Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1925-07-22 · Heft 2305 (22.7.1925) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
7 (1925)
Issue
Heft 2305 (22.7.1925)
Date
1925-07-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2979076-2981191-2981390--23409-3010924
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

SeKe 8 IPolen: 20 arosz^ Wien: Zum Abholen in der Expedition, II., Taborstr. 1-3, oder In einer Verschlelsstelle (Trafik) monatf. 5 Schilling Strassenverkauf in Wien durch die Kolporteure der Firma Ool dschmied, I.. Wollzeile 11 Mit Postversand für Wien und Oesterreich monatlich 5 Schilling D2eH«'Cho-Slowakei: Mon.K22. Jugoslawien: Mon. Din. 60. Polen: Mon. 4Zloty. Deutschland: Mon. Om. 4, Frankreich, Belgien: Mon. Frcs. 18 Nachzahlungen bet P r e t %• erhOhangen Vorbehalten Wiener Morgmreilung o Rr. 2305 Wien, Mittwoch. 22. 8«N 1025 England: Mon.« Italien: Monat!.' Rumänien: Mon. 1 Bulgarien'Mon.lOOl"" Schweiz und das tibi Ausland monatlich Frcs. ] Redaktion, Administration^! Wien, II. Taborstr. 1 Telephone: 44-0-3G, 43-3-19 Ab 6 Uhr: 21-102, 25-2-82 IX., Universitätsstrasse 6-8 (Di uckerei lg. Steinmann) Oesterreichisches Postsparkassen-Konto Nr. 150.693 7. Jahrgang Die Aktionskomitee-Sitzung in London. Ser Bericht der PalMnaerekutive. (Sigendienst der „Wiener Morgenzeitung".) London, 21. Juli. In der ersten Sitzung des Aktionskomitees erstattete, (wie bereits kurz gemeldet), Kolonel Kisch den Bericht über die politische Lage in Palästina. Er knüpfte an den jüngsten Besuch des Kolonienminlsters Amery in Palästina an und schilderte dann die Beziehungen der Zionistischen Exekutive zu der Palästinaverwaltung. Kolonel Kisch betonte die Wichtigkeit der vor kurzem vollzogenen Einverleibung des Landstrichs zwischen Maan und Akaba sowie dieser beiden Städte selbst in das Territorium von Transjordanien. Dadurch kam der erwähnte Landstrich endgültig unter das Palästinamandat. Die innerpolitische Lage in Palästina setzte Kolonel Kisch fort — hat seit dem 13. Kongreß eine gewisse Veränderung erfahren. Die Bemühungen zur Schaffung der Basis einer Zusammenarbeit mit den Arabern auf sozialem, kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete müssen mit gesteigerten Kräften fortgesetzt werden; auf dieser Basis ist eine Verständigung viel einfacher und aussichtsreicher, als wenn man sich auf das politische Gebiet verlegt. Die organisierte jüdische Arbeit in Palästina ist auf dem richtigen Wege, indem sie die Vorteile ihrer Organisation auch der arabischen Arbeit zuteil werden läßt. Es sei jedoch dafür gesorgt, daß diese Tätigkeit die Fellachen nicht in eine Kampfftellung. gegen die Efondis bringe. Kolonel Kisch berichtete sodann über die Landfrage, über die neuen Landkäufe sowie über den Stand der Einwanderungsangelegenheit. Bezüglich des letzten Punktes betonte er die Wichtigkeit der Erlangung gesicherter Rechte für die Zionistische Exekutive bei der neuen Regelung. Die neue Verordnung ist noch nicht in Kraft. Bezüglich gewisser noch nicht geklärter Punkte ist die Exekutive mit der Regierung in Verhandlungen getreten. Die Exekutive hat erst jüngst mit Bezug auf die Fragen des Transports und der Einwanderung beträchtliche Verbesserungen erwirkt. Zum Schluß brachte Kolonel Kisch die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß in den letzten zwei Jahren der politische Einfluß in Palästina stark zugenommen hat. Das ist dem Wachstum der jüdischen Bevölkerung und der von den Einwanderern geleisteten vorzüglichen Aufbauarbeit zu danken. Diese Faktoren unterstützten ihn sehr bei seinen Verhandlungen mit der Regierung. Dr. Viktor Jacobson, der Vertreter der Zionistischen Organisation in Genf, erstattete einen Bericht über die Position Palästinas . innerhalb des Völkerbundes. An dieses Referat schloß sich die allgemeine Aussprache über die Berichte Dr. Weizmanns und Sokolows an, die bis Mitternacht des 17. d. andauerte. Im Verlaufe dieser Aussprache gab Robert Stricker die Gründe seiner Resignation als Vizepräsident des Aktionskomitees bekannt, insbesondere sprach er sich ausführlich über die Gründe seiner Opposition gegen die Erweiterung der Jewish Agency aus. An der Aussprache nahmen unter anderen teil: Prof. Otto Marburg, David Bell in, Jean Fischer, Abg. H. Farbstein, Dr. H. Goldstein,; Dr. Robert Weltsch und Dr. F e d e r b u s ch. Zum Schluß erwiderten Dr. Weizmann und Sokolow in längeren Ausführungen auf die während der Diskussion geübte Kritik. Weizmann über die Rnßlandavion des Joint. Am 15. d. hatte die I. T. A. aus New-York gemeldet: Mr. David A. Brown, der die 15-Millionen-Dollar- Kampagne des Joint Distribution Committee zugunsten der Aufbau- und Hilfsarbeit in Osteuropa im Herbst leiten soll, erklärte in einer Konferenz mit Pressevertretern, daß die Zionistische Organisation dieser Kampagne, die hauptsächlich der jüdischen Kolonisation in Rußland zugute kommen soll, nicht opponiert. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Dr. W e i z m a n n — versicherte Mr. Brown —' habe sein Ehrenwort gegeben, daß die Zionistische Organisation der Kampagne nicht entgegenstehen wird. In einem Gespräch mit dem Londoner I. T. A.-Vertreter erklärte Dr. Weizmann im Gegensatz zu der New-Norker Meldung, daß die Behauptung, er habe sein Ehrenwort gegeben, daß die.Zionistische Organisation der 15 - Millionen - Dollar - Kampagne nicht entgegenstehen wird, nicht ganz mit den Tatsachen übereinst i m m t. Dr. Weizmann habe Mr. Brown lediglich gesagt, die Zionistische Organisation werde, solange sie zu dem 16 - Millionen - Dollar - Drive nicht Stellung genommen hat, diesem Plan weder opponieren, noch ihn unterstützen. In diesem Zusammenhang ist auf die Resolution der amerikanischen zionistischen Konvention hinzuweisen, die folgendermaßen lautete: „Mit Bezug auf die Erklärung des Joint Distribution' Committee, daß ein Fonds von 15 Millionen Dollar zur Besserung der traurigen Lage der Juden in Osteuropa, insbesondere in Rußland, in Amerika aufgebracht werden wird, wobei eine Kolonisation auf breiter Basis in der Ukraine und in der Krim unternommen werden soll, glauben wir, daß es im besten Interesse der Judenheit liegen würde, alle Bemühungen auf die jüdischc Kolonisation in Palästina zu konzentrieren. Es wird somit beschlossen: erstens drückt die Konvention ihre Befriedigung aus, daß die Tätigkeit für die Behebung der wirtschaftlichen und kulturellen Not unserer Brüder in Osteuropa wieder ausgenommen wird; zweitens fordert die Konvention, daß in betreff der Kolonisation die Priorität P a l ä st i n a s anerkannt werde." Unterredung Dr. Weizmann-Marschall. Wie die I. T. A. erfährt, ist Dr. Weizmann vor kurzem mit Louis M a r s ch a l l in Paris zusammengetroffen und hat mit ihm die. Frage des Eintrittes der von Marschall geführten Gruppe der amerikanischen Nichtzionisten in die Jewish Agency besprochen. Die amerikanischen Kangrebdelegierte». Die Washingtoner Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation von Amerika hat für den 14. Zionistenkongreß folgende Delegierte gewählt: Louis Lipski, Dr. Stephen S. W i s e, Rüben B r a i n i n, Morris R o t e über g, Hermann C o n h e i m, Ab. G o l d b e r g, Bernard A. Rosenblatt, Emanuel N e w m a n, Jakob Fischmann, Israel Goldberg, Isaak Karmel, Miß Lota Lewenson, Isaak Meister, Doktor David G. Kaliski, Frau Simon Rotenberg, N. Ch. Ebin und Mayer W. Weisgal, alle in New- Aork; Max C o n h e i m, Hugo P a m, Dr. A. E. A b r amowitz und Matz Schulman in Chikago; I. K a h a n o w i tz aus Greenbourgh-Panama; A. B. K o h n aus Screnton; Jakob E d e l st e i n aus Philadelphia; Rabbi Aba Hillel S i l w e r aus Ckeveland; Sir Alfred Mond aus London und Dr. Schemarjahu L e w i n aus Jerusalem. Die zionistischen Ausgaben. —7. Wien, 22. Juli. Dem gegenwärtig in London tagenden Zionistischen Aktionskomitee hat Präsident Weizmann einen ausführlichen Bericht über die politischen und organisatorischen Angelegenheiten erstattet. Seine Ausführungen sind diesmal von besonderem Gewicht, zunächst deshalb, weil sie kaum einen Monat vor dem in Wien zusammentretenden Zionistenkongreß gemacht werden, dann aber, weil in die Berichtsperiode Vorgänge fallen, die in gleicher Weise die jüdische Gesamtheit wie die weltpolitischen Verhältnisse berühren. Die jüdische Wanderung hat sich in gefahrdrohender Weise vergrößert. Die Erleichterungen für den Einlaß nach jErez Israel sind noch nicht so weit durchgeführt, daß sie außerhalb dieses Landes ein Abebben des großen ^Stromes erzielen könnten. Die Ziffer von viertausend Einwanderern ist für Palästina relativ sehr hoch. Aber sie verschwindet neben den vielen tausenden jüdischen Wanderern, die in den Häsen der Weltmeere, an den Knotenpunkten der Weltverkehrsstraßen stehen und ein sehr gewisses Schicksal voll weiterer Verelendung vor sich sehen. # An diesem Problem versucht eine Menge von Mlfsgesellschaften, guten Herzens und guten Willens, ihre organisatorischen Fähigkeiten. Der Zionismus, der doch die politische Kristallisation dieser Frage ist, wird sie auf die Basis seines nationalen Programms stellen müssen. Er kann sicherlich diese Menschenmassen nicht «von heute aus morgen in gesicherte Verhältnisse versetzen. Aber er verfügt über, reiche Erfahrungen, über lern Heer verständnisvoller und national .erzogener Menschen, die er in den. Dienst stellen kann. . Er muß «seine Organisation für diese Zwecke aufbieten und zuigleich überall in der Welt auch über die Frage der Wanderung die nötigen Aufklärungen schaffen. Es ist «in ungesunder Zustand, daß die Zionistische Organisation, die ja das Judentrun unterwegs ist, nicht die ^Zentralisation dieser Wanderströme und ihre Lenkung unternimmt. Es ist. gewiß kein leichtes Unterfangen, zwischen den Bedürfnissen der Wanderer undzwischen den Erfordernissen einer nationalen Siedlung die Harmonie herzustellen. Aber das Werk muß doch in ^Angriff genommen werden. Wir können nicht die Vertantwortung vor den: Judentum für die Gefahr tragen, daß so viele arbeitstüchtige Menschen, die, an dem einen .Punkt eingesetzt, unsere politische Arbeit in kräftigster «Weise fördern würden, dem Elend und der politischen «und sozialen Radikalisierung preisgegebeu werden. Die politische Lage des Zionismus, von der ja eine aussichtsvolle Entwirrung der Wanderungsfrage direkt abhängt, scheint sich in der letzten Zeit ein wenig zu entspannen. Präsident Weizmann hat mit vollem Nachdruck betont, daß eine Aenderung des britischen Systems nicht geplant ist und daß auch die Ernennung des neuen Oberkommissärs auf keinen Kurswechsel hindeutet. Wir haben schon gesagt, daß die Berufung eines Militärs ein Anzeichen dafür ist, daß die Londoner 'Zentralregierung in Hinkunft alle wichtigen Entscheidungen selbst fällen will. England muß die Entwicklung in Vorderasien mit ganz anderen Augen betrachten. Ihm ist Palästina auch aus ganz anderen Empfindungen ein wichtiger Punkt; während es -für uns das Land ist, bleibt es für England ein Land. 'Die Stellung der britischen Politik wird von den Forderungen eines kühlen Kalküls bestimmt und wir fmüssen uns dieser Situation anpassen. Freilich ist .unsere Betrachtung von anderen Momenten beherrscht.. «Das Land ist uns durch den Völkerbund als Heimstätte zugesprochen und England hat den Auftrag zu / erfüllen, den Aufbau dieser Heimstätte zu sichern. Die- 'sen Auftrag hat es selbst herbeigeführt und die politische Vorarbeit, angefangen von der Balfour-Doklal ration bis zum Beschlüsse von San Nemo, stellt zwischen ^England und dem jüdischen Volk ein viel, innigeres Verhältnis her, aus dein sich auch für uns die unoral ische Pflicht geduldigen Vertrauens ergibt. /' . Das kann unsere nationalen Aspirationen nicht i beeinträchtigen, die unverändert auf der Grundlage des ,Baseler Programms und der Völkerbundbeschlüsse En bleiben. Die Zionistische Organisation, die gemäß Bestimmungen des Mandates als jüdische Verng anerkannt MHchen drei gegebenen Größen ein Kompromiß zu finden: Die jüdischen Forderungen, die Stellung Englands, die arabischen Rechte. Der Referent der Palästinaexekutive, Kolonel Kisch, hat in seinem Berichte deutlich die Schwierigkeiten aus dieser politischen und wirtschaftlichen Konkurrenz gezeichnet. Er hat in bezug ans die arabische Frage sehr kluge Worte gesagt, indem er hervorhebt, daß die gemeinsame Arbeit an . dem Aufbauwerk viele Konflikte ahfchleift mch str günstige Momente zur Beurteilung der gesamten Lage schafft. Wenn man diesen Gedanken zu Ende ftihrt und an die großen Möglichkeiten eines friedlichen Zusammenwirkens zwischen Juden und Arabern denkt, dann erkennt man auch aus dieser Seite der Frage die große weltpolitische Funktion des Zionismus, der Friedensarbeit im schönsten Sinne des Wortes verrichtet. Der Wiener zionistische Kongreß wird dies der europäischen Welt in ganz besonderer eindrucksvoller Welle zeigen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.