Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2305 (22.7.1925)
- Date
- 1925-07-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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I Wien, Mittwoch Wiener Morstenzeitung. sosö ’m W67 MÄ 88 derselben Tagung wurde and-» die folgende Rebctrcffcud den umerikauisch-jüdisclieil Kongreß snmcn: )ic diesjährige Konvention der Zionistischen ^7rgoni- "St von Amerika spricht abermals ihre Zustimmung Idee einer organisierten »lud r e P r ä s r U-- i v e n Körperschaft des amerikanischen Juden- ^lms. »vie sie im ai»»erikanisch-jüdischen Kongreß zum Ausdruck komnit, aus und verpflichtet die Z i 0 n i st i s ch e Organisation uitb die ihr angeschlosscnen Vereine zur Unterstützung der Arbeit des a,nerikanisä)-jüdischen Kongresses. Tie Konvention beschließt,, daß die zionistischen Tistriktsverbände auch tveitcrhin die a m c r i k a n i s chjüdische Kongrcßbctvcgung durch eine jährliche Kopfsteuer tarn 5 Cent pro Mitglied zu unterstützen haben." Sngland und der Zionismus. Rede des Vertreters der englischen Regierung auf der Washingtoner Konferenz der amerikanischen Zionisten. . In Vertreinltg der englischen Botschaft in Mnerika und der britischen Regierung hatte Mr. Joyce B ro de r i ck an der Eröffnungssitzung der IahrcSversam-tnlung der Ziomstischen Organisation von Amerika tcilgc>',ommen. In seiner mit großem Verfall tMtfgettom* menen Begrüßungsrede führte Mr. Brodcrick aus: ,,Als ich die begeisterten Redei: meiner Vorredner hörte, empsand ich es so recht in meinem Herzen, daß ich mich mit Ihnen eins fühle und daß mein Platz unter Ihnen iist. Ich habe Ihnen bcu Ausdruck aufrichtiger Freundschaft des englischen Botschafters und die basten Wünsche der britischen Regierung für den Erfolg Ihres Werkes zu übermitteln. Ich bin wohl Irländer, doch glaichc ich, dos es mein gutes Recht ist, über Großbritannien ein gutes Wort zu sogen. (Heiterkeit.) Gestatten Sie mir nun, Ihnen ohne jede falsche 'Bescheidenheit zu erkläret!, daß Großbritannien seine Geschichte mit einem n e u c n Ruhmesblatt bereichert hat: der Name des britischen Reiches wird für alle Zeiten mit der W i e de rg c bu r t, dem W: ede rausbau und der W i cd e rc r 0 b er u n g des jüdischen Heimlandcs verbunden sein- (Die Bersanrmelten erheben sich von ihren Sitzen und bringen dem Redner stürmische Ovationen dar.) Ich glaube daher, daß Sie von der Aufrichtigkeit der von wir überbrachten Botschaft überzeugt sein werden. Durch die historische Deklaration der englischen Regierung im Jahre 1917 ihat die Weltgeschichte in .vielen .Hinsichten eine tiefgehende Aenderung erfahren. Erst kürzlich 'haben wir einen -Beweis unseres guten Willens -und unserer Aufrichtigkeit. geliefert, indem wir zur historisch bedeutungsvollen, geradezu dramatisch begeisternden Eröffnung der hebräischen Universität auf dem Skopus'berg unseren ältesten, klügsten und -bcliöbtestell Staatsinrauu, Lord Balfour (die Versammlung erhobt sich, stürmischer Beifall), delegierten. Lord Balfour ist seit seiner Rückkehr womöglich noch tiefer als früher davon überzeugt, daß er seinen König gut beraten habe, alser vor schlug, als Freund und Beschützer des Wiederaufbaues des jüdischen Heimlandes aufzutretcn. In der letzten Zeit entnehme ich Ihrer Presse'als auch den Gesprächen mit Ihren Freunden und Anhängern, daß sich in Ihren Reihen eine übrigens natürliche Ungeduld darüber fühlbar »Nacht, daß nicht alles so vorloärtS geht, wie Tie es wünschten. Ich glaube jedoch, daß, wenn es überhaupt ein Volk in der Welt gibt, daß geduldig zu sein vermag, das Ihrige es ist. (Heiterkeit.) Ich halte cs jedoch für unrichtig, nicht auch die andere Seite der Medaille zu beachten; dasjenige, was in den letzten Jahren bereits e r r e i ch.t worden ist. Bor zehn Jahren war das jüdische .Heimlauld in der Tat noch ein Traun». Es bestand dort noch keine einzige Sache, von der man sagen konnte, sie 'hätte eine Zuikunft. Und dennoch! Im Verlaus von wenigen Jahren ist die Idee des jüdischen Heimlandes nicht nur von allen Kulturvölkern anerkannt worden, in Erez Israel selbst hat das Aufbaüwerk großartige Resultate erzielt. Die' Ungeduld ist däher, wie aus den lebendigen Tatsachen zu ersähen ist, wenn auch natürlich und berechtigt, unbegründet. Ich 'habe das volle Vertrauen, daß die Schwierigkeiten, die der Erreichung alles dessen, was Sie »volleu, im Wege stehen, bald überwunden sein »verdeu. Jedenfalls bin ich in der Lage zu erklären, daß, soweit die Uebevwindung der Schwierigkeiten von der britischen Regierung abhängt, sie gewiß überwunden werden. (Beifall.) Ich danke für die Einladung und cs »var »nir eine ivcvhrc Freude, Ihnen die Botschaft herzlicher Sympathien und des guten Willens der britischen Regierung überbringen zu dürfen. (Anhaltender Beifall.)" _ Aiwa» Pascha in London. England mit einem ägyptischen Sirdar einverstanden? London, 31. Juli. (Tel.-Komp.) Der ägyptische Premierminister Ziwar Pascha wurde gestern nachmittags im Foreigne Office von C h a m b e r l a i n ernpsangert und hatte eine längere Besprechung. „Daily Telegraph" meldet, daß die ägyptische Regieruug beschlossen hat, zu in Sir dar einen Offizier der ägyptischen Armee zu ernennen. Die englische Regierung habe ihre Z u st i m m u n g unter der Bedingung gegeben, daß der zu Ernennende kein Engstrudseind sei. Andre Spire über seine Mission. Mische Landwirtschasiaarbeiter «ach Südwestsrankretch Tie „Wiener Morgenzeitung" hat wiederholt I stark ausgetreten. Es fehlt alt Arbeitskräften, ' jüdischer land- Felder zu bearbeiten und um auch r über den Plan der BerWairzung .... w i r tisch af t l i cher Arbeiter aus Osten roD» nach Vndwestsran kreich berichtet. Dieser Plan ist vor längerer Zeit in demKreisen der jüdischen WelthilfSkonferenz aufgetaucht und da-t die Volle Billigung der französischen - Regierung gefunden. Herr Andre Spire, der jüdischen Walt als ein Mitglied der zionistiischett Abordnung beim Friedenskongreß bekannt, hat diesen Gedanken als ersttr ausgesprochen und seine große Anwrität in den Dienst der guten Sache gestellt. Herr Spire ist Generalins'pcktor im Landwirtschaftsministerium und als solcher mit den elnschlägigeu Verhältnissen des Landes wohl vertraut. Sein zionistisches Bekenntnis bat. ihn auch zu einer im besten Sinne sozialen Anis sassüng der irischen Fragen geführt. und er hat mit Feuereifer dse Aktion der jüdischen WelthiWonferenz an den .zuständigen Stellen in Paris vertreten. In der letzten Zeit hat Herr Spire gemeinsam mit Herrn Kaminka von der jüdischen Wsl-tihllfskonfcrenz eine Reise nach R u m ä n i e n unternommen, um durch persönliche Einftnßimhnic die Aktion in das Stadium der Realisierung .zu überführen. Wir haben berichtet, daß die beiden Herren sich mit der rumänischen Regiernng in Verbindung gesetzt ha>bcn und daß sie auch die jüdische Ochfentlichkeit Rumäniens mit dein Plan persönlich bekanntgemacht haben. Dieser Tage ist .Herr Spire ans Rumänien znrückgekehrt. Eine kurze A»»voseichei-t in Wien gä>b Gelegenheit zu einer Aussprache eines unserer Mitarbeiter mit Herrn Spire, der ihnr die folgenden Mitteilungen machte: _ Es handelt sich für uus zunächst tza-vutn, einen ersten Versuch zu machen. Wir haben fostzustellen, ob die Leute, wolche nach Frankreich kommen, sich bei uns akklimatisieren fönn-ew und wollen. Daß es möglich sein wird, zwischen ihnen und der ländlichen Bevölkcntug des iu Frage konnnenden Gebietes ein gutes Einvernehmen herzu stellen, steht für uns außer Frag e. Frankreich kennt keinen Antisemitismus. Menu unser erster Versuch gelingt, dann ist cs möglich, die Za-Hi her in die Landwirtschaft anfzunehluenden jüdischen Menschen außerordentlich zu. steigern. Unser Plan wurde dadurch «hervorgerufen, daß in Frankreich zehn Departements zu wenig landwirtschaftliche Arbeitskräfte und zu wenig ländliche .Handtverkcr besitzen. Es gibt zuwenig Tischler, Dachdecker, Zrmmermalcr usw. Ich will betonen — und dies ist sehr wichtig —, daß es sich nur u-m Auswdlung l auf dom flachen Land handeln kann. Die Städte leiden auch in Frankreich ebenso . tvie in der ganzen Welt unter mannigfachen Krisen.' Die während des Krieges zerstörten nördlichen, und nordöst- l'chen Departements, in denen die Bautätigkoit sehr rege geworden ist, ziehen alle .Handwerkskräfte aus dem ganzen Lan-d au sich und infolgedessen ist insbesondere im Südwosteu eiu Mangel entstanden, 'der sich sehr-stark fühlbar macht. Das ist der Ausgangspunkt unserer Aktion. , Es kommen 36.000 kleinere Städtchen oder Dörfer in Petracht, wobei-auf jede einzelne Siedlung ein Arbeiter entfallen. Würde. Da's bedeutet, daß insgesamt 3S.VV0 Familien angesetzt »vorden können.' Wir wollen mit keine Masseue iuwanderu ng einleiten, die vielleicht zu einer ^konzentrierten Siedlung führen würde, was dann. Wieder unangenchme Korrflikte schaffen könnte. ES handelt sich uns -nur »mr die Ein'wanderu'ng von Einzelsa'nrÄien, die über das garrze Devritoviuni verkeilt iverden können. Daraus ergibt sich, daß diese Aktion absolut keinen politischen Charakter haben kann. Die EiMvgndernden werden in einem Zeitraum von etlva vier bis sieben Jahren die Naturalisation eoha-lten, »venu sie dies -wünschen. Alle Kinder, die auf französischenr Boden geboren werdin, sind eo ipso französische Staatsbürger. Wir haben uns zuerst nach Rumänien gewendet und beginnen dort mit unserem Versuch, nicht nur desihalb, weil Rumänien ein Fvankveich verbündetes Land ist, sondern auch deswegen, weil u-ns mb der ganzen jüdischen OeffeuÄichkeit bekannt -Ist, daß in Runiänien, insbesondere aber .; in Betzarabirn und in der Bukowina eine große Zahl jüdischer Landwirte lobt, -die infolge der betaidntell Entwicklung der Letzte»» Jahre die Tendenz zeigt, vom Land in die Stadt zu ziehen. Wir sind von der run»Luischoit Regierung urit aller Liebenswürdigkeit aufge-' nommen worden. Die jüdische Bevölkerung hat unseren Gedanken vollkommen ersaßt und steht ihm »Nit aller Sympathie gegenüber. Wenn die französische Regierung ihre, letzte Entscheidung getroffen haben wird,' so iverden sich sicher im ersten Augenblick vier- bis füufhiNldert Familien »neiden. Es 'besteht aber nicht die Absicht, die Sache ht Überstürzter Weise durchzuführen, sondern es werden im Lause von ein bis zwei Monaten ' zirka hundert Personen als erste Etappe nach dem Süden von Frankreich gebracht werden. Das Gebiet, in das sie kommen, ist ein Viereck mit den Eckpunkten Bordeaux, Toulouse, Perpigna» und Bayonn«, also das an die Pyrenäen angrenzende Territorium. Dort ist der Mangel an Arbeitern u»rd insbesondere an landwirtschaftlichen Arbeitern sowie Hanhwevkern be^rnders um dla nur die notwendigsten^R e p a r a t u r e n i m B a u u n d i m H a U 's-' halt vorzunehmen. ''! Die jüdische Weltzhilfskousereuz hat nun in Kenntnis dieser Umstände mit der französischen Regierung Berhand-- lnngen eittgoleitet. Es sind VcrcinbavnngeN zustande gekonunen, tvelch-c darauf hinansla-n-sen, daß die französische Regierung, inSbesonderc -das LandwirtschaftAministerium und das Ministerium des Acnßern,;,v ■ \ die jüdische WelthilfSkonferenz als den offiziellen Ber«' treter der Interessen der jüdischen Wanderer , f anerkennt. Diese Verhandlungen sind zu einen: Abschluß gelangt und das bezügliche Protokoll ist von -der französischen Regierung und von der Wolthilfskonferenz unte»^ zeichnet worden. Wir gohen von -dem Grrmdsatz aus, daß jede Art von Philanthropie zu unterbleiben hat. Deshalb bilden wir für die Finanzierung der -Einivanderung eine Bank, wolche den Namen „Utvited j c w i s h pevple bank" führei: wird. Die Vorarbeiten sind tu, vollem >Gange und die Bank wird ihre»» Sitz iu Paris halben. Doch wird bis zum -Zeitpimlkt ihrer Aktivierung auf andere Weise -dafür vorgesorgt werde»», daß die Einlvanderer für die erste Zeit ihren LebensuntcHailt bestreiten können. Betonen muß ich, daß die Veroi-nbarnngen durchaus den Bestümmrngen der französischen sozialen Gesetzgebung entsprechen, die sehr hoch entwickelt ist. Die Löhne der'ei'nwarrdernden Arbeiter dürfen nicht niedriger sein als -die Löhne der gleichqualifiziert-en französtsche»: Arbeiter. Alle Vorteile der U u f a l lv e r>s i ch e r u n g -usw. müssen den: Eirrtvandcrer sofort in vollen: -Umfa-ng zustatten konrmen. Ein ilandwirffchaftlicher Arbeiter Dannaußer Wohn-ung und Verpflegung jährlich 1600 Frauken verdienen, wolbe-i zu ben»erken ist, daß er er-»:mail täglich Fleisch und zu' allen Mahlzeiten Wein bekommt'. Es wird dafür gesorgt werden, ' daß die ijüdische Qcffentlichkeit auf «das genaueste mit der lla-ndillirtschäftlichen Verhältnissen in den: betreffenden Gebiet bekannt gemacht wird. Sie kann aber heute schon dessen sicher sein, daß die französtsche.Regierung diese-Angelegenheit als eine Frage der Billigkeit und der Kultur be-'ha-ndeln wird und daß die großen Traditionen! -des Staates, der als erster die Freiheit der Bürger und die Menschenrechte ausgesprochen hat, auch in der Behandlung dieser. Frage voll zum Abdruck kommen werden. Die -ftanzösische Re- Kerung,weiß.,..;. .... r •y.. , die Staatstreue und -Loyalität der jüdischen Bevölkerung zu schätzen, und sie ist, wie ich versichern kann, ilber.ze-irg-t, daß sie auch mit dem jüdischen A rbe itc rn. "'die sie a-uS der Ferne zu sich einlädt, die besten Erfabrnngele »nachen wird. Es sind -denn auch bereits an die französischen Konsulate in Rumänien die uotwpndigen Verfügungen eM-ngen. -i^n-der Bukowina und in Beßarabi-e-n sind jüdische Kommissionen.zur -Auswahl der in'Betracht koinineNden Arbeiter -nud. Han.diveÄker, wie Schlosser, Tischler, Zimmerl-euje, Sattler, Wagner, Drechsler und Maurer gebildet worden. Sie stehen it: Fühlung mit den französischen Konsulaten,' welche den von den Kommiffionen vorgeschlagenen Personen das Visum K::. erteilei: habe». Für jeden einzelnen wird schon im vorhinein bcsti-rnnit, wohin er kommt und -wo er arbeiten wird. Er ivlrd also in ein besti'mm-tes Dorf oder ein Städtchen dirigiert werden. Da wir, wie schon erwahni, alle Methoden der P'hÄanthvopie äblehnen, so ha'ben wir prinzipiell erklärt, dab jeder . - auf seine: eigenen Kosten zu reisen hat. Sollten Kredite notive-ndig sein, so wird die -zu bi-ldcuds B ol k s baut dafür sorgen. Es kommen für dis Aus- Wanderung in erster Reihe Flüchtlinge und in zweiier Reihe die sogenannten landlo-s«M- Oers0neu in Betracht. ' * ' ' V-'; :v! Erwähnt fei noch, daß aus einer Reihe von südfranzösischen' Mdten bereits Anmeldungen von Arbeitsstätten vorliegen und daß auch Aemter um die Zuweisung von Arbeitern angesucht haben. Dies -beweist, -daß ein Bedürfnis siir diese zuverlässigen, ehrenhaften und brave»: jüdischen Arbeiter besteht, und Wir Hüffen, daß die Aktion den: Jude ntum uu-d Frankreich zu Ehre und Nutzen g?reichen »vird. -- - ' . Kundgebungen in Beirut. Beirut, 21. Iu-li. (Havas.) Im Lause einer Kund» gelbung der M i e ter wurden die Feiffterscheiben der .Polizeidirektion -mit Sie in würfen eingeschlagon. Die Polizei ffe w e x t e aus die Manifestanten,. Iwodurch drei derselben getötet rmd einige VerMünde t wurden. Ber MaroNokrie». Rabat, 21.'Juli. (.Havas.) Eine Gebende Gruppe hat sich aus Ain Äischa und Ain Maat ns vorgeschoben. die sie nach glücklichem Kampfe, erreichte,. Di« Riifkontingente, die angegriffen worden waren, habeq sich größtenteW gegen Norden Kurückgezogen, wobei-M chre Toten und Verwundete mit