscheidung gefallen ist, so gilt das Ansuchen als abgewiesen. 4. Kommen 1., 2., 3. nicht in Betracht, so kann chnen das Heimatsrecht in der Gemeinde nicht versagt -werden, in der sie sich nach erlangter Eigenbercchtignng durch vier der Bewerbung um das Heimatsrecht unmittelbar vorhergehenden Jahre freiwillig und ununterbrochen aufgehalten 'haben, ohne während dieses Zeitraumes der öffentlichen A r m e n v e r s o r g n n g anhermgefallen zu sein. Kommen alle diese Bestimmungen nicht in Betracht, so ist der heimatslose Bundesbürger zuzuweisen: a) der Gemeinde, in der er sich während dem Zeitpunkte des zur Frage gekommenen Heimatsrechtes unmittelbar voransgehenden zehn Jahre am längsten, wenigstens aber ein halbes Jahr ununterbrochen und bei gleichem Aufenthalt in zwei oder mehreren Gemeinde!! zuletzt freiwillig a u f g ehalten hat; b) in der Gemeinde, in der er geboren ist, oder bei Findlingen, in der sie ausgefunden wurden; c) in der Gemeinde, in der sie zur Zeit des in Frage kommenden^ Heimatsrechtes angetroffen wurden. Falls alle diese Voraussetzungen nicht zutresfen, so bestimmt die Landesregierung eines Bundeslandes die Zuweisung des Letzte Kurse. New-Yorker Devisen. New-T)ork, 22. Juli. (Tel.-Komp.) Berlin 23.80, London Kabel 4.86'/„, London Scheck 4.81%, Amsterdam 40.18, Paris 4.71%, Brüssel 4.64, Rom 3.69, Madrid 14.48. Zürich 19.42. Stockholm 26.81, Oslo 18.14, Kopenhagen 21.72, Wien 0.14. Budapest 0.14, Prag 2.96'/,. Belgrad 1.74, Athen 160, Buenos Aires 40%, Rio de Janeiro 11.20, Bukarest 0.48'/,. Amerikanische Getreidemärkte. Rew-Bork. 22. Juli. lTel.-Komv.) Weizen rot Winter 159%, Weizen hart Winter 170%, Mais 120, Hafer 53, Roggen 107. Ehikago. 22. Juli. (Tel.-Komp.) Weizen per Juli 160%, September 147%, Dezember 148%; Mais per Juli 102, September 104, Dezember 86; Hafer per Jutt 43%, September 44%. Dezember 47; Roggen per Juli 93, September 96, Dezember 99%. fortgeschrittenen Landwirtschaft gedeihen kann. Allerdings muß ich hinzufügen, daß ich auch die Bodenkultur als einend Teil der Industrie ansehe. Landwirtschaftliche Betriebe, die nicht so kalkuliert sind wie ein industrielles Unternehmen, muß ich äblehnen. Bei industriellen Neugründungen halte ich für ausschlaggebend, ob die Möglichkeit des ^Portes gegeben ist. Nur dann hat das Unternehmest Aussicht aus Erfolg und bringt dem Lande -Nutzen. Ich arbeite gegenwärtig an einem Buche, -in welchem jeder Artikel unter Berücksichtigung der Exportbedingungen nach der näheren und 'weiteren Levante gesondert behandelt 'ist. Damit bin ich beim ersten Punkt meines Programms, der Textilindustrie, angelangt. Gegenwärtig müssen wir jährlich für mehr als 2000 Pfund Textilwaren einfühven. Aegypten produziert die beste Wolle, hat aber dieses Kapital schlecht genützt, weil es keine Ausländer zuließ. Wir sind jetzt in der günstigen Lage, aus den Lodzer jüdischen Fachleuten die besten anszuwählen. Ich halte die Fähigkeiten unserer polnisch-jüdischen Textilfabrikanten für eine starke Aktivpost. Soherr Sie, diese in Lodz erzeugte Wolldecke, ein Spezialartikel, müßte fortab in Erez Israel fabriziert werden. Man verfrachtet diese Ware von Lodz bis Japan. Wir haben den billigeren Seeweg und das weitaus billigere Rohmaterial. Wolle, Seide, Haus, Irrte sind aus der näheren Levante in bester Qualität zu holen. Nicht minder aussichtsreich ist die -Fischerei. Palästina lieg anr Meere und konsumiert bloß ein halbes Kilogramm Fische pro Kopf und Jahr. Hingegen wird rnasserchaft Fleisch importiert. Der neue J-ischnw liefert bloß ein Prozent des Fleischbedarfes rrrrd ich halte die Viehzucht in Palästina nicht für verrtabel. Di« Flächen sind zu klein und zu teuer, nur rationelle Viehzucht zu treiben. Deshalb ist die Fischerei aussichtsreich und notwendig, zumal die Juden gerne Fische esserr. Bisher gab es bloß in Saloniki Mische Fischer und Sie wissen, daß wir vor kurzer Zeit JUWELIER / MORIZ OESTERREICHER I. Wlppllngerstraße 29 Stetar Eingang besonders preiswerter Juwelen und Silberwaren Grosses Uhrenlager 5112 Eigenes Aielier_ Heimatslosen z n e i n e r G e nr e i n d e ihres Bereiches. Welches Bundesland aber in Frage kommt, wird von Fall zu Fall nach einer Reihung der Bundesländer vom Bundeskanzleramt festgelegt. 6. Wie werden Personen österreichische Bundesbürger und in einer österreichischen Gemeinde zuständig, die infolge Ter-minverlusten oder wegen der Bestimmungen der Minderheitenschutzverträge Polens, Jugoslawiens und Rumäniens die österreichische Staatsbürgerschaft verloren haben? Antwort: Die Versäumnisse des Terminvcrlnstes können unter keinen Umständen nachgesehen werden. Diese Personen müssen, wie alle anderen Ausländer, um die freie Verleihung der österreichischen Bundesbürgerschaft ansuchen. Personen, die unter die sogenannten Mindecheitsverträge fallen, werden, soferne sie seit dem 16. Juli nicht freiwillig eine ausländische Staatsbürgerschaft evworben haben, mit dem 16. Juli 1920 österreichischer Bundesbürger. 7. Welche Bewandtnis hat es mit der angeblichen -Vorlage eines Naturalisati-onsgesetzes? Antwort: Bezüglich dieser Meldung kann mitgeteilt werden, daß es sich hier um nichts anderes, als um, die gesetzliche Naturalisation des § 24 des Gesetzes über den Erwerb und den Verlust der österreichischen Landes- und Bundesbürgerschast handelt, nach welchen jene Personen, die die Staatsbürgerschaft durch die sogenannten Minderheitsverträge verloren haben, die österreichische Landesnnd Bundesbürgerschast kraft des Gesetzes verliehen erhalten. _ Pest im Pikst«». Wie aus Athen gemeldet wird, sind im Hasen vo^ Piräus drei Erkranknngssälle ausgetreten, die von der Hafensanitätsbehörde als pestverdächtig bezeichnet werden. Man bringt die u n günst ige n sa nitären Zustände im Piräus und die Massenanhänsung van griechischen Flüchtlingen aus Kleinasien in der heißesten Jahreszeit damit in Zusammenhang-. __ Dar beste Geschält in Amerika. Zentralverschleiß für Spirituosen. Aus New - Dork wird berichtet: Die New-Tjorkel Polizeibehörden haben in einem Geschäftshaus der Broadway eine ZentralVertriebs stelle für geschmuggelte Spirituosen anfgedeckt, die ihren Handel mit verbotenem Alkohol über ganz Amerika erstreckte. Die Entdeckung dürfte zu einem großen Skandal führen, da die Polizei Kundenlisten mit über 25.000 Narr: en, darunter den angesehensten Persönlichkeiten der New-Ijorker Gesellschaft, beschlagnahmt hat. Die Gesellschaft arbeitete mit gewaltigen Propagandamitteln und offerierte in den entlegensten Städten der Union die prompte Zustellung von Champagner, Wein, Bier, Whisky und feinsten Schnäpsen aller Art in Kisten aus Kredit oder gegen Barzahlung. Die Zustellung erfolgte gewöhnlich in hocheleganten R eisekossern, die per Eilgut m das von den Kunden namhaft gemachte einige von ihnen na-ch Aceo und Athlit verpflanzt haben. Es müssen nichtjüdische Fachlaute eingestellt -werden, welche unsere Leute tu der Hochseefischerei unterweisen, die allein Aussicht aus Erfolg hat. Man müßte längs der gangen Küste Fischerdörfer bauen und unsere Fonds, der Keren Kajemech und der Keren Hajesfod, müßten die Fischerei ebenso budgetieren wie die Landwirtschaft. Schon ist die Idee der Schaffung einer Handelsflotte aufgetaucht. Eine gesunde Idee. Boraussetzung aber ist die Ausbildung und Verwurzelung eines jüdischen Fischevstandes, der die Seeleute boistellt." Mit besonderem Nachdruck tritt Herr Tischbr für das dritte Glied des großer: Trios", für die Steiniudnstrie, ein, in welche er die Bearbeitung von Sand -und Ton einbezieht. Er weist prachtvolle, behauene und geschliffene Exemplare von herrlicher Farbenwirkung vor: „Wir verfügen über ausgezeichnete Sorten und haben reichste Anstvahl. In Italien leben zwei Millionen Menschen von der Steiniudustrie — und wir müssen jährlich um 30.000 Pfund Steine 'be-i den Ara'bern kaufen. Nicht zu vergessen, daß drrrch die große Bau-bewegurrg die arabischen Steinpreise maßlos steigen. Schon aus diesem Grunde rnüsserr wir selbst Steine brechen und bearbeiten. Der Anfang ist -da. Wir haben vor 18 Monaten Fachleute des Solelbolr-eh ausgetvählt und begonnen, zwei Steinbrüche arrzulegerr. Die wichtigste Vorarbeit ist die Urbarnmchung des St-einbruches. Man rrmß die nötige Mauer für den giveckmäckigen Abbau herstellelr. Hierzrr ist ein Budget von 7000 Pfund erforderlich. Ich trete dafür ein, daß aus nationalen Mitteln ein Steinbruch in Betrieb gesetzt wird, um die Privatinitiative anzueifern. Ich zweifle nicht, daß sie Nachkommen wird, denn die Steiilirrdnstrie ist nicht nur int Lande äußerst lohnend, -sondern arrch für den Export zu sruktisizieren." Ich erfülle meirre publizistische Pflicht und gebe Tischbis „Programm des aroßen Trios" wieder, wie ich B von ihm hörte.