Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 7 (1925)
- Issue
- Heft 2303 (20.7.1925)
- Date
- 1925-07-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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ei» geschäftliches Unternehmen ins Leben zu rufen. Für ■ die fiedlungSlustigen Elemente, deren Zahl sich mit jedem Tage vermehrt, wäre die Erwerbung eine« fertigen Farm eine Wohltat. Sieht man, wie viel Energien im Kampfe mit dem rohen Boden und der unkultivierten Umgebung verloren gehen, Kräfte vergeudet werden, Geld verloren wird, so wird man Handls Glauben akzeptieren, daß sich dann rein Käufer für unfertigen Boden finden wird. Sdekulation in Boden ist «in leichtes Geschäft. Boden-; Erschließung aber und Errichtung von Farmen ist eine ernste Arbeit, die Kenntnisse und Erfahrung erfordert. Wenn die unternehmende Gesellschaft hiebei auch verdienen .soll, so ist der geforderte Mehrpreis ein wohlverdienter Wertzuwachs, dessen Höhe durch die Rentabilität der angebotenen Wirtschaft bedingt wird und nicht spekulativ! unbegrenzt hoch sein kann, wie eS dort der Fall ist, wo Boden allein verkauft wird, von dem keiner der bei dem Geschäft Beteiligten sagen kan«, was er wert sein wird, wenn er produktiv gemacht werden wird. Auch Kutzenoks „Farmsrbank" behandelt die Frage der Kreditgewährung an Siedler. Er steht die Kredttbasis für eine solche Bank in dem großen kapitalSsähigen Kreiß von Klienten, die die Gesellschaften „Zion Commonwealth" (in der Kolonie Herzliah) und „Meschek" (in Litauen, Polen, Lettland usw.) herangezogen haben; es sind Elemente, die „über ausreichende Mittel, materielle «nd moralische Verbindungen in den reichsten Ländern des jüdischen „Galuth und Über kräftigen Willen und jüdische Energien verfügen". Die Kolonisation der jüdischen Kleinbürger werde dadurch erst ermöglicht werden. CS läßt sich darüber durchaus nicht streiten, daß ein gesunder landwirtschaftlicher Kredit die Siedlung fordern mutz. Was aber dem vorausgehen mutz — und dies übersehen beide Verfasser —- ist d!« Schaffung eines solchen Wrrtschaftsthps, der durch seine Rentabilität die unbedingt erforderliche Sicherheit für die Kredite gewährt. DaS gegenwärtige Bild der ländlichen Betriebe Ist ein derart betrübendes, daß ich nicht in der Lüge wäre, sie als eine genügende Sicherheit für einen bankmäßigen Kredit zu bezeichnen. Eine 100-Dunam- Wtrtschaft, die auf Getreidebau basiert, kann einfach in Palästina nicht soviel abwerfen, um einen größeren Teil der Anschaffungskosten der Farm zu verzinsen und zu amortisieren. Eine solche Wirtschaft muß 1660 Pfund Sterling und sogar noch mehr kosten und alle die verschämten Versuche, sie billiger zu berechnen, nützen nichts. Wer genau rechnen will, muß zu dieser Zahl kommen. -Und was kann eine solche Wirtschaft vei größter körperlicher Anstrengung abwersen? Im günstigsten Fall ein Pfund Sterling per Dunam Bruttoertrag, der nicht dazu ausreichen kann, sowohl die Ausgaben der Wirtschaft, wie auch noch Zinsen und Amortisation zu bezahlen. Sehr zweifelhaft erscheint mir auch noch die Rentabilität der neuen 25-Dunam-Wirtschaften in Herzliah, die auch noch um die 1666 Pfund Sterling werden kosten müssen, wegen ihrer Bodenfläche, die zu groß ist für Handarbeit und zu klein, um die Haltung eines Pferdes, für das bekanntlich mehr Land erforderlich ist als für die ganze Familie, rentabel zu gestalten. Die Grenze für erfolgreiche gartenmäßige Handbearbeitung ist etwa 10 Dunam und die für eine arbeiterreiche Familie. Eine Sicherheit für Kreditgewährung kann nur eine gut rentierende Wirtschaft abgeben. Diese wird unbedingt die intensive Wirtschaft und diese allein in Palästina sein. Die intensive Bebauung einer kleinen Parzelle mit hochwertigen Produkten erfordert ein verhältnismäßig kleines Anlagekapital, schafft aber von der Bodcneinheit hohe Gelderträge. Das Klima in Verbindung mit der Möglichkeit der Bewässerung verwandelt Palästina in ein Land der höchsten Pvoduktionskraft. Und Erfolg in der Landwirtschaft, wie auch auf anderen Gebieten der menschlichen Betätigung, hat der Betrieb, der bei geringer Kapitalinvestierung hohe Erträge abwirft. Das ist der Begriff der Intensität. Ich will nicht hier noch einmal die Grundideen meiner Forderung der intensiven Bodenbebauung für Palästina wiederholen, will aber nur darauf Hinweisen, daß malt an kein Problem der Kolonisation Herangehen kann, ohne zuvor die Frage nach de in Wirtschaftstyp — ob extensiv oder intensiv — zu lösen. Die Frage kann man weder umgehen noch gar totschweigen. Ein Risiko auf gut «lück. Von Samuel Kantor. Der herrannahende Kongreß ist bestiimnt, die Enischeibung über ein Problem zu treffen, von deren Bedeutung Wohl und Wehe, ja das Geschick unserer Bewegung abhängt. ■ Die Erfahrung lehrt uns so manches, was die Beruttnft nicht vermag. Um sich von der Struktur einer in geplantem Sinne erweiterten Jewish Agency eine richtige Vorstellung zu machen, denke man an die anläßlich unserer letzten Keren-Hajessoo-Kampagne gesammelten Erfahrungen und Wahrnehmungen negativer Natur. Man sollte ja meinen, daß gerade der Uebertritt des Zionismus aus seiner engen Sphäre der Ideologie in das Stadium der praktischen Realität, die durch die 'beispiellosen Erfolge jüdischer Produktivität in Palästina in den letzten Jahren so markant gekennzeichnet wird, das geeigneteste Moment bildet, um den Asstmilationsjuden die Augen zu öffnen. Und dennoch, welche Enttäuschungen erlebten wir täglich! Cs gehört wohl nicht wenig Demut dazu, jenen „Internationalen" Mischer Abstannnung auch nur einen Funken von Verständnis für die wahre ethische Bedeutung des Palästinawevkes beizubringen. Ein ewiges Anklammern au die negative Kritik und »fm, Vllsr»r«stzMmO. _ Mitten»««» »« X» MtbAm». «MaraiMlMl l/tE* 0«r<««> Skepsis. Aber unter allen Vorwänden und „«v-umenten" mutz der Hinweis ans etwaige charitative Leistungen, dessen sie sich zur Ablehnung des ZtonttnmS bedienen, «n schmerzlichsten berühren. Den« wer eine Keren- Hajessod-Gteuer mit Irgend einer phllanchrvpffchen Leistung identifiziert, ist völlig unfähig, den nationalen Gedanken der Zionismus in seiner historischen Bedeutung zu erfasse«. Aus dieser inneren Ueberzeugung tau sich ««in Begriff von der Konstruktion und dam inneren Gefüge einer geplanten Jewish Ageney aus. Warum sollten denn die für eine „Mitarbeit" ln Betracht kommenden Notabeln von besserer Qualität sein als die uns psychologisch zur Genüge bekanntgewordenen Liberalen unserer Umgebung? Die assimilatorische Großbourgeoisie ist einmal gerne bereit, Palästina den Zionifteu zu überlassen und ihre Arbeit gutzuheißen, besitzt jedoch nicht da» geringste Interesse, am Aufbauprozeß aktiven Anteil zu nehmen. Bestenfalls sympathisieren sie mit Palästina als Zustuchtstätte für heimattose Emigranten, ohne welche Empfindungen für ein wirkliches Nationalheim. ES wird gern« mit dem Hinweis aus die Bestimmung der Mandat« betreffend die Heranzichung von Juden zur Mitarbeit operiert. Nichts kann sehnlicher herbeigewünscht werden, alS die Verbreitung unserer Idee und die Heranziehung aller jüdischen Volksschichten zur Aktivität. Der Zionismus ist ja eine Bollsbowegung zur nationalen Wiedergeburt und ist geeignet, alle im BoAe schlummernden Kräfte zu neuem Leben zu erwecken. Wo sicht es jedoch geschrieben, daß diese Heranzichung nur in Form einer fünszigprazentigen Vertretung in der Zionistischen Exekutive erfolgen müsse? Gilbt es denn sonst gar keine Formen, Mittel und Wege für eine Heranzichung. als die Früchte jahrzehntelanger, mit Herzblut vollbrachter Arbeit aus der Hand zu geben? Eine der wichtigsten Tendenzen des Zionismus ist ja seit jeher die Deeinslussung weiter jüdischer Kreise autzechalb der Zionistischen Organisation (wofür übrigens auch ich stets bet jedweder Gelegenheit eingetreten bin), dies kann jedoch mit im Wege systematischer und zielbewußter Erziehungsarbeit vor sich gehen, um aus solche Art aus indifferenten Juden voMbowußte Zionisten heranreisen zu lassen. Welcher Optimist wird sich aber der Illusion hingeben, daß diese Aufklärungsarbeit in der Form von Beratungen am grünen Tisch denkbar wäre. Dieser Pakt mit Notabeln ohne nationales Zuscvmmengehörigikeitsgefühl, die in puncto Zionismus rechts und links nicht zu unterscheiden verstehen, wäre also höchstens als reine Gel-Partie zn werten, wobei es jedoch mehr als fraglich erscheint, ob deren Geldznlvendungen nunmehr einen Zuwachs erfahren würden, der die ernste Gefahr einer politischen Diskrepanz austviegen könnte. In einer derart bedrohten Situation, in -er sich der Politische Zionismus augeMicklich befindet, bedeutet dies ein Risiko auf gut Glück, gegen das sich der gesunde Menschenverstand auslehnen muß. Unser Maximalprograman in bezug aus Palästina ist kein quantitatives, sondern ein qualitatives. ES kommt nicht darauf an, Palästina unbedingt ausznbauen, auch wenn man sich mit dem Teufel verbündet, sondern hauptsächlich aus die Art und Weise, w i e Palästina aufgobaut wird. Keinesfalls dürfen wir utiS mtt den bisherigen, den wahren Sinn dos Mandats verstümmelnden Definitionen britischer Politik bescheiden, vielmehr inüssen wir unsere breechtigten natioiral-Mturellen Aspirationen unermüdlich reklamieren, damit der Geist des Zionismus in seiner Reinheit durchdringe. Der Zionismus darf absolut nicht zu einer rein ökonomischen Angelegetcheit degradiert werden, indem er auf die Sieldlung beschränkt' bleibt, sondern er muß die gesamte Fülle von Problemen, die sich um das Zentralproblem der Regenerierung deS jüdischen Volkes gruppieren, einer organischen Lösung zuführen. Als Voraussetzung hiesür gilt eine konsequente und zielbewußte jüdische Politik. Wir stehen im Zeichen aufsteigender Realisierung unseres Aufbauwerke- und da bedarf es Mehr denn je der engen Knüpfung der zionistischen Bande und der Intensivierung aller ans die Regeneration des jüdischen Volles abzielenden Kräfte. Die Tragweite der Schaffung einer Jewish Agency mit einem definitiven, nie wieder gutzumachonden Flftyfifty^ystem ist unübersehbar. Würde und Charakter einer volkSbowußteu. auf die Vitalität der Zionistischen Organisation basierenden Jewish Ageney muß gewahrt bleiben. Ihre Karöinalaufgabe soll darin beuchen, in die Glieder des jüdischen Volkes einen neuen nationalen Strom zu gießen und Palästina vollständig zu j n d a i s i e r e n, denn uns genügt nicht ein jüdisches Gemeinwesen, wir wünschen ein jüdisches Palästina. . In die Leitung einer starken Zionistischen Organisation gehören hundertprozentige Z i o n i st e n mit hohem Berantwortungsgef ü h l gegenüber dem Gesamtjudentum, denen der Zionismus Lebensinhalt bedeutet und die mit allen Fasern ihres Herzens für die restlose Durchsetzung unserer n a t i o n a l e n Forderungen zu kämpfeu bereit sind, damit der nationale Geist von der Peripherie in de» Mittelpunkt detz Aufbauwerkes gelange. ZV. M r« ‘ ' 6m 9) Möge mm auf der Kongreßtagmeg sich die Erkenntnis Vch» brechen, daß wir daß Geschick unseres LebenSverkeß nur de« Trägern der «atio»alen Re»aisfaneebewegn ng anvertrauen dürfen, die vom Bewußtsein des Endziels geleitet werden: AuS dem einstigen Palästina eilt wahrhaft jüdisches Erez Israel zu Machen. ft» Vorschlag rar mm der politischen Probleme. van Dt. fotftud Dohany, Vizepräsident ta jugoslawischen Das lebensvolle breite Strömen der Energien in den ftMtetotfen des Kemgvesfts ist das echM>iche Symptom ei-mr achmiden, leLendiHen Bewegung. Sowohl die Bewegung der «tfrifok« ww auch tau vevUtaiWchen Gruppe enGvvngt tan Gefühl«, daß träger Qpttnrickmus bezüglich der politische» und adrmnistmtivett VsrMtN'isse Palästinas um so Iwsrrign wie in ti-nvnt DämMttMtgSKusto'N'de weichergefpounen werden darf, je mit tat Werk Mich wächst, je wahr das jüdisch- Stzbon im Lande zur Wahrheit wird, um so m>chr macht sich dvr Mangel brennend fühlbar, daß der AuSdru-ck des Mandates „jüdisches Nnironalhoim in Palästina" immer bremwnder einer positiven klaren Ämifchveilbung uvd eimeS tzsstgefügten Inhaltes Ich sehe in all diesen Bewegungen das Gefühl sich offenbaren, daß man nicht mehr werter zusihen kann, daß die jeweilige wohlwollende oder übelwollende eiiMche Regievtmg oder gar eine autonome arabische Mehrheit «es näher bostiamnen soll köninon, wie weit Pälastvm fti«. Juden „national" und iv-ic weit es eigentlich „Heim" sein soll. Wie iuci-t neue Strömungen in einer Bewegung eine nähe aber fernere UntgoslMmig der Bewegung hevbeiführen körmen, dies hängt davmr ab. Wwvrol darin vo>n negativer Kritik und wieviel posibiveltt. VmtstrMrven Inhalt sich befindet. In der bisherigen Debatte faß der Schwerpunkt, wie bei einer jeden }u'it0eu oppolsitfanellen Bewegung, rät der negativen Serie dersellöert gegenüber der bicherigett Mtischen Richtung -m\b der Jetwifh Ägency. Neben dieser aWhrtentarr Mtrtng steuert die JabotmM)- Gruppe mm jüdischen staaMchcn SouVeranM zu. währaud die. radMen Zionisten bei der Forderrt-ng enter energischeren Politik dem Völkerbünde und der Mandatarmacht gegenüber beharren. Die Jäbvtmsiky-Gvuppe stellte vereinKÄte positive Forderungen auf, iwähreud die Forderungen der rädi- Lälen Zjmtisten mehr allgoweimer prinzipieller Ratur sind. Ihr Standpunkt ist, vom Standpunkte der Revisionisten nur in negativer Richtung abgegrenzt. Es geht aus ihrem Programnt hervor, daß sie nicht den Judenstaat, sondern das offizielle Programm eines Natiottalitätenstaates sich aneignen, in welchem die beiden Nationen gleiche, Stellung Der gesmvde Kern beider Beivegung ist wie gesagt in der mutigen, offtnert Aussprache der Unzulänglichkeit unserer bisherigen Politik. Die Umgestaltung unserer Bewegung, das Schaffen eines felsenfestetr Bodens für unser Werk in Palästina kann aber meines Erachtens durch die Amwhnte verei-itzel'ter koetkveter Forderungen der einen oder der anderen Gruppe nicht erreicht lverden. Wird die Frage der tätigen MiitwivVung nichtzionistischer MontentL durch die Mfahmrug der Jewish Ageney allein oder durch die Vertagung dieser Frage gelöst? Oder wird die Frage des Verhältnisses zur Mandatarmacht, zum aralbischen SSoWe und zur Regierung und Bevwaltung des Landes selbst dttrch die Sicherung der Einflußnahme aus die Eruenmrng des High-Eommissiouers gelöst? Wird durch die Ablehnung des Majoritätsprinzipes irr der bereits seit Jahren schwebenden autonomen Verwaltung des Landes unser Verhältnis zu den Arabern und die Sicherung unserer Rechte auf feste Grundlage gelegt? Ich will durch diese Fragen neben dem gesunden Kern beider Bewegungen aus eine Nnzulänglichkeit Hinweisen. Der: Mangel dieser Bewegttrtgen wie auch der bisherigen zionistischen Politik sehe ich davin, daß es noch nicht festgestellt und laut ausgesprochett wurde, daß zur Werbung für die zionistische Idee die Anerkennung des Prinzipsdes jüdischen Nationalheimes genügte, eine Anerkennung ohne nähere rechtliche Bestmtmung. Es ist sonderbar, daß, wo die zionistifche Oesfentlichkeit vom Rufe wbderhallt. jetzt sind die Methoden und Fragen der praktischen AuMhrung des Ausbaues die bvonnrnden LebenSsvagen, zu« seilben Zeit sich die ganze PoMische Deba-tte noch immer in Allgemeitchei'bett bewegt, als handle es sich noch immer nur um Werbung für die .Idee, oder Enunziationen an eine zu gewinnende Oeffentlichkett. Und es handelt sich doch heute um etwas gattz anderes. Es handelt sich bereits darum, wie sich die lebertde, bestehende, täglich wachsende jüdische Gemeinschaft in das öfferrtttche, gesetzlich geregelte Leben des Landes einfügen soll, mit welchen Rechten und Wichten der Aiandatarmacht und dem arabischen Volke gegenüber. So weit hat sich diese Art der Anschauung unseres brennendsten Problems befestigt, daß zum Beispiel Doktor Margulies sogar in diesen Tagen in einem ernsten Artikel davor mahnte, das Problem des Verhältnisses zu den Arabern überhaupt auf dem Kongresse naher zu ta handeln. (Selbstwehr.) Die Rolle des Kongresies in der Frage der Stellung de- Mischer» Volkes im Lande stellen sich die meisten so