Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2304 (21.7.1925)
- Date
- 1925-07-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2979076-2981191-2981389--23401-3010915- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
$Mtt S Wien, Dienstag Wiener MorgenzeilUng. 21. Juli 1025 tot. 2801 dies möglich ist: sicher ist, daß die Aufstellung dieses Zieles nur unter furchtbaren Opfern erfolgen könnte. Noch sicherer über ist. daß sie Politisch ein folgenschwerer Fehler iväre. Nur die Anerkennung der Ansprüche der Derber auf Selbstbestimmung kann Frieden schaffen. Painleve hat dies als seine Richtschnur bezeichnet. Die Wahlen zeigen, daß er hiebei ibie Mehrheit der Nation hinter sich hat. Budavester Mosaik. (Bon unserem Budapester KorrofpoiDeuten.) Bor fütts Jahren etwa erschien die berüchtigte Verordnung der ungarischer: Regierung, die unter dem Vorwände einer Revision der staatlichen Monopolkonzessionen tausende jüdische Trafikanten und Inhaber von Schankgowerbckonze.ssionen über Nacht brotlos gemacht hat. Die Verordnung g> bärdote sich damals ziemlich geräuschvoll, sie tmirde, da sie eine Konzession an die Weißterroristen war, von diesen als staatsrettende Tat begrüßt. Wie sich diese Patriotische Tat bewährt hat, mag aus der Tatsache beurtE werden, daß vor kurzem in aller Stille ein Erlaß des Jinanzministers erschiene:: ist, durch welchen den früheren Trafikbesitzern trotz der Entziehung ihres Trafikrechtes gestattet wird, Trasikwareu;.r verkaufen. Einen Kommentar hiezu bietet die Erklärung des Finanzdircktors Johann B o r o ß in MSkol^, in welcher er u. a. sagt: ,D>ie Trafikrcviiswn hat sich in der Praxis nicht bewähri. Die Finanzjbchörden haben im Lause der Jahre die Erschrung gemacht, daß die durch die Revision geschaffne Lage weder dei: Juteressen der neuen Trafikanten noch denen des Staates entspricht. Es wurde ailch festgestellt, daß der große Teil der neuen Konzessionäre' sich nur dadurch zu erhalten vermochte, daß er den früheren, jüdischen Trafikanten Mm stillen Kompagnmr nahm. Da in letzter Zeit auch die Laiwgemcinden über die llnzukönlnllichkeiten des neuen Systems klagen und der Fiskus schon bisher großen Schaden erlitt, bleibt der Regierung nichts anderes übrig, als die Juden, die ihrer Rechte beraubt wurden, wieder in ihre Konzessionsrechic ein;nf e tz e n." Trotz dieser bösen Erfahrungen mit der Trasitrcvision — über das Fiasko mit dem Rechtsranb an den jüdischen K i n rbesitzern haben wir wiederholt berichtet — setzt die Regierung unter dem Titel der Revision der S ch a n k l'r z c n;'c n ihre Jagd aus die Mischen Lizenzinhaber mit un-geschwächter Brutalität fort. In Budapest und Umgebung wurden fast sämtliche jüdischen Kafiechausbefitzer ihrer Schairklizenzen beraubt, indem ihnen das Recht, geistige Getränke zu verkaufen, entzöge,: wurde. Die sogenannte Revision der alten Rechte ist eine förmliche Tortur. Hat das Gesuch um Wöiterbelassung der in vielen Fällen Jahrzehnte alten Konzession die Kriminalevidenz, die politische Abteilung des Sammelgefängnisfes und Schubhauses, des Siitenamtes und des Bureaus für Preistreibereien passiert, so hat es. noch das größte Hindernis,- den Nachweis der Staatsbürgerschaft für den Bewerber n n d seiner Vorfahren, zu nehmen. Ta ergeben sich recht traurige Grotesken, wie der folgende Fall zeigt: Ein, jüdischer Kaffeesieder in der inneren Stadt. Budqpestv mußte im Lause des Revisionsverfahrens feine ungarische Staatsbürgerschaft Nachweisen. Er wies nach, daß er den Weltkrieg als Honvüdhcmptmann mitgemacht und n e u n Auszeichnungen erhalten hat. Bekanntlich können nach den. ungaviischen Gesetzen nur ungarische Staatsbürger .Mitglieder der Honved sein. Das genügte nicht. Der Gesuchsteller wurde aufgefordert, auch den Nachweis der Staatsbürgerschafi seines Vaters zu erbringen. Der Vater wurde aber in einer ehemals ungarischen, jetzt tschecho-slowakischen Gemeinde geboren, und ein Gebuvtszeugms war von dort nicht zu erlangen. Da kam der Bödrängte auf folgende Idee: Er fichr in jene Gemeinde, wo sein Bater und Großvater begraben liegen, ließ ihre Grabsteine mit den Inschriften photographieren, die Reproduktionen notariell beglaubigen und legte diese Dokumente als Beweis dafür, daß schon sein Großvater in chemals ungarischer Erde ruhe, seinem Gesuche bei: Porläusig .Must" dieses Gesuch noch. Hundert andere sind abgswiesen; die sie eingebracht halten, sind schon zu Bettlern gemacht worden, Sie Wahlen ln Frankeich. Das Linkskartell gewinnt 91 Hitze. Paris, 20. Juki. (Tel.-Komp.) Von den G e n e y a U ratsun d Arrondissemcntsratswahlen, bei welchen 1495 Plätze zu 'besetzen sind, sind 1190 Resultate bekannt. Rach der endgültigen Statistik sind gewählt worden: 115 Konservative und Liberale, 236 Repuhfi, kaner, 223 Linksrepnblikauer, 138 radikale NePublikaner. 4U Radikale und Sozialistisch-Radikale, 10 sozialistische Republikaner, 91 Sozialisten, 2 Kommunisten. 19 6 Stichwahlen sind erforderlich. Zwei Resultate stehen noch-aus. Die Konservativen und die Liberalen v o r l i e r e p % di« Republikaner 45, die Linksrepublikaner 35, die Kommunisten 5 Mandate. Die radikalen Republikaner gewinnen 11, die Radikalen und die Sozialistisch-Radikalen 58, die sozialistischen Republikaner 3, die Sozialisten 19 Mandate. Das Ka rte ll der L i nke n ge w i n n t-91 S i tz e. Alle neuen Minister und Unterstaatssekretäre.des gegenwärtigen Kabinetts sowie sechs frühere Minister des Kabinetts Herriot wurden wiedergervählt. Ferner wurden fünf Minister des Kabinetts Poincare gewählt, und zwar Louis Bart hon, Leon Berard, Magi not. D i e r und C h e r o n sowie auch der frühere Kanunerpräsident Raoul Perret. Keiner der tandidierendeu Minister wurde geschlagen, Auch de Monzie wurde gewäbit, desgleichen der frühere Prä,sid<ttt. der Bndgetkommission, Vineerit Aurioll Die Wahlbeteiligung war im allgemeiuen n u v-f ch w ach.. . Der Bestand des LinkSkartells. . Paris, 20. Juli. (Tel.-Komp.) Durch, eine Verordnung der Regierung wurde der sozialistische Abgeordiicte Lcvassenr zum Oberkommissär für das Wohnungswesen ernannt. Diese Ernennung wird dahin ausgeiegt, daß die Regierung das Kartell noch keineswegs als aufgelöst ansieht. An Friedensangebot an Abd el Krim Die Friedensbedingungcn Frankreichs und Spaniens den Emissären übergeben. Paris, 20. Juli. (Havas.) Ministerpräsident P a i nl e v c erklärte nach den: heutigen Ministerrat, Marschall P c t a i u werde so lange in Marokko bleiben, als es die Umstände erfordern. Wenn auch die B e m ü h u u g e n, e i u e u Frieden h e r b c i z u f ü h r e u, eifrig fortgesetzt werden, so werden doch alle Maßnahmen getroffen, nm die Front zn festigen und eventuell einen Schlag zu führen, der zur Herbeiführung eines sicheren Friedens notwendig werden könnte. Die - allsälligen Offensiv o p e r a t i o it e n werden erst dam: -beginnen,-wenn alles hierzu bereit ist. Seit heute sind zwei halbamtliche E n: i s s ä r e, ein französischer und ein spanischer, in: Besitze der F r i e h e nsbeding u n g e n, die A b d e l K r i m natürlich weder mitgeteilt noch vorgeschlagen worden sind, deren Kenntnis er sich aber, wie er weiß, v e r schaffe n kann. Wieder ein frattzösischer Rückzug. Fes, 19. Juli. (Havas.) Eine gus- T e r u a l eutfeatbete Kolonne hat die P osten Bab el Hoceku uub Ued Hamriu, die hartnäckig angegriffen worden waren, nach heißem Kmupfe befreit. Die Besatzungen der beiden Posten wurden zurückgezogen und die Verteidigungsanlagen zerstört. Eine andere Abteilung hat die Zugänge zur S t e l l u u g A in A i s ch a gesichert. Die Verluste des Feindes sind sehr hoch. . Tie ersten Abteilungen der M a r o k k o d i v i s i o u sind in Udschda eingetroffen. , Heftige Kämpfe am Uerghasluß. Paris, 19. Juli. (Havas.) Der „Matin" ineldot ans Fes: Der Kampf am-linken Ufer des Unergha hat wieder mit Heftigkeit eingesetzt. Die französischen' Truppen haben dort neue Vorteile zu verzeichnen. Die, Straße Fes e l B a l i - A i n A i s ch a. lu it r b c v v l lftän di g fr e i g e m a ch t. War Aegtzvten kostet. London, 30. Jnlii' (Tel. Komp.) In der heutigen Sitzung des UnterHausts teilte der parlanieutarische Sekretär im Kriegsamt ans eine Anfrage mit. daß die Kosten der ägyptischen Besatznngscn'mee für Aegypten und den Sudan sich jg: Fiskaljahr 101344 aus 654.127 Pfund beliefen, Während für das Jahr 1925-26 3,050.000 Pfund vorgesehen seien. In Aegypten habe es aber Var dfin Kriege kein' Fliegerkorps gegeben und dieses allein beanspruche in: "laufenden Fiskaljahr 1,127.000 Pfund. Ein sozialistischer Abgeordneter fragte, ob die Regierung. nicht beabsichtige. die englischen Besatznngstrüppeu aus Aegypten und dein Sudan zurnckznzichen. Der Parlamentarische Sekretär des. Kriegsämtks anttvortete nur: „Gewiß nicht!" Sin polnisches rorvstzohoot ertzlodieü. Danzig, 20. Juli. (Tel.-Konip.) Auf den: Polnischen Torpedoboot „Kaszub" entstand heute- Varmittags eine furchtbare Explosion, die das Boot in zwei Teile zerriß und sofort znw Si nk e n brachte. Kurz nach 8 Uhr ertönte im Dangiger Hafen plötzlich ein gewaltiger Donnerschlag und aus dem Torpedoboot, dessen Odlbunker explodiert waren, schlug eine riesige Flamme empor. Fast hie gesamte 8 0 M a n n zählende Besatzung des Bootes wurde schwer verletzt. Drei Mann werden vermißt. Das Torpedoboot „Kaszub" war das größte der sechs Torpedoboote der Polnischen Flotte. Sie volnlsch'jü»ische Mitbipuitf». Der Ministerrat ratifiziert hie Vorschläge der Minderhettsseklion. Warschau, 20. Juli. (I, T. A,) In seiner letzten Sitzung bestätigte der Polnische Min ist er rat hie im Detail mitgeteilten, von der Minderheitssektion der Regierung , vorgeschlagenen. 12 Maßnahmen, die einen Teil des Inhalts des Abkommens Mischen der Panischen Regierung und der Mischen parlamentarischen Vertretung bildem.___ , tu polnische Agrarresomgetetz angenommen. Lärm im Sejm. Warschau. 20. Juli. (Wolfs.) Ir» der heutigen Sejmsitzung ist das Gesetz betreffend die Agrarreform in dritter Lesung verabschiedet worden, ^as Gesetz iouvbe mit 20 0 gegen 10 Stim m e n hei ungültigen Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die D e n t s ch e n, die \\ krainv r. die W e i ß ru s s e n und diechristtichnatiunale G r ll p p e D u b a n o w i c z. Während der Abstinmlnng, die unter alldaueruvent Lärm vor sich ging, sah sich der Sejmmarfchall gezwungen, die Tribünen räumen und sechs Abgeordnett» die für drei Sitzungen ansgeschlassen worden waren, durch die P a r l a m e n t s w a ch e entfernen zu lassen, Ae veutsch'volnlsche Wkrtschaftrspannung. Di« Verhandlungen bleiben bis September unterbrochen. Berlin, 20. Juli. (Tel. Komp.) Wie die Blätter aus Warschau melden,, habe die Polnische Regierung nicht die Absicht, die deutsch-polnischen Wir-tschaftsv e r h a n d l u n g e n vor dem S c p t e m b e r wieder ausizuneihinen. Nachdem der Vorsitzende der Polnischer: .Handelsdelegation im Warschauer Ministerrat über die deutschpolnischen Verhandlungen berichtet hätte, sei von maßgebender Seite erklärt worden, 'daß mit einer Einigung in der Frage des deulsch-polmschelr Handelsvertrages vorläufig n i ch t zn rechnen sei. Ae deutsche Sicherheitrnote. Veröffentlichung Mittwoch. Paris, 20. Juli. Die Agence Havas meldet: Die demschc Antwortnote betreffend die S i ch c r h c: t sfrage ist den: Außenminister B r i a n d ü b c r r c t d) t worden. Die - Veröffentlichung wird am Mittwoch erfolgen. Nach dem heutigen Ministerrate teilte Außennünisler Br i and mit, daß die deutsche Antwort betreffend die Sicherheitsfrage :: a ch Mitteilung derselben an die a l l i e r t e n Regierungen gleichzeitig in allen belciligte» Ländern v e r ö s f e n t l i ch t werden wird. Mer in Sachsen. Schändung des jüdischen Friedhofes in Plauen. Leipzig, 20. Juli. Adolf Hitler hat nach dem Zufaminelibrnch seiner hochsiiegenider: Pläne in Bayern das Feld seiner Tätigikeit nach Ächsen verlegt. In den letzter: Tagen sprach er in Be:-samuTungeu der Nationalsozialisten in Ztvickan, Planen und in anderen Städten. Die erste Frucht dieser Werbetätigkeit Hitlers in Sachsen ist die Schändung des Mischen -Friedhofs in Plauen-Tanrterlhof. Tie neuerrichtete Leichenhalle< auf diesem Friedhof wurde in schändlicher Weise besudelt, sämtliche Wänide des Gebäudes, . ebenso Türen, Fenster usw., n:it-beschimpfenden Inschriften, die auf v ö l k i s ch e K r e i s e als die Täfer ganz hestilnmt hinq weisen, bemalt.. Die Täter konnten noch nicht gefab,^ werden. La« Italienisch.jugoslawische Abkommen. ' Rom,. 20. Jüli.'Das hentö in Neptuno nn-te rs ch r i e be n e i ta li en is ch--jug oslaw is ch e 'Ab-' kommen garantiert den Gebrauch der italienischen i Sprache in Talnratien un>d der jngoslaiwischerr Sprächen 4n Fiume. Ten Dalmatinern, die für Fiume, und den Fiumanern die für Jugoslawien optiert haben, wird; ber freie Erwerb v o n Immobilien gewährte istet. Die italienisches: Rechtsanwälte in Dalmatien rmb die jugoslawisches: in Fiume werden ihren Beruf frei .ausüben können.- Der Verkehr zwischei: Zara und dem Hinlaterlande ist im' gegenseitigen Interesse geregelt worden. Jugoslawien wird für seine Produkte den Hafen von Fiume als Transithafen benützen können. Die Konkurrenz der Heiden Häfen von Fu m e unb S n s s>a k ist ausgeischa'ltet worden. Den Angehörigen beider Staaten ist die Mckgabe der Summe!:, die ihnei: 'infolge der Beschlagnahmungen geschuldet werden, garantiert worden. Sämtliche S chu l d e n a n g e l e g e nhe it e n sind zur beiderseitigen Zufriedenheit geregelt worden. Poinleve beim WerrekchWen Sesnndten. Grünberger kommt nach Men. Paris, 20. Juli. Mnisterpväistdent Painleve Hai heute hem 'österreichischen Göslandten Dr. Grünberger seinen Gegenbesuch abgestqttet. Dt. Gmnberger hatte Gelegenheit, auch ' eine Reihe O e st e r r e i ch betreiffender aktueller Fragen eingehend zn besprechen, Der Ministerpräsident bekundete bos>onderes Interesse für deir Fortgang der B ö l k e r b u n d e xp e r t i s e. Im Züsammesthang mit der. österreichischen Wirtschaftslage wurde auch über die W i e n e r Messe gesprochen, dererr' Bedauinng und bisherige Erfolge der Ministerpräsident leb-, Haft anerÄnnte. Der österreichische GesaMe in Paris, Dr. Grünberger, ist haute stach Wien abgereist. - vemeinfgme AMnn der Haubesther gegen dar Mietengeletz. Eine Denkschrift an die PölkerbundeLperten. Die drei Hansbositzerverbände hoben - geuteinsam. eine Denkschrift verfaßt llntz desl B ö i k e r h n n d e x Pe ix t e n überreicht. Sie faßten ferner einen gemeinsamen Beschluß an. die Parteileitungen des Natiollälrates, worin sie sich entschieden dagegen wenden, daß das Mohnnngsanforderüngsgösey ohne E'uwernchmen mit der Hallsbesitzerschast verlängert wird. In der Donk-schrist, welche die drei Verbände bell Wirtschaftsexperten des Völkerbundes Mr. Lay ton und Prof. Rist überreichten, wird ausgeführt, daß ^das in dell Häusern angelegte Kapital kein« Perzinsnu-g trägt, daß die Attlortisationsqnotv heil .Hausbesitzern vorenthaltesi wird und daß der Wert der Häuser in etlichen AastzM